und Rosen beinah ' verschlossen , meine Aufmerksamkeit erregte . Ich bog die Zweige zurück und gieng hinein . Die Bildsäule eines Amors , fein und richtig gearbeitet stand in reizender Gestalt da . Sein Bogen und seine Pfeile lagen zerbrochen vor ihm ; keine Binde verdeckte seine Augen , Aber mit ernster Schalkheit legte er den Finger auf den Mund . - Ein hoher Rosenstock , der noch in voller Blüthe stand , verbreitete ein röthliches , unbeschreibliches Licht . Hier , sagte Eduard , vor diesem Gott , der verschwiegen , aber nicht blind ist , und gern auf ewig seinen Waffen entsagte , bete ich täglich die Göttin an , die selbst ich nicht darzustellen wagte . Laut rauschte es jezt durch die Blätter und große Regentropfen fielen herab . Wir mußten eilen , in das kleine Zimmer zu kommen , das uns in seine freundliche Einsamkeit aufnahm . Könnte ich Dir doch den Eindruck mittheilen , den dieser reizende Aufenthalt der Ruhe und des Vergnügens , auf Deine bewegte Amanda machte ! - Alles schien mir zu sagen , daß eine harmonische Seele hier ihre schönsten Stunden verlebe . Ueberall sah ich gefällige , zusammenstimmende Farben ; wenige , aber mit Sinn gewählte Gemählde erhoben die Wände , überall dufteten Blumen aus den zierlichsten Gefäßen , köstliche Früchte wie unter hesperischem Himmel gereift , schimmerten unter frischen Blättern hervor , eine Laute lag weichlich auf den Polstern , und nicht fern davon grünte noch der Myrthenzweig , wie durch Zauberei erhalten . Hier , wo so viele Bilder erweckt , und das berauschte Herz sich angenehm aus seiner Träumerei gezogen fühlte , fanden wir uns bald mit Gesprächen , wie mit Blumenketten , verschlungen . Ein jedes zeigte frei seinen Geschmack , seine Meinungen , die oft wie labyrintische Pfade durch Blumenthäler von einander abwichen , und doch am Ziel in schöner Harmonie sich immer wiederfinden . - Was soll ich Dir noch sagen , Julie ? - Ach ! Deine glückliche Amanda , vergaß ganz , daß es Verhältnisse , Klugheit und Mißtöne in der Welt giebt , und das selige Gefühl , ihren schönsten Traum erfüllt zu sehen , und endlich das gleichgestimmte Herz gefunden zu haben , das sie ganz zu verstehen vermag , durchathmete ihr ganzes Wesen ! Der Regen hatte aufgehört . Die grünen , getränkten Bäume schimmerten , frisch und lachend in die Fenster herein , und ein glühendes Licht wankte durch die bebenden Zweige an den zierlichen Wänden . Wir traten ans Fenster und athmeten die gereinigte Lüfte . Ach , Julie ! welch ein Abend ! Erst jetzt habe ich Worte für die Bilder , die ich da nur mit stummem Entzücken in mich sog ! Die Sonne sandte einen stillen , aber brennenden Blick über die Gegend . Fröhlich flatterten Schwalben , mit glänzender , silberner Brust , wie weisse Blüthen , durch den Sonnenblick , der golden und blendend durch die Berge hervorschoß , und alles , was er berührte , mit überirdischem Reiz verklärte . Das ferne Bergschloß hüllten düstre Schatten , aber weit hinter demselben glühte der entlegendste Berg , wieder in röthlichem Gold . Der Sonnenblick zog weiter ; das Thal versank schwermüthig in den Bergschatten , indeß sich von dem Schloß , der Schleier wegzog . Ein heiliger Glanz lag nun auf dem grauen , verfallenen Gestein , den kleinen , aufblühenden Gebüschen , die es umgaben , und dem ganzen düstern Bergprofiel . Graue