gedachte er , sie sofort zu benützen . In dieser Absicht hielt er unbeweglich im zweiten Treffen weit hinter den Sturmkolonnen . Er hatte allen Anführern Auftrag gegeben , ihn schleunig herbeizurufen , wo sich eine Lücke der Verteidigung zeige . Lange , lange hatte er so gewartet . Manches Wort der Ungeduld hatte er von seinen Scharen zu tragen gehabt , die müßig stehen sollten , während die Genossen überall im frischen Vordringen waren : lange , lange harrten sie auf einen Boten , der sie abriefe zur Teilnahme am Kampf . Da bemerkte endlich des Königs scharfes Auge selbst zuerst , wie von den Zinnen der Außenmauer am Grabmal Hadrians die wohlbekannten Feldzeichen und die dichten Speere der Isaurier verschwanden . Aufmerksam blickte er hin : sie wurden nicht abgelöst , die Lücken nicht ersetzt . Da sprang er aus dem Sattel , gab seinem Rosse einen Schlag mit der flachen Hand auf den stolzen Bug , sprach : » Nach Hause , Boreas ! « und das kluge Tier lief geradeaus in das Lager zurück . » Jetzt , vorwärts meine Goten ! vorwärts , Graf Markja ! « rief der König , » dort über den Fluß - die Mauerbrecher laßt hier zurück : nur die Schilde und die Sturmleitern nehmt mit . Und die Beile . Voran ! « Und im Lauf erreichte er den steilen Uferhang an der südlichen Biegung des Flusses und eilte den Hügel hinab . » Keine Brücke , König , und keine Furt ? « fragte ein Gote hinter ihm . » Nein , Freund Iffamer , schwimmen ! « und der König sprang in die gelbe schmutzige Flut , daß sie zischend hoch über seinem Helmbusch zusammenschlug . In wenigen Minuten hatte er das andere Ufer erreicht , die vordersten seiner Leute mit ihm . Bald standen sie hart vor der hohen Außenmauer des Grabmals und die Männer blickten fragend , besorgt hinauf . » Leitern her ! « rief Witichis , » seht ihr nicht ? Die Verteidiger fehlen ja ! Fürchtet ihr euch vor hohen Steinen ? « Rasch waren die Leitern angelegt , rasch die Außenwälle erstiegen , die wenigen Wachen hinabgestürzt , die Leitern nachgezogen und an der Innenseite der Außenmauer in den Hof hinabgelassen . Der König war der erste in dem Hofraum . Hier freilich wurde das Vordringen der Goten eine Weile gehemmt . Denn auf den Zinnen der Innenmauer standen , vom pankratischen Tore hierher geeilt , Quintus Piso und Kallistratos mit hundert Legionaren und nur ein paar Isauriern : und diese schleuderten einen dichten Hagel von Speeren und Pfeilen auf die nur vereinzelt in den Hofraum hinabsteigenden Goten : auch ihre Ballisten und Katapulten wirkten verheerend . » Schickt um Hilfe , um Hilfe zu Cethegus ! « rief oben auf der Mauer Piso . Und Kallistratos flog davon . Rechts und links fielen die Goten unten im Hof neben Witichis . » Was tun ? « fragte Markja an seiner Seite . » Warten , bis sie sich verschossen haben , « sagte dieser ruhig . » Es kann nicht lange mehr währen . Sie werfen und schießen viel zu hastig in ihrem Schrecken . Seht ihr : schon fliegen mehr Steine denn Pfeile . Und die Speere bleiben aus . « - » Aber die Ballisten , die Katapulten - « - » Werden uns bald nicht mehr schaden . Ordnet euch zum Sturm . Seht , der Hagel wird sehr spärlich . So , nun die Leitern bereit und die Beile . - Jetzt , rasch mir nach . « Und in schnellem Anlauf rannten die Goten über den Hof . Nur wenige waren dabei