wir damit zu , in den Umgebungen des Seehauses Spaziergänge zu machen , damit Klotilde sich ein wenig in diese Bildungen einlebe . Das vorausgesagte schöne Wetter war eingetroffen , es dauerte fort , und so konnten wir uns der Freude und dem Vergnügen , welche diese Gänge uns gewährten , um so ungestörter hingeben , als auch der Stand unserer Gesundheit ein vortrefflicher war , und die Befürchtungen , welche die Mutter und zum Teile auch ich in Hinsicht Klotildens gehegt hatten , nicht in Erfüllung gingen . Wir schickten von hier aus Briefe nach Hause . In der Folge der Tage führte ich sie auf den See hinaus . Ich führte sie auf die verschiedenen Teile , die entweder an sich schön und bedeutend waren , oder von denen man schöne und merkwürdige Anblicke gewinnen konnte . Ich unterstützte sie mit allen meinen Erfahrungen , die ich mir durch meine mehrfältigen Aufenthalte in dem Gebirge gesammelt hatte . Sie nahm alles mit einer tiefen Seele auf , und durch meine Hilfe waren ihr manche Umwege erspart , welche diejenigen , die zum ersten Male die Berge besuchen , machen müssen , ehe es ihnen gelingt , sich die Größe und Erhabenheit der Gebirge aufschließen zu können . Auf den Seefahrten unterstützten uns zwei junge Schiffer , die meine steten Begleiter bei meinen Messungen gewesen waren . Wir gingen auch bergan . Ich hatte Klotilden Fußbekleidungen machen lassen , welche nach innen weich , nach außen aber hart und dem rauhen Gerölle Widerstand leistend waren . Auf dem Haupte trug sie einen bequemen Schirmhut und in der Hand einen eigens für sie gemachten Alpenstock . Wenn wir auf die Höhen kamen , wurde mit Freude die Aussicht genossen . Klotilde versuchte auch nach der Anschauung etwas zu zeichnen und zu malen ; aber die Ergebnisse waren noch weit mangelhafter als bei mir , da sie einen geringeren Vorrat von Erfahrung zu dem Versuche brachte . Nachdem über eine Woche vergangen war , führte ich Klotilden mittelst eines gleichen Fuhrwerkes , wie wir sie bisher im Gebirge gehabt hatten , in das Lautertal und in das Ahornhaus . Dort fanden wir ein besseres Unterkommen als in dem Seehause , und wir erhielten zwei nebeneinander befindliche geräumige und freundliche Zimmer , deren Fenster auf die Ahorne vor dem Hause hinausgingen und durch die gelben Blätter derselben auf die blauduftigen Höhen sahen , die vom Hause gegen den Süden standen . Ich zeigte meine Schwester der Wirtin , ich zeigte sie dem alten Kaspar , der auf die Kunde meiner Ankunft sogleich herbei gekommen war , und ich zeigte sie den andern , welche sich gleichfalls reichlich eingefunden hatten . Es war hier ein noch größerer Jubel als in dem Seehause , es freute sie , daß eine solche Jungfrau in die Berge gekommen , und daß sie meine Schwester sei . Sie boten ihr Dienste an und näherten sich mit einiger Scheu . Klotilde betrachtete alle diese Menschen , die ich ihr als meine Begleiter und Gehilfen bei meinen Arbeiten vorstellte , mit Vergnügen , sie sprach mit ihnen , und ließ sich wieder erzählen . Sie lernte sich immer mehr in die Art dieser Leute ein . Ich fragte um meinen Zitherspiellehrer , weil ich Klotilden diesen Mann zeigen wollte , und weil ich auch wünschte , daß sie sein außerordentliches Spiel mit eigenen Ohren hören möchte . Wir hatten zu diesem Zwecke unsere beiden Zithern in unserm Gepäcke mitgenommen . Man sagte mir aber , daß seit der Zeit , als ich ihnen erzählt habe , daß er von meinen Arbeiten fortgegangen