Tagen gekommen waren . Ich fuhr mit meinem Gastfreunde nur bis an die Poststraße , und auf derselben bis zur ersten Post . Dort trennten wir uns . Er fuhr auf Nebenwegen dem Asperhofe zu , weil er mir zu lieb einen Umweg gemacht hatte , ich aber schlug mit Postpferden die Richtung gegen das Kargrat ein . Ich war entschlossen , im Kargrat für jetzt ganz abzubrechen und also die Gegenstände , die ich noch dort hatte , fortschaffen zu lassen . Als ich in dem kleinen Orte eingetroffen war , richtete ich meine Verhältnisse zurecht , ließ alle meine Dinge einpacken , und schickte sie fort . Ich nahm von dem Pfarrer , welchen ich kennen gelernt hatte , Abschied , verabschiedete mich auch von meinen Wirtsleuten und von den anderen Menschen , die mir bekannt geworden waren , sagte , daß ich nicht weiß , wann ich in das Kargrat zurückkehren werde , um meine Arbeiten , welche ich wegen eines schnell eingetretenen Umstandes hatte abbrechen müssen , fortzusetzen , und reiste wieder ab . Ich ging jetzt in das Lautertal , um es zu besuchen . Es war in der Richtung nach meiner Heimat ein geringer Umweg , und ich wollte das Tal , das mir lieb geworden war , wieder sehen . Besonders aber führte mich ein Zweck dahin . Obwohl ich wenig Hoffnung hatte , daß mein Auftrag , den ich in dem Tale gegeben hatte , zu forschen , ob sich nicht doch noch die Ergänzungen zu den Vertäflungen meines Vaters fänden , einen Erfolg haben werde , so wollte ich doch nicht nach Hause reisen , ohne in dieser Hinsicht Nachfrage gehalten zu haben . Die gewünschten Ergänzungen hatten sich zwar nicht gefunden , auch keine Spur zu denselben war entdeckt worden ; aber manche Leute hatte ich gesehen , denen ich in früheren Tagen geneigt worden war , Gegenstände hatte ich erblickt , von denen ich in vergangenen Jahren zu meinem Vergnügen umringt gewesen war , und manches kleine Zwiegespräch hatte ich gepflogen , welches mir und den Leuten , mit denen es gepflogen worden war , zu einiger Erquickung gereichte . Ich ging auch in das Rothmoor . Dort fand ich die Arbeiten noch in einem höheren Maße entwickelt und im Gange , als sie es bei meiner letzten Anwesenheit gewesen waren . Von mehreren Orten hatte man Bestellungen eingesendet , selbst von unserer Stadt , wo das Becken der Einbeere bekannt geworden war und manchen Beifall gefunden hatte , waren Briefe geschickt worden . Fremde kamen zu Zeiten in diese abgelegene Gegend , machten Käufe und hinterließen Aufträge . Ich sah also , daß sich manches hier gebessert habe , betrachtete die Arbeiten , und bestellte auch wieder einige neue , weil ich teils noch Stücke schönen Marmors hatte , aus denen irgend etwas gemacht werden konnte , und weil anderen Teils in dem Garten des Vaters zur Brüstung oder zu anderen Stellen noch Gegenstände fehlten . Die Leute hatten mich recht freundlich und zuvorkommend empfangen , sie zeigten mir , was im Gange war , welche Verbesserungen sie eingeführt hatten , und welche sie noch beabsichtigen . Sie ließen hiebei nicht unerwähnt , daß ich der kleinen Anstalt immer zugetan gewesen sei , und daß ich zu den Verbesserungen manchen Anlaß und manchen Fingerzeig gegeben habe . Ich drückte meine Freude über alles das aus , und versprach , daß ich , wenn ich in die Nähe käme , jederzeit recht gerne einen kurzen Besuch in dem Rothmoor machen würde . Nach diesem unbedeutenden Aufenthalte im Lautertale und im Rothmoor setzte ich meine Reise zu meinen Eltern ohne weitere Verzögerung fort . 