vorgelegen hätte , die schwersten Verlegenheiten für Thaer , der , dem guten Sterne Preußens vertrauend , in freilich schon bedrohter Zeit dies Institut ins Leben gerufen hatte . Sechs Jahre später , während des Befreiungskrieges , wiederholten sich diese Verlegenheiten . Alles war in den Krieg ( auch Thaers drei Söhne ) , und so kam es , daß die Lehranstalt , die doch einmal da war , ohne Verlust weder aufgegeben noch fortgeführt werden konnte . In Not und Sorge schrieb er seiner damals abwesenden Frau : » Wollte Gott , daß ich das Institut nicht angelegt hätte , denn es ist die Quelle aller Verlegenheiten und Sorgen geworden . Aber es ist für unser Land zu wichtig , und nun es ein mal da ist , muß es bleiben . « Ein Glück , daß es blieb . Mit dem Frieden kamen gesegnetere Zeiten , und wie Thaer , während des letzten Jahrzehnts , das ihm noch zu leben und zu wirken vergönnt war , seinen Ruhm wachsen und die verschiedenen Zweige seiner Wirtschaft prosperieren sah , so wuchs auch das » Institut « ( seit 1819 » Königliche akademische Lehranstalt des Landbaus « ) von Jahr zu Jahr an Ausdehnung und Ansehn . Anfangs hatte Thaer es für das Zweckmäßigste gehalten , das Instituthaus auf den Fuß eines Gast- und Logierhauses zu setzen , damit jeder Akademiker nach Vermögen , Geschmack und Gewohnheit darin leben und zehren könne . Allein dies erwies sich bald als nachteilig für alle Teile . Nur ungern entschloß er sich endlich dazu , einen gemeinschaftlichen Mittags- und Abendtisch zu halten . Die Mitglieder des Instituts waren , nach Thaers ausdrücklicher Bestimmung , nicht Studenten im gewöhnlichen Universitätssinne . Am wenigsten waren sie Schüler . Thaer äußerte sich dahin : » Schulmeister können wir nicht sein , sondern müssen unsere Zuhörer wie freie vernünftige Männer betrachten , die nur allein ein lebhafter Trieb zu den hier zu lehrenden Wissenschaften zu uns geführt . Kein Zwang . Aber freilich würde es andererseits schmerzlich für uns sein , wenn wir uns zu der sonst bewährten Maxime gezwungen sähen : › sumimus pecuniam et mittimus asinum in patriam ‹ . « – Das Institut wurde von einer ähnlichen Bedeutung für unser Land , wie die » Forstakademie « in dem benachbarten Eberswalde . Die große Wirksamkeit jenes hat darin bestanden , daß mit Hilfe der darin gebildeten und später zur Selbständigkeit gelangten Männer eine höhere , umfassendere Ansicht des landwirtschaftlichen Betriebes weiter und allgemeiner verbreitet worden ist , als jemals durch Schriften hätte geschehen können . Namentlich hat es das siegreiche Vordringen der Thaerschen Prinzipien beschleunigt und , um eines speziell hervorzuheben , ein Zurückversinken der landwirtschaftlichen Sprache und Ausdrucksweise in das alte wirre Chaos unmöglich gemacht . 18 Wir wenden uns zum Schluß noch einmal der literarischen Tätigkeit Thaers zu . Auch in Möglin , wie Körte sich ausdrückt , war Thaer ebenso tätig am Schreibtisch , wie auf dem Ackerfeld . In den ersten zehn Jahren seines Aufenthalts in der neuen Heimat würde es ihm sogar sehr schlimm ergangen sein , wenn der Erwerb seiner Feder nicht dem stockenden Erwerbe des Pfluges zu Hilfe gekommen wäre . Mannigfaches erschien in jenen Jahren von ihm , vor allem jedoch sei seines Meisterwerkes gedacht , das unter dem Titel » Grundzüge der rationellen Landwirthschaft « ( vier Bände ) 1810 – 1812 veröffentlicht wurde . Das Werk , wie alle Welt jetzt weiß , war epochemachend . Dennoch hätte er sich schwerlich schon damals zur Herausgabe desselben verstanden , wenn nicht die pressende Not , in der er sich befand , ihm keine Wahl gelassen hätte . Er beklagte dies