dessen Feier , nach der Sitte der Insel , heute ein Freuden-Abend angeordnet war , weil man einander zur ewigen seligmachenden Bestätigung einer Kindes-Unschuld durch den Tod Glück zu wünschen pflegte . Der Alte wollte erst recht ins Erzählen eingehen , als Dian seinen Albano bat , nach so langer Seelen- und Körperbewegung schlummern zu gehen bis Sonnenuntergang , wo er ihn wecke . Agata wies ihm sein kühles Zimmer an , und er ging hinauf . Hier vor dem kühlenden See-Zephyr war das Einschlummern schon der Schlummer , und das nachklingende Träumen schon der Schlaf . Sein Traum war ein unaufhörliches Lied , das sich selber sang : der Morgen ist eine Rose , der Tag eine Tulpe , die Nacht ist eine Lilie , und der Abend ist wieder ein Morgen . Er träumte endlich sich in einen langen Schlaf hinab.- Spät , im Dunkeln , schlug er verjüngt wie ein Adam im Paradies das Auge auf , aber er wußte nicht , wo er war . - Er hörte fernes süßes Tönen - unbekannte Blütendüfte durchschwammen die Luft - er sah hinaus - der dunkle Himmel war mit goldnen Sternen wie mit feurigen Blüten bestreuet - an der Erde , auf dem Meere schwebten Lichter-Heere , und in tiefer Ferne hing eine helle Flamme mitten im Himmel fest . Ein unbekannter Traum verwirrte noch die wirkliche Bühne mit einer verschwundenen , und Albano ging durch das stille menschenleere Haus fortträumend heraus ins Freie wie in eine Geisterinsel . Hier zogen ihn Nachtigallen zuerst mit Tönen in die Welt herein . Er fand den Namen Ischia wieder und sah nun , daß das Schloß auf dem Felsen und die lange Dächer-Gasse der Ufer-Stadt voll brennender Lampen stand . - Er ging auf die erleuchtete , von Menschen umlagerte Stelle der Töne zu und fand eine ganz in Freudenfeuern stehende Kapelle . Einer Madonna und ihrem Kinde in der Nische wurde unter dem geschwätzigen Rausche der Freude und Andacht eine Nachtmusik vorgespielt . Hier fand er seine Wirtsleute wieder , die ihn alle im Jubel ganz vergessen hatten , und Dian sagte : » Ich hätt ' Euch schon geweckt , die Nacht und die Lust währt noch lange . « » Hört und seht doch dort den göttlichen Vesuvio , der das Fest so recht gut mitfeiert « , rief Dian , der sich so tief in die Wellen der Freude eintauchte als irgendein Ischianer . Albano sah hinüber nach der hoch im Sternenhimmel webenden Flamme , die wie ein Gott den großen Donner unter sich hatte , und die Nacht hatte das misenische Vorgebürg wie eine Wolke neben dem Vulkan aufgerichtet . Neben ihnen brannten tausend Lampen auf dem königlichen Palaste der nahen Insel Procita . Indem er über das Meer hinblickte , dessen Küsten in die Nacht versunken waren und das unermeßlich und finster als eine zweite Nacht dahinlag : so sah er zuweilen einen zerfließenden Glanz darüberschweifen , der immer breiter und heller floß . Auch zeigte sich eine ferne Fackel in der Luft , deren Lodern lange Feuer-Furchen durch die flimmernden Wellen zog . Es kam eine Barke näher mit eingezognem Segel , weil der Wind vom Lande ging . Weibliche Gestalten erschienen auf ihr , worunter eine nach dem Vesuv gewandte von königlichem Wuchs , an deren rotem Seidenkleide der Fackelschein lang herunterfloß , das Auge festhielt . Wie sie näher schifften und das helle Meer unter den schlagenden Rudern auf beiden Seiten aufbrannte : so schien eine Göttin zu kommen , um