und in der bestimmt kalten Stellung der Herzogin gegen sie liegen konnte , die zu absichtlich über das Verhalten Richmonds bei ihrer Rettung und der damit verknüpften Reise eine blos zurückgehaltene Mißbilligung ausdrückte . Es ließ sich wahrscheinlich annehmen , daß Richmonds strenges Ehrgefühl , für sich und vielleicht auch für sie beleidigt , durch sein blos ehrerbietiges Betragen auch den Schatten eines Verdachtes entfernen wollte , gegen welchen auf andere Weise sich aufzulehnen , ihn die Stellung des Sohns zur Mutter verhinderte . Aber ein wahres Gefühl der Liebe ist selten bereit , die Entfremdung und Kälte des geliebten , hochgestellten Gegenstandes in äußeren Umständen zu suchen . In sich selbst , in dem eigenen geringen Werth findet es mit sanfter herzzerreißender Schwermuth den trennenden Grund und zürnt nicht , und will nicht gewinnen und besitzen , wozu es , mit dem Lächeln eines Sterbenden , die Fähigkeit sich versagt hält . So Maria . Ohne alle Gegenwehr stand sie dem Schmerze still , der nach und nach jeden gesunden Athemzug ihrer Brust verwandelte , und sie hielt zuletzt diesen Schmerz für ihr Leben , und wehrte ihm nicht einzuziehn und über alle Hoffnungen der Zukunft das Leichentuch zu werfen . Der Gesichtskreis ihrer Wünsche , ihrer Hoffnungen ward so klein , daß sie zuletzt an dem Gedanken hängen blieb , hier im Bereich seiner Augen sterben zu können , sei das höchste ihr noch gebliebene Glück , und daß sie kaum einen andern Wunsch mehr hegte , als den , es möge keine Veränderung ihrer Lage sie um diesen Vorzug bringen . So sah sie Brixtons Reise und deren Zweck mit sehr gemischten Empfindungen , die sich endlich von ihr ab dem Andenken des ihr immer noch theuern Oheims zuwandten . Um sie her gestaltete sich das Leben dagegen in allen Beziehungen , so vielen Ansprüchen gemäß , glücklich und befriedigend . Der junge Herzog durchzog seine reichen Besitzungen , und belebte die ganze Gesellschaft zu Streifereien mit ihm in den schönen Forsten und entfernteren Ansiedelungen . Es verging kein Tag , an dem man nicht theils zu Pferde , theils zu Wagen solche Unternehmungen vollführte , wobei sich das Interesse der verschieden Betheiligten vielfach anregte und aussprach . Lord Ormond blieb der fast ausschließliche Begleiter von Lady Maria und Ollony , während Richmond nicht selten den Wagen seiner Mutter begleitete oder sich den Fremden anschloß , die , stets im Schlosse anwesend , die Gesellschaft verstärkten . Eine kleine Grenzstreitigkeit mit Master Allincroff , gütlich durch die wohlwollenden Gesinnungen des jungen Herzogs beigelegt , hatte die Bitte dieses Master Allincroff unabweislich gemacht , auf der neugesteckten Grenze , welche in dem schönsten Eichen - Forste sich befand , seine nachbarliche Begrüßung anzunehmen und unter Zelten auf dem feinen Teppich der Moose einen Tag zu verleben . Nur die ältere Herzogin und Lady Dorset hatten sich der wohlgemeinten Einladung entziehen können , alle übrigen Bewohner von Godwie-Castle aber sich zu Pferde dahin aufgemacht . Die Herzogin und Lucie fuhren in der Mitte der Kavalkade auf dem etwas ungebahnten und steinigen Wege , der , von den bekannten Pfaden ablenkend , endlich in einen Hohlweg führte . Berg ab gehend zeigte sich eine höchst malerische , aber auch nicht ohne Gefahr zu passirende Straße , die so schmal war , daß der Wagen der Herzogin nur mit Mühe sich durcharbeiten konnte , die Reiter aber genöthigt waren , am Rande des Hohlweges die schmalen Jagdwege zu erklimmen . Master Allincroff hatte den Damen viel von der Schönheit dieser von Gießbächen und den schroffsten Felsenabhängen