sind . Unsere Greise und Weiber und Kinder sind gesichert , es ist kein fremder Herr zu euch gekommen , und der gekommen ist , der wird mit euch leben wie ihr , er wird schonen , was ihr tut , und habt . Ihr seid zu dem , was geschehen ist , kein kleiner Teil gewesen . Ihr habt die Schar des Herzoges Wratislaw besiegt , ihr habt in dem Kampfe bei Znaim durch euer Geschick und durch euern Mut den Sieg erringen geholfen . Freut euch dessen unter unsern grünen Bäumen , redet von euern Taten , und erzählet sie denen , die heran wachsen , daß sie einmal Gleiches tun . Verwendet das , was ihr im Kriege erworben habt , zu euerm Nutz und Frommen und zu Nutz und Frommen der Eurigen . Es wird jetzt eine Zeit der Ruhe kommen ; denn von denen , die gegen den Herzog Wladislaw aufgestanden sind , sind die Reichen arm , die Mächtigen schwach geworden , und keiner kann sich mehr gegen ihn erheben . Wenn er manchem verzeiht , so wird der in der Zukunft treu sein , oder er wird zu wenig Genossen zu einem neuen Kriege finden . Und wenn der Herzog Wladislaw einmal in einer gerechten Sache unsere Waffen und unseren Namen in entferntere Länder tragen will , so wird vielleicht mancher aus euch mit mir zu ihm gehen , und sich im neuen Kampfe erinnern , wie er in dem alten gekämpft hat . Und vielleicht ist es auch einem oder dem andern aus dem schönen grünen Walde beschieden , wenn wieder ein Zug der Christen in das Heilige Land geht , mit zu ziehen , und an der Stätte zu kämpfen , wo der Heiland gelebt hat , und dort zu beten , wo er für uns gestorben ist . Und wie ich euch auf dem Schlachtfelde und im Lager gedankt habe , so danke ich euch auch hier in der Heimat für alles , was ihr getan habt , und daß ihr bereitwillig und folgsam gegen mich gewesen seid . Meine Führerschaft hört heute auf , wir leben wieder jeder einzelne als ein einzelner Mann ; aber wir wollen in Liebe und Treue einander gedenken , die gekämpft haben , und in Liebe und Treue derer gedenken , die ihr Leben lassen mußten , und in Liebe und Treue und Unterstützung derer gedenken , die an ihren Gliedern ein dauerndes Übel erlitten haben . Und so gehabt euch wohl , und löset euch auf , die ihr zur Gemeinsamkeit bisher gefügt gewesen waret . Nur ein Mal wollen wir noch in Gemeinsamkeit sein , und zwar heute bei einem Mahle , und in Gemeinsamkeit der Lust , welche alle die genießen , die zu diesem Platze gekommen sind . « Die Worte Witikos , als er sie sprach , sind von denen , die sie gehört hatten , teilweise an die nächsten gesagt worden , von diesen wieder an die nächsten , und es ist auch etwas davon zu den Leuten gedrungen , die vor den Schranken standen . Als er geendet hatte , riefen die Männer : » Heil , Glück , Segen Witiko . « » Heil , Glück , Segen Witiko « , riefen dann auch die andern , die auf der Weide versammelt waren . Witiko steckte sein Schwert in die Scheide , ritt dann noch einmal an der Reihe der Krieger dahin , und reichte jedem Obmanne die Hand . Dann stieg er von dem Pferde , und ließ es zu einem der Stände der Pferdeumzäunung führen , die man hergerichtet hatte . Die Reiter stiegen auch von den Pferden , und stellten sie in die Umzäunung . Die Scharen pflanzten ihre Zeichen in die Erde , lösten sich auf , blieben auf dem grünen Platze , traten hie und da zusammen , und sprachen mit einander . Witiko war unter ihnen . Nach einer Zeit wurde mit einem Horne das Zeichen gegeben , daß nun das Mahl beginne . Die Krieger und manche andere Männer aus Plan und aus Stellen des Waldes setzten sich an die Tische . An der rechten Seite Witikos