. Dann wurden die Männer vor den Rat gestellt . » Was ist euer Begehren ? « fragte der Herzog . » Ich bin Unislaw « , sagte einer , » und mußte ein Fähnlein Konrads befehligen , mein Genosse ist Mladota , und hatte auch ein Fähnlein zu führen . Die Krieger , welche in Znaim sind , haben uns gewählt , zu dir zu gehen , hoher Herr , und dir zu sagen , daß wir dir die Stadt übergeben wollen , so du uns schonest . Der Herzog Konrad von Znaim ist nicht in der Stadt , und keiner der vornehmlicheren Führer ist in ihr . Wir wollen uns unterwerfen , und werden dir in der Zukunft treulich dienen . « » Leget die Waffen auf dem Marktplatze der Stadt nieder , und kommet alle vor mein Lager « , sagte der Herzog , » es wird eures Leibes und Lebens geschont werden . Wenn aber Konrad oder einer der großen Führer in der Stadt gefunden würde , gehört er vor mein Gericht . Ihr könnt mir dienen , wie ihr Konrad gedient habt , und wie ihr , wenn ihr dem Gebiete von Znaim angehört , einem Herzoge von Znaim wieder dienen werdet , der gesetzt werden wird . Nur gegen den Herzog von Böhmen und Mähren dürft ihr in der Zukunft nicht mehr dienen , er könnte vielleicht nicht verzeihen , und ich würde zum zweiten Male nicht verzeihen . Jetzt geht , und kündet denen meine Worte , die euch gesandt haben . Ich glaube , Herren meines Rates , es ist nicht ungerecht , wie ich gesprochen habe . « » Es ist nicht ungerecht « , riefen viele Stimmen . » So geht , ihr Männer « , sprach der Herzog . Die zwei Männer gingen . Nach einer Stunde kam ein langer Zug von Kriegern ohne Waffen aus der Stadt , und stellte sich vor dem Lager des Herzogs auf . Der Herzog trat vor sie , und Unislaw sagte : » Das sind die Krieger der Stadt Znaim . « » Man wird euch ein Lager anweisen , und dort harret des weitern « , sprach der Herzog . Nach den unbewaffneten Kriegern kam ein Zug von Menschen in verschiedenen Kleidern aus der Stadt , und verlangte zu Wladislaw . Wladislaw ließ sie vor sich und die Seinen . Sie knieten vor ihm nieder , falteten die Hände , und baten um Schonung . » Stehet auf « , sagte der Herzog . Sie standen aber nicht auf , und blieben mit gefalteten Händen knien . » Stehet auf , sonst spreche ich nicht mit euch , und kehre euch den Rücken « , sagte der Herzog . Die Leute erhoben sich . » Ich erkenne an deinem Gewande , daß du ein Vorsteher bist « , sagte der Herzog zu einem , » rede , was ist eure Bitte ? « » Hocherlauchter Herr « , sprach der Angeredete , » ich bin der Kmete der armen Stadt Znaim . Die Stadt steht dir zu deinem hohen Einzuge offen . Wir sind alle nicht schuld an dem Abfalle deines untergebenen Herzoges Konrad , und flehen demütig und unterwürfig , du wollest uns das Unheil nicht entgelten lassen , das geschehen ist , und unser Leben nicht nehmen , und uns nicht mit Brand und Zerstörung heimsuchen . Unsere jungen Männer , die noch da sind , oder die kommen werden , sollen dir als Streiter dienen , und wir alle werden dir dienstbar sein . « » Ich bin der Herzog der Länder Böhmen und Mähren « , antwortete Wladislaw , » und nehme den Leuten meiner Länder nicht mutwillig das Leben , und zerstöre nicht mutwillig die Güter der Länder . Ihr gebt eine Kriegesgabe aus der Stadt , und Leib und Gut des einzelnen wird geachtet , der nur ein Bewohner der Stadt ist . Wer ein hervorragendes Werkzeug des Verrates gewesen ist , wird vor ein mildes aber gerechtes Gericht gestellt werden , und eben so der , der ihn verbirgt . Sagt das denen , die in Znaim sind . « » Wir verbergen niemanden « , sprach der Kmete , » und würden dir jeden , der uns als Hehler bekannt würde , übergeben . Die Rädelsführer sind entflohen . Gepriesen seiest du , milder , großmütiger , hocherlauchter Herr ! « » Gepriesen , und gesegnet , hoher Herr , wir beten für dich « , riefen die Flehenden durcheinander . Und der Kmete neigte sich vor Wladislaw , und küßte den Zipfel seines Kleides . Und die andern warfen sich wieder auf die Knie , und suchten näher zu kommen , und griffen nach den Kleidern Wladislaws , sie zu küssen . Er wehrte ihnen aber , und sprach : » Ich tue nur das Rechte , erhebet euch , und geht , und tröstet die Eurigen . « Da die Leute aber in ihren Gebärden flehentlich fortfuhren , ließ er geschehen , was sie verlangten , und redete ihnen freundlicher zu , sich zu erheben . Da standen sie auf . Dann sprach er : » Du hast gesagt , Kmete , daß ihr mir dienstbar sein wollet . « » In allem , hocherlauchter Herr , das du befehlen wirst « , antwortete der Kmete . » So rüstet in eurer Stadt sogleich Gemächer , die Verwundeten in sie aufzunehmen , die meinigen und Konrads « , sagte der Herzog , » dann sendet Männer mit Tragbahren , Sänften , und was ihr habt , um meine Leute bei dem Hineinbringen der Verwundeten zu unterstützen . Sind Menschen aus dem Lande in eure Stadt gekommen ? « » Viele , hoher Herr , haben Zuflucht hinter unseren Zinnen gesucht « , antwortete der Kmete . » So lasse verkünden , daß sie in ihre Wohnungen zurückkehren , und ihrer Verrichtungen pflegen « , sagte Wladislaw , » meine Krieger sind um mich versammelt , der Krieg ist in dem Herzogtume Znaim geendigt , und sie können unter meinem Frieden ruhig leben . Ich werde dir einen Herold mitgeben , der deine Worte bestätigt . Sie sollen das Land hegen , daß nicht Nöten und andere Übel dem Kriege folgen , sonst würde Verantwortung geleistet werden müssen . Dann sende so viele eigene und fremde Leute , als du nur vermagst , auf das Schlachtfeld zur Begrabung der Toten . Sie finden dort meine Männer , die ihnen helfen und Weisung geben werden . Hast du meine Worte verstanden ? « » Ich habe sie verstanden , hocherhabener Herr , und werde sie vollführen « , sagte der Kmete . » So eilet nun , daß nicht eine unnütze Zeit vergehe « , sprach der Herzog . » Wir danken dir , wir preisen dich , wir ehren dich , hoher Herzog « , rief der Kmete . » Wir preisen dich , wir ehren dich « , riefen die Leute , und manche brachen in Schluchzen aus . Dann winkte ihnen der Herzog , zu gehen . Sie neigten sich vielmal , wendeten sich , und schlugen den Weg in die Stadt ein . Der Herzog ordnete nun alles an , das notwendig war , damit ein festes Lager würde , in welchem seine Krieger eine Zeit wohnen könnten . Dann ließ er die Zeichen geben , daß das Heer in Ordnung aufgestellt werde . Als dieses geschehen war , ritt er mit einem Geleite an allen seinen Männern und Führern hin , und dankte , und gab Versicherungen der Belohnung . Er sprach mit vielen der Führer und der anderen Leute . Er ritt langsam an den Kriegern des Waldes hin , die geschlossen da standen , und auf ihn blickten . Er dankte für ihren besonderen Dienst , und hielt sein Schwert zum Gruße gesenkt . Er sprach mit Witiko , mit Rowno , mit Wyhon , mit Osel , auch zu den Söhnen Osels sprach er , dann sprach er mit Diet , mit Werinhard , mit Wolf , mit Witislaw , mit Hermann , mit Wenzel , er sprach zu dem alten Wenhart , zu dem alten Florian , zu Johannes aus dem Wangetschlage , und noch zu mehreren Männern , meist zu solchen , welche weiße Haare auf dem Haupte hatten . Als der Dank des Herzogs vorüber war , wurden die Krieger wieder in ihre Lagerplätze entlassen . Der Herzog ging jetzt aber mit den Bischöfen