eben so massiven , hochlehnigen Stühlen umstellt , auf deren Sitze Madame St. Albans eben beschäftigt war , rothe damastene Kissen zu legen , offenbar ihrem Gaste zu Ehren , denn Marylone , die junge Magd , die Miß Eton zuerst begrüßt hatte , stand damit bis unter das Kinn bepackt , und wurde nur durch das hastige Zugreifen ihrer Gebieterin nach und nach von ihrer Last befreit . » Ah , seht doch , da seid Ihr schon , Miß Eton ; « sagte Madame St. Albans , offenbar von dem zu frühen Erscheinen derselben gestört - » nun , Ihr seid nicht ungesellig , wie ich sehe , und das freut mich , obwohl meine Zeit mir wenig eigentliche Ruhe gönnt . « » Wenn ich mich wohl in Eurem Hause fühlen soll , « sagte Elmerice , » müßt Ihr , liebe Madame St. Albans , vor allen Dinge nie auf mich Rücksicht nehmen . Ich hoffe , daß Ihr mir gestatten werdet , Euch durch Haus und Hof zu begleiten , um Eure vortreffliche Haushaltung kennen zu lernen - so werde ich in Eurer Gesellschaft sein , ohne Euch hinderlich zu werden . « Diese wohlgemeinte Rede verfehlte jedoch ganz ihren Zweck . Madame St. Albans war von Natur mißtrauisch und hatte immer Furcht , man wolle ihre Art und Weise tadeln , oder sie lächerlich machen ; gegen Miß Eton hatte sie den Verdacht einer höheren Geistesrichtung gefaßt , und wie ihr unbegreiflich war , wie sich damit das Interesse für Häuslichkeit und wirthschaftliche Thätigkeit vereinigen könne , so schien ihr die Rede des Fräuleins reine Verstellung , hochmüthige Herablassung oder Spott sogar . Sie lachte daher ziemlich höhnisch auf und sagte dann , wie sie hoffte , ihre Meinung verständlich machend : » Behüte mich Gott , daß ich ein so zartes , hochgebildetes Fräulein so beleidigen sollte , sie mit Wirthschaftssachen zu belästigen ! Nein , mein gutes Kind , so viel Bildung haben wir gerade auch noch , um zu wissen , wie solche feine Dämchen behandelt werden müssen . Ihr gehört mit Euren zarten Händchen und feinem Gesichtchen in die Stube ; ich aber habe in meinem Berufe weder Gesicht , noch Hände schonen können , sie sind jetzt nichts Anderes mehr werth , als weiter fort zu schaffen , was sie nicht ohne Erfolg , wie ich hoffe , bis jetzt geleistet haben . « » Wollt Ihr mich denn glauben machen , « erwiederte freundlich nahend Elmerice , diese Antwort verschmerzend , » daß Bildung so heilige Interessen , als das Wohl des Hauses für eine Frau sein muß , ausschließe ? Ich dachte gerade , Bildung lehre uns erst recht , den Werth und den Genuß solcher Pflichten verstehen , und dies muß auch gewiß Eure Meinung sein . « » Was so eine gewöhnliche Frau denkt , wie ich , Miß Eton , darauf kömmt wenig an , ich habe nur so meinen schlichten Menschenverstand , mein Bischen gesunde Vernunft , von hoher Bildung aber weiß ich nichts - das müßt Ihr verzeihen , wenn ich Euch damit nicht dienen kann . « - Während dessen waren die Stühle alle mit festgebundenen Polstern versehen , und jetzt flogen sie auf einen Wink der selbst angreifenden Hausfrau aus einander , und mit Hülfe der pfeilschnellen , kräftigen Marylone breitete sich ein schöner kleiner Teppich darunter aus , welches Alles dem Gaste zu Ehren geschah , und allerdings das Plätzchen um Vieles wohnlicher und ansprechender machte . Als dies zur Zufriedenheit der Madame St. Albans beendigt war , ordnete sie nun mit Marylone das Decken des Tisches selbst an , indem sie fast immer in dem Augenblicke , als das geschickte und flinke Mädchen