Reisige zu seyn schienen . Gerhard hatte sich deßhalb in sein Schicksal ergeben , in die Ginsterbüsche niedergestreckt , und den Schatten seines Pferdes in Anspruch genommen . Dagobert hielt rüstig und lauernd hinter den Schlehenbüschen , durch welche sein scharfes Auge , sowohl den Gayner Weg , als auch das jenseitige Ufer des Mains im Visir hatte . Vollbrecht hingegen , hatte seinen Klepper an einen Erlenstrauch geschnürt , und kroch auf allen Vieren , von Haidekraut und Dornbüschen versteckt , nach der Richtung zu , in welcher er die besagten Gestalten wahrgenommen zu haben vermeinte , um Kundschaft zu bringen , und der Erste bei der Hand zu seyn . Je weiter er auf diese Art kriechend vorrückte , je gewisser wurden seinem Blicke die Umrisse der Gestalten , und er erkannte endlich deutlich drei Reiter , von denen einer vor dem andern daherzog . Ihre Annäherung verzögerte sich indessen ausserordentlich , da ihrer Pferde Schritte bald inne hielten , bald langsam vorwärts rückten . Lange versuchte Vollbrecht vergebens , die Ursache dieses ungleichen Rittes zu enträthseln ; endlich aber bemerkte er , wie auf einem querfeldein laufenden Feldwege ein Wagen daherkam , bedeckt mit einem Segeltuche , und von zwei Pferden bespannt ; ein Fuhrwerk , wie es sich die Kaufleute der Landstädte zu ihren Reisen über Land anzukaufen pflegten . Da nun , je näher der schneckenähnliche Wagen kam , auch die Reiter je mehr und mehr inne hielten , und sich endlich an den Saum des Weges zogen , wo einige dicht verwachsene Hecken und Bäume sie verstecken konnten ; so zweifelte Vollbrecht keineswegs daran , daß die Herren es auf den Karren abgesehen hatten , und machte sich unverzüglich auf den schnellsten Rückweg . Bei seinem Herrn angelangt , fand er diesen und sogar den von der Hitze träg gewordenen Gerhard schon bereit , loszugehen auf die fernen Reiter . » Es ist kein Zweifel « sagte Dagobert , nachdem er Vollbrechts Bericht angehört , » es ist kein Zweifel , daß es der alte Raubgeselle Bechtram ist , der dort hinter dem Busche lauert . Mir sagts meine Ahnung . Aber nicht minder ist kein Zweifel , daß , wofern wir nicht eilen , der Ruhm , hier den Strauß begonnen zu haben , uns entgehen werde , denn ich vermuthe , der Rath war dießmal seiner Seits auch wachsam . Dort bei den drei Buchen über ' m Main sehe ich Bewaffnete ans Ufer laufen . Sie tragen die Stadtfarbe , und ich wette , sie suchen die Fürth , um ihres Wildes nicht zu fehlen . Drum frisch voran , ihr Gesellen ! « - Wie der Wind sprengte er den Andern voran ; ihm nach trabte Hülshofens schwerfälliger Hengst , auf welchem der Edelknecht saß wie ein Mann von Erz . Vollbrecht knüpfte sich den Streithammer an die Faust , und spornte seinen Klepper dergestalt , daß er nur wenig hinter seinem Herren zurückblieb . Die Raubscene hatte schon begonnen , als die Reiter noch fern von dem Schauplatze waren . Der Besitzer des Wagens , der völlig sorglos unter dem schattigen Dache saß , ein schlichter Wollen- und Hanfhändler aus der Gegend , wurde zu seinem Schrecken von dem Anrufe der Buschklepper aus dem Schlummer geweckt , in welchen ihn die drückende Hitze gewiegt hatte . Schlaftrunken griff er mit der Rechten nach dem Haudegen zu seiner Seite , während er mit der Linken , am Leitseil reißend , die müden , vom Sandweg erschöpften Gäule zu einem wiewohl vergeblichen