zu den Verwundeten , und tröstete sie . Er fand bei ihnen schon manchen Tröster und selbst Pfleger aus der Priesterschaft und den hohen Führern . Als er wieder in sein Gezelt gekommen war , ließ er die Zeichen zur Sammlung der Scharen ertönen , welche mit ihm in Znaim einziehen sollten . Da die Sammlung vollendet war , begann der Zug . Eine Menge von Menschen war schon an dem Wege , und sie riefen dem Herzoge zu . Aber noch dichter waren sie in der Stadt . Vor dem Tore wurde Wladislaw von den Priestern , von den Vorstehern und von schön gekleideten Jungfrauen begrüßt . Dann ritt er in seinem einfachen braunen Gewande in die Stadt . Hinter ihm ritten Diepold und Heinrich , dann die Bischöfe , Bolemil wurde in seiner Sänfte von zwei Saumpferden getragen , die einer seiner Enkel leitete , und der alte Wsebor ritt neben Bolemil , und dann war Diwis und Lubomir , dann waren die Äbte , und dann waren Preda und Chotimir . Die übrigen Führer ritten bei ihren Abteilungen . Vor dem Herzoge und seinem Geleite waren Kriegerscharen , und hinter ihm auch . Das Volk rief ihm zu , und sang Gesänge . Wladislaw ritt zur Kirche , stieg mit seinem Geleite von dem Pferde , und weil der Bann auf dem Lande war , taten sie vor der Kirche kniend ein Dankgebet . Dann ritt er in die Burg , und als die Führer ihn dahin geleitet hatten , wurden sie entlassen . Die in der Stadt blieben , erhielten ihre Wohnungen angewiesen . Die übrigen Scharen zogen wieder in das Lager . Bald nach dem Einzuge Wladislaws wurden die Verwundeten in die Stadt gebracht . Am Nachmittage dieses Tages ritt Witiko mit seinen Befehlsträgern , mit Wenhart und dreißig Reitern auf das Schlachtfeld zu den Männern , die er zur Begrabung ihrer Toten dahin geschickt hatte . Er fand sie am unteren Rande der Wiese . » Seid gegrüßet , ihr Männer der Trauer « , sagte er . » Es ist traurig , wenn man einen Angehörigen verliert « , sprach David , der Zimmerer , » sie werden weinen und wehklagen , wenn wir ihnen die Nachricht bringen , und wenn wir ihnen auch die Geschenke des Herzogs bringen , und es ist traurig für uns , daß wir einen Mann begraben müssen , den wir kennen , und den die erschlagen haben , die uns alles nehmen wollten , und die einen Herrn bringen wollten , der uns dann weiter nimmt , was wir wieder erworben . « » Wir sollten ihnen noch mehr vergolten haben , als es geschehen ist « , rief der Schmied von Plan , » es ist schade , daß sie geschlagen sind , und daß sie davon sind , daß wir sie nicht noch einmal schlagen können . « » Dann hätten wir wieder Tote , und müßten sie wieder rächen , und das ginge so fort « , antwortete Witiko . » Ja , das ginge fort « , sagte der Schmied . » Habt ihr wohl gemerkt , wen ihr begraben habt , daß wir alle aufzeichnen , und daß kein Irrtum entsteht , der einen vergeblichen Jammer hervorrufen würde ? « fragte Witiko . » Andreas hat einen Zettel « , sagte der Schmied , » und dann hat er jeden sogleich mit einem spitzigen Blei darauf geschrieben , wenn wir auf seinem Grabe gebetet hatten . « » Habt ihr viele ? « fragte Witiko . » Nicht viele « , sagte Andreas , und zog seinen Zettel heraus . Er las : » Melchior von der Stift . Er ward durch und durch gestochen . Wenzel aus den Auhäusern . Er hatte die Wunde im Halse . Kaspar von Reichenau . Ich weiß nicht mehr , David , war es der mit dem zerbrochenen Kopfe ? « » Es ist nicht nötig , daß du die Verwundung ansagst , lese nur die Namen « , sprach Witiko . Andreas las weiter : » Michael von dem schwarzen Bache . Johannes aus den Heurafelwaldhäusern . Arnold von der unteren Moldau . Jobst von dem