Regenwolken , von der Abendsonne mit goldenen Flecken zerstreut , zogen wie flammende Wagen , flüchtig an den Höhen vorüber ; in Westen glänzte ein endloses Aethermeer , und ein dunkles Gewölk , mit vergoldetem Rand , schwamm wie ein glückliches Eiland darinnen , und war immer goldner und strahlender , je weiter die Sonne hinabsank . - Ach , Julie ! was war es , was mich , verloren in diesen Anblick , ganz von der Erde hinwegzog , in ein unbekanntes Land , von fremden seligen Gefühlen , und mein Auge mit unnennbaren Thränen erfüllte ? - Nur dunkel , dachte ich : O ! dort in dem strahlenden Wolkenland , von Menschen entfernt , und von der Unendlichkeit umgeben , mit dem Geliebten zu sein in ewiger Jugend und Liebe ! - Da blickte ich auf , und sah Eduard , der in einiger Entfernung von mir stand . Ich kehrte aus meiner wunderbaren Entzückung zurück , und fühlte mich wieder freundlich an die Erde gefesselt . Wir waren fröhlich und sprachen viel , nur von dem , worüber wir hätten sprechen sollen , nehmlich : auf welche Weise wir uns künftig sehen oder schreiben wollten , kein Wort . Erst beim Abschied dachten wir daran , aber dieser Abend schien uns zu schön , zu heilig , als von dergleichen Dingen zu sprechen ; wir überließen alles den Göttern und trennten uns wehmüthig , aber unendlich glücklich . Ich gieng zurück . Alles war still um mich . Ich bewunderte dies weite Schweigen in der Natur . So , dachte ich , war es im Anfang aller Dinge ; aber die Liebe erschien , und alles war belebt . Ich kam nach Hause , und erstaunte , alle Gesichter noch eben so gleichgültig zu finden , als ich sie verlassen . War ich es denn allein , deren Augen von Vergnügen glänzten , deren Seele mit Wonne an den vergangenen Momenten hieng ? - Ist denn die Welt so arm an Freuden ? Ich blieb allein ; mein Mädchen bat um die Erlaubniß einige Bekannte zu besuchen , und ich gab sie ihr gern . Vielleicht erwartet sie ein liebendes Gespräch , und ich würde mich mit ihr freuen ; sie ist ein gutes Geschöpf . In der ganzen Welt sehe ich nur Liebe , allenthalben Liebe , und ich begreife nicht , wie ohne sie etwas der Rede werth sein könne ? - Ich habe mich ans offene Fenster gesetzt , und die zärtliche , warme Luft , zu mir herein wallen lassen . - Du weißt nun alles , und ich verlasse Dich , um von neuem zu träumen . Vierzehnter Brief Eduard an Barton Dein Brief würde mich sehr beruhigt haben , wenn es nicht schon zuvor die Liebe gethan hätte . Du schreibst es mir - o ! und ich habe es gefühlt ! - mit meinem Entschluß sie nicht mehr zu sehen , sei es mir nicht Ernst . - Thor , der ich war ! Die schönsten Freuden meines Lebens frevelnd von mir weisen zu wollen , eines elenden Stolzes wegen ! - O , Freund ! es ist geschehen ! Alle Zweifel sind gelöst ; die Welt steht in schöner Klarheit vor mir , und das Leben liegt erwacht in meinen Armen ! Ich bin wieder auf einige Tage auf dem Gute des Herrn von V - , und bin hieher gereist , um Dir zu schreiben , denn dort , ich gestehe Dir es aufrichtig - in ihrer Nähe , ist an keinen Brief zu denken . - Anfangs sahen wir uns nur selten und schüchtern ; aber jetzt bin ich fast täglich in ihrem Hause ; wir sehen uns bei Lustbarkeiten , und allein ; Albret scheint keinen Widerwillen zu haben , und ich begleite sie fast allenthalben hin.O , Freund ! wie ist das alles