, die Ursachen anzugeben , warum ich den Grafen Ludwig bewog , mit mir nach Ste . Roche zu gehen . Doch dies wird alles Ihre Funktionen als Richter nicht stören ; denn mein Eingeständniß läßt alle Beweisgründe weit hinter sich zurück ; - und so verzeichnen Sie denn , meine Herren , daß ich der Mörder des Grafen Ludwig bin , da mein abgeschossenes Pistol ihm das Leben geraubt hat ! « Der Angeklagte lehnte sich nach diesen Worten sehr bleich und kurz athmend an seinen Stuhl . Er hörte eine tumultuarische Bewegung um sich her ; es schien ihm , Graf Leonin werde an ihm vorüber aus dem Saale getragen . Als er sich wieder gesammelt hatte , sah er den Stuhl des Grafen Leonin leer ; - sonst hatten Alle ihre Plätze behalten . Auf ein Zeichen des Herrn von Mauville trat Stille ein . » Junger Mann , « rief er mit starkem , überredenden Tone - » ich ermahne Sie , sich zu sammeln ! Sie waren krank , Ihre Geisteskräfte waren geschwächt ; vielleicht sind Sie noch ohne klare Anschauung und verfallen in den oft sich zeigenden Fehler der Jugend , sich lieber bei dem ersten Verdachte , der ihren Ruf angreift , aufzugeben , als zu einer verständigen Vertheidigung überzugehen , die Geduld und Selbstbeherrschung erfordert . « » Weiser , verständiger Richter , « rief hier eine rauhe , trockene Stimme laut und hart - » Dich segne Gott ! Du bist der Erste , der auf dem verfluchten Boden Frankreichs die Rede eines Christen hören läßt ! « » Unglückliche Frau , « rief Reginald , zu Emmy Gray aufblickend , » was willst Du hier ? wie kamst Du hierher ? « » Als sie ihn hinaus trugen , den sein Gewissen gerichtet , fand ich den Weg offen ; und hier bin ich mit allem Rechte , Zeugniß abzulegen , « rief sie fest - » da Deine Lammsnatur das Schwert in der Scheide läßt , und Du den hungrigen Löwen die Speise vorwirfst , nach der sie trachten ! Sagt , « sprach sie , bis zur Tafel vorschreitend und die Hand gegen den Richter aufhebend , » stehe ich vor einem christlichen , berechtigten Gerichtshofe ? Wird hier Zeugniß angenommen - und unverfälscht vor Gottes Angesicht gerichtet ? « Herr von Mauville blickte mit Erstaunen auf eine Gestalt , die , wie aus einem anderen Jahrhunderte , an ein lebendig gewordenes Bild jener Zeit erinnerte , und die in Wort und Bewegung eine Kraft des Willens ausdrückte , unterstützt von dem düstersten Ausdrucke des Zürnens , wodurch sie den vollkommensten Antheil erregte . » Zweifelt nicht , daß Ihr vor Christen stehet , die von Gott die Kraft erwarten , recht zu richten , « sagte er mild - » was habt Ihr uns zu sagen ? « » Meine Herren , « schrie hier der Marquis de Souvré , heftig aufspringend - » diese Frau kann kein Zeugniß vor Gericht ablegen ; es ist die Bewohnerin von Ste . Roche , die schon längst dem Wahnsinne verfallen ist und wahrscheinlich durch ihren thörichten Einfluß den jungen Menschen zu dem bereits eingestandenen Verbrechen verführt hat ! « » Herr Marquis , « rief Reginald , mit einer Energie , die sein früheres Verhalten nicht angedeutet hatte , » Sie haben am wenigsten das Recht , die klaren und gesunden Sinne dieser ehrwürdigen und unglücklichen Frau zu schmähen . Reizen Sie mich nicht durch Beleidigungen gegen dieselbe , die ich nie dulden werde , sie mit den Mitteln zu vertheidigen , die mir , wie Sie wohl wissen , zu Gebote stehen ! « » Ja , « sagte Emmy Gray , welche den Marquis mit kalter Verachtung betrachtet hatte ; - » jetzt erkenne