übte der Feind des Reichen eine solche zähe Beharrlichkeit . Gegen vier Uhr morgens endlich , als die Gegend noch im halben Dämmer lag , wurde die Türe aufgestoßen , ein Knecht kam herausgegangen um Wasser zu holen und diesen Augenblick benutzte der Lauerer , um in das Haus zu schlüpfen . Er lief über den Flur und die Treppe hinauf , sich vorläufig zu verbergen und während des Tages , wann , wie er vorher wußte , der Oberhof von allen Bewohnern verlassen werden würde , mit seiner Beute zu entkommen . Nachdem es heller Morgen geworden war , ging der Hofschulze , zwei große Geldsäcke tragend von dem oberen Teile des Hauses nach der Stube unten neben dem Flure und hinter ihm drein ging der Schwiegersohn . Dort setzten sich beide schweigend , wie gestern bei allen wesentlichen Stücken der Hochzeit , an einen großen Tisch . Jeder von ihnen öffnete einen Sack und zählte aus demselben dreitausend Taler in harten runden Talern auf . Es störte den Hofschulzen nicht , daß mehrere Hausgenossen und auch einige Nachbarn , welche sich schon im Hofe eingefunden hatten , vom Flure aus , oder in der Türe der Stube stehend , diesem Aufzählen zusahen . Vielmehr schien es ihm lieb zu sein , Zeugen bei dieser Handlung zu haben , die seinen Reichtum dartat , wie ein hin und wieder zur Seite geworfener stolzer und schmunzelnder Blick andeutete . Das ganze Geschäft nahm wie es begonnen worden , seinen Fortgang und erreichte auch so seine Endschaft ; nämlich beide Hauptpersonen redeten kein Wort miteinander während des Geldzählens . Als sechstausend blanke Taler auf dem Tische lagen und von dem Schwiegersohne sorgfältig nachgesehen worden waren , schrieb dieser stumm die Quittung über die empfangene Mitgift und reichte seinem Schwiegervater den Schein , ohne Dank zu sagen , hin , strich sodann das Geld wieder in die beiden Säcke ein und setzte sie zur vorläufigen Verwahrung in einen Wandschrank , der sich in der Stube befand und von welchem er die Schlüssel zu sich steckte . Der alte Schmitz hatte das Geschäft unterbrechen wollen und war mit der Äußerung , daß er nach der Stadt zurück wolle , vorher aber seine Sache mit dem Hofschulzen in Ordnung bringen müsse , zu diesem in die Stube getreten . Der Hofschulze verweigerte jedoch heute wie gestern , ohne von seinen Talern aufzusehen , jede Einlassung , bis das ganze Pläsier , wie er sich ausdruckte , zu Ende sein werde , worauf er gern über alles und jedes zu Dienst stehen wolle . Denn zwei Sachen zu gleicher Zeit zu treiben , war nicht sein Ehrgeiz , er brachte immer erst eine vollständig zu ihrer Richtigkeit , ehe und bevor er eine andere angriff , und mit diesem Grundsatze war er zu den guten Umständen gelangt , in denen wir ihn kennengelernt haben . - Der alte Sammler entfernte sich verdrießlich und ging nach einem Stalle , worin er etwas hatte niedersetzen lassen , dessen Besitz jetzt seine Seele drückte . Er sah es unter wehmütigen Gedanken an und wünschte sehnlich das Ende des Pläsiers herbei , welches für ihn kein Pläsier war , weil es die Qual der Unentschiedenheit für ihn verlängerte . Von der Regel , nur ein Geschäft zu derselben Zeit zu treiben , machte indessen der Hofschulze in betreff der kranken Blesse eine Ausnahme . Er begab sich ungeachtet der noch bevorstehenden Hochzeitvergnügungen zu dem Tiere , sah nach , ob ihm auch die Hausmittel gereicht würden , die er verordnet hatte , schaute es mitleidig an , schüttelte den Kopf , streichelte ihm sanft