sei , kein Mensch weder in den nähern noch in den fernern Tälern etwas von ihm gehört habe . Ich sagte also Klotilden , daß sie keinen andern als die gewöhnlichen einheimischen Zitherspieler werde hören können , wie sie dieselben auch bereits gehört habe , und wie sie ihr anziehender erschienen seien als die Kunstspieler in der Stadt und als ich , der ich wahrscheinlich ein Zwitter zwischen einem Kunstspieler und einem Spieler des Gebirges sei . Wir richteten uns in unserem Zimmer ein , und begannen ungefähr so zu leben , wie wir in der Umgebung des Seehauses gelebt hatten . Ich führte Klotilden in das Echertal zu dem Meister , welcher unsere Zithern verfertiget hatte . Er besaß noch immer die dritte Zither , welche mit meiner und Klotildens ganz gleich war . Er sagte , es seien zwar Käufer von Zithern gekommen , die diese gepriesen hätten ; aber das seien Gebirgsleute gewesen , die nicht so viel Geld haben , sich eine solche Zither kaufen zu können . Die andern , welche die Mittel besäßen , vorzüglich Reisende , ziehen Zithern vor , welche eine schöne Ausschmückung haben , wenn sie auch teurer sind , und lassen die stehen , deren Tugenden sie nicht zu schätzen wissen . Er spielte ein wenig auf ihr , er spielte mit einer großen Fertigkeit ; aber in jener wilden und weichen Weise , mit welcher mein schweifender Jägersmann spielte , und welche gerade diesem Musikgeräte so zusagte , vermochte weder er zu spielen , noch hatte ich jemanden so spielen gehört . Ich sagte dem alten Manne , daß das Mädchen meine Schwester sei , und daß sie auch eine von den drei Zithern besitze , von denen er sage , daß sie die besten seien , die er in seinem Leben gemacht habe . Er hatte seine Freude darüber , gab Klotilden ein Bündel Saiten und sagte : » Es sind meine besten Zithern , und werden wohl auch meine besten bleiben . « Wir besuchten die Täler und einige Berge um das Ahornhaus , und Kaspar oder ein anderer waren zuweilen unsere Begleiter und Träger . Ich führte Klotilden auch in das Häuschen , in welchem ich die Pfeilerverkleidungen für den Vater gekauft hatte , ich führte sie in das steinerne Schloß , in welchem sie ursprünglich gewesen sein mochten , ich führte sie auch in das Rothmoor , wo sie das Arbeiten in Marmor betrachten konnte . Wir blieben länger in dem Ahornhause , als wir im Seehause gewesen waren , und alle Menschen waren hier noch freundlicher , zutraulicher und hilfreicher als dort . Die Wirtin war unerfüllte in Dienstanerbietungen gegen meine Schwester . Zu Ende unseres Aufenthaltes traten hier kühle und regnerische Tage ein . Wir verbrachten sie still in der heitern Wohnlichkeit des Hauses . Aber aus der Beschaffenheit des Laubes an den Bäumen und dem Aussehen der Herbstpflanzen auf den Matten , aus dem Verhalten der Tiere und aus der Beschaffenheit des Pelzes derselben erkannte ich , daß die dauernde kalte und unfreundliche Zeit noch nicht gekommen sei , und daß noch warme und klare Tage eintreten müssen . Als daher das Wetter sich wieder aufheiterte , verließ ich mit Klotilden das Ahornhaus und schlug den Weg in das Kargrat ein . Ich hatte mich in meinen Voraussetzungen nicht getäuscht . Nachdem zwei halb heitere und kühle Tage gewesen waren , die wir mit Fahren zugebracht hatten , zog wieder ein ganz heiterer , zwar am Morgen kalter , in seinem Verlaufe aber sich schnell erwärmender Tag über die beschneiten Gipfel herauf , dem eine Reihe schöner und warmer Tage folgte , die den Schnee auf den Höhen und den , welcher das Eis der Gletscher bedeckt hatte , wieder weg nahmen , und das letztere so weit sichtbar machten , als es in diesem Sommer überhaupt sichtbar gewesen war . Wir hatten am zweiten dieser schönen Tage das Kargrat erreicht . Die Reise war darum von so langer Dauer gewesen , weil wir kleine Tagefahrten gemacht hatten , und weil wir die Berge hinan und hinab recht langsam gefahren waren . Wir zogen in die Ärmlichkeit unserer Wohnung , die durch die Größe und Öde der Gegend , von welcher sie umgeben war , noch mehr herabgedrückt wurde , ein . Am zweiten Tage nach unserer Ankunft , da alles vorbereitet worden war , folgte mir Klotilde auf das Simmieis . Es waren Führer , Träger von Lebensmitteln und von allem , was auf einer solchen Wanderung notwendig oder nützlich sein konnte , und endlich auch solche , die eine Sänfte hatten , mitgegangen . Wir waren am ersten Tage bis zur Karzuflucht gekommen . Dort waren wir in dem aus Holzblöcken für die Besteiger der Karspitze gezimmerten Häuschen über Nacht geblieben , hatten aus mitgebrachtem Holze Feuer gemacht und uns unser Abendessen bereitet . Mit Anbruch des nächsten Tages gingen wir weiter und kamen im Glanze des Vormittages auf die Wölbung des Gletschers . Daß an eine Besteigung der Karspitze nicht gedacht werden konnte , war natürlich . Wir betrachteten hier nun , was zu betrachten war , und als sich Kälte in den Gliedern einstellen wollte , traten wir den Rückweg an . In der Zuflucht wurden wieder Speisen bereitet , und dann gingen wir vollends hinab . Als wir zurückgekehrt waren , sank mir Klotilde fast erschöpft an das Herz . Ich legte am andern Tage Klotilden mehrere Zeichnungen , die ich von Gletschern , ihren Einfassungen , Wölbungen , Spaltungen , Zusammenschiebungen und dergleichen gemacht hatte , vor , damit sie in der frischen Erinnerung das Gesehene mit dem Abgebildeten vergleichen konnte . Ich machte auf vieles aufmerksam , führte manches in ihr Gedächtnis zurück , und erwähnte hier auch als an der geeignetsten Stelle , wie sehr die Abbildung hinter der Wirklichkeit zurück bleibe . In den nächsten zwei Tagen besuchten wir noch verschiedene Stellen , von denen wir das Eis und die Schneegestaltungen dieser Berge betrachten konnten . Auch einen Wassersturz von einer steilrechten Wand zeigte ich Klotilden . Hierauf aber begann ich , auf unsere Rückreise zu den Eltern zu denken . Die Zeit war nach und nach so vorgerückt , daß ein Aufenthalt in diesen hochgelegenen Räumen besonders für ein der Stadt gewohntes Mädchen nicht mehr ersprießlich war . Ich schlug daher Klotilden vor , nun auf dem nächsten Wege durch das ebenere Land unsere Heimat zu gewinnen zu suchen . Sie war damit einverstanden . Von dem nächsten größeren Orte her wurde ein Fuhrwerk bestellt , welches uns auf die erste Post bringen sollte . Wir nahmen von unserer Wirtin und ihrem Manne so wie von unsern Trägern und Führern , die noch zum Empfange eines kleinen Geschenkes herbei gekommen waren , Abschied , wir verabschiedeten uns von dem Pfarrer , der uns zuweilen besucht und uns auf Schönheiten , von seinem kleinen Gesichtskreise aus , aufmerksam gemacht hatte , und fuhren auf unserem Karren , der nur mit einem Pferde bespannt war , auf dem schmalen Wege von dem Kargrat hinab . Das letzte , was wir von dem kleinen Örtchen sahen , war die mit Schindeln bedeckte Wand des Pfarrhofes und die gleichfalls mit Schindeln bedeckte