Palaste heim . ( Weh ' mir ! Was kühlte jemals meine sieche Brunst ? ) Und sieh , der alte Zechcumpau erkannte mich , Erinnerte sich gern der drallen Buhlerin , Die jeden nervigen Bootsknecht schwelgen ließ im Schooß , Und grüßte mich : Lycisca . - War ' s ein Schicksalshohn ? Ich ließ den Mann im Wahn , der ihn ermuthigte Mich derb zu drücken in verliebter Possenreißerei , So daß die Langeweile eben noch bewältigt ward Und ich mich tröstete in meinem Ungemach . Der Arme , hätt ' er mich erkannt , so starb er ja ! Gleich jenen Höflingen , die einst im Lupanar Mich trafen und erkannten , und sich weigerten , Um keine » Gottesschändung « zu begehn , wofür als Lohn Ich ihre Töchter schänden und verführen ließ ! II. O Höhe meiner Allmacht ! O mein tiefer Sturz ! Die Diebin Agrippina stiehlt mein Diadem . Ich sehe sie vor mir im Geist , die Schmeichlerin , Im heimlichen Gemach bei meinem Schattenmann . Wie sie den abgebrauchten Lüstling kitzeln wird Durch schlaues Zeigen und Verhüllen , Bieten und Verwehren auch Wie sie mit schlauem Honigwort ihn reizen wird Der Güte Taubensanftmuth bald im feuchten Blick , Bald edlen Zornes Löwenmuth im Feueraug ' ! Bald süßlich lächelnd , abgefeimte Buhlerin , Zweideutige Späße lispelnd und gemeinen Scherz ! Bald ernst und stolz , der Frauenwürde hehres Bild , Mit majestät ' schem Faltenwurf der Tunika , Die leider sich in jedem Augenblick verschiebt , Wenn sie in plastisch schöner Stellung Arm und Bein Heroisch von sich streckt ! Wie wird in hohem Ton Vor ihm sie deklamiren aus dem Aeschylus , Zur Lyra singen den Catull , feinsinnig gar Ihm den Horaz erläutern und zuguterletzt Tiefschmerzlich feufzen über den Euripides , Weil er die Frauen so abscheulich schwarz gemalt , Denn unsre schönen Seelen , ach ! verstand er nicht . Dann giebt es Ziererei , wenn er sie trösten will Und ihr versichert , heilig sei für ihn das Weibliche . Dann wechselt schroffe Kälte , strenge Züchtigkeit Mit heißem Ausbruch gut gespielter Leidenschaft - Lukretia , Cornelia , Antigone Verwandeln plötzlich sich in die Semiramis , Vampyrisch lüstern und bacchantisch liebeheiß . Wohl , Agrippina , gleichst Du der Assyrerin : Im Herzen Völkermord , im Auge Sinnenbrand , Staatsweisheit auf der Lippe , die von Küssen brennt , Vom Thron sich wälzend in der Unzucht Lotterbett . Ha , dessen rühm ' ich mich : Ich war zu stolz dafür , Von Pallas mir zu borgen ihren Tugendschild , Deß glatter kalter Stahl die Blöden blenden soll . Ich war der Sünde offenste Verkörperung , Mein Fleisch und Blut verläugnete durchaus den Geist , Nie heuchelte ich höher ' n Sinn . Ich bin die Lust , Denn weiblich ist die Sünde und ich bin ein Weib . III. Des Fatums Netz hält mich umstrickt , das unentrinnbare : Entweder trifft mich des Kroniden Racheblitz Oder die Himmelsfürstin Juno drückt Das Scepter voller Macht aufs neu mir in die Hand . Versucht hab ich , was möglich , und ich hoffe noch . Bittschriften und Fürbitter bot ich sämmtlich auf , Um unablässig zu bestürmen meines Gatten Sinn . Der Dickbauch hat kein Herz von Stein , ist schnell erweicht Und glaubt am Ende , daß ich schuldlos angeklagt , Denn dumm genug dafür ist der Vortreffliche . Ich selber warf mich ja ihm weinend in den Weg Bei Ostia , vor seiner Sänfte knieend bat Gehör ich für die Mutter des Brittannicus . ( Als dessen Vater sich