welche das Meer mit entzückten Flammen schwimmt und die es nicht weiß . Alle stiegen in einiger Ferne ans Land , wo bestellte Diener , wie es schien , dazu gewartet hatten , um alles zu erleichtern . Von der langen Gestalt nahm eine kleine , mit einer Doppellorgnette versehene einen kurzen Abschied und ging mit einem ansehnlichen Gefolge fort . Die rotgekleidete zog einen weißen Schleier über das Gesicht und ging , von zwei Jungfrauen begleitet , ernst und einer Fürstin ähnlich , der Stelle zu , wo Albano und die Töne waren . Albano stand nahe an ihr , zwei große schwarze Augen , mit Feuer gefüllt und mit innigem Ernst auf dem Leben ruhend , strahlten durch den Schleier , der die stolze gerade Stirn und Nase verriet . In der ganzen Erscheinung war für ihn etwas Bekanntes und doch Großes , sie kam ihm als eine Feenkönigin vor , die vorlängst sich mit einem himmlischen Angesicht über seine Wiege lächelnd und begabend hereingebückt und die nun der Geist mit alter Liebe wiedererkennt . Er dachte wohl an einen Namen , den ihm Geister genannt , aber diese Gegenwart schien hier nicht möglich . Sie heftete ihr Auge mit Wohlgefallen und Aufmerksamkeit auf das Spiel zweier Jungfrauen , welche , niedlich in Seide gekleidet , mit Gold-besetzten seidnen Schürzen , zur Tamburine einer dritten anmutig mit verschämt gesenktem Haupte und gesenkten Augen tanzten ; die beiden andern , von der Fremden mitgebrachten Jungfrauen und Agata sangen mit italienischer halber Stimme süß zur holden Lust . » Es geschieht alles « ( sagte ein alter Mann zur Fremden ) » in der Tat zur Ehre der heiligen Jungfrau und des heiligen Nikola . « Sie nickte langsam ein ernstes Ja . Da stand plötzlich Luna , vom Opferfeuer des Vesuvs umspielet , drüben am Himmel , als die stolze Göttin des Sonnengottes , nicht bleich , sondern feurig , gleichsam eine Donnergöttin über dem Donner des Bergs - und Albano rief unwillkürlich : » Gott , der große Mond ! « - Schnell hob die Fremde den Schleier zurück und sah sich bedeutend nach der Stimme wie nach einer bekannten um ; als sie den fremden Jüngling lange angeblickt , wandte sie sich nach dem Monde über dem Vesuv . Aber Albano war von einem Gott erschüttert und von einem Wunder geblendet : er sah hier Linda de Romeiro . Als sie den Schleier hob , strömte Schönheit und Glanz aus einer aufgehenden Sonne ; zarte jungfräuliche Farben , liebliche Linien und süße Fülle der Jugend spielten , wie ein Blumenkranz um eine Götterstirn , mit weichen Blüten um den heiligen Ernst und mächtigen Willen auf Stirn und Lippe und um die dunkle Glut des großen Auges . Wie hatten die Bilder über sie gelogen und diesen Geist und dieses Leben so schwach ausgesprochen ! Als wollte die Zeit die glänzende Erscheinung würdig umgeben , so schön spielten Himmel und Erde mit allen Strahlen des Lebens ineinander - liebesdurstig flogen Sterne wie Himmelsschmetterlinge ins Meer - der Mond war über die ungestüme Erdflamme des Vesuvs weggezogen und bedeckte mit seinem zarten Licht die frohe Welt , das Meer und die Ufer - der Epomeo schwebte mit seinen versilberten Wäldern und mit der Einsiedelei seines Gipfels hoch im Nacht-Blau - darneben lebten die singenden , tanzenden Menschen mit ihren Gebeten und ihren Fest-Raketen , die sie in die Höhe warfen . - - Da Linda lange über das Meer nach dem