die Geschirre auf ihren bestimmten Platz stellen wollte , ihr dieselben aus der Hand riß und mit den Worten : » Sieh ' Dich doch vor , hierher kömmt das ! « es selbst an seinen Platz setzte . Zwischen dieser Thätigkeit war sie noch von einer andern Unruhe , über das lange Ausbleiben ihres Mannes , geplagt . Alle fünf Minuten eilte sie nach der Hausthüre , riß sie auf und kehrte getäuscht mit den Worten zurück : » Unbegreiflich , wie Herr St. Albans sich heute so verspätet . « Dies Ausbleiben nahm endlich alle ihre Gedanken ein , der Tisch war gedeckt , Marylone entfernt , und ihr blieb nichts übrig , als sich in ruhiger Erwartung , ihrem Gaste gegenüber , an den gedeckten Tisch zu setzen ; aber dadurch steigerte sich ihre Unruhe um dies Ausbleiben bis zur übeln Laune und gelegentlichen Ausbrüchen von Heftigkeit , die Elmerice nicht zu nähren wünschte , und die sie endlich verstummen ließen . Da schlugen alle Hunde zugleich bellend im Hofe an , und augenblicklich sprang Madame St. Albans von ihrem Sitze auf und lief nach der Thür , sie in dem Momente öffnend , als ihr Gemahl ihr darin entgegen trat . Beide begrüßten sich mit ungemeiner Herzlichkeit , die aber dies Mal von Seiten der lebhaften Frau unterbrochen ward , indem sie ihn vorführte , ihn vor Elmerice hinstellte und mit vollkommen wiedergekehrter guter Laune ihn frug : ob er ahne , wer dies sei ? Herr St. Albans richtete seine freundlichen Augen auf die Vorgestellte , und verneigte sich dann mit auffallend gutem Anstande : » Ich zweifle nicht , unser sehnlicher Wunsch ist in Erfüllung gegangen und wir genießen das Glück , Miß Eton unsern Gast zu nennen . « » Errathen ! « rief die kleine Frau , lebhaft in die Hände schlagend - » meiner Margarith einzige , liebe Tochter ! « » Glaubt , Miß Eton , « sprach St. Albans , » meine gute Frau weiß Euch keinen höhern und liebern Rang beizulegen , als den eben genannten . Erlaubt mir auch meinerseits das herzlichste Willkommen . « » Da hast Du recht , mein lieber Mann , « sagte Madame St. Albans , » Alles , was sich auf meine Margarith bezieht , ist mir heilig . « Tief gerührt dankte Miß Eton beiden Eheleuten , und konnte nicht ohne einiges Erstaunen die ungemein vortheilhafte Persönlichkeit des Hausherrn betrachten . Seine Frau überschüttete ihn mit Fragen und Aufmerksamkeiten jeder Art , und er hatte eine immer freundlich anerkennende Höflichkeit für ihre sich selbst genugthuende Dienstlichkeit , und doch behielt er eine Ruhe und Aufmerksamkeit für seine Umgebungen , die von wahrer Herzensgüte und einer höheren Geistesrichtung zeigte . In seiner Gegenwart fühlte Elmerice zuerst sich etwas aus dem gespannten Zustande erlöst , den sie beim Alleinsein mit Madame St. Albans empfunden hatte ; sie durfte wagen , sich ihrer eigenen Stimmung hinzugeben , denn in der Gegenwart ihres Mannes blieb jeder Andere für diese zärtliche Frau ziemlich unbeachtet , und sie hing nur an seinem Munde , um sich für ihre eigenen Gedanken Auskunft zu verschaffen . Auch hierbei blieb sie sich völlig gleich ; ihre unverkennbare Zärtlichkeit ging doch sogleich in empfindliche oder mißlaunige Aeußerungen über , wenn die des Herrn St. Albans im Geringsten von den ihrigen abzuweichen schienen , und sie legte auch gegen ihn ein gewisses mißtrauisches und heftiges Wesen nicht ab . Dessen ungeachtet war ihr ganzer Zustand jetzt freier und leichter , und die feine Haltung ihres Mannes wußte immer geschickt