und ward weiter gegeben . Und unter den Klängen der langen Pfeifen schritten die Männer vorwärts , und mit Pfeifen und Heerpauken strebten die Reiter ihres Weges dahin . Der Troß folgte . Nach drei Stunden war eine kurze Vormittagsruhe , und wieder nach drei Stunden kam die Ruhe des Mittages . Die Männer und die Frauen , welche mitgekommen waren , machten Feuer , und bereiteten Speisen , und man richtete die Getränke zurecht . Den Pferden wurde Nahrung und Trank gereicht . Da sie noch ruheten , sahen sie großen Rauch vor sich in dem Lande emporsteigen . Witiko sendete sogleich Kundschafter in der Richtung dahin . Dann ließ er die Männer sich so lagern , daß sie schnell in Kampfbereitschaft sein konnten . Ehe seine Boten aber einen großen Weg zurückgelegt hatten , kamen Wakul , der Sohn des Bus , und Ferin , der Sohn Ferins , die zu den Kundschaftern Witikos gehörten , und sagten , daß der Ort Jamnic brenne , und daß Männer des Herzogs , welche aus den Gebirgen gegen Polen stammen , als Vorhut seitwärts gestreift und das Feuer angezündet haben , und daß sie den Einwohnern jede Habe genommen haben , die man wegtragen konnte . Die Männer in dem Lager sahen jetzt auch noch an anderen Stellen Rauch aufsteigen , wo vielleicht Krieger des Herzoges waren . Die Witiko ausgesendet hatte , kamen zurück , und sagten das nämliche , was Ferin und Wakul gesagt hatten . Witiko ließ , da die festgesetzte Zeit zu der Mittagsruhe aus war , die Männer wieder zu dem Zuge sich sammeln . Und der Zug ging in Ordnung , wie ihn Witiko eingerichtet hatte , weiter . Auf den Fluren fand er jetzt keinen Menschen mehr , auch war beinahe kein Tier zu erblicken . Raben , Dohlen , Krähen und derlei Gevögel waren in der Nähe der Scharen , als zögen sie mit . Wo sie Häuser trafen , waren ihre Tore und Türen offen , und ihre Gelasse erbrochen . Selbst die Kirchentore waren eingeschlagen , und Geräte des Gottesdienstes aus den Heiligtümern entwendet . Das Gras der Wiesen und die emporstrebenden Wintersaaten waren verwüstet , und was man hatte erraffen können , war zu Pferdefutter und zu Futter der Ochsen verwendet , die bei dem Heere waren . Am späten Nachmittage kamen die Männer Witikos nach dem Orte Jamnic . An vielen Stellen brannte das Feuer noch . Wo keines brannte , war es erstorben , weil alle brennbaren Stoffe verzehrt waren ; denn zum Löschen waren keine Arme vorhanden gewesen . Die Mauern standen geschwärzt aufrecht , oder waren zum Teile gestürzt , durch die Fensterhöhlen sah man in leere Räume , und die Schornsteine ragten hoch aus dem Getrümmer empor . Es waren keine lebenden Geschöpfe zugegen . Witiko ließ seine Leute teils durch die Brandstätte , teils um dieselbe gehen . Die Männer schauten mit sehr ernsten Gesichtszügen auf die Dinge , und die Weiber klagten laut , daß man alles weggenommen habe . Von dieser Stelle bewegte sich der Zug Witikos weiter gegen rechts , und gelangte in Fluren , durch welche noch keine Krieger gezogen waren . Man hatte den ganzen Tag keinen Feind gesehen . Als Nachtlagerplatz war die Stelle bestimmt , wo die Häuser von Petrein standen . Es waren auch zwei große Burgen in der Nähe . Die Männer Witikos ordneten den Lagerplatz , wie es in Feindesland eingeführt worden war . Als die Häuser und die Burgen durchsucht waren , sendete Witiko Abteilungen von Kriegern in dieselben , daß sie , was an Nahrungsmitteln , an Futter für die Tiere und an Zugesbedarf vorhanden wäre , nähmen , damit ein Teil heute noch gebraucht , ein anderer Teil für den weiteren Gebrauch mit dem Zuge fortgeschafft würde . Die Krieger brachten auf Wägen weniges Getreide , Mehl , Eier , Brod , einiges geräuchertes