Welt diese stille und einflußreiche Geschichte seines Herzens . Wir sehen ihn in seiner öffentlichen Erscheinung nur noch zwischen den zwei verderblichsten Fehlern eines Herrschers getheilt , Schwäche und Eigensinn . Die Zeit , der er verfiel , hatte keine Langmuth mehr . In sich kreißend und gährend , zerriß sie die Zügel einer Herrschaft , die nicht mehr Schritt hielt mit ihren Forderungen . Sie mußte sich in der Willkür müde schwelgen , um die eiserne Ruthe eines Cromwell küssen zu können . Nicht ohne Theilnahme denken wir uns den König auf einem Wendepunkte , wo er sich noch ein Mal weich und träumerisch an die Ideale seiner Jugend hängt , freudlos die Zukunft vor sich erblickend , doch nicht ahnend , wie furchtbar sie sich gerüstet hatte , ihn zu vernichten . Jetzt dachte er , wie er seinem Robert einst dies Urbild ihrer Herzen , worin sie sich wie in einem Brennpunkte ihrer Liebe begegnet waren , heimlich , während einer Abwesenheit des Herzogs in London , in dies stille Gemach hatte einsetzen lassen , - dies Bild , woran der Herzog nicht mehr die Gefühle heißer Liebe knüpfte , sondern eine Begeisterung , eine Stärkung für Erstrebung alles Guten und Edlen . Er hatte es wagen dürfen , ihn zum stillen segenbrinden Engel in seine Einsamkeit zu führen . Er wußte , daß Robert von dem Augenblicke an , wo der Prinz in jener verhängnißvollen Nacht , als der Tod des Bruders ihn so viel höher stellte und so viel ferner der früh ihm Vermählten , und er keinen Boten fand , der fernen Leidenden das Wort der Treue zu senden , als Robert , den er sie liebend wußte , - daß von dem Augenblicke dieser Entdeckung an er den männlichen Kampf begann , um über Gefühle zu siegen , die er sich nicht mehr glaubte gestatteten zu dürfen . Er gedachte , wie stolz und muthig er ihn bis zur Vermählung mit Arabella Bristol durchgekämpft ; er gedachte des harten Streites der Liebe mit ihm , als er trachtete , den Liebling von einem Schritte zurück zu halten , der ihm von der Verzweiflung eingegeben schien ; er gedachte aller guten Stunden , aller treuen Dienste , die ihm dies seltene Freundesherz geleistet in Behütung und Bewahrung des gefahrvollen Geheimnisses , und zugleich mit dieser Erinnerungsfeier zog der Schmerz der Einsamkeit durch sein Herz , und er rettete es nur aus allzumächtigem Weh , indem er des Kindes gedachte , das ihm vielleicht noch geblieben . Schnell nahte er sich dem Bilde , eine Feder bewegte es langsam aus der Wand hervor , dahinter zeigte sich eine Nische , in deren Raum der König das vom Freunde behütete Kästchen fand , welches alle wichtigen Dokumente für die Legitimität des theuren Kindes enthielt , deren Durchsicht er nunmehr sich mit dem bewegtesten Herzen hingab . Der König ließ sich am andern Morgen zu dem gemeinschaftlichen Frühstück melden und ward von der ganzen Familie mit der ehrfurchtsvollsten Freude empfangen . Er wandte auch jetzt seine Reden fast ausschließlich an Richmond und äußerte endlich , er sei , wie er hörte , so eben erst von einer Reise nach der Ostküste von England zurückgekehrt . Als dies Richmond bestätigte , fragte der König , was seinen Geschmack eben nach dieser wenig angebauten Gegend hingezogen ? Mich bestimmten bei dieser Wahl nicht die gewöhnlichen Anforderungen einer Vergnügungsreise , erwiederte Lord Richmond , es war mehr eine Pflichterfüllung , die mich gegen andere Beziehungen gleichgültig machte . Eine eigne Angelegenheit ? sagte der König , scharf ihn anblickend . Doch , unterbrach er sich , Richmonds sichtliche