, Wolfsgruben , Selbstschüsse vergifteter Pfeile , die hier überall umhergestreut waren und manchem Goten bei den Angriffen auf die Stadt Verderben gebracht hatten . Der Mann schien sie alle zu kennen und wich ihnen leicht aus . Aber er vermied auch das Mondlicht sorgfältig , den Schatten der Mauervorsprünge suchend und oft von Baum zu Baum springend . Als er aus dem äußersten Graben auftauchte , sah er sich um und blieb im Schatten einer Zypresse stehen , deren Zweige die Ballistengeschosse zerschmettert hatten . Er entdeckte nichts Lebendes weit und breit : und er eilte nun mit raschen Schritten der Kirche zu . Hätte er nochmal umgeblickt , er hätte es wohl nicht getan . Denn , sowie er den Baum verließ , tauchte aus dem Graben eine zweite Gestalt hervor , die in drei Sprüngen ihrerseits den Schatten der Zypresse erreicht hatte . » Gewonnen , Johannes ! du stolzer Bruder , diesmal war das Glück dem jüngeren Bruder hold . Jetzt ist Cethegus mein und sein Geheimnis . « Und vorsichtig folgte er dem rasch Voranschreitenden . Aber plötzlich war dieser vor seinen Augen verschwunden , als habe ihn die Erde verschlungen . Es war hart an der äußern Mauer der Kirche , die doch dem Armenier , als er sie erreicht , keine Tür oder Öffnung zeigte . » Kein Zweifel , « sagte der Lauscher , » das Stelldichein ist drinnen im Tempel : ich muß nach . « Allein an dieser Stelle war die Mauer unübersteiglich . Tastend und suchend bog der Späher um die Ecke derselben . Umsonst , die Mauer war überall gleich hoch . - Im Suchen verstrich ihm fast eine Viertelstunde . Endlich fand er eine Lücke in dem Gestein : mühsam zwängte er sich hindurch . Und er stand nun im Vorhofe des alten Tempels , in dem die dicken dorischen Säulen breite Schatten warfen , in deren Schutz er von der rechten Seite her bis an das Hauptgebäude gelangte . Er spähte durch einen Riß des Gemäuers , den ihm die Zugluft verraten hatte . Drinnen war alles finster . Aber plötzlich wurde sein Auge von einem grellen Lichtstrahl geblendet . Als er es wieder aufschlug , sah er einen hellen Streifen in der Dunkelheit : - er rührte von einer Blendlaterne her , deren Licht sich plötzlich gezeigt hatte . Deutlich erkannte er , was in dem Bereich der Laterne stand , den Träger derselben aber nicht : wohl dagegen Cethegus den Präfekten , der hart vor der Statue des Apostels stand und sich an diese zu lehnen schien : vor ihm stand eine zweite Gestalt : ein schlankes Weib , auf dessen dunkelrotes Haar schimmernd das Licht der Laterne fiel . » Die schöne Gotenkönigin , bei Eros und Anteros ! « dachte der Lauscher : » kein schlechtes Stelldichein , sei ' s nun Liebe , sei ' s Politik ! Horch , sie spricht . Leider kam ich zu spät , auch den Anfang der Unterredung zu hören . « » Also : merk ' es dir wohl ! übermorgen auf der Straße vor dem Tor von Tibur wird etwas gefährliches geplant . « - » Gut : aber was ? « frug des Präfekten Stimme . - » Genaueres konnte ich nicht erkunden : und ich kann es dir auch nicht mehr mitteilen , wenn ich es noch erfahre . Ich wage nicht mehr , dich hier wieder zu sehen : denn ... - « Sie sprach nun leiser . Perseus drückte das Ohr hart an die Spalte : da klirrte seine Schwertscheide an das Gestein , und nun traf ihn ein Strahl des Lichts . » Horch ! « rief eine dritte Stimme - es war eine Frauenstimme , die der Trägerin der Laterne , die sich jetzt in dem Strahl ihres eigenen Blendlichts gezeigt hatte , da sie sich rasch gegen die Richtung des Schalles gekehrt hatte . Perseus erkannte eine Sklavin in maurischer Tracht . Einen Augenblick schwieg alles