sein , wenn sie sich im Strahl Deiner Nähe sonnen kann . Du bist der Herr , Du befiehlst und unser Wille ist Nichts ! « » Ne apalum , was kann ich thun ? « sagte der Sultan . » Ich bin von Verräthern umgeben , die mich in diesen Krieg stürzen . Ich habe so Vieles anhören müssen , daß mein Kopf wirr ist . Wie befindet sich die Fatimé Sultana , meine Schwester ? « » Die Küsten Asiens erscheinen ihr schwarz , seit sie die Zenanah des Großherrn nicht mehr betreten darf . « » Desto öfter hab ' ich den Teufel von Adilé dort , « murrte der Sultan ; » ich bin nicht Herr mehr in meinen eigenen Gemächern und diese Weiber lachen in meinen Bart. Sei willkommen , Wessir , Du bist einer der Getreuen meiner Mutter und kennst mein Herz . Nehmt Platz an meiner Seite , ich gestatte es Euch . Wer ist der Franke ? « » Schatten Gottes , « sagte der alte Wessir , indem er mit seinem Begleiter Kissen vom Divan nahm , sie unsern des Sultans auf den Boden legte und darauf niederhockte , » erinnere Dich , daß Du mir erlaubt hast , ihn vor Dein Antlitz zu bringen . Es ist ein treuer Mann und ein Vornehmer in den Ländern der Franken . Er sehnte sich , Deinen Schatten zu küssen , und ich wollte , wir hätten vor acht Monden sein Anerbieten angenommen , das er vom Czar der Russen brachte . « Der Sultan rieb sich verlegen die Stirn . » Was meinst Du , Vater ? « » Erinnere sich Deine Majestät , « sagte Halil , » daß es die Flotte von jener Festung Sebastopol war und hunderttausend Mann guter Truppen , die uns der Czar zu Hilfe senden wollte , um die Dardanellen zu sperren . « » Ich bin wie ein Ball zwischen zwei Händen , « sagte der Sultan finster . » Ist der Padischah bosch , Nichts , daß er das Erbe seiner Familie nicht mehr selbst vertheidigen kann ? Diese Franken machen uns zu Weibern , und sie haben gezittert vor dem Hauch meiner Väter ! « Die beiden Pascha ' s schwiegen verlegen , - sie wußten , wie recht der arme Sultan hatte . » Lasset den Franken näher treten . « Auf einen Wink Chosrew ' s näherte sich der Baron mit ehrfurchtsvollen Verbeugungen . Der gewandte Abenteurer und Unterhändler war ein Mann von stattlicher Persönlichkeit und äußerst gewandtem Benehmen , was ihm überall einen guten Empfang sicherte . Obschon der türkischen Sprache ziemlich mächtig , redete er doch den Großherrn in französischer an , die der Sultan jedoch nur sehr mittelmäßig spricht . » Möge Euer Majestät geruhen , meine Huldigung und meinen Dank anzunehmen für die Erlaubniß , das Antlitz des Großherrn zu sehen . Möge Euer Majestät auch nachträglich meinen Dank empfangen für die Gnade , daß Sie aus der Hand eines Franken durch die Vermittelung meines Freundes Ali-Pascha ein demüthiges Geschenk seiner Ergebenheit nicht verschmähten . « Der Sultan sah den in ehrerbietiger Haltung vor ihm Stehenden überrascht an . » Sie sind willkommen , Herr , « sagte er freundlich , » aber ich verstehe Sie nicht ganz . « » Euer Majestät wollen verzeihen , wenn ich sage , daß ich es war , welcher die Ehre hatte , eine Sclavin durch den Pascha von Brussa Eurer Majestät als Dienerin vor etwa Jahresfrist zu übersenden . « Das Auge des Sultans funkelte . » Wen meinen Sie , Herr ? ihr Name ? « » Mariam , eine Mingrelierin . « Der Schlag war geradezu geführt ; die Hand des Sultans zuckte unwillkürlich nach dem Herzen , dann ließ er sie kraftlos sinken und erwiederte traurig : » Ich danke Ihnen , mein Herr , für das Geschenk - die arme Mariam liegt noch immer schwer danieder an einer ansteckenden