3. Die Mitteilung Zu Hause hatten sie mich noch nicht erwartet , weil ich ihnen durch meinen Brief angezeigt hatte , daß ich mit meinem Gastfreunde eine kleine Reise zu einer altertümlichen Kirche machen würde . Auch hatten sie sich vorgestellt , daß ich noch einmal in meinen Aufenthaltsort in das Hochgebirge gehen und mich auf der Rückreise eine Zeit in dem Sternenhofe aufhalten werde . Sie irrten aber ; denn obwohl ich in beiden Orten war , war ich doch nicht lange dort , und es drängte mein Herz , den Meinigen zu eröffnen , wie meine Angelegenheiten stehen . Als ich dieses getan hatte , waren sie bei weitem weniger ergriffen , als ich erwartet hatte . Sie freuten sich , aber sie sagten , sie hätten gewußt , daß es so sein würde , ja sie hätten seit Jahren die jetzige Entwicklung schon geahnt . Im Rosen hause und im Sternenhofe , meinten sie , würde man mich nicht so freundschaftlich und gütig behandelt haben , wenn man mich nicht lieb gehabt , und wenn man nicht selbst das , was sich jetzt ereignet hat , als etwas Angenehmes betrachtet hätte , dessen Spuren man ja doch habe entstehen sehen müssen . So lieb mir diese Ansicht war , weil sie die Gesinnungen meiner Angehörigen gegen mich ausdrückte , so konnte ich doch nicht umhin , zu denken , daß nur die Meinigen die Sache so betrachten , weil sie eben die Meinigen sind , und daß sie mich auch darum des Empfangenen für würdig erachteten . Ich aber wußte es anders , weil ich Natalien und ihre Umgebung kannte und ihren Wert zu ahnen vermachte . Ich konnte das , was mir begegnete , nur als ein Glück ansehen , welches mir ein günstiges Schicksal entgegen geführt hatte , und dessen immer würdiger zu werden ich mich bestreben müsse . Mein Vater sagte , es sei alles gut , die Mutter ließ in wehmütiger und freudiger Stimmung immer wieder die Worte fallen , daß denn so gar nichts für ein so wichtiges Verhältnis vorbereitet sei ; die Schwester sah mich öfter sinnend und betrachtend an . Ich sprach die Bitte aus , daß die Eltern mir nun beistehen müßten , das , was in den gegenwärtigen Verhältnissen zu tun sei , auf das schicklichste zu tun , und ich legte auch den Wunsch dar , daß ich nach des Vaters Ansicht eine größere Reise unternehmen möchte . » Es sind mehrere Dinge nötig « , sagte der Vater . » Zuerst , glaube ich , erwartet man von deinen Eltern eine Annäherung an sie ; denn die Angehörigen der Braut können sich nicht schicklich zuerst den Angehörigen des Bräutigams vorstellen . Außerdem hat mir dein Gastfreund Liebes erwiesen , was ich ihm noch nicht habe vergelten können . Ferner hat dir dein Gastfreund Mitteilungen zu machen , die er für notwendig hält ; und endlich solltest du wirklich , wie du auch selber wünschest , eine größere Reise machen , um wenigstens im allgemeinen Menschen und Welt näher kennen zu lernen . Was deine Gegenleute tun werden , ist ihre Sache , und wir müssen es erwarten . Unsere Angelegenheit ist jetzt , das , was uns obliegt , auf solche Weise zu tun , daß wir uns weder vordrängen , noch daß etwas geschehe , was wie geringere Achtung dessen aussähe , was uns durch diese Verbindung geboten wird . Ich glaube , die natürlichste Ordnung wäre folgende . Du mußt zuerst die Mitteilungen deines Freundes anhören , weil sie dir zuerst ohne Bedingung angetragen worden sind . Dann werde ich mit deiner Mutter eine Reise zur Mutter deiner Braut machen und bei dieser Gelegenheit deinen Gastfreund besuchen . Endlich magst du den Vorschlag