Wand der schmalen Seite der Kirche . Ich sagte Klotilden , daß diese Bedeckungen notwendig seien , um die in diesen Höhen stark wirkende Gewalt des Regens und des Schnees von dem Mauerwerke abzuhalten . Wir konnten nur noch einen Blick auf die zwei Gebäude tun , dann trat eine Höhe zwischen unsere Augen und sie . Wir glitten mit unserem Fuhrwerke sehr schnell abwärts , wilde Gründe umgaben uns , und endlich empfing uns der Wald , der die Niederungen suchte , in ihnen dahin zog , und schon wohnlicher und wärmer war . Wir kamen unter Wiegen und Ächzen unseres Wägleins immer tiefer und tiefer , Fahrgeleise von Holzwegen , die den Wald durchstrichen , mündeten in unsere Straße , diese wurde fester und breiter , und wir fuhren zuweilen schon eben und behaglich dahin . Als wir den Ort erreicht hatten , an welchem sich die nächste Post befand , lohnte ich den Führer meines Wägleins ab , sendete ihn zurück , und nahm Postpferde . Wir fuhren in gerader Richtung auf dem kürzesten Wege aus dem Gebirge gegen das flachere Land , um die Heerstraße zu gewinnen , die nach unserer Heimat führte . Immer mehr und mehr sanken die Berge hinter uns zurück , die milde Herbstsonne , die sie beschien , färbte sie immer blauer und blauer , die Höhen , die uns jetzt begegneten , wurden stets kleiner und kleiner , bis wir in das Land hinaus kamen , dessen Gefilde mit lauter dem Menschen nutzbarem Grunde bedeckt waren . Dort trafen wir auf die große Straße . Bisher waren wir gegen Norden gefahren , jetzt änderten wir die Richtung und fuhren dem Osten zu . Wir hatten auch bessere Wägen . Da wir einen Tag auf dieser Straße gefahren waren , ließ ich an einem Orte halten , und beschloß , einen Tag an demselben zu bleiben ; den Abend und die Nacht brachten wir in Ruhe zu . Am andern Tage gegen Mittag führte ich die Schwester auf einen mäßig hohen Hügel . Der Tag war ein sehr schöner Herbsttag , der Schleier , welcher im Vormittage so Hügel als Gründe zart umwebt hatte , war einer völligen Klarheit gewichen . Ich befestigte mittelst Schrauben mein Fernrohr an dem Stamme einer Eiche und richtete es . Dann hieß ich Klotilden durchsehen und fragte sie , was sie sähe . » Ein hohes , dunkles Dach , « sagte sie , » aus welchem mehrere breite und mächtige Rauchfänge empor ragen . Unter dem Dache ist ein Gemäuer von ebenfalls dunkler Farbe , in welchem große Fenster in gemäßen Entfernungen stehen . Das Gebäude scheint ein Viereck zu sein . « » Und was siehst du weiter , Klotilde , wenn du das Rohr in die Umgebungen des Gebäudes richtest ? « fragte ich . » Bäume , die hinter dem Hause stehen , gleichsam wie ein Garten « , antwortete sie . » Die Mauern des Gebäudes sind dort licht wie die unserer Häuser . Dann sehe ich Felder , in ihnen wieder Bäume , hie und da ein Haus , und endlich wolkenartige Spitzen , die wie das Hochgebirge sind , das wir verlassen haben . « » Es ist das Hochgebirge « , antwortete ich . » Ist das etwa - - ? « fragte sie , den Kopf von dem Fernrohre wegwendend und mich ansehend . » Ja , Klotilde , das Gebäude ist der Sternenhof « , antwortete ich . » Wo Natalie wohnt ? « fragte sie . » Wo Natalie wohnt , wo die edle Mathilde verweilt , wo so treffliche Menschen ein und aus gehen , wohin meine Gedanken sich mit Empfindung wenden , wo sanfte Gegenstände der Kunst thronen , und wo ein liebes Land um all die Mauern herum liegt « , antwortete ich . » Das ist der Sternenhof ! « sagte Klotilde , blickte