Vesuv gesehen : redete sie den stillen Albano , um seinem Ausruf zu antworten und ihr schnelles anblickendes Umwenden nach ihm gutzumachen , selber an : » Ich komme vom Vesuv , « ( sagte sie ) » aber er ist ebenso erhaben in der Nähe als in der Ferne , was so selten ist . « - Ganz fremd und geistermäßig klang es ihm , daß er diese Stimme wirklich hörte . Mit sehr bewegter versetzt ' er : » Aber in diesem Lande ist ja alles groß , sogar das Kleine durch das Große - diese kleine Menschenfreude hier zwischen dem ausgebrannten Vulkan189 und dem brennenden - alles ist eins und darum recht und so göttlich . « Zugleich an- und weggezogen , ihn nicht kennend , obwohl vorhin von seiner Stimmen-Ähnlichkeit mit Roquairol getroffen , seinen einfachen Worten gern nachdenkend , blickte sie länger , als sie merkte , das redliche , aber trotzige und warme Auge des Jünglings an ; antwortete nichts , wandte sich langsam ab und sah wieder still den Spielen zu . Dian , der schon lange die schöne Fremde angesehen , fand endlich in seinem Gedächtnis ihren Namen und kam zu ihr mit der halb stolzen , halb verlegnen Miene der Künstler gegen den Stand . Sie kannte ihn nicht wieder . » Der Grieche Dian , « ( sagte Albano ) » edle Gräfin ! « - Verwundert über des Grafen Erkennung sagte sie zu diesem : » Ich kenne Sie nicht . « - » Meinen Vater kennen Sie , « ( sagte Albano ) » den Ritter von Cesara . « - » O dio ! « rief die Spanierin erschrocken , wurde eine Lilie , eine Rose , eine Flamme , suchte sich zu fassen und sagte : » Wie sonderbar ! Eine Freundin von Ihnen , die Prinzessin Julienne , ist auch hier . « Das Gespräch floß jetzt ebener . Sie sprach von seinem Vater und drückte als Mündel ihre Dankbarkeit aus : » Es ist eine mächtige Natur , die sich vor allem Gemeinen bewahrt « , sagte sie , sogleich gegen die vornehme Sitte schon teilnehmend von Personen sprechend . Den Sohn beglückte das Lob auf einen Vater , er erhöhte es und fragte in froher Erwartung , wie sie seine Kälte nehme . » Kälte ? « - ( sagte sie lebhaft ) » das Wort hass ' ich recht ; wenn einmal ein seltener Mensch einen ganzen Willen hat und keinen halben und auf seiner Kraft beruht und nicht wie ein Schaltier sich an jedes andere klebt : so heißet er kalt . Ist die Sonne in der Nähe nicht auch kalt ? « - » Der Tod ist kalt , « ( rief Albano sehr bewegt , weil er oft selber mehr Kraft als Liebe zu haben glaubte ) » aber eine erhabene Kälte , eine erhabene Qual kann es wohl geben , die mit Adlersklaue das Herz in die Höhe entführt , aber es zerreißet mitten im Himmel und vor der Sonne . « Sie sah ihn groß an : » Ihr sprecht ja wie ein Weib , « ( sagte sie ) » das allein hat ohne die Macht der Liebe nichts zu wollen und zu tun ; aber es war artig . « - Dian , zu allgemeinen Betrachtungen verdorben und nur zu individuellen tüchtig , unterbrach sie mit Fragen über einzelne Kunstwerke in Neapel ; sie teilte sehr offen ihre eigentümliche Ansicht mit , obwohl ziemlich entscheidend Albano dachte zuerst an seinen zeichnenden Freund Schoppe und fragte nach ihm ; » bei meiner Abreise « ( sagte sie ) » war er noch in Pestitz , ob ich gleich nicht begreife , was ein so ungemeines Wesen da will es ist ein gewaltiger Mensch , aber verworren und nicht klar . Er ist sehr Ihr Freund . « - » Was macht « ( fragte Dian halb scherzend ) » mein alter Gönner , der Lektor Augusti ? « - Sie antwortete kurz und fast über dessen vertrauliches Fragen empfindlich : » Es geht ihm gut am Hofe . - Wenigen Naturen « ( wandte sie sich , über Augusti fortfahrend , an Albano ) » geschieht so viel Unrecht des Urteils als solchen einfachen , kühlen , konsequenten wie der seinigen . « Albano konnte nicht ganz Ja sagen ; aber er erkannte in ihrer Achtung für die fremdeste Eigentümlichkeit froh die Schülerin seines Vaters , der ein Gewächs nicht nach der glatten oder rauhen Rinde , sondern nach der Blüte schätzte . Nie zeichnet der Mensch den eignen Charakter schärfer als in seiner Manier , einen fremden zu zeichnen . Aber Lindas hohe Offenherzigkeit dabei , die feingebildeten Weibern so oft abgeht als kräftigen Männern Feinheit und Hülle , ergriff den Jüngling am stärkesten , und er glaubte zu sündigen , wenn er nicht seine große natürliche gegen sie verdoppelte . Sie rief ihre Jungfrauen zum Fortgehen . Dian ging fort . » Diese sind mir nötiger , « ( sagte sie zu Albano ) » als sie es scheinen . « Sie habe nämlich , erzählte sie , etwas von der Augenkrankheit190 vieler Spanierinnen , nachts unendlich kurzsichtig zu sein . Er bat , sie begleiten zu dürfen , und es geschah ; er wollte sie führen ihrer Anmerkung wegen , sie verbats . Unter dem Gehen stand sie oft still , um nach der schönen Flamme des Vesuvs zu blicken . » Er steht « ( sagte Albano ) » in diesem Hirtengedicht der Natur als eine tragische Muse da und hebt alles wie ein Krieg die Zeit . « - » Glauben Sie das vom Krieg ? « sagte sie . - » Entweder große Menschen « ( versetzte er ) » oder große Zwecke muß ein Mensch vor sich haben , sonst vergehen seine Kräfte , wie dem Magnet die seinigen , wenn er lange nicht nach den rechten Welt-Ecken gekehrt gelegen . « - » Wie wahr ! « ( sagte sie ) - » Was sagen Sie zu einem gallischen Krieg ? « - Er bekannte seinen Wunsch für dessen Entstehung und die eigne Teilnahme daran . Er konnte , sogar auf Kosten seiner Zukunft , gegen sie nichts sein als offenherzig . » Selig seid ihr Männer , « ( sagte sie ) » ihr grabt euch durch den Lebens-Schnee durch und trefft endlich die grüne Saat darunter an . Das kann keine Frau . Ein Weib ist doch ein dummes Ding der Natur . Ich ehre ein paar Häupter der Revolution , besonders das politische Kraft-Ungeheuer , den Mirabeau , ob ich ihn gleich nicht liebhaben kann . « Unter diesen Reden stiegen sie am Epomeo auf . Agata begleitete die beiden Gespielinnen ihrer frühern Zeit mit voller Zunge und hungrigem Ohre für so viele gegenseitige Neuigkeiten . Da er jetzt neben der schönen Jungfrau ging und zuweilen in das Angesicht blickte , das durch die geistige Kraft noch schöner wurde , zugleich Blume , Blüte und Frucht , statt daß sonst umgekehrt der Kopf durch das Gesicht gewinnt : so richtete er strenge über sein bisheriges Betragen gegen dieses edle Wesen ; ob er gleich wie sie aus Zartheit über das bisherige Gaukelspiel mit ihrem Namen so wie über das Wunder des heutigen Begegnens schwieg . Still gingen sie in der seltnen Nacht und Gegend . Auf einmal blieb sie auf einer Höhe stehen , um welche der Brautschatz der Natur nach allen Seiten in Bergen aufgehäufet war . Sie blickten im Glanze umher , der Schwan des Himmels , der Mond , wogte fern vom Vesuve im hohen Äther - die