Stiefeln , die ich eigens zu diesem Zwecke hatte machen lassen , in den tiefen Schnee der Wege , die zu den Höhen , auf die wir wollten , führten , die aber nur im Sommer betreten wurden , die jetzt keine Spur zeigten , und die wir nur fanden , weil wir der Gegend sehr kundig waren . Wir gingen mehrere Stunden in diesem tiefen Schnee , dann kamen Wälder , in denen er niederer lag , und durch welche das Fortkommen leichter war . Viele Gerölle und schiefliegende Wände , die nun folgten , zeigten ebenfalls weniger Schnee als die Tiefe , und es war über sie im Winter leichter zu gehen , als ich es im Sommer gefunden hatte , da die Unebenheiten und die kleinen scharfen Riffe und Steine mit einer Schneedecke überhüllt waren . Als wir die ersten Vorberge überwunden hatten und auf die Hochebene der Echern gekommen waren , von der man wieder den blauen See recht tief und dunkel in der weißen Umgebung unten liegen sah , machten wir ein wenig Halt . Die Oberfläche der Echern oder die Hochebene , wie man sie auch gerne nennt , ist aber nichts weniger als eine Ebene , sie ist es nur im Vergleiche mit den steilen Abhängen , welche ihre Seitenwände gegen den See bilden . Sie besteht aus einer Großen Anzahl von Gipfeln , die hinter und neben einander stehen , verschieden an Größe und Gestalt sind , tiefe Rinnen zwischen sich haben , und bald in einer Spitze sich erheben , bald breitgedehnte Flächen darstellen . Diese sind mit kurzem Grase und hie und da mit Knieföhren bedeckt , und unzählige Felsblöcke ragen aus ihnen empor . Es ist hier am schwersten durchzukommen . Selbst im Sommer ist es schwierig , die rechte Richtung zu behalten , weil die Gestaltungen einander so ähnlich sind , und ein ausgetretener Pfad begreiflicher Weise nicht da ist : wie viel mehr im Winter , in welchem die Gestalten durch Schneeverhüllungen überdeckt und entstellt sind , und selbst da , wo sie hervorragen , ein ungewohntes und fremdartiges Ansehen haben . Es sind mehrere Alpenhütten in diesem Gebiete zerstreut , und es befinden sich im Sommer Herden hier oben , die aber , wie zahlreich sie auch sind , in der Großen Ausdehnung verschwinden und sich gegenseitig oft Monate lang nicht sehen . Wir wünschten noch beim Lichte des Tages über diese Erdbildungen hinüber zu kommen , und hatten vor , zur Einhaltung der Richtung uns gegenseitig in unserer Kenntnis der Riffe und der Hügelgestaltungen zu unterstützen und uns die entscheidenden Bildungen wechselseitig zu nennen und zu beschreiben . Am oberen Ende der Hochebene , wo wieder die größeren Felsenbildungen beginnen und das Verirren weit weniger möglich ist , steht im Bereiche großer Kalksteinblöcke eine Sennhütte , die Ziegenalpe genannt , welche das Ziel unserer heutigen Wanderung war . Am Rande der Bergansteigung und dem Anfange der Hochebene , wo wir jetzt waren , setzten wir uns nieder . Es liegt da ein großer Stein , der beinahe ganz schwarz ist . Er ist nicht nur dieser Farbe willen an sich merkwürdig , sondern besonders darum , weil er durch eben diese Farbe , dann durch seine Größe und seine seltsame Gestalt von weitem gesehen werden kann , und denen , die von der Ziegenalpe durch die Hochebene abwärts kommen , zum Zeichen und , wenn sie bei ihm angelangt sind , zur Beruhigung des richtig zurückgelegten Weges dient . Weil vielen , die auf der Hochebene sind , Sennen , Alpenwanderern , Jägern , der Stein ein Versammlungsort ist , so findet sich von ihm ab schon ein