tun , daß du eine Reise zu höherer Ausbildung zu unternehmen wünschest . Weil aber dein Gastfreund selber gesagt hat , daß du , ehe er dir seine Mitteilungen macht , zu größerer Ruhe kommen sollst , und weil es andererseits unziemend wäre , zu sehr zu drängen , so kannst du nicht jetzt sogleich zu ihm gehen und ihn um seine Eröffnungen bitten , sondern du mußt eine Zeit verfließen lassen und ihn später , vielleicht im Winter , besuchen . Dadurch sieht er auch , daß du einerseits nicht zudringlich bist , und daß du andererseits , da du in ungewohnter Jahreszeit zu ihm kömmst , doch die Sehnsucht zu erkennen gibst , deine Sache zu fördern . Und damit du gewisser zu der erforderlichen Ruhe gelangest , schlage ich dir vor , mich auf einer kleinen Reise in meine Geburtsgegend zu begleiten , die wir in Kürze antreten können . Wenn du dann im Winter zu deinem Gastfreunde kömmst , so kannst du ihm unsere Grüße bringen und ihm sagen , daß wir mit Beginn der schöneren Jahreszeit kommen und für dich um die Hand der Tochter seiner Freundin werben werden . « Alle waren mit diesem Vorschlage vollkommen einverstanden . Besonders freute sich die Mutter , als sie hörte , daß der Vater von freien Stücken auf einen Reiseplan gekommen sei , dessen Richtung sie gar nicht erraten hätte . » Ich muß mich ja üben , « erwiderte er , » wenn ich im Frühlinge eine Reise in das Oberland bis in die Nähe der Gebirge antreten soll , die uns auch in den Rosenhof bringt und weiß Gott wie weit noch führen kann ; denn wenn Leute , die immer zu Hause sind , einmal von der Wanderungslust ergriffen werden , dann können sie auch ihres Reisens kein Ende finden , und besuchen Gegend um Gegend . « Ich aber sagte hierauf : » Weil Klotilde nie die Gebirge gesehen hat , weil sie in dieser ganzen Angelegenheit am weitesten zurückgesetzt ist , weil ich ihr immer versprochen habe , sie in die Berge zu führen , und weil die Erfüllung dieses Versprechens durch meine größere Reise wieder hinaus geschoben werden könnte : so mache ich ihr den Vorschlag , mit mir , wenn ich mit dem Vater von unserer kleinen Reise zurückgekommen bin , einen Teil des Herbstes in dem Hochgebirge zuzubringen . Die Tage des Herbstes , selbst die des Spätherbstes , sind in den Gebirgen meistens sehr schön , und wir können in den klaren Lüften weiter herum sehen , als es oft in dem schwülen und gewitterreichen Dunstkreise der Monate Juni oder Juli möglich ist . « Klotilde nahm diesen Vorschlag mit Freude an , und ich versprach ihr , in den Tagen , die noch bis zu meiner Abreise mit dem Vater verfließen werden , alles anzugeben , was sie an Kleidern und sonstigen Dingen zu der Gebirgsreise bedürfe , welche Gegenstände sie dann während meiner Abreise vorrichten lassen könne . » Wenn ich zu den Mitteilungen meines Freundes an Ruhe gewinnen muß , « setzte ich hinzu , » so könnten diese Reisen das beste Mittel dazu abgeben . « Der Vater und die Mutter waren mit meinem Vorschlage sehr zufrieden . Die Mutter sagte nur , sie werde an den Vorbereitungen Klotildens mitarbeiten , und besonders darauf sehen , daß alles vorhanden sei , was zu dem Schutze der Gesundheit gehöre . Ich erwiderte , daß das sehr gut sei , und daß ich auch bei der Reise selber alle Maßregeln ergreifen werde , daß Klotildens Gesundheit keinen Schaden leide . Wir fingen wirklich am andern Tage an , die Dinge zu bereden , welche Klotilde zur Reise brauche . Sie ging rüstig an die Anschaffung . Ich entwarf ein Verzeichnis