Krankheit . « » Mariam ist todt , « sagte ernst der Baron . Der Großherr beugte sein Haupt . » Inshallah ! Wie Gott will ! So ist sie also dennoch gestorben an den schwarzen Blattern . Es thut meinem Herzen weh , diese Kunde von Ihnen zu bekommen , wo Sie dieselbe auch her wissen mögen . « Er wandte das Gesicht nach Mekka und begann ein leises Gebet zu murmeln . » Verzeihen Euer Majestät , daß ich Ihre Andacht unterbreche , aber Mariam die Mingrelierin ist nicht an den Blattern gestorben , denn sie hat die Krankheit nie gehabt . « Der Sultan sah ihn groß und fragend an . » Mariam , « fuhr ruhig und langsam der Baron fort , » ist in der Nacht zum 10. November im Serail zu Stambul grausam durch die Martern der Folter ermordet worden . Ihr letztes Wort war der Name Eurer Majestät . « Der Beherrscher der Moslems fuhr mit einem Sprunge gleich dem verwundeten Löwen in die Höhe . Er vergaß aller Etikette des türkischen Hofes so weit , daß er , - der nur von den höchsten und vertrautesten Dienern des Harems angerührt werden darf , - mit beiden Händen den Arm des Fremden erfaßte . » Dschaur ! bei dem Propheten , Du lügst ! « Der Wessir und Halil waren ruhig sitzen geblieben , - Beide waren auf die Scene vorbereitet . » Möge die Zuflucht der Welt ihrem Sclaven das Wort gestatten , « sagte der Schwager des Großherrn ; » der Dschaur ist ein vornehmer Mann in seinem Lande und sein Mund redet keinen Koth , sondern die Wahrheit . « Der unglückliche betrogene Großherr sank auf die Kissen zurück und bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen . » Wer ? wer ? « stammelte er kaum hörbar . » Die Bujuk-Sultana3 und meine Schwägerin , Adilé Sultana , « sagte Halil-Pascha , » haben der That beigewohnt . Sie ließen die Odaliske martern , um für ihre Freunde , die Inglis und Franzosen , Geheimnisse des Großherrn zu erpressen . Unser guter Freund Fuad Effendi , den der Ministerrath vor acht Tagen als Bevollmächtigten zum Sirdar , seinem Genossen , an die Donau geschickt hat , leitete die Marter . Ich habe gesprochen - auf mein Haupt komme es . « Abdul Meschid schaute wild - mit funkelnden Augen umher , und sie fielen auf den greifen Chosrew . » Du bist der Todfeind Fuad ' s und der Sultana , « sagte er hastig zu Halil , » ich kann Dir nicht glauben ! Rede Du , Chosrew , der Lehrer und Schützer meiner Jugend ! « » Halil und der Dschaur reden die Wahrheit . Das Weib Deines Herzens ist gemordet worden , aber sie hat standhaft geschwiegen und sich der Zuneigung des Großherrn würdig gezeigt . « Der Sultan erhob sich ; seine Augen flammten , wie einst die seines Erzeugers , das bleiche Gesicht röthete sich dunkel . » Beim Barte Mahmud ' s , meines großen Vaters , ich will nicht umsonst Hunkiar der Bluttrinker heißen , denn sie soll gerächt werden an meinem eigenen Blut ! Hinaus , Knabe , und rufe den Aga . « Der greise Wessir war aufgesprungen und hatte sich dem wüthenden Herrn in den Weg geworfen . » Halt ein , Padischah ! Um des Propheten willen , bedenke , was Du thust und höre den Rath Deiner Freunde ! « Der Großherr faßte die Hände der Beiden . » Ich weiß es , Ihr seid dem Sohne Mahmud ' s treu und ich darf auf Euch zählen . Sie sollen sterben , sterben alle Drei , die diese That an meinem Herzen vollbracht haben , das sie liebte . Ein Mal hab ' ich es bezwungen , als die Hand meines Vaters grausam auf mir lag ; jetzt bin ich der Herr und wehe den Schuldigen ! « Er war außer sich , und selbst der intriguenvolle , nur seinen Interessen folgende