gefallen . Und schon standen sie hart an der zweiten , der inneren Mauer : und hundert Leitern waren angelegt . Jetzt aber waren alle Ballisten und Katapulten Pisos nutzlos geworden : denn , zum Schuß in die Weite gespannt , konnten sie nicht ohne große Mühe und lange Zeit zu senkrechtem Schuß gerichtet werden . Piso bemerkte es wohl und erbleichte . » Wurfspeere her ! Speere ! Speere ! oder alles ist hin ! « - » Alle verschossen , « keuchte trostlos neben ihm der dicke Balbus . » Dann ist ' s vorbei ! « seufzte Piso , den rechten Arm todmüde senkend . » Komm , Massurius , laß uns fliehn , « mahnte Balbus . » Nein , laßt uns hier sterben , « rief Piso . Und schon tauchte der erste gotische Helm über den Rand der Mauer . Da scholl es die Mauertreppen von der Stadtseite herauf : » Cethegus ! Cethegus , der Präfekt ! « Und er war ' s ; rasch sprang er auf die Zinne vor und hieb dem Goten , der eben die Hand auf die Brustwehr stützte , sich heraufzuschwingen , die Hand samt dem Arme ab . - Der Mann schrie und stürzte . » O Cethegus , « sagte Piso , » du kommst zu rechter Zeit ! « - » Ich hoffe es , « sprach dieser und stieß die Leiter um , die vor ihm angelegt stand . Witichis war darauf gestanden , - behend sprang er hinab . » Aber jetzt Geschosse her , Speere , Lanzen . Sonst hilft alles nichts , « rief Cethegus . » Kein Geschoß mehr weit und breit , « antwortete Balbus . » Du kommst , hofften wir , mit deinen Isauriern ? « - » Die sind noch weit , weit hinter mir ! « rief Kallistratos , der eben als der erste nach Cethegus wieder erschien . Und aufs neue wuchs die Zahl der Leitern und der aufsteigenden Helme . Und es wuchs die dringendste Gefahr . Wild blickte Cethegus um sich . » Geschosse , « rief er , mit dem Fuße stampfend , » es müssen Geschosse herbei ! « Da fiel sein Auge auf die riesige Marmorstatue Zeus ' , des Erretters , die zu seiner Linken auf der Zinne stand . Ein Gedanke durchzuckte ihn mit Blitzesschnelle , er sprang hinzu und schlug mit einem Handbeil den rechten Arm der Statue mitsamt dem Donnerkeil in ihrer Faust herab . » Zeus , « rief er , » leih mir deinen Blitz ! - Was hältst du ihn so müßig ? Auf ! zerschlagt die Statuen : und schleudert sie den Feinden auf die Köpfe . « Und rascher , als er dies gesagt , ward sein Beispiel befolgt . Mit Äxten und Beilen fielen die geängstigten Verteidiger über die Götter und Heroen her , und im Augenblick waren all die herrlichen Gestalten zertrümmert . Es war ein grauenhafter Anblick : da barst ein erhabner Hadrian , eine Reiterstatue , Roß und Reiter mitten auseinander : da stürzte eine lächelnde Aphrodite in die Kniee : da flog der schöne Marmorkopf eines Antinous vom Rumpfe und sauste , von zwei Händen geschleudert , auf einen gotischen Büffelschild . Und weithin spritzten , die Zinnen bedeckend , Splitter und Trümmer von Marmor und Erz , von Bronze und Gold . Krachend und dröhnend schlugen die gewaltigen Lasten von Stein und Metall von den Zinnen herab und zerschmetterten die Helme und Schilde , die Panzer und die Glieder der stürmenden Goten und die Leitern selber , die sie trugen . Mit Grauen blickte Cethegus auf das furchtbare Werk der Zerstörung , das sein Wort angerichtet . Aber es hatte gerettet . Zwölf , fünfzehn , zwanzig Leitern standen leer von den hart aufeinander