ich das Gesicht des Sünders wieder ; und der , der den Namen des Mörders verdient , wie kein Anderer , wagt , als Zeuge Dir gegenüber zu treten ? Gott wird den Engel der Vergeltung senden und den Boden verwüsten , wo sein Fuß weilte ! - Richter , der Du Dich rühmst , hier im Namen Gottes zu richten , laß den Bösewicht nicht Zeugniß sprechen - und höre von mir , wie schwarz seine Seele ist ! « » Herr von Mauville , « sagte die Marschallin mit der kalten Anmaßung , welche ihren hohen Rang in Erinnerung bringen sollte - » wir wollen nicht Zeuge sein von den Ausbrüchen einer elenden Geisteskranken ; und ich muß Sie erinnern , daß die traurige Veranlassung , die uns pflichtmäßig hier gegenwärtig sein ließ , durch das Geständniß des Verbrechers beendigt ist ; ich fordere Sie auf , das Verhör zu schließen . « Würdevoll erhob sich Herr von Mauville gegen die Marschallin . » Madame , « sagte er - » die Gegenwart Euer Gnaden ist eine freie Wahl , welche weder von uns verlangt , noch verweigert ward ; daher ist die Entfernung Euer Gnaden gewiß Ihrem eignen Ermessen überlassen ; doch kann ich damit das uns vorliegende Verhör um so weniger für beendigt erklären , da das Geständniß eines Angeklagten immer nur dann die Entscheidung mit sich bringt , wenn es mit den verschiedenen Anklagen zusammen fällt und dieselben vollständig erklärt . Dies ist hier nicht der Fall . Das Geständniß , welches unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt , hüllt sich in ein Dunkel , das wir aufzuhellen trachten müssen ; da wir nicht allein berufen sind , Schuldige zu entdecken , sondern auch Unschuldige zu beschützen . Jeder Nachweis , der sich dazu uns darbietet , muß von uns benutzt werden , und das Auftreten dieser Frau ist , wenn auch außer der Form , doch bei einem bloßen Verhöre , welches Beweise zu sammeln hat , vollständig zulässig . « Es kostete der Marschallin einen sichtlichen Kampf , diese höfliche Zurückweisung hinzunehmen . Sie wünschte wenigstens , durch Entfernung ihre Beleidigung hervorzuheben ; aber das brennende Verlangen , hier noch lenkend , oder abwehrend einzuschreiten , hielt sie zwischen Gehen und Bleiben in Aufruhr zurück , bis sie entschlossen auf ihrem Platze verblieb . Herr von Mauville wendete sich nach seiner kurzen Entgegnung an die Marschallin , gegen Emmy Gray , und fragte sie , ob das Zeugniß , das sie hier anböte , im Zusammenhange stehe mit der unglücklichen Begebenheit , die hier verhandelt werde ; sonst möge sie den Gang des Gerichtes nicht durch Einmischung fremder Interessen stören . » Meine Aussagen gehören dazu , wie Eure Augen zu Eurem Kopfe ! « rief Emmy Gray - » darum gebt mir Raum , Richter , damit ich Euch sagen kann , was Ihr von ihm schwerlich erfahren werdet . « » Emmy , « sagte Reginald mit Ernst - » Du hast nicht Wort gehalten und bist doch in großem Irrthume , weil Du den zu retten hoffst , der von Deinen Aussagen doch keinen Vortheil ziehen kann ; - denn die eine Thatsache steht fest : Graf Ludwig fiel von meiner Hand ! « » Nun , um so besser , mein Kind ! « rief die Alte , heftig vorschreitend ; - » so hast Du schon gerecht Gericht gehalten , und Du bist nun der einzige , rechtmäßige Graf Crecy-Chabanne ! « » O , Emmy , « rief Reginald , sein Gesicht verhüllend ; - » wozu hier die Schande meines Vaters aufdecken ! « Es entstand indessen ein begreiflicher Tumult . Viele Stimmen riefen zugleich ; Souvré , die Marschallin