oft , denn wie groß die Freude gewesen war , mit der die landwirtschaftliche Welt dieses Werk begrüßt hatte , ihm selbst genügte es keineswegs . Wir können indes auf Thaer und sein berühmtes Werk anwenden , was Luther einst bei Tisch von Melanchthon sagte : » Magister Philippus hätte Apologiam confessionis zu Augsburg nimmermehr geschrieben , wenn er nicht wäre so getrieben und gezwungen worden ; er hätte wollen es immer noch besser machen . « Die » rationelle Landwirtschaft « hat verschiedene Auflagen erlebt und ist in verschiedene Sprachen übersetzt worden ; zu einer Umarbeitung aber ist Thaer nicht gekommen , wie sehr dieselbe auch innerhalb seiner Wünsche lag . Die anderweiten Schriften seiner Mögliner Epoche , namentlich verschiedene Bücher und Broschüren über Schafzucht und Wollproduktion , übergehen wir hier . Es mögen statt dessen von ihm selbst herrührende Worte hier Platz finden , die ihn uns , bis in sein hohes Alter hinein , von einer seltenen Frische des Geistes und von einer steten Geneigtheit zeigen , das Gute durch das Bessere zu ersetzen . » Meine Meinung « , so schreibt er , » habe ich über verschiedene Dinge in meinem Leben oft geändert , und hoffe es , wenn mir Gott Leben und Verstand erhält , noch mehrmals zu tun . Es freut mich immer , wenn ich Gründe dazu habe , denn so komme ich in meinem Wissen vorwärts . Ich halte den für einen Toren , der in Erfahrungssachen seine Meinung zu ändern nicht geneigt ist . « Wir werfen noch einen Blick auf die letzten Jahre seines Lebens . Nachdem er schon seit 1810 und 1811 mittelbar im Staatsdienste tätig gewesen und z.B. 1813 eine Gemeinheitteilungsordnung – eine Angelegenheit , mit der er auch später praktisch viel beschäftigt war – entworfen hatte , wurde er 1819 zum Geheimen Oberregierungsrat ernannt . 1823 folgte der schon erwähnte Leipziger Wollkonvent , dem er präsidierte ; das Jahr darauf ( 1824 ) feierte er unter zahlreicher Beteiligung von nah und fern sein Doktorjubiläum . Unter den vielen Geschenken und Überraschungen , die der Tag brachte , war auch ein Goethesches , eigens für diesen Tag gedichtetes Lied : Wer müht sich wohl im Garten dort Und mustert jedes Beet ? 1825 auf 1826 erweiterte er seinen Besitz durch Ankauf der benachbarten Rittergüter Lüdersdorf und Biesdorf , und dieser neue Besitz regte seinen landwirtschaftlichen Eifer noch einmal auf das Lebhafteste an . Aber das Feuer war im Erlöschen . Schon das Jahr zuvor hatte er an seinen Schwager Jacobi in Celle geschrieben : » Wir haben nun bald unsere Laufbahn auf dieser Welt vollendet . Wir können vor vielen andern sagen , daß unser Leben köstlich gewesen , aber doch nur ein elend jämmerlich Ding . Mit Sehnsucht erwarten wir ein anderes ; Gott erleichtere uns den Übergang in dasselbe . « Noch einige Jahre waren ihm gegönnt , aber Schmerzensjahre . Er litt an rheumatischen Beschwerden , endlich bildete sich ein schmerzhaftes Fußleiden aus , der Altersbrand . Er litt sehr . Des berühmten Dieffenbach Heilversuche schafften vorübergehend Linderung , aber die Uhr war abgelaufen ; Thaer entschlief am 26. Oktober 1828 . Thaer war von mittlerer Größe , fein und schlank gebaut , in allen Teilen von gutem Verhältnis , und von fester , ruhiger , immer bequemer Haltung und Bewegung . Sein Äußeres war im ganzen nichts weniger als imponierend , hatte jedoch etwas trocken Ablehnendes , so daß sich der Fremde nicht leicht auf den ersten Blick zu ihm hingezogen fühlte . Seine Züge zeigten wenig Beweglichkeit ; der Mund war geschlossen , zurückgezogen , schweigsam , aber mit dem unverkennbaren Ausdruck der absichtslosesten Güte . Seine Augen