folgenden Männern , die sie kurz zuvor ameisendicht besetzt hatten : ebenso viele lagen zerbrochen am Fuß der Mauer : überrascht von diesem unerwarteten Erz- und Marmorhagel wichen die Goten einen Augenblick . Aber gleich wieder rief sie das Horn Markjas zum Sturm : und wieder sausten die zentnerschweren Lasten hernieder . » Unseliger , was hast du getan ? « jammerte Kallistratos und starrte auf die Trümmer . » Das Notwendige ! « antwortete Cethegus und schleuderte den Rest von Zeus dem Erretter , über den Wall . » Siehst du , wie das traf ? - zwei Barbaren auf Einen Schlag « - und zufrieden blickte er hinab . Da hörte er den Korinther rufen : » Nein , nein . Nicht diesen ! Nicht den Apoll ! « Und Cethegus wandte sich und sah , wie ein riesiger Isaurier sein Beil gegen das Haupt des Latoniden schwang . » Narr , sollen die Goten herauf ? « fragte der Barbar und holte wieder aus . » Nicht meinen Apollon ! « wiederholte der Helene und umschlang den Gott schützend mit beiden Armen , weit sich vorbeugend . Das ersah auf der nächsten Leiter Graf Markja : und glaubend , jener wolle die Statue auf ihn niederschleudern , kam er ihm zuvor : sein Wurfspeer flog und traf den Griechen mitten in die Brust . » Ach - Cethegus ! « seufzte er und starb . Der Präfekt sah ihn fallen und preßte die Brauen zusammen . » Rettet die Leiche und seine beiden Götter verschont ! « sprach er kurz - und stieß die Leiter um , auf der Markja gestanden : mehr konnte er nicht sagen und nicht tun : denn schon rief ihn eine neue , die drohendste Gefahr . Witichis , von seiner Leiter halb herabgeschleudert , halb herabgesprungen , war seither hart an der Mauer gestanden unter dem Hagel der Stein- und Metalltrümmer nach neuen Mitteln spähend . Denn seit der erste Versuch der Sturmleitern durch die unverhofften , neuen Geschosse , die Götter und Heroen , abgewiesen war , hoffte er kaum noch , den Wall zu gewinnen . Während er sann und spähte , schlug das schwere Marmorfußgestell eines Mars gradivus dicht neben ihm auf die Erde , prallte nochmal empor und traf dabei an eine Mauerplatte . Und siehe , diese Platte , die ein Quader von härtestem Stein geschienen hatte , zersprang zerbröckelnd in kleine Stücke von Mörtel und Lehm : und an ihrer Stelle wurde sichtbar eine schmale Holzpforte , die , von jener Masse nur locker verkleidet und verdeckt , den Maurern und Werkleuten zum Ausgang und Eingang gedient hatte , wenn sie an dem großen Gebäude arbeiteten und nachbesserten . Kaum ersah Witichis die Holztür , als er jubelnd ausrief : » Hierher , hierher , ihr Goten ! Beile zur Hand ! « Und schon schlug seine eigne Streitaxt donnernd an die dünnen Bretter , die nichts weniger als stark schienen . Verhängnisvoll drang der neue , seltsame Ton an des Präfekten Ohr ! er hielt oben inne in der Blutarbeit und lauschte . » Das ist Eisen gegen Holz ! Bei Cäsar ! « sagte er zu sich selbst und sprang die schmale Mauertreppe herab , die an der Innenseite der zweiten Mauer in den schwach durch Öllampen beleuchteten Innenraum des Grabmals führte . Da dröhnte ein Schlag lauter als alle früheren , ein dumpfes Krachen und helles Splittern folgte und jauchzendes Siegesgeschrei der Goten . Wie Cethegus auf die letzte Stufe der Treppe sprang , fiel die Pforte krachend nach innen in den