Rathschlage . Sebastian aus Friedberg . Ruprecht vom Kirchenschlage . Simon von Mugrau . « » Es sind zwei , die so heißen « , sagte Witiko . » Es ist der kleine « , antwortete Andreas . » Dann haben wir noch den alten Lenz von dem Schwenberggute . Er hat drei Wunden , und sein weißer Bart ist ganz blutig . Wir müssen die Grube erst zuwerfen , und beten . « » Gebt ihr jedem eine Grube ? « fragte Witiko . » Wir geben jedem eine « , sagte Andreas , » wenn auch die Arbeit mehr ist , weil wir treulich an einander halten müssen , und weil sie es uns in der andern Welt danken werden . Es halfen uns fremde Leute , die aus der Stadt gekommen sind , und die Pfarrer in dem Walde werden den Segen beten , wenn wir nach Hause kommen . « » Sie werden ihn beten « , sagte Witiko . » Habt ihr keinen mehr gefunden , der schwer verwundet ist ? « » Nein « , antwortete Andreas , » unsere Verwundeten haben wir sorgsam schon früher ausgesucht , und die von andern Scharen sind auch schon fortgebracht worden . Wir haben viele Verwundete . « » So forschet nur fort nach den Toten « , sagte Witiko , » und schreibe sie sorgfältig auf . Hier hast du noch ein Stück Papier , schreibt sie zwei Male auf , und gebt an zwei verschiedene Männer die zwei Zettel , daß der andere übrig ist , wenn einer verloren würde . « Er reichte nach diesen Worten ein Papier an Andreas . » Wir werden tun , wie du sagst « , antwortete Andreas . » Es ist trübselig , die Gruben mit den Heimatleuten in der Fremde auf dem öden Felde zu füllen . « » Es ist ein christliches Werk , und es ist ein Trost für die daheim « , sagte Witiko . » Wir tun es auch gerne « , sagte Andreas , » wie sie es uns getan hätten , wenn uns das Unheil widerfahren wäre . « » Seinen Vater verteidigen , seine Mutter , seine Schwester , sein Weib , seine Kinder , seine Braut , die Greise und Greisinnen der Heimatgenossen , die Kranken und alle , die nicht mitziehen können , ist ein schönes und heiliges Werk , das nur immer ein Mann verrichten kann « , sagte Witiko , » und wenn er in dem Werke sein Leben lassen muß , so ist es ein noch heiligeres , und alle müssen sein Andenken ehren , für die er ausgezogen ist . « » Wir ehren es auch , die wir doch mit ihm gezogen sind « , sagte Andreas . » Wenn ihr in dem Walde gegen die Wölfe geht , da sie sich einmal zu sehr mehren « , sagte Witiko , » und wenn ein Mann durch diese Wölfe im Streite verunglückt , so tragt ihr es . « » Wir tragen es , wenn es auch ein Unglück ist , weil es sein muß « , sagte Andreas , » und diese Menschen , die gegen uns und den Herzog sind , diese sind auch wie Wölfe , die sich vermehrt haben . « » Wohl ist es so « , sprach Witiko , » nur daß den Wolf sein Hunger treibt ; diese aber ihr Gelüste . « » Und darum müssen wir gegen sie noch mehr gehen , als gegen die Wölfe « , sagte David , der Zimmerer . » Wir gehen « , sprach Witiko , » und wir werden mit den andern Scharen und mit Gottes Hilfe alles vollenden . « » Wir werden alles vollenden « , riefen mehrere Männer . » Ich werde euch in eurer Arbeit ablösen lassen « , sagte Witiko . » Wenn du Leute sendest « , sprach Andreas , » so können sie uns helfen ; aber wir bleiben auch hier . « » Tut , wie ihr übereinkommt « , sagte Witiko , » und gehabt euch wohl , lieben Männer . « » Gehabe dich wohl « , riefen ihm die Männer zu . Witiko ritt mit seinen Begleitern nun noch auf andere Stellen des Schlachtfeldes . Er sah , wie man überall beschäftiget war , die Toten , Freund und Feind , zu bestatten , und einen oder den andern , in welchem noch Leben war , er gehöre zu Konrad oder Wladislaw , zu laben , und zu