waren rechte Künstleraugen , sehr bedeutend und von ungewöhnlicher Klarheit ; dabei ruhig prüfend , man fühlte , daß er auch den verborgenen Fleck traf . Sein gutes , weiches Herz verriet sich leicht , auch bei geringerer zufälliger Anregung . Was man jedoch ein gefälliges Wesen nennt , war ihm so wenig eigen , wie jede Art oberflächlicher Liebenswürdigkeit . Als Schriftsteller innerhalb seines Fachs gehört Thaer in den höchsten Rang . Er war nicht eigentlich ein erfindendes Genie , aber er fand seine Stärke in der beharrlichsten Anwendung seines gesunden Verstandes und sehr ausgebildeten Scharfsinns . Daß er gleich anfangs sich einer fast allgemeinen Anerkennung zu erfreuen hatte , verdankte er ganz vorzüglich seiner Aufrichtigkeit und Treue in Erzählung von Tatsachen und der edlen Offenherzigkeit , mit welcher er auch das erzählte , worin er sich früher geirrt hatte . Das Bewußtsein seines großen Ziels machte ihn stark , fest , beharrlich , mutig ; seine Leistungen aber schienen ihm immer unzulänglich , ja selbst geringfügig gegen das , was seiner Seele vorschwebte . Ein Jagen nach Berühmtheit , wie es sich bei weniger Begabten so oft findet , blieb ihm durchaus fremd . Untersuchen , forschen , prüfen , war ihm von Jugend auf wie zur zweiten Natur geworden , und die Verse Hagedorns erschienen wie an ihn gerichtet : Der ist beglückt , der sein darf was er ist , Der Bahn und Ziel nach eignem Auge mißt ; Nie sklavisch folgt , oft selbst die Wege weiset , Ununtersucht nichts tadelt und nichts preiset . Sein Leben , wie er selbst schreibt , war köstlich gewesen , dennoch empfand er zuletzt die » Sehnsucht nach einem anderen « , wo kein Suchen und kein Forschen ist . Wir aber , die wir noch inmitten des Kampfes stehen , den die Erde von uns heischt , haben ihm zu danken , daß er gesucht und geforscht . Nachdem wir bis hierher dem Manne gefolgt sind , dessen Name unzertrennlich von dem Namen Möglins geworden , wenden wir uns nunmehr wieder der Stätte zu , wo er gelebt . Möglin , auch äußerlich genommen , ist , wenn man den Ausdruck gestatten will , » nur Thaer « , und in diesem Umstande liegt sein Reiz und seine Eigentümlichkeit . Im übrigen wirkt das ganze Dorf fast wie eine Überraschung . Etwas in der Tiefe gelegen und durch keinen Kirchturm in die Weite hin verraten , tritt man plötzlich , unter alten Bäumen hindurch , wie in ein Kamp , eine Niederlassung ein , und hat hier , malerisch gruppiert , alles zusammen , was zur Bedeutung und zur Poesie des Ortes gehört . Den Mittelpunkt des Ganzen bildet ein Teich , den nach rechts hin hohe Schilfwände , nach links hin hohe Erlenbäume umfassen . Diesseits des Teiches , neben der Stelle , wo wir uns befinden , steht die alte Feldsteinkirche , von einer Linde , die nicht viel jünger sein mag als die Kirche selbst , überschattet . Jenseits des Teiches , freundlich blinkend im Schmuck eines angebauten Glashauses , steht das Wohngebäude , dahinter ein Haus von ähnlicher Größe – die ehemalige Akademie . Die Wirtschaftsgebäude , darunter die berühmte Stammschäferei , verstecken sich zum Teil hinter den hohen Bäumen , die den engen Kreis des Bildes : Teich , Kirche , Wohnhaus , Akademie , umzirken . Persönlichkeiten , von zum Teil hervorragender Stellung in Leben oder Wissenschaft , drängten sich an dieser Stelle während der letzten fünfzig Jahre , und so darf es nicht Wunder nehmen , daß jeder Fußbreit Erde hier seine Erinnerungen hat . Am Südrande des Teichs , der Kirche zunächst , fällt uns eine Erdpyramide auf , von Blumen überdeckt und terrassenförmig sich zuspitzend . Es ist ein Grabhügel . Unter ihm ruht Albrecht