Verlegenheit gewahrend , ich dränge mich in Familiengeheimnisse und will Euch nicht in Verlegenheit setzen , nur herzlich wünschen , daß der beste Erfolg diese außerdem wenig belohnende Reise krönte . So , darf ich in Wahrheit hoffen , ist geschehen , wie Euer Majestät die Gnade haben zu wünschen , rief Richmond . Aber erstaunt sahen die Andern mit ihm , wie der König bei diesen Worten schnell aufsprang und , mit dem lebhaftesten Ausdruck der Freude auf ihn zueilend , ausrief : O sagt ! sagt ! Ihr waret glücklich ! Grenzenlos wird mein Dank sein ! Es blieb keine Zeit , diese unzusammenhängenden Worte zu deuten ; der nächste Augenblick hob den frühern in Ueberraschung auf . Lady Maria hatte , von Sehnsucht , den König zu sehen , getrieben , Stanloff vermocht , sie nach den Terrassen an dem Saal vorüber zu führen , worin der König frühstückte , da sie sich der Familie nicht anschließen wollte , um einer Präsentation vor dem Könige zu entgehen , bei der Alle in Verlegenheit kommen mußten , indem dem unglücklichen Mädchen noch immer kein Recht zu irgend einem Namen zuzustehen schien . Gaston , ihr steter Begleiter , hatte sich auch dies Mal aus den Zimmern ihr nachgeschlichen , und mit ihr die Nähe des Saales erreichend , zeigte er sich plötzlich aufhorchend und eine Spur suchend , die ihn , trotz des leisen Ruf ' s Maria ' s , von ihrer Seite weg dem offenen Saale zuzog . Er hatte ihn kaum erreicht , als der König , wie bereits erwähnt , von seinem Platze aufsprang und sich gegen den stehenden Lord Richmond wendete . Im selben Augenblicke hatte Gaston den Freund seines Herrn erkannt und stürzte jetzt mit der leidenschaftlichsten Heftigkeit auf den König zu . Die augenblickliche Ueberraschung des Königs endete sogleich , indem er Gaston erkannte , seine Liebkosungen erwiederte , und , mit ihm dadurch vorgedrängt , jetzt in eine offene Thür der Hallen trat und dadurch der Lady Maria sichtbar ward , die ihn bisher nicht zu erkennen vermocht hatte . Seht ! rief Stanloff , jetzt kennt Ihr den König sehen , dort steht er mit Gaston an der Thür . Maria blickte einen Moment hin , dann stieß sie einen Schrei aus und mit dem Ausruf : O Gott , mein Oheim ! stürzte sie dem Könige zu Füßen . Unaussprechlich war die Ueberraschung aller Anwesenden . Alles sprang auf und eilte dieser unerwarteten Scene entgegen . Um Gott , Lady Maria ! Was begeht Ihr ? rief die Herzogin , aufs Tiefste verletzt und erschrocken über den plötzlichen Anblick eines Gegenstandes , den ihr stolzes Herz eben dem Könige zu entziehen getrachtet hatte . Aber schon änderte sich die ganze Scene . Der König , zu ihr niedergebeugt , mühte sich , sie in seine Arme zu ziehen , indem er aufs Lebhafteste ihren Namen unter den zärtlichsten Ausdrücken rief . Lady Maria richtete sich auf und sagte , an seine Brust sich lehnend , ernst und zärtlich : Jetzt habe ich wieder eine Heimat auf Erden gefunden . Du wirst mich von allen den Räthseln erlösen , die mich bisher verfolgten , ich werde jetzt einen Namen haben ! O ! rief der König mit dem Laut des Schmerzes , o Du theures , unglückliches , verfolgtes Kind ! Meine ganze Macht kann nicht ausreichen , was Du gelitten , auszulöschen , Dir wieder zu geben , was Du indessen verloren . Aber einen Namen sollst Du haben , auf den Du mit Stolz blicken kannst , eine Heimat soll Dir werden , des Namens würdig , den Du mit Recht führst ! - Frau Herzogin , fuhr der König fort , erfahrt jetzt , daß Ihr in den Wohlthaten , die Ihr diesem theuern Kinde gewährt , Euern König Euch