versorgen . Er fand Rowno , der seinen Oheim Stan verloren hatte , er fand Diet , er fand Osel , er fand Wyhon und manche andere . Dann ritt er wieder in das Lager der Seinigen , und sandte sogleich Männer , denen auf dem Schlachtfelde zu helfen . Er ging jetzt zu den Verwundeten . Man hatte aus Balken , Brettern , und wessen man habhaft werden konnte , ein Nothaus zu bauen begonnen , und in demselben waren bereits die Verwundeten . Es war ein Arzt aus dem Lager des Herzogs gekommen ; aber die Männer Witikos vertrauten mehr den Mitteln , die sie sonst anwendeten , wenn der Wald Wunden brachte . Witiko sprach , da er unter ihnen war : » Meine lieben Freunde und Heimatleute , ich bin zuerst zu den Toten auf das Schlachtfeld gegangen , weil sie das höchste irdische Gut verloren haben , das Leben . Ich habe sie besucht , und habe innerlich ein kurzes Gebetlein gesagt . Wir werden alle , wenn es an der Zeit ist , auf ihre Grabstätte gehen , und zu ihrer Ruhe beten . Ich bin auch darum hinaus gegangen , ob nicht noch einer draußen ist , der an einer schweren Wunde leidet . Aber es ist keiner mehr . Dann bin ich zu euch gekommen , denen das zweite Gut dieser Welt unterbrochen worden ist , die Gesundheit . Gott wird sie euch allen wieder geben , wir bitten ihn darum , und wollen alles tun , was wir mit unseren Kräften vermögen , euch zu helfen . Man macht jetzt über euch ein Obdach ; aber wenn ihr wollt , werden wir euch in gute feste Häuser der Stadt bringen . « » Lasse mich bei unsern Leuten « , sagte Adam , der Linnenweber aus Plan , » ich stürbe in der Stadt . « » Mich auch « , sagte Sebastian , der Schuster von Plan . » Mich lasse auch da , Witiko « , sagte Tobias , der Hirt von Plan , » ich weiß schon , wie man mit Wunden tun muß , und habe meinen Sohn unterrichtet , und er wird zu Hause bei den Tieren Rat geben , wenn einem etwas zustößt . « » Mich lasse auch da « , sagte Raimund von der Mugrauer Heide . » Mich lasse auch da « , sagte ein anderer Mann . » Mich auch « , sagte wieder einer . » Männer « , antwortete Witiko , » wer nicht in die Stadt gebracht werden will , der kann an dieser Stelle bleiben , so lange das Lager dauert , und wir werden sorgsam für ihn sein . Und wer in ein Gemach der Stadt begehrt , der wird auf einer guten Tragbahre dahin gebracht werden . Saget nur denen , die euch warten , was ihr wollt , und sie werden eure Wünsche zu mir bringen . « » So ist es recht « , » so ist es gut « , sagte einer und der andere der Verwundeten . Und nun ging Witiko zu jedem , fragte ihn um seinen Zustand , und ließ sich erzählen wie er verwundet worden sei , und was man jetzt gegen seine Wunden an ihm getan habe . Dann tröstete er ihn , und redete daneben von der Zeit , in der er wieder fröhlich bei seinen Kampfesbrüdern sein , und von der Zeit , in der er wieder die grünen Bäume seines Waldes sehen werde . Witiko blieb noch eine lange Zeit in dem Hause der Verwundeten . Es waren viele von den Waldleuten da , einige waren gekommen , ihre Freunde zu besuchen , andere , welche Kenntnisse hatten , wie man bei Verwundungen verfahren müsse , waren als Pfleger da . Frauen aus dem Lager halfen in allen Dingen , und der Priester von Daudleb hatte sich als Krankenwärter eingerichtet . Witiko ging von den Verwundeten zu seinen andern Leuten , um zu besorgen , was nach der Lage der Dinge zu besorgen war . An dem nämlichen Tage ritt auch der Herzog Wladislaw noch mit einem Geleite auf das Schlachtfeld , und er kam dann zu den Verwundeten der Waldleute . Als schon die Nacht eingebrochen war , kamen die Männer Witikos , die mit dem Begraben der