Schweinfleisch , Bier , Wein , Heu und Stroh . Sie sagten , daß die Häuser und Burgen offen stehen , und daß sie nur den Rest bringen , den die Fliehenden nicht mehr haben bewältigen können . Es habe keiner der Männer etwas für sich genommen , wie Witiko eingeschärft habe . Es sei auch fast nichts gewesen , was man hätte nehmen können . In der Nacht aber gingen Leute des Trosses doch noch in die Streife , und brachten Hühner und anderes Geflügel nebst Lappen für ihren Leib in das Lager . Witiko ließ die Nachtruhe halten wie in der vergangenen Nacht . Er untersuchte wieder mehrere Male das Lager . Am Himmel sah man , als es finster geworden war , Röten von großen Feuern . Als sich der Morgenhimmel lichtete , stand Witiko vor seinem Gezelte , und schaute in die Gegend hinaus , so weit man schon irgend etwas erblicken konnte . Nach einer Zeit sagte er zu dem Knechte Jakob : » Gehe zu denen aus der Friedau , und frage nach dem alten Florian , der im Walde an der reichen Au hauset , die im Mittage von der Waldstelle des heiligen Apostels Thomas liegt . « » Ich kenne den Mann « , sagte Jakob , » Huldrik hat uns erzählt , daß er Euch durch den Wald aus Baiern herein geführt hat , zu jener Frist , da Ihr nicht in dem Wangetschlage gewesen seid . « » Es ist dieser Mann « , sprach Witiko , » führe ihn zu mir . « » Ich werde es tun « , sagte Jakob . Darauf entfernte er sich , und kam in kurzer Zeit mit Florian zurück . Witiko war noch vor dem Gezelte . Er sprach zu Florian : » Komme mit mir in meine Wohnung . « Als sie in dem Gezelte waren , sagte Witiko : » Setze dich auf diesen Stuhl , Florian . « Florian tat es . Witiko setzte sich auf einen andern Stuhl , und sprach : » Sei mir von meinem Herzen gegrüßt , Florian . Ich habe dich selber bei deinen Mitstreitern besuchen wollen ; aber weil Boten und Nachrichten kommen können , mußte ich bei dem Gezelte bleiben . « » Ich bin recht gerne zu dir gegangen , Witiko « , sagte Florian . » Und du bist auch in deinem Alter noch in den Krieg gegangen « , sprach Witiko . » Sie haben erzählt , wie du in der unteren Moldau gewesen bist « , antwortete Florian , » und gesagt hast , was von den Feinden und von einem Herren , der in die Wälder kommen wird , zu fürchten ist , und da habe ich gesagt : Wir im Mittage von dem heiligen Thomas haben auch wie die andern Waldleute nur den Herzog zum Herrn , und ich habe Witiko vor Jahren , da er schier noch ein Knabe war , durch unsern Wald und durch die Wälder an den Moldaufällen und durch die krumme Au bis in das ebene Land hinein geführt , und wenn manche Waldleute dem alten Wenhart von der Friedau folgen , so sollen wir auch nicht zurückbleiben , und mit den Friedauern sein , und manche sind gegangen , und ich bin mit gegangen . « » Ich gedenke es dir noch mit Dankbarkeit « , sagte Witiko , » wie du im Einvernehmen mit deinem Sippen , dem Köhler Mathias , der unter dem breiten Berge wohnt , und in dessen Hütte ich geschlafen habe , mir gutes Geleite aus Baiern in das Land Böhmen gegeben hast . Es ist ein schöner Wald , in dem du wohnst , und auf dessen Schneide die Säule des heiligen Apostels Thomas gestanden ist . « » Er ist der schönste weit und breit « , sprach Florian . » Es mag wohl so sein « , antwortete Witiko , » und du hast Männer aus dem schönen Walde gebracht , und bist selber mit ihnen gekommen , der Sache des Herzoges zu helfen . Ich habe es gestern gehört , und habe Freude darüber gehabt , und wollte mit dir sprechen . « » Und wir haben Freude darüber , daß du uns führst « , sagte Florian , » du bist nicht herrisch , und meinst es gut . « » Jetzt nimm einen Morgenwein und ein Stückchen