Abenteurer sah mit aufrichtigem Bedauern auf den jungen Monarchen , der , der Herr von Millionen , der Herrscher in drei Welttheilen , mit all ' seiner Macht nicht vermocht hatte , ein schwaches Weib zu schützen , das er liebte . Der Aga war in das Gemach getreten und stand harrend am Eingang , während der Greis und Halil-Pascha den Sultan zum Divan zurückführten und ihn auf die Kissen nöthigten . Auf den Wink Halil ' s war Théifur-Aga , der Chef der schwarzen Eunuchen , näher gekommen . Die Verbündeten wußten , daß er ein bitterer Feind und Neider des Kislar-Aga war und zu ihrer Partei gehörte . » Höre mich an , o Schatten Gottes , « sagte der greise Staatsmann . » Wir Alle fühlen , daß Deiner Macht und Deiner Seele ein Wehe geschehen , aber was gethan ist , ist gethan und läßt sich nicht ändern . Unsere Feinde sind mächtig und wir müssen mit ihnen kämpfen mit der Klugheit der Schlange , denn diese Franken haben die Ueberhand . « » Aber der Padischah ist der Herr , « warf Halil giftig ein . » Soll er sich in den Bart lachen lassen von seinen Knechten ? « » Hört mich wohl an , « sagte bedächtig der Greis , » und laßt mein Wort nicht in den Wind fallen . Die Partei des Seraskiers im Ministerrath ist stark und wir müssen sie schwächen , ehe wir den Streich auf das Haupt aller unserer Feinde können fallen lassen . Der Scheik ul Islam hat sich für den Krieg erklärt und die Hälfte der Diener des Palastes hängen Mehemed Ali an , und leicht würde er das Volk zu den Waffen rufen können . Aber das Volk ist jetzt auch erbittert aus Mahmud , den Kapudan Pascha , seinen Schützling , und sagt , daß die Vernichtung unserer Flotte seine Schuld sei . Ihn kann der Großherr ohne Gefahr entfernen . « » Er falle ! « sagte der Sultan . » Wer soll an seine Stelle kommen ? « » Möge die Sonne Deiner Gnade Riza Pascha bescheinen . « » So sei es . Fertigt den Ferman aus , daß ich unterzeichne . « Der schlaue Chosrew zog ein Papier aus seinem Busen , das bereits die Entlassung des Großadmirals enthielt und in das nur noch der Name seines Nachfolgers eingezeichnet zu werden brauchte . Er nahm das Schreibzeug von seinem Gürtel und der Sultan unterzeichnete hastig seinen Namenszug . » Es ist nicht möglich , die künftige Sultana Valide zu strafen oder eine Tochter aus Mahmud ' s Blut um einer mingrelischen Sclavin willen . Es würde einen Aufstand im Palast erregen . Der Kislar-Aga ist ihr geheimer Freund , aber wenn Théifur-Aga an seine Stelle kommt , wird er die Weiber im Zaume halten und kann die Sultana nach dem Burnu-Seraï führen und Deiner Schwester den Eintritt in den Harem weigern . Er wird das Paradies des Großherrn von ihren Geschöpfen säubern . « Das breite Gesicht des Mohren glänzte vor freudiger Erwartung , denn der Posten des Kislar-Aga steht dem Range nach zunächst am Großvezir und ist durch seine Stellung einer der einflußreichsten . Der Sultan bedachte sich einige Augenblicke , dann zog er rasch den Siegelring vom Finger und reichte ihn dem Eunuchen . » Du bist der Kislar-Aga und mögest treuer als Dein Vorgänger meine Befehle erfüllen . « Der Schwarze warf sich aus den Boden und berührte drei Mal mit der Stirn die Erde . Dann erhob er sich freudestrahlend und blickte auf Chosrew . » Wenn es dem Padischah gefällt , « sagte dieser , » so möge die Veränderung im Palast bis morgen früh verborgen bleiben und erst zur Stunde der Divansitzung laut werden , damit wir unsere Feinde auch auf allen Seiten überraschen . Die Artillerie , welche die Brennibors4 