und Abkühlen sich in Arzenei verwandelt . Schnell und schön gingen die letzten Freudentage über die Insel hinüber , die nach dem Regen wie ein deutscher Garten grünte . Die weiche kühle Luft - die Myrten- und die Orangendüfte einzelne Glanzwolken am warmen Himmel - der Zauberrauch der Küsten - die goldne Sonne am Morgen und am Abend - und die Liebe und die Jugend schmückten und krönten die einzige Zeit . Hoch brannte auf der blühenden Erde die Opferflamme der Liebe in den blauen stillen Himmel . Wie zwei Spiegel voreinander stehen und der eine den andern und sich und die Welt abmalt und der andere alles dies und auch die Gemälde und den Maler : so ruhten Albano und Linda voreinander , Seele in Seele ziehend und malend . Wie der Montblanc herrlich sich im stillen Chedersee hinabspiegelt in einen blassern Himmel : so stand Albanos ganzer fester lichter Geist in Lindas ihrem . Sie sagte : er sei ein Redlicher und Edler zugleich und habe , was so selten sei , einen ganzen Willen ; nur woll ' er , wie oft die Männer , noch mehr lieben , als er liebe , und daher merk ' er seine stille Erbsünde vor Selbstsucht nicht genug . Gegen nichts sträubt ' er sich zorniger und aufgebrachter als gegen den letztern Tadel , und er vergab ihn niemand als der Gräfin . Er widerlegte sie , so stark er konnte ; aber ihre Meinung wurde durch die beste Vertilgung nur eine Scheinleiche und trat ihm in der nächsten Stunde wieder lebendig entgegen . Mit sich wurd ' er durch sie näher bekannt als mit ihr selber . Er nannte sie die Uranide , weil sie ihm wie der Himmel zugleich so nahe und so fern erschien ; und sie hatte nichts gegen diesen vollen Lorbeerkranz . Es gibt eine himmlische Unergründlichkeit , die den Menschen göttlich und die Liebe gegen ihn unendlich macht ; so ließen die Alten die Freundschaft die Tochter der Nacht und des Erebus sein . Wenn Albano so über den weiten reichen Geist Lindas hinsah - sie , zugleich ihrer Liebe lebend und jede fremde beschirmend und doch gleichsam vom Wissens-Durste trunken - zugleich ein Kind , ein Mann und eine Jungfrau - oft hart und kühn mit der Zunge , für und gegen Religion und Weiblichkeit und doch voll der zärtesten kindlichsten Liebe gegen beide - glühend zerschmelzend vor dem Geliebten und schnell erstarrend bei kaltem Anrühren - ohne alle Eitelkeit , weil sie immer vor dem Throne einer göttlichen Idee stand und der Mensch nie eitel ist vor Gott , aber sich alles zutrauend und vor niemand demütig , ohne doch sich oder andere zu vergleichen voll männlicher kecker Aufrichtigkeit und voll Achtung für Gewandtheit und listigen Welt-Verstand - so ohne Eigennutz und kindlich über Frohe froh , ohne besondere Sorge und Achtung für Menschen - so unbeständig und unbiegsam , jenes in Wünschen , dieses im Wollen - aber ewig ihr Auge und Leben gegen die Sonne und den Mond des geistigen Reichs , gegen Würde und Liebe gerichtet , gegen das eigne und gegen ein geliebtes Herz : wenn Albano das alles vor sich spielen und weben sah , so lebt ' er gleichsam auf dem einfachen und doch unabsehlichen , dem beweglichen und doch allgewaltigen Meere , dessen Grenze bloß der klare Himmel ist , der keine hat . An dem Himmel der drei Liebenden erschien endlich die Morgenröte des Reise-Tages . Es wurde von beiden Freundinnen bestimmt , daß Albano sie nur bis Neapel , wo ihre Leute ihrer warteten , begleiten - dann sie in