angetan « , raste der Doktor und rannte im Zimmer umher ; » der Böse , der Beelzebub , nach meiner Konjektur der Stinker . « » Der Rausch hat dir ' s angetan , du Lump « , schrie die Zärtliche , riß ihren breitgetretenen Pantoffel ab und rannte ihm nach ; ich aber schlich mich die Treppe hinab und zum Haus hinaus und dachte bei mir , dem Doktor ist ganz recht geschehen , man soll den Teufel nicht an die Wand malen , sonst kömmt er . Der Doktor Schnatterer wurde von da an in seinen Kollegien ausgepocht , und konnte , selbst mit den kühnsten Konjekturen , den Eifer nicht mehr erwecken , der vor seiner Fatalität unter der studierenden Jugend geherrscht hatte . Die Kollegiengelder erreichten nicht mehr jene Summe , welche die Frau Professorin als allgemeinen Maßstab angenommen hatte , und der Professor lebte daher in ewigem Hader mit der Unversöhnlichen . Diesem hatte , sozusagen , der Teufel ein Ei in die Wirtschaft gelegt . Zehntes Kapitel Satan wird wegen Umtrieben eingezogen und verhört ; er verläßt die Universität Um diese Zeit hörte man in Deutschland viel von Demagogen , Umtrieben , Verhaftungen und Untersuchungen . Man lachte darüber , weil es schien , man betrachte alles durch das Vergrößerungsglas , welches Angst und böses Gewissen vorhielten . Übrigens mochte es an manchen Orten doch nicht ganz geheuer gewesen sein ; selbst in dem sonst so ruhigen ..... en spukte es in manchen Köpfen seltsam . Ich will einen kurzen Umriß von dem Stand der Dinge geben . Wenn man unbefangen unter den » Burschen « umherwandelte und ihren Gelagen beiwohnte , so drängte sich von selbst die Bemerkung auf , daß viele unter ihnen von etwas anderem angeregt seien , als gerade von dem nächsten Zweck ihres Brotstudiums ; wie einige großes Interesse daran fanden , sich morgens mit ihren Gläubigern und deren Noten ( Philister mit Pumpregistern ) herumzuzanken , nachher den Hund zu baden und ihn schöne Künste zu lehren , sodann Fensterparade vor ihren Schönen zu machen usw. , so hatten sich andere , und zwar kein geringer Teil auf Idealeres geworfen . Ich hatte zwar dadurch , daß ich sie zum Studium des Trinkens anhielt , dafür gesorgt , daß die Herren sich nicht gar zu sehr der Welt entziehen möchten ; aber es blieb doch immer ein geheimnisvolles Walten , aus welchem ich nicht recht klug werden konnte . Besonders aber äußerte sich dies , wenn die Köpfe erleuchtet waren ; da sprach man viel von Volksbildung , von frommer deutscher Art , manche sprudelten auch über und schrien von der Not des Vaterlandes , von - . Doch das ist jetzt gleichgültig , von was gesprochen wurde , es genügt zu sagen , daß es schien , als hätte eine große Idee viele Herzen ergriffen , sie zu einem Streben vereinigt . Mir behagte die Sache an sich nicht übel ; sollte es auf etwas Unruhiges ausgehen , so war ich gleich dabei , denn Revolutionen waren von jeher mein Element ; nur sollte nach meiner Meinung das Ganze einen eleganteren , leichteren Anstrich haben . Es gab zwar Leute unter ihnen , die mit der Gewandtheit eines Staatsmannes die Menge zu leiten wußten , die sich eine Eleganz des Stils , eine Leichtigkeit des Umgangs angeeignet hatten , wie sie in den diplomatischen Salons mit Mühe erlernt und kaum mit so viel Anstand ausgeführt wird ; aber die meisten waren in ein phantastisches Dunkel geraten , munkelten viel von dem Dreiklang in der Einheit , von der Idee , die ihnen aufgegangen