Rennen antreiben wollte . Dieser Versuch belohnte sich aber schlecht . Ein grausamer Stich streckte das Leitpferd nieder , und ein gewaltiger Hieb lähmte den Arm des unglücklichen Kaufherrn . Der Wagen hielt . Mächtige Fäuste langten unter die Decke , und zogen den von Schmerz halb ohnmächtigen Eigenthümer hervor in ' s Freie , - warfen ihn unter den Wagen , wie ein unnützes Stück Holz . Der Arme konnte diese Mißhandlungen nur mit einem ängstlichen Gewimmer erwiedern , das die Unmenschen verlachten , die sich alsobald an die Beraubung des Wagens machten . Die Bündel und Päcke , die darin aufgeschichtet lagen , schienen ihnen theils zu gering an Gehalt , theils zu unbequem zum Fortschaffen , und so eben rissen sie unter den grimmigsten Drohungen den Kaufmann in die Höhe , um ihn nach Geld zu durchsuchen , oder ihn zu zwingen zu gestehen , wohin er sein Geld verborgen habe , als der den Befehl führende Ritter einen Blick in die Höhe warf , und zu seinem Mißverguügen wenige Pferdslängen von der Stätte entfernt , drei Reiter ersah , die gerade auf ihn und seine Leute losrannten , mit unverholner drohender Geberde . - » Hagel ! Strahl und Pestilenz ! « schrie er : » Auf , ihr Buben , schlagt den Hund vor den Schädel , und setzt Euch zur Wehre ! Frisch , auf die Schurken dort ! « - Zum Glück für den Kaufmann , der unter dem Eisen der Knechte sein letztes Stündlein mit Zittern und Zagen erwartete , waren die Retter schnell da , wie Gottes Blitz und seine Gerichte . Gezwungen , sich vor den einhagelnden Hieben zu schützen , und zum Beistand ihres Herrn angerufen , ließen die reisigen Knechte den Mißhandelten ledig , und das Handgemeng begann zu wüthen . Dagobert war auf den Ritter losgestürzt , und beschäftigte ihn mit blitzschneller Klinge , während Gerhard einen nach dem Andern von den Knechten vom Gaule rannte , durch die Wucht seines Ansprengens allein . » Gib Dich , grauer Raubknecht ! « donnerte er hierauf dem Herrn von Vilbel zu , und hieb ihn mit der flachen Klinge auf die Faust , daß er des Pferdes Zügel fahren lassen mußte . - » Kreuz , Stein und Strahl ! Vermaledeiter Hülshofen ! « fluchte Bechtram , und Dagobert riß ihn vollends vom Pferde . Der alte Raubgeselle wehrte sich noch am Boden , wie verzweifelt , aber sein Grimm erstarb in Ohnmacht , und Thränen der Wuth perlten in seinen grauen Bart , da er seine Hände gebunden , und sich aller Waffen beraubt fühlte . Die Söldner der Stadt , die mittlerweile über den Strom gesetzt hatten , machten vollends reine Arbeit und knebelten die beiden Knechte des Stegreifritters . - » Ritterliche Haft ! ritterliche Haft ! « bat der überwundne und gedemüthigte Bechtram , die gebundnen Hände zu Gerhard und Dagobert aufhebend . » Den Teufel auf Deinen Schurkenschädel ! « antwortete ihm der Hülshofen : » Ich will Dich lehren , wackern Kämpen die Freundschaft zu versagen , hochmüthiger Dieb ! Sieh her , wie Du den armen Mann zugerichtet hast ; setzte er hinzu , auf den Kaufmann zeigend , der sich mühsam herbeischleppte : armer Heinz Duke ! wohl erkenne ich Dich in dieser Jammergestalt . Ich habe schon manches Wollenwamms bei Dir gekauft und auch manches geborgt . Stehe ich allenfalls noch auf Deinem Kerbholze , so kannst Du mich dieses Dienstes wegen auslöschen , und Dir die Freude machen , aus Deinem schönen Hanf einen Strick für diesen Buben zu drehen , der