saß der alte Pfarrer , an der linken der Richter von Plan . Die Speisen wurden von den Herdstellen , die errichtet waren , herbei gebracht , die Getränke wurden aus den Fässern geholt , und auf den Tisch gestellt . Es waren Braten von zahmen und wilden Tieren , es waren Fische und Kuchen da . In den Trinkgefäßen war Bier , Met und Wein . Für die Menschen , welche herzu gekommen waren , wurde auf dem Anger ein Rind gebraten , und jeder konnte sich ein Teil für seinen Hunger abschneiden , und er konnte sich ein Stück Brotes von dem Haufen der Laibe nehmen , der daneben lag . In Fässern war Bier und Met , und wer ein Gefäß hatte , oder wem eines , wie sie neben den Fässern waren , geliehen wurde , der konnte es sich für seinen Durst füllen lassen . Manche Menschen hatten selber Feuer angezündet , und bereiteten Speisen . Nach dem Mahle waren verschiedene Spiele im Laufen , Springen , Klettern , Ringen und andern Dingen . Es erschollen Klänge aus Pfeifen , Zimbeln , Fiedeln und Hörnern , und die jungen Männer und die schön gekleideten Mädchen des Waldes begannen Tänze auf dem grünen Rasen , und mancher ältere Mann tanzte auch noch mit seiner Ehefrau oder mit einer andern . Lambert , der Zimbelschläger , stand mit seinem Schwerte gegürtet an der Zimbel , und sandte ihre Töne für die Tänzer über die grüne Weide . Tom Johannes , der Fiedler , ging von einem zum andern , und sagte , wie Töne und Klänge zu Tänzen beschaffen sein müssen . Zu den Klängen der Tänze mischten sich dann auch Gesänge . Lieder erschallten , von einzelnen gesungen oder im Wechselgesange , oder im Gesange von mehreren . Auch jenes Singen ohne Worte , wie es Witiko von Bertha und ihrer Singgespanin gehört hatte , erhob sich , und zog durch die Lüfte . Und wie die Söhne des Waldes stets das Jauchzen üben , um sich zu rufen , um sich zu necken , oder eine Lust durch die Zweige fliegen zu lassen , erklang unter den Tönen manch ein Jauchzen , und suchte sich besonders preiswürdig zu machen . Als die Krieger von den Tischen aufgestanden waren , ging Witiko mit dem Pfarrer und mehreren Männern unter den Leuten herum , und sprach mit vielen . Er ging auch zu denen hinaus , die außerhalb der Schranken waren , um mit ihnen zu sprechen , und zu sehen , ob es an nichts gebreche , oder ob keiner eine Störung veranlasse . Gegen den Abend ritt Witiko mit dem größten Teile der Krieger und Gäste nach Plan zurück . Andere blieben noch auf der Weide an der Moldau , und erlustigten sich bis in die Nacht hinein . Am nächsten Tage zogen die Abteilungen der Krieger aus den ferneren Waldgegenden wieder in ihre Heimat , und viele Menschen , die gekommen waren , gingen fort . Andere blieben noch da , und erst nach mehreren Tagen waren alle , die nicht nach Plan gehörten , von dort hinweg gegangen . Die Männer von Plan fingen nun an , das , was sie in dem Kriege erworben hatten , zu genießen . Zuerst gingen solche , welche nicht in dem Kriege gewesen waren , und dann Weiber und besonders Kinder in die Häuser , und ließen sich zeigen , was heim gebracht worden war . Mancher Mann und manche Frau trugen aus ihrem Hause selber das eine oder das andere Stück zu einem Nachbarn oder Freunde , um es vorzuweisen . Dann wurde verfertigt , was verfertigt werden konnte : Schleifen , Gewänder , Waffen , Hauszierden und anderes . Manche begannen , ihr Haus auszubessern oder zu erweitern , manche suchten ein Flecklein Grund zu kaufen , und manche pflegten länger in der Schenke zu sein , als sie sonst getan hatten . Witiko sendete einen Teil seiner Habe durch Säumer nach