der Notwendigkeiten , welches ich nach und nach ergänzte . Als einige Zeit verflossen war , glaubte ich es so vervollständigt zu haben , daß nun nicht leicht mehr etwas Wesentliches vergessen werden konnte . Indessen rückte auch der Tag heran , an welchem ich mit dem Vater abreisen sollte . Am frühen Morgen desselben setzten wir uns in den leichten Reisewagen , dessen sich der Vater immer bedient hatte , wenn er größere Entfernungen zurücklegen mußte . Jetzt war er lange nicht mehr aus dem Wagenbehältnis gekommen . Auf Anordnung der Mutter wurde er einige Tage vorher von Sachkundigen genau untersucht , ob er nicht heimliche Gebrechen habe , welche uns in Schaden bringen könnten . Als dies einstimmig verneint worden war , gab sie sich zufrieden . Wir hatten Postpferde , wechselten dieselben an gehörigen Orten , und hielten uns in ihnen so lange auf , als es uns beliebte . Gegen jeden Abend ließ der Vater noch bei Tageslicht halten , es wurde das Nachtlager bestellt , und wir machten vor dem Abendessen einen Spaziergang . In diesen Tagen , an denen ich mehr Stunden hintereinander ununterbrochen mit dem Vater zubrachte , als dies je vorher der Fall gewesen war , sprach ich auch mehr mit ihm als je zu einer anderen Zeit . Wir sprachen von Kunstdingen : er erzählte mir von seinen Bildern , sagte mir manches über ihre Erwerbung , was ich noch nicht wußte , und verbreitete sich in guter Rede über ihren Kunstwert , er kam auf seine Steine und erklärte mir manches ; wir ergingen uns in Büchern , die uns beiden geläufig waren , setzten ihren Wert , wenn er dichterisch oder wissenschaftlich war , auseinander und erinnerten uns gegenseitig an Teile des Inhaltes ; wir sprachen auch von Zeitereignissen und von der Lage unseres Staates . Er erzählte mir endlich von seinem kaufmännischen Geschäfte und machte mich mit dessen Grundlagen und Stellungen bekannt . Er zeigte mir Teile der Gegend , durch die wir fuhren , und unterrichtete mich von dem Schicksale mancher Familie , die in diesem oder jenem Abschnitte der Landschaft wohnten . Unter diesen Verhältnissen kamen wir am vierten Tage an dem Orte unserer Bestimmung an . Die Gegend war mir völlig unbekannt , weil mich meine Wanderungen nie hieher getragen hatten . Am Saume des Waldes , der den Norden unseres Landes begrenzt , ging ein Tal hin , das einst Wald gewesen war , und das jetzt zerstreute Häuser , einzelne Felder , Wiesen , Felsen , Schluchten und rinnende Wasser in seinem Bereiche hegte . Eines der Häuser , halb aus Holz gezimmert und halb gemauert , war das Geburtshaus meines Vaters . Es stand am Rande eines Wäldschens , das von dem großen Walde herstammte , der einst diese ganzen Gegenden bedeckt hatte . Es war gegen West durch eine Gruppe sehr großer und dicht stehender Buchen gedeckt , daß ihm die Winde von dorther wenig anhaben konnten , hatte gegen Ost den Schutz eines Felsens , im Norden den des großen Waldbandes , und schaute gegen Süden auf seine nicht unbeträchtlichen Wiesen und Felder , deren Ergiebigkeit im Getreide gering , in Futterkräutern außerordentlich war , weshalb der größere Reichtum auch in Herden bestand . Wir fuhren in das Gasthaus des Tales , ließen unsere Reisedinge abpacken , bestellten uns auf einige Tage Wohnung , und besuchten dann die sehr entfernten Verwandten , welche jetzt des Vaters Stammhaus bewohnten . Es war gegen Mittag . Sie nahmen uns , da wir uns entdeckt hatten , sehr freundlich auf und verlangten , daß wir unser