ihm fein und glatt zum dicken Halse stehen soll . « » Niederträchtiger Klopffechter ! « schnaubte Bechtram wild , und dieses Wort wäre mit einer entsetzlichen Mißhandlung bestraft worden hätte sich nicht Dagobert des Gefangenen angenommen , den Überwindern Mäßigung gepredigt , und darauf gedrungen , schnell nach der Stand zurückzukehren mit der guten Beute . - Seine Worte wurden befolgt , - Ritter und Knechte auf die Gäule geschnürt , und Reiter , Fußknechte und Wagen zogen bald wie stolze Sieger in der wichtigsten Fehde in Frankfurt ein . Der Jubel des Volks donnerte auf allen Gassen , da es den gefürchteten Feind in seiner Gewalt sah , und Dagobert ' s , wie Gerhard ' s Namen schwebten gepriesen und erhoben zum Himmel auf allen Zungen . Sogleich versammelten sich Bürgermeister , Schöffen und Rath , und der Schultheiß , an der Spitze der gesammten Väter der Stadt , mußte , so schwer es ihm auch wurde , dem verhaßten Sohne Diether ' s den Dank der Bürgerschaft verheißen . Diether umarmte seinen Dagobert mit der Liebe , die den Knaben in ' s Leben geleitet hatte , und rief : » Ja , Du bist ein treuer Mensch . Die Feindin zu retten , wagst Du Dein Leben ! « - » Die Feindin ? « fragte Dagobert wehmüthig entgegen : » Verhüt ' es Gott , Wallrade ist meine Schwester , aber unwürdig leider unsers Namens . Ich hasse sie jedoch nicht , und würde , sie zu befreien , wohl noch mehr thun , als einen Räuber niederwerfen . « - Dieser Räuber war ein Felsen von Verstocktheit . Sein Läugnen , sein Hohn gegen die Vorwürfe , mit welchen ihn des Raths Vorsteher überhäuften , seines Treu- und Friedensbruchs wegen , überstieg an Frechheit Alles , was man bisher aus Räubersmund vernommen hatte . Seine Knechte , in der Schule des Verbrechens groß gezogen , folgten dem Bespiele ihres Gebieter , bis der Oberstrichter ihnen mit der Folter drohte , und zum Beweise , daß er es ernstlich meine , die schrecklichsten Folterwerkzeuge herbeibringen ließ . Dieser grausenvolle Anblick erschütterte die Standhaftigkeit der Reisigen ; sie wankten , ließen nach von ihrem Starrsinn , und bekannten endlich unter der Bedingung , ihr elendes Leben zu behalten , eine Unzahl von blutigen Thaten und Raubfreveln , die ihr Brodherr binnen der letzten Frist verübt hatte . Keine Schandthat war zu denken , die nicht von Bechtram und feiner wilden Jagd begangen worden wäre , und der graue Sünder erblaßte selbst , da man ihm die Litanei seiner Bubenstücke vorhielt . Sein Trotz und Übermuth verwandelte sich , da er seine Helfershelfer von ihm gewendet sah , in plötzliche Muthlosigkeit , und in eine finstre Ahnung des Schicksals , das ihn betreffen möchte . Unter solchen Umständen wurde es dem Oberstrichter leicht , noch in der Nacht desselben Tages das Bekenntniß von ihm zu erringen , daß Wallrade und der Kaufdiener Schwarz und noch einige andere arme Leute in seinem Raubneste gefangen gehalten würden ; ... und die Furcht vor einem schmählichen Tode , - die Hoffnung , Leben und Freiheit zu erhalten , bewog den an der Vorsehung und seinen Freunden Verzweifelnden , an seine Hausfrau folgende Zeilen zu schreiben : » Der ehrbaren Else von Vilwyl , meiner lieben Hausfrauen , meinen freundlichen Gruß zuvor . Liebe Hausfrau ! ich lasse Dich wissen , daß mich die von Frankfurt gefangen haben ; darum befehle ich Dir , die Gefangenen von Stund an laufen zu