Pric . Die Zeichen , welche die Krieger im Kriege gehabt hatten , wurden nach Beratungen in einen Schrein in der Kirche gelegt . Die Männer von Plan hoben nun auch an , das Haus zu bauen , in welchem die Kinder unterrichtet werden sollten . Witiko dingte drei Werkleute , welche für ihn in der Zeit des Baues arbeiten sollten , er ließ Zugtiere zu manchen Verrichtungen stellen , und schenkte das Holz für den Dachstuhl . In dieser Zeit kamen Wentislaw , der Zupenrichter , und Rastislaw , der Meier von Daudleb , mit mehreren Männern zu Witiko in den oberen Plan , und sagten , sie müßten nach dem hohen Befehle des erlauchten Herzoges Wladislaw und nach dem hohen Befehle des edlen Zupanes Lubomir Witiko im Walde die Grenzen dessen ausweisen , was in seinem Pergamente als Gabe an Land geschrieben stünde . Witiko möge sich Zeugen auslesen , und die Grenzen mit ihnen beschauen . Witiko sagte : » Weil es so ist , daß ich Zeugen wählen muß , so werde ich sie wählen . « Und er wählte die jungen Männer Augustin , Urban , Mathias und Maz Albrecht . Und er und seine Zeugen und Wentislaw und Rastislaw und die Männer aus Daudleb gingen an der Grenze dessen hin , das Witikos Gebiet sein sollte . Sie schrieben , was sie fanden , auf Papiere , und als sie nach drei Tagen wieder nach Plan zurückgekommen waren , wurde noch alles auf zwei Handschriften gebracht . Eine legte Witiko zu dem Pergamente , und die andere nahmen die Männer nach Daudleb mit . Als dieses geschehen war , rüstete Witiko ein Geleite zu einer Reise , und zog eines Morgens mit dem Geleite von dem oberen Plane fort . Sie zogen auf dem Wege , auf dem Witiko einmal mit dem Bischofe Zdik geritten war , durch den Wald in das Aigen . Von dort zogen sie mittagwärts durch Wälder und durch das Gericht Velden an die Donau . Sie waren an die Stelle derselben gekommen , von welcher man jenseits des Wassers die Häuser von Aschach liegen sah . Sie wurden auf Fähren über den Strom gebracht . In Aschach waren Männer , welche behauene Steine und allerlei Baudinge aus Schiffen brachten , und auf Wägen luden . Die Leute erzählten , das gehöre zu der Burg , welche der edle Herr , Heinrich von Jugelbach , auf der Höhe im Mittage von Aschach bauen lasse . Witiko fragte , ob Heinrich von Jugelbach bei dem Baue sei , und erhielt die Antwort , er sei in der Burg Jugelbach . Witiko ritt nun mit seinem Geleite gegen die Waldhöhe , welche von Aschach mittagwärts gegen die Stadt Eferdingen geht . Er ritt die Waldhöhe entlang . Als sie zu der Stelle kamen , oberhalb welcher der Bau errichtet wurde , ritten sie zu dem Werke empor . Es war eine Höhenzunge , welche sich von dem Berge hinweg streckte . Auf der Zunge wurde die Burg erbaut . Gerüste standen am Ende der Zunge empor , und an den Gerüsten wurden die Mauern hinan gearbeitet . Ein sehr mächtiger Turm strebte inmitten der Bauwerke schon höher in die Luft als alles andere , und Gemächer und Gänge und Säle und eine Kirche und andere Räume , die zu der Wirklichkeit einer Burg gehören , waren in Gliederungen schon sichtbar . Schaffner waren tätig , Werkleute mauerten und hämmerten , Zimmerer behauten Stämme , Zureicher trugen Kübel über Holztreppen empor , Steine wurden an Seilen in die Höhe gezogen , und auf Balkenwägen und auf Säumern wurden Dinge den Berg hinan geschafft . » Diese Burg wird Schauenberg heißen « , sagte Witiko . » Sie heißt schon so , seit der erste Stein gelegt worden ist « , sagte ein Schaffner , » der Stein ist geweihet worden , und in der Weihe hat die Burg den Namen erhalten . Steiget herauf , und sehet , wie man von dem Berge schauen kann . « Witiko stieg von seinem Pferde , und auf ein Gerüste , und der Schaffner zeigte ihm , wie die Donau durch das schöne Land geht , da hinab , wo Wilheringen liegt und der Wald und die alte Burg Kürenberg , und wie jenseits der Donau die Berge hinan steigen , immer einer höher als der andere , bis sie das böhmische Land erreichen , wo sie am höchsten sind . » Dort würde auch eine Burg schön stehen « , sagte der Schaffner , » und sie würde so weit in das Land schauen als der Schauenberg . « » Sie würde sehr schön stehen « , antwortete Witiko , » und weiter schauen . « Dann zeigte der Schaffner Witiko die Alpengebirge , die im Mittage weit entfernt gegen das Land Österreich und gegen das Land Ungarn dahin gehen . » Und von hier bis zu den blauen Bergen ist ein gesegnetes Land « , sagte der Schaffner , » Höfe und Burgen liegen in ihm , und das Getreide und das Obst ist in Fülle , und Ortschaften und Städte sind da , und die Mutter Heinrichs von Jugelbach hat noch manches Eigen daselbst , und ihre Söhne Heinrich und Gebhart werden erben , und wer Bertha , das einzige Kind Heinrichs , in sein Haus führt , hat eine reiche Braut . Die Burg auf dem böhmischen Walde hätte kein so schönes Land um sich . « » Es sind dort lauter Wälder « , sagte Witiko , » und sie liegen in einer großen Pracht dahin , und haben einen anderen Reichtum als Getreide . « » Seid Ihr in jenem Lande bekannt ? « fragte der Schaffner . » Ich kenne das Land « , antwortete Witiko . » Getreide ist ein schönes Ding « , sagte der Schaffner . » Ein schönes Ding und ein Segen Gottes « , antwortete Witiko . Nach diesen Worten stieg er über die Holztreppe von dem Gerüste wieder hinab , und ging zu seinem Pferde . Der Schaffner geleitete ihn . » Reiset recht glücklich , und möget Ihr Eure Ziele erreichen , junger Herr « , sagte er . Witiko bestieg sein Pferd , und antwortete : » Das walte Gott , und gehabt Euch wohl . « » Gehabt Euch wohl « , sagte der Schaffner . Witiko ritt mit seinem Geleite wieder den Berg hinab , und von da in die Stadt Eferdingen . Von der Stadt Eferdingen ritten sie in dem Lande Baiern immer gegen Sonnenuntergang fort , bis sie eines Tages in die Stadt Landshut kamen . In Landshut ließ Witiko sein Geleite in einer Herberge unterbringen , und übergab dem Geleite sein Pferd . Er aber ging von der Herberge wieder fort . Er ging durch die Gassen , bis er an den Rand der Stadt kam . An dem Rande der Stadt war an der Stelle , zu der Witiko gegangen war , nicht weit von der Mauer der Stadt ein kleiner Garten , und an dem Garten stand ein kleines Haus . Witiko ging zur Tür des Hauses , und pochte mit dem Klöppel auf sie . Die Tür wurde geöffnet , ein altes Mütterlein stand in ihr , und rief . » Heiliger Gott , Witiko . « » Ich bin nun da « , sagte Witiko . » Seit so vielen Jahren wieder « , antwortete das Mütterlein . » Sei vielmals gegrüßt , Marhild « , sagte Witiko . » Sei gegrüßt , Witiko « , sprach das Mütterlein . » Sind alle gesund ? « fragte Witiko . » Alle sind gesund « , antwortete das Mütterlein , » gehe nur hinein . « Witiko ging durch die Tür in einen Raum , der mit Steinen gepflastert war , und von diesem Raume in ein Gemach . Dasselbe hatte weiße Wände , grün gepolsterte Geräte , und vor den Fenstern weiße Vorhänge . In dem Gemache saßen zwei Frauen . Da Witiko eintrat , standen sie auf , und eine rief : » Witiko . « » Mutter , sei zu tausendmal gegrüßt « , sagte Witiko . » Sei gegrüßt , mein Sohn « , antwortete Wentila , die Mutter Witikos . Sie reichte ihm die Hand , er