so anders geworden ! Was war das kalte , leere Wohlgefallen an ihr , gegen das glühende Gefühl , das jetzt in mir lebt ! - Oft muß ich mich vor ihr niederwerfen und anbeten , wenn sie in ihrer Unbefangenheit so hohe Dinge sagte , die wie Gestalten aus einer andern Welt , mich mit süßem Schauer berührten . Mit Erstaunen höre ich sie oft , mit ungekünstelter Eigenthümlichkeit und Klarheit , Gedanken aufstellen , die den größten Scharfsinn enthalten . Sie sind nicht das Resultat eines langen , mühsamen Nachdenkens , wie bei den Männern , nein ! sie sind vielmehr der leichte , glückliche Fund eines reinen , unfehlbaren Sinns , der die Wahrheit nicht erst durch Dunkel suchen darf , sondern dem sie sich gleich im heitern , schimmernden Lichte zeigt . - Und so , dünkt es mir , sollen überhaupt die Weiber immer auf das merken , was ihnen schnell einfällt , ohne viel darüber nachzudenken , denn bei ihnen kommen die Resultate immer zuerst . Auch wenn sie schreiben , müßten sie dies beobachten , und stets die schnell herabfallenden Funken achten . Aber sie sollen überhaupt nicht schreiben ; sie sollen nichts als leben und - lieben . O , Freund ! Du sagtest mir vieles , dessen Wahrheit ich schon erfuhr , aber das sagtest Du mir nie , daß das Leben so unaussprechlich reizend sein kann ! oder solltest Du selbst es vielleicht nie empfunden haben ? sind vielleicht nur wenige Sterbliche von den Göttern dazu ausersehen , und ergriff das Glück , das stets nach Laune wählt , gerade mich in meinem seligsten Moment ? - Erst hier , von ihr getrennt , werd ' ich mir ganz meines Reichthums bewußt ; denn es gehet mit unserm Glück wie mit Gemählden ; erst in der gehörigen Entfernung können wir die Schönheit derselben künstlerisch wahrnehmen und genießen . Welche Genüsse , welche Freuden , schmiegen sich bei diesen Rückerinnerungen um mein Herz ! Alle Verhältnisse meines Lebens , legen sich lieb und schmeichelnd um mich , als wären es weichliche Gewänder , von Frühlingsdüften gewoben . Jetzt erscheint sie mir erst in all ihrer Schönheit , in all ihrer Liebe , und ich kann es kaum begreifen , wie so schnell , wie so schön wir uns gefunden haben . O Tag ! o Abend , den ich nie vergessen will und kann ! - Alles um mich her , war mir nicht mehr bedeutend , sondern ausgesprochen ; alles war da , nicht fliehend und nicht kommend ; alle Sehnsucht ruhte in der Gegenwart , die unendlich war . Als sie mich verlassen hatte , war ich nicht traurig - nein ! die lebendigste Freude hatte mein Herz geöffnet , ich fühlte mich ganz für die Welt gebildet , kindlich nahm ich an Allem Theil , und sah in Allem den heitersten Sinn . Die Knaben belustigten mich , die an meinem Garten , hinter der grünen Umbüschung eines Teichs , mit komischer , wirklich empfundener Angst , nach einem Bret warfen , und es , als wäre es ein feindliches Schiff , durch Steine vom Ufer abzuhalten suchten , und in den rohen Gesängen einiger wilden Gesellen , vermochte ich durch alle Mißlaute hindurch , mit Vergnügen die einzelnen Spuren einer wilden Geniealität wahrzunehmen , und mich derselben zu erfreuen . - Und als nach einer kurzen Schattennacht , der schwärmerische Tag des Mondes aufgieng , und die Bäume ihre Gipfel träumend in dem zärtlichen Licht wiegten , da fühlte ich mich ihr so nahe , war ihres Andenkens so gewiß , daß ich