an ihrer Leidenschaft als die Sinnlichkeit . Ihre Liebe ist das Ideal der reinsten , höchsten , treuesten und beständigsten Anhänglichkeit , und so wie sie selbst liebt , will sie auch wieder geliebt seyn . Sie verlangt von ihm was er ihr nicht geben kann , ein Herz das nur für sie schlägt , eine ganz von ihr ausgefüllte Seele . Alle seine Begierden sollen in ihrem bloßen Anschauen sich ersättigen ; die zarteste ihrer Liebkosungen , die leiseste Berührung ihrer Hand soll ihn schon zum Gott machen . Aber Pausanias , wiewohl er anfangs einige Tage lang den Schüchternen und Ehrfurchtsvollen spielte , hat keine Lust sich in den Mysterien der himmlischen Aphrodite und des Platonischen Eros einweihen zu lassen ; und daher entsprangen ziemlich bald kleine Mißhelligkeiten und Zänkereien zwischen ihnen , wobei Lais den Sieg allemal durch Gefälligkeiten anderer Art theuer genug erkaufen mußte . Ihre Furcht ihn erkalten zu sehen , wenn sie das , was er mit einem mildernden Namen seine Liebe nannte , befriedigte , war so groß , daß sie lange Kraft genug in sich fand ihm zu widerstehen ; aber dafür glaubte sie , ihm auf einer andern Seite einen verhältnißmäßigen , d.i. nach ihrer eigenen Schätzung , einen sehr großen Ersatz schuldig zu seyn ; und so erhielt er ( das Einzige , was sie immer noch zu geben haben wollte , und was wahre Liebe am längsten zurückhält , ausgenommen ) alles andere von ihr , was er sich nur zu wünschen einfallen ließ . Allein kaum hatte der Undankbare den Schlüssel zu ihrer Schatzkammer in seiner Gewalt , so trug er auch kein Bedenken , sich für dieß einzige Opfer , worauf sie einen so hohen Werth setzte , auf die unzärtlichste Art zu entschädigen , indem er öfters ganze Nächte mit etlichen seiner Vertrautesten bei der schönen Phryne durchschwärmte , einer jungen Hetäre , die sich seit einiger Zeit hier niedergelassen hat , und dermalen die berühmteste und theuerste unter den eilf oder zwölfhundert Priesterinnen ist , die sich dem Dienste der Aphrodite Pandemos in dieser üppigen Stadt gewidmet haben . Du kannst dir die Ungewitter vorstellen , die eine Beleidigung dieser Art in einer so stolzen Schönen erregen mußte , die auch an allem Aeußerlichen , was die Männer anziehen und fesseln kann , noch immer keine über sich sieht ; zumal , da der übermüthige Mensch , anstatt sie durch Reue und Demüthigung zu besänftigen , ihrer Empfindlichkeit anfangs einen kaltblütigen Trotz entgegensetzte , der ihm unfehlbar seinen Abschied zugezogen hätte , wenn nicht eine einzige zu ihren Füßen geweinte , wahre oder geheuchelte Thräne hinreichend gewesen wäre , ihren Zorn zu löschen und eine Aussöhnung zu bewirken , deren erste Bedingung seinen Triumph über ihre Schwäche vollständig machte . Die Unglückliche sieht nun selbst , daß ein längerer Aufenthalt zu Korinth ihr in jeder Rücksicht nachtheilig wäre , und sie hat ihrem Geliebten - der seit der letzten Aussöhnung die leidenschaftlichste Anhänglichkeit an sie zeigt - den Vorschlag gethan , mit ihm nach Thessalien zu ziehen , und , mit dem Rest ihrer durch seine Verschwendungen ziemlich zusammengeschmolzenen Reichthümer , sich in einer der anmuthigsten Gegenden dieses Zauberlandes anzukaufen . Sie ist , zum Behuf dieses Vorhabens , bereits über den Verkauf ihres schönen Landgutes zu Aegina mit Eurybates in Unterhandlungen getreten , welche durch meine Hände gehen ; denn ihr in Geschäften dieser Art zu rathen und zu dienen , ist das Einzige , wodurch mir noch erlaubt ist ihr meine Freundschaft zu beweisen . Da Eurybates seine unmittelbar an dieses