wieder in das Fernrohr , und sah lange durch dasselbe . » Ich habe dich mit Freude auf diesen Hügel geführt , Klotilde , « sagte ich , » um dir diesen Ort zu zeigen , in dem mein warmes Herz schlägt und ein tiefer Teil von meinem Wesen wohnt . « » Ach lieber , teurer Bruder , « antwortete sie , » wie oft gehen meine Gedanken an den Ort , und wie oft weilt mein Gemüt in seinen mir noch unbekannten Mauern ! « » Du begreifst aber , « sagte ich , » daß wir jetzt nicht hingehen können , und daß die Angelegenheit ihre naturgemäße Entwicklung haben muß . « » Ich begreife es « , antwortete sie . » Du wirst sie sehen , an deinem Herzen halten , und sie lieben « , sagte ich . Klotilde sah wieder in das Rohr , sie sah sehr lange in dasselbe und betrachtete alles genau . Ich lenkte ihren Blick auf die Teile , die mir wichtig schienen , erklärte ihr alles , und erzählte von dem Schlosse und von denen , die in demselben sind . Es war indessen der Mittag gekommen , wir lösten das Fernrohr ab , und gingen langsam unserer Wohnung zu . » Kann man hier nicht auch das Rosenhaus deines Freundes sehen ? « fragte sie im Heimgehen . » Hier nicht , « erwiderte ich , » hier ist nicht einmal der höchste Teil der Rosenhausgegend zu erblichen , weil der Kronwald , den du gegen Norden siehst , sie deckt . Im Weiterfahren werden wir auf einen Hügel kommen , von dem aus ich dir die Anhöhe zeigen kann , auf welcher das Haus liegt , und von dem aus du mit dem Fernrohre das Haus sehen kannst . « Wir gingen in unsere Wohnung , und am nächsten Tage fuhren wir weiter . Als wir an die Stelle gekommen waren , von welcher man die Höhe des Asperhofes sehen konnte , ließ ich halten , wir stiegen aus , ich zeigte Klotilden den Hügel , auf welchem das Haus meines Gastfreundes liegt , richtete das Fernrohr , und ließ sie durch dasselbe das Haus erblicken . Wir waren aber hier so weit von dem Asperhofe entfernt , daß man selbst durch das Fernrohr das Haus nur als ein weißes Sternchen sehen konnte . Nach dessen Betrachtung fuhren wir wieder weiter . Als nach diesem Tage der dritte vergangen war , fuhren wir gegen Abend durch den Torweg des Vorstadthauses unserer Eltern ein . » Mutter , « rief ich , da uns diese und der Vater , der unsere Ankunft gewußt hatte und daher zu Hause geblieben war , entgegen kamen , » ich bringe sie dir gesund und blühend zurück . « Wirklich war Klotilde , wie es dem Vater auf seiner kleinen Reise ergangen war , durch die Luft und die Bewegung kräftiger , heiterer und in ihrem Angesichte reicher an Farbe geworden , als sie es je in der Stadt gewesen war . Sie sprang von dem Wagen in die Arme der Mutter und begrüßte diese und dann auch den Vater freudenvoll ; denn es war das erste Mal gewesen , daß sie die Eltern verlassen hatte und auf längere Zeit in ziemlicher Entfernung von ihnen gewesen war . Man führte sie die Treppe hinan , und dann in ihr Zimmer . Dort mußte sie erzählen , erzählte gerne , und unterbrach sich öfter , indem sie das inzwischen heraufgebrachte Gepäck aufschloß und die mannigfaltigen Dinge heraus nahm , die sie in den verschiedenen Ortschaften zu Geschenken und Erinnerungen gekauft oder an mancherlei Wanderstellen gesammelt hatte . Ich war ebenfalls mit in ihr Zimmer gegangen , und als wir geraume Weile bei ihr gewesen waren , entfernten wir uns und überließen sie einer notwendigen Ruhe . Nun folgte für Klotilden fast eine Zeit der Betäubung , sie beschrieb , sie erzählte wieder , sie setzte sich vor Zeichnungen hin , blätterte in ihnen , oder zeichnete selber , und suchte in der Erinnerung Gesehenes nachzubilden . Aber auch für mich war diese Reise nicht ohne Erfolg gewesen . Was ich halb im Scherze , halb im Ernste gesagt hatte , daß ich durch diese Reise zu einer größeren Ruhe kommen werde , ist in Wirklichkeit eingetroffen . Klotilde , welche alle die Gegenstände , die mir längst bekannt waren , mit neuen Augen angeschaut , welche alles so frisch , so klar und so tief in ihr Gemüt aufgenommen hatte , hatte meine Gedanken auf sich gelenkt , hatte mir selber etwas Frisches und Ursprüngliches gegeben und mir Freude über ihre Freude mitgeteilt , so daß ich gleichsam gestärkter und befestigter über meine Beziehungen nachdenken und sie mir gewissermaßen vor mir selber zurecht legen konnte . Ich hatte mit Natalien keinen Briefwechsel verabredet , ich hatte nicht daran gedacht , sie wahrscheinlich auch nicht . Unser Verhältnis erschien mir so hoch , daß es mir kleiner vorgekommen wäre , wenn wir uns gegenseitig Briefe geschickt hätten . Wir mußten in der Festigkeit der Überzeugung der Liebe des andern ruhen , durften uns nicht durch Ungeduld vermindern , und mußten warten , wie sich alles entwickeln werde . So konnte ich mit dem Gefühle von Seligkeit von Natalien fern sein , konnte mich freuen , daß alles so ist , wie es ist , und konnte dessen harren , was meine Eltern und Nataliens Angehörige beginnen werden . Klotilden , welche ihren Bergen , Lüften , Seen und Wäldern die Farbe geben wollte , die sie gesehen hatte , suchte ich beizustehen , und zeigte ihr , worin sie fehle , und wie sie es immer besser machen könne . Wir wußten es jetzt , daß man die zarte Kraft , wie sie uns in der Wesenheit der Hochgebirge entgegen tritt , nicht darstellen könne , und die Kunst des Großen Meisters nur in der besten Annäherung bestehe . Auch in ihrem Bestreben , die Art , wie sie im Gebirge die Zither spielen gehört hatte , und die eigentümlichen Töne , die ihr dort vorgekommen waren , nachzuahmen , suchte ich ihr zu helfen . Wir konnten wohl beide unsere Vorbilder nicht völlig erreichen , freuten uns aber doch unserer Versuche . Bei einigen Freunden machte ich gelegentlich zwei oder drei Besuche . So war der Winter gekommen . Ich faßte , weil ich schon nach dem Rate des Vaters beschlossen hatte , im Winter meinen Gastfreund zu besuchen , zugleich auch den Entschluß , einmal im Winter in das Hochgebirge zu gehen und , wenn dies möglich sein sollte , einen hohen Berg zu besteigen und auf dem Eise eines Gletschers zu verweilen . Ich bestimmte hierzu den Januar als den beständigsten und meistens auch klarsten Monat des Winters . Gleich nach seinem Beginne fuhr ich von dem Hause meiner Eltern ab , und fuhr in dem flimmernden Schnee und in der blendenden Hülle , die alle Fluren deckte , im Schlitten der Gegend zu , in welcher meine Freunde lebten . Das Wetter war schon durch zehn Tage beständig und mäßig kalt gewesen , der Schnee war reichlich , und auf der Bahn glitten die Fahrzeuge wie in den Lüften dahin . Wie ich sonst nie anders als im offenen Wagen fuhr , so fuhr ich auch jetzt , mit guten Pelzen versehen , im offenen Schlitten und freute mich der weichen Hülle , die um meinen Körper war , und auch der , die überall und allüberall lag , freute mich der schweigenden bereiften Wälder , der ruhenden Obstbäume , die ihre weißen Gitter ausstreckten , der Häuser , von denen der