sie selbst zu einem feinen Betragen zurückzuführen , was sie anzunehmen allerdings ganz wohl verstand . Einige Unterverwalter nahmen die übrigen leeren Plätze bei Tische ein , und es herrschte bald eine ziemlich ruhige , unbefangene Unterhaltung , die Herr St. Albans mit vielem Geschick auch für seinen jungen Gast zugänglich zu machen wußte , während seine Frau in unruhiger Thätigkeit mit dem Vorlegen und Anbieten der übrigens vortrefflich zubereiteten Speisen beschäftigt war . Es würde schwer sein , in dem Verlauf einer Woche , die wir nach dem erwähnten Abend als beendigt erklären müssen , eine bedeutende Mannigfaltigkeit in dem Leben auf der Abtei Tabor angeben zu können . Miß Eton hatte nach einigen mißglückten Versuchen , aus sich heraus in die Ansichten der reizbaren Hausfrau übergehen zu wollen , sich mehr auf sich selbst zurückgezogen - ihre Zeit nach der Ordnung des Hauses eingetheilt und sich Spaziergänge gesucht , die freilich bei ihrer Einförmigkeit und der ganz allein auf den Nutzen gerichteten Einrichtung des ganzen Gutes nur sehr wenig Genuß gewähren konnten . Doch das Frühjahr schritt vor , das Wetter ward warm , der Himmel heiter und blau , die Felder und Wiesen grünten in seltener Ueppigkeit , und es fehlte nicht an Veranlassung , ein unbefangenes Gemüth zu erfreuen . Und doch sehen wir Miß Eton oft stundenlang mit gesenktem Haupte und tief athmender Brust in einer Theilnahmlosigkeit daher wandeln , daß uns scheinen möchte , ihr Geist sei abwärts in trübem Schmerze verloren . Ihre Wohlthäterin versäumte nicht , ihr nach einiger Zeit die Nachricht von der Ankunft ihrer Gäste in Ardoise zu melden , mit dem Zusatze , wie lebhaft sie jetzt in dieser Freude ihren Liebling vermisse , wie sie sich sehne , daß er bald zu ihr zurückkehren möge . » Und doch , « rief Elmerice nach Lesung dieses Briefes , » wirst Du mich in diesem schönen Kreise nicht willkommen heißen , dennoch verbannt mich mein Geschick von dem Aufenthalte , der allein jetzt auf der Welt noch Reiz für mich hatte ! « Ein Strom von Thränen erleichterte ein Herz , was von den bittersten Schmerzen der Jugend belastet war , und mit einer Ergebung , aber auch mit einer Trostlosigkeit , die nur ein Schmerz , wie Elmerice ihn fühlte , zu geben vermag , wiederholte sie sich das schwere Gelübde , den Gästen auf Ardoise um jeden Preis zu entfliehen . Ein heftiges Gewitter hielt Miß Eton auf ihrem Zimmer fest , so sehr sie sich sehnte , im Freien der beklommenen Brust neue Kraft einzusammeln . Der Regen , mit Schlossen vermischt , stürzte verfinsternd herab , und der Sturm peitschte die Regenströme im Wirbel gegen die klirrenden Fenster . Elmerice blickte ruhig , ja , mit einer Art von Genuß in diesen wilden Aufruhr der Natur . Wer tiefe Seelenangst empfindet , den lebenstödtenden Kummer , der die Schönheit der Erde uns wie einen Vorwurf fühlen läßt , da wir uns nicht theilnehmend daran zu erfreuen vermögen , der wird fast getröstet von einem Zustande der Natur , der keine Anforderungen an unser Gefühl macht oder in seiner wilden Aufregung zu überbieten scheint , was an Qual und Unruhe unsere Seele verletzt . Heftig stürzte jedoch , dies schmerzliche Nachdenken unterbrechend , Jemand die Treppe herauf , und Marylone flog blaß wie der Tod auf Miß Eton zu . » Helft ! helft , Miß Eton ! um Gotteswillen , helft ! sie stirbt uns unter den Händen ! wir wissen uns nicht zu helfen , nicht zu retten ! « - » Um Gotteswillen , was hast Du ? « rief Miß Eton - » was ist geschehen ? « - » Kommt , kommt ! unsere Frau stirbt ! - Madame St. Albans ! o kommt uns zu Hülfe ! « - Schon flog Elmerice die Treppe hinab und über den Saal dem kläglichen Angstgeschrei entgegen , das ihr aus einem der untern Zimmer zu Ohren drang . Der erste Augenblick raubte ihr jedoch fast selbst die Fassung , denn sie sah hier Madame St. Albans wie eine Leiche auf der Erde liegen ; das Gesicht war verzogen und blau - die Hände , Füße , der ganze Körper krampfhaft zusammen gepreßt . In bangem Geschrei , aber ohne alle Hülfleistung lagen die Mädchen des Hauses um sie her , und Elmerice wußte freilich für den Augenblick auch nichts Anderes zu thun , als sich neben der Sterbenden oder Todten nieder zu werfen ; aber hier entdeckte sie bei flüchtiger Berührung , daß die unglückliche Frau in völlig durchnäßten Kleidern da liege , und auf ihre schnellen Fragen erfuhr sie nun , daß Madame St. Albans das heftige Gewitter im Freien überrascht , und dies einem großen häuslichen Ungewitter gefolgt war , welches sie noch in der größten Aufregung und Erhitzung hinausgetrieben hatte . Jetzt war der Zustand allerdings erklärt , aber nicht weniger bedenklich ; doch Elmerice hatte ihre ganze Besonnenheit wieder erlangt und ließ aufs Schnellste die unglückliche Frau nach ihrem Schlafgemach tragen , wo sie bald in trockene Wäsche und in ihr Bett eingehüllt , und unter Elmerice ' s Anleitung mit warmen Tüchern gerieben ward , während ein Bote abgesandt wurde , Herrn St. Albans zu suchen , und ein anderer nach der eigentlichen Abtei Tabor , den Arzt der Mönche herbei zu rufen . Bis tief in die Nacht blieben die vereinigten Bemühungen der Herbeigerufenen fast erfolglos , es zeigte sich kein Zeichen des Lebens , und schon sank den Bemühten der Muth , als plötzlich ein Ausbruch von Konvulsionen erfolgte , der dem wiederkehrenden Leben voranging und endlich die Augen der Leidenden öffnete . Doch war ihr Zustand noch höchst gefährlich , und der ehrwürdige Pater Ambrosius , der Arzt der Abtei Tabor , konnte den angstvollen Fragen des Herrn Albans nur die einzige Thatsache zusichern , daß sie für den Augenblick lebe . Der Schmerz des unglücklichen Gatten hatte alles Rührende einer wahrhaften Empfindung , doch behielt er zu jeder Antwort , jeder Anordnung , Besonnenheit und Ruhe . Elmerice und die treue , geschickte Marylone theilten alle nöthigen Dienstleistungen , und nachdem 24 Stunden ohne Wiederholung des gefürchteten Schlagflusses vorüber waren , gab Pater Ambrosius Hoffnung zu ihrer Wiederherstellung . Doch war ihre Ermattung so groß , daß sie nur unklar zu denken schien und noch undeutlicher zu sprechen vermochte . Doch sie lebte , und alles Uebrige schien Herrn St. Albans erträglich , unbedeutend sogar . Er hatte jedes Geschäft außer dem Hause aufgegeben . Nach einer kurzen Besprechung an jedem Morgen mit seinen Verwaltern schien er auf der Welt nichts zu thun zu haben , als die Athemzüge , den Puls seiner Gattin zu zählen , ihr freie Luft und Licht zu nehmen oder zu gewähren , Kissen und Decken zu ordnen , wie es ihr Erleichterung verschaffen konnte . Die Besinnung der Leidenden schien auch zuerst bei diesen zarten Liebesbeweisen sich zu ordnen , die Erschöpfung machte sie sanft , und Elmerice fand sie liebenswürdiger , als sie ihr je erschienen war , denn sie lächelte , ohne das Rollen ihrer sonst unruhigen Augen , Jeden sanft an , schien