in dem Tempel . Perseus hielt den Atem an . Er fühlte , es galt das Leben . Denn Cethegus griff ans Schwert . » Alles still , « sagte die Sklavin . » Es fiel wohl nur ein Stein auf den Erzbeschlag draußen . « » Auch in das Grab vor dem portuensischen Tor geh ' ich nicht mehr . Ich fürchte , man ist uns gefolgt . « - » Wer ? « - » Einer , der niemals schläft , wie es scheint : Graf Teja . « Des Präfekten Lippe zuckte . » Und er ist auch bei einem rätselhaften Eidbund gegen Belisars Leben : der bloße Scheinangriff gilt dem Sankt-Pauls-Tor . « - » Gut ! « sagte Cethegus nachdenklich . » Belisar würde nicht entrinnen , wenn nicht gewarnt . Sie liegen irgendwo , - aber ich weiß nicht , wo - fürcht ' ich , im Hinterhalt , mit Übermacht , Graf Totila führt sie . « » Ich will ihn schon warnen ! « sagte Cethegus langsam . » Wenn es gelänge ... ! « - » Sorge nicht , Königin ! Mir liegt an Rom nicht weniger denn dir . Und wenn der nächste Sturm fehlschlägt , - so müssen sie die Belagerung aufgeben , so zähe sie sind . Und das , Königin , ist dein Verdienst . Laß mich in dieser Nacht - vielleicht der letzten , da wir uns treffen , - dir mein ganzes staunendes Herz enthüllen . Cethegus staunt nicht leicht und nicht leicht gesteht er ' s , wenn er staunen muß . Aber dich - bewundere ich , Königin . Mit welch totverachtender Kühnheit , mit welch ' dämonischer List hast du alle Pläne der Barbaren vereitelt ! Wahrlich : viel tat Belisar , - mehr tat Cethegus , - das meiste : Mataswintha . « » Sprächst du wahr ! « sagte Mataswintha mit funkelnden Augen . » Und wenn die Krone diesem Frevler vom Haupte fällt ... - - « » War es deine Hand , deren sich das Schicksal Roms bedient hat . Aber , Königin , nicht damit kannst du enden ! Wie ich dich erkannte , in diesen Monaten - darfst du nicht als gefangene Gotenkönigin nach Byzanz . Diese Schönheit , dieser Geist , diese Kraft muß herrschen - nicht dienen , in Byzanz . Darum bedenke , wenn er nun gestürzt ist - dein Tyrann , - willst du nicht dann den Weg gehn , den ich dir gezeigt ? « » Ich habe noch nie über seinen Fall hinaus gedacht , « sagte sie düster . » Aber ich - für dich ! Wahrlich , Mataswintha , « - und sein Auge ruhte mit Bewunderung auf ihr , - » du bist - wunderschön . Ich rechn ' es mir zum größten Stolz , daß selbst du mich nicht in Liebe entzündet und von meinen Plänen abgebracht hast . Aber du bist zu schön , zu köstlich , nur der Rache und dem Haß zu leben . Wenn unser Ziel erreicht , - dann nach Byzanz ! Als mehr denn Kaiserin : - als Überwinderin der Kaiserin ! « » Wenn mein Ziel erreicht , ist mein Leben vollendet . Glaubst du , ich ertrüge den Gedanken , aus eitel Herrschsucht mein Volk zu verderben , um kluger Zwecke willen ? Nein : ich konnt ' es nur , weil ich mußte . Die Rache ist jetzt meine Liebe und mein Lebe und ... - - « Da scholl von der Fronte des Gebäudes her , aber noch innerhalb der Mauer , laut und schrillend der Ruf des Käuzchens , einmal - zweimal rasch nacheinander . Wie staunte Perseus , als er den Präfekten eilig an die Kehle der Bildsäule drücken sah , an der er lehnte , und wie sich diese geräuschlos in zwei Hälften auseinander schlug . Cethegus schlüpfte in die Öffnung : die Statue klappte wieder zusammen . Mataswintha aber und Aspa sanken wie betend auf die Stufen des Altars . » Also war ' s ein Zeichen ! Es droht Gefahr : « dachte der Späher ; » aber wo ist die Gefahr ? und wo der Warner ? « Und er wandte sich , trat vor und sah nach links , nach der Seite der Goten . Allein damit trat er in den Bereich des Mondlichts : und in den Blick