Gepäcke holen lassen und bei ihnen wohnen sollten . Nur auf die dringenden Vorstellungen des Vaters , daß wir ihnen die Bequemlichkeit nähmen und selber keine gewännen , gaben sie nach , und verlangten nur noch , daß wir zum bevorstehenden Mittagessen bei ihnen bleiben sollten , was wir annahmen . Da wir nun in der großen Wohnstube saßen , zeigte mir der Vater den geräumigen Ahorntisch , bei dem er und seine Geschwister ihre Nahrung eingenommen hatten . Der Tisch war alt geworden , aber der Vater sagte , daß er noch in derselben Ecke stehe , von den zwei Fenstern beglänzt und von der hereinscheinenden Sonne beleuchtet wie einst . Er zeigte mir seine gewesene , neben der Stube befindliche Schlafkammer . Dann gingen wir hinaus , er wies mir die Treppe , die auf den hölzernen Gang führte , welcher rings um den Hof lief , und den Quell , der sich noch immer mit hellem Wasser in den Granittrog ergoß , welchen schon sein Urgroßvater hatte hauen lassen , er wies mir den Stall , die Scheune und hinter ihr den Waldweg , auf dem er , noch ein halbes Kind , mit einem Stabe in der Hand die Heimat verlassen habe , um in der Fremde sein Glück zu suchen . Wir gingen sogar in das Freie und dort herum . Der Vater blieb häufig stehen , und erinnerte sich noch der Fruchtgattungen , welche auf verschiedenen Stellen gestanden waren , als er mit einem Täfelchen , darauf sich rote und schwarze Buchstaben befanden , in das eine Viertelstunde entlegene hölzerne Haus ging , das an der Straße stand , von Buchen umgeben war und die Schule für alle Kinder des Tales vorstellte . Er sagte , es sei alles noch wie zur Zeit seiner Kindheit , die nämlichen Begrenzungen , die nämlichen kleinen Feldwege und dieselben Wassergräben und Quellrinnsale . Er sagte , es sei ihm , als ständen sogar dieselben Arnikablumen auf der Wiese , die er als Knabe angeschaut habe , und da er mich zu dem Steinbühl geführt hatte , der am Rande der Felder lag , so ragten die Himbeerzweige empor , rankten sich die dornenreichen Brombeerreben um die Steine und wucherten die Erdbeerblätter , gerade wie die , von denen er als Knabe gepflückt hatte . Vom Steinbühl gingen wir zu dem einfachen Essen , das wir mit unsern Verwandten verzehrten . Nach demselben besuchten wir mit dem jetzigen Eigentümer alle Besitzungen . Der Vater sagte , dort habe sein Vater gepflügt , geeggt , gegraben , hier habe seine Mutter mit der Schwester , der Magd und den Tagelöhnern Heu gemacht , dort seien die Kühe und Ziegen gegen den Wald hinan gegangen , wie sie jetzt gehen , und die Seinigen haben ausgesehen , wie die Leute jetzt aussehen . Als wir zurückgekehrt waren , verabschiedeten wir uns , der Vater dankte für die Bewirtung und sagte , daß er gegen den Abend noch einmal in das Haus kommen werde . Da wir uns in dem Zimmer unseres Gasthofes befanden , öffnete der Vater seinen Koffer und nahm allerlei Dinge aus demselben hervor , welche zu Geschenken für die Bewohner des Hauses bestimmt waren , in dem wir gespeist hatten . Ich war von ihm nie in die Kenntnis gesetzt worden , welche Bewohner wir in seinem Vaterhause treffen würden , er mußte sie wohl auch selber nicht genau gekannt haben . Ich war also nicht mit Geschenken versehen . Der Vater hatte aber auch für diesen Fall gesorgt , er gab mir mehrere Dinge , besonders Stoffe , kleine Schmucksachen und ähnliches , um es bei unserem Abendbesuche in dem Hause auszuteilen . Er hatte nicht gleich bei seiner Ankunft die Geschenke mitnehmen