Morgenbrot mit mir « , sprach Witiko . » Das werde ich gerne tun , wenn du es willst « , sagte Florian . Witiko ließ aus seinem Vorrate etwas Wein bringen , dann Brod und zwei Schnitten kalten Bratens . Er teilte das Gebrachte mit Florian . Als sie gegessen und getrunken hatten , sagte Witiko : » Jetzt gehe zu den Männern von der Friedau , und bringe ihnen meinen Gruß , und sage ihnen , wir wollen recht getreulich zu einander halten , und wenn alles aus ist , an den Ufern der Waldmoldau von den Dingen sprechen . « » Ja , das werden wir tun « , sagte Florian , » und wir werden sprechen . « Witiko geleitete seinen Gast aus dem Gezelte , reichte ihm die Hand , verabschiedete sich , und der alte Mann schlug seinen Weg zu denen von der Friedau ein . Der Tagesschein war nun völlig klar geworden , die Morgenarbeiten des Lagers waren im Gange , und Krieger aller Arten gingen bei Witiko in Feldtätigkeit ab und zu . Als dieses geschah , kam Sifrid von Milnet mit seinen Gefährten gegen das Gezelt Witikos . Mit ihnen ritten mehrere Reisige des Herzogs . Zwei von den Reitern trugen jeder ein großes rotseidenes Banner . » Seid ihr zurück « , rief Witiko , » und hast du mit dem Herzoge gesprochen , Sifrid ? « » Ja , mit dem hocherhabenen Herzoge und mit Bischöfen und mit alten Führern und mit dem Bruder des Herzoges , der Prag verteidigt hat , und mit dem andern Bruder , und noch mit andern , Welislaw grüßt dich , und ich bringe den Dank des Herzogs « , sagte Sifrid . » Seid ihr in der Nacht geritten ? « fragte Witiko . » Nicht in der ganzen Nacht , aber gegen den Morgen lange « , sagte Sifrid . » So erquicket euch , und sorget , daß die Tiere Pflege bekommen « , sprach Witiko . » Ihr könnt von den Speisen und Getränken , die ich schaffen werde , vor dem Zelte genießen , und rückwärts sind Stände für Pferde , und meine Knechte werden das Notwendige liefern . Die Botschaft von dem hohen Herzoge wirst du vor allen Männern verkündigen , Sifrid . « » Soll ich sie dir nicht zuerst allein sagen ? « fragte Sifrid . » Nein , du sollst alles , was du von dem Herzoge und von andern weißt , vor allen sagen « , entgegnete Witiko . » Wenn es dir so genehm ist , werde ich es tun « , antwortete Sifrid . » So steigt von den Pferden , und verfahret , wie ich gesagt habe « , entgegnete Witiko . Die Männer stiegen von den Pferden . Krieger , die vor dem Gezelte waren , standen ihnen bei , die Anordnungen Witikos auszuführen . Witiko hieß seine Leute Speise und Trank für die Angekommenen herbei bringen , und seine Knechte das Notwendige für die Pferde in Bereitschaft setzen . Dann ließ er die Zeichen für die Aufstellung der Männer geben . Als nicht nur Sifrid , und die mit ihm gekommen waren , sondern auch alle , die sich in dem Lager befanden , ihr Morgenmahl verzehrt , und sich dann aufgestellt hatten , führte Witiko Sifrid und die Reiter des Herzogs vor sie , und sprach » Männer , Krieger , Freunde , höret , und was jeder hört , sage er weiter seinen Nebenmännern , und die wieder weiter , daß alle wissen , was gesprochen worden ist . Sifrid von Milnet , den ich mit der Botschaft des gewesenen Kampfes zu dem erlauchten Herzoge geschickt habe , ist zurückgekehrt , und bringt die Antwort des Herzoges . Sifrid , rede . « Sifrid stellte sich vor die Männer , und sprach : » Kampfesbrüder und Feldgesellen , unser Obmann Witiko hat zu mir gesagt : reite zu dem hohen Herzoge , und erzähle ihm alles , was du von dem Kampfe jetzt gesagt hast ; denn er hat mich vorher gefragt , und was du der Wahrheit nach noch weißt , und sage , daß ich dich sende , und daß wir nur wenige Männer verloren haben . Ich ritt mit vier Freunden zu