jeden Dienst zu kennen und lohnen zu wollen , und ihre einzelnen Worte bezeichneten immer irgend ein wohlwollendes Gefühl . Pater Ambrosius sprach nun immer bestimmter die Hoffnung ihrer Genesung aus ; und nach einer ruhig durchschlafenen Nacht redete sie Elmerice und ihren Mann mit klarer und ruhiger Stimme an , und ihr volles Bewußtsein und der Gebrauch ihrer Sprache versetzte Beide in die freudigste Stimmung . Nach einigen Erörterungen über ihr Befinden kehrte auch augenblicklich ihre alte Art und Weise zurück . » Aber , St. Albans , « sagte sie , » was wird aus unserer Wirthschaft werden ? Du bist den ganzen Tag hier im Zimmer gewesen , und wie wird draußen in meinem Haushalte Alles verwildert sein ! O mein Gott , « seufzte sie schwer , » welch ' ein Unglück , wenn eine Hausfrau erkrankt ! « » Beruhige Dich , meine liebe Frau , « sagte Herr St. Albans , » meine Geschäfte haben nicht darunter gelitten , meine Verwalter und alle meine Leute haben mir ihre Theilnahme an meinem Kummer durch vermehrten Fleiß und Thätigkeit bezeigt . « - » Nun wahrlich , « unterbrach ihn die Frau rasch , » da bist Du glücklicher , als ich - doch sieh ' nur erst selbst nach . Du wirst wohl finden , wenn Du erst suchen wirst , und nun Du - ja , Dein Geschäft hat freilich nicht so die tägliche Aufsicht nöthig , wie das meinige , mir wird es desto schlimmer ergangen sein , wenn ich nur erst wieder umher blicken kann . « » Auch dieser Kummer , meine Liebe , « erwiederte ihr Mann , » wird Dir erspart sein , denn Miß Eton hat jeden Morgen um zwei Stunden ihren Schlaf abgekürzt , Dein Haus in Ordnung zu erhalten , und Du wirst sehr überrascht sein , Alles in so vortrefflichem Zustande zu finden ! « » Miß Eton ! « rief die Kranke - » Miß Eton meine Wirthschaft geführt ? Nun , das muß ich sagen , überrascht mich - es ist aber recht viel guter Wille , und ich danke , danke recht sehr , liebe Miß ! Die Leute haben doch nicht Alles verwahrlosen können ; nicht wahr , liebe Miß , verschlossen hieltet Ihr das Meiste ? da werdet Ihr auch haben kennen lernen , wie unachtsam die Leute sind , wie wenig man sich auf sie verlassen kann , wenn Ihr auch in zwei Stunden täglich nicht viel Erfahrungen machen konntet - nun , ich danke sehr für den guten Willen . « » Damit müßt Ihr allerdings Euch genügen lassen , « erwiederte Miß Eton lächelnd - » doch auch ich muß lobend Eurer Leute gedenken , die sich Mühe gaben , mich zu unterstützen , und von denen ich leicht und pünktlich Alles erhielt , was ich anzuordnen für nöthig fand . « » Nun , nun , « sprach Madame St. Albans lachend , » Ihr werdet es wohl gnädig gemacht haben , denn die wirthschaftlichen Anordnungen einer so jungen Dame werden wohl leicht zu erfüllen sein ; das stößt noch nicht um , mein Kind , wenn ich behaupte , man findet bei sorgsamer Führung der Haushaltung wenig Unterstützung bei den Domestiken , und wenn ich täglich nur zwei Stunden dran setzte - wo denkst Du wohl , lieber Mann , daß Haus und Hof schon hin sein würden ? « » Gewiß , meine Liebe , « erwiederte Herr St. Albans etwas schnell - » widmest Du Deiner Haushaltung mehr Zeit , Du hast aber auch nicht die großmüthige Pflicht dabei übernommen , mit aufopfernder Sorgfalt eine todtkranke Freundin zu pflegen , wie es Miß Eton that ; und vielleicht , wenn Du erst kennen lernst , wie musterhaft selbst in dieser kurzen Zeit alle Geschäfte gethan wurden , findest Du selbst später , daß man sich