wie ich den Leuten Zahlungen mache und Wechsel diskontire . « » Denken Sie nur an das köstliche Gesicht des Herrn Blaffer , wenn er zu uns kommt , - was ja häufig geschieht , - und Sie ihm plötzlich entgegen treten . - Vorderhand aber denken wir noch nicht daran , « fuhr Arthur nach einer Pause fort ; » wir lassen erst seit Ihrem Verschwinden aus dem Hause des Herrn Blaffer einige Zeit vergehen , damit Sie dort etwas in Vergessenheit kommen . Zuerst müssen wir daran gehen , - Sie werden meine Worte nicht übel deuten ? - Ihren äußeren Menschen zu restauriren , und gleich heute Morgen , und zwar mit dem Kopfe anfangen . Ich kenne freilich Ihre Leidenschaft für Ihr starkes Haupt- und Barthaar , aber da muß ich Ihnen wahrhaftig etwas wegsprechen . « Herr Beil fuhr bei diesen Worten mit einem komischen Schrecken durch seine schwarzen Haare , worauf er aber lachend sagte : » Seien Sie unbesorgt , ich gebe diesen Lieblingen gern den Abschied ! Ich sprach Ihnen ja vorhin schon von einem andern Menschen , den ich angezogen , und zu ihm passen diese Zeichen einer früheren Zeit nicht mehr . Auch kann ich nie mehr die fatale Feuchtigkeit vergessen , die sich am Kanale hier hinein gesetzt , sowie die schauerlichen Eiszapfen , die an meinem Barte hingen , als ich Morgens in dem Winkel kauerte . - Ah ! das sind schreckliche Erinnerungen ! - Machen Sie deßhalb mit mir , was Sie wollen . « » Ich werde es künstlerisch behandeln , « erwiderte der Maler , » und werde der Sitzung des Barbiers und des Friseurs mit voller Theilnahme anwohnen . - Schon höre ich draußen anklopfen ; es wird einer der Herren sein , die ich für Sie bestellt . « Und so war es auch ; zuerst kam der Barbier und dann der Friseur . Herr Beil wurde nach den Anordnungen Arthurs von Beiden bedient , wobei sich die Scheere des Haarkünstlers mit einem wahren Appetit in dem dichten Lockenwald seines Opfers zu verbeißen schien . Man hatte gewiß dies Instrument lange Zeit nicht so vergnügt klappern hören ; rechts und links fielen die dichten schwarzen Büsche , und als das Werk vollendet war , machte es dem Künstler alle Ehre , und die Versicherung desselben , aus dem Kopfe sei etwas zu machen , stellte sich als völlige Wahrheit heraus . Nun war das Haar gekürzt , frisirt , der Kinnbart glatt weggeschoren , der Schnurrbart gestutzt , und als sich Herr Beil hierauf im Spiegel erblickte , nickte er wohlgefällig mit dem Kopfe und versicherte , er sei vollkommen mit sich zufrieden . Er sah auch in dem schönen Schlafrock , wie er nun dasaß in dem kleinen Fauteuil , mehr als anständig , ja fast elegant aus . Arthur hatte sich an seine Staffelei gesetzt und einen großen Rahmen mit weißer Leinwand vor sich aufgestellt . » Es ist heute ein Festtag , « sagte er , » und an solchen mache ich mir das Vergnügen , irgend ein Bild zu ebauchiren , lieber zwei , drei hinter einander , denn es ist eine wahre Wonne für mich , wenn ich meiner Phantasie die Zügel schießen lassen , und einen Entwurf um den andern auf die Leinwand hinwerfen kann . Heute aber bleibt es bei diesem einzigen , und ich will sehen , ob meine Erinnerung frisch und gut ist . « » Gibt es ein Porträt ? « fragte Herr Beil . » Ja und nein , « entgegnete Arthur , indem er anfing mit schwarzer Kreide einen Frauenkopf zu skizziren ; » es soll eine ideale Gestalt werden , doch für mich mit bekannten Zügen . - Aber wie es mir immer geht , « fuhr er nach einer Pause fort , während welcher er einige Striche gemacht hatte , » so werde ich immer im besten Arbeiten gestört . Wenn ich mich nicht irre , so rollt eben ein Wagen durch die enge Gasse neben dem Hause , und das wird wahrscheinlich mir gelten , denn hier herum ist eigentlich kein Weg