Nach einer Stunde tönten die Zeichen , daß mit dem Anbruche des folgenden Morgens der Zug in Bewegung kommen solle , und die Zeichen pflanzten sich durch alle Lager fort . Und es begannen die Arbeiten zur Beseitigung alles dessen , was hindern könnte . Und als das Licht nach der Frühlingsnacht wieder gegen die Erde dämmerte , standen die Tausende der Männer auf ihren Füßen oder saßen auf ihren Pferden , und die Ordnungen waren eingerichtet , daß die Züge sich entfalten konnten . Witiko hatte sein dichteres Lederkleid angelegt , und saß auf dem eisengrauen Pferde . Er bildete die Stellung seiner Schar , ließ zu der Meldung der Zeichen die Hörner der Ziegenböcke bestehen , und zu dem Zuge die langen Pfeifen , wie sie auf dem Wege zu dem Berge Wysoka gewesen waren , und die Männer des Waldes gingen auf den Gefilden , die ihnen zugewiesen worden waren , dahin . Weit ausgebreitet auf den Feldern und Wiesen und Weiden und in den Wäldern gingen auf allen Wegen und Pfaden die Züge Wladislaws dem Lande Mähren entgegen . Auf dem Boden des Landes Mähren standen die meisten Banner der Feinde . Witiko empfing die Nachrichten von Boten , die er ausgesendet hatte , und sendete wieder neue Boten aus , und eines Morgens sahen die Männer die weißen Zeichen in den dunkeln Gefilden des Frühlings . Und wie die Sonne höher an dem Himmelsbogen stieg , waren die Zeichen vor den Scharen Witikos . Witiko ließ die Männer antreten , wie er sie gelehrt hatte . Da kam ein Reiter von den Feinden mit einem Friedensfähnlein , und andere Reiter waren hinter ihm . Er verlangte zu dem Führer . Da er vor Witiko stand , sprach er : » Ich will mit dir allein sprechen . « » Ich nicht mit dir « , antwortete Witiko , » rede vor allen . « » Männer « , rief der Reiter , » der hocherlauchte Herzog Wratislaw , der uns führt , sagt mit dem Auftrage Konrads , des Herzogs von Böhmen und Mähren , daß er euch Ehren und Rechte und Befugnisse und Reichtümer geben wird , wenn ihr nach eurer Pflicht zu seinen Scharen steht . Er wird die Krieger Wladislaws zurückwerfen , daß sie des Weges gegen Znaim nicht gedenken können , und die widerstehen , wird er vertilgen . « » Mann « , rief Witiko , » reite Augenblicks zurück . Wenn ein Mund bis auf die Zahl hundert hinauf gezählt hat , und dich eine Lanze oder ein Pfeil oder ein Bolzen noch erreicht , so wird er dich treffen . « Der Mann zauderte . Es erhob sich keine Stimme . Dann rief er : » Euer Blut über euch . « Dann ritt er von dannen , und die Seinigen schlossen sich an . Witiko ließ Jünglinge , welche Pferde gut zu leiten verstanden , zu Bolemil reiten , der links von ihm in den Fluren war . Es stand ein kleiner Wald an der linken Seite Witikos . Die Jünglinge ritten durch den Wald . Witiko schickte Männer in den Wald , daß sie denselben inne hätten . Dann ließ er die Reiter auf einer offenen Fläche , die zwischen ihm und Rowno war , bereit sein . Die Schützen waren auf den Seiten . Die Feinde gingen mit großem Geschrei vorwärts . Die Männer Witikos gaben keinen Laut von sich . Da tönten die Hörner der Ziegenböcke den einzelnen langen Ton des Streits . Die Männer senkten die Waldschäfte in eine waagrechte Lage , und gingen vor . Sie drückten wie auf dem Wysoka mit den schweren Stiefeln den Boden . Pfeile und Bolzen flogen gegen sie . Sie gingen vor . Der Stoß an den Feind geschah . Sie gingen langsamer vor . Schild und Schwert und Lanze und Speer und Hammer und Keule wurden gegen sie verwendet . Sie gingen vor . Das grüne und weiße und rote und blaue Zeichen , das Zeichen mit den Federn und Bändern , das weiße Banner der Männer von Plan mit der dunkelroten Waldrose , alle gingen gleichmäßig vor , und das große rosenrote Seidenbanner war bei ihnen . Die Scharen Rownos und der andern gingen vor . Die Reiter waren an den Feinden , und Sifrid von Milnet war auf dem weißen Rosse des alten Roder Peter bemerkbar . Die Schützen sendeten Pfeile und Bolzen , wie sie dieselben auf Luchse und Marder senden . Die Feinde erhoben ein größeres Geschrei als früher , die Männer des Waldes antworteten nicht , der lange Ton des Streites erscholl . Da erhob , als es stiller wurde , der Schmied von Plan die Stimme , und rief laut , daß alles übertönt war : » Wir siegen . « » Wir siegen « , riefen die Männer mit lauten Stimmen . Dann war es wieder still . Die Feinde gingen schneller zurück , die Krieger des Waldes gingen schneller vorwärts , und dann löseten sich die Ordnungen der Feinde , sie zerstreuten sich in Flucht , und es wurde ein freier Raum vor den Kriegern des Waldes . Diese fielen auf die Knie . Einen Augenblick knieten sie . Dann erhoben sie sich . Witiko ritt vor ihrer Reihe hinab , und grüßte sie ehrerbietig mit dem Schwerte . Dann rief er : » Jetzt zur Verfolgung . « Und die zwei Töne der Verfolgung erschollen aus den Hörnern . Links von dem Walde konnte man Scharen Bolemils erkennen , und die Männer , die den Wald gehütet hatten , kamen nach vorwärts . Die Krieger gingen zur Verfolgung , und alle die Reiter strebten den Feinden nach . Als man endlich von der Verfolgung abgestanden war , als man Verwundete und Tote besorgt hatte , als die Zeit der Ruhe und Erquickung vorüber war , und als Witiko Boten an den Herzog abgesendet hatte , gingen die Männer in der Richtung gegen die Veste Znaim vorwärts . Dritter Band 1 In Amt und Gut . Als an dem Tage , an welchem die Scharen des Fürsten Wratislaw durch die Schäfte des Waldes zurückgedrängt worden waren , der Abend heran kam , erreichten die Männer des Waldes die Anhöhe , welche ihnen von dem Herzoge Wladislaw als Nachtlagerungsplatz bestimmt worden war . Sie breiteten sich auf der Höhe aus , und suchten die Stellen , welche sich zur Nachtruhe eigneten . Witiko ließ Sifrid von Milnet zu sich rufen , und sagte zu ihm : » Sifrid , bist du von dem Kampfe so ermattet , daß du in der heutigen Nacht nicht noch einen Dienst tun könntest , und ist dein Pferd noch im Stande , einen mäßigen Ritt von einigen Stunden zu ertragen ? « Sifrid antwortete : » Ich habe gesagt , daß meine Glieder sind wie die eines andern Mannes , und daß ich tun will , was ich kann : und da nun der andere Mann den Dienst täte , so tue ich ihn auch , und oft haben wir den ganzen Tag gearbeitet , und in der Nacht getanzt . Und was das Pferd anlangt , so habe ich dir ja erzählt , Witiko , daß ich die Pferde des alten Roder Peter warte , und ich warte sie sehr gut , und weiß , was sie ertragen , und habe mir das beste ausgesucht , da ich fort geritten bin . « » Also wirst du reiten ? « fragte Witiko . » Ich werde reiten « , sagte Sifrid . » Also , höre . Hast du dir alles gemerkt , was heute in dem Kampfe geschehen ist ? « fragte Witiko . » Ich habe es mir gemerkt « , antwortete Sifrid . » Wie heißt der Führer der Scharen , die gegen uns gekommen sind ? « fragte Witiko . » Es ist Wratislaw , der Herzog von Brünn , ein nichtsnutziger Vetter unseres erleuchten Herzoges Wladislaw « , antwortete Sifrid . » Gut , und wie viele Stunden sind wir seitwärts nach rechts in der Verfolgung gegangen , und wie viele wieder links zu unserem Wege , und wohin sind die meisten der Feinde geritten , und wie heißt der Berg , auf dem wir jetzt stehen ? « sagte Witiko . » Wir sind vielleicht drei Stunden gegen Sonnenuntergang hinter den Feinden her gewesen , und sind dann vier oder fünf Stunden wieder in