die Weichen und behandelte es überhaupt viel zärtlicher , als seine Tochter oder seinen Schwiegersohn . Leider schien diese Sorgfalt wenig zu verschlagen , da der Zaunpfahl die Kuh zu hart berührt hatte . Sie stöhnte noch erbärmlicher als gestern . Über den rothaarigen Knecht fühlte er den heftigsten Verdruß , denn er hatte dessen Gewaltsamkeit noch spät in der Nacht vor dem Schlafengehen erfahren . Sogleich hatte er dem Menschen den Dienst aufgesagt . Als er ihn daher jetzt ansichtig wurde , rief er heftig : » Was treibst du dich hier noch umher ? « » Ich wollte Euch nur fragen , Baas , ob es Euch ein Ernst gewesen ist mit dem Aufsagen ? « versetzte der Rothaarige . » Wenn ich aufsage , so heißt das Aufsagen und wenn ich nicht lache , so ist das kein Spaß « , erwiderte der Hofschulze . » Es ist aber unrecht , daß wenn man den besten Willen hat zur Lustbarkeit und dafür sorgen will , daß alles recht schön wird , man aufgesagt kriegt « , antwortete der Rothaarige . » Wenn ich einer Kreatur , die in ihrer Unvernunft keinen Begriff davon hat , daß Hochzeit ist , die Rippen im Leibe kaputt schlage , so hilft das nicht absonderlich zur Lustbarkeit « , versetzte der Hofschulze kaltblütig . - » Genug , du bist aus dem Dienste und kannst froh sein , daß ich dir nicht den Schaden vom Lohne abziehe , wie Rechtens wäre . « Der Rothaarige bat hierauf seinen gewesenen Herrn nur um die Vergünstigung , wenigstens noch ein paar Tage im Hofe bleiben zu dürfen , da es ihm gar zu despektierlich sei , gerade auf einer Hochzeit fortgejagt worden zu sein . Diese Erlaubnis gab ihm der Hofschulze , jedoch unter der Bedingung , daß er sich nicht in den heutigen Zug mische , denn er wolle ihn , sagte er , bei dem Pläsier nicht vor Augen haben . Der Rothaarige setzte sich mit einem giftigen Blicke auf einen Schemel im Flur , nicht weit von der kranken Blässe , deren Qualen ihm durchaus keine Gewissensbisse aufzuregen schienen . Er greinte und sagte halblaut für sich : » Könnte ich dem alten Hunde noch zu guter Letzt einen rechten Possen spielen , so würde mir das eine wahre Herzerquickung sein . « - Der Hofschulze ging mit den Worten : » Es muß alles mit Manier behandelt werden , selbst ein Vieh « - zu seinen Gästen , die sich schon wieder in bedeutender Anzahl zu versammeln angefangen hatten , und den Platz vor dem Hause nach dem Eichenkampe zu trinkend und rauchend erfüllten . Denn heute war der Tag , an welchem die Neuverheiratete mit uralt hergebrachter Feierlichkeit in ihr künftiges Wohnhaus eingerührt werden mußte . Zu dieser Feierlichkeit gehörte eine Fahne , viel Schießgewehr , abermals ein Schmaus , jedoch diesesmal im Gehöfte des jungen Ehemannes und wieder das Spinnrad , welches bei der Hochzeit seine Dienste geleistet hatte . Der Hochzeitbitter befestigte an einer Stange , von welcher bunte Bänder herabflatterten , ein großes weißes Leintuch und richtete so die Fahne zu . Gegen dreißig junge Burschen hatten Flinten bei sich , diese luden sie mit grobem Schrot oder auch mit Kugeln , sich in lauter und geräuschiger Art vermessend , daß sie der Fahne tüchtig eins versetzen wollten . Die eine Brautjungfer brachte das Spinnrad getragen und endlich erschien die Braut in ihrem gestrigen Putze , gar sehr verschämt , nichtsdestoweniger aber immer noch mit der Brautkrone geschmückt , obgleich sie von den Anwesenden unter derben Scherzreden als Jungefrau begrüßt wurde . Nun ordnete sich der Zug und setzte sich nach