wohnliche Rauch aufstieg , und der Unzahl der Sterne , die nachts in dem kalten und finsteren Himmel feuriger funkelten als je sonst im Sommer . Ich hatte vor , zuerst die Gebirge und dann meinen Gastfreund zu besuchen . Ich fuhr bis in die Nähe des Lautertales . Da ich die Straße verlassen sollte , mietete ich einen einspännigen Schlitten , weil in den Seitenwegen , auf denen man immer im Winter nur mit einem Pferde fährt , die Bahn zu enge ist , als daß zwei Pferde sicher neben einander gehen könnten , und fuhr in das Tal und in das Ahornwirtshaus . Die Ahorne streckten ungeheure , abenteuerlich gestaltete , entblätterte und mit feinen Zweigen wie mit Bärten versehene Arme der winterlichen Luft entgegen , das fensterreiche Wirtshaus war in seiner braunen Farbe gegen die Schneedecke auf seinem Dache und gegen den Schnee , der überall ringsum lag , noch brauner als sonst , und die Fichtentische vor dem Hause waren abgebrochen und in Aufbewahrung getan worden . Die Wirtin empfing mich mit Erstaunen und mit Freude , daß ich in einer solchen Jahreszeit komme , und gab mir das beste Versprechen , daß meine Stube so warm und heimlich sein solle , als wehe kein einziges Lüftchen hinein , und so licht , als schiene die Sonne , wenn sie überhaupt scheint , sonst nirgends hin als auf meine Fenster . Ich ließ meine Gerätschaften in die Stube bringen , und bald loderte auch ein lustiges Feuer in dem Ofen derselben , der ausnahmsweise , wie es sonst in den Gebirgen fast gar nicht vorkömmt , von innen zu heizen war . Die Wirtin hatte es so einrichten lassen , weil von außen der Zugang zu dem Ofen so schwer gewesen war . Als ich mich ein wenig erwärmt und meine Hauptsachen in Ordnung gebracht hatte , ging ich in die allgemeine Gaststube hinunter . In ihr waren verschiedene Leute anwesend , die der Weg vorbei führte , oder die eine kleine Erquickung und ein Gespräch suchten . Bei den vielen und sehr nahe stehenden Fenstern drang ein reichliches Licht herein , so daß die Sonnenstrahlen des Wintertages um die Tische spielten , was um so wohltätiger war , da auch eine behagliche Wärme von den in dem Großen Ofen brennenden Klötzen das Zimmer erfüllte . Ich fragte wieder um meinen Zitherspiellehrer , es hatte niemand etwas von ihm gehört . Ich fragte um den alten Kaspar , er war gesund , und es wurde auf meine Bitte um ihn gesendet . Ich sagte , daß ich im Sinne hätte , von dem Lautersee in die Eisfelder der Echern hinaufzusteigen . Ich hätte anfangs Lust gehabt , das Simmieis an der Karspitze zu besuchen ; aber der Zugang ins Kargrat sei mir im Winter sehr unangenehm , und wenn die Echern auch etwas tiefer liegen als die Simmen , so seinen sie doch schöner und von unvergleichlich wohlgebildeten Felsen eingefaßt . Alle rieten mir von meinem Unternehmen ab , es sei im Winter nicht durchzudringen , und die Kälte sei auf den Bergen so groß , daß sie kein Mensch zu ertragen vermöge . Ich widerlegte die Einwürfe vorerst dadurch , daß ich sagte , es sei eben im Winter niemand auf den Echern gewesen , wie sie selber berichten , und daß man daher nichts Sicheres wissen könne . » Aber man kann es sich denken « , erwiderten viele . » Erfahrung ist noch besser « , sagte ich . Indessen kam der alte Kaspar . Die Sache wurde ihm gleich von den Anwesenden erzählt , und er riet auch entschieden von dem Unternehmen ab . Ich sagte , daß viele Forscher in Naturdingen im Winter schon auf hohen Bergen gewesen seien , auf