Thaer , und auf den Treppenstufen des Hügels , der mehr ein Blumengarten als ein Grab ist , blühen den Sommer hindurch viele hunderte von Blumen . Am Westrande des Teichs bemerken wir den zersplitterten Stamm eines vom Winde abgebrochenen Baumes . Das sind die Überbleibsel der » Herzogsweide « , die hier stand . Zu den ersten Freunden und Genossen Thaers , bei seiner Übersiedelung nach Möglin , gehörte der Herzog von Holstein-Beck , damals ein Mann von nah an fünfzig , ein Vertrauter des Kaisers Paul , wie er vorher ein Freund des Rheinsberger Prinzen Heinrich gewesen war . Der Herzog lebte monatelang als Mögliner Gast , und diese Weide am Teich war sein bevorzugter Aufenthalt , wo er zu sitzen und zu sinnen liebte . Es durfte wohl so sein . Die Zweige des Baumes hingen in den Teich nieder , das blaugraue Laub war doppelt schön auf einem Hintergrunde dunkler Erlen , und der an der Wurzel sieben Fuß dicke Stamm teilte sich höher hinauf in zwei Stämme . Zwischen diesen hatte der Herzog seinen Platz . Beim Abschied schrieb er , in dankbarer Erinnerung an die hier verträumten Stunden : Gedenket auch an dieser Stelle Des Freundes , der hier oftmals saß , Und bei dem stillen Spiel der Welle Die weite Welt um sich vergaß . Es wird sein Geist euch hier umschweben , Sein Dank an eurer Seite sein ; Hier erst erfaßt ' er wahres Leben Und lernte , schaffend , glücklich sein . Das Wohngebäude , reich an Erinnerungsstücken aller Art , an Bildern und Büsten , ist fast eben so sehr ein Thaermuseum , als ein Wohnhaus . Auf Namhaftmachung dieser Erinnerungsstücke , meist Darbringungen von nah und fern , leisten wir hier Verzicht ; ebenso auf eine Schilderung des Akademiegebäudes , der Lehr- und Wohnzimmer , der Bibliothek und der naturwissenschaftlichen Sammlungen , die sich darin vorfinden . Wir verweilen nicht bei diesen Dingen , die , trotz ihrer Einfachheit , an die glänzendste Periode der Akademie erinnern , wir treten lieber aus den öden Zimmern wieder ins Freie , wo ein zierlicher in Front des Gebäudes aufsteigender Obelisk uns ein schönes Fest zurückruft , das hier gefeiert wurde . Die Inschrift bezeichnet die Art des Festes . Sie lautet : » Zur Erinnerung an das fünfzigjährige Bestehen der landwirthschaftlichen Akademie zu Moeglin , im Oktober 1856 . « An der andern Seite befindet sich Thaers Reliefbild ; darunter die Namen aller Schüler , die zur Errichtung dieses Denksteins beitrugen . Diese Feier , wie sie das halbhundertjährige Bestehen bezeichnete , bezeichnete doch auch zugleich den » Anfang vom Ende « . Und vielleicht war es diese Stimmung , die dem Feste eine besondere poetische Weihe gab . Viele waren gekommen , alt und jung , um dieser Stätte und dem Gedächtnis des Mannes , der hier in seltenem Maße segensreich gewirkt hatte , ihren Dank darzubringen . Und dieser Dank fand in dem Liede eines jüngeren Festgenossen seinen Ausdruck . Das Lied selbst , das wir aus dem Gedächtnis wiedergeben , lautete : Es steht in preuß ' schen Landen Ein Kirchlein alt und stumm , Und rings an seinen Wanden Schlingt Efeu sich herum . Und Schatten streut die Linde , Ein uralt mächt ' ger Stamm , Die grüne Kron ' im Winde Sie neigt sich dann und wann . Und neben dieser Stelle , Da liegt der schöne Teich , Es plaudern mit der Welle Die Zweige allzugleich . Und zwischen Teich und Linde , In Stufen auf und ab , ( Kein schöner Grab ich finde ) Da liegt ein Blumengrab . Und drunter schläft in Frieden , Nach ruheloser Bahn , Ein Mann , dem viel beschieden , Der viel geschafft , getan . Er hat den Sieg erstritten In Arbeit und in Ehr , Er ist vorangeschritten – Wir folgen Vater