lassen , weil ich gefunden habe , daß ich nichts mit ihnen , noch sie etwas mit mir zu schaffen haben . So Du das thust , ist mir ' s lieb . Gegeben unter meinem Insiegel . Zum Wahrzeichen schicke ich Dir Deinen eignen Siegelring . Bechtram von Vilwyl , Ritter . « Dieser Brief , die Befreiungsurkunde der in Haft gehaltnen , war geschrieben , aber der Bote fehlte , welcher ihn überbracht hätte , indem die Härte und grausame Rohheit der Frau von Vilbel , wie der Genossen des Ritters im ganzen Gau bekannt war , und selbst der Entschlossenste den Tod fürchtete , als sichern Lohn der Botschaft . Vergebens befahl der Rath : seine Diener meinten , ihr Leben käme nicht wieder , wenn man auch den Bechtram alsdann der Rache opfern wollte , und Geld und Versprechungen bewogen keinen , nach dem übelberüchtigten Schlosse Neufalkenstein zu reiten . » Schande genug für so viele im Kriegshandwerk ergraute Leute ! « schalt Dagobert , da er diese unaufhörlichen Weigerungen erfuhr : » Gebt mir Brief und Ring , und ich hole die Gefangenen unversehrt aus der Höhle des Wolfs . Trifft mich dabei ein Unglück ; nun , so laßt eine Messe für meine Seele lesen , und damit gut . Es soll nicht gesagt werden , daß sich in ganz Frankfurt kein Mann gefunden , der es gewagt hätte , den Räubern in das Weiße des Augs zu sehen . « - Auf dieses kecke Anerbieten hin , fanden sich Viele , die nun das Wagstück unternommen hätten , allein Dagobert blieb fest bei seinem Begehren , und der Schultheiß unterstützte es , gegen alle Einwendungen des Vaters und der Freunde des Jünglings . Dagobert erkannte wohl den bösen Sinn seiner Worte und Bemühungen , freute sich aber ihrer Unterstützung und ritt von dannen , geleitet von Vollbrecht und einem Trompeter der Stadt , als ob er zu einem fröhlichen Kirchweihfeste geladen wäre . - » ' s ist doch mein alter böser Fluch , « - brummte er lächelnd vor sich hin , - » daß ich immer wie der ew ' ge Jude umherziehen muß im Lande , und die Pfoten in ' s Feuer stecken für Leute , die mich vergiften möchten ; aber , was thuts ? Mit meinem Frohsinn wächst meine Zuversicht , und meine Lust , jedem zu helfen , der meines Diensts begehrt . Mit dem Vater habe ich mich versöhnt , und das ist denn doch die Hauptsache . Mütterlein und Bruder Hans im Himmel werden mich dafür segnen , und es nicht übel nehmen , wenn ich mich auch um die entartete Schwester , um die verirrte Stiefmutter bekümmre , und den armen kleinen Hans nicht aus dem Hause stoße , wenn er gleich nicht hinein gehört . Seine Mutter ist ja doch unser eigen Blut . - Frisch also vorwärts ! Ich gehe auf dem Wege des Rechten , und darf mich nicht fürchten ; wartet doch meiner Segen , und ein freundlicher Blick aus Esther ' s holdem Auge . « Das Bild der Lieblichen , das in ihm emporstieg , machte ihn selig , aber traurig zugleich . Denn ob er gleich , nach langem Widerstreben seiner Liebe zu dem Mädchen so klar bewußt geworden , daß er sie nicht mehr läugnete , so war ihm doch das Ende , welches dieses Gewirr von Begebenheiten nehmen würde , nichts weniger als klar . Denn , wenn seine Zärtlichkeit sich auch über die Vorurtheile der vornehmern Stände hinwegsetzte - immer riß sich eine unübersteigbare Kluft zwischen ihm und Esther auf . Ihr Vater trat immer dazwischen , wie ein störender Geist , und diesem Mann hatte er jetzt selbst den Aufenthalt seines