höheren als den Echern , daß sie dort Nächte und zuweilen auch eine Reihe von Tagen und Nächten zugebracht haben . Man wendete immer ein , das seien andere Berge gewesen , und in den hiesigen gehe es durchaus nicht . Der alte Kaspar verstand sich endlich ganz allein dazu , mich , wenn ich durchaus wolle , zu begleiten . Aber das Wetter , meinte er , müßten wir uns sorgsam dazu auslesen . Ich erwiderte ihm , daß ich Geräte bei mir hätte , die mir anzeigen , wenn eine schöne Zeit bevorstehe , daß ich mich auch ein wenig auf die Zeichen an dem Himmel verstehe , und daß ich selber auf den Höhen nicht gar gerne in einen Schneesturm oder in einen langedauernden Nebel geraten möchte . Alle andern Leute , welche mir sonst gerne bei meinen Bergarbeiten geholfen hatten , und welche ich ebenfalls ins Wirtshaus hatte rufen lassen , lehnten es durchaus ab , mich im Winter in die Echern zu begleiten . Dem Kaspar sagte ich , er müsse sich vorbereiten . Ich hätte selber verschiedene Dinge bei mir , von denen er sich die aussuchen könne , von welchen er glaube , daß er sie auf unserer Wanderung mitnehmen möge . Den Tag , an welchem wir zum See hinunter gehen werden , würde ich ihm dann schon sagen . Ich ging unter den lebhaftesten Gesprächen der Anwesenden über diesen Gegenstand in meine Stube zurück , und brachte den Abend in derselben zu . Ich wußte , daß sie nun tief in die Nacht hinein über die Sache sprechen würden , und daß in den nächsten Tagen für das ganze Tal diese Unternehmung den Stoff der Unterredungen bilden würde . Es meldete sich nun auch wirklich keiner mehr , um mich und Kaspar zu begleiten . Die Zeit bis zum Beginne unsers Unternehmens brachte ich damit zu , daß ich Wanderungen in der Umgegend machte . Ich betrachtete die Wälder , die in Ruhe und Pracht dastanden , ich betrachtete die Höhen , auf welchen die unermeßlichen Schneemengen lagen , ich betrachtete die Echernwand , von der eine Last von Eiszapfen niederhing , deren manche die Dicke von Bäumen hatten , zuweilen losbrachen und mit Krachen und Klingen in den Schnee niederstürzten , ich ging auf Berge und schaute in die stille , gleichsam verdichtete Winterluft , und auf alle die weißen Gebilde , die durch dunkle Wälder , durch Felsen und durch das sanfte Blau der fernen Bergzüge geschnitten waren . Gegen die Mitte des Januars , zu welcher Zeit gewöhnlich das Wetter am ausdauerndsten zu sein pflegt , stellten sich die Zeichen ein , daß längere Zeit schöne Tage sein werden . Ein etwas weicher Luftzug der vorigen Tage hatte sich verloren , die graue Decke am Himmel war verschwunden , und den verwaschenen Federwolken war eine tiefe Bläue gefolgt . Die Luft zog aus Osten , die Kälte mehrte sich , der Schnee flimmerte , und abends zeigte sich der feine blauliche Duft in den Gründen , der heitere Morgen und immer größere Kälte versprach . Meine Werkzeuge gaben starken Luftdruck und große Trockenheit an . Ich sagte dem alten Kaspar , daß wir nunmehr aufbrechen würden . Wir nahmen an Alpenstöcken , Steigeisen , Stricken , Schneereifen , Decken , Kleidern , was wir nötig erachteten , eine Schaufel , eine Axt , Kochgeschirr und Lebensmittel auf mehrere Tage . So bepackt gingen wir zu dem See . Dort teilten wir unsere Dinge in zwei bequeme Lasten , daß jeder mit der seinigen so leicht als möglich gehen könne , und erwarteten den nächsten Morgen . Beim Grauen des Lichtes machten wir uns auf den Weg , und stiegen mit unseren sehr hohen