mehr Muße gönnen kann , und doch nichts zu versäumen braucht . « » Wirklich , Herr St. Albans ? « sagte die leicht aufgereizte Frau , mit großer Empfindlichkeit , » nun Ihr scheint außerordentlich mit Eurer neuen Wirthschafterin zufrieden zu sein , da Ihr meint , ich , die lang ' erfahrene Frau Eures Hauses , solle in die Lehre gehen bei der jungen Miß ! Da werde ich wohl ganz verzagt sein müssen , mein Amt wieder anzutreten . « » Ich bitte Euch , liebe , theure Frau , beschämt mich nicht so durch Euren Spott , « rief Elmerice , ängstlich bittend sich zu ihr wendend . » Nur zu wahr wird es sein , daß Alles , was ich that , Euch nicht genügen kann - Herr St. Albans will sich blos gütig gegen meine gute Absicht zeigen . « Herr St. Albans bedauerte gewiß sehr , die heftige und eifersüchtige Frau gereizt zu haben aber er hatte diesmal nicht die Stimmung , den unangenehmen Ausbruch durch seine dann immer eintretenden kleinen Schmeicheleien zu dämpfen , sondern er stand schnell auf , und gegen Miß Eton sich verneigend , sagte er ernst und ruhig : » Seid gewiß , Miß Eton , ich empfinde aufs Tiefste , welche Stütze Ihr in dieser Schmerzenszeit uns Allen gewesen , und zweifelt nicht , meine gute Frau wird Euch auch später diese Anerkennung nicht versagen . « Etwas erschrocken über die feste Haltung ihres Mannes , rief Madame St. Albans halb weinerlich : » Aber um Gotteswillen , Herr St. Albans , Sie sind ja so heftig , wie ich Sie noch nie gesehen ! Wie könnt Ihr denn denken , ich werde undankbar sein gegen Miß Eton ? - wenn könnte man mir das nachsagen - habt Ihr aber wohl Recht , gegen mich arme kranke Frau so heftig zu sein ? « » Wenn ich das war , « sagte Herr St. Albans in milderem Tone , » hatte ich allerdings Unrecht - doch war dies weder meine Absicht , noch mein Gefühl ; ich wünschte mir nur eine Gelegenheit , Miß Eton die volle Anerkennung zu gewähren , die ihre große Güte und Umsicht mir einflößte . Jetzt will ich einmal selbst meinen Geschäften nachgehen , von denen Du fürchtest , ich habe sie vernachlässigt . « - Er erhob sich , umarmte stumm und freundlich seine Gattin , grüßte ehrfurchtsvoll Miß Eton und verließ mit ruhigem Anstande das Zimmer . Elmerice blieb nun in ängstlicher Spannung mit der Kranken allein . Sie wünschte die Zürnende anzureden , aber sie fühlte sich völlig unsicher über den Gegenstand , den sie zur Unterredung wählen sollte . Endlich fing sie von den verschiedenen Domestiken und deren Verhalten zu sprechen an , und frug , wie um Belehrung , nach mehreren wirthschaftlichen Gegenständen - aber alles wirkte nicht . » Ihr werdet das besser wissen , als ich , Miß Eton , wie ich so eben erfahren habe , « sagte sie mißlaunig , » ich fand die Tugenden nicht an den Leuten , die Ihr rühmt , aber ich sehe auch die Dinge , wie sie sind , mich können sie auch nicht betrüben . Laßt Eure Schmeicheleien , ich bin eine einfache Frau , für mich paßt das nicht ; da Ihr Alles besser wißt , braucht Ihr mich nicht um Rath zu fragen - mir ist auch Alles ganz gleich - mag Alles gehen , wie es will , ich mache mir gar nichts daraus . « Dies waren ungefähr die höchst übellaunigen Reden , die Elmerice zur Antwort bekam , und die ihr endlich ein ruhiges Schweigen auferlegten . Doch plötzlich rief Madame St. Albans , nachdem sie einzelne Worte ausgestoßen hatte : » Wer hätte denken sollen , daß Herr St. Albans mich so heftig behandeln könnte ! « Erschrocken näherte sich Miß