Rom einmal zufällig - dann auf Isola bella zum letzten Male zufällig finden dürfte ; eine sehr unfreundliche Unterwürfigkeit unter den Welt-Schein , auf welche aber Linda so stark als Julienne drang und zu welcher selber Albano , durch seine Geburt mehr zum Standes-Zwange abgehärtet als ein bürgerlicher Jüngling von gleicher Seele , leicht das schmerzliche Ja unter dem schweren Schleier aller Verhältnisse hergab . Julienne entschied über alle kleinern Maßregeln ; sie war auf der ganzen Reise die Geschäftsträgerin der Gräfin gewesen , die , wie sie sagte , nicht Kopf genug habe , um sich einen Hut darauf zu kaufen , so rasch , geldvergessen und träumend sei sie . Die Schwester war so munter und ganz hergestellt , sagte aber , alle Fünfunddreißig heiße Quellen der Insel hätten nicht halb so viel für ihre Genesung getan als ebenso viele Freudentränen , die sie zum Glück vergossen habe . Sonderbar erschien alles um sie am Reise-Morgen : ein helles warmes Gewölk ' vertropfte silbern - die Sonne schien zwischen zwei Bergen darein - die entzückten Eiländer sangen ein neues Volkslied unter der Regen-Ernte oder Tropfen-Lese - indes ihre Freunde eilig von den Wellen aus ihrem Freuden-Kreise weggezogen wurden . Agata stand , um sich zu kühlen , mit einer Schlange in der Hand am Ufer , und Albano fühlte dabei einen Schmerz , den er sich nicht zu erklären wußte . Jetzt warf der Epomeo den Wolken-Himmel auseinander , und glänzende Wolken-Stücke zogen langsam ihnen voraus , nach dem Apennin , dem Norden zu , dem Wohnhimmel der Nebel , und schnell und leicht glitten die Schatten des Himmels über die wimmelnden Wellenspitzen . » Immer « ( sagte Albano , nach der nach Westen zurückschwimmenden Insel blickend ) » bestehe mit deinem Berg ; nie reiße ein Unglück das schönste Blatt aus dem Buche der Seligen ! « - » Wie wird es mit uns allen sein , « ( sagte Linda ) » wenn wir einmal wiederkommen und den schönen Boden wieder suchen ? « - Da erblickten sie einen hochgewölbten Regenbogen , der halb auf der Insel und halb auf den Wellen stand , die ihn wie einen gewölbten bunten Wasserstrahl auf das Ufer auszuwerfen schienen » Wir werden « ( sagte Julienne entzückt ) » durch den Bogen des Friedens eingehen . « Bei diesem Worte verschwand der Regen und der Farbenkranz ; und allein die Sonne glänzte hinter ihnen . Durch den Fackeltanz der Wellen lief die Fahrt . Die Fernen glänzten und dampften herrlich . » Warum ergreifen die Fernen so mächtig die Seele , obgleich aus denselben Farben wie die Nähe gemalt ? « sagte Albano . » Das ist eben die Frage « , sagte Dian . Gewaltig lag das Meer wie ein Ungeheuer an den Küsten über ihren ganzen Weg nach Rom hin ausgestreckt und hob die Schuppen von Wellen auf und nieder . Albano sagte : » Da ich auf dem Vesuv das Gebürg ' ansah und das Meer : so dacht ' ich daran , wie klein und falsch teilet der enge Mensch die zwei Kolossen der Erde in kleine benannte Glieder entzwei und tut , als reiche nicht dasselbe Meer um die ganze Erde . « Seine Freundinnen konnten , zu innig und trübe bewegt , nichts antworten , und vor den fremden Augen standen ihnen keine Worte , kaum Blicke frei . Als Albano wieder das Schlachtfeld der Zeit , die Ruinen-Küste , näher sah , die den Mann ewig fassen und heben - die alten Tempel und Thermen , wie alte Schiffe auf dem Lande sterbend - hier einen niedergedrückten Riesentempel , dort eine Stadtgasse unten auf dem Meersboden193 - die heiligen Gedächtnissäulen und Leuchttürme voriger Größe leer und ausgelöscht neben der ewig jungen Schönheit der alten Natur : so vergaß er die Nachbarschaft seiner eignen Vergänglichkeit und sagte zu Linda , deren Auge er dahin gerichtet : » Vielleicht errat ' ich , was Sie jetzt denken , daß die Ruinen der zwei größten Zeiten , der griechischen und römischen , uns nur an eine fremde Vergangenheit erinnern , indes andere Ruinen uns nur gleich der Musik an die eigne mahnen , das dachten Sie vielleicht . « - » Wir denken hier gar nichts , « ( sagte Julienne ) » es ist genug , wenn wir weinen , daß wir fort müssen . « - » Wahrlich , die Prinzessin hat recht « , sagte Linda und setzte wie unmutig über Albano und alles dazu : » Und was ist das Leben weiter als eine gläserne Himmelspforte ? Sie zeigt uns das Schönste und jedes Glück , aber sie ist doch nicht offen . « Durch Zufälle fremder Umgebung waren sie gezwungen , sich mit kaltem Scheine zu verlassen und nach der Gewohnheit des neckenden Schicksals eine große Vergangenheit mit einer kleinen Gegenwart zu beschließen . Albano reisete , so schnell sein Sinn es vermochte , über die erhabne Welt um ihn her . Als er in Mola ankam , hört ' er die seltsame Nachricht , daß man in Gaeta eine ganze lederne Kleidung mit einer Maske weit im Meere schwimmend gefunden , die des aufgefahrnen Mönchs seine gewesen sein müsse und bei welcher man nichts so unbegreiflich gefunden als die Leerheit ohne einen toten Leib . - In Mola verduftete endlich die schöne Ischias-Insel , die hohe Himmelsburg , und der steigende Pol bedeckte unter andern südlichen Sternbildern auch dieses warme , das mit Glückssonnen so lange über ihm geschimmert ; und der letzte Stern des kurzen Frühlings ging hinab . Das ist das Leben , das ist das Glück . Wie der spielende Mond besteht es aus ersten und letzten Vierteln , und langsam nimmt es zu und langsam ab - in seiner Hoffnung , in seiner Furcht - ; ein kurzer Blitz ist der Vollmond der innersten Entzückung , eine kurze Unsichtbarkeit der Neumond der innersten Öde ; - und immer hebt das leichte Spiel wie der Mond seinen Kreis von neuem an . Dreißigste Jobelperiode Tivoli - Streit - Isola bella - die Kinderstube - die Liebe - Abreise 116 . Zykel Albano trat wieder bei dem Fürsten Lauria ab , der bisher in einem solchen Zustrom neuer Begebenheiten geschwommen war , daß er die Abwesenheit kaum innen geworden und sich über die Wiederkunft wundern wollte . Es war unterdessen der deutsche Krieg gegen Frankreich festgesetzt worden . Diese Botschaft trug er seinem Enkel voll von der freudigen Erwartung entgegen , welche große Szenen ein solcher Kampf entfalten müsse . Auch Albano wurde lange mit ihm von diesem hohen Strome gezogen , eh ' er daran dachte , daß diese Nachricht anders und niederschlagender auf seine Schwester wirken würde als auf ihn . Aber das heroische Feuer , in welches er sich mit dem politischen Lauria hineinsprach , spielte ihm einen leichten Sieg über die schwesterliche Liebe vor . Er wollte den Freundinnen seine Ankunft sagen , als er vom Fürsten vernahm , daß beide , wie er von der Fürstin Altieri , bei der sie wohnten , gehört , schon nach Tivoli gegangen . - Wie glücklich reisete er , die freundliche Absicht dieser Zwischenreise erratend , aus dem von Liebe und Frühling strahlenden Rom und