sei , und hatten Vergangenheit und Zukunft , Mittelalter und das Chaos der jetzigen Zeit so ineinandergeknetet , daß kein Theseus sich aus diesen Labyrinthen herausgefunden hätte . Ich merkte oft , daß einer oder der andere der Koryphäen in einer traulichen Stunde mir gerne etwas anvertraut hätte ; ich zeigte Verstand , Weltbildung , Geld und große Konnexionen , Eigenschaften , die nicht zu verachten sind , und die man immer ins Mittel zu ziehen sucht . Aber immer , wenn sie im Begriff waren , die dunkle Pforte des Geheimnisses vor meinen Augen aufzuschließen , schien sie , ich weiß nicht was , zurückzuhalten ; sie behaupteten , ich habe kein Gemüt , denn dieses edle Seelenvermögen schienen sie als Probierstein zu gebrauchen . Mochte ich aber aussehen , wie ein verkappter Jakobiner , mochte ich durch meinen Einfluß auf die Menge Verdacht erregt haben ? Eines Morgens trat der Pedell mit einigen Schnurren in mein Zimmer und nahm mich im Namen Seiner Magnifizenz gefangen . Der Universitätssekretär folgte , um meine Papiere zu ordnen und zu versiegeln , und gab mir zu verstehen , daß ich als Demagoge verhaftet sei . Man gab mir ein anständiges Zimmer im Universitätsgebäude , sorgte eifrig für jede Bequemlichkeit , und als der Hohe Rat beisammen war , wurde ich in den Saal geführt , um über meine politischen Verbrechen vernommen zu werden . Die Dekane der vier Fakultäten , der Rector Magnificus , ein Mediziner , und der Universitätssekretär saßen um einen grünbehängten Tisch in feierlichem Ornat ; die tiefe Stille , welche in dem Saal herrschte , die steife Haltung der gelehrten Richter , ihre wichtigen Mienen nötigten mir unwillkürlich ein Lächeln ab . Magnificus zeigte auf einen Stuhl ihm gegenüber am Ende der Tafel , Delinquent setzte sich , Magnificus winkte wieder und der Pedell trat ab . Noch immer tiefe Stille ; der Sekretär legt das Papier zum Protokoll zurecht , und schneidet Federn ; ein alter Professor läßt seine ungeheure Dose herumgehen . Jeder der Herren nimmt eine Prise bedächtlich und mit Beugung des Hauptes , Doktor Saper , mein nächster Nachbar , schnupft und präsentiert mir die Dose , läßt aber das teure Magazin , von einem abwehrenden Blick Magnifici erschreckt , mit polterndem Geräusch zu Boden fallen . » Alle Hagel , Herr Doktor « , schrie der alte Professor , alle Achtung beiseite setzend . » O Jerum « , ächzte der Sekretär und warf das Federmesser weg , denn er hatte sich aus Schrecken in den Finger geschnitten . » Bitte untertänigst ! « stammelte der erschrockene Doktor Saper . Diese alle sprachen auf einmal durcheinander und der letztere kniete auf den Boden nieder und wollte mit der Papierschere , die er in der Eile ergriffen hatte , den verschütteten Tabak aufschaufeln . Magnificus aber ergriff die große Glocke und schellte dreimal ; der Pedell trat eilig und bestürzt herein , und fragte , was zu Befehl sei , und Magnificus mit einem verbindlichen Lächeln zu Doktor Saper hinüber sprach : » Lassen Sie es gut sein , Lieber , er taugt doch nichts mehr ; da wir aber in dieser Sitzung einiges Tabaks benötigt sein werden , glaube ich dafür stimmen zu müssen , daß frischer ad locum gebracht werde . « Doktor Saper zog schnell sein Beutelein , reichte dem Pedell einige Groschen , und befahl ihm , eilends drei Lot Schnupftabak zu bringen . Dieser enteilte dem Saal ; vor dem Haus fand er , wie ich nachher erfuhr , die halbe