zu Euerm lebenslänglichen Schuldner gemacht habt . Hier sei der erste Augenblick , wo ich das süßeste Glück meines Lebens ausspreche . Sie ist meine Tochter , und ihre rechtmäßige Mutter ist Elisabeth von Buckingham , die Gott früher von dieser Erde rief , als ich vor dem Angesichte der Menschen ihre heiligen Rechte anerkennen durfte . Du der König ? Elisabeth meine Mutter ? rief Maria . Die Ueberraschung schien ihr alle Kraft zu rauben . Der König führte sie nach einem Lehnstuhle , sie zärtlich stützend , während um ihn her das Erstaunen und die Ueberraschung Aller sich in den verschiedensten Erscheinungen kund gab . Doch wir werden das mütterliche Gefühl verstehen , wenn wir sagen , daß die Herzogin , deren lange schmerzvolle Befürchtungen wir kennen , ihre Augen zu Richmond erhob , und , zärtlich sich an den Herzueilenden lehnend , ihn fest und mit einem seligen Lächeln an ihre Brust drückte . Mit stummem Entzücken blickte die alte Herzogin auf diese Scene , die sie so wohl verstand , denn der Augenblick , der dem Könige die Tochter , hatte auch ihr den verklärten Sohn , sein in reiner Tugend strahlendes Bild zurückgegeben . Dieser rührende und überraschende Moment , der alle Anwesenden aufs Tiefste und Verschiedenartigste bewegte , ward unterbrochen , indem Sir Walther Ramsey mit feierlicher Amtsmiene erschien . Vor dem Könige , der noch immer über Lady Maria , sie umschlingend , gebückt stand , beugte der Ankommende die Knie und redete ihn auf folgende Weise an : Ein königlicher Bote erreicht so eben dies Schloß , beauftragt , Euer Majestät in tiefer Ehrfurcht anzuzeigen , daß dem Lande das ersehnte Heil geschah und der Boden Englands die Königliche Henriette von Frankreich , unsere nunmehrige Königin , empfangen hat . Der unglückliche Carl schreckte zusammen , lebhaft drückte er die zitternde Maria an seine Brust , dann riß er sich empor . Ich danke Euch , Sir Ramsey , für die erfreuliche Botschaft , Ihr werdet mich von Euern Wünschen unterrichten müssen . Dem ersten Ueberbringer solcher Nachricht darf keiner unerfüllt bleiben , den zu befriedigen in unserer Macht steht . - Die Augenblicke sind uns also gezählt , sprach er darauf , zur Herzogin gewendet . Gönnt mir eine kurze Unterredung , Mylady , ich bin sie mir , ich bin sie Euch schuldig und diesem theuren Kinde . Er bat Maria , ihn zu begleiten , und führte Beide in die innern Gemächer . Was er hier der Herzogin und seiner Tochter zu sagen hatte , kann kein Gegenstand fernerer Mittheilung sein ; wir ahnen es aus der Erinnerung aller im Laufe dieser Erzählung vor uns entwickelten Einzelheiten . Auch brauchte der König dazu wenig Zeit . Er bewirkte einen vorläufig verlängerten Aufenthalt für seine Tochter bei der Herzogin , da er selbst sich außer Stande fühlte , vor der beabsichtigten Entdeckung an seine Gemahlin derselben einen Platz anzuweisen , der ihren Ansprüchen gemäß war . Als er in den Saal zurückkehrte , näherte er sich mit besonderer Huld Lord Richmond . Was Ihr , Mylord , für meine Tochter gethan , hat ein Vaterherz gehört und tief empfunden ; ich wüßte keinen Wunsch , den Ihr mir nennen könnt , dessen Erfüllung , so weit es von mir abhängig , nicht eine Befriedigung für meine Dankbarkeit sein müßte . Uebernehmt , bis wir uns wiedersehen , setzte er lächelnd hinzu , das ritterliche Amt , das Ihr so trefflich versteht , bei meiner Tochter ! Euch allen , meine Freunde , empfehle ich meine Tochter , Lady Maria Stuart . Zu den Hof-Feierlichkeiten hoffe ich Euch alle als meine liebsten