sah ebenso heiter nach der Zukunft , wo sein Leben sich blühend auseinanderschlug , als nach Tivoli , wo er zwei Herzen an eines zu drücken hoffte . Er fand , da er in der Stadt Tivoli ankam , die feurigen Mädchen schon entwichen nach der Kaskade . Wie ein Mensch im Tempe-Tal oder vor dem Genfersee nur im unachtsamen Traum am Ufer vor den Wasserbildern des Himmels und der Erde vorübergeht , weil ihn die blühenden Urbilder rings umher umfangen und entzünden : ebenso glitten die Felsen der bevölkerten Landschaft und der runde Vestas-Tempel und die ineinanderfließenden Täler vom römischen Tore an bis zum Tempel , diese glänzenden Reihen glitten nur als Traum- und Wasserbilder vor dem Herzen vorüber , worin eine Geliebte lebendig blühte und mit der Fülle einer Welt eine Welt verdrängte . Er irrte unter dem Gewühle der Aussichten umher , ohne die schönste zu finden , als ihn ein kurzer blaßgelber reichgekleideter Mensch mit eingeschrumpftem Gesichte erblickte und mit dem seidnen Arm auf den Weg zur Kaskade zeigte , ungefragt sagend : wenn er die Damen suche , so seien sie bei der großen Kaskade . Albano schwieg , ging weiter , sah zwei und erkannte Linda an ihrer hohen Gestalt . Endlich sahen , fanden , umfaßten sich die drei Menschen , und der herrliche Wassersturm wehte in die Entzückung . Linda sagte zärtliche Worte der Liebe und glaubte stumm zu sein , denn das schöne Gewitter aus Strömen zerriß die zarten Silben wie Schmetterlinge . Sie hatten sich nicht gehört und standen , schmachtend nach ihren Lauten , umrungen von fünf Donnern , mit weinenden Augen voll Liebe und Freude voreinander . Heilige Stelle , wo schon so viele tausend Herzen heilig brannten und selig weinten und sagen mußten : das Leben ist groß ! - Heiter und fest glänzt in der Sonne oben die Stadt über dem Wasser-Krater dahin - stolz schauet Vestas zerrissener Tempel , mit Mandelblüte bekränzt , von seinem Felsen auf die Strudel nieder , die an ihm graben - und ihm gegenüber spielet der strudelnde Anio alles auf einmal vor , was Himmel und Erde Großes hat , den Regenbogen , den ewigen Blitz und den Donner , Regen , Nebel und Erdbeben . Sie gaben sich Zeichen , zu gehen und das stillere Tal zu suchen . Wie klangen ihnen darin die Worte Bruder , Schwester , Linda wie neue Menschenlaute im Paradies ! Hier , ehe sie den Hügel voll neuer Wasserstürze , Blitze und Farben bestiegen , suchten sie sich ihre Reisen und ihre Nachrichten einander zu erzählen . Julienne berichtete die frohe , ihr Bruder , der Fürst , gebe wieder Hoffnung der Genesung , seitdem er wachend , wie er beteuere , seinen toten Vater gesehen , der ihm längeres Leben versprochen . Die schöne Linda blühte im Paradies wie eine verhüllte Göttin , die ihren Geliebten auf der Erde lange suchte und endlich gefunden hat . Sie nahm oft seine Hand und drückte sie wider ihre Augen und Lippen und lispelte kaum hörbar , wenn er mit ihr oder Juliennen sprach : » Lieber ! - Freundlicher Mensch ! « - Über die Gegend schwieg sie ; denn über jede sprach sie erst , wenn sie aus ihr gekommen war . Julienne , über die brüderliche Genesung so froh , fing allerlei Scherze an , sagte , daß sie bedauere , aus Neapel ihrem Ludwig ein vergebliches Spezifikum gegen sein Übel gesandt zu haben , und fragte endlich Albano : » Kennst du nicht einen Jüngling namens Cardito ? er will dich kennen . « - Er sagte Nein , erzählte aber , ein kleiner stämmiger Mensch hab ' ihn hier zu kennen geschienen und zur Kaskade gewiesen . Julienne fuhr auf und sagte , es sei entschieden der haarhaarische Prinz , der auf Luigis Tod und Thron so boshaft hoffe ; er wohne in Tivoli im Hause des Herzogs von Modena und gehe gewißlich als ihrer aller Spion umher . Um sich selber nach diesem gehaßten Mißlaut wieder auszustimmen , setzte sie die Frage über Cardito fort und sagte : » Es ist ein sehr schöner derber Korse ( der Prinz ist ja die lebendige Ungestalt ) , und er kündigt dir ganz ernsthaft den Krieg an . « » Den soll er wahrlich haben « , sagte Albano , der nun alles begriff ; und - alles erzählte . Cardito war jener Korse , mit dem er früher sich über den gallischen Krieg entzweiet hatte . » Bruder , das ist noch dein Ernst ? « sagte Julienne mit gedehntem Akzent . » Jetzt besonders ! « sagt ' er entschieden , um den Streit sogleich auszuschließen . Heftig drückte Linda seine Hand in ihre Augen , als wolle sie sie damit bedecken . » Nun , so verhandle deinen Prozeß mit mir , so vernünftig du kannst , und lasse deine Rechtsgründe hören ; aber laß uns erst auf den Hügel , damit man dabei auch etwas sieht « , sagte die Schwester . Auf dem Hügel - vor dem Grün des blitzenden Tals , wo überall der Strom wie ein verwundeter Adler mit dem Flügel an der Erde schlug - vor den auf die Blumen herunterblitzenden drei Kaskatellen - fing Albano bewegt und begeistert an : » Ich habe nur einen Grund , liebe Schwester - ich bin noch nichts - ich bin kein Dichter , kein Künstler , kein Philosoph , sondern nichts , nämlich ein Graf . Ich habe aber Kräfte zu manchem , warum soll ichs nicht sagen ? - Wahrlich wenn ein Da Vinci alles ist , oder ein Crichton , oder wenn ein Richelieu , ob er gleich den politischen Thron behauptet , doch noch den poetischen besteigen will : soll ein anderer mit kleinern Wünschen nicht entschuldigt sein ? Und bei Gott ! eigentlich will ein Mensch doch alles werden , denn er kann nicht anders , er sehnet und treibt sich dazu hin , und das innige versteckte Herz weint Blutstropfen , die keine Menschenhand abtrocknet , nur die hohen Eisenschranken der Notwendigkeit halten ihn auf - Schwester , Linda , was hab ' ich denn noch getan auf der Erde ? « - » Diese Frage ; - und diese ist genug vor Gott « , sagte Julienne , bewegt von der wund-stolzen Bescheidenheit des Jünglings und von seiner schönen Stimme , welche zornig so klang wie gerührt . » Worte ! was sind Worte ? « ( sagt ' er ) » O man schämt sich wohl freilich , daß man etwas früher nur denken und sagen muß , eh ' mans tut , obgleich der dürftige Mensch nicht anders kann , sondern jede Tat wie eine Statue vorher im elenden Wachs der Worte modellieren muß . Ach , Linda , liegen hier nicht überall um uns Taten , statt der Worte und Wünsche ? - Hab ' ich nicht auch einen Arm , ein Herz , eine Geliebte und Kräfte wie andere und soll mit einem morschen mürben spanisch- oder deutschen Grafenleben aus der Welt gehen ? - O meine Linda , streite du für mich ! « » Ich bin « ( sagte sie , scharf nach der großen Kaskatella blickend , die hoch aus Bäumen herniederstürmte ) » nicht von vielen oder beredten Worten und verstehe Sie auch nicht ganz . Ich muß mir immer die Worte in Ideen und Wahrheiten übersetzen und vermag es nicht allzeit . Bei Ihren Worten , Graf , denk ' ich mir gar nichts . Wem die