Universität versammelt , denn meine Verhaftung war schnell bekannt geworden , und alles drängte sich zu , um das Nähere zu erfahren . Man kann sich daher die Spannung der Gemüter denken , als man den Pedell aus der Türe stürzen sah ; die vordersten hielten ihn fest und fragten und drängten ihn , wohin er so eilig versendet werde , und kaum konnte man sich in seine Beteurung finden , daß er eilends drei Lot Schnupftabak holen müsse . Aber im Saal war nach der Entfernung des Götterboten die vorige , anständige Stille eingetreten . Magnificus faßte mich mit einem Blick voll Hoheit , und begann : » Es ist uns von einer höchstpreuslichen Zentral-Untersuchungskommission der Auftrag zugekommen , auf gewisse geheime Umtriebe und Verbindungen , so sich auf unserer Universität seit einiger Zeit entsponnen haben sollen , unser Augenmerk zu richten . Wir sind nun nach reiflicher Prüfung der Umstände vollkommen darüber einverstanden , daß Sie , Herr von Barbe , sich höchst verdächtig gemacht haben , solche Verhältnisse unter unserer akademischen Jugend dahier herbeigeführt und angesponnen zu haben . Hm ! Was sagen Sie dazu , Herr von Barbe ? « » Was ich dazu sage ? Bis jetzt noch nichts , ich erwarte geziemend die Beweise , die mein Leben und Betragen einer solchen Beschuldigung verdächtig machen . « » Die Beweise ? « antwortete erstaunt der Rektor , » Sie verlangen Beweise ? ist das der Respekt vor einem akademischen Senate ? Man führe selbst den Beweis , daß man nicht im sträflichen Verdacht der Demagogie ist . « » Mit gütiger Erlaubnis , Euer Magnifizenz « , entgegnete der Dekan der Juristen , » Inquisit kann , wenn er eines Verdachtes angeklagt ist , in alle Wege verlangen , daß ihm die Gründe des Verdachtes genannt werden . « Dem medizinischen Rektor stand der Angstschweiß auf der Stirne ; man sah ihm an , daß er mit Mühe die Beweisgründe in seinem Haupte hin- und herwälze . Wie ein Bote vom Himmel erschien ihm daher der Pedell mit der Dose und berichtete zugleich mit ängstlicher Stimme , » daß die Studierenden in großer Anzahl sich vor dem Universitätsgebäude zusammengerottet haben und ein verdächtiges Gemurmel durch die Reihen laufe , das mit einem Pereat oder Scheibeneinwerfen zu bedrohen scheine . « Kaum hatte er ausgesprochen , so stürzte eine Magd herein , und richtete von der Frau Magnificussin an den Herrn Magnificus ein Kompliment aus , und er möchte doch sich nach Haus salvieren , weil die Studenten allerhand verdächtige Bewegungen machen . » Ist das nicht der klarste Beweis gegen Ihre geheimen Umtriebe , lieber Herr von Barbe ? « sprach die Magnifizenz in kläglichem Tone . » Aber der Aufruhr steigt , videant Consules ne quid detrimenti - man nehme seine Maßregeln ; - daß auch der Teufel gerade in meine Amtsführung alle fatalen Händel bringen muß ! - Domine Collega , Herr Doktor Pfeffer , was stimmen Sie ? « » Es ist eigentlich noch kein Votum zur Abstimmung vorgebracht und zur Reife gediehen , ich rate aber , Herrn von Barbe bis auf weiteres zu entlassen , und ihm - « » Richtig , gut « , rief der Rektor , » Sie können abtreten , wertgeschätzter junger Freund , beruhigen Sie Ihre Kameraden , Sie sehen selbst , wie glimpflich wir mit Ihnen verfahren sind , und zu einer gelegeneren Stunde werden wir uns wieder die Ehre ausbitten ; damit aber die Sache kein solches Aufsehen mehr erregt - weiß Gott , der Aufruhr steigt , ich höre pereat- so kommen