und erkannte sofort in der Sinnlichkeit die einzige Bahn zu gelassener Lebensertragung . O weh mir ! wär ' ich doch lieber bestimmt zum Kriegstribun , zum Legionar mit ehernen Nerven und blödem Verstand und derbem Behagen am Dasein ! Doch wem das Fieber des Denkens einmal die Seele schwächte , fällt immer zurück in neuen Anfall und ihn curirt nur die letzte Krise vom Kränkeln . Was hilft ' s , mit erlogener Sinnlichkeit an der Außenform kleben und tasten nach Schein-Schönheit mit erzwungener Begier , ein Pseudo-Epikuräer ? Die Schönheit des Scheins - o könnt ' ich sie nur mit Sein vertauschen , so häßlich es sei , mit des Stoikers Willensübung und fest an Tugend glaubendem Pflichtstolz ! Doch was ist Pflicht , was Liebe , was Haß , was Tugend , was Laster vor ' m letzten Begriff , vor ' m Verständniß der letzten Erkenntniß ? Ein Hauch ! der Naturtrieb des Augenblicks gilt nur . Der Stern der Kybele glänzt blutroth auf Tmolus ' Schneehaupt . Im Alpenthal Corybantengetümmel und Cymbalschlag , und es klagt der entmannte Adonis . Die Ammen Jupiters lärmen wild , den Säugling zu schirmen vor ' m grimmen Saturn . So schlug ich gar oft im Bacchanal die Lyra der Gottessehnsucht . Die Lasterstimme Astartes so in Priesterhymnen betäubte ich oft , zu retten vor allverschlingender Zeit mein Werk , das im Plan kaum geboren . Des Orients Mystik , den Syrercult , verpflanzen wollt ' ich zum Occident , die nüchterne Seele des Römervolks mit dem Rausch der Begeistrung tränken . Die Eisenadern sollten aufs neu frisch schwellen von schäumender Leidenschaft . Die weichliche Sclavin sollte den Herrn durch geistige Herrschaft zähmen . Mein glühender Ost , Du Mutter der Welt , deren Wiege am Paropamisos stand - ich wollte Dich rächen , Dein treuster Sohn , wider Roma heimlich verschworen , ein gekrönter Catilina ! - Zu früh ! Erst später wird nah ' n der Tag des Gerichts und neue Cimbern des Nordens vielleicht bauen ein neues Carthago . Der Urzeit sibyllinisches Buch , Hieroglyph und Talisman , Weisheitschatz - ich verbrenne mit allem , wie Sardanapal mit Harem und Kronenjuwelen . Oft neidete ich des Attis Loos . Doch forderte meiner Göttin Dienst , der Allerzeugerin , Zeugungskraft und Unzucht als Opfergebräuche . Denn Keuschheit ist nur ein Raub am Selbst , und was ist Sünde , die ' s nicht an sich ? Wie der Ptolemäer die Schwester beschläft , so ehlichte ich die Vestalin . Und vermählte die Pallas , herschleppend ihr Bild aus verborgener Zelle beim Mithra-Fest dem Sonnengotte , in dem ich erkannt den beredtesten Zeugen der Schöpfungskraft . Denn Natur ist Gott , statt Göttern ich schuf einen Universal-Naturdienst . Abram , der Ebräer Erzpatriarch , der Planeten-Anbetung Thorheit sah , als vom Kasius einst , meinem Heimathberg , er den Sternenhimmel beschaute . Ich aber kam dort zu verschiedenem Schluß . Mir hat da droben sich offenbart der wahre Baal , wie Eliä einst der einige Jehova . » Ich bin , der ich bin , und ich werd ' , der ich werd ' . « Der » Herr des Berges « , der El Gabal , der zuerst auf den Gipfeln erscheinend von dort aus Köcher und Füllhorn schüttelt Strahlenpfeile , Gluthrosen , beseeligend und befruchtend damit überschüttet die Welt ! Drum verehrt auch auf Alpen der Perser das Licht . Du Reiner , Du Einer , Du Meiner ! Ich baute Dir Heliopolis , Baal-Bek , Sonnensäulen auch , Chamanim . Trotz bot ich dem Orkus , den Töchtern der Nacht , den Unterweltsgewalten , und dem Mars , der den » Herrn « Adonai erschlug , dem latinischen Mars , der rohen Gewalt , dem Dämon der Zwietracht , der nimmer schließt den Janustempel des Friedens . Die Sonne erreichte den höchsten Stand im himmlischen Tempel , dem Sternbild des Leun . Typhon , der