überhäuften Herrn von Mauville mit Vorwürfen , der Wahnsinnigen , der Betrügerin das Wort gestattet zu haben . Herr von Mauville saß indessen still und mit klugem Auge , wie Jemand , dem plötzlich ein heller Lichtstrahl sichtbar wird . Er hörte und erwiederte Niemandem , - einzelne Worte mit den beisitzenden Richtern wechselnd . Er ließ der Aufregung eine Zeit lang ihren Gang , dann stand er plötzlich auf . Er wiederholte das Gebot zum Stillschweigen mehrere Male , laute Schläge gegen die metallene Scheibe führend , die vor ihm stand ; seine Stimme , die mächtig und tönend war , überbot dabei das Gemurmel der Menge und die einzeln erzürnt Redenden . » Frau , « rief er mit zorniger Weise gegen Emmy Gray , - » wer bist Du ? Was wagst Du hier gegen die ersten Familien Frankreichs zu behaupten ? Was hast Du für Rechte , für Beglaubigungen zu Deinen Behauptungen ? « » Laßt sie schweigen , « sagte Emmy , - » ich habe lange nicht unter so viel Volks gestanden ; ihr rohes Geschrei betäubt meinen Kopf ! « Es trat Ruhe ein ; die Marschallin unterlag fast der Qual , bleiben zu müssen ; sie kam sich über alles Maaß hinaus beleidigt vor . Aber es stand zu Viel zu verlieren , und sie zweifelte nicht , Alles verdächtigen und unterdrücken zu können , was hier hervortreten wollte . Emmy dagegen lehnte sich an die Gerichtstafel , Allen den Rücken kehrend , und sagte nun so laut und fest , daß jedes Wort den Saal durchdrang : » Ich bin Emmy Gray , diejenige , die aus England die rechtmäßige Gemahlin des Grafen Leonin von Crecy-Chabanne nach Frankreich begleitete . Das Kind dieser rechtmäßigen Ehe ist der hier anwesende , arme , verfolgte Knabe ; der , zu dessen Mörder ihn Alle machen wollen , war ein Bastard ; denn die erste Gemahlin lebte noch ein Jahr nachher , als der Graf die zweite geheirathet hatte . « Die Marschallin , Souvré erhoben sich wieder ; aber Herr von Mauville winkte beruhigend : » Ich bitte , führen Sie keine Störungen herbei , ich erkenne die Sache so gut , wie Sie , und verspreche Ihnen Gerechtigkeit . « Beide hofften , Herr von Mauville sei auf ihrer Seite , und begaben sich zur Ruhe . » Begreifst Du , alte Frau , was Du da herausgestoßen ? « rief er hart ; - » denkst Du , wir werden Dir glauben ohne Beweise , da Du einen Mann , wie den Grafen Leonin , angreifst , dessen Rechtlichkeit außer Zweifel steht ? « » Er war auch nur eine elende , leidende Kreatur in der Hand Anderer ! « rief Emmy Gray ; - » er war zum Guten , wie zum Bösen zu schwach , ein verächtliches , halbes Ding von Mensch ; aber er hatte ein böses Weib zur Mutter , die wußte um Alles , - und einen Teufel zum Freunde , der hier steht , und der vollführte , was sie beschloß ! « » Thörin , « rief Herr von Mauville ; - » denkst Du wirklich , daß man Dir ohne Beweise glauben wird ? Du bist den Gesetzen wegen boshafter Verläumdungen verfallen ! « » Mein Herr , « sprach Reginald , - » ich muß Ihrem Eifer Einhalt thun ! Obgleich ich das Hervortreten dieser unglücklichen Angelegenheit mißbillige , und diese tief gebeugte Frau mein ausdrückliches Gebot , hier nicht aufzutreten , überschritten hat , muß ich sie doch jetzt gegen jede unverdiente Beleidigung in Schutz nehmen . Sie ist keine Thörin , mein Herr ! Sie wird nur zu wohl beweisen können , was sie sagt ; und da die Schranke überschritten ist , die ich mir aus Achtung für den Namen , den ich rechtmäßig trage , auferlegt hatte , so gebe ich