Gut gränzenden Besitzungen beträchtlich dadurch erweitern und verschönern kann , und es daher schwerlich aus den Händen lassen wird , so habe ich gute Hoffnung , vortheilhaftere Bedingungen von ihm zu erhalten , als von irgend einem andern Käufer zu erwarten seyn dürften . Das Schlimmste bei allem diesem ist ohne Zweifel , daß die arme Lais - wie ich , aller ihrer Bemühungen es mir zu verbergen ungeachtet , nur gar zu deutlich sehe - nicht glücklich ist . - Sollte dir nicht auch schon begegnet seyn , was mir mehr als Einmal geschah , daß du im Traum zu träumen wähntest ? Ich weiß den Zustand , worin Lais sich dermalen befindet , durch kein passenderes Bild zu bezeichnen . Sie sieht zu hell , um nicht zu sehen , daß sie ihr ganzes Glück in eine bloße Täuschung setzt : aber sie will getäuscht seyn , und so ist sie es denn auch wirklich , und träumt , es träume ihr daß sie glücklich sey . Möge nur das völlige Erwachen nicht gar zu schmerzhaft seyn ! Ob noch ein Mittel sie zu retten übrig ist , weiß ich nicht ; mir wenigstens sind alle Versuche , die ich gemacht habe , fehlgeschlagen . 55. Aristipp an Learch . Lais ist dazu gemacht , in allem groß und außerordentlich zu seyn . Von ihrer ersten Jugend an , mit der unbeschränktesten Macht , sich ihren Neigungen zu überlassen und immer von ganzen Schwärmen von Anbetern umgeben , unter welchen gewiß nicht wenige sehr liebenswürdig waren , sogar im vertrautesten Umgang mit einigen von diesen eine so lange Zeit sich immer frei erhalten zu haben , war vielleicht ohne Beispiel . Als aber diese Leidenschaft , deren sie selbst sich immer für unfähig gehalten hatte , endlich doch noch Meister über die Widerspänstige ward , war nichts anders zu erwarten , als daß das Seelenfieber ( wenn ich es so nennen kann ) wovon sie begleitet ist , von der heftigsten Art seyn würde . Es scheint es sey mit der Liebe wie mit gewissen Krankheiten , die jeder Mensch Einmal in seinem Leben gehabt haben muß , und die desto unschädlicher sind , je früher man davon befallen wird . Ich erinnere mich noch sehr wohl , daß ich in meinem fünften oder sechsten Jahre in eine meiner Basen , ein Kind von drei bis vier Jahren , sterblich verliebt war , und daß man , da sie im fünften starb , die größte Mühe hatte , meiner Verzweiflung Einhalt zu thun und mich mit dem Leben wieder auszusöhnen . Vermuthlich habe ich es dieser voreiligen Liebschaft zu danken , daß ich bis auf den heutigen Tag von dieser Art von Fieber nie wieder , wenigstens nicht gefährlich noch auf lange Zeit , befallen worden bin . Wenn denn also die gute Lais einmal wenigstens in ihrem Leben sich in ganzem Ernst verlieben mußte , so sehe ich nicht , warum der schöne und schlaue junge Thessalier nicht eben so gut dazu hätte taugen sollen als ein anderer ; im Gegentheil , mich dünkt ich begreife vermittelst der bekannten Aristophanischen Hypothese recht wohl , warum gerade er und kein anderer , der Einzige war , welcher den so lange in ihrem Busen verborgenen Krankheitsstoff entwickeln konnte . Ich glaube wahrgenommen zu haben , daß die heftigste Art von Liebe diejenige ist , da man , ohne es sich deutlich bewußt zu seyn , sich selbst , oder gleichsam ein zweites aus dem Gegenstand in das unsrige hinein gespiegeltes und mit ihm zusammenfließendes Ich , in dem Geliebten anbetet . Sollte dieß nicht nahezu der Fall mit unsrer , immer ein wenig zu viel in sich selbst verliebt gewesenen , Freundin seyn ? Wenn ich alle charakteristischen Züge des jungen Pausanias aus deiner Erzählung zusammen nehme , so scheint mir eine sehr