Thaer . Wir aber nehmen Abschied jetzt von dieser Stätte und von Möglin . Unser Heimweg führt uns an dem Grabhügel vorüber , der in Blumen steht , rot und weiß , als gäb ' es keinen Herbst und kein Scheiden . Die alte Steinkirche daneben , die schon so vieles überdauert , wird vielleicht auch diesen Hügel überdauern , aber nicht das Andenken an ihn , der unter diesem Hügel schläft . Quilitz oder Neu-Hardenberg Quilitz von 1763 bis 1814 Quilitz von 1763 bis 1814 Quilitz von 1763 bis 1814 Nach dem Tode des Markgrafen Karl fielen die am Rande des Oderbruchs gelegenen Güter desselben , Friedland und Quilitz , an die Krone zurück . Aber nicht auf lange ; Friedrich II. verschenkte sie im selbigen Jahre noch , und zwar gab er Friedland an den damaligen Major von Lestwitz , » den Sieger von Torgau « , Quilitz an den Oberstleutnant von Prittwitz , der in der Schlacht bei Kunersdorf , als Rittmeister bei den Zietenschen Husaren , den König vor drohender Gefangenschaft gerettet hatte . Gegen beide Offiziere unterhielt der König seit den genannten beiden Tagen ein verwandtes Gefühl besonderer Dankbarkeit . » Lestwitz hat den Staat , Prittwitz hat den König gerettet « , so hieß es damals sprichwörtlich . Lestwitz a sauvé l ' état , Prittwitz a sauvé le roi . Die Rettung des Königs durch Prittwitz wird verschieden erzählt . Die gewöhnliche Darstellung des Hergangs ist die folgende : » Als gegen Abend die preußischen Truppen nach übermenschlicher Anstrengung und Tapferkeit endlich zurückgeworfen waren und fast aufgelöst das Schlachtfeld verließen , war der große König in Verzweiflung , und man hörte ihn die Worte rufen : › Kann mich denn heute keine verwünschte Kugel treffen ! ‹ Zwei Pferde waren ihm unter dem Leibe erschossen worden , und eine dritte Kugel hatte ihm ein goldenes Etui in seiner Westentasche zerdrückt . 19 Nach dem schnellen Rückzuge des Heeres streifte noch Joachim Bernhard von Prittwitz mit einem Trupp von etwa fünfzig seiner Zietenschen Husaren auf dem Schlachtfelde umher . Als auch er endlich sich vor den andrängenden Kosakenschwärmen zurückziehen wollte , rief ihm der Unteroffizier Velten , der später geadelt , als Major in der Rheinkampagne fiel , zu : › Herr Rittmeister , da steht der König ! ‹ Sich umwendend , erblickte Prittwitz den König , der fast allein und nur in Begleitung eines Pagen , welcher sein Pferd hielt , auf einem Sandhügel des sogenannten Mühlberges stand . Er hatte seinen Degen vor sich in die Erde gestoßen und blickte mit verschränkten Armen dem herannahenden Verderben entgegen . Eilig sprengte Joachim Bernhard auf ihn zu , doch nur mit Mühe vermochte er ihn zu überreden , sich aufs Pferd zu werfen und auf seine Rettung bedacht zu sein . Endlich folgte der König seinen Bitten , indem er rief : › Nun Herr , wenn Ihr meint , vorwärts . ‹ Aber schon waren die Kosaken ganz nahe gekommen . Joachim Bernhard wandte sich um und schoß den feindlichen Offizier vom Pferde . Dies machte die Verfolger einen Augenblick stutzen , der König gewann mit seiner kleinen Schar einen Vorsprung , und jene vermochten ihn nicht wieder einzuholen . Mehrmals rief er dabei aus : › Prittwitz , ich bin verloren ! ‹ Auf diese Weise rettete sich Friedrich vom Mühlberg herab ins Tal über die sogenannte große Mühle , hinter deren Defileen er vorläufig sicher war . Hier ritt er auf die erste Anhöhe und sah auf die zerschossenen Bataillone , die vorüberzogen . Mit Tränen in den Augen rief er ihnen zu : › Kinder , verlaßt mich heute nicht , euren König , euren Vater . ‹ Und dann ritt er weiter und kam spät abends nach dem Dorfe Ötscher . Auf dem Rücken Joachim