durchschnittenen Gegend zu erzählen gewußt , und Alle fühlten sich mit einer Art von Erregung diesen wildromantischen Scenen gegenüber , wobei die Schwierigkeiten , welche der Boden veranlaßte , die Heiterkeit und das Leben des ganzen Zuges erhöhten , und tausend kleine Neckereien und Scherze herbeiführten . Dadurch , daß die Reiter die Höhe des Hohlweges erstiegen hatten , war der Zug in Stocken und Unordnung gekommen , und Lady Maria hatte sich , ihres klugen Pferdes Führung vertrauend , von Ormond und Ollony getrennt , die , bei einander haltend , mit den Uebrigen die Einfahrt der Kutsche in den tief darunter liegenden Hohlweg abwarteten . In ihre Gedanken vertieft , hatte sie einen bedeutenden Vorsprung gewonnen und eben eine gelichtete Höhe erreicht , von wo aus sie über den Felsen hinweg einen Blick auf die Waldgrenze gewann , der sie eine Reihe bunt geschmückter Zelte und die zum Empfang bereiten Gäste des Master Allincroff erkennen ließ . Auch mußte sie als Vorbotin der Erwarteten erkannt sein , denn sie sah , wie man sogleich mit einer weißen Fahne in die Luft wehte , und im selben Augenblick erhob sich ein lustiges Gewehrfeuer aus allen Gebüschen des Waldes und Weges . Marias Pferd stieg einen Augenblick erschrocken in die Höhe . Doch besänftigt von der liebkosenden Hand und der sanften Stimme der Reiterin , schnob es nur muthig , war bald vertraut mit dem muntern Geplänkel , und trug nur desto stolzer sich und seine Führerin . Bei seinem ersten Schrecken hatte es sich jedoch gewendet , und nachdem Maria es zur Ruhe gebracht , schlug sie die Augen auf und nach dem Hohlwege hin , wo sie den Wagen der Herzogin erwartete . Doch welch ' ein Anblick bot sich ihr dort dar ! Die Pferde der Herzogin waren gleichfalls von dem unbesonnen angeordneten Lustfeuern erschreckt worden , aber nicht von besonnener Hand , wie Maria ' s Pferd , beruhigt , stürzten sie sich mit rasender Eile den gefahrvollen Weg hinab , warfen Vorreiter und Kutscher von ihren Plätzen , und jagten über den steinigen , ungleichen Felspfad dahin , der , bald nach der entgegengesetzten Seite seine hohe , schirmende Wand verlierend , hier an einer Tiefe entlang sich fortzog , die den schäumenden Gießbach in einem reißenden Bergstrome sammelte . Ein Blick ließ Maria ' s klares Auge die Gefahr übersehen , die hier fast unabweislich den Untergang der Herzogin und Luciens herbei führen mußte , wenn sie ohne Hülfe und Aufenthalt diesen entsetzlichen Punkt erreichten . Noch waren ihre Pferde trotz der Gedankenschnelligkeit ihres Laufes davon entfernt ; es blieb eine Möglichkeit , sie aufzuhalten , wenn eben in dem gefahrvollen Wege sich Jemand ihnen entgegen werfen konnte . Aber wo fand sich diese Hülfe ? In weiter Entfernung jagten die Reiter vergeblich dem rasenden Sturze nach , der sich unaufhaltsam und unerreichbar ihnen voranwälzte , und sie nur zu Zeugen des entsetzlichsten Unglücks , nicht zu dessen Abwendung herbei zu rufen schien . Maria war die einzige , die Vorsprung gewonnen hatte ; noch ein Mal schaute sie nach Hülfe umher - kein lebendes Wesen nahte den Weg hinauf . Da trat der Gedanke , der die angstvoll zuckende Brust erbeben ließ , mit begeisterter Klarheit hervor . Für Richmonds Mutter das Leben zu wagen , welch ' ein Hochgefühl in dieser liebenden Brust ! Mit Blitzesschnelle drückte sie das elastische Thier , das so stolz sich von der geschickten Hand seiner Gebieterin leiten ließ , in die Seiten ; es schüttelte sich vor der Tiefe , aber schnell geleitet von der begeistert blickenden Führerin , erreichte es mit einem leichten Satze einen kleinen Felsvorsprung , der die Tiefe zur