Riesenschlange der Erde , das Meer , schlief fest in ihrem von Pol zu Pol reichenden Bette - die Küsten und Vorgebürge dämmerten nur wie Mitternachtsträume - Klüfte voll Baumblüten flossen über von ätherischem Tau aus Licht , und unten in Tälern standen finstere Rauchsäulen auf heißen Quellen und verwallten oben in Glanz - hoch lagen überall erleuchtete Kapellen und tief um das Ufer dunkle Städte die Winde standen still , die Rosendüfte und die Myrtendüfte zogen allein - weich und lau umfloß die blaue Nacht die entzückte Erde , um den warmen Mond wich der Äther aus , und er sank liebestrunken mitten aus dem Himmel immer größer auf den süßen Erdenfrühling herein - der Vesuv stand jetzt ohne Flamme und ohne Donner , weiß von Sand oder Schnee , in Morgen - im dunklern Blau waren die Goldkörner der feurigen Sterne weit auseinandergesäet . - Es war die seltene Zeit , wo das Leben den Durchgang durch eine überirdische Sonne hat . Albano und Linda begegneten sich mit heiligen Augen , und die Blicke löseten sich wieder sanft auseinander ; sie schaueten in die Welt und in das Herz und sprachen nichts aus . Linda kehrte sich sanft um und ging still weiter . Da rief auf einmal eines der nachgehenden geschwätzigen Mädchen aus : » Es kommt wahrlich ein Erdbeben , ich fühl ' es recht , gute Nacht ! « - Es war Agata . » Gott geb ' eines « , sagte Albano . » O warum ? « sagte Linda eifrig , aber leise . - » Alles , was die unendliche Mutter will und gibt , ist mir heute kindlich-lieb , sogar der Tod - gehören wir nicht mit zu ihrer Unsterblichkeit ? « sagt ' er . - » Ja , das darf in der Freude der Mensch fühlen und glauben , nur im Schmerze sprech ' er nicht von Unsterblichkeit , in solcher Seelenohnmacht ist er ihrer nicht würdig . « Albanos Geist stand hier von der Fürstenbank auf , um die hohe Verwandte zu grüßen , und sagte : » Unsterbliche ! und wär ' es sonst niemand ! « Sie lächelte still und ging fort . Sein Herz war ein beschriebenes Asbestblatt , ins Feuer geworfen , brennend , nicht verbrennend , das ganze vorige Leben losch weg , das Blatt glänzte feurig und rein für Lindas Hand . Als sie die letzte Anhöhe erreichten , worunter Lindas und Juliennens Wohnung lag , und sie nebeneinander zur Trennung standen , da rief plötzlich unten das Mädchen : » Ein Erdbeben ! « Aus der Hölle heran rollte ein Donnerwagen in den unterirdischen Wegen - ein breiter Blitz schlug die Flügel am reinen Himmel unter den Sternen auf und zu - die Erde und die Sterne zitterten , und aufgeschreckte Adler flogen durch die hohe Nacht . Albano hatte die Hände der wankenden Linda ergriffen . Ihr Angesicht war vor dem Monde zu einer blassen Götter-Statue aus Marmor verblüht . Es war schon vorbei ; nur einige Sterne der Erde schossen noch aus dem festen Himmel ins Meer , und wunderbare Wolken zogen unten ringsherum auf . » Bin ich nicht recht furchtsam ? « sagte sie weich . Albano schauete ihr lebendig und heiter wie ein Sonnengott im Morgenrot ins Angesicht und drückte ihre Hände . Sie wollte sie heftig wegziehen . » Gib sie mir ewig ! « sagte er heftig . - » Kühner Mensch , « ( sagte sie verwirrt ) » wer bist du ? - Kennst du mich ? - Wenn du bist wie ich , so schwöre und sage , ob du immer wahr gewesen ! « - Albano sah gen Himmel , sein Leben wurde gewogen , Gott war nahe bei ihm , er antwortete