Bernhards schrieb er hier mit Bleistift an den Minister Finkenstein in Berlin die berühmt gewordenen Worte : › Alles ist verloren , retten Sie die Königliche Familie , Adieu für immer . ‹ Während in Ötscher der unglückliche König nur von wenigen Getreuen umgeben , sich aufs Stroh warf , sammelte Joachim Bernhard die aufgelösten Trümmer der Armee , etwa 3000 bis 4000 Mann , so daß ihm nicht nur der Ruhm gebührt , den König , sondern auch den Rest der Armee gerettet zu haben . Denn wurden diese Truppenreste nicht in der Nacht noch nach Ötscher , wo die Schiffsbrücken waren , dirigiert , so waren sie auf dem rechten Oderufer verloren . Als er dem Könige melden wollte , daß sich einige Bataillone gesammelt hätten , verhinderten ihn die Adjutanten daran , die bei der verzweifelten Stimmung des Königs fürchteten , derselbe werde , sobald er erführe , er habe noch Truppen in Händen , den unglücklichen Kampf von neuem beginnen . « So erzählen die meisten zeitgenössischen Schriftsteller . Etwas abweichend davon berichtet Frau von Blumenthal in ihrer trefflichen Lebensbeschreibung Zietens über denselben Hergang , und in Erwägung des Umstandes , daß Prittwitz selbst eine Vorrede zu dieser Lebensbeschreibung schrieb , also das Buch oder doch wenigstens diese ihn selbst so nah angehende Stelle gelesen haben muß , können wir nicht umhin , dieser andern Darstellung eine vorzugsweise Bedeutung beizulegen . In dieser heißt es : » Am Abend der unglücklichen Schlacht stand das Detachement von Zietenhusaren zur Rechten des Königs , als der Monarch für seine Person noch nicht die Hoffnung zum Siege aufgeben wollte , obgleich schon aller Anschein dazu verloren war . Der König warf sich mit etwas Infanterie in das stärkste Feuer . Ihm wurde das Pferd , das er ritt , erschossen ; sein Adjutant , der Oberst von Goetz , gab ihm zwar das seine , allein eben jetzt drängte auch die Österreichische Reiterei des General Laudon mächtig auf ihn ein , und Friedrichs Person geriet in augenscheinliche Gefahr , um so mehr , als er nicht zurückgehen und auf seine Sicherheit bedacht sein wollte . In diesem furchtbaren Augenblicke , an dem Preußens Glück und Ehre hing , sprengten , entflammt von Wut und Rache , die Zietenschen Husaren herbei , hieben mit Nachdruck in die Österreichische Reiterei ein , und hielten sie von dem Regiment von Diricke – an dessen Spitze der König stand – bis zur Rettung des letzteren glücklich entfernt . Unter ihnen zeichnete sich besonders der Leutnant Velten aus , indem er der erste war , der einen Trupp Österreichischer reitender Grenadiere zurückwarf , die schon den König umringen wollten . Der Rittmeister von Prittwitz , nachmaliger General der Kavallerie , hatte unterdessen den Mut , daß er sich ohne Anfrage zum Geleitsmann des Königs aufwarf , ihn halb mit Gewalt aus dem Feuer herauszog , und ihn über das Defilee bei der Mühle bis zur Schiffsbrücke bei Göritz durchbrachte , wo sich die Armee bald darauf wieder formierte . So wurde Prittwitz der Retter Friedrichs und der Retter des Vaterlandes . « Der Krieg war zu Ende und Prittwitz Herr auf Quilitz . Es war ein schönes Gut , aber unwohnlich geworden , wie die meisten Güter , die lange in Pächterhänden sind , und da der nunmehrige Oberstleutnant von Prittwitz , der kurz zuvor ( 1762 ) eine Freiin Seherr-Thoß geheiratet hatte , standesgemäß zu leben gedachte , so mußte er vor allem darauf aus sein , ein Haus aufzuführen , das den Ansprüchen seiner übrigens auch in Schlesien begüterten Gemahlin entsprach . Der Bau wurde unverzüglich begonnen und war schon bis zu den ersten Steinen des ersten Stocks gediehen , als König Friedrich des Weges kam , sei es auf einer seiner Revuereisen in die östlichen Provinzen , oder eigens zu dem Zwecke , das Oderbruch und die Melioration desselben zu inspizieren . » Prittwitz , Er baut ja ein Schloß ; Er will ja hoch hinaus « , waren die nicht allzu gnädigen Worte , mit denen der König sich an den zur Seite stehenden Oberstleutnant wandte , der nunmehr seinerseits nichts Eiligeres zu tun hatte , als dem Wunsch und Winke des Königs nachzukommen und unter Fortlassung einer Beletage sofort das Dach auf das Erdgeschoß setzen zu lassen . Erst in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wurde durch Schinkel ein Umbau des Schlosses vorgenommen . Stelle ich nunmehr zusammen , was in Quilitz noch an die Prittwitzzeit erinnert . Die Zimmer des Erdgeschosses sind im wesentlichen dieselben geblieben , namentlich gilt dies von dem großen , mit Stuckreliefs geschmückten Gartensalon , der auf eine Parkwiese , und jenseits derselben auf die Wasser- und Baumpartien des Parks blickt . Auch dieser Park selbst stammt noch aus der Prittwitzschen Zeit , ebenso wie zwei seiner Gedenksteine . Der eine derselben ist ein unscheinbarer Grabstein , unter dem der Schimmel begraben wurde , den Rittmeister von Prittwitz in der Schlacht bei Kunersdorf ritt , der also den historischen Moment der Rettung des Königs miterlebte , resp . seinen Anteil daran hatte . Der Grabstein ist jetzt seinerseits wieder unter Laub und Moos halb begraben , so daß es un möglich ist , eine Inschrift zu entziffern . Man hat deshalb die ganze Erzählung von dem im Park bestatteten Schimmel wieder in Zweifel ziehen wollen . Aber gewiß mit Unrecht . Äußere und innere Gründe sprechen dafür . Der Stein hat ganz die Form eines Grabsteins . Außerdem ging der König selbst , der auf der obersten Terrasse von Sanssouci nicht nur sein Pferd und seine Lieblingswindspiele begraben ließ , sondern auch inmitten derselben begraben sein wollte , seinen Generalen mit dem entsprechenden guten Beispiele voran . Man liebte damals dergleichen . Ebenfalls im Park , dem Gartensalon gegenüber , und eine Wand dunkler Bäume als Hintergrund , erhebt sich malerisch das Marmordenkmal , das Prittwitz im Jahre 1792 dem Andenken des großen Königs errichten ließ . Die Zeichnung zu diesem Monumente wurde von Johann Meil , dem damaligen Vizedirektor der Berliner Akademie der Künste entworfen , die Ausführung in karrarischem Marmor aber einem Bildhauer in Lucca , namens Joseph Martini , anvertraut . Die Worte , die dieser an der linken Seite des Denkmals eingraviert hat , lauten : Joseph Martini Lucensis inventor faciebat 1792 ; also etwa : Joseph Martini von Lucca hat es erfunden und ausgeführt , oder erdacht und gemacht . Das Wort inventor muß hier überraschen , wenn man es mit der vorzitierten , der Schadowschen Autobiographie entlehnten Notiz zusammenhält , » daß Meil den Entwurf gemacht habe « , also der Inventor gewesen sei . Die Komposition ist etwas steif , etwas herkömmlich und in vielen Stücken angreifbar , aber dennoch eine gute Durchschnittsarbeit . Ein Säulenstumpf trägt das Reliefbild des großen Königs ; ein trauernder Mars , kniend , umklammert von der einen Seite her die abgebrochene Säule , während sich eine aufrechtstehende Minerva von der anderen Seite her an den Säulenstumpf lehnt . Das Hauptinteresse , das diese Gruppe einflößt , ist das , daß es das erste Denkmal ist , das dem Andenken des großen Königs errichtet wurde . Schadows Friedrichsstatue auf dem Stettiner Exerzierplatz ist erst das zweite . Allerhand kleine Anekdoten knüpfen noch an dieses Denkmal an . So heißt es , daß eine