dem Gehöfte des Schwiegersohnes in Bewegung . Der Bursche mit der Fahne marschierte an der Spitze , sodann folgte das Ehepaar , diesem schlossen sich die mit den Flinten an , und darauf schritt der Brautvater einher , den übrigen Hochzeitgästen zuvor . Von den städtischen Gästen erschien nur der alte Schmitz im Zuge . Denn die übrigen , der Diakonus , der Hauptmann und der Küster waren nach der Stadt zurückgekehrt . Der Küster war kein Freund vom Schießen , am wenigsten machte ihm eine solche Ergötzlichkeit Freude , wenn scharf geladen war . Er pflegte daher an dem zweiten Tage der bäuerlichen Hochzeiten jederzeit eilige und unaufschiebbare Geschäfte vorzuschützen , um sich mit Anstand entfernen zu dürfen . Am dritten Tage kehrte er dann mit seiner Magd in das Hochzeithaus zur Abholung des ihm gebührenden Bündels zurück . Heute hatte er noch einen besonderen Grund gehabt , sich schleunigst fortzubegeben . Denn von Agesel , der sich auch heiter und rüstig anfangs unter den Festgenossen auf dem Platze befunden hatte , war ihm mit einem der unheimlichsten Blicke , wie ihn wenigstens bedünkte , das verhängnisvolle Wort zugeraunt worden : » Ich muß Sie durchaus im Vertrauen sprechen , Herr Amtsbruder ! « - Grund genug , seine Schritte stadtwärts zu beflügeln . Was den Diakonus betrifft , so hatte er vor seiner Abreise das junge Paar , welches er so unerwartet vor dem Altare gefunden , sprechen wollen , um mit ihnen über ihre Zukunft zu beraten , die ihm freilich , nachdem er von der Überraschung jenes Augenblicks zum Bedenken zurückgekommen war , sehr zweifelhaft aussah . Er erstaunte , als er hörte , daß der Jäger abwesend und Lisbeth unpaß sei . Indessen hatte er wirkliche Geschäfte in der Stadt , wie der Küster erdichtete , und deshalb konnte er nicht länger außerhalb verweilen . Er verließ sich darauf , daß die jungen Leute zu ihm kommen würden , und daß dann das Nötige überlegt werden könnte . Manche Sorge machte ihm das liebliche Verhältnis ; er sah , da er den Stand des Jägers kannte , nicht ein , wie aus jener Liebe sich ein Bund für das Leben gestalten sollte . Agesel trennte sich , sobald der Zug den Platz vor dem Hause verließ , von den anderen , denn auch ihn riefen nähere Interessen ab . Er ging nach dem Schulhause , welches zu beziehen er gegründete Aussicht hatte , besichtigte das Gebäude oder vielmehr das Baufällige , welches ein Haus vorstellen wollte , maß den Weidefleck ab und verglich dessen Flächeninhalt mit dem Hackelpfiffelsberger . Diese Untersuchung lieferte ein günstiges Ergebnis . Er hatte hier drei Quadratruten mehr als dort , worauf sich immer noch eine Gans mit sattfressen konnte . Während des Abmessens hing er seinem Plane nach , den er in den Worten zu dem Küster angedeutet hatte . Als der Zug über die nächsten Umgebungen des Oberhofes hinaus war , wurde es in diesem ganz still , so daß man die Fliege an der Wand gehen hören konnte , denn auch die Knechte und Mägde waren nach der Snaat11 des Schwiegersohnes gelaufen . Nur der rothaarige Knecht saß grollend unten im Flur bei den Kühen . Er war ein wilder tückischer Kerl und seine Gedanken gingen in dieser Einsamkeit von einem Frevel zum anderen . Er blickte das Feuer auf dem Kochherde an und sagte : » Wenn ein Brand davon in das Stroh des Stalles geschleudert würde , so flöge der rote Hahn dem Alten auf das Dach , und es würde dennoch immerhin heißen , ein Funken sei zufällig , da kein Mensch auf das Feuer achtgehabt , in das Stroh gesprungen . « - Nach dem Wandschranke , worin die Mitgift stand , sah er und murmelte : » Ein tüchtiger Beilschlag , und der Deckel spränge auf , und unsereins hätte sechstausend Taler , womit sich weit außer Landes kommen läßt . Da fragt kein Kuckuck nach einem . « - Ihn überlief es heiß , er streckte zuweilen seine Hand nach dem Feuer aus und zuweilen erhob er sich dann wieder vom Schemel , als wollte er nach der Stube gehen , worin sich der Wandschrank befand . In diesen gefährlichen Gedanken horchte er plötzlich auf , denn oben an der Treppe hörte er Geräusche , als ob jemand sacht über den Gang schleiche nach der Treppe zu . Er stand auf und schlich ebenfalls sacht nach dem Treppenfuße , um zu sehen , wer denn da oben so verstohlen zu gehen genötiget sei . Man konnte nämlich von unten den Raum des Ganges zunächst der Treppe überblicken . Nicht lange währte es , so blickten zwei überraschte Gesichter einander an , von denen eins blitzschnell den Ausdruck des größten Schrecks und Entsetzens annahm . Der Knecht sah nämlich zu dem Spielmann auf , der einen langen mit einem Tuche umwickelten Gegenstand unter dem Arme vorsichtig nach der Treppe geschlichen kam und schon den einen Fuß auf deren erste Stufe gesetzt hatte , als er den Blick hinunterwerfend , den unten ansichtig ward , den er freilich weit vom Hofe bei dem Schießen um die Snaat vermutend gewesen war . Einige Augenblicke standen die beiden , die einander unwillkommene Zeugen wurden , der eine des ausgeführten , der andere des vorgesetzten Frevels , glotzend einander gegenüber , der eine oben , der andere unten . Dann aber sprang der Spielmann zurück , und der Knecht hörte ihn die Treppe nach dem Söller hinauflaufen . - » Der Kerl hat stehlen wollen ! « rief der Knecht und stürzte die Treppe hinauf . In jenem vielversprechenden Fragmente des » Faust « , welches Lessing hinterlassen hat , erklärt der Magus , den Geist der Hölle für den schnellsten unter allen , welcher von sich rühmt , daß er so schnell sei , als der Übergang vom Guten zum Bösen . Aber auch einen Engel gibt es , der diesem Teufel die Spitze bietet , er wirkt die Übergänge vom Bösen zum Guten , oder wenigstens zum minder Schlimmen , und diese sind in der Menschenbrust , selbst in der rohsten , oft nicht langsamer als die Werke jenes Teufels . Der rothaarige tückische Knecht , welcher noch soeben selbst an Mordbrennerei und Raub gedacht und sich in dem Augenblicke , wo er den Spielmann erblickte , nur geärgert hatte , daß sein Vorhaben durch einen Lauscher vereitelt werde , hegte schon in der zweiten Hälfte des nämlichen Augenblicks keinen anderen Gedanken , als daß der Spitzbube von Spielmann seinen Herrn bestehlen wolle , und daß er , der Knecht , das nicht leiden dürfe , sondern den Dieb festnehmen und dem Hofschulzen überliefern müsse . Er stürzte also die Treppe hinauf , fiel vor übergroßer Eile über einen Kasten , der oben auf dem Gange stand , so , daß er sich vor Schmerz nur langsam aufrichten konnte , ließ aber dennoch von seinem Vorsatze nicht ab , sondern setzte die Verfolgung fort , wenn auch langsamer , als er sie angefangen hatte . Oben auf dem Söller kam ihm der Spielmann aus der Ecke , worin sich der Verschlag des Jägers befand , entgegen . Der Knecht , dessen Arme von dem Falle nicht gelitten hatten , packte ihn bei der Schulter , dergestalt , daß der Spielmann wie eine Jacke ohne körperlichen Inhalt hin und her flog , und rief : » Halunke , was hast du gestohlen ? « » Nichts « , versetzte der Spielmann , der ungeachtet aller Angst vor dem baumstarken Knechte den Trotz beibehielt , der solchen Leuten in solchen Lagen eigen zu sein pflegt ; » seht Ihr etwas bei mir ? « - Wirklich trug der Spielmann nichts mehr unter dem Arme . Der Knecht untersuchte seine Kleidungsstücke , aber auch in denen war nichts zu entdecken . Außer der alten grauen Jacke , den zerrissenen und geflickten Hosen und seinem eigenen armseligen Leibe führte er nichts an und bei sich . Der Knecht ließ die Hände sinken und sah aus wie einer , der nicht weiß , was er tun oder denken soll . Der Spielmann , dessen Zuversicht wuchs , je unschlüssiger er den Knecht werden sah , sagte keck : » Nun , habe ich gestohlen ? « - » Ich weiß nicht « , versetzte der Rothaarige , » wohin du es abgeworfen hast , aber ich will dich prügeln , daß dir die Seele aus dem Leibe geht , damit du mir die Stelle anzeigst . « » Gut « , rief der Spielmann , der sich nicht einschüchtern ließ , » prügelt mich nur ab , prügelt einen unschuldigen Menschen nur ab , Eurem Herrn zu Gefallen , der Euch aus dem Dienste jagte ! « - Er hatte von seinem Versteck das Gespräch zwischen dem Hofschulzen und dem Rothaarigen gehört . Diese Erinnerung warf den Knecht auf die andere Seite hinüber . » Nein ! « rief er mit einem Fluche , » stehlen soll zwar keiner bei ihm , solange ich noch im Hofe bin , denn dafür bin ich sein Knecht , aber zu Gefallen tue ich ihm auch nichts , denn dazu hat er mich zu schlecht behandelt . « - » Nun denn , so laßt mich laufen « , sagte der Spielmann . » Sprich , was du begangen hast , Kerl , und du sollst laufen « , versetzte der Knecht . Der Spielmann sah sich um , als fürchte er selbst hier einen Lauscher , dann murmelte er dem Knechte ins Ohr : » Einen Schabernack habe ich dem Hofschulzen antun wollen , und , wie ich hoffe , auch angetan . Sonst habe ich nichts wider ihn vorgenommen , noch vornehmen wollen . « Der Knecht dachte nach . - » Vor Schabernack brauche ich den Alten nicht zu bewahren , sondern nur vor Stehlen , Brennen und Viehschaden ; das ist meine Obliegenheit . « - Dann gab er dem Spielmann einen Streich mit der Hand und rief : » Lauf , du Hund ! « - Der Spielmann folgte dieser Weisung und sprang behende die Söllertreppe hinunter . - Der Rothaarige hinkte ihm langsam nach . Unten im Flure sagte er : » Wenn der Baas ein Stück Schabernack hat , so kann es mir ganz recht sein , wofern er nur nicht an Geld oder Gut beschädiget wird . Denn hilf dir zuvor selber , ehe du andere arzeneiest . Diesen Spruch hat er mir letzte Martini mitgeteilt und danach halte ich mich nun . Ich helfe mir zuallererst selber und meiner Bosheit auf ihn durch den Schabernack , den ihm der blinde Halunke angetan hat . « - Hierauf setzte er sich wieder , wo er gesessen hatte , als ob nichts vorgefallen wäre ; entschlossen , um keinen Preis etwas von dem geheimen Besuche des Patriotenkaspars im Oberhofe zu verlautbaren . Zweites Kapitel Wie der Sammler und der Hofschulze sich abermals entzweiten Der Hochzeitzug umging indessen die Snaat des Schwiegersohnes . Die Menschen schrien und jauchzten , von häufig genossenen geistigen Getränken erregt , dazwischen knallten die Gewehre , womit die jungen Burschen nach dem Tuche der Fahne zielten , und sooft ein Schuß traf , erhob sich ein noch lauterer Jubel , denn es ist ein Ehrenpunkt bei diesem Brauche , daß die Fahne ganz zerschossen