entschiedene Aehnlichkeit der Naturen zwischen ihr und ihm vorzuwalten . Ich finde an beiden ungefähr dieselben Naturgaben , eine lebhafte Einbildungskraft , Witz , Gewandtheit und Geschmeidigkeit des Geistes , mit einer seltnen Schönheit und allem übrigen was beim ersten Anblick die Augen verblendet und die Neigung besticht ; aber auch dieselben Leidenschaften , Fehler und Unarten : denn beide sind eitel , flüchtig , rasch , leichtsinnig , stolz , eigenwillig , prachtliebend und verschwenderisch , und in beiden bringen diese Eigenschaften ziemlich gleiche Wirkungen hervor . Den ganzen Unterschied ( außer dem , was auf Rechnung der Verschiedenheit des Geschlechtes kommt ) machte die Erziehung und das Glück . In ihr wurden alle Naturanlagen von früher Jugend an entwickelt , bearbeitet , und durch einen seltnen Zusammenfluß glücklicher Umstände ausgebildet , abgeglättet , und gleichsam mit einem glänzenden Firniß überzogen : da die seinigen hingegen , aus Mangel an gehöriger Cultur und günstigen Glücksumständen , einen großen Theil von der Centaurischen Rohheit behalten mußten , wodurch sich die Thessalier , im Durchschnitt genommen , von andern feiner gebildeten Griechen nicht zu ihrem Vortheil auszeichnen . Aber diese zufällige Verschiedenheit konnte die natürliche Wirkung des sympathetischen Instincts nicht aufhalten ; die schöne Lais spürte ihre Hälfte auf den ersten Anblick aus ; und nun erfolgte alles , wie es uns Plato , im Namen des Aristophanes ( als des ersten Erfinders der Doppelmenschen ) , so unverschleiert beschrieben hat , daß Diogenes der Cyniker selbst nicht natürlicher von der Sache hätte sprechen können . Aber wozu diese Erörterung ? Du erinnerst sehr wohl , bester Learch , daß es hier nicht um eine begreifliche Erklärung des Geschehenen zu thun ist , sondern um ein Mittel größeres Unheil zu verhüten . Noch ist nicht alles verloren ; und wofern auch Lais ( wie ich ihr ' s zutraue ) sich in den Kopf setzen sollte , ihrer ersten Liebe bis in den Tod getreu zu bleiben : so bin ich nicht ohne Hoffnung , daß Pausanias , in einen Kreis von edeln und guten Menschen versetzt , selbst noch ein besserer Mensch , und dessen , was sie für ihn thut , würdiger werden könnte . Der beigelegte kleine Brief , um dessen Uebergabe ich dich bitte , enthält den einzig möglichen Versuch , den ich machen kann ; wiewohl mir ich weiß nicht was für eine Ahnung sagt - was ich weder denken noch aussprechen mag . Es wird dir zugleich , nebst einem kleinen Xenion158 für dich selbst , ein mit Gold beschlagenes Kistchen von Ebenholz für die schöne Lais zugestellt werden . Es enthält einen Halsschmuck von rundgeschliffenen Granaten und Hyacinthen , und ein daran hängendes mit Sapphieren und Rubinen besetztes goldnes Bruststück , worauf Kleone den Amor Anakreons gemalt hat , wie er von drei Musen mit Rosenkränzen gebunden der Schönheitsgöttin ausgeliefert wird . Du wirst , wenn mich meine Vorliebe für alles , was aus Kleonens Händen kommt , nicht sehr verblendet , finden , daß sie in solchen kleinen Gemälden mit Parrhasius selbst um den Preis streiten könnte . Das Ganze ist ein Gegengeschenk von Musarion und Kleone für ein beinahe zu kostbares Geschenk , das Lais ihnen vor einiger Zeit zum Andenken überschickte , und das , wenn wir es annehmen sollten , mit keinem geringern erwiedert werden konnte . 