Hof und König Witichis ward sichtbar auf der Schwelle . » Mein ist Rom ! « jubelte er , das Beil fallen lassend und das Schwert aus der Scheide ziehend . » Du lügst , Witichis ! zum erstenmal im Leben ! « rief Cethegus grimmig und sprang vor , so gewaltig den starken Schildstachel stoßend gegen des Goten Brust , daß dieser überrascht einen Schritt zurücktrat . Diesen Schritt benutzte der Präfekt und stellte sich selbst auf die Schwelle , die ganze enge Pforte füllend . » Wo bleiben die Isaurier ! « rief er . Aber nur einen Augenblick hatte ihm Witichis Zeit gelassen , bis er ihn erkannte . » So treffen wir uns doch im Zweikampf um Rom . « Und nun war das Anspringen an ihm . Cethegus , bemüht die ganze Öffnung der Pforte zu verschließen , deckte mit dem Schild seine Linke ; sein rechter Arm mit dem kurzen Römerschwert vermochte nicht genug , seine rechte Seite zu decken . Der Stoß des langen Schwertes des starken Goten drang , nicht stark genug von Cethegus abgewehrt , die Schuppenringe des Panzers durchschneidend , tief in seine rechte Brust . Der Präfekt wankte nach links : schon neigte er sich zu fallen : aber er fiel nicht . » Rom ! Rom ! « sagte er tonlos , und krampfhaft hielt er sich noch aufrecht . Witichis war einen Schritt zurückgetreten , um in neuem Ansprung dem gefährlichen Feind den Rest zu geben . Aber in diesem Augenblick erkannte ihn oben auf der Zinne Piso und schleuderte einen prachtvollen schlafenden Faun , der bereits mit abgehauenen Füßen auf dem Walle lag , auf den König herab ; er traf die Schulter und Witichis stürzte nieder . Graf Markja , Iffamer und Aligern trugen ihn aus dem Gefecht . Cethegus sah ihn noch fallen . Dann brach er selbst auf der Schwelle der Pforte zusammen ; schützende Arme eines Freundes fingen ihn auf : - aber er erkannte diesen nicht mehr : sein Bewußtsein schwand . Doch weckte ihn gleich wieder ein wohlbekannter Ton , der seine Seele entzückte : es war die Tuba seiner Legionare , das Feldgeschrei seiner Isaurier , die jetzt - endlich - im Sturmschritt eintrafen und , von den Liciniern geführt , in dichten Scharen sich auf die durch den Fall ihres Königs erschütterten Goten stürzten . Sie drängten sie siegreich zu einer ( einstweilen von den eingedrungenen Goten von Innen hinausgebrochenen ) Bresche der ersten Mauer unter großem Blutvergießen hinaus . Der Präfekt sah die letzten Barbaren flüchten : - da schlossen sich abermals seine Augen . » Cethegus ! « rief der Freund , der ihn im Arme hielt , » Belisar im Sterben : und so bist auch du verloren ? « Cethegus erkannte jetzt die Stimme Prokops . » Ich weiß nicht , « sprach er mit letzter Kraft , » aber Rom , - Rom ist gerettet ! « Und damit vergingen ihm die Sinne . Vierzehntes Kapitel . Nach der Anspannung aller Kräfte zu dem allgemeinen Sturm und seiner Abwehr , der mit dem Morgenrot begonnen und bei sinkender Sonne erst beendet war , trat bei Goten und Römern eine lange Pause der Erschlaffung ein . Die drei Führer Belisar , Cethegus und Witichis lagen wochenlang an ihren Wunden darnieder . Aber noch mehr wurde die tatsächliche Waffenruhe veranlaßt durch die tiefe Niedergeschlagenheit und Entmutigung , die das Heer der Germanen befallen hatten , nachdem der mit höchster Anstrengung angestrebte Sieg in dem Augenblick , da er bereits