Eton sogleich dem Lager der Kranken , und bat sie herzlich und dringend , sich doch die Aeußerungen ihres Mannes nicht so zu Herzen zu nehmen . » Gewiß war sein Lob nur das Bemühen , Euch über Eure häuslichen Sorgen zu beruhigen , und vielleicht « - setzte sie schüchtern hinzu - » glaubte er selbst keinen Vorwurf verdient zu haben , da , wenn er seine Geschäfte vernachlässigt hat , dies aus Liebe und Sorgfalt zu Euch geschehen ist . « » Ja , ja , « sagte die heftige und verzogene Frau , » so ist es Recht : er vertheidigt Euch , Ihr vertheidigt ihn , das kann nicht anders sein . Ihr habt Euch beide sehr genau kennen lernen ! « Miß Eton fühlte hier etwas sich ihr aus den Worten der Madame St. Albans aufdrängen , dem sie nicht mehr ihre gewöhnliche Langmuth entgegenstellen konnte . » Wir haben sicher beide nicht geahnet , uns über unser bisheriges Verhalten gegen Euch vertheidigen zu müssen ; liebe Madame St. Albans , « erwiederte Elmerice mit Ernst , » erlaubt , daß ich Marylone in Eure Nähe rufe - ich bin für den Augenblick , fürchte ich , Euch lästig , ich will daher einen lang verschobenen Brief an die Gräfin d ' Aubaine schreiben . « Ohne von Madame St. Albans verhindert zu werden , entfernte sich Miß Eton - aber nachdem sie das gute Mädchen zu ihrer Herrschaft gesandt hatte , eilte sie , das Zimmer zu verlassen , da sie den hervorbrechenden Thränen nicht mehr zu wehren vermochte . Um so unangenehmer ward sie überrascht , als ihr auf dem Vorsaale , den sie durchschreiten mußte , um in ihr Zimmer zu gelangen , Herr St. Albans entgegen trat . Er sah mit einem Blicke die Stimmung des edlen Mädchen , das er so hoch zu verehren gelernt hatte , und auch auf seinem Angesichte ruhte ein wehmüthiger Ernst . » Ich darf Euch nicht lassen , Miß Eton , « sagte er , der schnell grüßend Vorübereilenden in den Weg tretend - » ich muß Euch um Euren Rath bitten - versagt mir ihn nicht , « setzte er tief bewegt hinzu , » wenn Euch auch , wie ich fürchte , Eure neuesten Erfahrungen in meinem Hause gelehrt haben , wie unwürdig wir noch Alle sind , einen solchen Schatz , wie Miß Eton , zu beherbergen . « » Ich bitte Euch , Herr St. Albans , « stammelte Elmerice - » treibt Eure Güte gegen mich nicht so weit , daß sie uns alle verlegen macht - und rechnet mir ganz einfache Handlungen nicht als Verdienst an , da sie so leicht zu vollführen waren , und durch Ueberschätzung auch ihren geringen Werth ganz verlieren müssen . Madame St. Albans wird sich freuen , Euch so schnell zurückgekehrt zu wissen ; besucht sie jetzt , es wird ihr wohl thun . « - » Nein , vergebt , Miß Eton , jetzt nicht ! Ich muß Euch jetzt allein sprechen , und ehe ich meine arme Frau wieder sehe , denn ihr steht eine neue Erschütterung bevor . « - In diesem Interesse aufgefordert und selbst beunruhigt durch die Stimmung des Herrn St. Albans , eilte Elmerice zu einem der eichenen Stühle im Salon , sich niederzulassen . » Ich weiß Euch Eure großmüthige Nachgiebigkeit nicht genug zu danken , Miß Eton , « sprach Herr St. Albans bewegt , Elmerice ' s Hand an seine Lippen drückend ; » aber urtheilt von meiner Unruhe , als ich so eben diesen Brief von dem Schlosse Ste . Roche erhalte , der mir die tödtliche Krankheit der Mistreß Gray , meiner Schwiegermutter , anzeigt . - Vielleicht habt Ihr von dieser unglücklichen und menschenscheuen Frau schon Einiges gehört ; doch ist ihr Leben so über allen Ausdruck von der gewöhnlichen Form