56. Aristipp an Lais . Ich vernehme von unserm Freund Learch , liebe Lais , daß du Anstalten machest , Korinth zu verlassen und deinen künftigen Wohnsitz in dem reizenden Thessalien aufzuschlagen . Auch mir schweben noch so angenehme Erinnerungen von dem zauberischen Tempe und andern anmuthigen Ufergegenden des Peneus vor , daß ich deine Vorliebe zu dem Vaterlande der ältesten und schönsten Mythen der Griechen nicht mißbilligen kann . Aber , wenn die Wünsche deiner Freunde Kleonidas und Aristipp , von den freundlichsten Einladungen deiner Musarion und ihrer Schwester Kleone unterstützt , etwas bei dir vermöchten ; wenn du bedenken wolltest , wie glücklich du uns alle durch deinen Besuch machen , und wie vergnügte Tage du selbst ( wie wir uns schmeicheln ) in unsrer Mitte leben könntest : so wirst du es für keine Zudringlichkeit halten , wenn wir dich bitten , die Reise nach Thessalien - nicht aufzugeben , nur ein einziges Jahr aufzuschieben , und dieses Jahr deinen Freunden in Cyrene zu schenken , die sich beeifern würden , dich für das Opfer , das du ihnen dadurch brächtest , so viel ihnen nur immer möglich wäre zu entschädigen . Cyrene ist seit einigen Jahren eine Art von Athen geworden , friedsamer , ruhiger , und vielleicht sogar gastfreundlicher als jenes Attische ; und es hätte dir , um nicht zu viel zu sagen , wenigstens für ein Jahr Stoff und Gelegenheit zu den angenehmsten Unterhaltungen überflüssig anzubieten . Du würdest , nach deinem Gefallen , entweder in meinem Hause in der Stadt oder auf meinem nahe bei Cyrene gelegenen Landsitze , oder wechselsweise bald in dem einen bald in dem andern wohnen , und in jenem einen kleinen Tempel der Kunst , in diesem sogar eine Art von Akademie zu deinem Gebrauch haben . In beiden ist alles schon zu deinem Empfang bereit ; und wer es auch sey , den du zum Begleiter wählen wirst , er soll die Aufnahme eines Bruders finden , und uns desto werther seyn , je näher er dem Herzen unsrer Freundin ist . Laß mich den Schmerz nicht erfahren , beste Lais , mein Vertrauen auf deine Freundschaft getäuscht zu sehen , und nimm inzwischen , als ein Unterpfand unsrer Gesinnungen für dich , das kleine Xenion freundlich an , wodurch Musarion und Kleone dir ihre Dankbarkeit zu zeigen wünschen , und womit sie dich ( wenn du ihre Freude vollkommen machen willst ) bei deiner Ankunft in Cyrene geschmückt zu sehen hoffen . Du siehst wir rechnen so sehr auf deine Großmuth , daß wir es gar nicht für möglich halten , eine Fehlbitte bei dir gethan zu haben . 57. Lais an Aristipp . Mein Traum ist nur zu bald in Erfüllung gegangen , lieber Aristipp ! Die höhern Mächte haben eine strenge Rache an mir ausgeübt : Adrasteia , daß ich vierundzwanzig Jahre lang gar zu glücklich war ; die Götter der Liebe , daß ich ihnen so lange Trotz zu bieten wagte . Xenophons Cyrus hat Recht behalten ; nur darin irrt er sich , wenn er glaubt , das was er für das einzige Rettungsmittel gegen den furchtbarsten aller Dämonen hält , die Flucht , stehe immer in unsrer Macht . Aber , gesetzt er hätte auch in diesem Stücke Recht , so verzeiht mir , lieben Freunde , daß ich euch sagen muß , ihr habt nicht bedacht was ihr mir ansinnt . Nein , gute Musarion , nein , liebenswürdige Kleone ! - Lais kann nie die Dritte unter euch seyn ! - Ueberlaßt sie ihrem Schicksal , und bittet die Götter , daß es erträglich ausfalle . Euer schönes Geschenk , dem die Hand der glücklichen Kleone einen unschätzbaren Werth gegeben hat , nehme ich unter der einzigen Bedingung an , daß es nach meinem Tode durch Learchs Besorgung wieder an die holden Geberinnen zurückkehre . Lebet wohl , Aristipp und Kleonidas - meine Freunde - lebet wohl ! Verachtet diese zwei kleinen Myrtenzweige nicht , die ich euch zum Andenken schicke - sie welkten an meinem Herzen , und sind mit meinen Thränen für euch eingeweiht . Wenn ich an den Ufern des Peneus die Ruhe wieder finde , so werdet ihr mehr von mir hören ; - wo nicht , so laßt mich in eurer Erinnerung leben , und seyd glücklich ! Anmerkungen zum zweiten Band . 