Kindes verrathen , ... diesen Mann war er gewiß , bei Esther zu finden . Wie würde sich alles entwickeln , - wie sich lösen ? - Esther mit sich vereinigt zu denken , schien ihm vom Schicksale zu viel gefordert . Eine Trennung von ihr ? Ach , wie weit schob seine sehnsüchtige Liebe diese Möglichkeit in den fernsten Hintergrund der Zukunft ! - Neufalkenstein ragte vor ihnen empor im Mittagsglanze . Der Wächter auf dem Wartthurme blies aus Leibeskräften sein Horn , da der Trompeter der Stadt die Annäherung eines Besuchs verkündigt hatte . Ein unruhiges Hin- und Herlaufen im Zwinger wurde durch die Fensterlucken und Schießscharten der Mauer bemerkbar , und eine Stimme rief durch das Gitter am Thorbogen den jenseits des Grabens haltenden Reitern zu . » Ich habe eine Botschaft zu werben bei der Frau von Vilbel ! « antwortete Dagobert : » im Namen der freien Reichsstadt Frankfurt . « - Frau Else ist krank , lautete die Gegenrede . - » Thut nichts ; ich werde nur wenig mit ihr sprechen , und nur einen Brief übergeben . « - Die Stimme innerhalb dem Thore verstummte , und die Boten der Stadt harrten lange vergebens . Indessen waren auf dem Wartthurme Leute erschienen , unter ihnen ein Frauenbild mit wehendem Schleier , das starr und unverwandt auf Dagobert und seine Begleiter herniedersah . - » Wenn die Sonne mich nicht blendet , « sagte Vollbrecht , » so ist das Frauenbild Eure Schwester , Herr . Sie trägt dasselbe Kleid , in welchem sie von Frankfurt abfuhr , da Ihr mich auf ihre Spur sandtet . « - » Sie lebt also ! sie lebt ! « jauchzte Dagobert : » Ich werde ihr mit Gutem vergelten können , was sie Böses an mir versucht . « - So eben klirrte die Zugbrücke wieder , und des Thores Flügel öffneten sich . Vollbrecht wollte seinem Herrn folgen , aber dieser wies ihn zurück . - » Bleibe hier bei diesem Manne , « sprach er : » bleib ' ich aus , so meldet ' s zu Frankfurt , und Du , mein Vollbrecht , sagst es an in der Forsthütte zu Dürningen . Gott befohlen indessen . « - Gelassen und stolz ritt er über die Brücke durch das Thor , und rief hier freierlich aus vor dem Haufen Bewaffneter , die ihn umgaben : » Ich bin ein Herold und unverletzlicher Bote der Stadt , und , so ihr ein Haar krümmt auf meinem Haupte , sage ich diesen Mauern Brand zu , und Euch allen , die da halfen , den Tod auf dem Rade . « - Als er nach diesem Eingange sich vom Roß geschwungen , so bemerkte er wohl , wie unnöthig seine Drohung gewesen sey , denn bleiche Gesichter standen um ihn her ; kein Trotz war in der Mienen zu schauen , sondern eine wilde Ängstlichkeit , eine Unruhe , wie sie Verbrecher vor dem Gange zur Strafe zu überfallen pflegt . Am Thore des innern Hofes empfing den Jüngling Frau Else mit rothen Augen und kraftlos einherschreitend , - die mächtige Frau . Kaum vermochte sie sich den Schein der stolzen Gebieterin zu geben , die des Boten Gewerbe gleichgültig erwartet ; aber auch dieser Schein verging , als Dagobert ihr den Brief verlesen , und den bewahrheitenden Ring überreicht hatte . Ihre Kniee zitterten , wie ihre Lippen . - » So ist es denn sicher und gewiß , « sprach sie zu dem alten Doring , der neben ihr stand . - » Ich konnte es bis jetzo noch nicht glauben . Mein Alter in den Händen der Frankfurter ! Sprecht , Doring , ... was soll ich thun ? « - » Befolgen , was er Euch befiehlt ; « erwiederte der Alte , dem die