dem Herzoge . Ehe die Morgenzeichen gegeben waren , standen wir bei dem großen roten Banner vor seinem Gezelte . Und als ich gesagt hatte , was ich wolle , und als es ihm gemeldet worden war , ließ er Männer in sein Gezelt kommen , und ließ uns dann vor sie hinstellen . Es war sein Bruder da , der erlauchte Diepold , dann sein anderer Bruder , der erlauchte Heinrich , es war der Bischof von Prag da , es war der Bischof von Olmütz da , welcher erst gekommen war , es war der Zupan Lubomir da , es war Diwis da , es war der Abt von Kladrau da , und der Abt von Wilimow , und der Kanzler Gervasius , und ein Priester , den sie Daniel hießen , und es war der Zupan , der Zupan , ich habe die Namen vergessen , ein guter junger Mann , Welislaw , der ein Freund Witikos ist , hat sie mir alle gezeigt , da die Sache aus war , und hat gesagt , er lasse Witiko aus dem Gemütsgrunde grüßen . Und der hohe Herzog hat gesagt : Junger Bote , rede . Und ich habe dann geredet : die Feinde sind vor uns gekommen , und einer hat gesagt , wir werden großen Lohn bekommen , wenn wir zu dem unrechten Herzoge Konrad halten wollen , der Herzog Wratislaw von Brünn sende ihn , und der Herzog Wratislaw bürge für seine Worte , und wenn wir uns nicht fügen , werden wir alle vertilgt werden . Und unser Obmann Witiko hat den Boten fortgejagt , und hat uns zu dem Kampfe geführt , und hat angeordnet , wie alles geschehen müsse , und hat im Kampfe gerufen , und hat seine Rufe durch die Boten überall hin geschickt , und hat es sehr gut gemacht . « » Erzähle , was du von den Männern gesagt hast , nicht von mir , ich habe dir nichts davon aufgetragen « , unterbrach ihn Witiko . » Du hast gesagt : Erzähle , was du von dem Kampfe der Wahrheit nach weißt « , sprach Sifrid , » und das ist die Wahrheit . « » Es ist die Wahrheit « , rief ein Mann , » Witiko hat gut geordnet . « » Witiko hat gut geordnet « , riefen zahlreiche Stimmen . » Männer « , rief Witiko , » laßt den Boten reden , unsere Zeit ist kurz . Rede weiter , Sifrid . « Sifrid sprach weiter : » Witiko hat es sehr gut gemacht . Wir gingen , da die Hörner der Ziegenböcke erschallten , immer vorwärts , wie es sein muß . Der Herzog Wratislaw hat selber die Scharen gegen uns angeführt , die Reiter drängten auch vorwärts , und die Bogenschützen , und alle , wir hätten eher gewollt , daß der Boden , auf dem wir standen , mit uns in den Abgrund stürze , als daß wir den Feinden einen Grashalm gelassen hätten , und sie wankten , und sie wurden locker , und flohen auseinander . Und da vor uns ein Raum geworden war , fielen die Männer auf die Kniee , und dankten Gott . Und dann verfolgten wir die Feinde drei Stunden oder dergleichen rechts ab von der Richtung unseres Zuges , und sie zerstreuten sich immer weiter , und wir gingen dann fünf Stunden lang wieder gegen links , daß wir unseres Weges gewännen . Und keiner hat sich mehr weiter blicken lassen , der uns etwas angehabt hätte , und alle die Zeichen , welche die Abteilungen Witikos haben , sind unter der roten Fahne ganz gleich in dem Kampfe vorgegangen , und Rowno befehligte Waldleute im Kampfe an unserer rechten Seite , und sie gingen mit ihren kleinen Zeichen vor , wie wir mit dem großen , und Wyhon von Prachatic befehligte die anderen Waldleute rechts von Rowno , und diese gingen auch mit ihren kleinen Zeichen vor , wie wir und Rowno , und alle waren gleich . So ist die Sache gewesen . Wir haben wenige Männer verloren . Die Toten sind begraben worden , die Verwundeten haben sie in Pflege genommen , es wird schon für sie gesorgt sein , ich weiß nicht , wer sie sind , ich mußte am Abende mit meinen Freunden gleich fort reiten , um die Botschaft zu bringen , wie ich sie weiß , und so , wie ich sagte , weiß ich sie . Heute muß ich wieder zurück reiten , um den Zug Witikos zu treffen , wie er in der Anordnung weiter geht , die bestimmt worden ist . So habe ich zu dem hohen Herzoge geredet , und dann redete ich nicht mehr . Der Herzog aber fragte mich , ob die Schar Wratislaws groß gewesen sei . Ich sagte : Wir haben die Männer nicht gezählt ; aber unsere Kriegsleute haben nach dem Kampfe gesprochen , daß ihre Zahl größer gewesen sei als die unsrige . Wir haben sie bloß in die Flucht gejagt . Haben eure Männer gerufen , daß sie eher mit dem Boden in den Abgrund stürzen , als dem Feinde einen Grashalm lassen wollen ? fragte der Herzog . Nein , antwortete ich , ich habe mir gedacht , daß sie so denken wie ich . Denke nur in jedem Kampfe so , sprach der Herzog . Ich denke im Kampfe und auf dem Zuge immer so , antwortete ich , ich habe einmal zu Hause gesagt , daß wir eher die Wälder anzünden als sie dem Feinde lassen sollen ; aber Witiko hat geantwortet , das wird nicht nötig sein . Eure Wälder werden grünen , wenn die Feinde längst zu Boden geworfen sind , sagte der Herzog . Bist du unter den Reitern Witikos , und stammst du aus dem Walde ? fragte er mich dann wieder . Ich bin der Sohn eines armen Weibes , antwortete ich , der mein Vater vor vielen Jahren gestorben ist , und warte die Pferde des alten Mannes Roder Peter , und weil er nicht mehr in den Krieg ziehen kann , so hat er mir ein weißes Pferd geliehen , und mit dem bin ich unter den Reitern Witikos , weil ich in Milnet im Walde nicht weit von Witiko wohne . Und ihr Reiter habt euch gut gehalten ? fragte der Herzog . Die Feinde haben sehr schöne Pferde gehabt , antwortete ich , aber wir haben nicht nachgegeben , und haben ihnen vierzig oder fünfzig genommen . « » Es sind siebenzig « , rief Maz Albrecht . » Das habe ich nicht gewußt , sonst hätte ich es gesagt « , antwortete Sifrid . » Unterbrecht den Boten nicht , rede weiter , Sifrid « , rief Witiko . Und Sifrid redete weiter : » Der Herzog sprach : Sage den Männern aus dem Walde meinen großen Dank für ihren Kampf , sage ihnen den Dank der Lechen und Herren , die um mich sind . Wenn wir sie sehen , werden wir ihnen alle danken , und sie ehren , und den Lohn , der ihnen aus den Kriegseroberungen gebührt , werden sie erhalten . Sage Witiko meinen Dank und Rowno und Wyhon , ich gedenke ihrer . Und weil Rowno und Wyhon kleine Zeichen haben , werde ich ihnen und zwar einem jeden ein großes rotes Banner senden . Reiter von mir werden mit dir reiten , und die Banner bringen . Rowno und Wyhon sollen auf die Zeichen achten , wie sie auf ihre kleinen Zeichen geachtet haben . Für die Verwundeten und die Angehörigen der Toten werde ich dir ein Geld mitgeben , verteilt es redlich und ohne Zank . Jetzt erquickt euch , und zeigt es an , wenn ihr wieder weiter ziehen wollt . Merke dir meine Worte , daß du sie überbringst , wie ich gesagt habe . Ich merke sie mir , hoher Herr , sagte ich . Dann stand der hocherlauchte Herzog auf , nahm seine Haube von dem Haupte , und sprach : So ehre ich die Leute aus dem Walde . Und sein hocherlauchter Bruder Diepold stand auf , und sein Bruder Heinrich stand auf , und die hochehrwürdigen Bischöfe standen auf , und die Herren und Lechen standen auf , und sie nahmen die Hauben von den Häuptern , und riefen : So ehren wir die Leute aus dem Walde . Mit mir drehete sich der Raum , als sie so riefen , und als ich vor ihnen stand . Dann gingen sie zu mir , und fast ein jeder sprach mit mir , ich weiß unsere Worte nicht mehr . Und ein junger Mann , der so lichte Haare hat wie ich , nahm