den Umständen nach und erkläre ebenfalls laut und bestimmt , daß ich der einzige , rechtmäßige Graf Crecy-Chabanne bin ! « » Mein Herr , « rief die Marschallin , zitternd vor Zorn ; - » ich erkläre einer Procedur nicht länger beiwohnen zu wollen , in der man jede Achtung gegen mich und meine Familie aus den Augen setzt , und Gaukler und Betrüger zum Zeugnisse gegen uns zuläßt ! « Sie wollte , sich erhebend , ihren Platz verlassen ; doch Reginald sollte ihr den Beweis geben , daß das Blut der Crecy in seinen Adern fließe ! Lebhaft , mit glühendem Antlitze trat er ein Paar Schritte gegen sie vor . » Bleiben Sie , Madame , « rief er in einem gebieterischen Tone , » und nehmen Sie Ihren Platz wieder ein ! Sie haben kein Recht , Beschimpfungen gegen mich auszustoßen ; denn Sie vor Allen sind fest von der Wahrheit der eben vernommenen Aussagen überzeugt . Sie , Madame , haben den Namen Crecy-Chabanne entehrt ; - Sie , Madame , haben Ihren Sohn , meinen Vater , zu dem Verbrechen doppelter Ehe - zur Beraubung seines rechtmäßigen Kindes verführt ; - Sie , Madame , haben durch Ihre unmenschliche Grausamkeit , durch Ihren Agenten Souvré das Herz meiner engelgleichen Mutter , Ihrer allein rechtmäßigen Schwiegertochter , gebrochen ! Sie - Sie haben das edle Haus Lesdiguères zu einer beschimpfenden Verbindung mit dem Gemahl einer Anderen vermocht und auch das Herz dieser edeln , betrogenen Tochter jenes Hauses gebrochen ! « » Bleiben Sie , « rief er , da die Marschallin , aus der Erstarrung ihres Schreckens erwachend , zu enteilen trachtete ; - » Sie sind hier noch nöthig . Ich befehle Ihnen , zu bleiben ! Sie haben gewagt , mich Betrüger zu nennen . Sie hätten vor dem Worte zittern sollen ! Ich , der ich es über die Nächsten ausrufen konnte , habe es zurückgedrängt , aus Achtung für den Namen , den meine reine Mutter trug . Jetzt , Madame , ist das Siegel von Ihnen selbst gelöst ; - ein Crecy-Chabanne darf nicht Betrüger genannt werden . Tritt vor , Emmy Gray , entfalte die Dokumente , die Alles darthun ; und Sie , Madame , werden Kenntniß davon nehmen und alsdann widerrufen - gegen mich widerrufen ! « Die Marschallin stand , wie unter einem Zauber gebannt , starr - besinnungslos fast vor dem glühenden , zürnenden Jünglinge . Auch schien mehr oder weniger die ganze Versammlung in ein rücksichtsloses Zuhören aufgelöst , während Herr von Mauville ein scharfer Beobachter blieb , und mit Willen das Kreisen dieser leidenschaftlichen Zustände nicht zu hindern suchte , ihnen die Fingerzeige ablauschend , die die Wahrheit zu enthüllen versprachen . » Was wagt Ihr ? « stammelte endlich die Marschallin ; - » was für Rechte habt Ihr an mich , als die der Verachtung und des Abscheues ? Wem soll ich gerecht werden ? Dem Mörder meines Enkels , dessen ganze Anklage gegen uns nur eine neue Bestätigung seines absichtlichen Todtschlages ist ! « » Absichtlich ! Absichtlich ! « schrie Reginald , als ob alle Saiten seines Innern mißtönend zerrissen würden ; - » ich absichtlich Ludwig getödtet - ihn , der wenige Stunden zuvor mein Bruder ward - ihn , der auf meine Liebe , auf meinen Schutz angewiesen war durch meine älteren Rechte an den Rang und Namen , den er getragen ? Ich - ihn absichtlich morden ? Heiliger Gott , dieser Gedanke konnte nur in Euch entstehen ! « Indessen hatte Emmy Gray den Trauschein aus dem Kirchenbuche von Stirlings-Bai , dessen sie sich vor der damaligen Abreise