merkbar ausgetretener Pfad , und man kann die Richtung zu dem See hinab nicht mehr leicht verfehlen . Auch ist die gegen Sonnenaufgang überhängende Gestalt des Felsens geeignet , vor Regen und heftigen Westwinden zu schützen . Als wir bei ihm angelangt waren , sahen wir freilich keine Spur eines Menschen rings um ihn ; denn unberührter Schnee lag bis zu seinen Wänden hinzu , und er stand noch einmal so schwarz aus dieser Umgebung hervor . Wir fanden aber auf kleineren Steinen , die unter seinem Überdache lagen , und auf die der Schnee nicht hereingefallen war , Raum zum Sitzen , und folgten dieser Einladung willig , da sich schon Ermüdung eingestellt hatte . Kaspar schnallte die Umhüllungen der Decken auseinander und holte zwei leichte , aber wärmende Pelze und andere Pelzsachen hervor , die ich dazu bestimmt hatte , unsere Körper und Füße , die im Wandern sich sehr erwärmt hatten , in der Ruhe vor Verkühlung zu schützen . Als wir diese Pelzdinge umgetan hatten , schritten wir dazu , uns durch Speise und Trank zu erquicken . Etwas Wein und Brod reichte zu dem Zwecke hin . Ich betrachtete , nachdem unser Mahl vollendet war , den Wärmemesser , welchen ich gleich nach unserer Ankunft an einer freien Stelle auf meinen Alpenstock aufgehängt hatte , und zeigte meinem Begleiter Kaspar , daß die Wärme hier oben größer sei , als wir sie gestern zu gleicher Tageszeit unten in der Ebene des Sees gehabt hatten . Die Sonne schien sehr kräftig auf den Schnee , es wehte kein Lüftchen , an dem grünlich blaulichen Himmel lagerten nur ein paar sehr dünne weißliche Streifen . Auch konnte man von dem Steinvorsprunge , von dem aus der See zu erblicken war , fast deutlich wahrnehmen , daß unten nicht nur die dichtere , sondern auch kältere Luft liege . Denn so deutlich und klar der See zu erblicken war , so zog sich doch an den weißen oder weißgesprenkelten Wänden desselben ein feiner , blaulich schillernder Dunst hin , zum Zeichen , daß dort unsere obere , wärmere Luft mit der unteren , schon seit längerer Zeit über dem See stehenden kälteren zusammengrenze , und sich da ein sanfter Beschlag bilde . Ich schaute nur noch auf den Feuchtigkeitsmesser und den des Luftdruckes , dann packte Kaspar unsere Decken und Pelze , ich meine Geräte ein , und wir gingen unsers Weges weiter . Mit großer Vorsicht suchten wir die Richtung , die uns nottat , zu bestimmen . Auf jeder Stelle , die eine größere Umsicht gewährte , hielten wir etwas an , und suchten uns die Gestalt der Umgebung zu vergegenwärtigen und uns des Raumes , auf dem wir standen , zu vergewissern . Ich zog zum Überflusse auch noch die Magnetnadel zu Rate . In den Niederungen und Mulden zwischen einzelnen Höben mußten wir uns der Schneereife bedienen . Gegen den spätern Nachmittag stiegen uns die höheren und dunkleren Zacken der Echern aus dem Schnee entgegen . Als die Sonne fast nur mehr um ihre eigene Breite von dem Rande des Gesichtskreises entfernt war , kamen wir in der Ziegenalpe an . Hier hatten wir einen eigentümlichen Anblick . Es ist da eine Stelle , von welcher aus man nicht mehr zu dem See oder zu seiner Umgebung zurücksehen kann , dafür öffnet sich gegen Sonnenuntergang ein weiter Blick in die Lichtung des Lautertales , besonders aber in das Echertal , in welchem der Mann wohnt , welcher meine und Klotildens Zither gemacht hatte . In diese Ferne wollte ich noch einen Blick tun , ehe wir in die Hütte gingen . Aber ich konnte die Taler nicht