sanft und fest » Linda , immer ! « - » Ich auch ! « sagte sie und neigte schamhaft das schöne Haupt an seine Brust , hob es aber sogleich wieder auf mit den großen feuchten Augen und sagte schnell : » Gehen Sie jetzt ! Früh morgens kommen Sie , Albano ! Addio , addio ! « - Die Mädchen kamen herauf , Albano ging hinab , die Brust gefüllt mit Lebenswärme , mit Lebensglanz - die Natur wehte mit frischern Düften aus den Gärtern her - das Meer rauschte unten wieder , und auf dem Vesuv brannte eine Amors-Fackel , ein Freudenfeuer - - durch den Nacht-Himmel zogen noch einige Adler nach dem Mond wie nach einer Sonne - und an das Himmels-Gewölbe war die Himmelsleiter aus goldnen Sprossen von Sternen gelehnt . Da Albano so einsam in der Seligkeit ging , aufgelöset in die Wonne der Liebe , in den Duft der Täler , in den Glanz der Höhen , träumend , schwebend : so sah er Zugvögel über das Meer gegen den Apennin nach Deutschland fliegen , wo Liane gelebt . » Heilige droben , « ( rief sein Herz ) » du wolltest dies Glück , erscheine und segne es ! « Unerwartet stand er vor einer Kapellen-Nische , worin die heilige Jungfrau stand . Der Mond verklärte die blasse Statue die Jungfrau belebte sich unter dem Glanze und wurde Lianen ähnlicher - er kniete hin , und heiß gab er Gott die Dankgebete und Lianen die Tränen . Als er aufstand , girrten in Träumen Turteltauben und schlug eine Nachtigall , die heißen Quellen dampften schimmernd , und er hörte das frohe Singen der fernen Menschen herauf . Neunundzwanzigste Jobelperiode Julienne - die Insel - Sonnenuntergang - Neapel - Vesuv - Lindas Brief - Streit - Abreise 111 . Zykel Nach einer langen Nacht wehte der frische Morgen , wo Albano die Schätze des seligsten Traums , die vom Monde geöffneten Blumen des Glücks , vor der Sonne wiederfinden sollte . Ihm jauchzete das Leben , da er die gestrigen Höhen , die vom Firniß des Lichtes überzogen glänzten , wieder bestieg ; nicht zu einem Rosenfest , sondern zu allen Blumen- und Erntefesten auf einmal , zu Myrten- und Lilienfesten , zu Ährenlesen und Blütenlesen ging die Sonne über den glücklichen Boden hervor , und wie ein Pfau mit seinem schleppenden Regenbogen in einen Blütenbaum hineinfliegt , so hob sich der junge Tag farbenschwer und mit Gärten beladen und voll Widerscheine auf die blauen Höhen und lachte kindlich in die Welt . - Albano sah jetzt von seiner Höhe unten das Zauberschloß , worein sich gestern die mächtige Zauberin verloren . Er kam unten an . Ein singendes Mädchen auf dem blumenvollen Dache , das auf ihn gewartet zu haben schien , zeigte , unter dem Fortsingen sich herüberbeugend , ihm das nahe Zimmer unter ihr , in das er gehen sollte . Er trat hinein ; es war einsam - durch die Fenster aus geöltem Papier quoll ein wunderliches Morgenlicht - auf die hölzerne Stubendecke waren Figuren aus dem Herkulanum gemalt - in einer kampanischen Vase standen gelbe Schmetterlingsblumen und Myrtenblüten und zogen einen süßen Duftkreis um sich her . Die sonderbare Umgebung umschloß ihn immer enger , da er gar einige Bilder und Geräte fand , die ihm bekannt vorkamen . Endlich erblickte er bestürzt auf dem Tische einen halben Ring . - Er nahm seinen halben hervor , den er im gotischen Zimmer in jener Geisternacht von der angeblichen Schwester bekommen und den er für den Zufall der