Hälfte theilte , der zweite Sprung auf den Weg trieb sich von selbst und war unaufhaltsam . Fast ohne Besinnung von der doppelten Erschütterung des Sprunges , erreichte Lady Marie den Boden , aber gegen jede physische Schwäche lehnte sich das heldenmäßig pochende Herz so mächtig auf , daß die Kraft ihr ward , die ihr nöthig war . Ganz nahe schon schäumte der Zug daher . Die wüthenden Vorderpferde an den Zügeln zu ergreifen , das war die Aufgabe einer zarten Frauenhand , aber in dieser Hand lag die ganze Kraft des Herzens concentrirt , das zu lieben und zu sterben verstand . Ihr eignes zitterndes Pferd in halber Richtung lenkend , streckte sie sich , von ihm seitwärts gebogen , dem entsetzlichen Laufe entgegen . Er hatte sie schneller erreicht , als Worte es auszudrücken vermögen . Wohl stutzten die wilden Rosse ob des Widerstandes , aber wie hätte er sie aufhalten können , hätte nicht Lady Maria ' s Pferd , in so nahe Berührung mit seinen schäumenden Gefährten versetzt , erhitzt und erschreckt , einen angstvollen Satz in die Mitte des Weges gemacht und dadurch , gleichsam sich entgegenbäumend , sich mit den Vorderpferden verwickelt , wodurch das linke Pferd stürzte und nun von selbst sich gleichsam ein Knäuel der darüber hin strauchelnden Pferde bildete . Der Wagen stand , blos zuckend noch hin und hergerissen von den arbeitenden Pferden . Lady Maria war einen Augenblick in diesem Knäuel verwickelter Pferde fast vergraben Aber das edle Thier , das sie trug , und auf dem sie noch immer , Besinnung behaltend , sich krampfhaft festhielt , doch ohne ihm eine Richtung geben zu können , riß sich selbst mit stolzer Wildheit von seinen tollen Gefährten los , und frei sich machend durch einen weiten Satz , tauschte es jetzt seine Freiheit um die scheueste Angst , sie wieder zu verlieren , und flog in gejagter Flucht den gefahrvollen Weg hinab . Maria ' s Besinnung umhüllte sich , ihr Kopf streifte ein paar Mal gegen die niederhängenden Aeste der Bäume , sie sah nichts mehr deutlich und fühlte nur eine heftige schmerzhafte Erschütterung , die sie von da an ihres Bewußtseins gänzlich beraubte . Die nachfolgenden Reiter , unter ihnen Richmond zuerst , hatten mit dem größten Schreck das Unglück gesehen , das die unzeitigen Höflichkeiten des Master Allincroff über sie verhängten . Es blieb ihnen nichts übrig , als der Versuch , den Wagen zu überreiten , und dies war ein Versuch , den alle Männer unternahmen , all mit trostloser Gewißheit der Unmöglichkeit des Gelingens . Doch hatte Richmond in verzweifelter Anstrengung fast sein Ziel erreicht ; da sah er das fabelhafte Unternehmen der Lady Maria , welche wie ein Geist aus der Luft in zwei gewagten Sprüngen auf ihrem Schimmel die Luft durchschnitt ; er sah sie im nächsten Augenblicke sich in einen fast gewissen Tod stürzen , sah sie verwickelt in den Knäuel der wüthenden Pferde , und sah um diesen hohen Preis den Stillstand des Wagens erkauft , jetzt aber auch sie emporgerissen durch ihr wild gewordenes Pferd und von demselben Schicksal erreicht , welches sie von seiner Mutter abgewendet . Im selben Augenblicke sah er diese von den Nacheilenden erreicht , sie selbst in der Mitte des Wagens gesund , lebend aufgerichtet , in ihrem Schooße Lucie , in ihre Kleider schützend gehüllt , das blasse , bethränte Lockenköpfchen hervorstreckend . Ein flüchtiger Blick gab ihm hierüber Sicherheit ; er übersprang daher mit seinem flüchtigen Pferde diese Gruppe , Maria nacheilend . Es war vergeblich ; er konnte ihr Schicksal nicht mehr abwenden . Ehe er sie erreichte , sah er sie widerstandslos vom Pferde herabhängen , dann bei einer