der Richtung gegen Sonnenaufgang gezogen , und die Feinde sind zerstreut gegen Sonnenuntergang geritten , und der Berg , auf dem wir stehen , heißt Branis « , antwortete Sifrid . » Es ist , wie du sagst « , entgegnete Witiko , » reite nun zu dem Herzoge , und berichte ihm das alles genauer als meine ersten Boten konnten , und erzähle ihm , was du von dem Kampfe der Wahrheit nach weißt , sage , daß ich dich sende , und daß wir wenige Männer verloren haben . Ich werde dir noch vier Begleiter mitgeben . Stärket euch und die Pferde durch Nahrung und etwas Ruhe . Dann reitet zu Bolemil , Bolemil wird euch einen Boten zu dem nächsten Führer geben , dieser gibt euch wieder einen , und so jeder , bis ihr zu dem Herzoge kommt . Zu Bolemil werde ich auch noch einen andern Boten schicken . « » Es wäre mir lieb , wenn ich selber meine Begleiter auslesen dürfte « , sagte Sifrid , » ich kenne Genossen , die den Ritt gut vollbringen werden . « » So wähle sie « , entgegnete Witiko , » und wenn ihr bei dem Herzoge gewesen seid , dann reitet wieder an den Scharen rechts herüber , und sehet , daß ihr morgen wieder bei unserem Zuge seid . « » Ich werde alles genau tun , wie du gesagt hast « , antwortete Sifrid , » und meine Genossen werden in jedem folgsam sein . « » So gehe , und sei an der Sache « , sprach Witiko . Sifrid ging . Als dieses geschehen war , ließ Witiko die Obmänner der Abteilungen zu sich rufen . Und ehe diese dem Rufe des Hornes von ihren Stellen her folgen konnten , wurde das große rosenrote Banner vor Witiko aufgerichtet , und es wurde ein Gezelt für ihn zu Stande gebracht . Als die Obmänner vor dem Gezelte und vor dem rosenroten Banner erschienen waren , sprach Witiko zu ihnen : » Ehrenvolle Männer ! Wir sind auf dem Boden der Feinde , und schon unter den Feinden , und es tut not , daß wir alle Vorsicht üben , welche der Krieg gebietet . Wir werden zu allen Zeichen gehen , um ihre Anstalten für die Nacht zu betrachten . « » Wir werden dir folgen « , sagte einer der Männer . Witiko ging nun mit den Führern rechts von seinem Gezelte zu dem weißen Banner mit der dunkelroten Waldrose , welches die Fußgänger von Plan in den Boden gesteckt hatten . Er sah den Lagerplatz der Männer an , und die Wachen , welche sie ausgestellt hatten . Dann ging er wieder weiter rechts zu dem grünen Banner der Männer von der Mugrauer Heide , und betrachtete ihr Lager und ihre Wachen . Dann ging er zu dem weißen Banner der Männer von dem schwarzen Bache , dann zu dem blauen Banner der Männer von der unteren Moldau , dann zu dem weißen Kreuze der Männer vom Rathschlage , dann zu der Stange , auf welche die Männer vom Eckschlage Geierfedern gebunden hatten , und überall betrachtete er die Lagerung und die Wachen . Dann ging er wieder zurück bis zu seinem Gezelte , und ging von demselben links zu dem weißen Banner mit der dunkelroten Waldrose , welches die Männer von dem Wangetschlage hatten , und dann weiter links zu dem rosenroten Banner der Männer von Friedberg , und dann zu dem roten Kreuze der Männer von der Steinleithe , und dann zu dem gelben Fähnlein der Männer von der Friedau , und dann zu der Stange mit dem grünen Kranze der Männer des neuen Kirchenschlages , und dann zu der Stange mit den himmelblauen Bändern der Männer der Waldmoldau , des Heurafels und der Stift , welche Bänder die vom schwarzen Bache unter ihrem weißen Banner abgelöst , und ihnen gegeben hatten . An allen diesen Stellen betrachtete Witiko auch die Lagerungen und die Wachen , und sah , daß die Sachen recht waren . Dann ging er zu den Reitern , und sah auf ihre und ihrer Pferde Nachtstellen und auf die Wachen . Und auch diese Dinge waren