für Equipagen . - Thun Sie mir den Gefallen , lieber Freund , treten Sie einen Augenblick an ' s Fenster und sehen Sie , ob wirklich ein Wagen da heraus kommt und wo er hingeht . « Dreiundfünfzigstes Kapitel . Im Atelier . Herr Beil sprang eilfertig an ' s Fenster , sah eine Weile durch die Scheiben , dann sagte er : » Es ist ein kleiner geschlossener Wagen ; jetzt biegt er um die Ecke und will wahrscheinlich zu Ihnen . - Richtig ; er fährt bei der Thüre vor . « Wirklich hörte man ihn in diesem Augenblick an der Thüre halten . » Ich will aber jetzt nicht gestört sein ! « rief der Maler unmuthig . » Thun Sie mir den Gefallen , springen Sie in ' s Vorzimmer und schließen Sie die Thüre zu . Sie sollen mich in Frieden lassen . « » Es sind zwei Herren , « rief Herr Beil hastig . Und dann sprang er davon , um den Wunsch seines Freundes zu erfüllen . Doch kam er zu spät , denn die Beiden waren schon auf der Treppe und hätten das Umdrehen des Schlüssels hören müssen , weßhalb Herr Beil dies unterließ , indem er es für unschicklich hielt , Jemand die Thüre dicht vor der Nase zuzusperren . Er machte das dem Maler durch ein Zeichen mit der Hand begreiflich , der achselzuckend fortfuhr , auf die Leinwand zu zeichnen . Die beiden Herren auf der Treppe waren in eifriger Unterhaltung begriffen ; wenigstens sprach der Eine , ein kleiner und magerer Mann , sehr laut und lebhaft , während der Andere sich begnügte , zuweilen mit dem Kopfe zu nicken oder : ja ! ja ! zu sagen . Der kleine Mann sprang lebhaft die Treppen hinauf , wandte sich aber fast auf jeder Stufe um , um sein Gespräch dem Andern in ' s Gesicht hinein mit mehr Erfolg fortsetzen zu können . - » Bester Baron ! « rief er , » Sie mögen sagen , was Sie wollen , - und ich weiß wohl , Sie nehmen Partei für die königlichen Stallmeister , aber das ist gleichviel , ich will meine Behauptung der ganzen Welt gegenüber durchführen ; ich habe hier wahrhaftig nicht die Zeit , viele Stunden auf die Dressur meiner Reitpferde zu verwenden , während Jene den ganzen Tag im Sattel sitzen ; aber das versichere ich Sie , und Sie können die kompetentesten Richter aufstellen , ich behaupte : es ist im ganzen Marstall nicht ein einziges Pferd so sein geritten , so sorgfältig dressirt , und dadurch - beachten Sie das wohl - nur dadurch von so angenehmen und gefälligen Bewegungen . « Bei diesen letzten Worten war er oben auf der Treppe angekommen und schlug mit dem Knopfe seines Stockes taktmäßig in die rechte Handfläche , während er seine Stimme erhoben hatte und jede Silbe scharf betonte , sowie mit dem Ausdruck der größten Ueberzeugung sprach . » Nicht ein einziges Pferd im ganzen Marstall . - Natürlicherweise nehme ich die aus , welche vor einigen Tagen zum Geschenk für die Frau Herzogin angekommen sind . Die kommen von uns , und da , bester Baron , versteht man zu reiten . « » Hier sind wir am Ziel unserer Fahrt , « erwiderte der andere Herr , der die Rede des kleinen Mannes zu unterbrechen versuchte . » Herr Erichsen ist zu Hause ? « fragte er den Herrn Beil , welcher die Thüre geöffnet hielt . Der kleine Mann trat lebhaft in das Gemach , schaute Herrn Beil einen Augenblick forschend in ' s Gesicht , schien einen Moment nachzudenken , und sagte dann : » Wenn ich nicht ganz irre , so sahen wir uns neulich Abends bei meinem Freund , dem Grafen Fohrbach ; Sie ersuchten mich , Ihr Atelier zu besuchen . Nun sehen Sie , ich bin da ; ich habe eine Stunde für Sie gefunden und versichere Sie , bei meinen vielen zahlreichen Geschäften will das viel heißen . Aber der Baron Brand sagte mir , ich werde nicht umsonst kommen und einiges recht Gutes sehen . « Herr Beil hatte diesen Redestrom geduldig über sich