gebildet haben , ist treu und möge die Wachen beziehen . Sie liebt weder den Seraskier , noch Mehemed Ruschdi , den Commandeur der Garden . « Der Sultan schüttelte das Haupt , - in der Türkei das Zeichen der Bejahung . » Es ist nothwendig , daß wir im Ministerrath mindestens eine gleiche Stimmenzahl auf unserer Seite haben , « fuhr der Greis fort . » Wenn der Schatten Gottes die Verbannung aufheben und den Gatten seiner Schwester wieder in den Rath berufen will als Beistand , würde unsere Stärke wachsen . « Er reichte dem Sultan einen zweiten , gleichfalls bereit gehaltenen Ferman und Abdul-Medjid unterzeichnete ; Halil küßte den Zipfel seines Rockes . Der Großherr blickte sie jetzt Alle der Reihe nach finster an . » Mashallah , « sagte er mit erzwungener Energie , » ich habe jetzt allen Euren Willen gethan , nun will ich den meinen und Rache für Mariam haben . Die Sclaven sollen sterben , welche die Hände an ihren Leib gelegt haben , und das Weib , das man mir für sie gegeben , beleidige nicht länger meine Augen . « Die Werkzeuge sollten für die Schuld der Hohen büßen , - türkische Gerechtigkeit , die sich oft genug im civilisirten Europa wiederholt . Der alte Chosrew machte das Zeichen der Zustimmung . » Pek äji ! es kann ohne Gefahr geschehen und sie mögen sterben . Wofür ist Théifur-Aga da ? Er möge seine Ohren aufthun und kein Esel sein . Ist es dem Großherrn jetzt genehm , zu hören , was dieser Franke von unseren Freunden , den Russen , zu sagen hat ? « Der Sultan , von der vorhergegangenen Aufregung erschöpft , war auf dem Divan wieder in seine frühere apathische Haltung gesunken ; die Röthe des Schmerzes und Zorns hatte der gewöhnlichen krankhaften Blässe Platz gemacht und er bejahte stumm , indem er dem Knaben winkte , ihm das Rohr des Nargilehs wieder zu reichen , und dem Baron , auf dem Divan Platz zu nehmen . » Euer Majestät , « sagte dieser , » sind in einer schlimmen Lage , indem Sie sich von Ihrem natürlichen Freund und Verbündeten , dem Czaren , abgewandt haben . Ihre Armee ist an der Donau zurückgedrängt und in Asien besiegt ; in Serbien , Montenegro und Griechenland drängt das Volk zur Ergreifung der Waffen gegen das Reich Eurer Majestät . Persien rüstet zum Kriege . Die Flotte ist zur Hälfte vernichtet , die Finanzen des Staates sind so erschöpft , daß ohne eine schwer zu realisirende Anleihe die nöthigsten Bedürfnisse nicht zu bestreiten sind und das Heer zum Theil seit vierzehn Monaten keinen Sold erhalten hat . Die griechische Bevölkerung in Anatolien , Rumelien und auf den Inseln ist zum offenen Aufruhr geneigt , selbst die türkische Einwohnerschaft ist schwierig , man hat den Fanatismus aufgeregt und erhöht auf diese Weise die gegenseitige Feindschaft . « » Inshallah , « sagte der Großherr , » was können wir thun ? wir sind nicht schuld an dem Unheil . « » Euer Majestät möge dem Czaren , Ihrem wahren Freunde , vertrauen . Der Divan und der Ministerrath mögen sich morgen bereit erklären , auf die Friedensverhandlungen einzugehen , welche die vier Mächte vorgeschlagen haben , und man wird den Engländern und Franzosen damit den Vorwand nehmen , sich weiter einzumischen . Was haben sie bis jetzt gethan , als ihre Flotten hierher gesandt , die Constantinopel bedrohen , ohne nur eine Kanone zum Schutz der Türkei gelöst zu haben ? Ich bitte Euer Majestät , zu bedenken , daß wenn die Türkei sich Frankreich und England übergiebt , ihre Selbstständigkeit auf ' s Höchste gefährdet ist ; daß sie französische und