Vergleichung immer bei sich trug . Er drückte die Halbzirkel ineinander - plötzlich schlossen sie einfassend sich zu einem festen Ringe zu - Gott ! dacht ' er , was greift wieder ins Leben ! - Da wurde hastig die Tür geöffnet , und die Prinzessin Julienne eilte lächelnd und weinend herein und rief , ihm zufliegend : » O mein Bruder ! mein Bruder ! « - » Julienne , « ( sagt ' er ernst und innig ) » bist du endlich meine Schwester wirklich ? « - » O lange genug ist sie es « , versetzte sie und sah ihn zärtlich und selig an und lächelte ins Weinen . Dann umarmte sie ihn wieder und sah ihn wieder an und sagte : » Du schöner Albano-Bruder ! - So lange bin ich wie ein Mond um dich herumgezogen und mußte kälter und weiter bleiben wie er ; und will ich dich auch ausnehmend liebhaben , so recht zurücklieben und vorwärts dazu ! « - » Allmächtiger ! « ( brach Albano weinend aus , da er sich so plötzlich von einem gebenden Arm aus der Wolke umschlungen fand ) » das alles gibst du mir auf einmal jetzt ? « - » Ach , « ( rief Julienne lebhaft ) » weint ' ich nur auch vor lauter Freude ! Aber ich esse mein bitteres Stück Schmerz mit dazu ! Lieber Bruder , Luigi schreibt mir gestern aus Pestitz , ich sollte zurückeilen , sonst erleb ' er schwerlich meine Wiederkunft . Dacht ' ich das bei der Abreise ? So soll ich , was ich mit der einen Hand einnehme , mit der andern ausgeben . « Albano schwieg dazu , weil er am Fürsten keinen Anteil nehmen konnte . Desto mehr erquickt ' er sich mit frischer klarer Freude am offnen wehenden Orient der frühesten Lebenstage , an dem Blicke auf diese junge reine Blume , die gleichsam in und aus der hellen frischen Quelle seiner Kindheit wuchs und spielte . » Aber Himmel ! erkläre mir , « ( fing Albano an ) » wie alles zuging . « - » Jetzt , weiß ich , hebt das Fragen an « ( versetzte sie ) - » Die ostensible Hauptsumme sollst du kurz haben - fragst du nach mehr , willst du ins Geheimbuch gucken , so schlag ' ichs zu und sage dir einige Lügen vor . Im nächsten Oktober , wohl eher , kommt alles ans Licht . Zu allererst ! Meine Mutter war und bleib wahrlich rein und heilig bei dieser Verwandtschaft , bei dem allmächtigen Gott ! « » Welch ein Rätsel ! « ( sagt ' er ) » Bist du die Tochter meines Vaters ? Ist Luigi mein Bruder ? Ist meine tote Schwester Severina deine Schwester ? « fragt ' er . Julienne . Frage den Oktober ! Albano . Ach Schwester ! Julienne . O Bruder ! Traue der Tochter Melchisedeks . Ferner : ich war wohl die erscheinende Schwester , die der Mensch mit dem kahlen Kopfe dir in Lilar zuführte ; ich konnte nicht , ich mußte dich haben , eh ' du ins Ausland entflogst . Das Alter , das ich damals im Spiegel hatte , war , wie du siehst , nur vom Kunstspiegel191 gemacht . Albano . Wahrlich , ich dachte damals an niemand als an dich . Nur wie kommt ein Mensch wie der Kahlkopf und wie der Vater des Todes - der mir so unbegreiflich in Mola vorausgesagt , daß ich dich finden würde - - Julienne . Das ist unmöglich - Meinen Namen nannt ' er ? Albano . Bloß dieser fehlte . Der Pater ist übrigens nach aller Wahrscheinlichkeit mit dem Kahlkopf ein Mensch . Er fuhr dabei gen Himmel . Julienne . Da bleib ' er ja und der andere mit . Geht und ficht mich oder dich dieser dunkle Zauber-Bund etwas an , der in seinen falschen Wundern bisher immer durch