des Mauren Syphax , der vor der Eingangstür des Hauptgebäudes in einer leeren Nische Schildwache stand , und bisher scharf nach der linken , der gotischen , Seite hin , gespäht hatte . Von dort , von links her , schritt langsam ein Mann heran . Seine Streitaxt blitzte im Mondlicht . Aber auch Perseus sah jetzt eine Waffe aufblitzen : es war der Maure , der leise sein Schwert aus der Scheide zog . » Ha , « lachte Perseus , » bis die beiden miteinander fertig sind , bin ich in Rom , mit meinem Geheimnis . « Und in raschen Sprüngen eilte er nach der Mauerlücke des Vorhofs , durch die er eingedrungen . Zweifelnd blickte Syphax einen Augenblick nach rechts und nach links . Zur Rechten sah er entweichen einen Lauscher , den er jetzt erst ganz entdeckte . Zur Linken schritt ein gotischer Krieger herein in den Tempelhof . Er konnte nicht hoffen , beide zu erreichen und zu töten . Da plötzlich schrie er laut : » Teja , Graf Teja ! Hilfe ! zu Hilfe ! Ein Römer ! rettet die Königin ! dort rechts an der Mauer , ein Römer ! « Im Fluge war Teja heran , bei Syphax . » Dort ! « rief dieser : » ich schütze die Frauen in der Kirche ! « Und er eilte in den Tempel . » Steh ' Römer ! « rief Teja , und sprang dem fliehenden Perseus nach . Aber Perseus stand nicht : er lief an die Mauer : er erreichte die Lücke , durch welche er hereingekommen war : doch er konnte sich in der Eile nicht wieder hindurchzwängen : so schwang er sich mit der Kraft der Verzweiflung auf die Mauerkrone : und schon hob er den Fuß , sich jenseits hinabzulassen : da traf ihn Tejas Axt im Wurf ans Haupt und rücklings stürzte er nieder , samt seinem erlauschten Geheimnis . - Teja beugte sich über ihn : deutlich erkannte er die Züge des Toten . » Der Archon Perseus , « sagte er , » der Bruder des Johannes . « Und sofort schritt er die Stufen hinan , die zur Kirche führten . An der Schwelle trat ihm Mataswintha entgegen , hinter ihr Syphax und Aspa mit der Blendlaterne . Einen Moment maßen sich beide schweigend mit mißtrauischen Blicken . » Ich habe dir zu danken , Graf Teja von Tarentum , « sagte endlich die Fürstin . » Ich war bedroht in meiner einsamen Andacht . « » Seltsam wählst du Ort und Stunde für deine Gebete . Laß sehen , ob dieser Römer der einzige Feind war . « Er nahm aus Aspas Hand die Leuchte und ging in das Innere der Kapelle . Nach einer Weile kam er wieder , einen mit Gold eingelegten Lederschuh in der Hand . » Ich fand nichts als - diese Sandale am Altar , dicht vor dem Apostel . Es ist ein Mannesfuß . « » Eine Votivgabe von mir , « sagte Syphax rasch . » Der Apostel heilte meinen Fuß , ich hatte mir einen Dorn eingetreten . « » Ich dachte , du verehrst nur den Schlangengott ? « - » Ich verehre , was da hilft . « - » In welchem Fuße stak der Dorn . « Syphax schwankte einen Augenblick . » Im rechten , « sagte er dann , rasch entschlossen . » Schade , « sprach Teja , » die Sandale ist auf den linken geschnitten . « Und er steckte sie in den Gürtel . » Ich warne dich , Königin , vor solcher nächtlichen Andacht . « » Ich werde tun , was meine Pflicht , « sagte Mataswintha herb . » Und ich , was meine . « Mit diesen Worten schritt Teja voran , zurück zum Lager : schweigend folgte die Königin und ihre Sklaven . * * * Vor Sonnenaufgang stand Teja vor Witichis und berichtete ihm alles . » Was du sagst , ist kein Beweis , « sagte der König . - » Aber schwerer Verdacht . Und du sagtest selbst , die Königin sei dir unheimlich . « » Gerade deshalb hüt ' ich mich , nach bloßem Verdacht zu handeln . Ich zweifle manchmal , ob wir an ihr nicht unrecht getan . Fast so schwer wie an Rauthgundis . « - » Wohl , aber diese nächtlichen Gänge ? « - » Werd ' ich verhindern . Schon um ihretwillen . « » Und der Maure ? Ich trau ' ihm nicht . Ich weiß , daß er tagelang abwesend : dann taucht er wieder auf im Lager . Er ist ein Späher . « » Ja , Freund , « lächelte Witichis . » Aber der meine . Er geht mit meinem Wissen in Rom aus und ein . Er ist es , der mir noch alle Gelegenheiten verraten . « » Und noch keine hat genützt ! Und die falsche Sandale ? « » Ist wirklich ein Votivopfer . Aber für Diebstahl ; er hat mir , noch ehe du kamst , alles gebeichtet . Er hat , bei der Begleitung der Königin sich langweilend , in einem Gewölbe der Kirche herumgestöbert und da unten allerlei Priestergewänder und vergrabnen Schmuck gefunden und behalten . Aber später , den Zorn des Apostels fürchtend , wollt ' er ihn beschwichtigen , und opferte , in seinem Heidensinn , diese Goldsandale aus seiner Beute . Er beschrieb sie mir ganz genau : mit goldnen Seitenstreifen und einem Achatknopf , oben mit einem C - . Du siehst , es trifft alles zu . Er kannte sie also : sie kann nicht von einem Flüchtenden verloren sein . Und er versprach , als Beweis die dazu gehörige Sandale des rechten Fußes zu bringen . Aber vor allem : er hat mir einen neuen Plan verraten , der all unsrer Not ein Ende machen und Belisarius selbst in unsre Hände liefern soll . « Zehntes Kapitel . Während der Gotenkönig diesen Plan seinem Freunde mitteilte , stand Cethegus , in frühester Stunde nach dem belisarischen Tor beschieden , vor Belisar und Johannes . » Präfekt von Rom , « herrschte ihn der Feldherr beim Eintreten an , » wo warst du heute nacht ? « » Auf meinem Posten . Wohin ich gehöre . Am Tor Sankt Pauls . « » Weißt du , daß in dieser Nacht einer der besten meiner Anführer , Perseus der Archon , des Johannes Bruder , die Stadt verlassen hat und seitdem verschwunden ist ? « » Tut mir leid . Aber du weißt : es ist verboten , ohne Erlaubnis die Mauer zu überschreiten . « » Ich habe aber Grund zu glauben , « fuhr Johannes auf , » daß du recht gut weißt , was aus meinem Bruder geworden , daß sein Blut an deinen Händen klebt . « - » Und beim Schlummer Justinians ! « brauste Belisar auf , » das sollst du büßen . Nicht länger sollst du herrschen über des Kaisers Heer und Feldherrn . Die Stunde der Abrechnung ist gekommen . Die Barbaren sind so gut wie vernichtet . Und laß sehn , ob nicht mit deinem Haupt auch das Kapitol fällt . « » Steht es so ? « dachte Cethegus , » jetzt sieh dich vor , Belisarius . « Doch er schwieg . » Rede ! « rief Johannes . » Wo hast du meinen Bruder ermordet ? « Ehe Cethegus antworten konnte , trat Artasines , ein persischer Leibwächter Belisars , herein . » Herr , « sagte er , » draußen stehn sechs gotische Krieger . Sie bringen die Leiche Perseus , des Archonten . König Witichis läßt dir sagen : er sei heut ' nacht vor den Mauern durch Graf Tejas Beil gefallen . Er sendet ihn zur ehrenden Bestattung . « » Der Himmel selbst , « sprach Cethegus , stolz hinausschreitend , » straft eure Bosheit Lügen . « Aber langsam und nachdenklich ging der Präfekt über den Quirinal und das Forum Trajans nach seinem Wohnhaus . » Du drohst , Belisarius ? Dank für den Wink ! Laß sehn , ob wir dich nicht entbehren können . « * * * In seiner Wohnung fand er Syphax , der ihn ungeduldig erwartet hatte und ihm raschen Bericht ablegte . » Vor allem , Herr , « schloß er nun , » laß also deinen Sandalenbinder peitschen . Du siehst , wie schlecht du bedient bist , ist Syphax fern : - und gib mir gütigst deinen rechten Schuh . « » Ich sollte dir ihn nicht geben und dich zappeln lassen für dein freches Lügen , « lachte der Präfekt . » Dieses Stück Leder ist jetzt dein Leben wert , mein Panther . Womit willst du ' s lösen ? « » Mit wichtiger Kunde . Ich weiß nun alles ganz genau von dem Plan gegen Belisars Leben : Ort und Zeit : und die Namen der Eidbrüder . Es sind : Teja , Totila und Hildebad . « » Jeder allein genug für den Magister Militum , « murmelte Cethegus vergnüglich . » Ich denke , o Herr , du hast den Barbaren wohl wieder eine schöne Falle gestellt ! Ich habe ihnen , auf deinen Befehl , entdeckt , daß Belisar selbst morgen zum tiburtinischen Tor hinausziehen will , um Vorräte aufzutreiben . « » Ja , er selbst geht mit , weil sich die oft aufgefangnen Hunnen nicht mehr allein hinauswagen ; er führt nur vierhundert Mann . « » Es werden nun die drei Eidbrüder am Grab der Fulvier einen Hinterhalt von tausend Mann gegen Belisar legen . « - » Das verdient wirklich den Schuh ! « sagte Cethegus und warf ihm denselben zu . » König Witichis wird indessen nur einen Scheinangriff machen lassen auf das Tor Sankt Pauls , die Gedanken der Unsern von Belisar abzulenken . Ich eile nun also zu Belisar , ihm zu sagen , wie du mir aufgetragen , daß er drei Tausend mit sich nimmt und jene gegen ihn Verschwornen vernichtet . « » Halt ! « sagte Cethegus ruhig , » nicht so eilfertig ! Du meldest nichts . « » Wie ? « fragte Syphax erstaunt . » Ungewarnt ist er verloren ! « » Man muß dem Schutzgeist des Feldherrn nicht schon wieder , nicht immer ins Amt greifen . Belisar mag morgen seinen Stern erproben . « » Ei , « sagte Syphax mit pfiffigem Lächeln , » solches gefällt dir ? Dann bin ich lieber Syphax , der Sklave , als Belisarius , der Magister Militum . Arme Witwe Antonina ! « Cethegus wollte sich auf das Lager strecken , da meldete Fidus , der Ostiarius : » Kallistratos von Korinth . « » Immer willkommen . « Der junge Grieche mit dem sanften Antlitz trat ein . Ein Hauch anmutiger Röte von Scham oder Freude färbte seine Wangen : es war ersichtlich , daß ihn ein besonderer Anlaß herführte . » Was bringst du des Schönen noch außer dir selbst ? « so fragte Cethegus in griechischer Sprache . Der Jüngling schlug die leuchtenden Augen auf : » Ein Herz voll Bewunderung für dich : und den Wunsch , dir diese zu bewähren . Ich bitte um die Gunst , wie die beiden Licinier und Piso , für dich und Rom fechten zu dürfen . « » Mein Kallistratos ! was kümmern dich , unsern Friedensgast , den liebenswürdigsten der Hellenen , unsre blutigen Händel mit den Barbaren ? Bleibe du von diesem schweren Ernst und pflege deines heitern Erbes : der Schönheit . « » Ich weiß es wohl , die Tage von Salamis sind ferne wie ein Mythos : und ihr eisernen Römer habt uns niemals Kraft zugetraut . Das ist hart - aber doch leichter zu tragen , weil ihr es seid , die unsre Welt , die Kunst und edle Sitte verteidigt gegen die dumpfen Barbaren . Ihr , das heißt Rom , und Rom heißt mir Cethegus . So faß ich diesen Kampf und so gefaßt , siehst du , so geht er wohl auch den Hellenen an . « Erfreut lächelte der Präfekt . » Nun , wenn dir Rom Cethegus ist , so nimmt Rom gern die Hilfe des Hellenen an : du bist fortan Tribun der Milites Romani wie Licinius . « » In Taten will ich dir danken ! Aber eins noch muß ich dir gestehn - denn ich weiß : du liebst nicht überrascht zu sein . Oft hab ' ich gesehen , wie teuer dir das Grabmal Hadrians und seine Zier von Götterstatuen ist . Neulich hab ' ich diese marmornen Wächter gezählt und zweihundertachtundneunzig gefunden . Da macht ' ich denn