ungestümen Bewegung desselben zur Erde fliegen . Im nämlichen Augenblicke hatte er sie fast erreicht , sich vom Pferde herab neben sie niedergeworfen . Ein Strom von Blut quoll ihr aus dem bleichen Munde , die Besinnung hatte sie gänzlich verlassen . Als Maria zuerst die Augen aufschlug und die gestörte Geisteskraft sammelte , glaubte sie , der Tod habe sie wirklich von allen Qualen erlöst und der Himmel seine Seligkeiten aufgethan . Auf duftigem Moose , über ihr ein luftiges Zelt von Laub und Blumenkränzen , in den Armen der Herzogin ruhend , die sie mit Blicken der Liebe und Angst betrachtet , zu ihren Füßen Richmond knieend , ihre Hände in den seinigen gefaßt , bleich mit dem Ausdruck der Züge , für den es nur eine Auslegung giebt , sich selbst in einer himmlischen Ermattung fühlend , in einem Zustande , der alle Kräfte gebunden hält und doch der süßeste Traumzustand ist , - schien sie , versöhnt , aller Noth entladen , den Seligen schon zugesellt . Indem trat Stanloff hervor und erkannte das wiederkehrende Leben , welches Beide , in Schmerz versenkt , nicht wahrgenommen . Sie lebt ! sagte er leise . Großer Gott ! rief Richmond , ist es Wahrheit , Möglichkeit ? Sie lebt ! rief er , einen Blick auf sie werfend , dann sprang er auf , und die Arme hoch empor gehoben , stürzte er zum Zelte hinaus . Maria hörte , wie er es dort noch ein paar Mal den wahrscheinlich seiner Botschaft Harrenden wiederholte , und fast im selben Augenblicke lag er wieder zu ihren Füßen und blickte sie an mit dem Jubel der seligsten Freude . Ein Paar warme Tropfen fielen auf Maria ' s bleiches , kaltes Gesicht . Sie blickte auf , und die strengen Augen der Herzogin , in Liebe gebrochen , waren der Quell . Seid vor Allem ganz ruhig , theures Kind ; Euer Leben und unser aller Ruhe hängt daran ! sagte sie mit weicher Stimme , als Maria einen Versuch zum Sprechen machen wollte . Stanloff versuchte jetzt , ihr Tropfen einzuflößen , und redete die Herzogin mit der Bitte an , sich selbst einige Ruhe zu gönnen , da die beschwerliche Stellung , der sie sich unterzöge , sie zu sehr angreifen würde . Redet mir nicht von Ruhe , erwiederte sie ernst ; sie hat nicht an sich gedacht , als sie ihr Leben wagte , das meine zu retten ; jede Bewegung kann den schrecklichen Blutstrom erneuen ; ich danke Gott , daß sie Ruhe in dieser Stellung findet . O , meine Mutter ! rief hier Richmond und drückte sein Gesicht in die Hand der Herzogin . Etwas lebhaft zog sie die Hand zurück . Wir haben alle , denke ich , Fassung und Mäßigung in unser Betragen zu legen , da jede Gemüthsbewegung der Kranken tödtlich werden kann . - Das werde ich auch können , rief Richmond und stand von seinen Knien auf ; sagt nur , Stanloff , wenn ich gehen muß , ich will alles thun , was nöthig ist . Es möchte allerdings die höchste Ruhe zu empfehlen sein , erwiederte Stanloff . Nun , so sei Gott mit Euch , rief Richmond , sich zu Maria beugend , und die Engel , die Euch lieben , mögen Euch erretten . Maria sah ihm nach , und ihre Seele sagte : Du bist mein Engel und Du heilest mich ! Das Fest des Master Allincroff war nach allen Seiten hin zerstoben . Man hatte die lustigen Zelte im Waldgrunde nur zu erreichen gestrebt , um die sterbende Lady Melville dort sanfter zu betten . Niemand dachte nur des Festes ; Alles war in Aufregung und Bekümmerniß , in gespannter Erwartung des Ausspruchs Stanloffs , dem keine vorzeitige Aeußerung zu entlocken war , und der Alles davon abhängen ließ , ob die gewaltsam gesprengte Ader der Brust sich geschlossen habe oder fortbluten werde . Die Herzogin schien aufs Tiefste von dem Opfer erschüttert , welches Maria zu ihrer Lebensrettung gebracht ; sie hatte , ihre völlige Besinnung behauptend , mit unbeschreiblicher Angst das verzweifelte Unternehmen vor ihren Augen sich begeben sehen . Ihre dadurch bewirkte Rettung schien ihr keinen Antheil zu erwecken , und sie machte sich fast ungeduldig von ihren Kindern los , sogleich zu Fuße Richmond nacheilend , indem sie rasch rief , er habe das Zweckmäßigste gethan . Stanloff folgte , und als man Maria in ihrem Blute fand , das wie ein Quell aus ihrem Munde floß , schien sie , einen Augenblick von Trostlosigkeit überwältigt , sympathetisch mit Richmond zu fühlen , der , die Verunglückte am Boden stützend , mit allen Ausbrüchen des Schmerzes und der Liebe ihren Namen rief . Es ward , von Allen betrieben , bald eine Bahre von den Polstern des Wagens verfertigt , auf der man Maria sanft in das Thal zu den lustigen , blumengeschmückten Zelten niedertrug , wo sie der trostlose Geber des Festes empfing , der sich als die nur zu gegründete Ursache dieses Unglücks ansehen durfte . Stanloffs Bemühungen war es gelungen , den entsetzlichen Blutsturz zu hemmen . Seit vier Stunden hatte sich das Blut nicht mehr ergossen , er verlangte aber vier und zwanzig Stunden Ruhe , ehe irgend eine weitere Transportirung zuzulassen sei . Die Herren ertheilten nun die Anordnungen , wie das luftige Zelt zu einer Herberge für die Nacht einzurichten sei , und alle übrigen Zelte wurden ihres Inhalts entkleidet , um dies eine damit auszustatten . Die Herzogin , Ollony , Richmond und Stanloff waren entschlossen , die vorgeschriebenen vier und zwanzig Stunden bei der Kranken zu bleiben . Der Herzog und die übrigen Damen sollten gegen Abend nach dem Schlosse zurückkehren , und alles herbeischaffen lassen , was zum Transport der Kranken für den andern Tag nöthig wäre . Master Allincroff entließ seine übrigen Gäste und erklärte sich entschlossen , mit seinen Leuten das Zelt der Herzogin zu bewachen und zu jeder nöthigen Veranstaltung während der Nacht bereit zu sein . Die Herzogin gestattete endlich , da Maria ' s Zustand sich gleich blieb , daß Ollony ihre Stelle an deren Lager einnahm , und Richmond hielt sich am Eingange des Zeltes bereit , Stanloff mit jeder Dienstleistung zu unterstützen . Gegen Morgen fiel die Kranke in einen sanften Schlaf , und als der Gesang der Vögel sie mit der Sonne erweckte , wurden Alle überrascht und erfreut , als sie mit kräftiger , klarer Stimme Ollony anredete und lächelnd fragte , ob sie wirklich lebe oder im Paradiese sei ? Stanloff gab nun einige freundliche Worte der Hoffnung , und als die langen vier und zwanzig Stunden ohne neues Oeffnen der Ader vorüber gegangen waren , trat man , mit vorsichtig eingerichteten Anstalten vom Schlosse hinreichend versehen , den gefürchteten Rückweg an . Als Maria auf ihrer Bahre in den Schloßhof getragen ward , hatten sich alle Bewohner desselben in schmerzlicher Unruhe versammelt , sie zu empfangen , und die lauteste Theilnahme , das Schluchzen der Frauen und Kinder , zeigte hinreichend , wie geliebt das Fräulein von Allen war . Die Herzogin , die kurz vorher zu Wagen eingetroffen war , stand mitten unter ihnen , sie war selbst so mit dem Ereignisse beschäftigt , schien so besorgt und geängstigt über den Erfolg der Bewegung , die der Kranken , trotz des sorgsamsten Tragens , nicht zu ersparen war , daß sie alles Andere um sich unbeachtet ließ . Maria , mit offenen Augen , aber todtenbleichem Angesicht , lächelte hold wie ein verklärter Engel zu Allen . Sie fühlte einen Frieden , eine Seligkeit in ihrem Innern , worauf selbst der Gedanke ihres noch möglichen Todes keinen