gewonnen schien , ihnen entrissen wurde . Sie hatten einen ganzen Tag lang ihr Bestes getan : ihre Helden hatten an Tapferkeit gewetteifert : und doch waren beide Pläne , der gegen Belisar und der gegen die Stadt , im Gelingen selbst noch gescheitert . Und wenn auch König Witichis in seinem steten Mute die Gedrücktheit des Heeres nicht teilte , so erkannte er dafür desto klarer , daß er seit jenem blutigen Tage das ganze System der Belagerung ändern mußte . Der Verlust der Goten war ungeheuer ; Prokop schätzt ihn auf dreißigtausend Tote und mehr als ebenso viele Verwundete : sie hatten sich im ganzen Umkreis der Stadt mit äußerster Todesverachtung den Geschossen der Belagerten ausgesetzt und am pankratischen Tor und bei dem Grabmal Hadrians waren sie zu Tausenden gefallen . Da nun auch in den achtundsechzig früheren Gefechten die Angreifenden immer viel mehr als die hinter Mauer und Turm gedeckten Verteidiger gelitten hatten , so war das große Heer , das Witichis vor Monden gegen die ewige Stadt geführt , furchtbar zusammengeschmolzen . Dazu kam , daß schon seit geraumer Zeit Seuchen und Hunger in ihren Zelten wüteten . Bei dieser Entmutigung und Abnahme seiner Truppen mußte Witichis den Gedanken , die Stadt mit Sturm zu nehmen , aufgeben , und seine letzte Hoffnung - er verhehlte sich ihre Schwäche nicht - bestand in der Möglichkeit , der Mangel werde den Feind zur Übergabe zwingen . Die Gegend um Rom war völlig ausgesogen : und es schien nun darauf anzukommen , welche Partei die Entbehrung länger würde ertragen oder welche sich aus der Ferne würde Vorräte verschaffen können . Schwer fehlte den Goten die an der Küste von Dalmatien beschäftigte Flotte . - Der erste , der sich von seiner Wunde erholte , war der Präfekt . Von der Pforte , die er mit seinem Leibe verschlossen , bewußtlos weggetragen , lag er anderthalb Tage in einem Zustand , der halb Schlaf , halb Ohnmacht war . Als er am Abend des zweiten Tages die Augen aufschlug , traf sein erster Blick auf den treuen Mauren , der am Fußende des Lagers auf der Erde kauerte und kein Auge von ihm wandte . Die Schlange war um seinen Arm gerollt . » Die Holzpforte ! « war des Präfekten erstes , noch schwach gehauchtes Wort , » die Holzpforte muß fort - ersetzt durch Marmorquadern ... - « » Danke , danke dir , Schlangengott ! « jubelte der Sklave , » jetzt ist der Mann gerettet . Und auch du selbst . Und ich , ich , Herr , habe dich gerettet . « Und er warf sich mit gekreuzten Armen nieder und küßte das Lagergestell seines Herrn . - Er wagte nicht , dessen Füße zu berühren . » Du mich gerettet ? - Wodurch ? « » Als ich dich so totesbleich auf diese Decken gelegt , habe ich den Schlangengott herbeigeholt , dich ihm gezeigt und gesprochen : Du siehst , starker Gott , des Herrn Augen sind geschlossen . Hilf , daß er sie wieder aufschlägt . Bis du geholfen , erhältst du keine Krume Brot und keinen Tropfen Milch . Und wenn er die Augen nicht wieder aufschlägt - an dem Tage , da sie ihn verbrennen , verbrennt Syphax mit : aber du , o großer Schlangengott , desgleichen . Du kannst helfen : also hilf : oder brenne . So sprach ich , und er hat geholfen . « » Die Stadt ist sicher - das fühl ' ich , sonst hätte ich nicht entschlafen können . Lebt Belisar ? Ja ! wo ist Prokop ? « » In der Bibliothek