von neuem glücklich war . Und so ist es nun noch immer mit mir . - Sieh diesen Morgen ! wie die Berge hoch an ihren Scheitel den goldnen Schimmer empor heben , der Wald begierig die süßen Stralen einsaugt ! o schöne , reizende Erde ! Alles , in und ausser mir , ist Uebereinstimmung , Hoffnung und Liebe ! In der ganzen Natur , sah ich keinen andern Zweck , als sie ; sie ist der ätherische Kranz , in dem alle Wesen verflochten sind . Den stillen Drang der Nothwendigkeit , und den freien Flug des Willens , ist kein anderes Ziel vorgesteckt ; sie ist das Einzige , was uns glücklich macht , weil sie , bei aller Unendlichkeit der Empfindung , doch alle unsere Wünsche beschränkt . Ich habe Dir nun alles gesagt ; Du weißt nun , daß ich glücklich bin . Morgen reise ich wieder von hier ab . Länger von ihr getrennt sein , wäre Tod ; ich muß sie sehen , denn mein Leben hängt an ihren Blicken . - O , ihr Horen ! die ihr den Himmel der Götter verschließt und eröffnet , fliegt , fliegt und eröffnet auch mir meinen Himmel ! Zieht die Wolke hinweg , die mir die Göttin verbirgt ! Funfzehnter Brief Amanda an Julien Monden sind vergangen , und zu sehr mit der glücklichen Gegenwart beschäftigt , hatte mein Herz für die entfernte Freundin , nur Gedanken , aber keine Worte . Deine Briefe allein , meine Julie , sie , die ich sonst immer mit freudiger Rührung las , haben jetzt zuweilen mein Glück gestört . Wo ist der freie Blick , der milde , menschliche Sinn , der sonst Dein Urtheil über die Menschen leitete , und Dich ihre Handlungen mit ihren Schicksalen gutmüthig und richtig vergleichen lehrte ? Kann ich dafür , daß mir die Liebe nicht auf Deinem Wege entgegen kam ? und hast Du vergessen , daß , wie ich jetzt fühle , Du ehmals gefühlt hast ? - Julie , bedenke es , daß , wir mögen noch so redlich streben , Keinem Unrecht zu thun , wenn unser Gefühl nicht zart genug ist , die feinen Nuancen des Herzens zu bemerken , und es uns an Phantasie fehlt , lebhaft die Tage eines andern zu empfinden ; so werden wir dennoch oft andern weh thun , und keinen um uns her glücklich machen können . - Nein ! störe den Frieden meines Herzens nicht mehr , und verlange nicht , daß ich mir Gewalt anthun soll . Wer sein natürlich reines Gefühl bewahrt hat , kann sich die undankbare Mühe ersparen , seine Neigungen bekämpfen zu wollen ; sie führen ihn recht ; er darf sich ihnen überlassen . Du verkennest meinen Freund , wenn Du glaubst , er werde mich leichtsinnig und ohne Bedenken tausend Unannehmlichkeiten aussetzen . Er selbst hat es durch sein geschicktes Benehmen so einzuleiten gewußt , daß wir uns nun mit größter Leichtigkeit so oft sehen , als wir wollen . O ! Du solltest es sehen , wie er auf Andere zu wirken versteht ! Ueberall , so jung er auch ist , erregt er unwillkührliche Achtung . Seine Ueberlegenheit muß ein jeder , freiwillig oder nicht , anerkennen . Er bittet - und man weiß es ihm Dank , denn man fühlt , daß er befehlen könne . - Und Albret ? - O ! ich rechte nicht mehr mit ihm ! sein Verhängniß führte ihn , wie mich das Meinige . Daß ich mit einem Herzen voll Liebe vergebens nach seinem Vertrauen rang , daß ich in seinen Ideenkreis mich nicht zu stellen vermochte , was kann er , was kann ich dafür ? - Mein Schicksal führte mich einen blumigen Pfad ; es sandte mir die gleichgestimmte Seele , wo