geordnet . Als dieser Umgang vollendet war , entließ er die Führer . Dann sammelte er ein Geleite , in welchem sich auch seine Befehlsträger Augustin , Urban und Mathias befanden , und ging mit diesem Geleite zu den Männern von Plan , und hieß die Männer sich ordnen , und blieb vor ihrem Banner stehen . Da die Männer geordnet waren , sprach er : » Stephan , sie haben dich zu ihrem Obmanne gewählt , du hast heute Zucht und Festigkeit gewahret , und die Männer haben gezeigt , daß sie auf dem Wysoka gewesen sind , und auf den Zinnen von Prag , und daß sie der Kriegsfelder immer mächtiger werden . Es gebührt ihnen Ehre und Dank . Und wenn die rote Rose in solcher Blüte wie heute bleibt , so wird sie ein Zeichen der hohen Achtung der Geschlechter werden . Haltet gute Nachtruhe , Männer , und gedenkt meiner , wie ich eurer . « » Gute Nacht , Witiko « , rief der Schmied , » wir gedenken deiner . « Dann ging Witiko zu den Männern der Mugrauer Heide , und sprach : » Wolfgang , du hast die Männer im Streite gut geführt , und sie haben die Führung gelohnt . Das grüne Banner ist hinter keinem geblieben . Habet Dank und gute Nacht , ihr lieben Leute . « » Gute Nacht , Witiko « , riefen die Männer . Dann ging er zu denen vom schwarzen Bache , und sagte : » Simon , dir und den Deinigen gebühret Lob und Dank , und wenn euer Banner immer so leuchtet , so wird es eine Sonne der Ehre . Genießet eine gute Nachtruhe , ihr geliebten Männer . « » Gute Nachtruhe , Witiko « , riefen die Leute . Und hierauf ging Witiko zu den Männern der unteren Moldau , und sagte : » Veit , du hast mit deinen Leuten eifrig gekämpft , und ihr verdienst Dank und Erkennung . Ruhet in der Nacht wohl aus von den Mühen des Tages . « » Ruhe auch wohl , Witiko « , sagte Veit , » du bedarfst der Ruhe am meisten . « » Sie wird kommen , wenn die Zeit ist « , antwortete Witiko . Dann ging er zu den Männern vom Rathschlage , und sprach : » Gregor , sie haben recht an dir gewählt , du bist standhaft und stark mit ihnen gewesen . Habet alle einen großen Dank und eine gute Nacht . « » Gute Nacht , Witiko « , sagte Gregor , und » gute Nacht « riefen noch mehrere Männer . Darnach ging er weiter zu denen vom Eckschlage , und sagte : » Michael , du bist mit den Deinigen streitbar gewesen wie der Vogel , von dem ihr euer Zeichen genommen habt . Und wenn auch nur eine Feder auf eurer Stange bleibt , so wird sie sein wie der Stab eines Herzogs , und die Fürsten und die Herren werden euch darum beneiden . Habet eine ruhige Nacht , ihr lieben festen Leute . « » Habe eine gute Nacht , Witiko « , sagte Michael , » und gedenke unser . « » Ich gedenke eurer « , sprach Witiko . Nachdem er dieses gesprochen hatte , ging er wieder an allen Leuten zurück zu seinem Gezelte , und von demselben links zu den Männern aus dem Wangetschlage . Er sprach zu ihnen : » Johannes , wenn auch schon eine Zahl von Jahren über dein Haupt gegangen ist , so sind doch die Wangen desselben noch rot , wie weiß die Haare sein mögen , und die haben wohl getan , die dich zu ihrem Obmanne gewählt haben . Liebe Heimatgenossen , da ihr die rote Waldrose in euer weißes Banner gesetzt habt , weil ich eine rote Waldrose auf dem weißen Schilde in dem Streite des Wysoka getragen habe , und weil Huldrik gesagt hat , daß meine Vorfahren Rosen von Rom gebracht haben , so ist mir dieses ein liebes Zeichen , und ich habe das Zeichen der kleinen Schar gesehen , als wir von den Feinden angegriffen worden sind , und ich habe gesehen , wie das Zeichen ruhig gegen die Feinde ging , als wäre eure kleine Schar eine große . Nehmet dafür den Dank und die Ehre , und möge die Rose allen Gutes bringen , die in unserer