Gäste in London zu sehen . Der König entfernte sich , sie alle grüßend , und bald sah man , wie seine schwarze Gestalt , umgeben von dem glänzenden Zuge der Herren des Schlosses , auf schnellem Rosse dahin sprengte . Die königlichen Boten hatten die erste Audienz der Königin von England verkündigt . Das Land schien die Wanderung nach London angetreten zu haben . Das Volk stand in dichten Massen an einander gedrängt , der seltenen Lust gewärtig , die das Schauspiel solchen Festes auch den Straßen verhieß . Zwischen durch bewegte sich der Zug des stolzen Adels von England , Schottland und Irland , mit allem Glanze und allen Ansprüchen ausstaffirt , die Vermögen und Rang jedem Einzelnen gestatteten . Die Heiterkeit der Jugend , die sich mit tausend Hoffnungen noch nie erlebter Freuden dem Ziele entgegendrängte , umgaukelte mit ihrer anmuthigen Lebendigkeit den stilleren Zug der Aelteren , welche , solche Freuden und ihre Täuschungen kennend , den erfahrnen Blick , über die ersten Augenblicke dieser neuen Katastrophe hinweg , ihrer Zukunft entgegenrichteten und manche Anzeichen fanden , welche die ernste Erwartung rechtfertigten , womit sie sich dem neuen Herrscherpaare nahten . Die Säle des alten prachtvollen Whitehall hatten sich bereits mit den Personen gefüllt , welche an die Auszeichnung Anspruch machen durften , hier zu erscheinen . Henriette von Frankreich hatte für jeden berühmten Namen ihres neuen Vaterlandes ein anmuthiges Wort , eine schmeichelhafte Bemerkung . Sie schien die gekrönte Anmuth zu sein , und ihr Auge leuchtete so heiter und kräftig auf Jeden nieder , wie eine Verheißung glücklicher Zeiten . Kaum widerstand einer der alten finstern englischen Barone der jugendlichen Königin . Die Absicht , ihr zu mißtrauen , die jene , sie sich als Klugheit anrechnend , mitgebracht , war den Meisten entfallen , und ein unfreiwilliges Geständniß neu gewonnener Hoffnung malte sich auf ihrer geglätteten Stirn , während die ritterliche Jugend am Griffe ihrer Degen mehr der schönen Frau , als der Königin ihr Leben vereidete . Karl der Erste sah nicht ohne Theilnahme den Eindruck , den seine schöne Gemahlin hervorrief . Er selbst hatte einen erhöhten Ausdruck von Heiterkeit und Ruhe , und seine von der Natur zur Schwermuth gestempelten Züge schienen mit dem Lächeln der Befriedigung der jungen Königin ein heiteres Leben zu verheißen . Doch blieb eine Unruhe sichtbar , die seine und der Königin Blicke öfter dem Eingang entgegenrichtete , durch den sich noch stets Neuangekommene hineindrängten , welche alle bemüht waren , der neuen Landesmutter ihre Huldigung darzubringen . Die Versammlung , die keinen andern Augenpunkt , als das königliche Paar , hatte , erkannte bald , daß sich hier etwas begeben solle , welches der ungeduldigen Erwartung sich noch zu entziehen schien und mit doppelter Spannung horchte man auf jeden neuen , von den Herolden verkündigten Namen . Da entstand schon im Vorzimmer Geräusch und lauter werdendes Gemurmel des Beifalls . An der Hand des Herzogs von Buckingham erschien ein weibliches Wesen , dessen bezaubernde Schönheit mehr , als der Glanz ihrer Kleidung , alle Anwesenden in gleich großer Theilnahme bewegte . So viele laut ausgesprochene und gar nicht überhörbare Zeichen der Bewunderung hatten der edlen und hochgetragenen Gestalt der so Empfangenen jenen leichten Anflug von Schüchternheit gegeben , welcher der Jugend so bezaubernd ansteht und den zarten Wangen ein tieferes Roth verleiht . Sie trug in den dunkeln Locken ein herzogliches