heimlich zu bemächtigen gewußt , ehe Lord Gersey seine Vernichtung vollführen konnte , und aus dem Kirchenbuche von Ste . Roche das Tauf-Attest Reginald ' s und den Todtenschein Fennimor ' s ausgebreitet . Herr von Mauville prüfte Beide und gab sie dann den anderen Richtern . » Madame , « sagte Herr von Mauville dann zur Marschallin , » die Dokumente müssen allerdings genauer geprüft werden ; - doch haben sie einen glaubhaften Anstrich ! « » Wie , « entgegnete die Marschallin , - » eine Ceremonie des ketzerischen Priesters dieser abtrünnigen Sekte , die wir angehalten sind , nicht als Christen anzusehen , - sie sollte einen Rechtsanspruch enthalten ? Bei wem , glauben Sie , wird das Anerkennung finden ? « » Bei Allen , Madame , « entgegnete Herr von Mauville , » die mit einer besonderen Bevorrechtung der schottischen Kirche bekannt sind , welche , aus der Zeit der Königin Maria herstammend , die Priester dieser Kirche als befähigt anerkannte , kirchliche Einsegnungen zu vollziehen ; damals in der Hoffnung erlassen , die Confessionen durch Vermischung endlich der römischen Kirche wieder zu gewinnen . Sie haben dadurch einen rechtskräftigen Grund erhalten , den wenigstens der päbstliche Hof nicht verwirft . « Die Marschallin verlor einen Augenblick die Fassung . Sie blickte auf Souvré - dieser lehnte sich kalt und hochmüthig gegen die Gerichtstafel . » Madame , « beantwortete er den Blick der Marschallin - » es scheint mir , Sie lassen sich zu sehr herab , diese verworrene Verhandlung mit Ihrer Gegenwart zu beehren . Erlauben Sie mir , daß ich Ihnen den Arm gebe ; Sie werden in Paris ein geeigneteres Gericht finden , was so ausgesuchte Beleidigungen abweisen und bestrafen wird . Wenigstens ich habe mit diesen Angelegenheiten Nichts mehr zu thun . « Er nahete sich der Marschallin , und diese ließ sich hinwegführen , ohne sprechen zu können , ganz um ihre gewöhnliche , stolze Haltung gebracht ; die Gräfin d ' Aubaine folgte ihr ; denn sie sah ihre arme Tochter nicht , welche auf einem Sessel hinter dem Stuhle ihres ebenfalls ahnungslosen Vaters saß , und mit der Gemüthsbewegung zuhörte , die sie gänzlich über ihre auffallende Handlungsweise hinweghob . Als diese störenden Elemente sich entfernt hatten , ergriff Herr von Mauville wieder die oft unterbrochene Verhandlung . » Junger Mann , « redete er Reginald an ; - » der Augenblick , in dem Ihre alte Beschützerin sie zwingt , sich einer so mächtigen und vornehmen Familie als ein nah berechtigtes Mitglied derselben zu zeigen , ist durch die traurige , vorangebende Veranlassung dieses Verhörs , ein sehr ungünstiger zu nennen . Dessen ungeachtet glaube ich annehmen zu können , daß mit dieser Entdeckung , die gegen Ihren Willen gemacht ist , und die Sie früher verweigert haben , der Grund weggefallen ist , der Sie abhielt , uns zu entdecken , warum Sie den Grafen Ludwig veranlaßten , mit Ihnen nach Ste . Roche zu gehen . Ueberhaupt , mein Herr - ich sage es mit Bedauern , aber es bleibt dennoch wahr - diese neuen Entdeckungen sind Ihnen nachtheiliger , als förderlich ; denn die Frage wird jetzt wichtig , ob Sie , der Angabe nach , wirklich der ältere Graf Crecy-Chabanne sind , oder der bisher dafür geltende Jüngling ; denn Ihre hiernach als unterdrückt erscheinenden Rechte könnten auf ein Verhältniß zwischen Ihnen und dem Gemordeten hinweisen , daß sein Leben oder seinen Tod für Sie wichtig machte . Sammeln Sie