Heimat wohnen . « » Witiko « , sagte Johannes , » du wirst die Rose zu uns bringen , und durch dich und deine Nachkommen wird sie Gutes in dem ganzen Walde verbreiten . « » Wenn Nachkommen auf mich folgen « , entgegnete Witiko , » und wenn sie die Heimatgenossen so lieben wie ich , so werden Nachkommen und Heimatgenossen in trauter Verbindung mit einander fort und fort in die Zeiten leben . « » Sie werden in dieser Verbindung leben « , sagte Johannes , » sie werden . « » Und so pflegt heute eines zufriedenen Schlummers « , sprach Witiko . » Du auch « , antwortete Johannes . Darnach ging Witiko zu den Leuten von Friedberg , und sagte : » Oswald , euer Banner hat die rosenrote Farbe der Herzogsbanner , und ist im Streite gewesen wie die Banner des Herzogs . Lob und Vergeltung wird kommen . Ruhet heiter nach der Arbeit . « » Ruhe heiter , Witiko « , riefen mehrere Männer . Dann ging er zu denen der Steinleithe , und sprach : » Liebhart , ihr seid die wenigsten gewesen ; aber wie das Kreuz von den Höhen der Länder in die Ebenen herrschet , so ist euer Kreuz in den Feinden sichtbar gewesen . Habet Preis und Dank und eine friedliche Nacht . « » Gute Nacht , Witiko « , sagte Liebhart . Dann ging Witiko zu den Männern der Friedau , und sagte : » Peter , ihr habt sehr wenig Hütten ; aber ihr habt die Männer aus dem tiefen Walde heraus gezogen , und seid eine große Zahl geworden , und seid im Kampfe verläßlich gewesen wie die harten Stämme des Waldes . Habet eine gute erfrischende Nacht . « » Du auch « , riefen mehrere Männer , » gute erfrischende Nacht . « Dann ging er zu denen des Kirchenschlages , und sprach : » Dietrich , euer Kranz ist aus grünen Wollbändern gewunden , ihr habt ihn hoch gehalten , und wenn er so hoch in allen Streiten bleibt , so wird er nicht wie aus Sammet und Seide sein , sondern wie das Grün der köstlichsten Gewächse , die nie erbleichen und welken . Habet Dank und eine erquickende Nacht . « » Gute Nacht , Witiko « , sagte Dietrich . Dann ging Witiko zu den Männern der Waldmoldau , des Heurafels und der Stift , und sagte : » Thomas , ihr seid die letzten an dem Saume des Landes gegen Baiern hin ; aber ihr seid nicht die Letzten im Kampfe gewesen , und werdet es nie sein . Nehmet Lob , und stärkt eure Glieder in fröhlichem Schlummer . « » Du auch in fröhlichem Schlummer « , riefen mehrere Männer . Als Witiko bei allen diesen Scharen gewesen war , ging er zu dem Platze der Reiter . Er blieb vor der Lanze Philipps , des Steigers , stehen , die in dem Boden stak , und daran das weiße Fähnlein mit der dunkelroten Waldrose hing . Als sich die Männer nach seinem Wunsche vor ihm gesammelt hatten , sprach er : » Wenhart , du liebwerter alter Mann , der du in den Kriegen des Herzoges Swatopluk mit Boriwoy gewesen bist , in den Kriegen Wladislaws , des Vaters unseres erlauchten Herzoges , mit Boriwoy , der du in dem Kampfe auf dem Berge Wysoka gewesen bist , und der du gesagt hast , daß ihr in den Kriegen das Zusammenstehen gelernt habt , wie es richtig ist : dich haben die Reiter zu ihrem Führer gewählt , wenn du auch alt bist , wenn du auch von den wenigen kleinen Hütten der Friedau stammst , und wenn auch die größte Zahl der Reitenden aus Plan und der Umgebung von Plan ist . Und du hast es dargetan , daß die Wahl recht war . Auf dem Zuge ist die Ordnung und Zucht der Reiter immer besser geworden , und in dem Kampfe des heutigen Tages sind sie gewesen wie ein einzelner kriegerischer unbezwinglicher Mann . So der Jüngling mit seinem schlanken Leibe auf dem Rosse , so der Mann in seiner Stärke , so der Greis mit seinen weißen Haaren , wie mehrere unter euch reiten . Es ziemt sich , Lob