seltsame wahre unterbrochen wurde ? Ich kam damals in Lilar unschuldig dazu und verhütete vielleicht etwas Fürchterliches . Albano . Bei Gott , ich muß fragen . Was ist denn sein Zweck , wer sein Leiter , sein Oberer ? Julienne . Vermutlich der Vater der Gräfin , denn der lebt noch unbekannt und ungesehen , hör ' ich , obgleich dein Vater Vormund ist . Erstaune , wenn du zu Hause bist , und lasse die Rätsel , die sich ja für uns beide schon so freudig entwickeln , und erwarte die Oktobertage . Albano . Aber eins , geliebte Schwester , versage mir doch nicht , ein klares Wort über mein und dein wunderbares Verhältnis zur edlen Gräfin ! Nur das ! Julienne . Hat dirs denn schon mein Herz versagt ? - Die Herrliche ! - Wohl ihr und mir und dir ! Dein erstes Wort der Liebe - die Götter setzten dies nun so fest - sollte das Merkwort zu dem meinigen an dich werden , erst von der Geliebten durftest du die Schwester empfangen . Was Gaukler und Geister dazu und davon taten , das weiß niemand besser als der - Oktober ; was soll ich erst lange zwischen Lüge und Meineid auslesen ? Ich tat bloß alles , euch beide nur voreinander hinzustellen ; das Übrige wußt ' ich voraus . Nichts gelang - lauter erwürgender Wirrwarr alles ging bergan - ich sah teuere Menschen192 in einem unseligen Frühling entsetzliche Schmerzen säen und dabei so voll Hoffnungen lächeln und konnte ihre unglücklichen Hände nicht halten - ich , die so gewiß allen Jammer vorauswußte . - » O du fromme reine Seele droben ! « sagte sie auf einmal mit zitternder Lippe zum Himmel hinauf - die Geschwister umfaßten sich sanft und weinten still über das unschuldige Opfer . » Nein , « ( sagte Albano sehr warm ) » kein Höllenbund konnte uns scheiden , wäre sie nur bei mir geblieben oder doch auf der Erde . « - » Sieh , Albano , « ( sagte Julienne , ihre frohern Lebensgeister wieder zusammenrufend , und öffnete alle dunkele Fenster ) » wie der Morgen-Hügel auf und ab prangt und wallet ! Lasse mich ausreden ! Recht zum größten Glück erfuhr ich im Winter , daß du nach Neapel gedächtest . Linda war schon einmal dagewesen , und ihre Mutter in den hiesigen Bädern . Mir , ( sagt ' ich zu ihr ) täten Ischias Bäder so wohl als einer , reise mit , den tristen Vormund in Rom wollen wir gar nicht berühren und besuchen . Sie willigte leicht ein . Deiner wurde natürlich nicht gedacht , vorher aber oft genug in Briefen und sonst , wo ich dich immer unmäßig lobte . - Und nun nous voici donc ! - Gestern erhielt ich in Neapel den traurigen Brief meines Bruders . Von deiner Ankunft wußt ' ich noch nichts . Ich ließ die Gräfin allein zu deinem Ton-Fest gehen und eilte mit dem schweren Herzen heim . Da sie freudig kam , tat sie ihres auf und sagte mir alles und dann ich ihr alles . - Ach , gottlob , « ( setzte sie , ihm an den Hals fallend , dazu ) » daß wir nun endlich im Elysium ausgestiegen sind und daß uns der morsche Charons-Kahn nicht hat ersaufen lassen . - Aber für ganz Europa , auch für deinen Dian , bleibet auf unserer Verwandtschaft das Sekretsinsiegel daran , merke ! « Er mußte noch einige Fragen tun ; sie antwortete immer aufgeweckt : » Der Oktober , der Oktober ! « bis sie auf einmal , wie erwachend , ausrief : » O wie kann ich das so lustig sagen ? « aber ohne sich darüber zu erklären . » Jetzt will ich dich , wie ichs bisher