ich ihrer am bedürftigsten und am würdigsten war . Denn meine Liebe ist nicht die betäubende , ungewisse Glut der ersten Neigung ; sie ist der reinste Genuß des Herzens , mit den edelsten Blüthen des Lebens verwebt und verbunden . - Gern sagte ich alles , was ich empfinde ; denn kann es ihm weh thun , da er mich nicht liebt ? Aber würde ihm nicht mein Vertrauen vielleicht kindisch erscheinen , ihm lästig sein ? - Er verlangt ja nur Schein von mir , nur - ach ! ich weiß nicht , was er verlangt ! Laß mich immer thörigt sein , Julie , diese Momente werden nie wiederkommen . - Ich will jetzt alles vergessen , ich will ! - und ich fühle mich dabei weise und gut . Wir werden wegen den Unruhen des Kriegs , diesen ganzen Winter , und vielleicht noch länger , hier bleiben . Seit einiger Zeit ist auch der Graf von L - hier , dessen Bekanntschaft ich schon in Italien machte . Albret sieht es gern , wenn ich bei den Festen , die er veranstaltet , erscheine , und ich füge mich leicht in seinen Sinn , denn mit Freuden ergreife ich die Gelegenheit , ihn zu verbinden , und - allenthalben finde ich Eduard . Du fragst mich nach Nanetten - und ich fühle ganz den Vorwurf , der in dieser Frage liegt ; wie lange ist es , daß ich ihrer , die ich doch so herzlich zu lieben versicherte , gar nicht gegen Dich gedachte ! Ach ! wol läßt sie uns alles vergessen , diese gebieterische Leidenschaft ! und so war es natürlich , daß ich Dir zu schreiben vergaß , wie sie schon seit einem Monat zu einer Verwandtin gereist ist , die sie sehr angelegentlich zu sich einlud . Aber sie hat versprochen , bald wieder hieher zu kommen , und wir erwarten sie täglich . Und wolltest Du , meine Freundin , Du allein , Deine Freundin betrüben , während Zufall , Liebe und Wahrheit sich zu ihrem Glück vereint haben ? - O ! gedenk ' an unsre jugendlichen Träume , an unsere Hoffnungen , an unsere milden , unschuldig freien Grundsätze ! Bedenk ' , daß die Sterblichen zwar oft das erreichen , was sie wünschen , aber selten oder nie , gerade zu dem Zeitpunkt , wo sie es wünschten . Julie , es kann schwach und unrecht sein , die Verhältnisse , worinnen wir einmal sind , leichtsinnig zu verletzen , aber es ist stark und gerecht , sie zu seinem Glück zu vergessen , ohne sie zu verletzen . Sechzehnter Brief Eduard an Amanda Ich muß Sie verlassen , Amanda , wenn ich meine Abreise so nennen kann , da ich nie von Ihnen mehr zu trennen bin . Barton ist hier , und überbringt mir die Bitte meines Vaters , unverzüglich zu ihm zu kommen . Mein Vater schreibt , daß er nicht versteckt vor mir handeln , nicht seine Gründe in den Schleier des Geheimnisses hüllen , aber mir nur alles mündlich sagen wolle , dann soll ich urtheilen , und nur bis dahin seiner Versichrung trauen , daß er nicht willkührlich mit mir verfährt . - Meine Abreise soll für Albret ein Geheimniß bleiben . Warum ? das weiß ich noch nicht , doch diese geheimnißvollen Wesen , die jetzt über mich gebieten , sollen mir von Allem Rechenschaft geben . Schon morgen reise ich ; darum vergönne mir heute , Dich ungestört zu sehen . Freudig will ich die letzten köstlichen Tropfen der Gegenwart trinken . Ich bin glücklich ; ich habe keinen Sinn für Trennung und für Schmerz . Wir werden uns bald , freudig und liebend wiedersehn . Siebenzehnter Brief Amanda an Eduard Sie erschrecken