und Ehre über die Schar zu sprechen . Und wenn kein fernerer Kampf schlechter wird als der heutige , so werden die Reiter des Waldes mit ihren kleinen Pferden , wie du auf einem schwarzgrauen reitest , Wenhart , und wie der Richter von der Mugrauer Heide auf einem braunen reitet , und wie der Richter von den Steinleithenhäusern auch auf einem braunen reitet , unter denjenigen sein , die in allen Teilen des Landes werden genannt werden . « » Es wird kein Kampf schlechter sein « , rief ein Mann , der neben der Lanze Philipps , des Steigers , stand . » Ich glaube es « , sagte Witiko , » und ich habe dich im Streite schon gesehen auf deinem struppigen ziegelfarbigen Pferde , du Rufer . « Darauf fuhr er fort : » Und wenn es so ist , so wirst du mithelfen , Wenhart , daß die Drangsale des Krieges nicht über unser Waldland kommen , von denen du uns in dem Schenkhause der unteren Moldau erzählt hast . « » Wenn Gott und die Heiligen nicht dagegen sind « , antwortete Wenhart , » so werden wir alle getreulich helfen , daß sie nicht kommen . « » Wir werden helfen « , riefen mehrere Männer . » Und du hast gewiß auch geholfen , Wenhart « , sagte Witiko , » daß aus dem großen schönen Walde , der von den Friedauer Hütten gerade hinan steigt , bis zu der Stelle des heiligen Apostels Thomas , und der links von den Friedauer Hütten gegen den Heurafel und gegen die Stift geht , und der rechts von den Friedauer Hütten sehr weit fortgeht über die untere Moldau , über die Glöckelberge , bis zu dem Hochfichte , so viele Männer zu euch gekommen sind , daß die kleine Zahl der Friedauer eine große geworden ist . « » Da haben viele zusammen geholfen « , sagte Wenhart , » die als Jäger , als Holzknechte , als Köhler , als Pechsammler , als Kräutersucher , als Bienenväter in dem Walde sind . Und nicht bloß aus denjenigen Wäldern stammen sie , die du genannt hast , sie sind auch aus dem Schönwalde , aus dem Gesenke und aus dem Walde , der von dem heiligen Apostel Thomas gegen Baiern hinabsteigt , und aus der reichen Au gekommen . Florian , der alte Mann , der dich einmal von Baiern herein geführt hat , ist unter ihnen . « » Das habe ich nicht gewußt « , sagte Witiko , » ich muß einmal zu ihm gehen . Und so hält der Wald zusammen , daß durch viele der Feind von ihm abgewendet werde , wie du gesagt hast , und daß die vielen gegen den Feind sind wie gegen die Wölfe . Wo ist denn der andere Wenhart , der vom Dürrwalde ? Ich habe ihn unter den Fußgängern nicht gesehen . « » Er ist auch nicht unter den Reitern « , sagte Maz Albrecht von Plan , » wie er nach dem Streite auf dem Berge Wysoka Männer aufgewiegelt hatte , daß sie nach Hause gingen , weil sie nichts mehr gewinnen könnten , so ist er jetzt gar nicht mitgegangen , weil ihm das Spiel zu teuer schien für gehofften Gewinn . « » Er fahre wohl « , sprach Witiko . » Und nun , ihr Männer , gönnt euch und euern Tieren Erquickung und Ruhe . Ich sehe euch im Frühlichte wieder , und sage jetzt gute Nacht . « » Gute Nacht , Witiko , gute Nacht , gute Nacht « , riefen mehrere . Witiko ging nun mit seinem Geleite zu seinem Gezelte . Als er dort angekommen war , dämmerte das Land schon im tiefen Abende , und er sah links von sich weit zurück die Lichter an dem Platze , wo die Leute Bolemils lagern mußten , und weiter zurück sah er noch Lichter in sehr mattem Schimmer . Vor seinem Gezelte harrten Boten von Rowno und von den andern Führern . Witiko entließ sein Geleite , ließ die Boten in sein Gezelt kommen , hörte sie an , und fertigte sie dann ab . Hierauf ging er wieder aus seinem Gezelte , und ging zu Rowno . Mit Rowno sprach er durch längere Zeit . Dann ging er zu den andern , und