1. Brief . 1 Hauptstadt von Lydien in Kleinasien . 2 ( Unbezwingbare ) Ketten ( II. ) sind nicht diamantene , sondern stählerne Ketten . Der Diamant war zu Aristipps Zeiten den Griechen noch unbekannt , und erhielt erst viel später , seiner Härte wegen , den Namen adamas . W. 3 Das gemeine oder kleinere Attische Talent enthielt 60 Minen oder 6000 Drachmen , und ist also ungefähr 1000 Conventionsthalern unsers Geldes gleich . W. 4 S. Anm . z. Bd . 22 , Br . 25. 3. Brief . 5 Persische Benennung einer Art von wohlthätigen Genien und Feen . W. 6 Die Griechen . 7 Abkömmlinge des Achämenes . So nennen die Griechischen Geschichtschreiber eine Dynastie der Könige von Persien , deren Stifter Achämenes ( nach Phreret ) ungefähr 800 Jahre vor unsrer gemeinen Zeitrechnung gelebt haben soll . Seine Abkömmlinge theilten sich in zwei Linien , wovon die ältere von Achämenes bis auf Kambyses , den Sohn des großen Cyrus , dauerte , und die jüngere , von Darius Hystaspes Sohn angefangene , mit Darius Kodoman ein Ende nahm . Arasambes wird also ( als ein vorausgesetzter Sohn einer Schwester des Darius Nothus ) von Lais scherzweise ( II. 29. ) ein Achämenide genennt . W. 8 S. Anm . z. Bd . 22. Br . 4. 9 Die Dinge über uns , die Luft- und Himmels-Erscheinungen . Das Komische dieser ganzen Stelle liegt in Anspielungen auf Aristophanische Komödien . Die zwei letzten erklären die Anmerkungen zum 69sten Briefe ; bei dieser ersten mus man sich der Scene aus den Wolken erinnern , wo Strepsiades zu dem Hause des Sokrates kommt , und dieser in einem aufgehangenen Korbe erscheint . Von jenem angerufen , sagt er : Was hast du mir zu rufen , Erdensohn ? Strepsiades . Vor allem sage mir , ich bitte dich , Was machst du denn da oben ? Sokrates . Ich wandle in der Luft , Und übersehe hier die Sonne . Strepsiades . Vermuthlich , Weil du aus deinem Korbe über die Götter wegsiehst , Und das hier unten nicht so angeht ? Oder - Sokrates . Wahr ist ' s , ich kann die Dinge über uns Nicht recht erfassen , wofern ich meinen Geist Nicht exaltire , bis der Gedanke so verfeinert Und verdünnet ist , daß er gleichartig mit Der Luft sich mischt . Sobald ich von unten auf Die Dinge über uns erspähen will , Erkenn ' ich nichts . Es ist nun einmal so ; Die Erde zieht den feinen Duft des Gedankens Zu mächtig in sich ein . 5. Brief . 10 Eine den bösen Feen in den Mährchen der Dame d ' Aulnoy ähnliche Göttin , die nicht leiden konnte , wenn es einem Menschen gar zu wohl ging . Hesiodus macht sie zu einer Tochter der Nacht , Homer aber zu einer Tochter Jupiters , in der sonderbaren Stelle des 19ten Gesangs der Ilias , wo Agamemnon die Schuld seiner dem Sohne der Thetis zugefügten Beleidigung auf die Ate schiebt , und , bei dieser Gelegenheit ihre ganze Legende ( wie er sie vermuthlich ehemals von seiner Amme erzählen gehört hatte ) den versammelten Fürsten der Griechen vorträgt . W. 6. Brief . 11 Beschreibung des Feldzugs des jüngeren Kyros gegen seinen Bruder Artaxerxes Mnemon . Dieser Feldzug , dem Xenophon als Feldherr der Griechischen Hülfstruppen beiwohnte , und wobei er seinen berühmten Rückzug machte , wird ein Hinaufzug ( Anabasis ) genannt , weil der Zug nach Oberasien aufwärts ging . - Von dem , was Xenophon dabei that , wird er auch der Rückzug der Zehntausend ( Griechischen Hülfstruppen nämlich ) genannt . Ich erinnere hiebei an Halbkarts Uebersetzung . Mit dem von Wieland hier und im folgenden Briefe gefällten Urtheil darüber ist zu vergleichen Creuzers Abhandlung de Xenophonte Historico Leipz . 