mich . - Ich hatte mich so sehr an mein Glück gewöhnt , daß ich , wie ein Kind glaubte , es könne nie anders werden . Und nun , schon jetzt ? - Ach ! diese Trennung ist nicht gut ! keine ist es . Kommen Sie bald , damit Ihre Gegenwart mir Alles klärer und heitrer mache . Achtzehnter Brief Amanda an Julien Es ist vorbei ! - Zwei Wesen sind getrennt , die ohne einander nicht leben können . Abgerissen sind die Fäden , die mein Herz an das gesellige Leben banden , und alle Freuden erscheinen mir ohne ihn , wie entseelte Körper . - O ! allmächtiges Gefühl der Liebe , das im Innersten des Herzens wohnt , und mit unbekannter Kraft , Trauer oder Freude über die ganze Welt ausgießet , vergebens müht sich der bildende Verstand , Dir die Erscheinungen nach seinem Gefallen darzustellen , vergebens strebt die meisternde Vernunft , Dich in ihre Formen zu gießen - in hoher Freiheit , waltest Du , unumschränkt nach Deinem Willen . Deine Wahl ist die ewige Harmonie der Natur , der geheime Zusammenklang lebendig fühlender Wesen . Ewig suchst Du darnach , und , wo Du sie findest , aller Schranken und Hindernisse spottend , da ist einzige , ewige Wahrheit . Oft weißt Du in der Tiefe des Unglücks , Dir Deinen Triumpf zu bereiten , nach dem vergebens das glücklichste Leben sich sehnt . Und weh ' dem , dem es gelingt , mit Dir den kalten Bund zu schließen , daß Du folgsam Dich den niedern Bedingungen des Verstandes anschmiegst ; denn bald schweigst Du ihm ganz , und er steht da , ein kaltes , trauriges Monument , des einst in ihm wohnenden Lebens ! - O ! Julie ! ich war glücklich ! glücklich , wie es wol nie eine Sterbliche war , und werden wird ! - Stunden hoher Begeisterung und ruhiger Einfalt , der geistigsten , schönsten Poesie , und bescheidner , nüchterner Lebensfreuden , schlossen sich reizend an einander . Ja ! es gab Momente , wo uns das Herz so groß ward , wo uns Phantasie , Liebe und Naturgenuß , ganz über alle gewöhnliche Verhältnisse hinweg , ins Gebiet der Ideale empor hob , wo wir alles andere verachteten , und zu sterben wünschten , weil nach solchen Augenblicken , kein irdisches Glück mehr unsrer Sehnsucht werth schien . Aber es gab auch Stunden , Tage , wo wir friedlich auf dem sanften Strom des gewöhnlichen Lebens hinabgleiteten , uns in den mannigfaltigen Beziehungen der Menschen , in geselligen Verhältnissen glücklich fühlten , und mit freundlicher Ruhe einander ins Auge blickten . - Das war es eben , was uns so selig machte , daß wir uns allenthalben begegneten , auf den ewigen Höhen der Begeisterung , und in den flüchtigen Wellen des Augenblicks , allenthalben uns einander nahe fühlten . - Und dies alles ist vorbei ! Julie , wenn Du dies je gefühlt hast , wenn Du es nur ahnen kannst , so komm zu mir , und lehre mich , mich selbst ertragen ! - Eine stürmische Sehnsucht ruft mich weg in ferne Gegenden , wo ich ihm zu begegnen hoffe . Wilde Phantasien umschwärmen mich ; es ist der sanfte Ton der Empfindung nicht mehr , der in nahem Bezug , auf die Gegenwart allein , meinen Träumen die fröhlichste Bedeutung lieh . Die Welt ist tod für mich , und in der ganzen Natur , bewegt kein erfreuender Ton mehr mein Herz mit leisem Widerklang . Daß Eduard von mir getrennt , weißt Du , aber warum so schnell , und so geheimnißvoll ? - Das wußte er selbst nicht , und wird es erst