ergehen lassen , es wäre aber auch vergebliche Mühe gewesen , den kleinen Mann zu unterbrechen , denn nach seiner Gewohnheit sprach er nur Worte , ohne sich viel darum zu bekümmern , ob sie Jemand anhöre . Auch blickte er dabei bald hierhin , bald dorthin , und im Zimmer umher , am allerwenigsten aber sah er auf die Person , zu der er eben redete . Er schien überhaupt einen festen menschlichen Blick nicht gut ertragen zu können . Der andere Herr ließ ihn ebenfalls gewähren , und erst , als er geendigt hatte und nach Luft schnappte , sagte Jener : » Sie irren sich , bester Herr von Dankwart , dies ist nicht Herr Erichsen , - wahrscheinlich einer der Freunde desselben , « setzte er mit einem verbindlichen Lächeln hinzu , indem er sich verbeugte . Herr Beil verbeugte sich ebenfalls und bat die beiden Herren , sich in das dritte Zimmer zu bemühen , wo der Maler immer noch vor seiner Staffelei saß . Während Herr von Dankwart durch die Zimmer schwebte - man muß diese Bewegung schweben nennen , denn er tänzelte mit seinen kleinen Beinen nur so dahin , blickte dabei bald rechts , bald links , ging nie gerade aus , und zu gleicher Zeit machte sein für den zarten Körper etwas zu schwerer Kopf allerlei selbstständige Bewegungen - blieb er jetzt hier , jetzt dort vor einem Bild , irgend einem seltsamen Möbel , einer Waffe oder sonst etwas stehen , wobei er in Einem fort fragte , ohne aber , gleich vielen der Größen dieser Erde , eine Antwort abzuwarten , denn wenn er jetzt von einer Landschaft behauptete , sie sei etwas dunkel im Kolorit , oder der Rahmen zu breit und zu schwer für die Leinwand , und alsdann fragte : » Ist sie hier gemalt ? - von wem ist sie ? - ein Original oder eine Kopie ? « so sprang er gleich darauf zu irgend einem interessanten Dolche über , um sich zu erkundigen , ob er ächt montirt oder ob die Klinge in Wahrheit ein Damascener oder vielleicht aus Khorassan sei . Trotz allem dem hätte er sich wahrscheinlich nicht weiter in den beiden vorderen Zimmern aufgehalten , um diese für ihn so nothwendigen Bemerkungen zu machen , wenn er nicht von ungefähr in die Nähe des Fensters gerathen wäre , von wo aus er einen Blick auf die unten stehenden Pferde und Wagen werfen konnte . Diese fesselten seine ganze Aufmerksamkeit , und er schien das Zimmer , wo er sich befand , den Künstler , dessen Werke er anschauen wollte , kurz alles Andere auf der ganzen weiten Welt für den Augenblick rein vergessen zu haben . » Ein magnifikes Ensemble ! « rief er dem Baron zu , der soeben mit Arthur einen freundlichen Händedruck gewechselt . » In der That vollendet ! Bitte Sie , sehen Sie doch , wie außerordentlich schön die beiden Pferde stehen ; dazu die einfachen Geschirre , schön in ihrer Anspruchslosigkeit . Ah ! ich muß mir für diese Zusammenstellung selbst ein Kompliment machen . - Und Joseph auf dem Bocke hat das wahre Air eines Kutschers aus gutem Hause - aus sehr gutem Hause . - Baron , ich begreife in der That nicht , wie man es bei Hofe verantworten mag , daß die Kutscher beim Stillstehen die Peitschen nach links hinüber geneigt halten . Ich kann mir nun einmal nicht helfen ; das gibt der ganzen Tournure eine Schattirung von Nachläßigkeit . - Bei uns wagt das kein Kutscher . Sehen Sie Joseph an ; Joseph hat die Peitsche , wie es sich gehört , auf dem rechten Schenkel aufgestützt . - Nur so hält der Kutscher eines vornehmen Hauses . - Aber Sie müssen das betrachten , Baron . « » O , ich habe es schon oft gesehen , « entgegnete dieser lächelnd . - » Aber bester Herr von Dankwart , wollen Sie nicht erlauben , daß ich Sie an den Zweck unseres Besuches erinnere und Sie mit Herrn Erichsen bekannt mache ? « » Gleich ! gleich ! « erwiderte