1799 . 12 Bibliokapelen hießen um diese Zeit , da der Autoren und der Bücher immer mehr wurden , Leute , welche Profession davon machten , von alten und neuen Büchern immer eine Anzahl schön geschriebener Exemplarien zum Verkauf bereit zu halten , und vermuthlich auch die öffentlichen Märkte mit dieser Waare bezogen , nach welcher , so wie die Literatur bei den Griechen immer mehr Zuwachs und Ausbreitung bekam , auch die Nachfrage immer stärker wurde . W. 13 Einer der etwas , wozu gewöhnlich Kunst , Wissenschaft und große Uebung erfordert wird , ohne Vorbereitung , aus dem Stegreif ( wie wir zu sagen pflegen ) oder auch obne Unterricht , aus bloßem instinctmäßigen innern Antrieb , unternimmt . Sokrates beschuldigt dessen den größten Theil der damaligen Athenischen Feldherren in seiner Unterredung mit dem Sohne des Perikles . ( Memorab . III. 5-20 ) 7. Brief . 14 Herabzug , Rückzug . 15 Jupiter der Sanftmüthige , der Versöhner , Anab . B. 7. K. 8. 16 Der Anführer . Anab . B. 6. K. 2. 17 Die Kunst und das Geschäft derjenigen Art von Wahrsagern , die nach sorgfältiger Beschauung der Eingeweide eines Opferthiers aus gewissen Beschaffenheiten derselben den glücklichen oder unglücklichen Erfolg eines Unternehmens vorhersagten . W. 18 Abergläubische Dämonenfurcht . W. 19 Ein Fluß in Lydien , welcher , wie der Ganges in Indien , Gold führt . 20 König von Lydien , berühmt seines Reichthums wegen . 21 Der Bettler in Homers Odyssee . 8. Brief . 22 Der Philosoph Leucipp ( Leukippos ) war der erste unter den Griechen , welcher Arome , untheilbare Körperchen , als Elemente der Welt annahm , und es ist wohl nicht zu bezweifeln , daß die Sonnenstäubchen ihn auf seine Atome gebracht hatten . 23 Eine Pflanze , von welcher die Alten sowohl für die Küche als für die Pharmacie starken Gebrauch machten . Vornehmlich wurde aus dem verdickten Safte des Stengels und der Wurzel eine Art von Gummiharz bereitet , welches unter die beliebtesten Gewürze gerechnet wurde . Die Anhöhen um Cyrene waren mit dieser Pflanze bedeckt , und die aus ihr gewonnene Specerei , von ihnen Sirfi , oder Silfi , von den Römern laser und laserpitium genannt , machte ein beträchtliches Handelsobject der Cyrener aus . Die gemeinste Meinung der Neuern ist , daß sie mit unsrer asa foetida einerlei gewesen sey . W. 24 Diese romantische Insel ist den Lesern der Odyssee hinlänglich bekannt . 25 Der bei den Römern gebräuchliche Ausdruck für Hausfrauen , Hausmütter . S. 31. Medeenkessel der Phantasie - Wie aus Medea ' s Zauberkessel das Alte in neuer Jugend hervorging , so zaubert die Phantasie aus der Vergangenheit eine neue reizendere Gegenwart in der - Erinnerung . 26 Eine ansehnliche Insel an der Südküste Kleinasiens . Die gleichnamige Hauptstadt wurde während des Peloponnesischen Krieges erbaut . 27 Der eilfte Monat im Attischen Kalender , welcher größtentheils unserm Mai entspricht . W. 9. Brief . 28 Früherhin Halbinsel von Akarnanien , nachmals , als man die Landenge durchstochen hatte , Insel , berühmt wegen ihres Vorgebirgs , von dem die Sage ging , daß ein Sprung von ihm das beste Mittel sey , alle Qualen der Liebe zu enden . Dieser berühmte Leukadische Sprung hieß daher auch der Sprung der Liebenden ( alma ton eronton ) durch welchen auch Sappho endete . 10. Brief . 