in das Haus der jungen Eheleute gelangt , weil der Umstand für ein günstiges Vorzeichen gilt . Alles war heute wilder und stürmischer als gestern , denn die Bauern lieben es , die letzten Augenblicke einer Festesfreude besonders gierig auszukosten . Das Firmament spielte bei dieser heftigen und lärmenden Szene mit . Der Zug um das weitläuftige Gelände dauerte , da er nur im langsamen Schritt vorrückte , mehrere Stunden , und schon hatte sich der Haarrauch herbeigemacht , der bald alles in seine Nebel hüllte . Die Bauern waren über den alten Bekannten durchaus nicht verdrießlich , vielmehr steigerte der Schwaden , Qualm und Geruch ihre Lust . Wie nun so die Gestalten grau durch den Nebel zogen , das Jauchzen aus dem Schwaden hervorbrach und die Blitze von den Schüssen gelbrötlich in dem Qualme zuckten , bekam das Ganze etwas Schattenhaftes , und es war , als ob Götze Krodo mit seinem Koboldsgefolge emporgestiegen sei und unter Knall und Geprassel von seiner alten Domäne Besitz nehme . Auf diese Weise wurde der jungen Frau ihr Eigentum gezeigt . Die Fahne kam , kaum noch aus Fetzen bestehend , in das Haus des Schwiegersohnes und alles hatte sonach einen guten Anschein . Es war über dem Zuge zwei Uhr nachmittags geworden und die ganze Hochzeitgenossenschaft setzte sich nun im Hause der neuen Gatten abermals zu einem derben Schmause nieder , man kann denken , mit welcher Eßlust . Diesmal wurde das Essen durch keine vornehmen und sonstigen fremdartigen Einwirkungen gestört ; die Bauern waren rein unter sich und taten nichts als essen und trinken . Nach dem Schlusse des Mahles erfolgte die letzte Handlung in diesem Festdrama . Die junge Frau hatte nämlich jetzt noch die Gaben einzunehmen . Sie erhob sich mit feierlicher Miene von der Speisetafel , setzte sich an einen Tisch zur Seite , ließ Spinnrad und Haspel neben sich stellen , schlug zwei ihrer Röcke , deren sie mehrere trug , über den Schoß zurück und erwartete so , die Augen niedergeschlagen , die Spenden der Gäste . Diese standen einer nach dem anderen ebenso feierlich auf , gingen zu ihr , und legten ein jeder schweigend einige Groschen ihr unter die zurückgeschlagenen Röcke . Einige legten auch Naturalien auf den Tisch vor ihr ; ein Huhn , einen Kuchen , ein Mandel Eier oder sonst dergleichen . Nachdem jeder seine Gabe dargebracht hatte , ging die Beschenkte Reihe herum bei den Gästen und dankte einem jeden derselben mit den nämlichen Worten . Nun war sie erst wirkliche Hausfrau im Jürgenserbe ( so hieß der Hof des Schwiegersohnes ) geworden . Sie legte ihre Brautkrone ab und tanzte als Frau in dem Reigen mit , der nun zum Schlusse der Hochzeit im Baumgarten begann . Während des Tanzes sprach der Hofschulze leise und eifrig mit einigen Bauern . Es waren die Besitzer der reichsten Nachbarhöfe . Sie nickten und sagten : » Es bleibt dabei , wir kommen alle . « - Hierauf nahm er den Schwiegersohn beiseite und flüsterte ihm zu : » Vergiß nicht ... zu morgen ... die Losung ... « - » Ich werde es wahrhaftig nicht vergessen , denn ich trage das größte Begehren danach ; der Haarrauch kommt wie gerufen , so bleibt alles in der Heimlichkeit « , versetzte der Schwiegersohn . Der alte Schmitz hatte ungeduldig in der Nähe gewartet . Sobald der Hofschulze von seinem Eidam zurücktrat , ging der Sammler auf ihn zu und sagte ihm mit einer zugleich mürrischen und verlegenen Miene , daß es nun wohl endlich an der Zeit sei , ihr Geschäft abzumachen . » Allerdings