englische Schutztruppen kaum je wieder los werden wird , welches auch der Erfolg des Krieges sei ; daß die Kosten eines solchen das Land vollends ruiniren und wahrscheinlich einiger seiner besten Provinzen berauben werden ; denn Oesterreich wird auch seinen Antheil verlangen und England ist schon längst nach Candia , Cypern und Unter-Egypten lüstern . « Er machte eine Pause , - der Sultan - der Beherrscher eines Gebiets von mehr als 30,000 Quadratmeilen - hatte ihm finster zugehört , denn er kannte die Wahrheit dessen , was der Unterhändler ihm aufzählte , und gedachte traurig der Macht seiner Väter , vor denen Europa noch vor 150 Jahren gezittert hatte . Aber mit der , den Orientalen in diplomatischen Verhandlungen eigenthümlichen Schlauheit und Zähigkeit sagte er : » Die Inglis und Franzosen haben von mir noch Nichts gefordert und erklären , mein gutes Recht unterstützen zu wollen . Mein Bruder der Czar aber hat gegen alle Verträge zwei meiner Provinzen genommen und mich gezwungen , den Krieg zu erklären . Es ist nicht das erste Mal , daß ein russisches Heer mein Reich bedroht . « Der Baron war zu gewandt , um den schlagenden Streich nicht zu pariren . » Euer Majestät wollen sich erinnern , « sagte er , » daß der Czar sich durch die Minister der Pforte beleidigt glaubt und die Donau-Fürstenthümer nur als Pfand für die Erfüllung alter Verträge in Besitz genommen hat . Er wird sich nicht weigern , sie bei einem neuen und festen Bündniß sogleich herauszugeben . Euer Majestät werden zugeben , daß Rußland das natürliche und erste Anrecht auf die Bundesgenossenschaft der Türkei hat und daß es in letzter Zeit am Hofe von Stambul durch die englische und französische Partei sehr verdrängt und benachtheiligt worden ist . Euer Majestät wollen ferner sich erinnern , daß der Kaiser Nicolaus sich nie als Eroberer gezeigt und im Frieden von Adrianopel sofort alle Eroberungen herausgegeben , ja die stipulirten Kriegskosten erlassen hat ; « - er warf bei diesen Worten einen scharfen Blick auf Chosrew , dessen großes Vermögen von jener Zeit datirt ; - » daß der Kaiser ferner in dem Kriege gegen Mehemed Ali und Ibrahim Pascha sich als uneigennütziger Verbündeter zeigte , gegen dasselbe Egypten , dessen Horden Euer Majestät jetzt gegen Rußland senden . « Es entstand eine längere Pause . Chosrew , dessen schwache und empfindliche Seite die Erinnerung an Ibrahim Pascha war , der ihn wiederholt besiegt hatte , brachte geschickt das Gespräch in eine andere Phase . » Allah bilir , es ist ein Unglück , daß die Franken ihre Schiffe vor unsere Stadt gelegt haben , sonst könnte Alles gut gemacht werden . Was befiehlt der Padischah ? « Der Großherr blickte ärgerlich auf den alten Intriguanten . » Ich erwarte Rath von meinen Wessiren . « » Wenn es dem Vater aller Herrscher gefällt , « meinte Halil , » so habe ich zahlreiche Freunde im Divan , und einige Beutel werden das Uebrige thun , daß man morgen für die Friedensverhandlungen stimmt . « » Vielleicht hat unser fränkischer Freund einen weiteren Vorschlag , « meinte der greise Großwessir mit einem listigen Augenzwinkern nach dem Baron . » Ich glaube , Euer Majestät die nöthigen Vorschläge machen zu können , sobald Allerhöchstdieselben ernstlich zu einem Schutz- und Trutzbündniß mit Rußland entschlossen sind . Der Kaiser stellt noch immer seine Flotte und eine Armee von hunderttausend Mann zum Schutz der Dardanellen zur Verfügung . « » Aber wie wäre das auszuführen ? « » Durch die Anknüpfung der