Meersturm , schweigt und es quillt der Nil des Lebens aufs neue . Doch als Sühnopfer des Fortschritts fiel der neue Osiris . Schau , Isis Natur , Kybele , wie Liebling Adonis stürzt sich selbst in die Hauer des Ebers ! Begierde - Genuß , Grenzpfeiler des Seins , umreiß ' ich sie , aufwühlend den Grund , den vulkanischen Boden , in dem wir umsonst nach den letzten Zwecken schürfen . Ans Thor des Schicksals poche ich frech mit der Keulenfrage : » Warum ? Wozu ? « Ich will den engenden Wirkungskreis durch verwegene Willkühr sprengen . Vampyr der Langeweile , entfleuch durch des Grabes Pforte zur Urnacht hin , - Herodias Welt , ich fliehe vor Dir in die Wüste der ewigen Freiheit . Eines Heilands Vorläufer erscheine ich mir , wie dem falschen Messias Johannes einst - des Pantheismus Weltreligion siegt einst über die Götzen ..... Allerhaltende Liebe , bald hell bald trüb in der Kette der Wesen vom Stern zum Wurm strahlend , wie jedes nach seinem Grad ein Spiegel des ewigen Feuers - dir vermähl ' ich mich nun ! Die Asche dem Wind und der Odem dem Urquell , dem er entfloß ! So web ' ich unsterblich weiter im All , Unendlichkeit wird das Ende . Verzehrt sind die Wolken der Sterblichkeit , die Sphärenräume zerklaffen - hinauf zum Tabernakel der Urkraft schwebt meiner Seele befreite Flamme ! Wo die ewigen Mächte thronen im Licht , im Allerheiligsten wandelt er sich zur Leuchtkraft selbst und leitet dahin an der Eisenkette der Dinge den Funken des Werdens , der nimmer ward , doch endlos wird und von Kraft zu Kraft stets wechselnd hinrollt , wie in Feuersnoth von Hand zu Hand fliegt der Eimer . Kein Ende , kein Stillstand ! Alles fließt und wechselt in Licht und Leben und Lust ! Unendliche Wonne ! Auch Schmerz ist Genuß dem Atom , das als Alltheil sich fühlet . Wohlan denn , zum letzten Sprunge hinein ! Weh , weh ! Ich verderbe , verlodre . Haha ! Jo , Jo ! Triumph ! O Wollust der Marter , es ist vollbracht ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Mit wirrem Lächeln und hämmernden Schläfen fuhr der Dichter aus seiner Weltentrücktheit auf und stierte umher . In hastigem Sturmschritt war er übers freie Feld nach der Wetzlarer Bahnlinie jenseits des Halensees abgeirrt , mit der fieberischen Schnelligkeit seines gestaltenden Gefühls völlig im visionären Bann des cäsarischen Selbstmörders . In der Ferne raste ein Courirzug heran . Der einsame Wanderer blieb stehn , wie erstarrt , wie vom Blitz getroffen . Seine Augen quollen gräßlich aus ihren Höhlen , sein Mund öffnete sich unwillkürlich , als habe ihn der Starrkrampf der Maulsperre ergriffen , ein Orkan von Gedanken stöberte in Schneeflocken um ihn her - - Tod , der mit unhörbarem Katzenschritt herschleichend uns hinweg reißt , zwischen Zeit und Ewigkeit bist Du der Rand , unentrinnbar unüberbrückbar . Ewigkeit ! Symbolisches Wort für Unaussprechlich- Undenkbares - ein unverständlich leeres Getös für den Gedankenlosen . Doch der Denker Ideen-Stufen durchläuft , bis er steht vor der letzten Fragen Schlund und von unüberwindlichem Schauder gepackt zur Tagesarbeit zurückschnellt . O Riesenkerker , der in sich schließt die Käfige der Welten , - du schreckliches Nie-Gewordenes ! Formlose Urform , die bald sich löst in chaotische Formenlosigkeit , bald ihre fließenden Kräfte ballt zu verdichteten Weltall-Formen ! Die unzählbar gewordene Welten verschlingt in Sündfluth uferlos grenzenlos , und unzählbar-werdende Welten sodann aus chaotischem Mischmasch bildet ! Oder ist auch das niegewordene Eins keine richtige Ziffer , vielmehr eine Null : Ist das Nichts die Wahrheit ? Und ist das All nur des Einzelnen Wahnvorstellung ? Aufzuckend wie Irrlichtschemen , die doch nur wesenlose Ausdünstungen