Einfluß üben konnte . Ach ! der Thränen werth schien sie sich , als sie Tages vorher anscheinend blühend und gesund über die Höfe ritt , und als ob sie jede Theilnahme , jeden Schmerz unrechtmäßig errege , bemühte sie sich , in ihren Zügen den Zustand ihrer Seele auszudrücken . Die Herzogin befahl , die Bahre nach ihrem Schlafgemach zu tragen , und Maria fand dort Alles zu ihrem Empfange sorgfältig geordnet . Die Herzogin erklärte , die Pflege der Kranken mit Morton allein übernehmen zu wollen , und Maria konnte nichts , als die sorgfältig ordnende Hand an ihre Lippen drücken . Der Erfolg lohnte so mütterliche Sorgfalt . Es erfolgte kein neuer Blutverlust , die Kräfte ersetzten sich schnell , und Maria verließ bald Bett und Zimmer , und streifte , nicht minder schön bei der blässeren Farbe der Wangen , durch Schloß und Park . Das Ereigniß schien ein neues Band um Alle geknüpft zu haben . Die Herzogin hatte , von Dankbarkeit hingerissen , in ihrer Liebe gegen Lady Maria , die immer nur wie unterdrückt in ihr fortbestanden zu haben schien , so lebhaft und ohne Rückhalt sich gezeigt , daß Alle , belebt durch das Gefühl ihrer großmüthigen Aufopferung für das Leben der theuern Mutter , sich um sie als den Mittelpunkt aller Bemühungen versammelten . Auch schien nichts mehr den eigenen Frieden ihr zu stören . Ein stilles Genügen an Allem , wie es war , eine Anhänglichkeit an den Platz , wo ihr so viel Liebe entgegen trat , eine kaum verhehlte Scheu vor jeder möglichen Veränderung dieser Lage , tröstete ihre Freunde selbst über das Mißlingen von Brixtons Unternehmungen mit der Hoffnung , das Fräulein werde eine solche Nachricht mit minderem Schmerze ertragen , wenn sie sich in ihrem jetzigen Verhältniß glücklich fühle . Die Gesundheit der jungen Lady ward aber von ihnen allen als ein Gut betrachtet , für das sie einstehn müßten , und zu ihrer Schonung und Pflege erschien sie noch nicht bei den größeren Versammlungen der Familie , und blieb , mit Ausnahme kleiner Spaziergänge , auf ihre Gemächer beschränkt . Ein größerer Kreis von Fremden , der im Schlosse versammelt war , hatte sich bereits zerstreut , und man genoß der größeren Stille , die der Familienkreis darbot , zugleich mit der Hoffnung , Stanloff werde dem Fräulein bald darin einzutreten erlauben . Man hatte sich an einem schönen Abend auf den Terrassen versammelt , und heiter mit Stanloff um das Gewünschte streitend , hatte man ihm eben die Zusicherung entlockt , das Fräulein bald zu ihnen hinab zu führen , als die Hörner auf den Wart-Thürmen neue Fremde ankündigten und dem Herzog die Meldung gemacht wurde , daß sich ein kleiner Trupp Reiter dem Schlosse nähere . Sir Ramsey , der dazu beauftragt war , die Fremden zu bewillkommnen und ihnen entgegen zu reiten , entfernte sich zu diesem Ende , und Stanloff , seines Auftrags unter diesen Umständen entlassen , eilte , seine Schutzbefohlene in ihren Gemächern aufzusuchen . Doch mußte Sir Ramsey seinen Weg in kurzer Zeit zurück zu legen sich beeilt haben , denn mit glühendem Gesicht und in der vollsten Aufregung sehn wir ihn über die Terrassen zurück eilen , und sich dem Herzoge nähern , der im Kreise der Uebrigen der neuen Ankündigung harrte . Nun , sagte er lächelnd , Ramsey ' s Eile bemerkend , Du scheinst uns sehr Wichtiges mitzutheilen zu haben . Wer beehrt uns mit seinem Zuspruch ? Ich hoffe angenehme Nachrichten zu empfangen . Der Besuch , der Euer Durchlaucht beehrt , folgt auf dem Fuße ; die Meldung kam zu spät , ihn mit allen Ehren empfangen zu können . Es ist mir untersagt , ihn zu nennen ; doch bitte ich unterthänigst , daß Euer Durchlaucht sich bis