kann nun das Geschäft vor sich gehen , denn der Tanz ist nur noch ein Pläsier für die jungen Leute « , erwiderte der Hofschulze . » Was ist es denn , Herr Schmitz ? « » Nicht hier « , versetzte der Sammler . » Zwar möchte ich gern von hier abgehen , denn ich muß doch wieder durch , wenn ich nach der Stadt will und deshalb hätte ich gewünscht , heute morgen auf dem Oberhofe die Sache richtig zu machen . - Dort aber muß sie vorgenommen werden , weil ich das Meinige gleich mit mir nehmen will . « - Er sagte die letzten Worten mit sichtlicher Überwindung . » Auch dieses « , antwortete der Hofschulze . - Die beiden alten Leute gingen nebeneinander nach dem Oberhofe . Der Sammler sprach fast gar nicht und der Hofschulze nur weniges . - Dazu gehörte , daß er sagte , er sei von Herzen froh , daß das Pläsier seine Endschaft erreicht habe , denn nach den ersten Konfusionen und Tumulten , die sich zugetragen , habe ihm immer ein Druck am Herzen gesessen , als müsse ein großes Malheur bevorstehen . » Es ist bekannt , daß Ihr an Ahnungen glaubt , Hofschulze « , sagte der alte Schmitz . » Von Ahnungen weiß ich nichts Sonderliches « , erwiderte der Hofschulze kalt . - » Aber Vorgeschichten gibt es « , fuhr er sehr ernsthaft fort . - » So habe ich damals Anno zwölf die ganze russische Armee über den Hellweg ziehen sehen , als ich auswärts gewesen war und nach Hause ging . « » Es war wohl um die Mitternachtsstunde , Hofschulze ? « » Nein , nachmittags um vier Uhr bei trübem Wetter im September , mich dünkt , gerade um die Zeit , als der Franzose in Moskau einzog ; Herr Schmitz . « » Dergleichen ist nun purer Aberglaube ! « rief der alte Schmitz , welchem ein Streit mit dem Hofschulzen vielleicht angenehm gewesen wäre , um sich für das , was bevorstand , in Feuer zu jagen . Der Hofschulze blieb aber ganz freundlich und erwiderte gelassen : » Nein , eine Gabe Gottes , Herr Schmitz . « Unter diesen Reden waren sie nach dem Oberhofe gekommen . Der Alte stutzte einigermaßen , als sein Gast ihn bat , mit ihm zu den Ställen zu gehen , und noch mehr befremdete es ihn , da er wahrnahm , daß dieser kaum ein Zittern verbergen konnte . Wie wuchs aber sein Erstaunen , als der Sammler die Türe des Hühnerstalls aufriß , heftig mit der Hand hineindeutete und erstickten Tones rief : » Da steht Eure Amphora und ich bitte mir dagegen meinen Schein aus ! « Wirklich sah der Hofschulze im Stalle den Weinkrug stehen , der schon einmal der Gegenstand eines so heftigen Streites gewesen war , und den der Sammler in der Dunkelheit des vorigen Abends hatte dahin bringen lassen . - Er trat drei Schritte zurück und fragte , indem er den alten Schmitz groß ansah : » Was soll das , und was bedeutet dieses ? « Der alte Sammler , dem die Sache das Herz durchschnitt , sprudelte wie eine Flasche , von welcher der Pfropfen abgeflogen ist : » Es bedeutet , daß Ihr Eure Amphora wiederbekommt , um welche ich mein Gewissen , welches in einer schwachen Stunde eingeschlafen war , nicht belasten will , und welche mir zwar , das weiß Gott , noch das allergrößte Vergnügen macht , jedoch ein unrechtes und verbotenes ! Durch solche Schandtaten , und indem immer ein Schelm dem anderen seinen Plunder als echtes Altertum attestierte , sind die Sammlungen mit Narrenpossen und Quisquilien angefüllt worden . Ich aber will dazu nicht die Hand bieten , daß Euer Lerchenspieß noch einmal künftig von einem großen Herrn , der in solchen Sachen die liebe Einfalt