Diadem von den kostbarsten Steinen ; ihr purpurnes Sammetkleid war mit dem fürstlichen Hermelin besetzt , welcher , von zwei Pagen in der königlichen Livree getragen , seitwärts des silberstoffenen Unterkleides niederfiel und den reichen Besatz von Juwelen zeigte , womit das Mieder befestigt war . Sie mußte eine Verwandte des königlichen Hauses sein , denn nur ihnen kam diese Auszeichnung zu ; aber wer konnte sie sein ? Wer hatte sie je gesehen , und wie kam sie an die Hand des Herzogs von Buckingham , welcher , stolz auf ihre Nähe , mit hohnlachender Befriedigung das Erstaunen und die Bewunderung der Anwesenden als einen ihm gehörigen Triumph aufzunehmen schien . Ihr folgte unmittelbar der Herzog von Nottingham mit seiner Gemahlin , seinem Bruder und dem Grafen Archimbald von Glanford . Aber Alles ward still , als die wundersame Erscheinung sich dem Eingange des Audienzzimmers nahte ; denn jetzt mußte ihr Name proklamirt werden . Sie selbst schien , diesen Moment kennend , mit leichter Schüchternheit ihn verzögern zu wollen ; denn einen Augenblick hielt sie inne , und eine tiefe Bewegung malte sich in ihren Zügen . Da hob sie die großen dunkeln Augen vom Boden , und sie fielen sogleich auf den König , der im selben Augenblick , die Hand seiner Gemahlin ergreifend , mit lebhaftem Ausdruck der Freude nach der Fremden hindeutete . Da erhellte das seligste Lächeln das schöne Gesicht der Unbekannten , sie zog die Hand von dem Arme des Herzogs von Buckingham , und in voller Selbstvergessenheit ihrer herrlichen Natur zurückgegeben , eilte sie mit freudiger Hast , von aller Schüchternheit entkleidet , groß und leuchtend aufgerichtet , wie eine Königin über die Schwelle des Saales . Maria Stuart , Nichte des Herzogs von Buckingham ! rief der Herold , und zugleich gewahrten die überraschten Zuschauer , wie das Königliche Paar , den Thron verlassend , der jungen Herzogin bis zur Mitte des Saales entgegenging , ihrem Fußfall zuvorkommend , sie umarmte und sie zwischen sich dem Throne zuführte , wo zur Linken der Königin auf der zweiten Stufe des Thrones ein Sessel ihr angewiesen ward , den sie , nachdem die Monarchen sich niedergelassen , mit der unschuldvollsten Sicherheit einnahm . Der Herzog von Buckingham nahm seinen Platz hinter dem Stuhle seiner Nichte , und der Thürsteher proklamirte die Familie des Herzogs von Nottingham , mit dem Zusatze : Richmond , Herzog von Glanford ! Als der junge Herzog sich dem Könige näherte , umarmte ihn derselbe ; die Königin reichte ihm die Hand zum Kusse , und der Ceremonienmeister , Graf Dorset , wies ihm das Tabouret an , das , eine Stufe niedriger , neben dem Lehnstuhle der Herzogin von Buckingham stand . Die Versammlung erfuhr jetzt , daß sie in beiden so hochbeehrten Personen ein Brautpaar sehe , dessen feierliche Vermählung in der Kapelle des Königs gleich nach beendigter Audienz statt haben werde . Aber was für ein weites Feld für die Muthmaßungen blieb nach dieser ungenügenden Nachricht zurück ! Wie wenig hatte ihr Name die aufgeregte Neugierde befriedigt ! Warum gab man ihr den Platz der Prinzessinnen von Geblüt ? Wo war sie bisher gewesen ? Welche Rolle wird ihr ferner zugetheilt sein ? Es steht nicht zu erwarten , daß diese Fragen der Wahrheit gemäß beantwortet wurden . Sie beschäftigten eine Zeitlang die Neugierigen ; doch als das baldige Verschwinden der Betheiligten allmälig dieser ersten Anregung alle weitere Nahrung entzog , gerieth Alles nach und nach in Vergessenheit . Die junge Herzogin von Glanford folgte ihrem