der Geiferer berühmt , Mir selbst ist der Erzeuger nicht so ausgemacht ! ) Da überschrie mich zwar sein feiger Kämmerling , Erstickend meiner Klagen süß beredtes Fleh ' n. Auch hielt er eine Rolle von Papyrus vor Dem Weltbeherrscher , wo verzeichnet meine Schuld : Natürlich konnte dem der Tropf nicht widerstehn , Ihm hat ja stets besondern Reiz Geschriebenes . Doch jetzt zum Gnadenbitten habe ich bestimmt Die älteste Vestalin . Diese Fürsprach ' muß Erretten mich . Haha , ein schönes Bild auch dies Und möglich nur in dieser Weltkloake Schlund , Daß die Vestalin für die - Messalina fleht ! Natürlich fielen zwar die Meisten von mir ab : Der Mensch vergiebt der Macht der Frevel Uebermaß , Dem Fallenden verzeiht er Nichts . Das tröstet mich , Daß ich den Lumpen rechten Grund zum Hasse gab : Dreihundertfünfzehn Ritter , Dreißig vom Senat , Und von Quiriten eine ungezählte Menge noch , Ließ ich vernichten : Theils weil abhold meiner Macht Und meine Frevel tadelnd , theils aus Eifersucht Und Rachsucht den , der meinen Schlingen sich entzog . So räumte den Vicin ich aus dem Wege mir , Den Gatten von der Nichte meines Hahnreimanns . Die Nichte war gefällig , näherte dem Cäsar sich , Und mir gefiel Vicin . Der Geck hat mich verschmäht , Und sprach von Treu ' und Tugend - Beide starben drum . Silan auch starb , der blöde Held . ( Stiefvater mir , Denn meine Mutter gab ihm Claudius zur Frau . ) Ich war nach seiner Liebe lüstern und umarmte ihn Einst etwas zu verwandschaftlich . Das merkte er Und deutete mir drob sein Mißbehagen an , Blies auf die Freundschaftsflöte , sprach von Unnatur ! Pah , Unnatur ! Natur ist alles , was Natur erlaubt , Was ich begehe , ohne grad zu sterben dran . Naturinstinkt ist jeder Trieb im Menschenblut : Was ich besitzen will , ist mir auch drum gewährt , Gestattet ist , was mir gefällt . Pasiphaë Verliebte sich in einen Stier . Und fühle ich Verlangen , mich zu paaren einem Krokodil - Wer schreit da Unnatur , da mir ' s Natur gebeut ? Ja , Sinnlichkeit war meines Lebens Lust und Qual : Verzehrend And ' re , hab ' ich so mich selbst verzehrt . Um den zu fangen , der sich meiner Macht entzog , Verlieh ein Gott mir Schönheit - schnell bestrickend wie Medea ' s Zaubertrank und Paphos ' Sommernacht . IV. O süße tolle Orgien , wo in dem Kreis Geliebter Frechheit , von Begierde wild zerfleischt , Becher nach Becher lachend ich hinabgestürzt Von honigduftendem Falerner rauschgewohnt . - Nie sah ich so verlockend meiner Schönheit Bild Vor Augen , als da ich mich heimlich spiegelte In dem geschliff ' nen Erzschild an der Marmorwand Einst im Zenith des Sinnentaumels , wild verzückt . Mein wallend Haar , in krausen Locken ringelnd sich , Wie einer Furie oder Gorgo Schlangenhaar , ( Die Furie der Begierde hauste ja in mir , Selbst hetzend den Genuß , von innerem Fluch gehetzt ) Blauschwarz wie Ebenholz , von Wollustthränen feucht , Gleich wie ein perldurchwirkter dunkler Seidenflor , Peitschte den weichen Nacken und des Rückens Schnee , Sich schmiegend um des Busens makellose Form Bis zu geschwellter Hüften üppiger Fülle hin . - Des Unterkörpers Stellung war nicht minder schön . Die kleinen Füße in goldfranzigem Pupurschuh Zerstampften ruhelos des Estrichs Mosaik Zum Tact der Flöte , die verlockend girrte rings . Die runden glatten Kniee bebten im Genuß , Matt ausgeglitscht . Wie göttlich hingegossen lag Der Leib , der schmachtend hingeglitt ' nen Glieder Pracht , Die Grazie der Wollust jedem aufgeprägt ! Durch der zurückgebogenen Schenkel rosige Haut Pulsirte schimmernd Scharlach des erhitzten Bluts Im Blau der Adern , wie der Freude Morgenroth . Purpurgesäumt , schneeweiß , die seidne Tunika War abgestreift , der goldne Gürtel losgelöst , Die blüh ' nden Arme nackt und voll emporgestreckt . Und nur des Purpurvorhangs rosiges Dämmerlicht , Der Weihrauchampel matter Schein nun fiel Auf die weißrosigen Formen , lüstern hingedehnt Auf Kissen von Tyrrhenerpurpur perlbestickt . Das goldne diamantbesetzte Diadem , Symbol der Weltmacht , kollerte vergessen dort Auf Perserteppich . Palmzweig , grüner Epheu war , Ihr Weiß zu zeigen , auf die Schulter hingestreut - Durch ' s schwarze Haar schlang sich der Rosen rother Kranz . Das Auge brauchte keine farbige Zierde , traun ! So glühend , wie der Sonne Gold , des Blutes Roth Brach durch die schwarzen Wimpern schwarzer Augen Gluth Im ungezähmten Feuer herrschender Begier , Durch Wollustthränen süß gedämpft , wie durch Des Tropenregens Schleier der Canopus brennt . Die rothen Lippen - heiß geöffnet waren sie , Doch nicht wie eine Rose , die den Kelch erschließt - Wie eine aufgeriss ' ne Wunde dürstend stets Nach Balsam für die Qualen einer innern Gluth . Doch kühlt und lindert nicht der Küsse Feuerthau : Drum sog mein Busen ewig unter Seufzern ein Die schwüle Ambraluft , gleich wie den Wüstenwind Des Berberrosses Nüster saugt , zum Ritt bereit . V. Und welch ' ein Götterspaß , welch ' witziger Frevel war ' s , Wenn ich die Jungfrau ' n und Matronen , die zum Fest Ich lud und die aus Furcht zum Pallatin gefolgt , Preisgab den Lüsten abgefeimter Lüstlinge . Unwürdig Deiner nicht , o Göttin Aschera , War dieser Einfall . Denn wie Deinem nächtigen Dienst Man unberührte Mädchenblüthe opferte , So fordert ' meine Gottheit auch der Keuschheit Raub . Welch greller Angstschrei , welch verzweifelt Wehgestöhn , Welch wildes Weinen der erzwungnen Wollustpein Erscholl da , lieblich meinem Ohr - zu bald erstickt Von meinen nervigen Buhlen vor dem Hochaltar Der Göttin Unzucht , die in Saales Mitte stand . Ja , all die bittern Thränen , die vergossen dort - Auffangen hätt ' ich mögen sie im Goldpokal Und schlürfen nimmersatt ihr bittres Salz , Damit der Hunger meiner Grausamkeit gestillt . Wie manche Unschuld , manche Herzensreinheit ward Von mir geknickt und faulig in den Koth gestampft ! Doch bei Matronen ( ehrbar keusche wählt ' ich nur ) War sorgsam ein besondrer Reiz von mir erdacht . Denn ihre Gatten lud ich alle ein zu gleicher Zeit : Die zwang ich nun vor ihren Ehgesponsen selbst Mit siechen Freudenmädchen sich genugzuthun . Die armen Weiber aber , die vor Gram und Eifersucht In Ohnmacht fielen , lieferte den Meinigen Ich aus vor ihrer Männer Aug ' zum Ehebruch ! - So ließ ich sich ergießen , einen Unflathstrom Von namenlosen Gräueln , bis im eklen Sumpf Der Sinnlichkeit , im Pestpfuhl der Verderbtheit ganz In Schlamm getreten alle Tugend , Würde , Sittsamkeit . Ha , welch homerisches Gelächter schallte hell Aus dem Gehege meiner Perlenzähne dann , Wenn der Entehrten Fluch zu mir heraufgetönt . » So geh es Jedem ! « rief ich triumphirend aus Und drückte wild aus Herz den Allerschändlichsten » Wer albern sich