29 d.i. eine der größten Seltenheiten , denn ein fabelhafter , nur alle 500 Jahre erscheinender Vogel ( Herodot . 2,73 ) und ein fabelhaftes , von Eubemeros erdichtetes Land ( vergl . die Anm . zu der Reise des Priesters Abulfauaris Bd . 29 ) sind hier zusammengestellt . 11. Brief . 30 Der letzte Assyrische König Sardanapalos war seiner Schwelgerei wegen berüchtigt . 31 Korbträgerin - S. oben Kanephoren . 32 Hygron ( to ygron toy blemmatos ) Ein gewissen feuchter Glanz des Auges , worin der Blick gleichsam zu schwimmen scheint ; Petrons oculorum mobilis petulantia und die oculi udi et tremuli der Photis in Apulejus goldenem Esel bezeichnen ohne Zweifel dieses hygron , welches Anakreon ( Od . 28 ) zu einem Charakter der Augen der Venus macht , und der Bildhauer Praxiteles an seiner Knidischen Venus sogar im Marmor anzudeuten wußte , wenn Lucian ( Imagin . o. 6 ) nicht mehr zu sehen glaubte als er wirklich sah ; wiewohl auch dieß schon dem Künstler Ehre machen würde . W. 13. Brief . 33 Anspielung auf die Aristophanische Erklärung über die Liebe in Platons Gastmahl , wovon oben ausführlicher die Rede war . 15. Brief . 34 Anubis , der Mercur der Aegyptischen Mythologie , mit einem Hundskopfe dargestellt ; hier eine scherzhafte Anspielung auf Sokrates , der beim Anubis oder dem Hunde zu schwören pflegte . 35 S. Anm . z. Bd . 22. Br . 13. 36 Insel im Ionischen Meere , des Odysseus Heimath und Ziel seiner Irrfahrten . 37 Das schwarze Meer . 17. Brief . 38 S. Anm . z. Bd . 22. Br . 6. 39 ( Venus vulgivaga ) - Die gemeine Liebesgöttin , im Gegensatz von Platons himmlischer Aphrodite Urania . 40 Orgien , heißen alle religiösen Feste , besonders die bakchischen , die mit kriegerischem Tanz , lärmender Musik und einer dabei gesetzlichen Art von Raserei begangen wurden , und hievon - von orgh Zorn , Leidenschaft , Affect - haben sie den Namen . Oesters werden sie gleichbedeutend mit Mysterien gebraucht . 41 Speusippos , von Athen , war seines Oheims Nachfolger als Lehrer der Philosophie in der Akademie , von dem ersten Jahre der 108ten bis zum zweiten der 110ten Olympiade . Kränklichkeit halter gab er erst das Lehren , und dann auch das Leben freiwillig auf . In der Hauptsache blieb er zwar seines Oheims Lehre treu , wich jedoch in einzelnen Punkten von ihm ab . 42 Dieser ist kein anderer als der des in seiner Art vollkommen Zweckmäßigen . Man hat hiebei besonders zu berücksichtigen Buch 3. Kap . 8. der Sokratischen Denkwürdigkeiten . 43 Der wilde Esel . 44 ( die Schamlosigkeit ) - Eine Göttin oder weiblicher Dämon , der die Athener , auf Anrathen des Epimenides einen Tempel erbauten . ( Cicero de Legg . II. 11. ) W. 45 Einführer in die Mysterien . 46 S. die Anm . zu Agathodämon 5. Buch , 4. Abschnitt . Bd . 18. 47 Uebermuth , übermächtige Gewaltthätigkeit . 48 Mitleid und Scham . 49 Aus Mantinea in Arkadien gebürtig , wird als Schülerin Platons aufgeführt , die nachher auch selbst Unterricht ertheilte , so wie Axiothea von Phlius . Sie wird auch eine Schülerin des Speusippos genannt , und Wieland hat unstreitig zu der Schilderung seines Verhältnisses mit ihr folgende Punkte zusammengenommen , 1 ) daß Speusippos als verliebt geschildert , 2 ) daß von Athenäus Lasthenia eine Hetäre genannt , und 3 ) daß Speusippos in einem Briefe des Tyrannen Dionysius mit seiner Liebe zu ihr aufgezogen wird . 50 Platons Lehre wird mit den Mysterien verglichen in denen den Geweihten gewisse Lehren unter der Verpflichtung zur heiligsten Verschwiegenheit mitgetheilt wurden , und worin auch gewisse Namen vorkamen , welche man durch das Aussprechen außerhalb des Heiligthums entweiht haben würde . 