aus dem Munde seines Vaters erfahren . Sein Freund Barton , den er so oft verehrte , kam hieher , um Eduard ' s Angelegenheiten in Ordnung zu bringen , und vielleicht auch , wie ich fast vermuthe - mich näher zu beobachten . Es ist ein Mann , der die Welt sehr zu kennen scheint , und den eine gewisse Sicherheit und Schicklichkeit im Betragen , überall willkommen sein läßt . In seinem Gesicht hat sich , um den Mund , noch ein leiser Zug von Gutmüthigkeit erhalten , aber die Augen sprechen viel Klugheit , beinah Schlauheit aus . Er ist in unserm Haus bekannt geworden , und ich sehe ihn öfters , aber noch kann ich kein Vertrauen zu ihm fassen . Und wie sollte ich ? er scheint zu verständig , um mich verstehen zu können . Albret hat sich jetzt , wie immer , auf eine eigenthümliche Weise benommen . Nach unsrer Trennung , bei der auch Eduard trostloser war , als er selbst erwartet hatte , sagte ich ihm alles was ich fühlte . Der Schmerz macht aufrichtig , und das bestürmte Gemüth kannte keine Schranken , keine Rücksichten mehr . - Er hörte mich gelassen an , ohne ein Zeichen von Ueberraschung , mit einem Lächeln , wie man die Träume eines Kindes belächelt . » Amanda , « sagte er , als ich schwieg , » Du kennst Dich selbst , Du kennst die Menschen nicht . Unbedachtsam hälst Du die hinfällige Pflanze , die einen Frühling lebt , für den Sprößling eines Baumes , der allen Wettern trotzen , und mit den Zeiten wachsen wird . Zu späte Reue ist schrecklich ; bedenke das ! - du bist mir werth . « Diese Aeusserung reizte meine Empfindlichkeit . Ich fühlte mich so groß , so unendlich in meiner Liebe , daß jeder Zweifel an ihrer Dauer , ihrer Stärke , mir Lästerung zu sein schien . - Indessen , was mir auch darinnen mißfällig sein konnte , so fand ich doch , Albrets Benehmen , in diesem Fall untadelich , ja ! edel . - Seitdem hat er nie wieder über diesen Gegenstand , mit mir gesprochen , aber täglich verwickelt er mich absichtlich , immer mehr in einen Wirbel von Zerstreuung und Lustbarkeiten , wo ich ihm nicht glänzend genug erscheinen kann . Ich gestehe Dir , daß ich nicht weiß , was ich davon denken soll . Bin ich das Spielzeug seiner Eitelkeit , oder neuer , mir unbekannter Absichten ? - - Ach ! die Liebe macht mich für alles andere ungeschickt , und raubt mir alles Urtheil ! Eduard hat mir geschrieben . Seitdem weiß ich , daß die Welt noch Reiz für mich hat ; ich ahne wieder einen leisen Einklang im Spiel des Lebens , und bin mir selbst wieder gegeben . Seine Klagen haben mich geweckt , und die Sorge , ihn zu trösten , führt meinem eignen Herze Beruhigung zu . Wie sehr wünschte ich , meine Julie , daß Deine Einrichtung , Dir jetzt verstattete , zu mir zu kommen . Deine Gegenwart ist mir nie so nothwendig gewesen , und sie würde das begonnene Werk vollenden . - Nanette ist seit einiger Zeit wieder hier , aber sie scheint sich von mir zu entfernen , wenigstens ist sie so unbefangen nicht mehr , wie vormals . Zuweilen blickt sie mich liebevoll an , und ein fremder Zwang scheint ihren Mund zu verschließen ; dann aber glaub ' ich auch , Mißtrauen und Zweifel in ihren Augen zu lesen . - Und , soll ich Dirs gestehen ? - beinah ' ist es mir jetzt gleichgültig . - Ach ! seit ich ihn verloren habe , welchen Verlust kann ich noch fürchten ? Neunzehnter Brief Eduard an Amanda Wir halten