der Sinnenlust entziehen will Und meines Wandels spottet durch Anständigkeit ! « Ha , Beifall wieherte mir der verruchte Schwarm , Noch siedet froh mein Blut bei der Erinnerung - O wie behaglich war ' s im Pandämonium ! - Abscheulich führte sich nur eine Dirne auf , Vestalin war sie : Diese gab sich selbst den Tod Vor meinen Augen - hu , wie sie so bleiern lag , So steif und still ! Und langsam rann der Lebenssaft . Ja , er verrinnt und dann ist Alles , Alles aus . Getrost . Noch kocht mein Blut in voller Sinnenkraft Und schleicht nicht siech durch altersschwache Adern hin . Auch jene Arria empörte mich mit Fug , Die standhaft frech im Tod beschämte meine Wuth . Doch welche Lust hinwieder bot der Augenblick , Wenn in der Leidenschaft Umarmung festverstrickt , Wie eine Schlange ihn umgürtend , heimlich ich Auf einen Buhlen , deß ich überdrüssig ward , Den Dolch gezückt und ihm durchbohrt das trunk ' ne Herz , Der ahnungslos an meinen Lippen festgesogen hing . Ja , Grausamkeit und Wollust , süße Zwillinge ! Erzarmiger Büttel mit dem stumpfen stieren Blick Erbarmungsloser Roheit - welch bezaubernd Bild ! Braunfette Dirne mit der schweißig feuchten Hand Und lüstern blinzelnd wie ein Geier - mein Idol ! Ein Brief ? - Von wem ? Von meiner Mutter Lepida ? Sie räth , anständigen Tod zu wählen ? - Rast die Frau ? Warum ? - Anständiger Tod ? Meint sie freiwilligen ? Ich willig aus dem Leben scheiden ? Nimmermehr ! - VI. In ungewissem Jugendbrüten , als mein Geist Noch nicht zur nackten Klarheit der Erkenntniß kam , Daß Alles Rauch und Unsinn , außer Sinnlichkeit , Daß Scham und Scheu nur Dummheit , Frechheit Größe ist - Da blättert ' ich in faden Philosophen oft , Nach einem Etwas suchend , das ich würfe froh Der Langeweile in den nimmersatten Schlund . Die faselten nun ewig von Unsterblichkeit , Von Seelenleben . Seele ? Was ist Seele denn ? Ausfluß des Blutes und Gehirns , so ahne ich , Abhängig völlig von des Leibes Regungen , Bethätigung des Körperlebens in Gedank ' und Wort Durch ihn geboren , sterbend mit dem Leibe auch . O süßer Leib , du der Genüsse Zeugerin ! Dich schmähen sie und nennen ein Gefängniß Dich , Das nur die Seele hemme in dem freien Schwung . Was soll das heißen ? Dunkel ist mir dieser Spruch . Hab ' je von freiem Schwung ich einen Hauch verspürt ? Nichts da ! Auf sogenannte Seele habe ich Nie viel geachtet , nur den Sinnen unterthan . Der Leib ein morsch Gefängniß ? - Dies ist leider wahr , Daß er höchst unvollkommen für Genuß gebaut Und daß ich oft der Thiere Loos beneidete . Des Löwen Stärke und des Affen Leistungskraft , Des Elephanten Magen ist wohl neidenswerth . Insofern hab ' ich allerdings gar oft gestrebt , Mich auszudehnen , diese schwächliche Natur Hätt ' mit des Nashorns dickem Leib ich gern vertauscht . Doch sonst schien grad ' die Seele mir ein Folterknecht , Ein dummer Richter , der mit frostiger Mahnung stets Durch das Gewissen uns die Lust vergällen will . Wenn wirkliche eine künftige Unsterblichkeit , Wo von dem Leib die Seele , wie man ' s nennt » befreit « , Verzicht ' ich gern darauf , darf ich nur länger hier Im Erdenkothe waten . Ohne Leib - was nützt Mir weit ' res Dasein noch ? Giebt ' s drüben Straf ' und Lohn , Für meiner Sünden Rechnung müßt ' ich zittern dann . Doch Sünde - was ist Sünde ? Sünde giebt es nicht an sich . Gesetz und