küßte dieselbe , und sie küßte ihn auf die Stirne . » Ich grüße dich auch , Witiko « , sagte die andere Frau , welche älter war als Wentila , und schneeweiße Haare hatte . » Ich grüße dich , Base Hiltrut « , sagte Witiko , » jetzt bin ich bei euch . « » So lege dein Schwert und deine Haube ab , und setze dich zu uns « , sagte die Base . Witiko tat es , und setzte sich auf eines der grünen Gesiedel . Die Frauen setzten sich auch wieder nieder . » Gesegnet sei deine Rückkehr in dieses Haus « , sagte Wentila . » Es sind fünf Jahre vergangen , seit du von Passau hieher gekommen bist , Abschied zu nehmen , und seit du von dieser Schwelle fort geritten bist « , sagte die Base . » In dieser Zeit sind allerlei Dinge geschehen , Hiltrut « , antwortete Witiko . » Du hast mir wieder Botschaft gesendet , die mich freute « , sagte Wentila . » Jetzt ist der üble Streit im Lande Böhmen aus . « » Die Macht Wladislaws ist gesichert « , sagte Witiko , » und der Streit ist aus . « » So danken wir Gott zuerst , daß unser Vaterland wieder in Ruhe ist « , sprach Wentila , » und dann danken wir , daß du nur einmal eine geringe Verletzung erhalten hast , das ist eine Gnade von dem Herrn , und dann danken wir , daß er dich hat wirken lassen , wie du immer nach deinem besten Sinne wirst gewirkt haben , und endlich danken wir , daß du geehrt und belohnt worden bist , was eine Sache ist , die vor den Menschen gilt , und die dir zu Gute kömmt . « » Wir haben Gott dem hohen Herrn für seinen Beistand in dem Unglücke unseres Vaterlandes gedankt auf dem Schlachtfelde , wir haben ihm feierlich auf grüner Heide gedankt , weil in Mähren noch der Bann ist , und keine Kirche offen steht , wir haben ihm in der Kirche des oberen Planes gedankt , und haben ihm bei Plan unter dem offenen Himmel gedankt « , sprach Witiko , » und ich habe ihm gedankt , daß er mich erhalten hat , ich habe ihm gedankt , daß er mir in meinem guten Willen geholfen hat , und ich habe ihm gedankt , was er dem gütigen Herzoge für mich eingegeben hat . Und so danke ich ihm noch , und werde ihm zu jeder Zeit danken . Und immer danke ich auch dabei , daß er mir eine so gute Mutter geschenkt hat . « » Wir haben ihm auch gedankt , Witiko « , sagte die Mutter , » und danken ihm noch , und werden ihm wie du zu jeder Zeit danken . Und ich danke ihm auch , daß ich einen guten Sohn habe . « » Witiko , Witiko « , sagte die Base , » du bist jetzt in deinen jungen Jahren ein Herr in dem Lande , und bist mit den anderen Herren in dem Rate des Herzogs . « » Zum Rate muß ich mir erst das Wissen sammeln « , antwortete Witiko . » Wer hätte das gedacht « , sagte die Base , » als du hier in deinem Kämmerlein mit dem frommen Benno die schweren Worte lerntest . Wir haben dir das Kämmerlein recht schön hergerichtet . « » Unser Besitz ist immer klein gewesen « , sprach Wentila , » sie sagen , unsere Vorfahrer haben eine große Macht gehabt ; aber wie es ist , in dem kleinen Besitze ist dein Vater , ist dein Großvater und sind alle vor ihnen gegen die Ihrigen gütig gewesen , du wirst es auch gegen deine neuen Untertanen sein . « » Sie haben mir für das Vaterland und für die Heimat geholfen « , sagte Witiko , » und ich werde ihnen wieder helfen , wo ich kann . « » Ich weiß es , ich weiß es « , sprach Wentila , » und mag auch , was du noch wünschest , in Erfüllung gehen . « » Ich bitte Gott , daß es in Erfüllung geht « , sagte Witiko . Als er diese Worte gesprochen hatte , wurde die Tür geöffnet , und ein Priester trat herein . Er hatte ein freundliches Angesicht , blaue Augen und weiße Haare . » Erlauben mir die Frauen , zu dieser Zeit in ihr Gemach zu kommen « , sprach er , » Lutgart ist zu mir gegangen , und hat mir gesagt , daß Witiko gekommen ist , und da wollten meine Augen nicht länger warten , ihn zu schauen . « Witiko stand auf , ging zu dem Manne , und sagte : » Sei mir in Ehrfurcht gegrüßt , Vater Benno . « » Sei gegrüßt , mein Kind « , sprach der Priester , legte eine Hand auf den Scheitel Witikos , und küßte ihn auf die Stirne . » Wir sind erfreut , daß Ihr zu dieser Stunde gekommen seid « , sagte Wentila , » Ihr habt ja immer gesprochen , daß Ihr zu uns gehöret , und so gehöret ihr auch jetzt zu uns , da er hier ist , und es ehret uns stets , wenn Ihr unser Gemach betretet . « » Nehmet doch einen Sitz ein , hochehrwürdiger Vater « , sprach die Base . » Bleibe an deiner Stelle neben deiner Mutter sitzen , mein Kind Witiko « , sagte der Priester , » ich werde mir einen Platz finden . « Nach diesen Worten setzte er sich auf einen Stuhl , und Witiko setzte sich wieder zu seiner Mutter . » Er ist jetzt zurückgekehrt , der uns vor fünf Jahren verlassen hat « , sagte Wentila . » Er hat wohl schon in früherer Zeit dieses Häuschen verlassen , da er ein Dienstknabe des Bischofes von Passau geworden ist « , sagte die Base . » Der Bischof ist ein milder Herr gewesen « , antwortete Wentila , » und hat ihm oft erlaubt zu uns und zu dem hochehrwürdigen Vater Benno zu gehen , der ihn zu ihm geführt hatte , und hat ihm erlaubt , oft lange Zeit bei uns zu bleiben , und mir ist er erst fort gewesen , da er in das Land Böhmen geritten war . « » Ich habe ihn , da er empor wuchs , alle Tage hier gesehen « , entgegnete die Base , » und als er nach Passau gegangen war , ist mir das Häuschen zu groß geworden . « » Es ist nun so , daß Knaben von der Mutter fort gehen , um sich ein Leben zu gründen « , sagte Benno . » Ich konnte nichts mehr tun , als für ihn beten « , sprach die Base . » Das hast du ja auch früher getan « , sagte Wentila . » Wir haben für ihn gebetet « , sprach die Base , » wie wir für alle die Unsrigen beten , und für andere Leute und für die , auf welche niemand in einem Gebete denkt . « » Und du hast auch in allen anderen Dingen auf ihn gedacht « , sagte Wentila , » schon da er geboren wurde , und du in Pric bei uns als Gast warest , und ich seiner wegen Krankheit nicht warten konnte , und dann , als mein lieber Ehegatte gestorben war , und wir als Gäste bei dir in Landshut lebten . Du hast in jeder Sache für ihn geschaltet . « » Ich bin es schuldig gewesen , und dann , da er fort war , konnte ich es nicht mehr tun , und es ist mir die Zeit leer geblieben « , sagte die Base . » Er ist auch immer so gut in seinem Gemüte gewesen . « » Ich bin für dich noch gut in meinem Gemüte , und werde es in der Zeit meines ganzen Lebens sein « , sprach Witiko . » Ich glaube , du bist auch sonst gut in deinem Gemüte « , sagte Wentila . » Ich meine einen guten Sinn gegen alle Menschen zu tragen « , antwortete Witiko . » Und als er dann mit dem hochehrwürdigen Vater Benno lernen mußte , hättest du ihm gerne Honigscheiben gegeben , daß er sich nicht zu sehr kränke « , sagte Wentila . » Hast du die lateinische Sprache nicht vergessen , Witiko ? « fragte der Vater Benno . » Wenn ich eine Schrift des Heiligen Vaters in der lateinischen Sprache sähe , würde ich sie wohl verstehen « , antwortete Witiko , » und dann hat uns ja der hochehrwürdige Bischof Regimar in Passau sehr zur lateinischen Sprache angehalten , und ich habe manches in meinen Habschaften bei mir , das ich mit dir , hochehrwürdiger