hier in einem elenden Ort , weil mein Bedienter krank geworden ist . Nur mit Mühe konnte sich Barton , der mich einige Tagereisen mit begleitet , entschließen , diese Nacht hier zuzubringen , denn rastlos lies er mit mir dahin jagen , und der Wagen flog ihm nie schnell genug . Ich lasse mir alles gefallen , ich habe keine Kraft , keinen Willen mehr . Amanda , Amanda , was ist aus mir geworden ? - O ! wie wenig wußte ich , was Trennung war , wie frevelnd war der Muth , mit dem ich sie zu ertragen hofte ! - Ich fürchte in eine gänzliche Melancholie zu verfallen , und wird es nicht besser mit mir , so kehre ich , trotz allen Gründen , allen Verhältnissen zu Dir zurück . Du bist das einzige Wesen auf der Welt , dem ich ausschließend angehöre . Andre bildeten mich zum Menschen , aber Du erhobst mich zum Gott ; von Dir getrennt , sinke ich tiefer hinab , je höher ich stand . - Die ganze Natur scheint fühllos gegen meine Qual . Der blaue Himmel und die lachenden Fluren , spotten meines Kummers , die Menschen können mein unendliches Leid nicht fassen , und ihre unselige Kunst , entfernt mich schnell , und immer schneller von dem Ort , der all ' meine Liebe , mein Leben , meine Freiheit in sich schließt . - Vergolde nur immer , Abendsonne ! die träumende Erde , du vergoldest die Träume meines Herzens nicht mehr ! Ich bin tod , ohne gestorben zu sein . Der magische Ring . ist zerbrochen , womit mein Sinn alle Erscheinungen in lieblicher Einheit zusammen hielt , und die Harmonie des Weltalls , ist mit der Harmonie meiner Seele entwichen . Die Unendlichkeit hat Grenzen , und ein kaltes Schicksal ist in dem Kreis meiner Gedanken an die Stelle der göttlich freien Willkühr getreten . Ich hasse die Welt , und in der Welt mich selbst am meisten . Amanda ! schöne Seele ! - Deine Wirkungen sind allgegenwärtig , wie die Gottheit und begegnen mir da , wo ich es nicht im geringsten vermuthete . Eine arme Vertriebene , die tiefer als viele andere ihres Gleichen gebeuget zu sein schien , kam zu uns , und klagte uns ihr Leid . Als sie aus einer unscheinbaren Brieftasche eine kleine Schrift hervorzog , die als Beglaubigungsschein ihres Unglücks gelten sollte , entfaltete sich ein andres Papier , worauf ich Deine Hand zu erkennen glaubte . Kaum bemerkte sie meine Aufmerksamkeit , als sie mir es überreichte , und mit ungewöhnlicher Rührung Dein Lob anstimmte . Ich las Deine freundlichen Worte , deren feine Wendung ein größrer Balsam auf die Wunde der Unglücklichen war , als selbst Dein ansehnliches Geschenk . Ich küßte die geliebte Schrift ; es war das erste , was ich seit unsrer Trennung von Dir sahe ; ich wünschte , sie zu besitzen , und bot der Frau eine beträchtliche Summe . Sie schlug sie aus , jedoch mit sichtbarer Resignation . Ach ! es ist traurig , wenn das feinere Gefühl gegen Mangel zu kämpfen hat ! - Ich gab ihr das Geld , und ließ ihr Deine Schrift , jedoch auch nicht ohne Resignation . Wir sind wieder weiter gereißt , da der Kranke sich bald gebessert hatte . Unsre Pferde laufen unerträglich schnell vorwärts , und der Raum schmilzt vor unsrer fliegenden Eil behende hinweg , indeß er zwischen mir und Dir immer mehr anwächst . Ach ! Amanda , ich kann die Trennung von Dir , immer weniger ertragen ! Meine Gesundheit leidet , und nur die Hoffnung auf einen Brief von Dir , hält mein