Augen feucht geworden waren : » Gebt frei die Gefangenen , damit Euer Herr lebe und frei sey . Zögert nicht . « - » Alsobald ; « versetzte die Frau , und suchte an ihrem Schlüsselgebunde die Schlüssel zum Thurme , und konnte sie lange in der Verwirrung nicht finden . » Nicht wahr , « fuhr sie weichmüthiger , denn je fort , als Doring mit den Schlüsseln hinweggegangen war : » nicht wahr , Bechtram wird nicht sterben , da ich thue , was Er und Ihr verlangt . Nicht wahr , mein guter Herr ! Ihr versprecht mir das ? « - » Wie kann ich das , gute Frau ? « fragte Dagobert , den die Erschütterung dieses männlichen Weibes nicht unbewegt ließ : » Unsre Herren zu Frankfurt haben darüber zu richten , doch werden sie milde seyn , denke ich . « - Wallrade flog herbei , und umarmte den überraschten Dagobert wie den herzlichsten Freund . » Willkommen , Bruder ! « rief sie mit der Freundlichkeit der Schlange : » Willkommen hier als Bote der Erlösung ! Auf Dich habe ich gehofft , auf Dich gebaut ; von Dir meine Rache erwartet . Der Gatte dieses schändlichen Weibes , - auf Else deutend , - ist gefangen , wie ich vernehme , und sein Tod ist unsre Freiheit . Dank dem Himmel ! « - » Ha ! « fuhr Else , durch die boshafte Rede des Fräuleins gereizt , empor : » Wenn ich das wüßte ! wenn er sterben müßte , trotz Eurer Loslassung ! Erwürgen ließ ich Euch zur Stelle , und diesem Boten das Haupt abschlagen , als vorausgenommene Rache . « - Der herbeigekommene Conrad Schwarz , sammt einigen Bauern , die in Neufalkensteins Kerker gesessen hatten , sammelten sich erschrocken um den furchtlosen Dagobert ; denn sie hatten die in Wuth auflodernde Frau schon kennen gelernt . Wallrade hielt sich zitternd an seinen Arm . Er machte sich aber ruhig los von der Falschen , und erwiederte Frau Elsen : » Versuchts , mein Amt zu verletzen , und erwartet alsdann die fürchterlichen Folgen . « - » Was könnte denn noch Schrecklicheres kommen , wenn Bechtram verloren wäre ? « klagte Else mit dumpfem Tone : » Wir sind so lange zusammen gegangen ; über dreißig Jahre sind ' s , haben Freud und Leid , Ehr ' und Schmach getheilt und getragen . Wahnsinnig müßte ich werden , ginge er vor mir heim wie ein schimpflicher Verbrecher , ... und noch einmal ... wüßt ' ich ' s im Voraus , ... weder das böse Fräulein hier , noch Ihr , der Bruder , trügt Eure Köpfe ganz hinweg ! « - » Laß uns gehen , mein Bruder ; « drang Wallrade in Dagobert : » laß uns gehen . Höre nicht auf die Worte des Weibes . Komm . « - » Alsobald , mein Fräulein ; « antwortete Dagobert kalt . » Erlaubt nur , daß ich zuvor Frau Elsen auf das Ernstlichste befrage , ob kein Gefangner mehr in der Veste Verborgen ? « - » Else schüttelte schweigend mit niedergeschlagenem Blicke das Haupt . « - » Keiner , keiner , mein Bruder ! « antwortete für sie und ungestüm Wallrade : » Komm , laß uns eilen ! « - Indessen hatte ein junger Knecht dem muthigen Dagobert zugeflüstert , er möge nicht glauben ; es sey noch eine Frau im Schlosse verborgen . Dagobert fragte unerschrocken nach der Versteckten . Wallrade , roth vor Zorn und Ungeduld , bestritt einstimmig mit Elsen die Forderung des Bruders . Dagobert stellte den Läugnenden den Knecht gegenüber , nachdem er ihm Freiheit und Leben zugesichert . - Verräther ! herrschten nun diesem Elsens Lippen entgegen , und auch Wallradens Munde entfloh eine leise