sehen . Die Wirkung , welche sich aus dem Aneinandergrenzen der oberen , wärmeren Luft und der unteren , kälteren , wie ich schon am schwarzen Steine bemerkt hatte , ergab , war noch stärker geworden , und ein einfaches , wagrechtes , weißlichgraues Nebelmeer war zu meinen Füßen ausgespannt . Es schien riesig groß zu sein und ich über ihm in der Luft zu schweben . Einzelne schwarze Knollen von Felsen ragten über dasselbe empor , dann dehnte es sich weithin , ein trübblauer Strich entfernter Gebirge zog an seinem Rande , und dann war der gesättigte , goldgelbe , ganz reine Himmel , an dem eine grelle , fast strahlenlose Sonne stand , zu ihrem Untergange bereitet . Das Bild war von unbeschreiblicher Größe . Kaspar , welcher neben mir stand , sagte : » Verehrter Herr , der Winter ist doch auch recht schön . « » Ja , Kaspar , « sagte ich , » er ist schön , er ist sehr schön . « Wir blieben stehen , bis die Sonne untergegangen war . Die Farbe des Himmels wurde für einen Augenblick noch höher und flammender , dann begann alles nach und nach zu erbleichen , und schmolz zuletzt in ein farbloses Ganzes zusammen . Nur die gewaltigen Erhebungen , die gegen Süden standen , und die das Eis , das wir besuchen wollten , enthielten , glommen noch von einem unsichern Lichte , während mancher Stern über ihnen erschien . Wir gingen nun in dem beinahe finster gewordenen und ziemlich unwegsamen Raume zur Hütte , um in derselben unsere Vorbereitungen zum Übernachten zu treffen . Die Hütte war , wie es im Winter immer ist , wo sie leer steht , nicht gesperrt . Ein Holzriegel , der sehr leicht zu beseitigen war , schloß die Tür . Wir traten ein , steckten eine Kerze in unsern Handleuchter und machten Licht . Wir suchten das Gemach der Sennerinnen und ließen uns dort nieder . In den Schlafstellen war etwas Heu , ein grober Brettertisch stand in der Mitte des Gemaches , eine Bank lief an der Wand hin , und eine bewegliche stand an dem Tische . Wir hatten vor , hier erst unser eigentliches warmes Tagesmahl zu bereiten . Aber , worauf wir kaum gefaßt waren , es zeigte sich nirgends auch nicht der geringste Vorrat von Holz . Ich hatte für den Fall Weingeist bei mir , um einige Schnitten Braten in einer flachen Pfanne rösten zu können ; aber wir zogen es vorzüglich wegen der Erwärmung des Körpers vor , ein Stock Bank zu verbrennen und dem Eigentümer Ersatz zu leisten . Kaspar machte sich mit der Axt an die Arbeit , und bald loderte ein lustiges Feuer auf dem Herde . Ein Abendessen wurde bereitet , wie wir es oft bei unsern Gebirgsarbeiten bereitet hatten , aus dem Heu der Schlafstellen , den Decken und den Pelzen wurden Betten zurecht gemacht , und nachdem ich noch meine Meßwerkzeuge , die im Freien vor der Hütte aufgehängt waren , betrachtet hatte , begaben wir uns zur Ruhe . Auch jetzt am späten Abende war bei ganz heiterem , sternenvollen Himmel eine viel mindere Kälte in dieser Höhe , als ich vermutet hatte . Ehe der Tag graute , standen wir auf , machten Licht , kleideten uns vollständig an , richteten all unsere Dinge zurecht , bereiteten ein Frühmahl , verzehrten es , und traten unsern Weg an . Die Echernspitze stand fast schwarz im Süden , wir konnten sie deutlich in die blasse Luft über dem Haustein , der uns noch unsere Eisfelder deckte , empor ragen sehen . Der Tag war wieder ganz heiter . Obgleich es noch nicht licht war , durften wir eine Verirrung nicht fürchten , denn wir mußten geraume Zeit