Eule längere Zeit im Schutz der Minerva genistet habe . Fraglich . Aber bis in diesen Tag ist die Statue , namentlich der offen am Boden liegende Helm des Mars , der bevorzugte Platz nesterbauender Schwalben . Am anziehendsten ist die einfache Auslegung , die die Quilitzer den Gestalten des Mars und der Minerva gegeben haben . Sie sagen , » es sei Prittwitz und seine Frau , die um den alten Fritz trauern « . Wir begegnen der Prittwitzzeit , oder doch einer Mahnung an dieselbe , auch noch in der alten , übrigens durch Schinkel völlig umgebauten Kirche . Einige Schritte vor dem Altar ist eine Erztafel in die roten Ziegel des Fußbodens eingelassen , auf der wir in Vergoldung ein kurzes römisches Schwert erblicken , um das sich ein Lorbeer windet . Darunter lesen wir : » Joachim Bernhard von Prittwitz , K. Pr . General der Kavallerie , Ritter des Schwarzen Adler- und St. Johanniter-Maltheser-Ordens , geb . 3. Febr . 1727 , gestorb . 4. Juni 1793 ; und seine Gattin Maria Eleonora von Prittwitz , geb . Freiin von Seherr-Thoß , geb . 1739 , gest . 1799 . « Unter dieser Tafel befindet sich höchst wahrscheinlich die Gruft , in der das Prittwitzsche Paar beigesetzt wurde ; die Tafel selbst aber stammt ersichtlich erst aus den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts , wo die Kirche restauriert wurde . 1793 hatte man noch die altherkömmlichen Grabsteine . Die Benutzung von Gußeisen deutet auf die Schinkelsche Zeit . Zum Schluß nennen wir noch zwei Porträts , denen wir in einem Zimmer des Schlosses begegnen , und die höchst wahrscheinlich der Prittwitzschen Hinterlassenschaft angehören . Es sind dies : der alte Fritz und General von Prittwitz selbst . Das erste Bild wurde 1786 , kurz vor dem Tode des Königs , von Bardou gemalt . Die Auffassung weicht ab von dem Herkömmlichen . Neben dem Ausdruck physischen Leidens ist es ein Zug milder Schwermut , der den Kopf charakterisiert und anziehend macht . Das Porträt des alten Prittwitz , ebenfalls Brustbild , zeigt uns den General wahrscheinlich in der Uniform des Regiments Gensdarmes , dessen Kommandeur en Chef er seit 1775 war . Auf dem roten ( pfirsichblütfarbenen ) Frack ruht das breite Orangeband des Schwarzen Adlerordens . Die Farbe des Ordensbandes wirft einen gelben Reflex auf das ohnehin lederfarbene , wenig anziehende Gesicht , dessen Griesgrämigkeit unter dem gelben Lichte noch zu wachsen scheint . 1793 starb General von Prittwitz , 1799 seine Witwe . Quilitz blieb aber noch eine Reihe von Jahren hindurch in Händen der Familie und zwar im Besitz des Geheimen Finanzrats Friedrich Wilhelm Bernhard von Prittwitz , geb . 1764 , gest . 1843 , ältesten Sohnes des Generals . Herr von Prittwitz stand zu Hardenberg und Stein in naher Beziehung , nahm aber 1808 seinen Abschied und lebte seitdem ganz in Quilitz , bis er die Herrschaft 1810 an den Staat verkaufte ( mittelst Tausch ) , und dafür die frühere Propstei Kasimir im Leobschützer Kreise Oberschlesiens erwarb . Aus diesen Jahren , wo von Prittwitz der jüngere die Herrschaft innehatte , wissen wir wenig über Quilitz zu berichten , es sei denn , daß von 1801 bis 1803 der damals zwanzigjährige Schinkel hier seine ersten architektonischen Versuche machte . Er begann mit dem Kleinsten , und zwar mit zwei Wirtschaftsgebäuden , von denen das eine auf dem Vorwerk Stuthof , das andere auf dem Vorwerk Bärwinkel errichtet wurde , – zwei Ortsnamen , die fast noch weniger , wie die Aufgabe selbst , imstande waren , seinen Genius zu beflügeln . Aber dieser war eben da und bewies sich im Kleinen , wie er sich später im Großen bewies . Wenn an diesen frühesten Bauten