das dritte Hundert voll und habe meine beiden Letoiden , die du so hoch gelobt , den Apollon und die Artemis , dort aufgestellt , dir und Rom zu einem Weihgeschenk . « » Junger lieber Verschwender , « sprach Cethegus , » was hast du da getan ! « » Das Gute und Schöne , « antwortete Kallistratos einfach . » Aber bedenke - das Grabmal ist jetzt eine Schanze « - » Wenn die Goten stürmen - « - » Die Letoiden stehen auf der zweiten , der innern Mauer . Und soll ich fürchten , daß je Barbaren wieder den Lieblingsplatz des Cethegus erreichen ? Wo sind die schönen Götter sichrer als in deiner Burg ? Deine Schanze ist mir ihr bester , weil ihr sicherster Tempel . Mein Weihgeschenk sei zugleich ein glücklich Omen . « » Das soll es sein , « rief Cethegus lebhaft , » und ich glaube selber : dein Geschenk ist gut geborgen . Aber gestatte mir dagegen - « » Du hast mir schon dafür erlaubt , für dich zu kämpfen . Chaire ! « lachte der Grieche und war hinaus . » Der Knabe hat mich sehr lieb , « sagte Cethegus , ihm nachsehend . » Und mir geht ' s wie andern Menschentoren : - mir tut das wohl . Und nicht bloß , weil ich ihn dadurch beherrsche . « Da hallten feste Schritte auf dem Marmor des Vestibulums , und ein Tribun der Milites ward gemeldet . Es war ein junger Krieger mit edeln , aber über seine Jahre hinaus ernsten Zügen . In echt römischem Schnitt setzten die Wangenknochen , fast im rechten Winkel , an die gerade , strenge Stirn : in dem tief eingelassenen Auge lag römische Kraft und - in dieser Stunde - entschlossener Ernst und rücksichtsloser Wille . » Siehe da , Severinus , des Boëthius Sohn , willkommen , mein junger Held und Philosoph . Viele Monate habe ich dich nicht gesehen - woher kommst du ? « » Vom Grabe meiner Mutter , « sagte Severinus mit festem Blick auf den Frager . Cethegus sprang auf . » Wie ? Rusticiana ? meine Jugendfreundin ! meines Boëthius Weib ! « » Sie ist tot , « sagte der Sohn kurz . Der Präfekt wollte seine Hand fassen . Severinus entzog sie . » Mein Sohn , mein armer Severinus ! Und starb sie - ohne ein Wort für mich ? « » Ich bringe dir ihr letztes Wort - es galt dir ! « » Wie starb sie ? an welchem Leiden ? « - » An Schmerz und Reue . « - » Schmerz - « seufzte Cethegus , » das begreif ' ich . Aber was sollte sie bereuen ! Und mir galt ihr letztes Wort ! - sag ' an , wie lautet es ? « Da trat Severinus hart an den Präfekten , daß er sein Knie berührte , und blickte ihm bohrend ins Auge . » Fluch , Fluch über Cethegus , der meine Seele vergiftet und mein Kind . « Ruhig sah ihn Cethegus an . » Starb sie im Irrsinn ? « fragte er kalt . » Nein , Mörder : sie lebte im Irrsinn , solang sie dir vertraute . In ihrer Todesstunde hat sie Cassiodor und mir gestanden , daß ihre Hand dem jungen Tyrannen das Gift gereicht , das du gebraut . Sie erzählte uns den Hergang . Der alte Corbulo und seine Tochter Daphnidion stützten sie . Spät erst erfuhr ich , schloß sie , daß mein Kind aus dem tödlichen Becher getrunken . Und niemand war da , Kamilla in den Arm zu fallen , als sie trinken wollte . Denn ich war noch im Boot auf dem Meere und Cethegus noch in dem Platanengang . Da rief der alte Corbulo erbleichend : Wie ? der Präfekt wußte , daß der Becher Gift enthielt ? - Gewiß , antwortete meine Mutter . Als ich ihn im Garten traf , sagt ich es ihm : es ist geschehen . Corbulo verstummte vor Entsetzen : aber Daphnidion schrie in wildem Schmerz : Weh ! meine arme Domna ! so hat er sie ermordet ! Denn er stand dabei , dicht neben mir , und sah zu , wie sie trank . - Er sah zu , wie sie trank ? fragte meine Mutter