mit deinen Tribunen . Sie erwarten nach des Arztes Ausspruch noch heute dein Erwachen oder deinen ... - « - » Tod ? Diesmal hat dein Gott noch geholfen , Syphax . Laß die Tribunen ein . « Bald standen die Licinier , Piso , Salvius Julianus und einige andere vor ihm ; sie wollten bewegt an sein Lager eilen : er winkte ihnen Ruhe zu . » Rom dankt euch , durch mich . Ihr habt gefochten wie - wie Römer . Mehr , Stolzeres kann ich euch nicht sagen . « Und er übersah wie nachsinnend die Reihe , dann sagte er : » Einer fehlt mir - ah mein Korinther ! Die Leiche ist gerettet . Denn ich empfahl sie Piso , sie und die beiden Letoiden ; setzt ihm als Denkmal eine schwarze Platte von korinthischem Marmor an die Stelle , wo er fiel : stellt die Statue des Apollo über die Aschenurne und schreibt darauf : Kallistratos von Korinth ist hier für Rom gestorben ; er hat den Gott , der Gott nicht ihn gerettet . Jetzt geht , bald sehen wir uns wieder - auf den Wällen . Syphax , nun sende mir Prokop . Und bring einen großen Becher Falernerwein . « - » Freund , « rief er dem eintretenden Prokopius entgegen , » mir ist , ich habe vor diesem Fieberschlaf noch flüstern hören : Prokop hat den großen Belisar gerettet . Ein unsterblich Verdienst ! Die ganze Nachwelt wird dir ' s danken - so brauch ich ' s nicht zu tun . Setze dich hierher und erzähle mir das Ganze ... - Aber halt : erst schiebe die Kissen zurecht , daß ich meinen Cäsar wieder sehen kann . Sein Anblick stärkt mehr als Arzneien . Nun sprich . « Prokopius sah den Liegenden durchdringend an . » Cethegus , « sagte er dann , ernsten Tones , » Belisar weiß alles . « - » Alles ? « lächelte der » Präfekt , das ist viel . « - » Laß den Spott und versage Bewunderung nicht dem Edelsinn : du , der du selber edel bist « - » Ich ? Nicht daß ich wüßte . « - » Sowie er zum Bewußtsein kam , hat ihm Bessas natürlich sofort alles mitgeteilt , hat ihm haarklein erzählt , wie du befohlen , das Tor gesperrt zu halten , als Belisar in seinem Blute davor lag , den wütigen Teja auf den Fersen : daß du befohlen , seine Leibwächter niederzuhauen , die mit Gewalt öffnen wollten : jedes Wort von dir hat er berichtet , auch deinen Ausruf : Erst Rom , dann Belisar : und hat deinen Kopf verlangt im Rat der Feldherren . Ich erbebte . Aber Belisarius sprach : er hat recht getan ! hier , Prokop , bring ihm mein eigen Schwert und die ganze Rüstung , die ich an jenem Tage trug , zum Dank . Und in dem Bericht an den Kaiser hat er mir die Worte diktiert : Cethegus hat Rom gerettet und nur Cethegus ! Schick ' ihm den Patriciat von Byzanz ! « » Ich danke : ich habe Rom nicht für Byzanz gerettet . « - » Das brauchst du mir nicht erst zu sagen , unattischer Römer . « » Ich bin nicht in attischer Laune , Lebensretter ! Was war dein Dank ? « » Still . Er weiß nichts davon . Und soll es nie erfahren . « » Syphax , Wein . - So viel Edelsinn kann ich nicht vertragen ! Es macht mich schwach . Nun , wie war der Reiterspaß ? « » Freund , das war kein Spaß . Sondern der furchtbarste Ernst , der mir noch begegnet . Um ein Haar fehlte es , so war Belisar verloren . « » Ja , es ist jenes Eine Haar , um das es immer fehlt bei diesen Goten ! Dumme Tölpel sind sie samt und sonders . « » Du sprichst , als wär ' es dir sehr leid , daß Belisar nicht