sich daher und erzählen Sie aufrichtig den Verlauf der Begebenheit . « » Mein Herr , « erwiederte Reginald sogleich , ohne Zögerung - » ich übersehe meine Lage ohne Täuschung , daher ohne Hoffnung . Der Tod Ludwig ' s durch meine Hand schließt überdies jede Möglichkeit wieder zu erlangenden Glückes gänzlich für mich aus ! Mein Leben muß eine Sühne für sein schönes , früh geknicktes Dasein werden ; - ich ersehne dies mehr , als daß ich ihm zu entrinnen trachte . « Ein röchelnder Seufzer stieg hier aus Emmy ' s Brust ; sie taumelte erbebend vor den festen Worten ihres Lieblings zusammen . Herr von Mauville befahl ihr einen Stuhl zu geben ; starr blieb sie von da an sitzen , die Augen fest auf Reginald gerichtet . » Was ich weiter von diesem entsetzlichen Verhängnisse zu berichten habe , « fuhr Reginald fort , » ist von so ungewöhnlicher Art , daß ich entschlossen war , es ganz zu verschweigen ; da es unmöglich in den Augen meiner Richter sich zur Wahrheit erheben kann , und mich dieser daraus entstehende Zweifel gegen meine Wahrhaftigkeit doch tief kränken würde . « » Sie müssen Vertrauen haben zu Ihren Richtern , junger Mann , « entgegnete Herr von Mauville ; » wir sind nicht in der Absicht gekommen , Sie schuldig zu finden , und gewöhnt , das Ungewöhnliche zu hören . Kraft meines hohen Amtes fordere ich Sie auf , Alles auszusprechen , was Sie auf Ihrem Herzen haben . « Nach einer Pause schmerzlichen Nachdenkens rief Reginald : » Es sei ! Ich stehe vor einem edeln Manne , das fühle ich dankbar ; - aber vor Allem fühle ich Gottes Nähe ! « Reginald erzählte jetzt mit Umsicht und Ruhe . Er berichtete die Unsicherheit über seine Familie , der er nicht nachgefragt habe in dem schützenden Verhältnisse zu der Familie Crecy . Graf Leonin habe sich seinen Vormund genannt , und jede Auskunft für ihn bis nach zurückgelegter Reise verschoben . Dann erzählte er Emmy Gray ' s erste Aufforderung vor der Reise , die er abgelehnt ; dann ihre zweite , welche ihn nach Tabor rief , und mit sichtlichem Widerstreben entdeckte er Emmy ' s Mittheilungen . Emmy verlangte , ihm in Ste . Roche die Dokumente zu übergeben - ihn trieb das Herz nach dem Grabe seiner Mutter - Ludwig sollte ihn begleiten . Er konnte Nichts von ihm getrennt denken ; er sollte mit ihm , von den Dokumenten und Aussagen der Alten unterstützt , dort Alles bedenken und beschließen helfen ! » Dies , mein Herr , « fuhr Reginald fort - » ist der wenig haltbare Grund , weshalb ich Graf Ludwig zu der Reise nach Ste . Roche bewog , den aber nur der begreifen kann , der weiß , wie wir uns liebten - wie kein Geheimniß unter uns waltete . « » Doch ist dies dennoch viel wahrscheinlicher , als was ich weiter zu erzählen habe . « Er berührte jetzt den aufgeregten Zustand , in dem er , Ludwig zu bewachen , mit dem Pistol in der Hand , vor ihm gesessen habe und endlich , von unbewußter Müdigkeit überwältigt , entschlafen sei , wo ihn dann der Traum erfaßt , den er mit der Gewalt des tiefsten Grauens , das jetzt noch seine Seele zu überwältigen drohte , ergreifend vortrug . - Lautlose Stille herrschte im Saale . Vielleicht war Keiner in der ganzen Versammlung , der nicht den Jüngling als unschuldig und des tiefsten Mitleids würdig erkannt hätte . Erschöpft und todtenbleich lehnte sich der Unglückliche , nachdem er geendigt , von der Anstrengung fast überwältigt , in den Lehnstuhl zurück . Mauville ' s Augen ruheten auf diesem