Friedensverhandlungen würden die Westmächte jedenfalls verhindert werden , Landtruppen nach dem Orient zu senden . Eine Scheindiversion russischer Schiffe auf die anatolische Küste könnte Gelegenheit geben , die verbündeten Flotten in ' s Schwarze Meer zu locken , wo sie sich bei der jetzigen Jahreszeit unmöglich zusammen halten können . Rußland ist bereit , sofort nach dem Abschluß des geheimen Traktats die Fürstenthümer zu räumen , und wird seine Truppen an der Donaumündung und in Odessa concentriren , von wo sie leicht nach Varna oder Burgas gebracht werden können . Wenn nach der Bereitschaftserklärung zu Friedensverhandlungen die Flotten nicht sofort aus dem Bosporus und den Dardanellen entfernt werden , wird Rußland die Forderung stellen , eine Anzahl von Kriegsschiffen gleichfalls hier stationiren zu dürfen . Entweder sind dann die Flotten der Westmächte in dem Schwarzen Meere abgesperrt und in unserer Hand ein Unterpfand , oder die russische Flotte in Verbindung mit der türkischen und egyptischen und den Kastells der Ufer wirb vollkommen genügen , jene im Zaum zu halten oder zu vertreiben . Euer Majestät Truppen und drei russische Armeecorps , die der Czar zur Disposition stellt , werden hinreichen , die Küsten von Rumelien zu sichern . « Der kühne gewaltige Plan , - der so leicht beim Beginn des Kampfes auszuführen gewesen wäre und dem Schicksal Europa ' s eine andere Gestalt gegeben hätte , wenn Kaiser Nicolaus mehr auf die rasche That als auf seinen politischen Einfluß vertraut hätte , - erschreckte den bleichen Großherrn und seine Augen schweiften verlegen und ängstlich aus Chosrew und seinen Schwager . Der Letztere legte beistimmend die Hand auf das Herz , während der greise Diplomat den flehenden Blick seines Herrn und Schülers nicht zu bemerken schien und anscheinend kein Auge von dem Unterhändler verwandte . » Adschaid ! Wunderbar ! « sagte endlich der Sultan . » Ich weiß nicht , was ich thun soll , und bin wie ein Mann zwischen zwei Schwertern . Wenn ich Dir auch Gehör geben wollte , o Franke , - wie würden wir uns ausreden können vor der Macht der Ungläubigen , ehe die Hilfe des Czars in der Nähe ist , um uns vor ihrem Zorne zu sichern ? « Chosrew erhob ruhig das Haupt ; der alte in tausend Schlangenlisten bewanderte Diplomat hatte das Mittel längst vorbedacht . » Wir werden einen Aufruhr in der Stadt erregen , « sagte er gelassen . » Der Rajahpöbel von Stambul wird eine Revolution machen und wir werden sagen können , daß uns die Christen gezwungen haben zu dem Bündniß mit Rußland . « Der Sultan überlegte , - die türkische Geschichte bietet so viele ähnlicher Scenen und Intriguen , daß ihm der Plan keineswegs so unausführbar vorkommen konnte . » Es ist unser Kismet , « sagte er endlich . » Wird Alles bereit sein und werde ich sicher bleiben , oder muß ich mich auf eines meiner Schlösser in Anatolien begeben ? « » Euer Majestät werden ganz sicher sein unter ' m Schutz der Artillerie . Auf mein Haupt komme es . Morgen Mittag ist der Frieden gesichert und am nächsten Tage wird der Padischah den Fuß auf den Nacken seiner Feinde setzen . « » Ich willige ein , « sagte der Großherr und gab ermüdet und abgespannt das Zeichen der Entlassung . Die drei Verbündeten verabschiedeten sich unter den gebotenen Ceremonieen und wurden vom neuen Kislar-Aga wieder bis an die Pforte der Gartenmauer zurückbegleitet . Während Halil und der Baron bereits den Garten verlassen , verweilte der greise Chosrew noch einige Augenblicke bei dem neuen , durch seine Intriguen eingesetzten Würdenträger . » Höre , Freund Théifur-Aga , « sagte er mit einschmeichelnder Freundlichkeit , » Du wirst die griechische Sclavin morgen aus dem Harem entfernen ? « » Der Padischah hat befohlen . Sie mag das Wasser des Bosporus trinken . « » Ein Weib ist sicher ein großes Uebel , « meinte der Pascha ; » aber warum sie tödten , wenn sie noch jung ist ? Der Padischah hat es nicht ausdrücklich bestimmt und ich will Dir einen Ausweg sagen . Bana bak ! Das Mädchen soll schön sein , - gieb sie mir , Deinem Diener , für seinen Harem - sie wird verschwinden für immer . « Der Eunuch schielte ihn von der Seite an . Er wußte sehr gut , daß es um den Harem des geizigen alten Intriguanten sehr jämmerlich bestellt war und er das Mädchen nur aus Habsucht verlangte , um sie mit möglichstem Vortheil zu verkaufen ; aber er wagte nicht , nach dem Dienst , den Jener ihm so eben geleistet , die Bitte abzuschlagen und antwortete daher : » Pek äji , sehr wohl ; Du redest Weisheit . Das Boot mit dem Weibe wirb morgen Abend um die fünfte Stunde5 mit den Stummen des Harems gegenüber der Moschee von Auni-Effendi Deines Boten harren . Er möge drei Mal den Namen Allah ' s nennen und man wird sie ihm übergeben . Behalte mich in Deiner Gunst , o Pascha . « Die Beiden schieden , und während bald darauf das Boot seinen Rückweg nach Stambul nahm und Halil mit dem Franken leise und eifrig über die Vorbereitungen für den nächsten Tag verkehrte , berechnete der alte Geizhals bereits den Gewinn , den er aus dem Verkauf der griechischen Tänzerin zu ziehen gedachte . Die Brathung , welche am Montag , dem 19. , im Divan , im Gebäude der Hohen Pforte , gehalten wurde , war eine überaus stürmische und der Schlag , welcher der Kriegspartei durch die Verkündung der Absetzung Mahmud Pascha ' s , des Großadmirals und die Ernennung Halil ' s - der früher bereits zwei Mal Marine- und Kriegsminister gewesen war , - zum Minister ohne Portefeuille mit Stimme im Conseil , beigebracht wurde , ein ganz unerwarteter . Die alttürkische Partei des Seraskiers und des Scheich ul Islam war damit ihres Uebergewichts beraubt und in ihrem Einfluß hart bedroht . Durch die Bemühungen der Freunde der Großwessirs , Chosrew ' s und Halil ' s , zeigte sich im Divan eine Majorität für die Friedensunterhandlungen . Nur mit Mühe vermochten Mehemed Ali und seine Freunde durchzusetzen , daß der Endbeschluß biß zum nächsten Tage verschoben blieb . Sämtliche Minister sollten dem Rathe beiwohnen . Es lag eine schwüle Stille über der großen Stadt und Jedermann fühlte das Nahen einer bedeutenden Krisis . Die Berathung des Divan hatte an beiden Tagen volle fünf Stunden gedauert und erst am Nachmittag geendet . Eine Audienz , die der Seraskier bei dem Sultan , seinem Schwager , verlangte , wurde abgelehnt unter dem Vorwande eines Unwohlseins . Der Großherr hatte sich in die inneren Gemächer seines Selamlik zurückgezogen . Die Ernennung des neuen Kislar-Aga und die Verweisung des früheren nach Brussa war erst am Nachmittage bekannt geworden und hatte den ganzen Harem in Bestürzung gesetzt . Auf die eilige Botschaft der Sultana war die Schwester des Sultans nach Tschiragan gekommen , aber der Großherr weigerte sich , den Harem zu betreten und sie mußte vor Zorn und Furcht bebend den Palast wieder verlassen und hatte noch den Aerger , dem Kaïk des Großwessirs Mustapha und Halil ' s , ihres Schwagers , zu begegnen und Beide in Tschiragan empfangen zu sehen . Wie der politische