Sie morgen abend alle zum Tee zu mir , Sie auch , lieber Barbe , da denn die Sachen weiter besprochen werden können . « Ich konnte mich kaum enthalten , den ängstlichen Herren ins Gesicht zu lachen . Sie saßen da , wie von Gott verlassen , und wünschten sich in Abrahams Schoß , das heißt in den ruhigen Hafen ihres weiten Lehnstuhls . » Was steht nicht von einer erhitzten Jugend zu erwarten ? « klagten sie ; » seitdem etzliche Lehrer von den Kathedern gestiegen sind , und sich unter diese himmelstürmende Zyklopen gemischt haben , ist keine Ehrfurcht , kein Respekt mehr da . Man muß befürchten , wie schlechte Schauspieler ausgepfiffen oder am hellen Tage insultiert zu werden . « » Vom Erstechen will ich gar nicht reden « , sagte ein anderer , » es sollte eigentlich jeder Literatus , der nicht allewege ein gut Gewissen hat , einen Brustharnisch unter dem Kamisol tragen . « Indessen die Philister also klagten , dankte ich meinen Kommilitonen für ihre Aufmerksamkeit für mich , sagte ihnen , daß sie nachts viel bessere Gelegenheit zum Fenstereinwerfen haben , und bewog sie durch Bitten und Vorstellungen , daß sie abzogen . Sie marschierten in geschlossenen Reihen durch das erschreckte Städtchen , und sangen ihr » ça ira , ça ira « , nämlich : » Die Burschenfreiheit lebe « und das erhabene » Rautsch , rautsch , rautschitschi , Revolution ! « Ich ging wieder in den Saal zurück und sagte den noch versammelten Herren , daß sie gar nichts zu befürchten haben , weil ich die Herren Studiosen vermocht habe , nach Hause zu gehen . Beschämung und Zorn rötete jetzt die bleichen Gesichter , und mein bißchen Psychologie mußte mich ganz getäuscht haben , wenn mich die Herren nicht ihre Angst entgelten ließen . Und gewiß ! meine Ahnung hatte mich nicht betrogen . Magnificus ging ans Fenster , um sich selbst zu überzeugen , daß die Aufrührer abgezogen seien ; dann wendete er sich mit erhabener Miene zu mir , und er , der noch vor einer Viertelstunde » mein wertgeschätzter Freund « zu mir sagte , herrschte mir jetzt zu : » Wir können das Verhör weiter fortführen , Delinquent mag sich setzen ! « So sind die Menschen ; nichts vergißt der Höhere so leicht , als daß der Niedere ihm in der Stunde der Not zu Hülfe eilte , nichts sucht er sogar eifriger zu vergessen , als jene Not , wenn er sich dabei eine Blöße gegeben , deren er sich zu schämen hat . Nach der Miene des Magnificus richteten sich auch die seiner Kollegen . Sie behandelten mich grob und mürrisch . Der Rektor entwickelte mit großer Gelehrsamkeit den ersten Anklagepunkt . » Demagog kömmt her von dhmos und agein . Das eine heißt Volk , das andere führen oder verführen . Wer ist nach diesem Begriff mehr Demagog , als Sie ? Haben wir nicht in Erfahrung gebracht , daß Sie die jungen Leute zum Trinken verleiteten ? Daß Sie neue Lieder und Kartenspiele hieher verpflanzten ? Auch von andern Orten werden diese Sachen als die sichersten Symptome der Demagogie angeführt ; folglich sind Sie ein Demagog . « - Mit triumphierendem Lächeln wandte er sich zu seinen Kollegen ; » Habe ich nicht recht , Doktor Pfeffer ? Nicht recht , Herr Professor Saper ? « » Vollkommen , Euer Magnifizenz « , versicherten jene und schnupften . » Zweitens , jetzt kommt der andere Punkt « , fuhr der Mediziner fort ; » das Turnen ist eine Erfindung des Teufels und der Demagogen , es ist , um mich so auszudrücken , eine vaterlandsverräterische