Verwünschung . » Was soll dieses verstockte Lügengewebe ? « fragte Dagobert , als sey er der Herr Neufalkensteins : » Denkt Ihr mit mir und meinem gnädigen Herrn ein frevelnd Spiel zu treiben ? Zittert : ihr möchtet es bereuen . Eine kleine Strecke von hier rastet ein Fähnlein gut Bewaffneter . Glaubt Ihr denn , ich hätte mich allein in Euern Schlupfwinkel gewagt , daß Ihr meinem Begehren solch unverschämten Widerstand geleistet ? Heraus an ' s Tageslicht mit der Unglücklichen , die Ihr verborgen haltet ; heraus , oder das Spiel endet sich mit Euch nicht gut . « - » Wären nur der Hornberger und Eppensteins Wolf zugegen , Ihr solltet bald zahm werden ! « murmelte Henne von Wiede grollend . » Gewiß die saubern Gesellen , die gestern Nacht zu Erlebach brannten , sengten und plünderten , wie gottvergessene Heiden ? « fragte Dagobert wild entgegen : » Die Missethäter entlaufen ihrem Galgen nicht . Ihr rettet aber Euern Herrn , wenn Ihr ohne Widerrede bekennt , und heraus gebt , wen Ihr widerrechtlich zurückzuhalten Lust bezeigt . « - Else schwieg noch unentschlossen ; da drängte sich aus dem Haufen der Burgleute der Leuenberger vor , mit seiner gewohnten Frechheit gerüstet , und seine Unverschämtheit gleichsam überbietend : » Thut nicht so patzig , Neffe ! « rief er : » Auch den Heroldsrock sammt dem Herzen darunter , zerreißt mein Stahl , wenn ' s nöthig ist . Hier aber habt Ihr eben so wenig Recht , das Wort des Herrn zu führen , als wir der Heimlichkeit bedürfen , um unser Recht darzuthun . Das Weib , das hier zurückbleiben muß , wird , und sogar will , ist meine Schwester , Eures Vaters Frau , die er schändlich aus dem Hause hat gestoßen , er - der Krämer , eine adeliche Leuenbergerin . Schutz hat sie bei mir gesucht , und bei Pest und rothem Hahn ; ich will sie schirmen wie der Vogt das Kloster . Euere Schwester nehmt immerhin mit Euch ; sie ist eine Hexe , die den Klügsten kirre macht , und hinterher verläumdet . Ihre Schlangen hätte mir fast das Leben gekostet . Fort mit ihr ; aber Margarethe bleibt bei mir . « - » Frau Margarethe hier ? « fragte Dagobert staunend : » Margarethe hier in Haft ? Wenn Euch Euer Leben lieb ist , gebt sie heraus . « - » Das Weib geht mich nichts an , « erwiederte Else trotzig : » Der Bruder hat Gewalt über die Schwester . « - » Der Mann hat größre über sein Weib ! « versetzte Dagobert : » Gebt sie heraus , die Hausfrau eines Altbürgers von Frankfurt . « - » Der Teufel hole Frankfurt , seine Bürger und alle leichtfertige Waare , wie Wallrade ist ! « fluchte der Leuenberger : » Neffe , reizt mich nicht . Meine arme Base ist schon von Eurer Schwester in ' s Grab geärgert worden . Meine Schwester soll nicht zu Grunde gehen in Euern buhlerischen Armen , denn nur für Euch gedenkt Ihr sie heimzuführen ! « - » Verdammter Hund ! « brach Dagobert los , und griff nach dem Schwerte . Die Schaar von Taugenichtsen gerieth in Bewegung ; Veit zog seine Klinge blank und Frau Else schrie Zeter . » Mord und Tod ! « rief sie wild : » Seht , wie der Herold selbst sein Recht verletzt . Thor zu ! Brücke auf ! Geht dem Frankfurter Wichte zu Leibe ! « - Da Veit seine aufmahnende Stimme mit der ihrigen vereinte , schickten sich die Knechte willig an , Folge zu leisten . Einer der entfernt Stehenden langte die Armbrust vom Haken und zielte auf den in den Sattel gesprungnen Jüngling , um welchen