zwischen Felsen empor gehen , die unsere Richtung von beiden Seiten begrenzten und uns nicht abweichen ließen . Wir legten , weil der Schnee in diesen Rinnen sich angehäuft hatte , unsere Schneereifen an und gingen in der ungewissen Dämmerung vorwärts . Nach etwas mehr als einer Stunde Wanderung kamen wir auf die Höhe hinaus , wo die Gegend sich wieder öffnet und gegen Osten weite Felder hinziehen . Diese biegen , nachdem sie sich ziemlich hoch erhoben , gegen Süden um einen Fels herum , und lassen dann den Eisstock erblicken , zu dem wir wollten . Dieser drückt mit großer Macht von Süden gegen Norden herab und hat zu seiner südlichen Begrenzung die Echernspitze . Auf den erklommenen Feldern war es schon ganz licht ; allein die Berge , welche wir am östlichen Rande derselben unter uns und weit draußen erblicken sollten , waren nicht zu sehen , sondern am Rande der mit Schnee bedeckten Felder setzte sich eine Farbe , die nur ein klein wenig von der Schneefarbe verschieden war , fast ins Unermeßliche fort , die des Nebels . Er hatte seit gestern noch mehr überhand genommen und begrenzte unsere Höhe als Insel . Kaspar wollte erschrecken . Ich aber machte ihn aufmerksam , daß der Himmel über uns ganz heiter sei , Daß dieser Nebel von jenem sehr verschieden sei , der bei dem Beginne des Regen- oder Schneewetters zuerst die Spitzen der Berge in Gestalt von Wolken einhüllt , sich dann immer tiefer , oft bis zur Hälfte der Berge hinabzieht und den Wanderern so fürchterlich ist ; unser Nebel sei kein Hochnebel , sondern ein Tiefnebel , der die Bergspitzen , auf denen das Verirren so schrecklich sei , freilasse , und der beim Höhersteigen der Sonne verschwinden werde . Im schlimmsten Falle , wenn er auch bliebe , sei er nur eine wagrechte Schichte , die nicht höher stehe , als wo der schwarze Stein liegt . Von dort hinab aber ist uns der Weg sehr bekannt , wir müssen unsere eigenen Fußstapfen finden und können an ihnen abwärts gehen . Kaspar , welcher mit dem Gebirgsleben sehr vertraut war , sah meine Gründe ein und war beruhigt . Während wir standen und sprachen , fing sich an einer Stelle der Nebel im Osten zu lichten an , die Schneefelder verfärbten sich zu einer schöneren und anmutigeren Farbe , als das Bleigrau war , mit dem sie bisher bedeckt gewesen waren , und in der lichten Stelle des Nebels begann ein Punkt zu glühen , der immer größer wurde , und endlich in der Größe eines Tellers schweben blieb , zwar trübrot , aber so innig glimmend wie der feurigste Rubin . Die Sonne war es , die die niederen Berge überwunden hatte und den Nebel durchbrannte . Immer rötlicher wurde der Schnee , immer deutlicher , fast grünlich seine Schatten , die hohen Felsen zu unserer Rechten , die im Westen standen , spürten auch die sich nähernde Leuchte und röteten sich . Sonst war nichts zu sehen als der ungeheure dunkle , ganz heitere Himmel über uns , und in der einfachen Großen Fläche , die die Natur hieher gelegt hatte , standen nur die zwei Menschen , die da winzig genug sein mußten . Der Nebel fing endlich an seiner äußersten Grenze zu leuchten an wie geschmolzenes Metall , der Himmel lichtete sich , und die Sonne quoll wie blitzendes Erz aus ihrer Umhüllung empor . Die Lichter schossen plötzlich über den Schnee zu unsern Füßen und fingen sich an den Felsen . Der freudige Tag war da . Wir banden uns die Stricke um den Leib und ließen ein ziemlich langes Stück von der Leibbinde des einen zu der des