in den Schloßhof ihm entgegen bemühn . - In Wahrheit , fuhr der Herzog mit guter Laune fort , Du bist sehr feierlich und auf die Ehrenbezeigungen Deiner Gäste sehr bedacht ; doch wir folgen Dir , denn Du bist ein zu guter Seneschall , um Deinem Rathe nicht vertrauen zu dürfen . Thut dies , gnädigster Herr ! sagte Ramsey , unruhig nach den Hallen blickend . Es zeigte sich jetzt , daß die Ungeduld des eifrigen Seneschalls nicht ohne Grund war , denn mehrere Herren , denen einer mit der vollen , schnellen Haltung , welche den gewohnten Vortritt verkündigt , voranschritt , traten so eben aus der mittelsten Halle auf die Terrasse . Der Herzog eilte ihnen entgegen , aber der Herr , der das Barett tief in die Augen gedrückt hatte , übersah flüchtig , fast abwehrend grüßend die Bewillkommnung des Herzogs , und dem Kreise der Damen entgegen eilend , näherte er sich so schnell der verwitweten Herzogin , daß er fast allein plötzlich vor ihr stand . Wollt Ihr erlauben , daß ein alter Freund unangemeldet alte Freundschaft und Gastlichkeit in Anspruch nimmt , sprach der Fremde , indem er rasch den schwarzen Mantel , der ihn fast verhüllte , zurückschob , den Kopf entblößte und der überraschten Herzogin das schöne , ernste Antlitz Carls des Ersten zeigte . Mein König ! rief die Herzogin in der höchsten Bewegung . Der König ! wiederholten Alle . Der König wandte sich nun , mit Anmuth grüßend , zu allen Anwesenden , und mit besonderer Hochachtung zu der edlen Mutter seines verstorbenen Freundes . Die augenblickliche Verlegenheit , die diesem unerwarteten , fast unerklärlichen Ereigniß folgte , da man den König seiner jungen Gemahlin harrend glaubte , und jeden Augenblick die Meldung ihrer Landung ihn alsdann ihr entgegen nach einer ganz andern Richtung führen mußte , wich doch bald der Nothwendigkeit , jedes Erstaunen zu unterdrücken , welches der König erwarten durfte erregt zu haben . Derselbe schien jedoch so ernst nachdenkend und wie von einem Gedanken vorherrschend beschäftigt , daß man sich unbeachtet in seiner Gegenwart glauben konnte ; nur die verwitwete Herzogin und Lord Richmond machten davon eine Ausnahme . Die Herzogin hatte den ganzen Abend seine zahllosen Fragen zu beantworten , welche unverkennbar irgend einen Zweck hatten , und sich alle um die Reise ihres Gemahls seinen letzten Willen und ihr eignes Leben seit dessen Tode drehten . Eben so Lord Richmond . Der König blickte ihn mit langen prüfenden Blicken an , während er mit der Herzogin redete , und Jeder sah , daß dieser seine vorzügliche Aufmerksamkeit fessele . Unser erstes Zusammentreffen , Lord Derbery , sprach er freundlich , war ernster Art , gereichte Euch aber so sehr zur Ehre , daß Ihr es nicht anders wünschen könnt . Der erste wichtige Moment meines Lebens , unter den Augen Euer Majestät bestanden , erwiederte Richmond bewegt , möge alle folgenden der Art heiligen ! So ! sagte der König mit beinahe wankender Stimme ; habt Ihr seitdem fortgefahren , das Werk ritterlichen Schutzes zu üben ? Richmond blickte überrascht den König an und traf auf das prüfende , ausdrucksvolle Auge desselben , worin etwas lag , das er nicht verstand . Die Gelegenheit soll mich entschlossen finden , hoffe ich , erwiederte er ; doch zu suchen braucht sie der Mann nicht . Brav , brav ! rief der König , und ich glaube , der Muth , der zu seiner Befriedigung die Gefahren veranlaßt , die er zu bestehen trachtet , führt mehr Unheil herbei , als ihm abzuwenden gestattet ist . Er ward nach diesen Worten aufs Neue still und nachdenkend , und erhob sich sodann , um sich früh in seine Zimmer zurück zu ziehn , kündigte seine