der kleine Mann , indem er sich mit beiden Händen auf die Fensterbrüstung stützte und sich auf den Zehen erhob , denn die kurzen Beinchen erlaubten ihm sonst nicht , auf die Straße zu sehen . - » Gleich , bester Baron , ich verfolge soeben eine außerordentlich schöne Idee : wenn ich mir so die elegante Figur des Handpferdes da unten betrachte , so kommt mir immer wieder der Gedanke , es sei doch eigentlich schade , daß man ein solches Pferd einspannt . - Glauben Sie mir , bester Baron , es würde unter dem Sattel Furore machen . « - Damit warf er noch einen letzten , halb schmerzlichen Blick auf die Straße hinab , worauf er sich nun endlich umwandte und in das Nebenzimmer zu den Anderen eilte . An der Thür desselben geschah es ihm nun abermals , daß er in seiner Zerstreutheit den Herrn Beil für Arthur nahm , denn er klopfte dem Ersteren , der sich bescheiden am Eingange hielt , sanft auf die Schultern , während er mit einer Protektionsmiene sagte : » Da sind wir , in der That , da sind wir . Freue mich sehr , Ihre Sachen zu sehen . Man ist Allerhöchsten Orts auf Sie aufmerksam geworden ; die Frau Herzogin lobt über alle Maßen ihre wunderbare Ansicht von Carrara . « Herr Beil verbeugte sich verlegen , denn er wußte nicht , ob es an ihm sei , jetzt selbst eine Aufklärung über seine Person zu wagen , nachdem dies vorhin der Baron so erfolglos gethan . Dieser lächelte sanft in sein Schnupftuch und Arthur zuckte die Achseln . Herr von Dankwart hatte es sich unterdessen in einem Fauteuil bequem gemacht und blickte an den Wänden umher , wo einige Skizzen und Studien hingen . - » In der That , « sprach er nach einer kleinen Pause , » diese Ansicht von Carrara hat einiges Aufsehen gemacht ; ich gratulire Ihnen . Die Frau Herzogin geruhten , das Gemälde schön zu nennen ; ich glaube versprechen zu können , daß wenn Sie so fortfahren , Sie nächstens von uns einige Bestellungen erhalten werden . « » Aber Sie irren sich , Herr von Dankwart , « sagte Arthur sehr ruhig und ohne daß er aufhörte , zu zeichnen , » die Ansicht von Carrara ist nicht von mir ; ich male überhaupt keine Landschaften . « » Allerdings nicht von Ihnen , « entgegnete einigermaßen pikirt der kleine Mann , » aber sie ist von Herrn Erichsen dort . Freilich nicht von Ihnen . « Bei diesen Worten deutete er mit einer leichten Biegung des Kopfes auf Herrn Beil . » Bester Herr von Dankwart , « lachte nun der Baron laut hinaus , » Sie sind heute unsäglich zerstreut . Dort jener Herr an der Staffelei ist der Künstler , den wir besuchen wollten , Herr Erichsen . Er malt aber keine Landschaften , wie Sie sich erinnern wollen ; die Ansicht von Carrara ist von Herrn Becker . « Der kleine Mann schaute einen Augenblick befremdet um sich , dann legte er die Hand an die Stirne , schloß für ein paar Sekunden die Augen und sagte hierauf : » Ja sehen Sie , meine Herren , wie man mit den Gedanken abwesend sein kann ! Das passirt mir leider sehr häufig . - Ich habe zu viel in meinem Kopfe , « setzte er seufzend hinzu ; » es geht nicht auf die Länge der Zeit . Aber entschuldigen Sie mich , Herr Erichsen ; es ist mir wirklich recht angenehm , Ihre Bekanntschaft zu erneuern - zu erneuern , denn wie Sie wissen , sahen wir uns bei meinem Freund , dem Grafen Fohrbach . « - Dabei neigte er sein Haupt sanft gegen den Künstler und machte mit der rechten Hand eine Bewegung , die einen freundlichen Gruß ausdrücken sollte . Der Baron hatte sich unterdessen ebenfalls in einem Stuhl niedergelassen , und Arthur reichte ihm eine Cigarre . Auch bot er Herrn von Dankwart eine an , der sie aber refusirte , eine eigene hervorzog und anzündete . » Mit Cigarren , « sagte der kleine Mann , » bin ich difficil ; ich halte mir ein großes Lager und rauche nur sechsjährige . « » Womit ich leider nicht dienen kann , « entgegnete Arthur . » Wissen Sie , wir Künstler leben so von einem Tag in den anderen , kaufen uns heute die Cigarren , die wir morgen rauchen , und legen uns keinen Vorrath an . « » Aber Sie könnten das , Herr Erichsen , « versetzte Herr von Dankwart . » Sie sind ein reicher Mann , wie man mir sagt , der sich keinen schönen Genuß des Lebens zu versagen braucht . « Dabei zog er den Mund zusammen wie ein Karpfen und blies den Dampf der Cigarre horizontal von sich . - » Wir sind doch hier in Ihrem elterlichen Hause ? « fuhr er darauf fort . » Kenne den Papa wohl ; mache zuweilen mit ihm Geschäfte . - Apropos ! hat er noch immer den kleinen Schimmel ? Im vergangenen Herbst wurde er noch von dem Kommerzienrathe geritten . - Baron , « wandte er sich an diesen , » Sie kennen das Pferd nicht ? - ein kapitales Thier , aber alt . Nicht wahr , es ist alt , Herr Erichsen . « » Ja , es ist sehr alt , « erwiderte dieser . » Deßhalb wird es auch von Papa nicht mehr geritten ; es steht drunten im Stalle und soll da in Nutze seine letzten Tage verleben . « » Schön ! schön ! « rief der kleine Mann . » Aber jetzt müssen Sie mir erlauben , daß ich einmal in meiner Brieftasche nachsehe , - ich habe eine Notiz für Sie gemacht , eine Notiz von Wichtigkeit , kann mich aber nicht mehr darauf besinnen . - Sie verzeihen schon einen Augenblick ! « Arthur nickte höflich mit dem Kopfe und dann legte er die Kohle , mit der er gezeichnet , auf die Staffelei , wischte sich die Hände ab und wandte sich gegen den Baron von Brand , der ein kleines Bildchen ergriffen hatte , welches in der Ecke lehnte , und es aufmerksam betrachtete . Herr von Dankwart hatte sein Taschenbuch heraus gezogen und blätterte langsam darin . Unterdessen war Herr Beil in ' s Nebenzimmer gegangen . » Sie hatten mir auch versprochen , mich zu besuchen , « sagte der Baron zu Arthur . » Erinnern Sie sich , als wir neulich zusammen nach Hause fuhren . « » Und das habe ich nicht vergessen , « antwortete der Maler . » Wir Künstler sind aber ein eigenes Volk : oft haben wir Tage und Wochen lang nichts zu thun und schlendern umher , und dann verschließen wir uns wieder für längere Zeit in unser Atelier und kommen zu gar nichts . « » Und in diesem Stadium befinden Sie sich gerade ? « » Beinahe , « entgegnete Arthur lächelnd . » Doch bin ich im jetzigen Augenblick weniger vor der Staffelei als sonstwo beschäftigt . « » Ah ! ich habe gehört . Man bereitet in Ihrem Hause ein hübsches Fest vor , ich glaube , Sie wollen lebende Bilder arrangiren . Das ist eine ganz köstliche Idee ! Ich liebe dergleichen unendlich , das heißt , sehe gerne zu ; denn sollten Sie es wohl glauben , mein lieber Herr Arthur , ich bin nicht im Stande , in irgend einem Bilde mitzustehen . Meine Nerven sind zu schwach dazu . - Sie schütteln ungläubig den Kopf , aber dem ist in Wahrheit so ; ich habe es mehrere Male versucht , doch so bald der Vorhang auseinander geht und ich die Lichter sehe , da fängt Alles an , mir vor den Augen herum zu tanzen . - Sehen Sie , jetzt schon , wenn ich nur daran denke , wird es mir heiß und eng . « Bei diesen Worten zog er sein duftendes Taschentuch hervor und fächelte sich kokett die Stirne damit . Herr von Dankwart ließ die Hand mit dem Taschenbuche herabsinken und meinte : » Sie sprachen da eben von lebenden Bildern ? - Man weiß das hier nicht zu arrangiren ; Sie sollten das an unserem Hofe sehen ! Ah ! das macht einen wunderbaren Effekt . Ich versichere Sie , wenn man dort die Auswahl der Bilder betrachtet , die sorgfältig ausgesuchten Darsteller , die trefflich gewählten Kostüme , das