sind vom fauligen Moor ? - Enceladus , zerreiße endlich die Ketten ! Meteorisch sausen verwirrend schnell , Leuchtkugeln ähnlich , Weltkörper umher , die der Allgeist , indischem Gaukler gleich , auf und nieder rollen läßt . Und das Diesseits ist nur ein Schatten . Ob dieser Schatten nur vom unfaßlichen Nichts ein Ausfluß ? Ob , wie es die Regel ja lehrt , Schlagschatten beweisen , daß Licht in der Näh ' oder etwas Persönliches , Festes ? Ob alles irdisch-vergängliche Sein nur der Idee Erscheinungssymbol ? Nur nicht länger mithuschen im Tanz der Puppen-Schatten , die auf des Lebens Grenzmauer sich jagen ! - - Nein , nicht desertiren vor dem Todesgedanken , vor dem Todesgefühl , vor der letzten Wahrheit ! Im Anfang war die That und am Ende sei die That , die lebensvernichtende ! - Nicht desertiren , nicht feige sein ! - Nervöse Raserei durchzitterte all seine Poren - der Courierzug , das Ungeheuer - wende dich ab , Du kannst sonst nicht widerstehn - hahaha , bin Ich der Messias , so laß doch sehn , ob Gott ein Wunder thut - - Ein Sprung auf die Schienen , er glitt aus - - Gott thut heut keine Wunder mehr . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Jetzt stehst Du allein vor der Ewigkeit , allein mit Deinem Genie . Sprich ohne Furcht mit Gott , denn er allein kann Dich verstehn . Er legt ein anderes Maß all Dich , als die gemeine Heerde des Tages . Die schwache Hand der Sterblichen wird nicht rühren an Deinen wahren Werth . Ihr Preis und ihr Tadel kümmern Dich nicht mehr . Dein Geist enttauchte einem Orkan , dem Blitze gleich - Deine Wiege und Deine Gruft wird ewiger Nebel decken . Aufrecht standest Du in Deiner Rüstung in königlicher Einsamkeit , kein schwa ches menschliches Gefühl schlug unter Deinem Panzer . Du stiegest auf zur Größe ohne eitle Freude , Du fielest ohne Murren . Auf der Sinne hohle Reize blicktest Du kalt herab , ohne Lächeln und ohne Seufzer , und Dein Adlerflug maß die Welt mit einem einzigen Königsblick . Stirb denn inmitten Deines Ruhmes und löse Dein düstres Sein in die Atome - rein und rauh , wie Du geboren wurdest , ohne Laster und ohne Tugend . Deine Tugend war Dein Genie . Zwölftes Buch . I. Das » Deutsche Theater « war buchstäblich ausverkauft . Nicht nur das gesammte litterarische und das übliche Premièrenpublikum Neu-Jerusalems , sondern auch die Crême der » guten Gesellschaft « schien vollzählig erschienen . - - Rechts neben der Direktorloge , wo L ' Arronge ' s freundlicher Vollmond erglänzte , operirte Frau Doktor Bergmann , Chefredaktrice der » Berliner Tagesstimme « , in Mitten ihres Großen Generalstabs , an der Seite ihres Leibadjutanten , des lockigen Apolloschwengels Emil Buttermann . Ah , die Thür der vollgepfropften Loge öffnete sich und unter den Salutirungen des Großen Generalstabs erschien Doktor Bergmann in eigener Person . Er hatte also einmal Europa sich selbst überlassen , um leutselig , wie große Männer pflegen , den leichten Spielen der Musen eine Stunde seiner unschätzbaren Zeit zu opfern . Hält doch Bergmann bekanntlich mit Bismarck das Europäische Gleichgewicht aufrecht . Der Reichskanzler zieht rechts , Er links . Bei dieser Atlasbürde scheint es denn kein Wunder , daß er seinen gewichtigen Corpus , den schweren homerischen Rindern gleich , wankend einherwälzt , so daß man immer fürchtet , er werde einem mit seinen Plattfüßen moralisch oder physisch auf den Fuß treten . Auch heute suchte er wieder Raum , dieser schnaubende Elephant . Wie dem seligen Napoleon schien Ihm Europa zu enge . Er mauschelte nach allen Himmelsgegenden mit Armen und Beinen , um der Freiheit eine Gasse zu brechen . Sein aufgedunsenes Antlitz , einem plattgetretenen Kuhfladen nicht