andern gehen , damit , wenn einer , da wir jetzt über eine sehr schiefe Fläche zu gehen hatten , gleiten sollte , er durch den andern gehalten würde . Im Sommer war diese Fläche mit vielen kleinen und scharfen Steinen bedeckt , daher der Übergang über sie viel leichter . Im Winter kannte man den Boden nicht , und der Schnee konnte ins Gleiten geraten . Ohne Hilfe der Schneereife , die hier , weil sie unbehilflich machten , nur gefährlich werden konnten , gelangten wir mit angewandter Vorsicht glücklich hinüber , lösten die Stricke , bogen nach einer darauf erfolgten mehrstündigen Wanderung um die Felsen , und standen an dem Gletscher und auf dem ewigen Schnee . Auf dem Eise , da wir nach uns sehr bekannten Richtungen auf demselben vorschritten , zeigte sich beinahe mit Rücksicht auf den Sommer gar keine Veränderung . Da auch im Sommer fast jeder Regen des Tales die Höhen entweder gar nicht trifft , oder auf ihnen Schnee ist , so war es jetzt auf dem Gletscher wie im Sommer , und wir schritten auf bekannten Gebieten vorwärts . Wo die Eismengen geborsten und zertrümmert waren , hatte sie an ihren Oberflächen der Schnee bedeckt , mit den Seitenflächen sahen sie grünlich oder blaulich schillernd aus dem allgemeinen Weiß hervor , weiter aufwärts , wo die Gletscherwölbung rein dalag , war sie mit Schnee bedeckt . Der einzige Unterschied bestand , daß jetzt keine einzige breite oder lange Eisstelle bloßgelegt in ihrer grünlichen Farbe da stand , was doch zuweilen im Sommer geschieht . Wir verweilten einige Zeit auf dem Eise , und nahmen auf demselben auch unser Mittagsmahl , in Wein und Brod bestehend , ein . Unter uns hatte sich aber indessen eine Veränderung vorbereitet . Der Nebel war nach und nach geschwunden , ein Teil der fernen oder der näheren Berge war nach dem andern sichtbar geworden , verschwunden , wieder sichtbar geworden , und endlich stand alles im Sonnenglanze ohne ein Flöckchen Nebel , der wie ausgetilgt war , in sanfter Bläue oder wie in goldigem Schimmer oder wie im fernen matten Silberglanze in tiefem Schweigen und unbeweglich da . Die Sonne strahlte einsam ohne einer geselligen Wolke an dem Himmel . Die Kälte war auch hier nicht groß , geringer , als ich sie im Tale beobachtet hatte , und nicht viel größer , als sie auch zu Sommerszeiten auf diesen Höhen ist . Nachdem wir uns eine geraume Weile auf dem Eise aufgehalten hatten , traten wir den Rückweg an . Wir gelangten leicht an den gewöhnlichen Ausgang des Gletschers , von wo aus man das Hinabgehen über die Berge einleitet . Wir fanden unsere Fußstapfen , die in der ungetrübten Oberfläche des Schnees , da hierauf selten auch Tiere kommen , sehr deutlich erkennbar waren , und gingen nach ihnen fort . Wir kamen glücklich über die schiefe Fläche und langten gegen Abend in der Ziegenalpe an . Es war hier schon zu dunkel , um noch etwas von der Umgebung sehen zu können . Wir hielten in der Hütte wieder unser warm zubereitetes Abendmahl , wärmten uns am Reste der Bank , und erquickten uns durch Schlaf . Der nächste Morgen war abermals klar , in den Tälern lag wieder der Nebel . Da auch die Nacht vollkommen windstill gewesen war , so hatten wir uns jetzt in Hinsicht unsers Rückweges über die Hochebene nicht zu sorgen . Unsere Fußstapien standen vollkommen unverwischt da , und ihnen konnten wir uns anvertrauen . Selbst da , wo wir ratend gestanden waren und etwa den Alpenstock seitwärts unseres Standortes in den Schnee