Ausbildung der körperlichen Kräfte . Da nun die Turnplätze eigentlich die Tierparks und Salzlecken des demagogischen Wildes , Sie aber , wie wir in Erfahrung gebracht haben , einer der eminentesten Turner sind : so haben Sie sich durch Ihre Saltus mortales und Ihre übrigen Künste als einen kleinen Jahn , einen offenbaren Demagogen gezeigt . Habe ich nicht recht , Herr Doktor Bruttler ? sage ich nicht die Wahrheit , Herr Doktor Schrag ? « » Vollkommen , Euer Magnifizenz ! « versicherten diese und schnupften . » Demagogen « , fuhr er fort , » Demagogen schleichen sich ohne bestimmten äußern Zweck ins Land , und suchen da Feuer einzulegen ; sie sind unstete Leute , denen man ihre Verdächtigkeit gleich ansieht ; der Herr Studiosus von Barbe ist ohne bestimmten Zweck hier , denn er läuft in allen Kollegien und Wissenschaften umher , ohne sie für immer zu frequentieren oder gar nachzuschreiben ; was folgt ? Er hat sich der Demagogie sehr verdächtig gemacht ; ich füge gleich den vierten Grund bei : man hat bemerkt , daß Demagogen , vielleicht von geheimen Bünden ausgerüstet , viel Geld zeigen und die Leute an sich locken ; wer hat sich in diesem Punkt der Anklage würdiger gemacht , als Delinquent ? Habe ich nicht recht , meine Herren ? « » Sehr scharfsinnig , vollkommen ! « antworteten die Aufgerufenen unisono und ließen die Dose herumgehen . Mit Majestät richtete sich Magnificus auf : » Wir glauben hinlänglich bewiesen zu haben , daß Sie , Herr Studiosus Friedrich von Barbe , in dem Verdacht geheimer Umtriebe stecken ; wir sind aber weit entfernt , ohne den Beklagten anzuhören , ein Urteil zu fällen , darum verteidigen Sie sich . - Aber mein Gott ! wie die Zeit herumgeht , da läutet es schon zu Mittag ; ich denke , der Herr kann seine Verteidigung im Karzer schriftlich abfassen ; somit wäre die Sitzung aufgehoben ; wünsche gesegnete Mahlzeit , meine Herren . « So schloß sich mein merkwürdiges Verhör . Im Karzer entwarf ich eine Verteidigung , die den Herren einleuchten mochte . Wahrscheinlicher aber ist mir , daß sie sich scheuten , einen jungen Mann , der so viel Geld ausgab , aus ihrer guten Stadt zu verbannen . Sie gaben mir daher den Bescheid , daß man mich aus besonderer Rücksicht diesmal noch mit dem Concilium verschonen wolle , und setzten mich wieder auf freien Fuß . Als Demagog eingekerkert zu sein , als Märtyrer der guten Sache gelitten zu haben , zog einen neuen Nimbus um meinen Scheitel , und im Triumph wurde ich aus dem Karzer nach Haus begleitet ; aber die Freude sollte nicht lange dauern . Ich hatte jetzt so ziemlich meinen Zweck , der mich in jene Stadt geführt hatte , erreicht , und gedachte weiterzugehen . Ich hatte mir aber vorgenommen , vorher noch den Titel eines Doktors der Philosophie auf gerechtem Wege zu erringen . Ich schrieb daher eine gelehrte Dissertation , und zwar über ein Thema , das mir am nächsten lag , de rebus diabolicis , ließ sie drucken und verteidigte sie öffentlich ; wie ich meine Gegner und Opponenten tüchtig zusammengehauen , erzähle ich nicht aus Bescheidenheit ; einen Auszug aus meiner Dissertation habe ich übrigens dem geneigten Leser beigelegt.2 Post exantlata oder nachdem ich den Doktorhut errungen hatte , gab ich einen ungeheuern Schmaus , wobei manche Seele auf ewig mein wurde . Solange noch die guten Jungen meinen Champagner und Burgunder mit schwerer Zunge prüften , ließ ich meine Rappen vorführen , und sagte der lieben Musenstadt Valet . Die Rechnung des Doktorschmauses aber überbrachte der Wirt am Morgen den erstaunten Gästen , und manches Pochen des ungestümmen Gläubigers , das sie aus den süßen Morgenträumen weckte , mancher bedeutende Abzug am Wechsel erinnerte sie auch in spätern Zeiten an den berühmten Doktorschmaus und an ihren guten Freund , den Satan . II Unterhaltungen des Satan und des ewigen Juden in Berlin Die heutigen dummen Gesichter sind nur das boeuf à la mode der früheren dummen Gesichter . Welt und Zeit Eilftes Kapitel Wen der Teufel im Tiergarten traf Ich saß , es mögen bald drei Jahre sein , an einem schönen Sommerabend im Tiergarten zu Berlin , nicht weit vom Weberischen Zelt ; ich betrachtete mir die bunte Welt um mich her und hatte großes Wohlgefallen an ihr ; war es doch schon wieder ganz anders geworden als zu der frommen Zeit Anno dreizehn und fünfzehn , wo alles so ehrbar , und , wie sie es nannten , altdeutsch zuging , daß es mich nicht wenig ennuyierte . Besonders über die schönen Berlinerinnen konnte ich mich damals recht ärgern , sonst ging es sonntags nachmittags mit Saus und Braus nach Charlottenburg oder mit Jubel und Lachen die Linden entlang nach dem Tiergarten heraus ; aber damals - ? Jetzt aber ging es auch wieder hoch her . Das Alte war dem Neuen gewichen , Lust und Leben wie früher zog durch die grünen Bäume , und der Teufel galt wieder was , wie vor Zeiten , und war ein geschätzter , angesehener Mann . Ich konnte mich nicht enthalten , einen Gang durch die buntgemischte Gesellschaft zu machen . Die glänzenden Militärs von allen Chargen mit ihren ebenso verschieden chargierten Schönen , die zierlichen Elegants und Elegantinnen , die Mütter , die ihre geputzten Töchter zu Markt brachten , die wohlgenährten Räte mit einem guten Griff der Kassengelder in der Tasche , und Grafen , Baronen , Bürger , Studenten und Handwerksbursche , anständige und unanständige Gesellschaft - sie alle um mich her , sie alle auf dem vernünftigsten Wege , mein zu werden ! In fröhlicher Stimmung ging ich weiter und weiter , ich wurde immer zufriedener und heiterer . Da sah ich , mitten unter dem wogenden Gewühl der Menge ein paar Männer an einem kleinen Tischchen sitzen , welche gar nicht recht zu meiner fröhlichen Gesellschaft taugen wollten . Den einen konnte ich nur vom Rücken sehen , es war ein kleiner beweglicher Mann , schien viel an seinen Nachbar hin zu sprechen , gestikulierte oft mit den Armen , und nahm nach jedem größeren Satz , den er gesprochen , ein erkleckliches Schlückchen dunkelroten Franzweins zu sich . Der andere mochte schon weit vorgerückt in Jahren sein , er war ärmlich aber sauber gekleidet , beugte den Kopf auf die eine Hand , während die andere mit einem langen Wanderstab wunderliche Figuren in den Sand beschrieb , er hörte mit trübem Lächeln dem Sprechenden zu und schien ihm wenig , oder ganz kurz zu antworten . Beide Figuren hatten etwas mir so Bekanntes , und doch konnte ich mich im Augenblick nicht entsinnen , wer sie wären . Der kleine Lebhafte sprang endlich auf , drückte dem Alten die Hand , lief mit kurzen schnellen Schritten , heiser vor sich hinlachend , hinweg , und verlor sich bald ins Gedränge . Der Alte schaute ihm wehmütig nach und legte dann die tiefgefurchte Stirne wieder in die Hand . Ich besann mich auf alle meine Bekannten , keiner paßte zu dieser Figur ; eine Ahnung durchflog