sprach mit ihnen auch . Dann ging er wieder zu seinem Gezelte zurück , und von demselben ging er , und sah , wie die Pferde gepflegt würden , und ordnete noch manches an . Als dieses alles geschehen war , ging er in das Gezelt , setzte sich zu dem Tische , und aß von den Speisen , die ihm Jakob als heutiges Abendmahl brachte , und trank von dem Weine , der auf dem Tische stand . Dann legte er sich zur Ruhe . Er hörte die ordnungsmäßigen Rufe der Wachen in dem Lager . Zu einer Zeit der Nacht erhob er sich , ging vor das Gezelt , und nahm von den Männern , welche sich an demselben befanden , drei , und ging mit ihnen durch das ganze Lager . Er fand alles in dem Stande , wie er es angeordnet hatte . Dieses tat er nach Mitternacht noch einmal . Im schwachen Morgenlichte stand er auf , und da die Leute ihr Morgenmahl verzehrt hatten , gab er den Befehl , daß die Zeichen zu der Aufstellung der Männer tönten . Die Zeichen tönten , und die Männer bewirkten ihre Sammlung und Stellung . Als dieses vollbracht war , bestieg Witiko sein Pferd , ritt vor sie und sprach : » Männer und Kriegesbrüder , ich habe gestern das Recht der Ehre über den gewesenen Kampf vor jeder Abteilung ausgesprochen . Ich spreche es heute vor euch allen Versammelten gebührend aus . Ihr habt getan , was sich geziemt , und was in euern Herzen war . Den Lohn des Herzens habt ihr euch gegeben , den Lohn der Ehre und des Gutes werdet ihr erhalten . Ich habe gestern Boten an den erlauchten Herzog Wladislaw gesendet , welche ihm alles melden sollen . Und wenn ich wieder das Angesicht des hohen Herzoges sehe , und wenn Raum zum Sprechen ist , so werde ich ihm erzählen , wie sich der Kampf in jedem Stücke begeben hat , und er wird das Nötige verfügen . Nun ist es aber an uns , den Zug weiter fortzusetzen . Wir werden an den Zeichen der Abteilungen , die uns zunächst gelagert haben , Weisungen sehen . Der Zug muß in dem Lande der Feinde , wo überall ihre Scharen sein können , vorsichtiger geschehen als bisher . Enthaltet euch von lediglicher Grausamkeit , die Kinder dieses Landes sind wie die Kinder des Landes Böhmen , und der erhabene Herzog Wladislaw ist der Herzog des Landes Böhmen und des Landes Mähren . Achtet , wenn es nicht der Krieg bedarf , der Habe der Bewohner , wie es euch auch schmerzen würde , wenn Brüderscharen kämen , das Eurige dahin zu nehmen . Was die Feinde im Kampfe und nach dem Siege lassen müssen , dessen wird jeder seinen Teil erhalten . Was einer in dem Einzelkampfe dem Feinde nimmt , behalte er , und wahre sich ' s zum Denkmal , oder wende es zur Not der Seinen . Ich wiederhole nun als Bestellter des Herzoges den Dank für den gestrigen Kampf noch einmal , und jetzt gebt das Zeichen zur Zugsbereitschaft . « Ein Fahnenzeichen wurde vor dem Gezelte Witikos gemacht , und sofort erscholl der Ton der Zugsbereitschaft aus Veit Gregors großem Horne , und die kleinen Hörner wiederholten ihn . Die Männer löseten ihre Stellung auf , und suchten sich zum Zuge zu rüsten . Die Arbeiter brachten die Gezeltstücke und die Lagerstücke zu den Säumern , mancher der Männer strebte noch , das eine oder das andere Beuteding , welches von dem gewesenen Kampfe herrührte , bei dem Gepäcke sicher zu bergen , und in kurzer Frist waren alle zu dem Zuge gerichtet . Witiko hielt auf seinem Pferde vor ihnen . Da kamen noch Boten von Rowno und den andern . Witiko hörte sie und sendete sie wieder zurück . Es kamen auch Boten von Bolemil . Als sie abgefertigt waren , blickte er zu seiner Linken in die Gefilde , er blickte lange dorthin , wo noch Scharen des Herzogs sein mußten . Hierauf befahl er , zu ziehen . Der Ton des Zuges erscholl aus dem Horne