unähnlich , strahlte vom Bewußtsein seiner Allmacht . O er ist ein graußer , ein sehr graußer Mann ! Sein besonderes Steckenpferd , die Antisemiten-Suche , ritt er wieder mal chevaleresk wie Don Quixote seine Rozinante . Daher der forschende Blick , mit dem er seinen Generalstab musterte . Wie der Riese Polyphem in seiner Höhle tastete er überall an den Wänden seiner Redaktion herum , um den berühmten » Niemand « , einen Antisemiten , unter seiner eignen Hammelherde zu entdecken . Und wehe , wenn ihm solch ein räudiges Schaf zwischen die Finger kam ! Dann verspeiste er es mit Haut und Haaren . Doch getrost , in König Arthus ' Tafelrunde schien diesmal alles koscher . Lauter wulstige Lippen und Jatagan-Nasen . Da war Nathan der Weise mit den geschlitzten Augen , der den Kanzlerstab des mosaischen Zukunftsreichs im Tornister trägt . Da war Oskar der Gerechte , der flotte Schächter aller Dichterbabies . Und da war vor allem Er selbst , Israels Gründer , der Zertrümmerer des goldenen Kalbs , der neue Moses , der zum Gelobten Lande leitet , wo da Milch und Honig fleußt . Er schäkerte eben huldvoll mit Frau Doktor Bergmann , welche Lieder ohne Worte mit den Augen flötete , ebenso virtuos wie sie Lieder mit Worten am Klavier brüllt . Auch im Parkett versammelten sich die Zierden unsrer Kritik , von allen vier Winden hergeweht , wo nur deutsche Zunge klingt , selbst aus dem Lande der Mausefallenhändler . Die leichte Scheerenschleifer-Kavallerie der Preßpanduren formirte sich . Wieviel giftige Früchtchen , neidgrün angelaufen ! Da gabs die rührigsten redactionellen Schaukelpferdchen , die mit schnalzendem Hopphopphopplala zwischen Autoren und Verlegern herumtraben . Manch vielgewandter Odysseus , der mit alten Hosen beide Hemisphären durchwandert , schwang kräftig das kritische Richtbeil . In einer Ecke des Saales bemerkte man die wundersamste Pflanze internationaler Bodenkultur : Theodosius Drollinger . Dieser bedeutende Mann war mal in Paris und begann daher seine Orakel unwandelbar mit dem ehrfurchterweckenden Ausspruch : » Als ich in Paris lebte . « Da Papa Augier ihn mal die Treppe ' runter geworfen hat , so ernannte er die Trias der französischen Bühnengötter zu seinen intimsten Duzfreunden in seinen Feuilletons . Er , den ein Augier auf die große Zehe getreten , fühlte sich natürlich , er wußte selbst nicht wie , durchzuckt von gallischem Esprit . Auch hatte er plötzlich den Modedichter Kleist , 70 Jahre zu spät , entdeckt . Die Lebenden schwieg er todt , eben um einen neuen Kleist durch solch uneigennützige Unterstützung heranzuzüchten . Wenn der neue Kleist sich erst eine Kugel vor den Kopf schoß , dann wollte er ihn sofort als Klassiker » entdecken « und von den Todten auferwecken . Da saß nun Theodosius , diese Carrikatur eines Boulevardiers , die spärlichen Haare in die Stirn geklebt , um doch ja die neueste Mode der jeunesse d ' horreur mitzumachen . Doch herrschte unter Kosmetikern über die bahnbrechende Technik seiner Frisur der gelinde Zweifel , ob er Pomade oder Zuckerwasser hierzu benutze . Sein maskenhaft-todter Ausdruck , sein stier gleichgültiger Blick , sollten ihn als vornehm zurückhaltenden Gentleman aufspielen . Allein , lächerlich reservirt und zugeknöpft , wenn er mit einem anständigen Menschen zu thun hatte , wurde er äußerst munter und zuvorkommend gegen lustige Dämchen , Spitzbuben und Streber . Sein Vorgänger in der Redaction hielt es aus Gewissenhaftigkeit für seine Redactionspflicht , auch die Gattin des Verlegers unter redactionelle Verantwortlichkeit zu nehmen . Theodosius ehrte pietätsvoll diesen fruchtbaren Redactionsusus , auf diese Weise die Vergangenheit angenehm mit der Gegenwart verknüpfend . Auch