sich das Häuflein der wehrlosen Gefangenen drängte , das von ihm Rettung und Befreiung erwartete . Der heimtückische Schütze fehlte jedoch sein Ziel , da ein schnell Herbeikommender ihm mit aller Gewalt die Waffe aus der Hand schlug : » Schurke ! « rief er : » hüte Dich vor Meuchelmord , und Ihr , Frau Else , gedenkt Euers Herrn und seines Schicksals , das auf der Spitze einer Nadel wirbelt . Kommt herzu , ehrsame Frau , « setzte der Mann bei , indem er ein bekümmertes Weib in die Mitte der empörten Streiter leitete : » stiftet Ihr den Frieden , und endigt durch Euern Ausspruch diesen Auftritt , der dem Rasenden hier nur Gefahr bringen würde , und den ich ferner nimmer ansehen kann . « - » Graf von Montfort ! « rief Dagobert mit düsterm Blicke : » wie kommt Frau Margarethe zu Euerm Schutz ? Ich bekenne , daß Ihr Euch der Weiber unsers Hauses allzusehr annehmt , wenn Bechtram wahr sprach , als er Euch den Stifter des Raubes an dieser hier « auf Wallraden zeigend » nannte . « - » Wahr sprach er ! « fiel Wallrade giftig ein : » dieser unedle Rittersmann befahl den Frauenraub , und kam selbst , an meiner Qual sich zu weiden , und mich mit seinen unziemlichen Wünschen zu verfolgen . « - » Das Letztere ist Lüge , « versetzte Montfort : » das Erstre läugne ich nicht und bereue , daß ich , von der Leidenschaft des Hasses und der Rache geblendet , unedel an der Nichtswürdigen handeln konnte , und in Gemeinschaft treten mit dem räuberischen Bechtram , dessen Schandgewerbe mir erst klar wurde , da ich in das Junre seiner Wohnnug trat . Seinen Dienst bezahlte ich mit meinem Golde , und Euch , mein kühner Degen , biete ich Vergeltung im ehrlichen Zweikampfe , damit mein Schild rein werde von der bösen That . Jetzo aber entscheidet rasch das Schicksal dieser Allen , und nehmt sie fort mit Euch . « - Dagobert antwortete ihm nicht , sondern heftete den Blick auf Margarethen , die wie eine ergebne Dulderin da stand , mit gerötheter Wange und fliegendem Busen . - » Den will ich sehen , der mir die Schwester raubt ; « sprach Veit frech und kühn : » ihr eigner Wille ist ' s , zu bleiben . « - » Wie , ehrsame Frau ? « fragte Dagobert staunend : » Spricht der Mensch die Wahrheit ? « - » Der Wille , recht zu handeln , « entgegnete Diether ' s Gattin , » hat mich aus meines Herrn Hause geführt und in dieser Leute Hand gegeben . Ich fürchte jedoch , ich darf nimmer wiederkehren zu meinem Herrn , und eh ' ich der unverdienten Schande mich überlasse ..... « - » Eher wolltet Ihr dem Straßenräuber folgen ? « fragte Dagobert ernst : » Mutter , das sprach nicht Euer guter Wille , und um den bösen Geist zu bannen , schwör ' ich ' s Euch , Ihr werdet offne Arme in Euerm Hause finden . « - » Dann , ja dann ... « lispelte Margarethe überrascht und zögernd . - » Nichts dann ! nimmer dann ! « fiel Veit brausend und tobend ein : » Pest und rother Hahn ! Eine Leuenbergerin wieder zurückkehren zu dem Ellenprinzen , gleichsam wie in Sack und Asche ? Des Todes ist der Bube , wenn er nur Deine Fingerspitze berührt , wankelmüthige Grete . « - » Der Leuenberger hat Recht , « schrie Else dazwischen ; » und ich bin die Herrin auf Neufalkenstein , und ehre wohl den Herold der Stadt Frankfurt , aber den ungeschliffenen Gast , der in meines Hauses Rechte greift , laß ich in ' s Verließ werfen . Thor zu ! Brücke auf , sage ich noch einmal ! « -