mich , sollte es - doch was braucht der Teufel viel Komplimente zu machen ? Ich trat näher , setzte mich auf den Stuhl , welchen der andere verlassen hatte , und bot dem Alten einen guten Abend . Langsam erhob er sein Haupt und schlug das Auge auf , ja er war es , es war der Ewige Jude . » Bon soir , Brüderchen ! « sagte ich zu ihm , » es ist doch schnackisch , daß wir einander zu Berlin im Tiergarten wiederfinden , es wird wohl so achtzig Jährchen sein , daß ich nicht mehr das Vergnügen hatte ? « Er sah mich fragend an ; » So , du bist ' s ? « preßte er endlich heraus ; » hebe dich weg , mit dir habe ich nichts zu schaffen ! « » Nur nicht gleich so grob , Ewiger « , gab ich ihm zur Antwort ; » wir haben manche Mitternacht miteinander vertollt , als du noch munter warst auf der Erde , und so recht systematisch lüderlich lebtest , um dich selbst bald unter den Boden zu bringen . Aber jetzt bist du , glaube ich , ein Pietist geworden . « Der Jude antwortete nicht , aber ein hämisches Lächeln , das über seine verwitterten Züge flog , wie ein Blitz durch die Ruine , zeigte mir , daß er mit der Kirche noch immer nicht recht einig sei . » Wer ging da soeben von dir hinweg ? « fragte ich , als er noch immer auf seinem Schweigen beharrte . » Das war der Kammergerichtsrat Hoffmann « , erwiderte er . » So der ? ich kenne ihn recht wohl , obgleich er mir immer ausweicht wie ein Aal ; war ich ihm doch zu mancher seiner nächtlichen Phantasien behülflich , daß es ihm selbst oft angst und bange wurde , und habe ich ihm nicht als sein eigener Doppelgänger über die Schultern geschaut , als er an seinem Kreisler schrieb ? als er sich umwandte und den Spuk anschaute , rief er seiner Frau , daß sie sich zu ihm setze , denn es war Mitternacht und seine Lampe brannte trüb . - So , so , der war ' s ? und was wollte er von dir , Ewiger ? « » Daß du verkrümmest mit deinem Spott ; bist du nicht gleich ewig wie ich , und drückt dich die Zeit nicht auch auf den Rücken ? Nenne den Namen nicht mehr , den ich hasse ! Was aber den Herrn Kammergerichtsrat Hoffmann betrifft « , fuhr er ruhiger fort , » so geht er umher , um sich die Leute zu betrachten ; und wenn er einen findet , der etwas Apartes an sich hat , etwa einen Hieb aus dem Narrenhaus , oder einen Stich aus dem Geisterreich , so freut er sich baß und zeichnet ihn mit Worten oder mit dem Griffel . Und weil er an mir etwas Absonderliches verspürt haben mag , so setzte er sich zu mir , besprach sich mit mir und lud mich ein , ihn in seinem Haus auf dem Gendarmenmarkt zu besuchen . « » So , so ? und wo kommst du denn eigentlich her ? wenn man fragen darf ? « » Recta aus China « , antwortete Ahasverus , » ein langweiliges Nest , es sieht gerade aus , wie vor fünfzehnhundert Jahren , als ich zum erstenmal dort war . « » In China warst du ? « fragte ich lachend , » wie kommst du denn zu dem langweiligen Volk , das selbst für den Teufel zu wenig amüsant ist ? « » Laß das « , entgegnete jener , » du weißt ja , wie mich die Unruhe durch die Länder treibt ; ich habe mir , als die Morgensonne des neuen Jahrhunderts hinter den mongolischen Bergen aufging , den Kopf an die lange Mauer von China gerannt , aber es wollte noch nicht mit mir zu Ende gehen , und ich hätte eher ein Loch durch jene Gartenmauer des himmlischen Reiches gestoßen , wie ein alter Aries , als daß der dort oben mir ein Härchen hätte krümmen lassen . « Tränen