Gemahl nach Godwie-Castle und verblieb dort im Kreise ihrer Familie , bis die Besitzungen , die der König ihr in der Nähe des ehemaligen Schlosses ihrer Mutter verliehen , zu dem Empfange des jungen Paares mit königlicher Freigebigkeit eingerichtet waren . Die meiste Zeit des Jahres bewohnten sie Buckingham-Park , so reich an glücklichen Erinnerungen , so nah an Godwie-Castle , so leicht erreichbar für den König , der nie aufhörte , in Maria das Glück seiner Jugend zu lieben . Nur selten erschienen sie bei Hofe , ein reicheres Lehen sich schaffend in ihren weitläuftigen Besitzungen , in dem beglückten Kreise ihrer Familie . Ein Jahr später führte Maria den Grafen Ormond mit Ollony Dorset zum Altare . Ormond glaubte , er habe bisher nur geliebt als Versuch , endlich vollständig seine beglückte Braut zu lieben ; Maria hatte eine erfüllte Hoffnung mehr erlebt . Bald ruhte die schöne heitere Leiche der alten Herzogin von Nottingham in der Todtenhalle von Godwie-Castle . Ihr herrliches Ende war , wie ihr Leben , ein Segen für ihre Angehörigen . Ihrer Schwiegertochter war es beschieden , die heitere Ruhe der Verklärten zu ererben . Der Stachel , der ihr ganzes Leben verwundet und dem Blute seinen scharfen Inhalt gegeben hatte , war mit der Entdeckung von Maria ' s Geburt verschwunden . Sie fühlte mit Reue und Beschämung , wie grausam sie Zeit ihres Lebens den verkannt , den sie so grenzenlos geliebt . Diese späte , aber tiefe Reue , die ihr doch ohne Beschämung zu Theil ward , da auch nicht ein Blick aus dem Auge der einzigen Vertauten , ihrer ehrwürdigen Schwiegermutter , sie mehr an ihr Vergehn erinnerte , erschütterte ihr stolzes , hartes Selbstgefühl und rief eine lang versäumte Weichheit der Gefühle hervor , die den Abend ihres Lebens mit einem sanft leuchtenden Glanz umzog . Brixton gab den Bitten seines Zöglings nach und beschloß , noch immer thätig und seinem Berufe getreu , Segen spendend , wo er erschien , sein Leben auf Buckingham-Park . Lanci war als tüchtiger Jägersmann über die herzoglichen Waldungen gesetzt , und Margarith hatte keine Bedenklichkeiten mehr , ihm ihre Hand zu reichen . - Nach einigen Jahren , als Lady Maria der Königin aufwartete , drückte ihr diese ein Blatt in die Hand . Es war aus Frankreich . Pater Clemens schickte ihr seinen Segen und Electa ' s letzten Gruß . Als Ursulinerin war sie in frommer Stille , bald nach ihrer feierlichen Aufnahme in das Kloster St. Clara , dem Pater Clemens als Beichtvater vorstand , verschieden . Maria schickte ihr den wehmüthigen Gruß der Liebe nach , mit dem wir gern ein hinüber gegangenes Leben begleiten , das hier in dem zu hart befundenen Boden nicht wurzeln konnte , dessen Blüten dem ersten Nachtfrost erliegen , und über dessen zarte Ranken wir gern den leichten Himmel sich wölben sehen , unter dessen Decke , dem Auge entzogen , wir die Verpflanzung hoffen in ein milderes , fruchtbareres Land . Der Herzog von Buckingham hatte nichts weiter mit einer Nichte zu thun , aus der sich so wenig machen ließ , und welche die Thorheit beging , ihre glänzende Geburt durch eine ganz gewöhnliche Ehe um allen Einfluß zu bringen . Der Graf von Bristol gehört der Geschichte an . Sein Leben und sein Tod ist zugleich die Katastrophe der Geschichte Englands , an deren verhängnißvoller Schwelle wir eine Familie gesichert und beglückt durch innere und äußere Verhältnisse verlassen müssen , ohne weiter verfolgen zu können , wie die Rollen ihnen zugefallen sein mögen in dem großen Trauerspiel ihres Vaterlandes .