umgekommen . « » Recht wär ihm geschehn . Ich hab ' ihn dreimal gewarnt . Er sollte endlich wissen , was einem alten Feldherrn ziemt und was einem jungen Raufbold . « » Höre , « sagte Prokop , ihn ernsthaft betrachtend , » du hast dir ein Recht erworben , so zu sprechen , vor dem Grabmal Hadrians . Früher , wenn du des Mannes Heldentum herabzogst ... « - » Dachtest du , ich spräche aus Neid gegen den tapfern Belisar ! Hört es , ihr unsterblichen Götter . « » Ja , zwar deine gepidischen Lorbeern ... « - » Laß mich mit diesen Knabenstreichen zufrieden ! Freund , wenn es gilt , muß man den Tod verachten , sonst aber vorsichtig das Leben lieben . Denn nur die Lebendigen herrschen und lachen , nicht die stummen Toten . Das ist meine Weisheit , und nenn ' es meine Feigheit , wenn du willst . Also - euer Überfall - mach ' s kurz ! Wie ging ' s ? « » Scharf genug . Als wir die Gegend erkundet hatten , - alles schien frei vom Feind und sicher zum Futterholen - , da wandten wir die Rosse allmählich wieder gegen die Stadt , die wenigen Ziegen und die magern Schafe , die wir aufgetrieben , in der Mitte , Belisar voran , der junge Severinus , Johannes und ich an seiner Seite . Plötzlich , wie wir aus dem Dorf ad aras Bacchi ins Freie kommen , jagen aus den Gehölzen zu beiden Seiten der valerischen Straße von links und rechts gotische Reiter auf uns zu . Ich sah , daß sie uns stark überlegen waren und riet die Flucht mitten durch sie hindurch auf der Straße nach Rom zu versuchen . Aber Belisar meinte : Viele sind es , doch nicht allzu viele , und sprengte gegen die Angreifer zur Linken , ihre Reihen zu durchbrechen . Doch da kamen wir übel an : die Goten ritten besser und fochten besser als unsre mauretanischen Reiter : und ihre Führer , Totila und Hildebad - jenen erkannte ich an den langflatternden gelben Haaren und diesen an der ungeschlachten Größe - , hielten sichtlich scharf auf den Feldherrn selbst . Wo ist Belisar und sein Mut ? schrie der lange Hildebad vernehmlich durch das Klirren der Waffen . Hier ! antwortete dieser unverzüglich : und ehe wir ihn abhalten konnten , hielt er schon dem Riesen gegenüber . Der war nicht faul und hieb ihm mit seinem wuchtigen Beil auf den Helm , daß der goldene Kamm mit dem weißen Roßhaarbüschel zerschmettert zur Erde rollte und Belisars Haupt bis auf den Kopf des Pferdes niederfuhr . Und schon holte jener zum zweiten , dem tödlichen Streiche aus : da war der junge Severinus , des Boëthius Sohn , heran und fing den Hieb mit dem runden Schilde auf . Aber das Beil des Barbaren drang durch den Schild und flog noch tief in den Hals des edeln Jünglings . Er stürzte « - Prokop stockte in schmerzlichen Gedanken . » Tot ? « fragte Cethegus ruhig . » Ein alter Freigelassener seines Vaters , der ihn begleitete , trug ihn aus dem Gefecht . Doch starb er schon , so hört ' ich , eh ' er das Dorf erreichte . « - » Ein schöner Tod ! « sagte Cethegus . » Syphax , einen neuen Becher Wein ! « » Belisar hatte sich aber inzwischen aufgerafft und stieß nun in großem Zorn mit seinem Speer dem Goten so gewaltig auf die Brustplatte seines Harnisches , daß er der Länge nach vom Pferde flog . Laut jubelten wir auf , aber der junge Totila « - » Nun ? « » Sah kaum seinen Bruder fallen , als er sich grimmig durch die Lanzen der