gestoßen hatten , war die Spur noch völlig sichtbar . Wir kamen früher , als wir gedacht hatten , an dem schwarzen Steine an . Dort hielten wir wieder unser Mittagmahl , und gingen dann unter dem sich immer mehr und mehr lichtenden Nebel , der uns aber hier kein wesentliches Hindernis mehr machte , die steile Senkung der Berge hinunter . Der an ihrem Fuße beobachtete Wärmemesser zeigte wirklich eine größere Kälte , als wir auf den Bergen gehabt hatten . Am Nachmittage waren wir wieder in dem Seewirtshause . Am andern Tage gingen wir in das Ahornhaus im Lautertale . Alles umringte uns und wollte unsere Erlebnisse wissen . Sie wunderten sich , daß die Unternehmung so einfach gewesen sei , besonders aber , daß die Kälte , die schon im Sommer gegen die Wärme der Täler so abstehe , im Winter nicht ganz fürchterlich soll gewesen sein . Kaspar war ein wichtiger Mann geworden . Ich aber war von dem , was ich oben gesehen und gefunden hatte , vollkommen erfüllt . Die tiefe Empfindung , welche jetzt immer in meinem Herzen war , und welche mich angetrieben hatte , im Winter die Höhen der Berge zu suchen , hatte mich nicht getäuscht . Ein erhabenes Gefühl war in meine Seele gekommen , fast so erhaben wie meine Liebe zu Natalien . Ja diese Liebe wurde durch das Gefühl noch gehoben und veredelt , und mit Andacht gegen Gott den Herrn , der so viel Schönes geschaffen und uns so glücklich gemacht hat , entschlief ich , als ich wieder zum ersten Male in meinem Bette in der wohnlichen Stube des Ahornhauses ruhte . Es hat mich nicht gereut , daß ich noch die Weihe dieser Unternehmung auf mich genommen hatte , ehe ich zu meinem Gastfreunde ging , um ihm meinen Winterbesuch zu machen . Ich hielt mich nur noch so lange in dem Lautertale auf , um noch die bedeutendsten Stellen desselben im Winterschmucke zu sehen , und um die Einleitung zu treffen , daß dem Eigentümer der Ziegenalpe die Bank , die wir verbrannt hatten , ersetzt würde . Dann fuhr ich in einem Schlitten in der Richtung nach dem Asperhofe hinaus . Kaspar hatte recht herzlich von mir Abschied genommen , er war mir durch diese Unternehmung noch mehr befreundet geworden , als er es früher gewesen war . Die größere Wärme in den oberen Teilen der Luft , welche nur ein Vorbote des beginnenden Südwindes gewesen war , hatte sich nun völlig geltend gemacht , der Südwind war in den Höhen eingetreten , obwohl es in der Tiefe noch kalt war , Wolken hatten die Berge umhüllt , zogen über die Länder hinaus , und schüttelten Regen herab , der in Gestalt von Eiskörnern unten ankam und mir um das Haupt und die Wangen prasselte , als ich in dem Asperhofe eintraf . Die Pferde und der Schlitten wurden in den Meierhof gebracht , ich ging zu meinem Gastfreunde . Er saß in seinem Arbeitszimmer und ordnete Pergamentblätter , von denen er einen großen Stoß vor sich hatte . Ich begrüßte ihn , und er empfing mich wie immer gleich freundlich . Ich sagte ihm , daß ich seit meiner letzten Anwesenheit im Asperhofe fast immer gereist sei . Erst hätte ich noch das Kargrat besucht , weil ich dort zu ordnen gehabt hätte , dann sei ich zu meinen Eltern gegangen , hierauf habe ich mit meinem Vater einen Besuch in seiner Heimat gemacht , dann sei ich mit meiner Schwester auf eine Zeit , um ihr ein Vergnügen zu bereiten , in das Hochgebirge gefahren , als hierauf der Winter gekommen sei , habe ich die Echerngletscher besucht , und nun sei ich hier . » Ihr seid wie immer herzlich