er war da , er mit der hackenden Habichtsnase und dem mangelnden Kinn , der große litterarische Todte , der einst die Irrlichter seines schnoddrigen Witzes über die öden Sumpfhaiden seiner heut schon antiquarisch verstaubten Salonstücke verschwenderisch ausstreute . Neben ihm saß ein geistreicher Pavian in großkarrirten Beinkleidern und weißer Weste , und rieb ihm zahllose Paradoxen unter die Nase , und zwar wörtlich , indem er ihm beinahe ins Gesicht sprang . Hinter diesem saß sein Schatten , natürlich ein Baron ( denn wo ein Jude , ist auch immer ein Baron nahe ) . Sein Kater-Näschen und sein ganzes dummdreistes Kneifer-Gesichtchen näselte gleichsam lautlos . Einer jener Litteraturbarone ( natürlich stand » Freiherr « groß und breit in Goldschrift auf der Thür seiner Wohnung ) , welche den ehrenfesten Aristokraten mimen , während der Kenner in ihnen sofort ein neidzerfressenes größenwahnsinniges Streberlein erkennt . Er erzählte grade in näselndem Ton , wie » Serenissimus sein gnädigster Herr « ( einer jener kleinen Köter , kennt ihr meine Farben ) ihm eine echte Havanna verehrt habe . » Mein lieber Baron , meinte der Gnädigste - « Er unterbrach sich , um mit Innigkeit die Gattin eines jüdischen Mache-Meisters zu begrüßen , wie er denn inbrünstig zu Unsrer Lieben Frau vom Jordan betete und mit Gottes Hülfe in den Salons » der geistigen Aristokratie des deutschen ( jüdischen ) Volkes « zu einer Berühmtheit emporgeschwindelt wurde . Was kann da sein ! Man braucht einen Baron als Zimmer-Staffage . Das paßt dem auserwählten Volke in seinen Kram . Der Adel ist heut immer noch ein gutes Geschäft . Dies wußte ja Frau Hermine Schmidt , geborene v. Preuschen , zu würdigen , indem sie sich schlankweg » Baronin Preuschen « weiter fort titulirte . Und siehe da , es war sehr gut . Mit Enthusiasmus stürzten die jüdischen Federpiraten für sie ins Turnei , sintemal es denselben immer zur besonderen Ehre gereicht , einem Adelstitel unter die Arme zu greifen . Mit Entrüstung muß man jedoch die schnöde Verleumdung zurückweisen , daß all diese adligen Herrn und Damen eines enragirten Philosemitismus verdächtig seien . Sie benutzen eben nur die jüdische Presse ebenso schlau wie die conservative zu ihren durchsichtigen Reklamezwecken . Nein nein , man sitzt nicht immer mit einem Baron an einem Tisch ; dies beglückt ja einen armen deutschen Schriftsteller . » College Baron X. « wird daher überall zum Vorsitzenden gewählt . Adel verbürgt Seelenadel , ein sehr gutes Geschäft . Beide spielten hier die Rolle des » Großen Galeotto « , indem sie über Krastinik eine Verleumdung , » einem on dit zu Folge « aussprengten . » Haben Sie dafür irgend einen Beweis ? « fragte der Mann mit der Habichtsnase . » Nein , das grade nicht . Aber Beweise beweisen nichts ! « grinste Doktor Emil Bengelheim mit seinem grotesken schadenfrohen Kichern . » Es liegt in der Luft . Man sagt .. Relata refero , ich bin selbst dabei gewesen wie Commerzienrath Landau zu sagen pflegt . Hihi ! « » El gran Galeotto ! « - - In einer Mittelloge thronte die holde Modelöwin Hagar Satzler in weißem Unschuldgewande , ihren Fächer aus Straußenfedern lieblich hin- und herschwenkend , während ihr andres Katzenpfötchen einen Veilchenstrauß umkrallt hielt . So zart , so weiß , so unschuldsrein wie ein klein Miesekätzchen - sie , die ungenannte Freundin so mancher umwandelbaren Mannesverehrung . Einen hatte sie nach der Riviera versetzt , einen Andern an die Nordmarken - da begriff man denn wohl die heitre Zufriedenheit , die auf diesen edelgeschnittenen Zügen ruhte , das stillbeglückende Bewußtsein eines herzlich guten Gewissens . » Ach , « flötete sie einem neben ihr stehenden kleinen Herrn zu , » ich liebe nur große schlankgewachsene Männer . Sagen Sie doch Ihrem Freund Kabel , er habe so schöne Hände ! « Im Parkett unterhielten sich eifrig Schmoller und Holbach . Letzterer jammerte wieder , daß sein Verleger für ihn so unfläthige Reklame mache , obschon natürlich er selbst hinter den Coulissen das Alles einfädelte . Ueber Schmoller ' s langgedehnte schnüffelnde Spürnase zuckte und wetterleuchtete es nervös , und seinen bärtigen Mund umspielte ein gradezu wollüstiges Lächeln überlegenen Hohns . » Ihnen schadet das nur , lieber Herr College ? fürchten Sie nichts ! Hören Sie die Stimme des Pessimisten : Wenn der Tamtam Ihnen schadet , warum ärgern wir uns denn alle so darüber ? Das ist doch ein überzeugender Gegenbeweis für die Nützlichkeit Ihres Vorgehens ! « » Haha , Sie alter Schäker ! « Holbach lachte heiser auf . » Was Wahres ist ja dran . Worüber sich unsre wahren Freunde freuen , das schadet uns gewiß . Sich zu , ob Deine Freunde sich über etwas ärgern - dann triffst Du sicher das Nützliche ! « » Ach Sie ! « Schmoller wurde schon ausfallend . » Sie heulen doch immer mit den Wölfen ! « » Nun , warum nicht ? « meinte Holbach begütigend . » Mit dem Hut in der Hand kommt man durchs ganze Land . Folgen Sie meinem Rath : Jedem Kritiker , schreibe er nun bös oder gut über mich , versetze ich auf frischer That einen Dankbrief . Glauben Sie mir , wir sind ja alle Menschen ! Alles verstehen heißt alles verzeihen . « O Du Spitzbube ! dachte Schmoller der Fürchterliche . Die Notiz wandert sofort in mein Tagebuch . O schlechte Welt ! Nur ich Biedermann verschmähe - - » Wo steckt denn Federigo ? « rief Holbach plötzlich . » Der müßte doch eigentlich die Claque leiten für seinen Freund Krastinik . Ich denke noch an sein Bravo-Gebrüll bei der Première seines Freundes Adler . Er riß sämmtliche Bänke mit sich fort . « » Ach , bei dem Stubendramatiker ! Na , heut hockt er wohl hinter den Coulissen beim Autor in der Stunde der Prüfung . - Uebrigens verkehre ich nicht mehr mit diesem Schurken . « Schurke war bei Schmoller ein Kosename . Bei ihm theilte sich ja doch die Menschheit in zwei Klassen : Die ihm nützten , - anständige Menschen , und die ihm nicht nützten , - Schurken . » Federigo - ja wohl ! Ich bemerke übrigens , daß diese Verwälschung des Vornamens von mir stammt . Sie haben sie nur in Commission genommen , Herr Holbach . « Er litt nämlich an der Plagiatbeschuldigungs-Manie . Auch die konservative Presse war vertreten . Herr Peter von Schnapphahnitzkoy ( der polakische Adel darf sich schon ' was darauf einbilden , daß seine Vorfahren noch ärger , als die deutschen Raubritter und Strauchdiebe , das Stehlen und Plündern verstanden ) putzte seinen Kneifer zurecht . Seine wasserblauen vorquellenden Froschaugen , sein pomadisirter fuchsblonder Wirbelscheitel , seine aufgestülpte Nase und sein breites bleichlippiges Maul bildeten ein Ensemble , welchem ein lauernder Jesuitenausdruck noch eine besondere Weihe verlieh . Mit spinnefeinem Lächeln tastete er gleichsam mit Spinnwebennetzen vor sich her und umgarnte seine Beute . Wegen allerlei Schuldengeschichten , kaum Lieutnant , aus dem Dienst entlassen , besaß er den hohen Muth , sich als Cirkusreiter das Leben zu fristen . Endlich , um sich zur tiefsten Stufe von der Höhe seines Adels-Tic ' s herabzulassen , wurde er Litterat . Nicht ohne ein gewisses Talent , besonders zu malitiöser Satire , focht er sich schneidig als litterarischer Freibeuter durchs Leben und endlich zum Redakteur der » Töchterzeitung « empor , wozu außer dem Wörtchen » von « sein formvoller Redeschliff und seine gewinnenden Manieren nicht wenig beitrugen . Gegen einen Schmoller nährte er Geringschätzung , weil sein beschränkter Verstand nur den Plebejer in dem Heros sah , gegen Leonhart hingegen tödlichen Haß , da seine giftige Neidwuth sich innerlich zerknirpst fühlte , trotzdem er sich mäkelnde Glossen erlaubte . Die lächerliche Anrempelei eines parfümirten jüdischen Apolloschwengels ( der eine beiläufige Aeußerung Leonharts über eine , diesem nur per Renommee bekannte , Modelöwin absichtlich mißdeutete , damit er sich als Ritter derselben das Air eines bevorzugten Liebhabers geben könne ) , hatte der Antisemit Schnapphahnitzkoy dazu benutzt , um Leonhart in eine Duell-Lage zu verstricken . Zwar lag der Thatbestand nicht entfernt so , daß Leonhart den Judenjüngling hätte fordern müssen , umsomehr derselbe nach Duellbegriffen eine unsatisfaktionsfähige Persönlichkeit vorstellte , da er auf öffentliche Ohrfeigung nur durch denunciatorische Ruinirung des Beleidigers geantwortet hatte . Allein , Schnapphahnitzkoy ergriff mit tückischer Freude die schöne Gelegenheit , um zu insinuiren , Leonhart sei beschimpft , falls er nicht Jemanden fordere , und daher wolle er für jenen ihm ganz Fremden eintreten ! ! ! Er konnte dies schon wagen , zumal noch ein andrer sogenannter Freund Leonharts sich würdelos , trotz der überwiegend gegentheiligen Stimmung der Anwesenden , für die sogenannte » Ehre « jener Dame einsetzte , weil derselbe ebenfalls die geheime Gunst derselben zu erringen hoffte . Und Schnapphahnitzkoy spekulirte wieder auf die Gunst dieses Herrn aus Geschäftsgründen . Ergo ! Leonhart , immer geneigt von seinen Nebenmenschen besser zu denken , als seine pessimistische Menschen- und Physiognomieenkenntniß ihn sonst lehrte , hielt die Sache jedoch für einen bloßen Spaß und suchte daher den p.p. Schnapphahnitzkoy in dessen Redaktion persönlich auf , um diese wesenlose Angelegenheit durch gemüthliche Aussprache aus dem Wege zu räumen . Allein bald mußte er erkennen , daß er einen schweren Fauxpas gemacht . Denn mit kaltblütiger Tücke bestand dieser ritterliche Shylok auf seinen Schein , sein Pfund Fleisch , sein liebes kleines Duell . Er gab zu , daß ihn die Sache nichts angehe , daß sie überhaupt unbedeutend sei , auch daß er selbst noch nie ein Duell gehabt habe . Trotzalledem aber müsse er darauf bestehn , sich mit Leonhart zu schießen , damit sein empfindliches Ex-Lieutnantsgefühl beruhigt werde . Leonhart stellte ihm die volle Unmöglichkeit der Motivirung vor , falls das Duell ernst sein solle - sei es aber als bloße gemeint , so danke er für solche Zeitvergeudung . Das Duell könne seinen guten Sinn haben ( Schnapphahnitzkoy verschanzte sich dahinter , daß Leonhart ja das Duell an sich noch nicht verwerfe ) , falls es sich um ernsthafte Ehrverletzung drehe , aber nur so . Obschon nun Schnapphahnitzkoy recht wohl wußte , daß jedes Ehrengericht ihn als Rowdie-Raufbold verurtheilen und jeder Gerichtshof ihm das höchste Strafmaß des neu verschärften Duellgesetzes aufbrummen würde , - obschon ferner klar auf der Hand lag , daß er als guter Bekannter Leonhart ' s , wenn in seinem militairischen Ehrbegriff gekränkt , umgekehrt grade für denselben den Anrempler desselben fordern mußte , um seinem Anstandsgefühl genüge zu thun , - so ergötzte es doch das verkrüppelte Seelchen des Kleinen , den beneideten Großen in dieser Mausefalle zappeln zu sehn . Uebrigens fürchtete er auch ein ernstes Duell nicht . Erstens schoß und focht er meisterlich , wußte sich also von vornherein Sieger . Zweitens lag ihm wenig an seiner traurigen Existenz . Denn , eigentlich kerngesund , dichtete er sich ein aristokratisches Asthma an und sicherte sich nur noch kurze Lebensdauer zu . Es harmonirte damit , daß auch jener unglückliche Liebhaber der hinter