aller anderen Menschen abweichend , daß man sie selbst und ihre ganze Existenz als ein Geheimniß ansehen muß . Sie hat sich , das Schicksal ihrer Gebieterin zu theilen , mit der sie , ihre Tochter , meine Frau verlassend , aus England nach Frankreich kam , in das Schloß von Ste . Roche vergraben . - Wie das Verhältniß dieser ihrer Gebieterin war , welch ' ein Recht sie an den Grafen von Crecy hatte , dem früher diese Besitzung gehörte , bleibt ihr Geheimniß ; aber nach dem Tode derselben , die wenigstens lange als Herrin des Schlosses betrachtet ward , gab sich Mistreß Gray dem finstersten Menschenhasse hin und verschloß sich in dem Theile des Schlosses , den sie mit jener unglücklichen Frau bewohnt hatte , um von da an keinen Menschen mehr zu sehen , als zuweilen meinen Vater , den Kastellan des Schlosses , der ihre kleinen Bedürfnisse nach Außen besorgte . - Seit seinem Tode ist sie noch mehr abgeschlossen . - Die Kinder der Nachbaren , denen sie einzig und allein Eingang gestattet , sorgen jetzt für ihre Bedürfnisse , aber keiner der Aeltern dieser Kleinen darf wagen , ihr zu nahen . Was der Graf Crecy für Gründe gehabt haben mag , meine Schwiegermutter als unanrührbar anzusehen , weiß ich nicht . Gewiß ist es , daß sie eine große Pension bezieht , daß bei seinen Lebzeiten die strengsten Befehle ergingen , Mistreß Gray in nichts zu beunruhigen , genau sich ihren Anordnungen zu fügen , und daß seinen Erben dies auch noch im Testament als unerläßliche Pflicht vorgeschrieben ist . Meine Frau , welche in der Familie des Herrn Lester erzogen ward , begleitete damals Eure Mutter , Miß Lester , nach Frankreich . Hier sah ich Miß Gray zuerst , als sie ihre Mutter in Ste . Roche besuchte ; aber das arme Kind fand an der düstern , strengen Frau keine Mutter , und hat sie nie an ihr gefunden . Dessen ungeachtet ließ meine gute Frau nie ab , kindliche Pflichten gegen sie zu erfüllen , so viel ihr dies erlaubt war ; denn Mistreß Gray verläugnete es gar nicht , daß selbst die Nähe ihrer Tochter ihr lästig sei , und trostlos , sie so allein und verlassen in ihrem hohen Alter zu wissen , nahm diese dem Arzte von Ste . Roche das Versprechen ab , bei eintretendem Erkranken ihrer Mutter , sie sogleich davon zu benachrichtigen . Dieser Augenblick ist gerade jetzt gekommen . Der Arzt schreibt mir , daß er erst jetzt nach mehreren Tagen , da der Zustand schon höchst bedenklich scheine , ihre Krankheit erfahren habe , und treibt meine Frau zur Eile , wenn sie die letzten kindlichen Pflichten an ihr erfüllen wolle . - Denkt nun selbst , liebe Miß Eton , in welcher bösen Lage ich bin ! Wie darf ich diese Nachricht meiner Frau bei ihrer Reizbarkeit mittheilen , ohne eine neue Gefahr über sie zu bringen , und wie darf ich es ihr verschweigen , da sie mir , wenn der Tod ihrer unglücklichen Mutter eintreten sollte , diese Schonung zum ewigen Vorwurf machen , und sich in ihrer kindlichen Liebe aufs Tiefste verwundet fühlen würde . « Miß Eton war sehr erschüttert von dieser Mittheilung und , gleich dem besorgten Gatten , sehr beunruhigt um die Wirkung dieser Nachricht , die zu verschweigen eben so gefährlich war , als sie mitzutheilen . Eben hatten Beide verabredet , den Pater Ambrosius in Rath zu nehmen , und waren in Begriff , sich zu trennen , als die Thüre aufging und zu Beider großer Ueberraschung Madame St. Albans , auf den Arm Marylone ' s gestützt und völlig gekleidet , obwohl noch schwankend