rührenden Opfer , mit dem Wunsche , er möge so enden ; denn der erfahrene Richter wußte , daß er nicht zu retten war . Da sagte der beisitzende Richter zu Herrn von Mauville : » Sie vergessen die Aussage des Kammerdieners , der uns noch von einem Liebesstreite der beiden jungen Leute erzählte . Gleichfalls eine wichtige Möglichkeit , so rasche That zu erzeugen ! « Ein mißbilligender Blick des Herrn von Mauville traf ihn ; doch ungehindert davon , fuhr er fort : » Die Neigung Beider traf dasselbe Fräulein aus diesem Hause ; Graf Ludwig war am Morgen mit derselben verlobt worden . Das erfuhr der Angeklagte ! « » Halt , « rief Reginald - » mein Herr , um Gottes Willen halten Sie ein ! « Konvulsivisch war er aufgesprungen ; noch ein Mal jagte das Blut über das sterbende Antlitz . » Mischen Sie in mein elendes Schicksal nicht den heiligen Namen dieser Dame ! Sprechen Sie es aus , das vernichtende Wort : überführt , schuldig ! - Aber um Gotteswillen , diesen neuen Beweisgrund nicht - ich will ihn nicht hören - wiederholen Sie es nicht bei Ihrer Seele Seligkeit ! « Da schwankte plötzlich Franziska vor den entsetzten Blicken ihres Vaters vorüber ; sie wandelte leichten Schrittes auf Reginald zu , der bis an seinen Sessel vor ihr zurück wich . Dicht vor ihm blieb sie stehen und sagte mit einer weichen , tonlosen Stimme ohne Ausdruck und Kraft , während schwere Seufzer jeden Satz unterbrachen : » Warum verläugnest Du mich , edler , unschuldiger Reginald ? Ich war es , die Du liebtest - ich werde ewig daran gedenken ! Die Welt hat uns getrennt - doch blieben wir treu - und Ludwig , der arme Bruder , wäre nicht zwischen uns getreten ! - Nun bin ich Braut von Dir und ihm - und Eure Witwe ! - Leb ' wohl - auf Wiedersehen ! « Sie reichte ihm , wie zum heiteren Spiele , die blasse , marmorkalte Hand - er widerstand nicht - er kniete nieder - laut schluchzend preßte er ihre Hand an seine Lippen - er , sah zu dem schönen , starren Gesicht empor , aus dem die Augen so abwesend niedersahen . Da senkte sich das blaue Atlaskleid wie verhüllend um ihn her ; die schöne Gestalt sank langsam zusammen ; sie glich einem Engel , der in einer Wolke den bleichen Jüngling verhüllen wollte . - Der Vater hob die Bewußtlose sanft aus den Armen Reginald ' s , der in diesem Augenblicke der Trennung das Todesurtheil erlitt . Er sah ihr nach , als wäre sie sein letzter Lebensathem - und in demselben Augenblicke fühlte er sich mit Liebe an ein warm schlagendes Herz gedrückt . Es war Franziska ' s Bruder ! Herr von Mauville hob das Verhör auf . - Reginald ward mit zärtlicher Sorgfalt hinweggeführt . Hart trat Emmy Gray den Richtern in den Weg ; sie wollte bitten ; - aber der unbeugsame Sinn lernte nicht so spät die nie gekannte Aufgabe . » Sprecht Recht ! Sprecht Recht , Ihr Richter , « schrie sie mit Todesangst , und ergriff hart den Arm des Herrn von Mauville ; - » er ist ja unschuldig - rein , wie an der Brust der Mutter ! « » Arme Frau ! « sprach Herr von Mauville - » ich werde ihn der Gnade des Königs empfehlen ! « » Gnade ? Gnade ? « rief Emmy wild - » Recht , Recht ! keine Gnade - Recht muß ihm werden ! « » Vom Rechte darf er nichts hoffen , « sagte der zweite Richter ; - » jeder Gerichts-Hof wird ihn verdammen . Träume sind keine gültigen Zeugen ! « Sie zogen an ihr vorüber ; sie starrte ihnen nach ; ihr größtes Elend war , daß sie diese Gerechtigkeit nicht verstand . Sie stieß ein