wollen , weil er es , obwohl die Leute nur die gewöhnlichen Talbewohner dieser Gegend waren , für unschicklich hielt , mit Gaben belastet das Haus zu betreten und ihnen gleichsam sagen zu wollen : Ich glaube , daß ihr das für das Wichtigste haltet . Jetzt aber war er ihnen etwas schuldig geworden und konnte den Dank für die gute Aufnahme abstatten . Als wir die Geschenke in dem Hause verteilt und dafür die Freude und den Dank der Empfänger geerntet hatten , die in zwei Eheleuten mittlerer Jahre , in deren zwei Söhnen , einer Tochter und in einer alten Großmutter bestanden - den Knecht und die zwei Mägde nicht gerechnet - , war es mittlerweile Nacht geworden , und wir kehrten wieder in unsere Herberge zurück . Wir blieben noch vier Tage in der Gegend . Der Vater besuchte in meiner Begleitung viele Stellen , die ihm einst lieb gewesen waren , einen kleinen See , einen Felsblock , von dem eine schöne Aussicht war , eine Gartenanlage in einem nicht sehr entfernten schloßähnlichen Gebäude , die hölzerne Schule , und vor allen die eine und eine halbe Wegestunde entfernte Kirche , welche das Gotteshaus des Tales war , und um welche der Kirchhof bog , in welchem sein Vater und seine Mutter ruhten . Eine weiße Marmortafel , die er und sein Bruder hatten setzen lassen , ehrte ihr Angedenken . Sonst ging der Vater auch fast in allen Zeiten des Tages auf den Wegen der Felder und des Waldes herum . Am fünften Tage traten wir die Rückreise zu den Unsrigen an . Wir waren am frühen Morgen noch zu unsern Verwandten gegangen . Sie waren , wie es bei Landleuten in solchen Fällen gebräuchlich ist , schöner angekleidet als sonst und erwarteten uns . Wir nahmen in herzlicher Weise Abschied . Ich versprach , da ich ohnehin das Wandern gewohnt sei und viele Gegenden besuche , auch hieher wieder zu kommen und noch öfter in dem kleinen Hause vorzusprechen . Der Vater sagte , es könne sein , daß er wieder komme , oder auch nicht , wie es sich eben beim Alter füge . Man müsse erwarten , was Gott gewähre . Die Leute begleiteten uns in das Gasthaus , und blieben da , bis wir den Wagen bestiegen hatten . Aus den Worten ihres Abschiedes und ihrer Danksagungen erkannte ich , daß der Vater ihnen auch eine Summe Geldes gegeben haben müsse . Sie sahen uns sehr lange nach . Im Fortfahren war der Vater anfangs ernst und wortkarg , es mochte ihm das Herz schwer gewesen sein . Später entwickelte sich bei uns wieder ein Verkehr der Rede , wie er auf der Herreise gewesen war . Am Abende des dritten Tages nach unserer Abfahrt waren wir wieder in dem Hause in der Vaterstadt . Die Mutter war sehr erfreut , daß der Aufenthalt von eilf Tagen in der freien Luft für den Vater von so wohltätigen Folgen gewesen sei . Seine Wangen haben sich nicht nur schön rot gefärbt , sie seien auch voller geworden , und das Auge sei weit klarer , als wenn es immer auf das Papier seiner Schreibstube geblickt hätte . » Das ist nur die Wirkung des Anfangs und eine Folge des Reizes des Wechsels auf die körperlichen Gebilde , « sagte der Vater , » im Verlaufe der Zeit gewöhnt sich Blut , Muskel und Nerv an die freie Luft und Bewegung , und das erste rötet sich nicht mehr so , und die letzten schwellen . Allerdings aber wirkt viel Aufenthalt in freier Luft und gehörige Bewegung , in welche sich keine Sorgen mischen , weit günstiger auf die Gesundheit , als ein stetiges Sitzen in Stuben und ein Hingeben an Gedanken für die Zukunft . Wir werden schon einmal , und wer weiß wie