unnachahmliche Arrangement des Lichtes , - das ist superb ! Man glaubt in der That vor einem wirklichen Bilde zu sitzen . « - Hiemit erhob er sein Taschenbuch wieder und suchte abermals emsig darin , ohne sich weiter darum zu bekümmern , ob einer der Anwesenden seine Meinung bekämpfen werde oder nicht . Dies that übrigens auch Niemand ; der Baron wischte mit dem feinen Battisttuche ruhig seinen Schnurrbart , worauf er die Cigarre wieder zwischen seine Lippen nahm . Arthur betrachtete die Leinwand auf der Staffelei und schien sich zu freuen , daß die Züge , die dort hervortraten , wenigstens für ihn schon kennbar waren . » Wer ist der junge Mensch , der eben hier im Zimmer war ? « fragte nachlässig Herr von Brand . » Ich sah ihn bisher noch nie in Ihrer Gesellschaft . « Arthur , so plötzlich gefragt , wußte nicht gleich , was er antworten sollte . Er half sich aber , indem er , um Zeit zu gewinnen , entgegnete : » Sie meinen den , welcher eben in ' s Nebenzimmer gegangen ist ? - im rothen Schlafrock ? « » Richtig , den im sehr langen rothen Schlafrock , « gab der Baron lächelnd zur Antwort . » Ein merkwürdig gescheidtes Gesicht , kluge Augen . « - Dabei schlug er sanft mit der rechten Hand auf die Lehne des Sessels , in welchem er saß . - » Ein Gesicht , welches Zutrauen erweckt , « fuhr er alsdann fort ; » schade , daß dieser Kopf auf einem so unscheinbaren Körper steht . « » Es ist allerdings schade , « erwiderte Arthur , » daß das Aeußere meines Freundes nicht sehr empfehlend ; sein Inneres dagegen ist vortrefflich ; Herr Beil ist ein Mensch voll Herz und Gemüth , dem ich mein ganzes unbedingtes Vertrauen schenken würde . « » So , er heißt Beil ? « antwortete der Baron . » Ja , ja , das Gesicht hat einen guten Ausdruck . - Was ist er eigentlich ? « » Er ist - er sucht , « sagte Arthur zögernd , » er wünscht - eine Stelle zu erhalten , ist augenblicklich außer Dienst . « » Also Herr Beil ist Geschäftsmann ? « » Ein sehr solider und pünktlicher Mensch in allen seinen Arbeiten . « » Führt er eine gewandte Feder ? - Spricht er fremde Sprachen ? « fragte der Andere . » Ich glaube , daß ich hierauf mit Ja antworten kann , und was namentlich das Letztere anbelangt , so weiß ich , daß er geläufig französisch spricht und englisch versteht . « » Das wäre nicht so übel , « meinte Herr von Brand , indem er einen Augenblick nachdachte . » Würden Sie ihn empfehlen ? - das heißt , für seine Rechtlichkeit und gute Aufführung garantiren ? « » Gewiß , « entgegnete Arthur und schaute den Andern einigermaßen erstaunt an . » Hätten Sie vielleicht eine Verwendung für ihn ? « » Ja , « versetzte Herr von Brand ; » Sie wissen , bester Herr Arthur , ich arbeite nicht gern ; es ist ein großer Fehler , ich weiß das wohl , aber man kann sich nicht anders machen , als wie man ist . Nun aber leiden darunter meine Papiere , meine Korrespondenzen . Fände ich nun Jemand , auf den ich mich bei diesen Geschäften verlassen könnte , so wäre ich sehr froh darüber . « » Das trifft sich prächtig ! « rief der Maler , der entzückt war , eine so glänzende Unterkunft für seinen Freund zu finden . » Ich garantire für ihn nach allen Richtungen , und obendrein thun Sie wirklich ein gutes Werk , wenn Sie sich seiner annehmen ; er steht allein in der Welt . « » Das wäre mir um so lieber , « entgegnete der Andere , » denn ich gestehe offenherzig , ich mag es gern leiden , wenn meine vertrauten Diener keinen großen Anhang haben , namentlich nicht in der Stadt , wo ich bin . - Sie wissen , « setzte er lächelnd hinzu , » wir jungen Leute treiben so allerlei ; man empfängt bald dies , bald das Billet , man muß bald da , bald dorthin schicken , namentlich bei einem sehr bewegten