den Coulissen spielenden Donna , welcher ebenfalls an Leonhart seine Rittersporen wenigstens schimpfend verdienen wollte , eingestandenermaßen an einem gewissen unheilbaren Leiden kränkelte . Daher der Todesmuth dieser Todeskandidaten . Nun erfuhr zwar Leonhart bald darauf von verschiedenen Seiten überraschende Dinge über seinen edeln Feind , welche er jedoch schweigend ad acta legte . Auch das sonstige einstimmige Urtheil über den Trefflichen lautete gleich ungünstig . Nicht mal mit der Duell-Bravour hatte es seine Richtigkeit , da er kurz vorher erbleichend » kniff « , als einige gefährliche Studenten ihn wegen einer cynischen Bemerkung über das gesammte weibliche Geschlecht ( daher Chef der » Töchterzeitung « ) zur Rechenschaft forderten . Aber der Dichter , dessen Mensuren und Schlachten auf ganz anderem Gebiete lagen als auf dem der pöbelhaften Klopffechterei , schien ihm ein bequem wehrloser Prügeljunge , während er selbst vor seinem Todfeind Schmoller zitterte wie Espenlaub , wenn er diesem zufällig auf dem Pferdebahn-Perron begegnete , » zerschmettert von meinem Blicke , « wie der große Sittenschilderer ausschmückend hinzufügte . Kurz , von welcher Seite man den ritterlichen ironischen Kneiferhelden auch betrachten mochte , - überall blieb er die gleiche einnehmende Überflüssigkeit , die ihre ganze Existenzberechtigung aus dem Wörtchen » von « herleitete . Einen Augenblick empfand Leonhart , als die fischblütige Ruhe dieses Wouldbe-Gentleman an ihm die hartnäckige Betonung der Duell-Nothwendigkeit » aus unsern gesellschaftlichen Verhältnissen heraus « wie eine Schraubentortur weiterquetschte , das Gelüst aufzuspringen : » Sie sind ja ein Bube , Sie ! « Sein Stock zitterte in seiner Hand , es schwamm ihm roth vor den Augen und er sah gleichsam das Blut langsam die wachsbleiche abgelebte Todtenmaske heruntertropfen , wenn er quer durch die hohngrinsende Fratze hieb . Denn dieser gutmüthig weiche Charakter durfte leider mit Hamlet gestehen : » Wenn ich auch mild bin von Natur , so ist doch was Gefährliches in mir , das ich zu scheuen bitte . « Es war nur ein Augenblick , es ging vorüber . Er überlegte blitzschnell , was denn eigentlich daraus werden solle . Von höchstem moralischen Muthe , fühlte sich der Dichter , zwischen Jähzorn und Niedergeschlagenheit schwankend , so nervös herabgestimmt , daß eine allgemeine Schwäche der persönlichen Initiative ( neben höchster Anspannung des Willencentrums in rein geistigen Dingen ) ihn vor rohen Aeußerlichkeiten zurückbeben ließ . Sollte er sich hier persönlich mit dem gefährlichen Lauerer herumwürgen ? Derselbe war allem Anschein nach wohl stärker , wie denn rauflustige Memmen immer nur dem physisch Schwächeren gegenüber Muth schöpfen , da ihnen ja nichts imponirt als körperliche Züchtigung . Von physischem Muth kann ja überhaupt nur dem Stärkeren oder gleich Starken gegenüber die Rede sein . Die Renommisten der Fechtböden , prahlend mit ihrem muskulösen Arm , die minder Gewandten abfertigend , laufen oft in der Schlacht davon . Duell ! Sollte er sein kostbares Loben , von welchem die Zukunft der Poesie abhing , aufs Spiel setzen , um einem werthlosen Junkerlein als Zielscheibe seiner Schießkunst zu dienen ? ! Nein , diese Farce der Selbstentehrung , zu Ehren eines formvollendeten Rowdie für das Gerippe einer moderzerfressenen After-Ehre , sollte nicht den Mephisto des Zufalls ergötzen . Leonhart erhob und empfahl sich kurz , mit lebhaftem Bedauern , daß ihre Auffassungen so weit auseinander gingen . Schnapphahnitzkoy geleitete ihn mit stummer Verbeugung bis zur Thür . Von beiden Seiten war kein zuchtloses Wort gefallen . In dieser Hinsicht wenigstens verleugnete jener merkwürdige