willkommen , « sagte er , » bleibt bei uns , so lange es Euch gefällt , und seht unser Haus wie das Eurer Eltern an . « » Ich danke Euch , ich danke Euch sehr « , erwiderte ich . Er zog an der Klingel zu seinen Füßen , und die alte Katharina kam herauf . Er befahl ihr , meine Zimmer zu hetzen , daß ich sie sehr bald benützen könne . » Es ist schon geschehen « , antwortete sie . » Als wir den jungen Herrn hereinfahren sahen , ließ ich durch Ludmilla gleich heizen , es brennt schon ; aber ein wenig gelüftet muß noch werden , neue Überzüge müssen kommen , der Staub muß abgewischt werden , Ihr müßt Euch schon ein wenig gedulden . « » Es ist gut und recht , « sagte mein Gastfreund , » sorge nur , daß alles wohnlich sei . « » Es wird schon werden « , antwortete Katharina , und verließ das Zimmer . » Ihr könnt , wenn Ihr wollt , « sagte er dann zu mir , » indessen , bis Eure Wohnung in Ordnung ist , mit mir zu Eustach hinüber gehen und sehen , was eben gearbeitet wird . Wir können hiebei auch bei Gustav anklopfen und ihm sagen , daß Ihr gekommen seid . « Ich nahm den Vorschlag an . Er zog eine Art Überrock über seine Kleider , die beinahe wie im Sommer waren , an , und wir gingen aus dem Zimmer . Wir begaben uns zuerst zu Gustav , und ich begrüßte ihn . Er flog an mein Herz , und sein Ziehvater sagte ihm , er dürfe uns in das Schreinerhaus begleiten . Er nahm gar kein Überkleid , sondern verwechselte nur seinen Zimmerrock mit einem etwas wärmeren , und war bereit , uns zu folgen . Wir gingen über die gemeinschaftliche Treppe hinab , und als wir unten angekommen waren , sah ich , daß mein Gastfreund auch heute an dem unfreundlichen Wintertage barhäuptig ging . Gustav hatte eine ganz leichte Kappe auf dem Haupte . Wir gingen über den Sandplatz dem Gebüsche zu . Die Eiskörner , welche eine bereifte weiße und rauhe Gestalt hatten , mischten sich mit den weißen Haaren meines Freundes und sprangen auf seinem zwar nicht leichten , aber doch nicht für eine strenge Winterkälte eingerichteten Überrocke . Die Bäume des Gartens , die uns nahe standen , seufzten in dem Winde , der von den Höhen immer mehr gegen die Niederungen herab kam und an Heftigkeit mit jeder Stunde wuchs . So gelangten wir gegen das Schreinerhaus . Wie bei meiner ersten Annäherung stieg auch heute ein leichter Rauch aus demselben empor , aber er ging nicht wie damals in einer geraden luftigen Säule in die Höhe , sondern wie er die Mauern des Schornsteins verließ , wurde er von dem Winde genommen , in Flatterzeug verwandelt und nach verschiedenen Richtungen gerissen . Auch waren nicht die grünen Wipfel da , an denen er damals empor gestiegen war , sondern die nackten Äste mit den feinen Ruten der Zweige standen empor und neigten sich im Winde über das Haus herüber . Auf dem Dache desselben lag der Schnee . Von Tönen konnten wir bei dieser Annäherung aus dem Innern nichts hören , weil außen das Sausen des Windes um uns war . Da wir eingetreten waren , kam uns Eustach entgegen , und er grüßte mich noch freundlicher und herzlicher , als er es sonst immer getan hatte . Ich bemerkte , daß um zwei Arbeiter mehr als gewöhnlich in dem Hause beschäftigt waren . Es mußte also viele oder dringende Arbeit geben . Die Wärme gegen den Wind draußen empfing uns angenehm und wohnlich im Hause . Eustach geleitete uns durch die Werkstube in sein Gemach . Ich sagte ihm , daß ich gekommen sei , um auch einen kleinen Teil des Winters in dem Asperhofe zu