nahe die Zeit ist , auch dieses Glück genießen und uns recht darüber freuen . « » Wir werden uns treuen , wenn du es genießest , « erwiderte die Mutter , » du entbehrst es am meisten , und dir ist es am nötigsten . Wir andern können in unsern Garten und in die Umgebung der Stadt gehen , du suchst immer die düstere Stube . Weil du es aber schon so oft gesagt hast , so wird es doch einmal wahr werden . « » Es wird wahr werden , Mutter , « antwortete der Vater , » es wird wahr werden . « Sie wendete sich an uns , wir sollen bestättigen , daß der Vater nie so gesund und so heiter ausgesehen habe als nach dieser kurzen Reise . Wir gaben es zu . Nun mußte aber auch noch auf eine andere Reise gedacht werden , weil heuer einmal der Sommer der Reisen war , und wir mußten dieselbe ins Werk setzen , meine und Klotildens Fahrt ins Gebirge . Der Herbst war schon da , wie ich an den Buchenblättern um das Geburthaus meines Vaters hatte wahrnehmen können , die bereits im Begriffe waren , die rote Farbe vor ihrem Abfallen zu gewinnen . Es war keine Zeit mehr zu verlieren . Für Klotilden waren die Vorbereitungen fertig , ich brauchte keine , weil ich immer in Bereitschaft war , und so konnten wir ungesäumt unsere verabredete Fahrt beginnen . Die Mutter legte mir das Wohl der Schwester sehr an das Herz , der Vater sagte , wir sollen die Muße nach unserer besten Einsicht genießen , und so fuhren wir bei dem Aufgange einer klaren Herbstsonne aus dem Tore unseres Hauses . Ich wollte die Schwester , welche ihre erste größere Reise machte , nicht der Berührung mit andern Menschen in einem gemeinschaftlichen Wagen aussetzen , da man deren Wesen und Benehmen nicht voraus wissen konnte ; deshalb zog ich es vor , mit Postpferden so lange zu fahren , als es mir gut erscheinen würde , und dann die Art unsers Weiterkommens im Gebirge je nach der Sachlage zu bestimmen . Es hatte diese Art zu reisen noch den Vorteil , daß ich anhalten konnte , wo ich wollte , und daß ich der Schwester manches erklären durfte , ohne dabei auf jemand Rücksicht nehmen zu müssen , der als Zeuge gegenwärtig wäre . Auch konnten wir uns in unseren geschwisterlichen Gesprächen über unsere Angehörigen , unser Haus und andere Dinge nach der freien Stimmung unserer Seele bewegen . Auf diese Art fuhren wir zwei Tage . Ich gönnte ihr öfter Ruhe , da sie ein fortwährendes Fahren nicht gewohnt war , und endete immer noch lange vor Abend unsere Tagreise . Wir sahen die Berge schon immer in der Nähe von einigen Meilen mit unserem Wege gleich laufen ; aber ihre Teile waren hier weniger wichtig . Es war mir äußerst lieblich , die Gestalt der Schwester neben mir in dem Wagen zu wissen , ihr schönes Angesicht zu sehen und ihren Atem zu empfinden . Ihre schwesterliche Rede und die frische Weise , alles , was ihr neu war , in die vollkommen klare Seele aufzunehmen , war mir unaussprechlich wohltätig . Am Vormittage des dritten Tages ließ ich sie ruhen . Für den Nachmittag mietete ich einen Wagen , und wir fahren von der Poststraße weg gerade dem Gebirge zu . Unsere Fahrt war von angenehmer und heiterer Stimmung begleitet , und wir ergingen uns in mannigfaltigen Gesprächen . Als die blauen Berge in der klaren Luft , die einen milchig grünlichen Schimmer hatte , uns entgegen traten , leuchtete ihr Auge immer freundlicher , und ihre Mienen waren teilnehmend der Gegend , in die wir fuhren , zugekehrt . Gleich wie bei dem Vater röteten sich nach dieser dreitägigen Reise auch ihre