mich bei der Hand , und sagte : Es wird schon recht werden , du junges Blut , erinnere dich meiner , ich heiße Welislaw , und bringe Witiko einen Gruß von mir aus dem Gemütsgrunde , und er nannte mir die Männer , die da waren , und dann gingen wir aus dem Gezelte , und wir bekamen Speise und Trank und unsere Pferde Futter , und dann kamen die Reiter des Herzogs zu uns , welche die zwei roten Fahnen hatten , und als wir sagten , wir wollen fortziehen , gab mir ein Mann einen Beutel mit Geld für die Verwundeten und für die Angehörigen der Toten , und die Schnüre des Beutels sind mit einem roten Wachspetschaft verklebt , und jeder von uns fünf Boten erhielt drei Goldstücke , und dann ritten wir fort , und die Reiter mit den zwei roten Bannern ritten mit uns . Die Banner sind da , und den Beutel habe ich zu übergeben , und ich gebe ihn unserem Obmanne Witiko . « Sifrid zog einen rotledernen Beutel aus seinem Wamse , und reichte ihn Witiko . Witiko rief : » Ich verwahre das Geschenk des hohen Herzoges , und werde das Siegel mit Rowno und Wyhon und den Männern des Rates öffnen , und der Rat wird die Verteilung vorschlagen . « » Segen und Heil dem hohen Herzoge von Böhmen und Mähren « , rief der Schmied von Plan . » Segen und Heil dem hohen Herzoge « , riefen fast alle Männer mit einem erschütternden Schalle der Stimmen . » Wir sind dem hohen Herzoge Dank schuldig für seine Worte und sind ihm Dank schuldig für seine Geschenke « , rief Witiko , » wir werden den Dank auf dem Kriegsfelde bezeigen . « » Auf dem Kriegsfelde « , riefen die Männer . » Jetzt aber , Freunde und Genossen « , sagte Witiko , » müssen wir die Banner zu Rowno und Wyhon bringen . Tretet vor , Führer der Abteilungen . Indessen die andern noch alles in Ordnung richten , was nach der heutigen Lagerung not tut , gehen wir zu Rowno und Wyhon , und übergeben ihnen die Fahnen . « Die Führer sammelten sich , und Witiko ging mit ihnen und mit Sifrid und seinen Begleitern und mit den Reisigen des Herzogs , davon zwei die Banner trugen , zuerst zu Rowno . Als sie vor ihm angekommen waren , sprach Witiko : » Rowno , der erlauchte Herzog erkennt , was du im gewesenen Kampfe geleistet hast , und was die Deinigen geleistet haben . Er läßt dir durch den Boten , den ich zu ihm geschickt habe , seinen Dank sagen , und sendet euch ein großes rotseidenes Banner durch Männer seiner Schar , die vor dir stehen , daß du dieses Zeichens so achtest , wie du deiner Zeichen bisher geachtet hast . Empfange von dem Manne das Banner . « Der Mann senkte die Fahne grüßend vor Rowno und seinen Kriegern , und gab sie Rowno . Dieser sagte kein Wort , und es standen Tränen in seinen Augen , dann küßte er den Zipfel der Fahne , und reichte sie einem seiner Krieger . Hierauf ging er zu Witiko , und schloß ihn in die Arme . Die Männer aber riefen : » Glück dem Herzoge . « » Glück dem Herzoge « , riefen sie dreimal . Dann verabschiedete sich Witiko von Rowno , und ging mit seinem Geleite zu Wyhon von Prachatic . Demselben sagte er die Worte , die er zu Rowno gesagt hatte , und der Mann des Herzogs grüßte mit der Fahne , und gab sie Wyhon . Dieser schwenkte sie , und rief : » Im ganzen Kriege und in allen Kriegen , die noch kommen werden , soll sich unser Dank und unsere Erkennung des Herzoges erweisen . « Die Männer Wyhons riefen : » Heil dem Herzoge , Heil dem Herzoge . « Die Fahne wurde einem Manne in die Hand gegeben , und Wyhon bezeigte Witiko , und seinem Geleite und den Reisigen des Herzogs seinen Dank . Dann verabschiedeten sie sich , und Witiko ging mit allen wieder zu den Seinigen zurück . Nach kurzer Zeit begaben sich die Reisigen des Herzoges auf