fürchterliches - wildes Geschrei aus ! - Die mitleidigen Mönche erfaßten die Unglückliche , die in Konvulsionen fiel . Die Marschallin reiste noch denselben Abend mit dem Marquis de Souvré nach Paris ab . Die Trennung von der Familie d ' Aubaine war kalt und zeigte von gegenseitigem Mißtrauen . Das entschiedene Betragen der Marschallin war zurückgekehrt ; es lag eine Verachtung gegen die erfahrenen Anschuldigungen in ihrem Wesen , die sie unbedeutend machen sollten . Graf d ' Aubaine war zu edel und zu stolz , sich die Richtung seiner Meinungen angeben zu lassen ; er zeigte sich in gemessener Haltung . Graf Leonin folgte seiner Mutter - fieberkrank - gebrochenen Herzens ! Später fuhr dem Wagen des Herrn von Mauville eine verschlossene Kutsche nach ; sie brachte Reginald nach der Bastille . Um Mitternacht rollte langsam ein Rüstwagen mit der Leiche des Grafen Ludwig dem trostlosen Zuge nach ; er ging langsam nach dem Erbbegräbnisse in dem Schlosse Moncay . Lange blieb Franziska d ' Aubaine geisteskrank , fast ausschließlich von ihrem Vater gepflegt , dessen Nähe allein ihr Ruhe gab ; jeder Andere beängstigte sie . Jahrelang dauerte dieser Zustand . Langsam genas sie , eine Fremde sich fühlend in der Welt . Ihr Vater that keine Forderung , die sie auf gewöhnliche Weise dem Leben anzuschmieden trachtete ; er forderte Nichts , als die Wiederkehr einer würdigen Geistesthätigkeit . Indem er die Geselligkeit der großen Welt von ihr abhielt , führte er sie doch zuweilen nach einem Schlosse in der Nähe von Paris und versammelte dort die Heroen der Zeit , an deren Geist Franziska aufstrebend sich entwickelte , wenn auch ohne Wunsch , ohne Zweck . So ward sie dem Leben leise wieder zugeführt - seine schöne , uneigennützige Gefährtin ! - Die Marschallin wußte ihre weitverzweigten Verbindungen sehr wohl zu benutzen . Reginald ' s Prozeß ward in eine Art von Geheimniß gehüllt , welchem sie den Schein der Mäßigung zu geben wußte . Es schien , als ob ihre schmerzbeladene Seele vor Allem öffentliche Verhandlungen scheue ; - sie wies mit leisen Andeutungen auf ihren Sohn . Man konnte denken , Leonin sei geisteskrank . Vergraben auf ein fernes Crecysches Gut , blieb sein Zustand zweifelhaft . Zuweilen schien er zu rasen ; er wollte dann Souvré umbringen und verwünschte seine Mutter . Dann brachte er Tage und Nächte auf seinen Knieen zu - er sah Geister ! Viktorine an Fennimor ' s Seite erschien ihm ; er redete mit ihnen , und dies war der Uebergang jener Raserei . Er sank dann auf den Teppich des Fußbodens ; hier fand er ein Paar Stunden Schlaf , bis ihn neue Verzweiflung weckte . Nach einem Jahre , in welchem das Schloß Ste . Roche mit der ganzen Situation noch ein Mal erforscht war , die Richter die Aussagen der wilden Emmy Gray , ohne Glauben an ihren Verstand , angehört , alle Zeugen vernommen , und bald für , bald wider beschlossen hatten , fiel das Erkenntniß , wie zu erwarten stand , gegen Reginald aus . Er ward zum Tode verurtheilt und - der König unterzeichnete das Todesurtheil . Diesen Moment der Sicherheit hatte die Marschallin erwartet . Sie fuhr in tiefer Trauer nach Versailles und zeigte ihrem ganzen Zirkel vorher an , daß sie die Gnade des Königs anzurufen denke für den Feind , für den Mörder ihres Hauses ! Alles drückte Erstaunen und Bewunderung für die erhabene Tugend der ehrwürdigen , großmüthigen Frau aus . Es war das Signal für Alle , ihr nach Versailles