Vater Benno , gelernt habe . « » Das Beste hat doch der fromme Vater Benno für Witiko getan « , sprach die Base , » er hat ihm Gottesfurcht und schöne Sprachen und gute Sitten und Kenntnisdinge und Lebensart und , was sich in der Welt zugetragen hat , in das Herz gepflanzt , und er hat ihn auch dorthin geführt , wo er den Waffenbrauch und das Reiten und das Schwimmen und das Laufen und andere Geschicklichkeiten lernen konnte . Es ist wohl recht lieblich gewesen , da der fromme Vater Benno mit euch von Pric gekommen war , da wir alle mit einander hier lebten , da wir zu manchen guten Leuten gingen , und am liebsten wieder bei einander zu Hause waren . Es wäre schön gewesen , wenn es so geblieben wäre . « » Es wird jetzt wieder so sein « , antwortete Witiko , » ich bin gekommen , euch alle , wie ich zu meiner Mutter auf dem Kahlenberge gesagt habe , nach Pric zu geleiten , und wenn der hochehrwürdige Vater Benno auch mit uns geht , so werden wir dort noch näher bei einander leben als hier , da wir alle in dem Hofe von Pric wohnen werden . « » Der fromme Vater Benno ist so oft von seiner Wohnung in unser Häuschen zu dir gekommen , daß ich meinte , er sei immer hier « , entgegnete die Base . » Und es wird auch in Pric nicht dauern . « » Die Menschen trennen sich , und haben Schmerz « , sagte Benno , » und sie kommen wieder zusammen , und haben Freude . « » Ich weiß , daß es so ist « , sprach die Base , » und gebe den Scheidenden Segenswünsche auf den Weg , und freue mich , wenn sie wieder kommen . « » Der hochehrwürdige Vater Benno hat gesagt , Witiko « , sprach Wentila , » daß er mit uns nach Pric gehen wird . « » Ich werde dahin gehen « , sagte Benno , » und werde die Menschen wieder sehen , die ich dort kenne , und werde auf dem Grab deines Vaters beten , Witiko . « » Es ist mir eine große Freude , daß du nach Pric gehst , Vater Benno « , antwortete Witiko , » ich werde sorgen , daß die Reise leicht ist . « » Witiko , mein Kind « , sagte Benno , » du hast uns Nachrichten von dir geschickt , und das ist gut gewesen , wir lebten wie mit dir . Du hast nun in der Zeit , in der du fort gewesen bist , Dinge der Welt gesehen , wie sie Schicksale der Menschen gründen und stürzen . « » Hochehrwürdiger Vater « , antwortete Witiko , » du hast an mir so Großes und Gutes getan , daß du mich unterwiesest , belehrtest und anleitetest , daß ich es erst jetzt , da ich diese Dinge der Welt gesehen habe , recht erkenne und besser erkenne als früher , und daß ich dir es erst jetzt danke und besser danke als früher , und daß ich es immer noch besser erkennen und danken werde . Du hast mir von dem erzählt , was zwischen Menschen in früheren Zeiten geschehen ist , und du hast mich die Taten , wie sie gut und böse sind , und wie sie erfolgreich sind , schauen lassen . Ich habe daher in den Dingen , bei welchen ich jetzt war , manches gelernt , und werde bei anderen Dingen wieder manches lernen . « » Daß ich dir meinen armen Unterricht zu Teil werden ließ , Witiko « , sagte Benno , » das ist so , wie der Gärtner eine Blume zieht , daß sie schön werden soll , und wie er sich an der Pflanze freut . Und ich bin mit deinem Vater in Freundschaft gewesen , ich liebte ihn , und er liebte mich , wie ein Bruder den andern liebt , und da er gestorben war , dachte ich immer an dich , Witiko . Und wenn du in menschlichen Dingen gelernt hast , und noch lernen wirst , so ist es wie bei uns allen , die wir lernen müssen , bis wir in das andere Leben kommen . « » Bist du noch mit Emsigkeit daran , die Geschicke der Kaiser aufzuschreiben ? «