Abreise auf den andern Tag an und erbat sich , die Zimmer des verstorbenen Herzogs bewohnen zu dürfen . Das zurückbleibende Gefolge des Königs bestätigte vollkommen die Ansicht , daß dieser auffallenden Reise eine Absicht von der höchsten Wichtigkeit zum Grunde liegen müsse , da die alle Kräfte anspannende Schnelligkeit , wie das anbefohlene strenge Geheimniß , den unpassenden Zeitpunkt derselben schien vermitteln zu sollen , und sie vom Könige beschlossen ward , als er vom Sterbebette seines alten Kammerdieners , des Master Porter , kam . Die Herzogin sah , trotz ihrer kalten Haltung , mit einiger Spannung dem andern Morgen entgegen , der ihr in einer vom Könige erbetenen geheimen Unterredung den wahrscheinlichen Grund seiner Reise offenbar machen sollte . Der König , der schon beim Eintritte in die Gemächer seines Freundes eine lebhafte Bewegung gezeigt hatte , entließ , sich nach Einsamkeit und Ruhe sehnend , sobald es möglich war , die Herren des Hauses , wie seines eigenen Gefolges und durchschweifte nun mit großen Schritten die schönen Räume . Porters naher Tod und die Qualen der Sterbestunde , die den Unglücklichen im doppelten Kampf des Geistes und Körpers zu Theil wurden , hatten endlich das lang unterdrückte Gefühl für Recht über alle Sophismen einer jesuitischen Erziehung siegen lassen . Er sah wohl ein , daß die Spur zur Auffindung der unglücklichen Lady Maria , die er durch Lanci gegeben , ihr nur eine höchst bedingte und zweifelhafte Rettung werden würde , so lange der König an ihren Tod glaubte und ihr nicht unmittelbaren Schutz verleihen konnte . So überwand er jede andere Rücksicht und offenbarte seinem grausam betrogenen Herrn sein ganzes tief verworrenes Leben in allen seinen Beziehungen zu der unglücklichen jungen Dame . Mit welchem Erzürnen auch der König eine solche empörende Beichte anhören mochte , der Gedanke , sie lebe und sei ihm wieder zu gewinnen , löschte jede andere Regung in ihm aus , und er sah Porter als seinen größten Wohlthäter an , als habe mit diesem letzten Dienst ein ganzes Leben voll Verrath und Lüge die Weihe der Tugend bekommen . Porter empfahl noch mit sterbender Stimme dem Könige , Niemandem zu vertraun , selbst Godwie-Castle aufzusuchen , wo er sie - gelang Lord Richmonds Versuch - finden müßte ; denn Porter hatte nur zu viel Ursache , zu glauben , die heiligen Väter hätten , ihm unbewußt , den Platz bereits mit andern Kundschaftern besetzt , von dem sie ihn bald durch den Tod abgesetzt wähnten . Der König gab sich nach dieser Entdeckung ganz seinem ungestümen Herzen hin , in dessen Folge wir ihn in einem so kritischen Augenblick den Weg antreten sehn , von dessen glücklichem Erfolg er sich alles Glück versprach , dessen er sich noch fähig hielt . Nachdem er die Gesuchte unter den versammelten Damen nicht gefunden und durch Lord Richmonds Anwesenheit sich doch überzeugt hatte , es müsse irgend etwas sich ergeben haben , fühlte er eine Muthlosigkeit des Geistes , die es ihm unmöglich machte , sich an demselben Abend noch Gewißheit zu verschaffen . Er hatte überdies in den Gemächern seines Freundes noch ein wichtiges Dokument aufzusuchen , und wir sehn ihn jetzt in das Schlafgemach treten , wohin wir früher die Herzogin begleitet haben . Derselbe Gegenstand war auch das Ziel des Königs ; die Holzwand wich dem bekannten Drucke , das schöne Bild lächelte ihm entgegen und machte alle Wunden seiner Brust aufs Neue bluten . Wir enthalten uns , eine Stimmung der Seele zu belauschen , worin dieser zum Unglück bestimmte Monarch von seiner Jugend und allen ihren Hoffnungen Abschied nahm . In ewiges Dunkel begraben blieb der