rollten dem alten Menschen aus den Augen ; die müden Augenlider wollten sich schließen , aber der Schwur des Ewigen hält sie offen , bis er schlafen darf , wenn die andern auferstehen . Er hatte lange geschwiegen , und wahrlich , ich konnte den Armen nicht ohne eine Regung von Mitleid ansehen . Er richtete sich wieder auf . - » Satan « , fragte er mit zitternder Stimme , » wieviel Uhr ist ' s in der Ewigkeit ? « » Es will Abend werden « , gab ich ihm zur Antwort . » O Mitternacht ! « stöhnte er , » wann endlich kommen deine kühlen Schatten und senken sich auf mein brennendes Auge ? Wann nahest du , Stunde , wo die Gräber sich öffnen , und Raum wird für den Einen , der dann ruhen darf ? « » Pfui Kuckuck , alter Heuler ! « brach ich los , erbost über die weinerlichen Manieren des ewigen Wanderers ; » wie magst du nur solch ein poetisches Lamento aufschlagen ? glaube mir , du darfst dir gratulieren , daß du noch etwas Apartes hast ; manche lustige Seele hat es an einem gewissen Ort viel schlimmer , als du hier auf der Erde ; man hat doch hier oben immer noch seinen Spaß , denn die Menschen sorgen dafür , daß die tollen Streiche nicht ausgehen . Wenn ich so viele freie Zeit hätte , wie du , ich wollte das Leben anders genießen . Ma foi , Brüderchen , warum gehst du nicht nach England , wo man jetzt über die galanten Abenteuer einer Königin öffentlich zertiert ? Warum nicht nach Spanien , wo es jetzt nächstens losbricht ? Warum nicht nach Frankreich , um dein Gaudium daran zu haben , wie man die Wände des Kaisertums überpinselt , und mit alten Gobelins von Louis des Vierzehnten Zeiten , die sie aus dem Exil mitgebracht haben , behängt . Ich kann dich versichern , es sieht gar närrisch aus , denn die Tapete ist überall zu kurz und durch die Risse guckt immer noch ernst und drohend das Kaisertum , wie das Blut des Ermordeten , das man mit keinem Gips auslöschen kann , und das , sooft man es weiß anstreicht , immer noch mit der alten bunten Farbe durchschlägt ! « Der alte Mensch hatte mir aufmerksam zugehört , sein Gesicht war immer heiterer geworden , und er lachte jetzt aus vollem Herzen : » Du bist , wie ich sehe , immer noch der alte « , sagte er , und schüttelte mir die Hand , » weißt jedem etwas aufzuhängen , und wenn er gerade aus Abrahams Schoß käme ! « » Warum « , fuhr ich fort , » warum hältst du dich nicht länger und öfter hier in dem guten ehrlichen Deutschland auf ? Kann man etwas Possierlicheres sehen , als diese Duodezländer ? Das ist alles so - doch stille , da geht einer von der geheimen Polizei umher ; man könnte leicht etwas aufschnappen , und den Ewigen Juden und den Teufel als unruhige Köpfe nach Spandau schicken ; aber um auf etwas anderes zu kommen , warum bist du denn hier in Berlin ? « » Das hat seine eigene Bewandtnis « , antwortete der Jude ; » ich bin hier , um einen Dichter zu besuchen . « » Du einen Dichter ? ! « rief ich verwundert ; » wie kömmst du auf diesen Einfall ? « » Ich habe vor einiger Zeit ein Ding gelesen , man heißt es Novelle , worin ich die Hauptrolle spielte ; es führte zwar den dummen Titel Der Ewige Jude , im übrigen ist es aber eine schöne Dichtung , die mir wunderbaren Trost brachte ! Nun möchte ich den Mann sehen und sprechen , der das wunderliche Ding gemacht hat . « » Und der soll hier wohnen , in Berlin ? « fragte ich neugierig , » und wie heißt er denn ? « » Er soll hier wohnen , und heißt F.