Toten beschäftigst gewesen waren , in das Lager , sagten , sie seien fertig , und Andreas gab Witiko die beiden Zettel , auf denen die Namen der Begrabenen geschrieben waren . Witiko dankte ihnen , und sagte , sie sollen ruhen , und sich nach der kläglichen Arbeit pflegen . In dieser Nacht sendete Witiko auch noch einen Boten an seine Mutter nach Landshut fort . Am andern Morgen fragte er den Priester von Daudleb , welche der Verwundeten sich zur Überbringung in die Stadt gemeldet hätten . » Sie wollen alle hier bleiben « , sagte der Priester . » So sollen sie hier bleiben « , antwortete Witiko , » ich werde selber zu dem Herzoge reiten , und ihn um die Vergünstigung bitten . « » Die Menschen , welche in dem Walde geboren worden sind , und in dem Walde groß gewachsen sind « , sagte der Priester , » bekommen gerne Heimweh , wenn sie nicht mehr in dem Walde leben können , und die Kranken würden Heimweh bekommen , wenn sie von ihren Genossen , die hier sind , entfernt würden . « » Ich weiß es , ich weiß es « , sagte Witiko . » Und von dem Gemüte aus heilt man den Körper oft leichter als mit Salben und Mitteln « , sprach der Priester . » Und in den Gemütern wollen wir alle sie trösten « , sagte Witiko . » So wollen wir « , sprach der Priester . Witiko ritt sogleich zu dem Herzoge , und berichtete ihm die Sache . Wladislaw gestattete , daß die Männer ihren Willen haben , und sandte sogleich guten Wein und Lebensmittel und Bettstücke und anderen Bedarf in das Haus der Verwundeten . Witiko ritt wieder zu den Seinigen . Ehe die Sonne den Mittag erreichte , zogen alle Männer des Waldes außer denen , die bei den Verwundeten bleiben mußten , mit Witiko auf das Schlachtfeld , knieten dort nieder , und beteten für ihre Begrabenen , und dann für die Begrabenen der andern . Zu Hause beteten die Pfleger der Verwundeten für sie , und es beteten die Verwundeten für sie . Man sendete nun auch Boten in die Heimat , zu berichten , was vorgefallen war . Das Lager vor der Stadt Znaim und die Hofhaltung in der Burg wurden immer fester eingerichtet . Wladislaw bestellte eine Verwaltung des Gebietes von Znaim . Er hielt Gericht , und hörte jeden , der von den Ländern Böhmen oder Mähren kam , und ein Anliegen vorbrachte . Die Kriegsbeute und die Kriegsgaben wurden aus dem Gebiete gesammelt , und die Güter der Feinde , welche bei Konrad gewesen waren , wurden zu dem herzoglichen Gute geschrieben . Männer strömten nun von allen Seiten herzu , und wollten Wladislaw dienen . Es wurden die Nötigen gewählt , und in das Heer eingeteilt . Von dem mittäglichen Walde kamen noch einhundertfünfunddreißig Männer , und wurden Witiko zugeteilt . Wladislaw hielt öfter mit seinen Führern Rat , was weiter zu beginnen sei , und oft vereinigte er sie bei den Übungen des Heeres oder bei einem fröhlichen Mahle . So waren siebenunddreißig Tage nach der Schlacht vor Znaim vergangen , und die weiteren Zurüstungen waren vollendet ; Wladislaw verlangte von den Führern , daß sie ihre Männer in Bereitschaft setzten , den Auszug zu beginnen . Eines Tages wurde Witiko gemeldet , daß der Schuster von Plan , Sebastian , sehr traurig sei , und immer sage , er werde sterben . Witiko ging zu dem Manne in das hölzerne Haus der Verwundeten , und sprach zu ihm : » Sebastian , sie haben mir gesagt , daß du bekümmert bist , aber deine Wunde heilt schon , und du wirst sehr bald wie früher unter uns sein . « » Sie heilt « , antwortete Sebastian , » aber innerlich ist alles anders , und mir ist sehr wehe . « » Das wird sich erhellen , wenn du unter der Sonne und in der freien Luft mit uns ziehest , und die Lieder und die Gespräche erschallen « , sagte Witiko . » Ich werde hier sterben « , sagte Sebastian . » Aber ehe du stirbst , wirst du draußen sein und gesund « , sagte Witiko . » Ich habe sehr schöne Dinge aus rauhen Bälgen gemacht « , sprach Sebastian , » sie sind immer bei dem Gepäcke gewesen , und jetzt weiß ich nichts , und sie werden zu Grunde gegangen sein . « » Ich will selber nach diesen Sachen sehen « , antwortete Witiko , » und werde sie dir zu dem Bette senden , und sie sollen dir jedes Stück zeigen . « » Wenn sie zu finden sind « , sagte Sebastian . » Von dem Gepäcke ist nichts verloren worden « , sprach Witiko , » wir haben nach der Schlacht alle Säumer hieher gebracht . « » Wir haben groß gesiegt « , sagte Sebastian . » Alles Land von Znaim ist unser « , antwortete Witiko , » und jetzt wird bald Brünn und das ganze Land Mähren unser sein . « » Das ist recht gut , das ist recht gut « , sagte Sebastian , » und du bist sehr besorgt , Witiko . « » Ich gehe sogleich zur Nachfrage um deine Balgdinge « , sprach Witiko , » und werde in einer Zeit wieder zu dir kommen , und deine Wunde wird wieder besser sein , und du wirst auch besser sein . « » Ich werde bis dahin noch nicht sterben « , sagte Sebastian . » Und später auch nicht « , sagte Witiko , » und jetzt gehabe dich wohl . « » Gehabe dich wohl « , sprach Sebastian . Witiko ging zu dem Troßlager , und fragte um die Balgwaren des Schusters Sebastian von Plan . Man suchte einen Sack unter den andern Sachen hervor , in dem sie waren . Witiko ließ den Sack zu Sebastian tragen . Er erzählte nach einem Rate bei dem Herzoge das Vorkommnis , und die Lechen und Herren kauften von Sebastian alle Dinge , daß er mehr Geld erhielt , als er je gehofft hatte . Und er starb nicht und saß später in der Sonne vor dem hölzernen Hause , und zählte sein Geld . Den Sack schickte er zu künftigem Gebrauche nach Hause . Als fünfzig Tage vergangen waren , seit das Lager vor Znaim bestand , wurde der Zug gegen die anderen Fürsten von Mähren angeordnet , die auch immer geworben , und sich gerüstet hatten . Das Heer Wladislaws war aber so stark geworden , daß trotz der Kraft der Feinde kein Krieg mehr war . Was jetzt erfolgte , war nur ein Fortdrängen der Feinde , ein Nehmen von Beute , ein Sammeln von Kriegsgaben , und eine Verwüstung und Zerstörung ; der Herzog und die Führer suchten der Verwüstung zu wehren , aber die Verwüstung geschah . Und so gingen die Krieger wie eine Wolke über das ganze Land . Nach zwei Monden war Mähren in der Gewalt des Herzogs Wladislaw . Die Fürsten und die vornehmlicheren Führer flohen in fremde Länder . Auf grüner Heide hielt Wladislaw den Dankgottesdienst . Es wurde ein großes Lager der Krieger Wladislaws vor Brünn errichtet , und von diesem Lager aus wurden die Dinge des Landes geordnet . Eines Tages ließ der Herzog einen großen Platz zu einem Feste schmücken , und sandte Boten aus , alle , die entfernt waren , zu laden . Als der Tag des Festes gekommen war , sah man einen grünen Raum mit Schranken eingefaßt , welche mit kostbaren Tüchern behängt waren . Auf dem Raume sah man Bänke in einem halben Kreise , welche mit Sammet und Seide belegt waren . Vor den Bänken stand ein Tisch , auf dem Sammet war , und an dem Tische stand ein gezierter Stuhl . Weiter rückwärts waren viele Tische zu einem Mahle gerüstet . Von den Schranken weg stand in einer langen Reihe das Heer mit seinen Führern . Wladislaw , hinter dem ein Geleite war , kam von dem Lager , und ritt an der ganzen Reihe dahin , grüßte jede Abteilung , dankte für die Treue , und nahm Abschied von denen ,