mit einem Tone , der ewig durch mein Leben gellen wird . Er sah zu , wie sie trank ! wiederholten der Freigelassene und sein Kind . O so sei den untern Dämonen sein verfluchtes Haupt geweiht ! Rache , Gott , in der Hölle , Rache , meine Söhne , auf Erden für Kamilla ! Fluch über Cethegus ! Und sie fiel zurück und war tot . « Der Präfekt blieb unerschüttert stehen . Nur griff er leise an den Dolch unter den Brustfalten der Tunika . » Du aber « - fragte er nach einer Pause - » was tatest du ? « » Ich aber kniete nieder an der Leiche und küßte ihre kalte Hand und schwor ihr ' s zu , ihr Sterbewort zu vollenden . Wehe dir , Präfekt von Rom : Giftmischer , Mörder meiner Schwester - du sollst nicht leben . « » Sohn des Boëthius , willst du zum Mörder werden um die Wahnworte eines läppischen Sklaven und seiner Dirne ? Würdig des Helden und des Philosophen ! « » Nichts von Mord . Wäre ich ein Germane , nach dem Brauche dieser Barbaren : - er dünkt mir heute sehr vortrefflich ! - rief ' ich dich zum Zweikampf , du verhaßter Feind . Ich aber bin ein Römer und suche meine Rache auf dem Wege des Rechts . Hüte dich , Präfekt , noch gibt es Richter in Italien . Lange Monate hielt mich der Krieg , der Feind von diesen Mauern ab . - Erst heute habe ich Rom , von der See her , erreicht : und morgen erheb ' ich die Klage bei den Senatoren , die deine Richter sind - dort finden wir uns wieder . « Cethegus vertrat ihm plötzlich den Weg an die Türe . Aber Severinus rief : » Gemach , man sieht sich vor bei Mördern . Drei Freunde haben mich an dein Haus begleitet : - Sie werden mich mit den Liktoren suchen , komm ' ich nicht wieder , noch in dieser Stunde . « » Ich wollte dich nur , « sagte Cethegus wieder ganz ruhig , » vor dem Wege der Schande warnen . Willst du den ältesten Freund deines Hauses um der Fieberreden einer Sterbenden willen mit unbeweisbarer Mordklage verfolgen , - tu ' s : ich kann ' s nicht hindern . Aber noch einen Auftrag zuvor : du bist mein Ankläger geworden : aber du bleibst Soldat und mein Tribun . Du wirst gehorchen , wenn dein Feldherr befiehlt . « » Ich werde gehorchen . « » Morgen steht ein Ausfall Belisars bevor : und ein Sturm der Barbaren . Ich muß die Stadt beschirmen . Doch ahnt mir Gefahr für den löwenkühnen Mann : - ich muß ihn treu gehütet wissen . Du wirst morgen , - ich befehl ' es , - den Feldherrn begleiten und sein Leben decken . « » Mit meinem eignen . « » Gut , Tribun , ich verlasse mich auf dein Wort . « » Bau ' du auf meines : auf Wiedersehn : nach der Schlacht : vor dem Senat . Nach beiden Kämpfen lüstet mich gleich sehr . Auf Wiedersehn : - - vor dem Senat . « » Auf Nimmerwiedersehn , « sprach Cethegus , als sein Schritt verhallte . » Syphax , « rief er laut , » bringe Wein und das Hauptmahl . Wir müssen uns stärken : - auf morgen . « Elftes Kapitel . Früh am andern Morgen wogte sowohl in Rom als in dem Lager der Goten geschäftige Bewegung . Mataswintha und Syphax hatten zwar einiges entdeckt und gemeldet : - - aber nicht alles . Sie hatten von dem Gelübde der drei Männer gegen Belisar erfahren und den früheren Plan eines bloßen Scheinangriffs gegen das Sankt-Pauls-Tor , um von dem Gedanken an Belisars Geschick abzulenken . Aber nicht hatten sie erfahren , daß der König , in Änderung jenes Planes eines bloßen Scheinangriffs , für diesen Tag der Abwesenheit des großen Feldherrn einen in tiefstes Geheimnis gehüllten Beschluß gefaßt hatte : es sollte ein letzter Versuch gemacht werden , ob nicht gotisches Heldentum doch dem Genius Belisars und den Mauern des Präfekten überlegen sei . Man