Menschenbrauch erschuf nur diesen Wahn , Ein Freier höhnt der blöden Menge Formelzwang . Und jene Götter , ( diese Dichter-Spottgeburt Sie sünd ' gen wie die Menschen , übermenschlich fast . Der Göttervater , prachtvoll ist er nach dem Bild Der Künstler , die zwar lügen wie die Dichter auch . Die Locken , die ambrosischen , die Stirn , das Aug ' Vor allem seine majestätisch breite Brust , Die mächt ' gen Knie , der massige gewölbte Arm - Ach , ein Phantom , ein unerreichter Weibertraum , Ein Mann in jedem Zoll ! Wie gerne wär ' Ich seine Jo-Kuh und schmiegte tastend mich Europa gleich an ihn in brünst ' ger Stiergestalt ! Und wahrlich , wenn der Tod nun einmal droht , Den würd ich wählen , zu vergehn in seinem Arm , Semelegleich im Gipfel des Genusses grad ' . Ach , all die prächtigen Götter lieb ' ich sehnsuchtsvoll , Nur Amor nicht , obwohl ich ihm verpflichtet bin . Er ist ein Kind und kost und schmeichelt mir zu zart : Ich will kein Spielen unter Blumen , keinen Scherz , Nein grimmen Ernst und brünst ' gen Kampf der Leidenschaft , Der strammen Mannheit Ringen nur befriedigt mich . Den sonnenlockigen Apoll , so schön er ist , Lieb ' ich am mind ' sten : Zu erhaben ist er mir . Der Mann , den ich begehre , habe wenig Herz Und gar kein Hirn - so paßt er mir zur Liebelei . Der listige Merkur , den auch sein Gold empfiehlt , Ist mir schon theurer . Ueppig schöner Bacchus gar , Wie möcht ' ich dankbar pressen Deiner Lenden Rund , Weil Du den Wein , der Liebe Bruder , uns verliehn ! Viel Reize hat der grimmig finst ' re Pluto auch : Er ist so süß gewaltsam , greift so unverzagt Mit Fäusten zu und wirbt nicht lange , stürmt sogleich ; Vielleicht darf ich im Hades seinem Lager nahn , Abschmeichelnd als Proserpina ihm manche Gunst . Neptun , der sehnige Seemann , er gefällt mir sehr Mit seiner Muskeln strotzend rauher Ueberkraft , Ich denk ' ihn mir ein wenig grob , er schimpft und schlägt , Ist sonst gemüthlich , kurz ein Muster-Ehebär . Doch ganz besonders , Mars , verehr ' ich Deinen Reiz , Starkschenkliger Anbeter der Kythera Du ! Wie oft genoß ich dieser Episode Kunst Im langweiligen Epos , das Homer geschmiert , Wo euch Vulkan in traulichster Zusammenkunft Verkettete ! Wie lüstern das geschildert ist ! - - Nun , wenn Du so der Venus huldigst , holder Gott , Ist nicht mein Mund gleich schwellend und gleich weich mein Schooß Gleich üppig nicht mein Busen wie der ihrige , Wenn meiner Wang ' gesunde Röthe auch verblüht Im Fieberroth und schwülen Blaß der Leidenschaft ? - Man sagt , das Roma ' s Stamm erzeugt , weil Du bezwangst Im Tiberhain die Rhea Silva , deren Kind Nachher die Wölfin säugen mußte . Nahtest Du Auch mir doch überraschend ungeladen so ! Denn hier der Park Lukulls hat manche Rasenbank , Weich-warm und dunkle Lauben voll Verschwiegenheit : Besuche mich , ich lade Dich als Gast zu mir . Und brauchst Du eine Wölfin , dien ' ich selbst dafür : Der Wölfin Brunst verglich man mit der meinen oft ! Doch leider ist dies Alles Fabel und Phantom - Nicht Götter sind noch Dauer nach dem Tode , nein ! Und dennoch möcht ' ich ' s glauben , täuschend die Vernunft , Denn Nichtsein scheint mir doch das Allerschrecklichste . O wär ' doch Seelenwandrung uns bescheert ! Macht mich zur Wildsau oder Natter , tückisch geil , Zur Tigerkatze , wühlend in dem Eingeweid Der Unschuld mit der