Leben , wie ich es führe , und da ist denn die vollkommenste Diskretion eine Eigenschaft , die ich an meinen Dienern besonders schätze , und wenn ich sie einmal gefunden , immense bezahle . « » Was das anbelangt , « versetzte Arthur , » so glaube ich , daß ich darin für meinen Freund einstehen kann wie für mich selbst . Es ist das eine kernige , ruhige Natur , voll Anhänglichkeit gegen Jemand , der ihr Gutes erzeigt , schweigsam , wo er nicht sprechen soll , und voll Humor , wenn er sieht , daß man wünscht , unterhalten zu sein . « » Bei all ' den guten Eigenschaften , « erwiderte Herr von Brand , » und bei einer so vortrefflichen Garantie , wie Sie , bester Herr Arthur , für mich sind , zaudere ich nicht länger , den jungen Mann in meine Dienste zu nehmen . Ich werde ihn sehr anständig stellen ; er sei mein Geschäftsmann , nach Befund mein Vertrauter , und ich hoffe , wir werden mit einander zufrieden sein . - Abgemacht ! Sagen Sie ihm , er soll sich von heute in drei Tagen Abends um sieben Uhr bei mir einfinden , und sprechen wir jetzt nicht weiter darüber ; ich hasse alle Nervenaufregungen , wozu ich namentlich rechne , wenn mir Jemand danken will . « » Aber ich darf Ihnen doch so ganz im Stillen danken , « flüsterte Arthur , indem er seine Hand ergriff . » Nun meinetwegen denn , « sagte gleichgiltig der Baron , indem er affektirt und matt seine Rechte erhob , die der junge Mann herzlich drückte . - » Jetzt aber hätten Sie lange genug gesucht , bester Herr von Dankwart , « fuhr er nach einer Pause laut gähnend fort und wandte seinen Kopf auf die Seite , um den also Angeredeten beschauen zu können . » Die Zeit vergeht , und die halbe Stunde , die ich für Sie übrig hatte , muß längst verflossen sein . - Sehen wir . « - Er zog seine Uhr heraus , betrachtete das Zifferblatt und rief dann mit großer Wichtigkeit : » Schon elf Uhr ! - Coeur de rose ! Herr von Dankwart , Sie bringen mich um meine beste Zeit . - Haben Sie denn noch nicht Ihre Notiz gefunden ? « » Schon längst , « entgegnete wichtig der kleine Mann ; » aber während ich darnach sah , fand ich hier eine andere Bemerkung , welche mir interessant schien und Sie betrifft , die ich aber während des Vortrags bei Allerhöchst der Frau Herzogin so flüchtig hingeworfen , daß ich aus den paar Worten den Sinn nicht mehr enträthseln kann . « » So lassen Sie die paar Worte hören , « sagte offenbar gelangweilt der Baron . » Frage an den Baron von Brand , « las der kleine Mann und zog die Augenbrauen hoch empor . » Und dahinter steht : Polizei . « » Wa-as ? « rief lachend der Andere . » Fragen Sie mich was und so viel Sie wollen , aber bleiben Sie mir mit der Polizei vom Leibe . « » Ich kann das auch nicht zusammen reimen : Sie , bester Baron , und die Polizei . Jetzt zerbreche ich mir seit einer Viertelstunde den Kopf und ich muß doch am Ende heraus bringen , was es heißen soll , denn daneben habe ich noch ein : F.d.n.N. - heißt : für den nächsten Rapport . - Der Baron Brand und die Polizei ! « sagte er mehrmals leise vor sich hin , wobei er mit seinem Bleistift vor die Stirne schlug . » Soll Sie der Teufel holen mit Ihrer Polizei ! « rief der Andere . » Ich werde mich wahrhaftig bei der Frau Herzogin bedanken , daß sie mich damit in Zusammenhang bringt . « » In der besten Absicht , lieber Baron , in der allerbesten Absicht . Ich war es sogar , der das Gespräch auf Sie lenkte ; ich thue das gern für meine Freunde . - Warten Sie , - unterbrechen Sie mich nicht ! - ich komme darauf . Ich sagte nämlich , es wäre schade , wenn Ihr Aufenthalt hier nur ein vorübergehender wäre ; man sollte Sie zu fesseln suchen . « » Coeur de rose ! - Auf der Polizei ? - Ich danke Ihnen . « » Ja ,