Himmel , so begann sich auch der wirkliche zu trüben und schwere Wolkenmassen lagerten am Abend über dem ganzen Horizont . Der Gang unserer Erzählung führt uns an verschiedene Stellen und wir müssen eilen , ihn bei einem Manne wieder aufzunehmen , der seit dem Tage von Sinope die drückende Last schwerer Gefangenschaft getragen hatte , vermehrt durch das Bewußtsein , dem Todfeinde gerade in der Stunde der Rache erlegen zu sein . Gregor Caraiskakis , der einzige Gefangene , der bis jetzt auf dem Meere in die Hände der Türken gefallen , hatte auf der eiligen Ueberfahrt der Dampffregatte Taïf alle Schmach und alle Leiden zu dulden gehabt , welche die Erbitterung der Moslems über ihre Niederlage auf ihn häufte . Selbst die Bemühungen des englischen Baronets vermochten nicht , ihn vor der schimpflichen Last schwerer Ketten und roher Mißhandlungen zu schützen , und nur der Wunsch , einen Gefangenen den Machthabern in Constantinopel vorzuführen und ihm vielleicht wichtige Nachrichten zu erpressen , veranlaßte den Capitain des Schiffes , wenigstens sein Leben zu schützen . Bei der Ankunft im Bosporus hatte der türkische Befehlshaber seine Hiobspost sogleich an den Großadmiral überbracht und dabei zwar des Gefangenen erwähnt , der Schrecken über die Unglückskunde war jedoch so groß , daß man eines einzelnen Gefangenen wenig achtete , um so weniger , als es nur ein Grieche war und der Capitain einfach die Anweisung erhielt , ihn vorläufig auf seinem Schiffe zu bewahren . So lag denn Caraiskakis seit beinahe drei Wochen vergessen und nur von dem Hasse der türkischen Schiffsmannschaft im Gedächtniß behalten , in dem unteren Deck der Fregatte , die am Schloß von Asien ankerte . Die Leiden seiner Gefangenschaft verdoppelten die wiederholten Besuche des Briten , dessen Bemühungen , ihn als seinen persönlichen Gefangenen zu behandeln und in die Haft der englischen Gesandtschaft zu bringen , zwar an der Hartnäckigkeit der Türken gescheitert waren , der aber fast einen um den andern Tag erschien , um ihn mit dem Antrage , ja , mit Bitten zu bestürmen , ihm das Kind herauszugeben , für das er eine eigensinnige Liebe gefaßt zu haben schien . Aber vergebens - der Sohn des Helden vom Pyräus antwortete auf das Anerbieten der Befreiung und des britischen Schutzes nur mit verächtlichem Schweigen oder dein Ausdruck des tödtlichen Hasses . Im Stillen aber war der Grieche nicht unthätig gewesen . Unter den Seesoldaten , die den Schiffsdienst verrichteten und in seinem Deck häufig Geschäfte hatten , war ihm ein junger Mann aufgefallen , der ihn häufig mit Theilnahme betrachtete . Eine Anrede bei günstiger Gelegenheit , als sie allein waren , überzeugte ihn , daß er einen von den Türken zum Schiffsdienste gepreßten Griechen vor sich habe und er bewog ihn leicht , einen mit Bleistift geschriebenen Zettel bei seinem nächsten Urlaub an ' s Land zu bestellen . Der Brief war an den Baron Oelsner von Montmarquet und enthielt die Nachricht seiner Gefangenschaft . - - Am Nachmittag des 19. war der Baronet wiederum auf dem Taïf erschienen und hatte den Gefangenen bestürmt , ihm eine schriftliche Vollmacht zur Aushändigung des Kindes auszustellen , da er jetzt nach England zurückzukehren beabsichtigte . Er versprach , das Kind zu adoptiren , die Heirath mit Diona anzuerkennen und den Knaben zum Erben seines Namens und seines Vermögens zu machen . Caraiskakis schaute ihn finster an . » Wenn Sie mir die Schätze der vereinigten Königreiche böten , « sagte er mit Hohn ,