Liebe nicht allein genügt , der ist von ihr nicht erfüllet worden . Freilich , so mit dem Herzen alles vergessend wie wir , so konzentriert in eine Idee des Lebens sind die Männer nie . Ach und so wenig ist der Mensch dem Menschen , ein Menschen-Bild ist ihm mehr und jede kleine Zukunft ! « » Auch du , Brutus ? « sagte Albano betroffen . » Würden Sie « ( fuhr sich fassend fort ) » dem Elysiums-Leben auf Ischia eine Ewigkeit für einen Mann geben ? Würden Sie ihn als Jüngling ins Kloer der seligsten Ruhe schicken ? Gewiß nur als Greis . Jenes hieße den Baum mit dem Gipfel in die finstere Erde pflanzen . « » Das ist wieder der Deutsche , « ( sagte sie ) » nur immer recht Betriebsamkeit . Die ruhigen Neapolitaner , die Völker am Apennin , an den Pyrenäen , am Ganges , in Otaheiti , voll Genuß und Beschauung , sind diesem Spanier ein Greuel . Ich dächte , wenn ein Mensch nur für sich etwas würde , nicht für andere , das reichte zu . Was große Taten sind , das kenn ' ich gar nicht ; ich kenne nur ein großes Leben ; denn jenen Ähnliches vermag jeder Sünder . « » Wahrlich , das ist wahr , « ( sagt ' er ) » es gibt nichts Erbärmlicheres als einen Menschen , der sich durch dies oder das zeigen will , was ihm selber groß , selten und ohne Verhältnis zu seinem Wesen vorkommt und ihm daher gar nicht angehört . Jede Natur treibt ihre eigne Frucht und kann es nicht anders ; aber ihr Kind kann ihr niemals groß erscheinen , sondern immer nur klein oder gerecht . - Ists anders , so ist ihr eine ganz fremde Frucht an den Zweig gehangen . « » Albano ! wie wahr ! Aber Ihr hattet sonst nie einen halben Willen , wie ist ' s ? « sagte Linda . » Jetzt auch nicht ! « sagt ' er ohne Härte . Man ist am sanftesten , wo man am stärksten ist mit dem Entschluß . Er suchte nun seine eignen Worte - das Öl und den Wind für sein Feuer - recht zu sparen und zu meiden ; um so mehr , weil Worte doch gegen nichts helfen , sondern vielmehr das fremde Gefühl anstatt aus- nur anblasen ; dabei wurd ' er noch der häufigen Fälle eingedenk , wo er Linda mit einem einzigen Worte bei aller Unschuld zur Flamme aufgetrieben . Sie standen , und er schauete hin über das göttliche Land , als Linda , nach einem stummen Blicken in sein Angesicht , ungeachtet ihres scheinbar-ruhigen Philosophierens , auf einmal heftig seine Hand anfaßte und rief : » Nein , du darfst nicht , bei meiner Seligkeit , bei allen Heiligen - bei der heiligen Jungfrau - bei dem Allmächtigen ! - du darfst , du sollst nicht ! « Einen Raub gibt es , wogegen ewig der Mann unaufhaltsam entbrannt aufsteht , und beging ' ihn eine Göttin aus Liebe und böte sie dafür eine Welt von Paradiesen : es ist der Raub seiner Freiheit und freien Entwickelung . Ja , daß es Liebe ist , aber despotische , zugleich Freiheit übende und raubende , das erbittert ihn nur noch mehr , und aus dem Nebel des Irrtums wird später das Gewitter der Leidenschaft . - Linda wiederholte : » Du darfst nicht . « Er sah ' ihr bewegtes glänzendes Antlitz an , dessen südliche Heftigkeit doch mehr einem Enthusiasmus glich als einem Zorn , und sagte fest : » O Linda , ich werde wohl dürfen und wollen ! « - » Nein , ich sage Nein ! « rief sie . - » Bruder ! « fing die Schwester an . » O Schwester , « ( rief er ) » sprich sanft , ich bin ein Mann und habe heftige Fehler . « Ihn zog der erhabene Krieg des Wassers mit der Erde und mit Felsen , das Durcheinanderstürmen der blitzenden Regengestirne umher wie an Flügeln in die Wirbel - die große Kaskatella warf aus hohen Bäumen ihren Wolkenbruch heraus , und aus dem Himmel ohne Donner stäubte eine schimmernde Welt - und in Osten zeigte sich fern das Meer im dunkeln Schlaf , und die untergehende Sonne drang glänzend in den Glanz herein . » Gewiß werd ' ich sanft reden « ( sagte die Prinzessin , die , viel empfindlicher und nachklingender als Linda , einige Mühe hatte , den Sprachton zu ihrem Versprechen zu stimmen ) - » Es braucht nichts weiter als die Betrachtung , daß unser Streit zu früh ist ; ich tue bloß die Bitte , ihn bis zum Oktober auszusetzen , und das Versprechen , daß er dann anders ausgeht . « - » O es sei ! « sagte Albano . Linda nickte sanft und langsam und legte wider Erwarten seine Hand mit beiden an ihr Herz und sah ihn an , aus großen Augen weinend , denen sonst Feuer gewöhnlicher war als Wasser . Ihn zerschmolz der Anblick , daß diese kräftige Natur nur Heftigkeit ohne Hassen und Zürnen hatte , und ihn erfrischte unendlich sein voriges geheimes Niederschlagen seiner auffahrenden Flammen . Die Schwester wurde durch beide erweicht , und eine Minute der zärtesten Liebe umschlang bald die drei Menschen mit einer Umarmung . Die Hyperbeln des Zorns sind dem Menschen nie so ernst als die der Liebe , jene soll nur der andere glauben , diese glaubt er selber ; alle hatte das Aussprechen ausgeheitert . Wenn sonst eine vergangne kalte Minute den Liebenden , wie eine kalte Nacht den Bienen , noch die Blumen zuschließet , woraus sie den Honig nehmen , so war hier nach dem Sturm aus klarer blauer Luft der Himmel reiner und stiller , und die Ruhe wurde Seligkeit wie die Seligkeit Ruhe . Durch Albano war , obwohl schnell , die Furie der Furcht gegangen , die ein umgekehrtes Sternrohr hält und dadurch den Menschen einen ganz fernen ausgeleerten Himmel ohne Sterne zeigt ; aber nicht so durch Linda : sie hatte immer in Liebe und Hoffnung fortgesprochen , und für ihr glühendes Herz gab es keine Stellen mit Eis . Darum war er jetzt so selig , und so beglückt vom Anschauen der kräftigen Natur ! Eine hohe lange Tal-Kette , worin Wein und Öl in Blütendüften flossen , führte alle dem großen Rom entgegen . Eine Zeitlang durfte sie der Jüngling begleiten ; endlich mußt ' er zu einer langen Entfernung Herz und Auge von den Geliebten reißen , als über die grünen Täler her schon die mächtige Peters-Kuppel herüberglänzte und die Zypressen , stolz nur von Zypressen umgeben , das Gold des Abends auf den Zweigen trugen , ohne sie zu regen . Alle hatten das Auge am schönen Rom , aber ihr Herz war nur auf Isola bella , wo sie einander wiederzufinden versprachen . 117 . Zykel Auf dem Wege nach Isola bella dacht ' er seiner kriegerischen Stunde mit der heftigen Linda nach und dem Charakter dieser Kriegsgöttin . Er erschrak über die steile Höhe , über welche er sich vor wenigen Tagen so weit herübergebückt , da Linda so entschieden ist , nichts kennt als Leidenschaft oder Vernichtung . Und doch fand er jetzt in der Abkühlung ihre gebietende Foderung an seine Freiheit noch härter und sagt ' es sich stark , das Weib dürfe nicht das heilige Gebiet der männlichen Entfaltung einengen oder beherrschen . Von der andern Seite war ja alles Liebe und deren Übermaß - und je länger er reisete und verglich , desto einsamer und dunkler wurd ' es auf der Stelle seines Lebens , auf welche nur sie die große Flamme warf . Sie rückte ihm durch sein stilles Beschauen ihres Geistes im Geiste viel heller und näher als durch die Gegenwart vorher , weil jenes sie auf einmal in Harmonie , diese sie mit den einzelnen Dissonanzen ohne die Auflösung gab . Ihre Kraft der allseitigen Unparteilichkeit für alle Charaktere war ihm an einem Weibe ebenso selten als groß erschienen ; zumal da er selber diese Kraft mehr in der Achtung für sie und in dem freudigen freien Auffassen großer , exzentrischer , poetischer Erscheinungen , aber nicht aller und der platten und schlechten wirken ließ . Gleich mächtig und gewachsen standen in ihm nebeneinander Liebe und Freiheit ; nur durch einen neuen Entschluß wurden sie verbunden und versöhnt , sanft zu sein , nicht bloß stark , ihr sein Freiheitsrecht und seine liebende Seele recht offen hinzulegen und das edle Wesen zu werden , das ihr gehört : bin ichs nicht , wenn ichs recht will ? sagt ' er . In der höchsten Lebensfreude , in der Einigkeit mit sich und dem Schicksal , machte er seine Reise nach Isola bella so schnell , als hab ' er da die Geliebte schon zu finden , nicht erst zu erwarten . Wie manches stand jetzt kleiner an seinem Wege , an das er das römische Maß und nicht das deutsche legte und wovor er nun , wie ihm sein Vater vorausgesagt , flüchtiger vorüberging ! Endlich sah er die Kunst-Alpe von Isola bella in den Wellen stehen ; und landete freudig mit seinem Lehrer in dem Kindheits-Garten an , wo er so viel erwarten und mit neuen welschen Lebens-Blüten am Herzen aus dem gelobten Lande scheiden sollte . Er wartete mehrere lange Tage , sich sehnend und bangend nach den Freundinnen , ob ihm gleich der heitere Freund immer die Geschwindigkeit seiner Reise vorrechnete . Sein Entschluß , recht sanft zu sein , wurde immer unnötiger und unwillkürlicher . Die Insel selber lösete schon mit ihren Frühlingen aus Düften und mit dem fernen Kranz aus Alpen die Seele auf . Im vorigen Jahre hatt ' er sie mehr in Blättern als in Blüten gesehen . Es war ja sein Kindheitsland - an vielen Plätzen an der See schimmerten ihm Sterne aus einer tiefen nachmitternächtlichen Lebens-Frühe herauf - hier hatt ' er zuerst seinen Vater gefunden und zuerst Lindas Gestalt über den Wellen gesehen - hier findet und verliert er sie nach der längsten Trennung wieder für eine noch längere und hier steht er im Tore zwischen Norden und Süden . Das freie duftende Land voll Inseln , die Himmelsleiter des Lebens , steigt ihm in den Äther zurück , und er geht herab in ein kaltes voll Zwang und voll Augen - seine Liebe wird gerichtet vom Vater , sie wird angefallen vom untergegangenen Freund . » Ihr Tage in Ischia , « ( seufzte er ) » ihr Stunden auf dem Vesuv und in Tivoli , könnet ihr umkehren ? könnet ihr je wiederkommen und das unersättliche Herz von neuem überströmen , daß es trinken und sagen kann : es ist genug ? « Zu seinem Dian sprach er , gleichsam um sich und sein grenzenloses Sehnen zu entschuldigen , häufig von Chariton und ihren Kindern und fragt ' ihn , wie es seinem Herzen dabei gehe ; » sprecht mir nicht so viel davon , « ( sagt ' er , nach seiner Weise mehr empfindend als erratend und verratend ) » wir sind noch so häßlich weit davon - man verdirbt sich die Reise ohne Grund hab ' ich sie alle aber .... nun ei Gott ! « - - Dann schwieg er , riß sich