zarten Wangen , und ihre Augen wurden glänzender . So kamen wir endlich an dem Orte an , den ich für unsere Nachtruhe bestimmt hatte . An demselben rauschte die grüne Afel mit ihren Gebirgswässern vorüber , welches Rauschen durch ein schief über das Flußbett gezogenes Wehr noch vermehrt wurde . Waldhänge in langen Rücken begannen schon sich zu erheben , und oberhalb des dunkeln Randes eines bedeutend hohen Buchenwaldes blickte bereits das rote Haupt eines im Abende glühenden Berges herein , auf welchem schon einzelne Strecken von Schnee lagen . Des andern Tages mietete ich ein Gebirgswägelchen , wie sie zum Fortkommen auf Wegen , die nicht Poststraßen sind , in den Gebirgen am besten dienen , und deren Pferde an die Gegenstände des Gebirges und an die Beschaffenheit seiner Wege gewöhnt und daher am zuverlässigsten sind . Wir brachten unsere Sachen in demselben , so gut es ging , unter , und fuhren der glänzenden Afel entgegen , immer tiefer in die Berge hinein . Ich nannte jeden Namen eines vorzüglichen Berges , machte auf die Bildungen aufmerksam , und suchte die Farben , die Lichter und die Schatten zu erörtern . Überall begannen schon die Laubwälder die rötliche und gelbliche Färbung anzunehmen , was den Hauch über all den Gestaltungen noch lieblicher machte . Da ich in eine gewisse Tiefe des Gebirges gekommen war , änderte ich die Richtung und fuhr nun nach der Länge desselben hin . Als zwei Tage vergangen waren und der dritte auch schon dem Nachmittag zuneigte , blickte uns aus der Tiefe des Tales das Gewässer des Lautersees entgegen . Wir kamen um den Rücken eines breiten Waldberges herum , und die Glanzstellen entwickelten sich immer mehr . Endlich lag der größte Teil des Spiegels unter dem Gezweige der Tannen , der Buchen und der Ahorne zu unsern Füßen . Wir sanken mit unserem Wäglein auf dem schmalen Wege immer tiefer und tiefer , bis wir nach etwa zwei Stunden an dem Ufer des Sees anlangten und die Steinchen in seinen seichten Buchten hätten zählen können . Wir fuhren an dem Ufer dahin , umfuhren eine kleine Strecke des Sees , und kamen in dem Seewirtshause an . Dort lohnte ich unsern Fuhrmann ab und mietete uns für mehrere Tage ein . Klotilde mußte dasselbe Zimmer bekommen , welches ich während der Zeiten meiner Vermessungen des Lautersees innegehabt hatte . Ich begnügte mich mit einem kleineren Stübchen in ihrer Nähe . Man staunte das schöne und , wie man sich ausdrückte , vornehme Mädchen an , und ich gewann sichtbar an Ansehen , da ich eine solche Schwester hatte . Alle , die ein Ruder fahren konnten , oder die geübt waren , Steigeisen anzulegen und einen Alpenstock zu gebrauchen , kamen herzu und boten ihre Dienste an . Ich sagte , daß ich sie rufen werde , wenn wir sie bedürfen , und daß wir uns dann ihrer Gesellschaft sehr erfreuen würden . Zuerst machte ich Klotilden ein wenig in ihrem Zimmerchen wohnhaft . Ich zeigte ihr bedeutsame Stellen , die sie aus ihren Fenstern sehen konnte , und nannte ihr dieselben . Ich zeigte ihr , wie ich in verschiedenen Richtungen auf dem See gefahren war , um seine Tiefe zu messen , und wie wir uns bald auf dieser , bald auf jener Stelle des Wassers festsetzen mußten . Sie richtete sich Farben und Zeichnungsgeräte zurecht , um zu versuchen , ob sie nicht auch nach der unmittelbaren Anschauung von den Räumen ihres Zimmerchens aus etwas von den Gestaltungen , die sie hier sehen konnte , auf das Papier zu übertragen vermöchte . Die folgenden Tage brachten