Kralle , die sie sonst verbirgt In Sammet-Pfötchen , dürstend nach der Opfer Blut ! Nur , nur nicht Nichtsein ! Dies allein ist fürchterlich ! Macht zum verworfensten Geschöpf , zum niedrigsten , Zum wehrlos unterm Tritt gekrümmten Wurme mich ! Nur laßt mir das Gefühl des Seins im Sonnenlicht , Des Athmens , sich Bewegens , Schlafens , laßt mir noch Des süßen Nichtsthuns Wonne , den Ernährungstrieb , Des Fressens Nothdurft und der Zeugung süße Qual , Laßt kriechen , brüten , paaren , wühlen mich im Staub ! - Ja , selbst des Hades Marterstrafen zög ' ich vor Dem ewigen Schlaf : Der Schmerzen Wollust lernt ' ich dann . Der Probe werth auch dies für Unersättliche . VII. Wer kommt ? Wer seid Ihr ? Ein Tribun - und Du erscheinst Ein Freigelassner ? Evodus , so nennst Du Dich ? Nun denn , was willst Du ? ( Jung und hübsch ist dieser Knecht , Vielleicht will er mich trösten in der Einsamkeit . ) Willst zur Gesellschaft dienen und als Zeitvertreib , Nicht wahr ? Wir wollen sehn . Nun , Du gefällst mir wohl . Ich mag Dich . Doch gewöhn ' Dir ab den stieren Blick ! Was starrst Du mich so an ? - Komm her , ganz leise Freund ! Schick ' den Tribun doch fort , den Kerkermeister hier : Der alte Griesgram stört uns im Beisammensein . Wir wollen plaudern . - He , Tribun , was weilst Du noch ? Ungnädig bin ich übrigens . Mein Lager dort Ist mir nicht weich genug . Hol ' Pantherfelle her Und Wolle , Linnen , Lammvließ , seidne Kissen auch . Vale . - Mein Schooß ist um so weicher , Evodus . Komm , laß uns kosten , was uns Venus hier bescheert . Komm ! - Nein , was grinsest Du so schauerlich ? Das ist kein Wollustgrinsen , das ist Henkerhohn . Was packst Du so mich an ? Das ist kein Liebesgriff . Ich mag Dich nicht . - Tribun ! Noch stehst Du auf dem Platz ? Ich hieß Dich gehn . Gleichviel ! Jag ' diesen Burschen fort , Er ist betrunken . - Keine Antwort ? Hörst Du mich ? Tribun , gehorche der Cäsarin ! Furchst die Stirn , Ein finstres Lächeln huscht um Deinen bärtigen Mund ? Was kündet das ? Weh , sprich ein Wörtchen ! Bist Du stumm ? Riß aus dem Hals man Dir die Zunge ? Ha , wenn nicht , So will ich ' s jetzt gebieten , daß Du künftig lernst Zu reden , wenn ich will . - O Zeus , noch immer stumm ? Weh mir ! Tribun , Du süßer treuer Römerheld , Du Säule unsers Staates , kannst Du weinen sehn Die gnädige Herrin und noch länger foltern sie ? Ah ! - Rette mich ! Zu Hülfe , heda ! - Ueber mir Ein Schwert ? ! - Du trunkner Sclav , wagt Deine Hand zu nahn Den heiligen gesalbten Locken ? Wehe Dir ! Das ist Verrath , Verschwörung ! Fürchterlich soll meine Wuth Euch treffen , falls Du nicht die Klinge senkst sofort . Wie wagst Du ' s nur auf eigene Verantwortung ? Was sagst Du da ? Welch schrecklich Wort vernahm mein Ohr ? » Auf das Geheiß des Cäsars , hier sein Siegelring ! « ' S ist wahr ! O Grausen , namenlose Todesangst ! So muß ich sterben - noch so jung ? Ich habe kaum Zur Hälfte den Pokal geleert . Genuß , Genuß ! Entgleitest meinen Händen Du , o Zaubertrank ? Ich schreie - höre mich ! - O Leben , bleibe mir Tod - Nichtsein - Strafe - Ende - kein Genuß mehr - Schmach , Pein , ewige Pein - Vermodern - - Ah , so schlag ' herab Du Blitz des Rächers ! Stürze nur , Damoklesschwert ! Was schwebt die Klinge über mir ? Stoß zu ! Verflucht sei Deine Hand ! - Nein , gieb mir einen Kuß ! Ich lechze noch nach