bleiben , den ich in demselben nie gesehen , und den ich nur meistens in der Stadt verlebt habe , wo seine Wesenheit durch die vielen Häuser und durch die vielen Anstalten gegen ihn gebrochen werde . » Bei uns könnt Ihr ihn in seiner völligen Gestalt sehen , « sagte Eustach , » und er ist immer schön , selbst dann noch , wenn er seine Art so weit verleugnet , daß er mit warmen Winden , blaugeballten Wolken und Regengüssen über die schneelose Gegend daher fährt . So weit vergißt er sich bei uns nie , daß er in ein Afterbild des Sommers wie zuweilen in südlichen Ländern verfällt und warme Sommertage und allerlei Grün zum Vorschein bringt . Dann wäre er freilich nicht auszuhalten . « Ich erzählte ihm von meinem Besuche auf dem Echerngletscher , und sagte , daß ich doch auch schon manchen schönen und stürmischen Wintertag im Freien und ferne von der großen Stadt zugebracht habe . Hierauf zeigte er mir Zeichnungen , welche zu den früheren neu hinzu gekommen waren , und zeigte mir Grund und Aufrisse und andere Pläne zu den Werken , an denen eben gearbeitet werde . Unter den Zeichnungen befanden sich schon einige , die nach Gegenständen in der Kirche von Klam genommen worden waren , und unter den Plänen befanden sich viele , die zu den Ausbesserungen gehörten , die mein Gastfreund in der Kirche vornehmen ließ , welche ich mit ihm besucht hatte . Nach einer Weile gingen wir auch in die Arbeitsstube und besahen die Dinge , die da gemacht wurden . Meistens betrafen sie Gegenstände , welche für die Kirche , für die eben gearbeitet wurde , gehörten . Dann sah ich ein Zimmerungswerk aus feinen Eichen- und Lärchenbohlen , welches wie der Hintergrund zu Schnitzwerken von Vertäflungen aussah , auch erblickte ich Simse wie zu Vertäflungen gehörend . Von Geraten war ein Schrein in Arbeit , der aus den verschiedensten Hölzern , ja mitunter aus seltsamen , die man sonst gar nicht zu Schreinerarbeiten nimmt , bestehen sollte . Er schien mir sehr groß werden zu wollen ; aber seinen Zweck und seine Gestalt konnte ich aus den Anfängen , die zu erblicken waren , nicht erraten . Ich fragte auch nicht darnach , und man berichtete mir nichts darüber . Als wir uns eine Zeit in dem Schreinerhause aufgehalten und auch über andere Gegenstände gesprochen hatten , als sich in demselben befanden oder mit demselben in Beziehung standen , entfernten wir uns wieder , und mein Freund und Gustav geleiteten mich in das Wohnhaus zurück und dort in meine Zimmer . In ihnen war es bereits warm , ein lebhaftes Feuer mußte den Tönen nach , die zu hören waren , in dem Ofen brennen , alles war gefegt und gereinigt , weiße Fenstervorhänge und weiße Überzüge glänzten an dem Bette und an jenen Geräten , für die sie gehörten , und alle meine Reisesachen , welche ich in dem Schlitten geführt hatte , waren bereits in meiner Wohnung vorhanden . Mein Gastfreund sagte , ich möge mich hier nun zurecht finden und einrichten , und er verließ mich dann mit Gustav . Ich pachte nun die Gegenstände , welche ich in meinen Reisebehältnissen hatte , aus , und verteilte sie so , daß die beiden Gemächer , welche mir zur Verfügung standen , recht winterlich behaglich , wozu die Wärme , die in den Zimmern herrschte , einlud , ausgestattet waren . Ich wollte es so tun , ich mochte mich nun lange oder kurz in diesen Räumen aufzuhalten haben , was von den Umständen abhing , die nicht in meiner Berechnung lagen . Besonders richtete ich mir meine Bücher ,