den Rückweg . Witiko aber ordnete alles zu dem Weiterzuge , und in kleiner Frist setzten sich seine Scharen in Bewegung . Am Abende dieses Tages , da das Nachtlager eingerichtet war , kamen Boten von Bolemil , welche bedeuteten , daß man an der Stelle angekommen sei , von der aus die Entscheidung gesucht werden würde . Die Boten gaben die Bewegungen an , die gemacht werden sollen , daß das Heer sich sammle . Und am nächsten Tage und an dem folgenden Tage sammelte sich das Heer . Als es gesammelt war , wurden die Führer zu dem Herzoge entboten , damit Rat gehalten werde . Im Rate wurde beschlossen , was geschehen , und wie der Feind angegriffen werden soll . Ehe die Männer des Rates auseinander gingen , wurde gemeldet , der Mährer Drslaw sei gekommen , und verlange mit dem Herzoge zu sprechen . » Führt ihn herein « , sagte Wladislaw . Drslaw wurde herein geführt . » Sprich , Drslaw , was begehrest du ? « fragte der Herzog . » Ich will dir allein eine Enthüllung machen , hocherlauchter Herzog « , sagte Drslaw . » Mache die Enthüllung , so du willst , vor allen diesen , oder gehe ohne Enthüllung deine Wege « , sagte der Herzog . » Du befiehlst es so , hoher Herzog « , sagte Drslaw , » und ich gehorche . Mehrere von uns , die ich dir nennen werde , wenn du unser Vorhaben gut heißest , haben beschlossen , deiner Sache zu dienen , wenn du uns den Fortbesitz unserer Habe und unseres Gutes gewährleistest , und ihre Vermehrung nach deinem Sinne versprichst . Wir werden in der Schlacht die Reihen Konrads verlassen , und Unordnung stiften , werden , wenn es möglich ist , sogleich für dich kämpfen , und den Sieg in deine Hände bringen . « » Was soll dem Manne geantwortet werden ? « fragte der Herzog . Alle schwiegen . » Sprich , Otto , Bischof von Prag . « » Er bringt Verrat « , sagte Otto . » Er verrät den in dem Augenblicke , der ihm in dem Augenblicke vertraut « , sagte Zdik . » Haben die Fürsten aus dem Stamme Premysls noch viele solche Freunde ? « fragte Diepold . » Und was sagt Bolemil ? « fragte der Herzog . » Dem Manne antworte ich nicht « , entgegnete Bolemil . » Hängt ihn an den nächsten Baum « , rief Welislaw . » Es wird wohl des Rates nicht viel nötig sein « , sagte der Herzog . » Drslaw , wenn du aus Reue zu mir gekommen wärest im offenen Zurücktritte von Konrad , hätte ich dich mit Freuden aufgenommen , und die Gewährleistung und Vermehrung deiner Habe wäre dir sicher gewesen wie jedem meiner Krieger ; aber du wolltest durch dein Beginnen eine weit größere Vermehrung erzielen , und hast dich geirrt . Wenn ich mit einem fremden Feinde in einem ordnungsgemäßen Kriege wäre , würde ich dich binden lassen , dich gebunden dem Feinde überliefern , und dein Ansinnen melden . Nun aber bin ich auf einem Zuge wider Räuber von Ländern und Gewalt , sie zu strafen , nicht Sitte und Gestalt eines Krieges zu üben . Gehe daher deiner Wege . Deine Habe ist dem Sieger verfallen , weil du bei den Empörern bist . Und wenn allen Empörern verziehen werden würde , so würde dir nicht verziehen werden , und deinen Helfern nicht , wenn sie mir bekannt werden . Und sie werden bekannt werden ; denn Verräter verraten einander wieder . Ist der Mann mit einem Geleite gekommen ? « » Wir haben niemand bei ihm gesehen « , sagte der Anmelder , » die Vorwachen haben ihn gefangen gesendet . « » So gebt ihm zwölf Männer , daß sie ihn ungefährdet an die Grenze des Lagers bringen . Welislaw , tue mir den Dienst , die zwölf Männer beizuordnen . Ich frage nun alle Herren und Lechen , ist einer der Meinung , daß mit dem Manne anders verfahren werde ? Ist er dieser Meinung , so bitte ich ihn , daß er rede . « Alle schwiegen