einer Neige Sinnlichkeit ! - Was , ich verschmäht ? Du lachst mir in die Augen , Knecht , Stöß ' st mich zurück ? - Wie sollst Du büßen ! - Nein , ich irrte mich , Du bist ein braver Bursch . Wie mild Dein Lächeln ist ! So laß mich noch ein kleines Weilchen leben , Freund , Im angenehmen Sonnenlicht , ein Stündchen nur ! - Zu lang schon wartest Du ? So laß mich winselnd Dir Den Fuß umschlingen , mit Verzweiflungswuthgeheul Nach etwas Leben schrein ! - Kein weiterer Verzug ? So muß ich denn hinab ? Nie darf ich buhlen mehr , Nie süßer Sünde fröhnen ? - - Schuld gebiert den Tod , Das größte Uebel - Leben ist das höchste Gut . Tod - gräßlich ! - - Ah , das traf ! - Ein Schmerz noch - - und dann - Nichts . Rechtsanwalt Isidor Knaller hatte mit Andacht den Kelch zur Neige geleert und leckte sich unwillkührlich die schmalzigen Lippen ab . War er doch ein gebüldeter Mann , der mit Vorliebe in Goetheana herumschnüffelte und die Liebesabenteuer jenes alten Herrn am Schnürchen auswendig wußte . Ob Goethe in platonischen oder andern Beziehungen zu Frau von Stein gestanden , darüber verlautbarte er schon manch schneidiges Wörtlein . » Nein , nein , mein Hochverehrtester , auch das steht schlimm . Sie treiben ' s aber auch zu arg . Sie machen aus Ihrem Herzen keine Mördergrube und nennen ja alle Dinge beim rechten Namen . Aber ich bitt ' Sie , so ' was geht doch nimmer an ! War denn das je erhört ? Bei Ihrer Messalina wird man ja ganz aufgeregt . « » Ei , das bedaure ich ! Ich selbst verfolgte nur den sittlichsten Zweck , die Nichtigkeit der Sinnengier zu zeigen und ihre Strafe . Außerdem aber , was kümmert sich die Kunst um die Anstandsbücher einer Gouvernante ! Ja , dies sind nicht die Geheimnisse der Alten Mamsell , dies sind die Geheimnisse der Messalina . Wem bin ich Rechenschaft schuldig , ich der Schöpfer ? Ich thue was mir beliebt und singe , wie mir der Schnabel gewachsen ist . « » Aber ich bitt ' Sie ! « Knaller schlug die Hände über dem Kopf zusammen . » Wer soll denn Ihre Werke lesen ? « » Die Männer . « » Ach herje , wir haben doch alle zu viel zu thun , jeder in seinem Amt . Abends ist man müde , da spielt man Skat und trinkt sein Schöppchen Bier . Aber unsre Damen , die holden Schützerinnen der Litteratur - « » Pfui Teufel ! « Leonhart spie aus . Schreckliche Pause . Der Rechtsanwalt saß geknickt da und murmelte : » Herr Doctor , Sie sind mir ein Räthsel . - Ja , aber die Gerichte , verehrter Herr , die Rechtspflege dieses Landes müssen Sie doch anerkennen . Unter dem Gesetz stehen doch auch Sie , Sie - Schöpfer . Nehmen Sie mir ' s nicht übel , aber die Herrn Dichter haben manchmal sonderbare Begriffe . Sie z.B. - « Leonhart unterbrach ihn : » Ja , ich gebe es zu , ich habe mich nie als Bürger und sozusagen als Mensch , sondern immer nur als Dichter gefühlt , dem Dämon meiner inneren Mission alle Säfte meiner Jugend geweiht . « » Hm , sehr - sehr interessant , « näselte Knaller . » Aber paßt das wohl noch in unsere nüchtern praktische Zeit ? Da sind Sie doch schief gewickelt . Und dann - hehe - wenn Sie so ganz Ihren schönen Idealen leben , so sollten Sie doch eben das unpoetische Weltleben ganz unberücksichtigt lassen . Sehen Sie , unsere Damen - ich weiß das von meinen Cousinen her - hassen Sie ja gerade , weil Sie so - so realistisch , so unpoetisch denken . Sehen Sie , Julius Wolff - das ist ein gottbegnadeter Poet , der das Schöne pflegt . Aber Sie - sehen Sie , die Politik und die sociale Frage gehören doch nicht in das Reich des Schönen , der göttlichen Kunst . « Leonhart hielt mit Mühe an sich . Ruhig erwiderte er : » Ja , mein lieber Herr Rechtsanwalt , ich begreife , daß Sie , ein so reichbesaittes poetisches Gemüth , das Ideale vertheidigen . Schönheit lebt nur in dem Reich der Träume , in Wolkenkuckucksheim . Aber wir Armen gehen einer ernsten furchtbaren Zeit entgegen , wo der hohle Schönheitscultus , die ästhetische Formfexerei sich endlich verkriechen müssen . Nur die Feder gilt dann noch , welche von Stahl ist - Gänse-und Schwanenfedern zerbrechen . In Bereitschaft sein ist alles . « » Na , ich grüße Ihre Schwertfeder ! « Der Rechtbeflissene räusperte sich vielsagend . » Aber Ihre Sache steht faul , so viel kann ich Ihnen nur sagen . Ich widerrathe Ihnen zu appelliren . Es kostet Ihnen nur ein schmähliches Geld und der hohe Gerichtshof « Knaller sprach dies Wort immer mit ehrfürchtiger Salbung , » kann ja nicht anders entscheiden als der Herr Staatsanwalt . Denn Ihre Messalina - darüber sind wir uns ja alle wohl klar - ist ein unsittliches Erzeugniß , hehe ! « Er kniff schelmisch ein Auge zu und zwinkerte den Dichter an , als handle es sich um ein vertrauliches Privatzugeständniß zwei schlauer Bierbrüder . » Herr , « schrie Leonhart wüthend , » ich verbitte mir jedes weitere Urtheil darüber . Was verstehn Ihre verstaubten Codices von der höheren Moral eines Dichters ? Ich Ihre Gesetzbegriffe respektiren ? Nein und dreimal nein . Sie haben überhaupt keine Competenz , Höheres nach Ihrer Buchstaben-Elle zu messen . Ich kenne das : Das ist so der rechte juristische Größenwahn ! « Knaller sprang erregt auf . » Ich muß mir ernstlich verbitten , Herr Doctor - ! Und Sie reden von Größenwahn - erlauben Sie , das ist günstig ! Wie , Sie bestreiten die Competenz der Rechtskunde ? « » Gewiß thu ich das . Was versteht ihr Buchstabenkrämer vom Geist des Rechts ? Alles glaubt ihr mit strenger Amtsmiene beschnüffeln zu dürfen und verstoßt doch in jedem Fall , wo ihr mit Buchstaben-Frevlern zu thun habt , gegen alle Rechtsmoral . « » Das wäre ! Demonstriren Sie das doch gefälligst an einem Beispiel ! « Leonhart sann einen Augenblick nach . » Ich hab ' s ! « rief er dann . » Positus gesetzt den Fall , ein junger idealangelegter rechtsunkundiger Mensch - « » Unkenntniß der Gesetze entschuldigt nicht , « fiel Knaller eilfertig ein . » Aha , da haben wir ' s ja ! - Nun also , der soll einen Wechsel unterschreiben , sagen wir mal : als Künstler für noch unbezahlte Leinwand oder Rahmen oder Farbentüben . Der Kaufmann aber , dem der Jüngling nicht ganz sicher scheint , gängelt ihn so beiläufig dahin , ob er nicht den Wechsel lieber im Namen seines Vaters oder Onkels oder Vormunds , bei dem er wohnt und dessen Erbe er ist , unterschreiben wolle . « » Oho ! « Der Rechtsanwalt spitzte die Ohren . » Und der Jüngling in seiner Einfalt , begierig die Farben oder die Leinwand für sein Schaffen zu erhalten , da er zudem weiß , daß der Wechsel von dem Unterschriebenen honorirt werden wird , setzt arglos den Namen seines Vaters oder Onkels oder Vormunds darunter . Was sagen Sie dazu ? « » Hm , « Knaller wiegte nachdenklich sein Denkerhaupt . » Grobe Wechsel-