und Dummheit ist , für schweres Geld angekauft wird , sondern ich begehre meinen Schein zurück , worauf das sogenannte Karls-des-Großen-Schwert wieder wird , was es war und ist und bleiben soll , nämlich ein Bratenspieß frühestens aus der Soester Fehde , den ein Reisiger des Erzbischofs hier mag in den Büschen haben stehenlassen . « » Demnach wollen Sie also die alten Zweifel an dem Schwerte von Carolus Magnus wieder regen und rühren ? « fragte der Hofschulze , der sich zwar gegen den anderen scheinbar ruhig ausnahm , jedoch auch mit einiger Mühe nach Atem rang . » Es sind keine Zweifel , es ist die klarste Gewißheit ; meinen Schein , meinen Schein her ! « stammelte der Sammler , der die schleunigste Beendigung des Geschäfts wünschte , weil er fühlte , wie der Mut der Wahrheit im Angesichte der Amphora bei ihm sank . » Sie behalten den alten Topf , und ich behalte den Schein , Herr Schmitz « , sagte der Hofschulze und bohrte seinen Stock wieder wie gestern bei dem Vorfalle mit dem Hochzeitbitter , tief in die Erde . - Der Sammler fragte ihn heftig , ob das sein letztes Wort sei ? welche Frage der Hofschulze bejahte , mit dem Hinzufügen : » Handel ist Handel . « » Dann kommt die ganze Sache in den Anzeiger ! « rief der alte Schmitz zornig und machte sich , ohne von seinem Wirte Abschied zu nehmen , auf den Weg . Der Hofschulze stand noch einige Augenblicke voll nachdenklichen Verdrusses vor dem Stalle . Er war so böse auf die Amphora , daß er sie hätte zerschlagen können , wäre sie nicht eines anderen Eigentum gewesen . Die Erwähnung des » Rheinisch-Westfälischen Anzeigers « war ihm schwer auf das Herz gefallen . Denn er wußte , daß dieses Blatt , welches durch alle Ortschaften , Weiler und Gehöfte des Landes seine Wanderung macht , dem Kredit des Schwertes sehr schaden könne , wenn darin stehen werde , letzteres sei ein Bratenspieß frühestens aus der Soester Fehde . » Ei ! Ei ! Ei ! « sagte er mißmutig , » muß mir das doch noch heute begegnen , nachdem ich glaubte , allen Ärger überstanden zu haben ! Es ist also doch wahr , daß man von dem , was einem das Liebste ist , zu keinem Menschen reden soll ; sie fechten es einem nur an . Hätte ich dem Herrn Schmitz nicht einstmalen in der Vertraulichkeit die Sache mit dem Schwerte entdeckt , nimmer wäre mir darüber die Streiterei und Zweifelsucht und Mäkelung entstanden , die mich seitdem jahraus jahrein verfolgt hat . « - Er ging in das Haus , fragte den rothaarigen Knecht , ob jemand dagewesen sei ? welches dieser grinsend verneinte , und stieg dann zu der Kammer empor , in welcher er die Waffe verwahrte , um an ihrem Anblicke seinen Mut zu erfrischen . Auch wollte er sie für die morgende heimliche Weihe , bei welcher sie eine Hauptrolle spielen sollte , vom Staube säubern . Denn das Schwert war lange nicht gebraucht worden . Drittes Kapitel Die Geschichte eines Geächteten Der Patriotenkaspar hatte sich , nachdem er vom Rothaarigen verabschiedet worden war , noch immer in der Nähe des Oberhofes umhergetrieben , um mit dem alten Schmitz zu sprechen . Denn zu diesem hatte der gemiedene und geringgeschätzte Mensch eine Art von Verhältnis . Der Sammler hatte ihm manchen Groschen geschenkt und sah ihn nicht ungern . Weil der Patriotenkaspar überall umherstrich und -kroch , so war es ihm möglich gewesen , dem alten Raritätenfreunde hin und wieder eine nützliche Nachweisung zu erteilen , oder ihm auch wohl selbst irgendein seltsam geformtes Schnitzwerk