Leibwächter Bahn brach zu Belisar . Aigan , sein Bannerträger , wollte ihn decken , aber des Goten Schwert traf seinen linken Arm : er riß ihm die Fahne aus der erschlafften Hand und warf sie dem nächsten Goten zu . Laut auf schrie Belisar vor Zorn und wandte sich gegen ihn : aber der junge Totila ist rasch wie der Blitz , und zwei scharfe Hiebe trafen , eh ' er sich ' s versah , des Feldherrn beide Schultern : der wankte im Sattel und sank langsam vom Pferd , das im selben Augenblick ein Wurfspeer traf und niederwarf . Gib dich gefangen , Belisar ! rief Totila . Der Feldherr hatte gerade noch die Kraft , das Haupt verneinend zu schütteln , da sank er vollends zur Erde . Rasch war ich abgesprungen , hatte ihn auf mein eigen Pferd gehoben und der Sorge des Johannes empfohlen , der fünfzig Leibwächter um ihn scharte und ihn schnell aus dem Getümmel flüchtend nach der Stadt hin brachte . « - » Und du ? « » Ich focht zu Fuß weiter . Und es gelang mir , da jetzt unsre Nachhut eintraf , - die Vorräte in der Mitte hatten wir preisgegeben - , das Gefecht gegen Totila zu stellen . Aber nicht auf lange . Denn nun war auch die zweite Schar der gotischen Reiter heran ; wie der Sturmwind sauste der schwarze Teja herzu , durchbrach unsern rechten Flügel , der ihm zunächst stand , von vorn , durchbrach dann meine eigene gegen Totila gerichtete Front von der Flanke und zersprengte unsern ganzen Schlachthaufen . Ich gab das Gefecht verloren , ergriff ein ledig Roß und eilte dem Feldherrn nach . Aber auch Teja hatte die Richtung von dessen Flucht erkannt und jagte uns wütend nach . An der fulvischen Brücke holte er die Bedeckung ein ; Johannes und ich hatten mehr als die Hälfte der noch übrigen Leibwächter an der Brücke aufgestellt , den Übergang zu wehren , unter Principius , dem tapfern Pisidier , und Tarmuth , dem riesigen Isaurier . Dort fielen sie alle dreißig , zuletzt auch die beiden treuen Führer , von dem Schwerte des Teja allein , wie ich vernahm . Dort fiel die Blüte von Belisars Leibwächtern : darunter viele meiner nächsten Waffenfreunde , Alamundarus der Sarazene , Artasines der Perser , Zanter der Armenier , Longinus der Isaurier , Bucha und Chorsamantes die Massageten , Kutila der Thrakier , Hildeger der Vandale , Juphrut der Maure , Theodoritos und Georgios die Kappadokier . Aber ihr Tod erkaufte unsre Rettung . Wir holten hinter der Brücke unser hier zurückgelassenes Fußvolk ein , das dann noch die feindlichen Reiter so lang beschäftigte , bis das Tiburtinische Tor sich , - spät genug ! - dem wunden Feldherrn öffnete . Dann eilt ' ich , als wir ihn auf einer Sänfte Antoninens Pflege zugesandt , an das Grabmal Hadrians , wo , wie es hieß , die Stadt genommen sei , und fand dich dem Tode nah . « » Und was hat jetzt Belisar beschlossen ? « » Seine Wunden sind nicht so schwer wie die deine und doch die Heilung langsamer . Er hat den Goten den Waffenstillstand gewährt , den sie verlangten , ihre vielen Toten zu bestatten . « Cethegus fuhr auf von den Kissen . » Er hätte ihn verweigern sollen ! Keine unnütze Verzögerung der Entscheidung mehr ! ich kenne diese gotischen Stiere ; nun haben sie sich die Hörner stumpf gestürmt : jetzt sind sie müd ' und mürbe . Jetzt kam die Zeit für einen letzten Schlag , den ich schon lang ersonnen . Die