51 Theseiden , werden von den Dichtern ( und in diesen Briefen scherzweise ) die Athener nach ihrem zweiten Stifter , Theseus , genannt . W. 52 Der gemeinen Meinung nach eine Art von sehr kleinen Sardellen , die in großer Menge an der Attischen Küste gesangen wurden , und zu den gewöhnlichsten Nahrungsmitteln der ärmern Volksclasse in Athen gehörten . Weil sie sehr klein und zart waren , sagte man im Sprüchwort : die Aphyen brauchen das Feuer nur zu sehen , um gekocht zu seyn . W. 18. Brief . 53 Indem Aristipp hier zwei , aus der Geschichte der Griechischen Musik bekannte , Tonarten nennt , spielt er zugleich auf der Lais frühere und spätere Lebensweise an . Die dorische ist ihre frühere , der den Peloponnes bewohnten Dorier , die lydische die , woran sie sich zu Sardes in Lydien gewöhnt hatte . 54 ( Luftwandler ) - Ein Uebername , welchen Aristophanes in seinen Wolken denjenigen anhängt , die sich ihrer spitzfindigen windigen Grübeleien wegen für weiser als andere dünken . Daß es nach einem Paar Jahrtausenden Aërobaten im eigentlichen Wortverstande geben würde , ließ sich damals niemand träumen . W. 55 Regel , Musterbild . Eine gewisse Bildsäule Polyklets wurde als Muster der richtigsten und in der schönsten Eurhythmie und Harmonie stehenden Verhältnisse aller Theile des menschlichen Körpers von den Bildhauern der Kanon genannt . W. 56 Mit dieser Stelle , worin wenigstens der Absicht Platons nicht Gerechtigkeit widerfährt , vergleiche man was in den Anm . zu den Briefen von Verstorbenen Br . 4. Bd . 2 6. als Vorbereitung zu späterem gesagt ist . Aristipp bat hier , so wie Platon - halb Recht . Platon wird man so lange Unrecht thun , bis man eingesehen bat , daß er nach dem ästhetischen Ideal hinstrebte , ohne den Weg dahin finden zu können , was ihm kein Billiger , der es weiß , was die Philosophie damals alles noch erst zu suchen hatte , und zum Theil noch jetzt nicht gefunden hat , zur Last legen wird . 19. Brief . 57 Eine Gegend nahe bei Athen , mit einem Tempel des Hercules , einem dazu gehörigen Hain , einem Gymnasion u.s.w. Antisthenes , der Stifter der sogenannten Eynischen Secte der Sokratiker , pflegte sich meistens hier aufzuhalten , und erhielt vermuthlich daher seinen Beinamen . W. 58 Pompeion , hieß zu Athen ein öffentliches Gebäude , aus welchem an den großen Festen die Processionen ausgingen , welche einen wesentlichen Theil der Feierlichkeiten , womit sie begangen wurden , ausmachten . W. 59 Eine kleine Stadt in Böotien an der Gränze von Attika . Sie war vornehmlich wegen der Größe , Stärke und Streitbarkeit ihrer zum Kämpfen abgerichteten Hähne berühmt . W. 20. Brief . 60 S. darüber die Briefe über das Thal Tempe ( in Thessalien , des eigentlichen Griechenlands nördlicher Gränze ) im ersten Bande von Bartholdy ' s Bruchstücken zur nähern Kenntniß des heutigen Griechenlands , ein Buch , welches in den jetzigen Zeitumständen neues Interesse hat . 61 Ein unzüchtiger Tanz . Aristophanes in den Wolken rühmt sich , daß er seine Komödie nie diesen Tanz habe tanzen lassen , und Theophrast führt in seiner Charakterschilderung des Ehrlosen als einen der stärksten Züge an , daß er fähig sey den Kordax nüchtern und ohne Maske zu tanzen . 62 Wörtlich Weibertollheit , ist ein so unartiges Wort , und bezeichnet etwas so Widerliches , daß man es nur auf Griechisch sagen sollte . W. 63 Sardonisches Lachen , ist so viel als ein lautes übermäßiges Lachen , das man nicht zurückzuhalten vermag . Dieses Beiwort bezieht sich auf ein gewisses giftiges Kraut , Sardonion (