, für dessen Glanz des Himmels und der Erde , für dessen griechische Trümmer , die der Baumeister den römischen vorzog . » In Rom « ( hatte Dian gesagt ) » habt Ihr nur Vergangenheit , hingegen in Neapel tapfere Gegenwart - ich begleit ' Euch hin und her , und wir gehen zusammen nach Haus . Denn eigentlich versteht Ihr Euch doch nicht recht auf das Schöne , sondern auf die Natur , auf das Heroische und den Effekt . Da ist Neapel der Ort . « Der Ritter willigte - obgleich durch Albanos Erheiterung der ganze Zweck der Reise schon gewonnen war - ohne Zögern in den Zusatz einer zweiten unter der Bedingung , daß er nicht länger als einen Monat nachbleibe . Aber dieser Zeit , wo sich seine innere Welt so harmonisch stimmen durfte , kamen feindliche Mißtöne immer näher , die er in der Ferne noch für Wohllaut hielt . Aus seinem unbestimmten Verhältnis mit der Fürstin entwickelte sich langsam der Mißlaut ; weil jedes unbestimmte mit Weibern sich endlich hart entscheidet , seltener zu Liebe als zu Haß . Die Fürstin tat und litt bisher alles , um ihm noch früher gefährlich zu werden als verständlich . Sie spielte Lianen , so gut sie wußte , nach und nahm den Nonnenschleier einer religiösen Jungfräulichkeit aus ihrer Bühnen-Garderobe hervor , obgleich genialische Weiber meistens ungläubig sind , wie genialische Männer gläubig . Sie machte ihn zum Vertrauten ihrer - Vergangenheit und gab die Geschichte derer , die für sie gestorben waren , oder doch verschmachtet , nach weiblicher Art mehr froh als reuig ; nur das Verhältnis mit seinem Vater ließ sie schonend hinter einem rührenden Leichenschleier auferstehen und ahmte überhaupt dem Sohne in der Achtung für den Ritter nach , den sie innerlich bitter haßte . Wenn Albano stundenlang die Gegenwart vergaß und starr ins Opferfeuer der Vergangenheit und Kunst blickte und ihr auf den Bergen seiner Welt Flammen zeigte , die nicht auf ihrem Altar brannten , so begleitete sie ihn geduldig auf diesem Kunst-Wege und hielt nur , wo sie konnte , vor Stellen an , wo man einige Aussicht in die - Gegenwart hatte . Er wurde täglich ihr wärmerer Freund , ohne sie nur zu erraten . Nur ein Mann - keine Frau - kann eine fremde Liebe gänzlich übersehen ; die lang übersehene wird dann selten oder nie eine erwiderte . Albano war zu zart , um in der Geliebten seines Vaters und in der Frau eines andern und in einer Freundin seiner eignen Geliebten diesen Wunsch einer Unschicklichkeit vorauszusetzen . Auch setzt ' er auf seinen Wert immer ein ebenso kleines Vertrauen als auf sein Recht ein großes . Sie zweifelte , aber verzweifelte nicht an einer wärmern Gesinnung . Ein Weib hofft so lange , als ein zweites nicht mit hofft . Albanos nächtliche Besuche des Kapitols und Coliseos wurden von nachgeschickten Augen immer seines edlen Charakters würdig befunden . Täglich lieber wurd ' ihr der feste Jüngling durch sein neues Aufblühen und durch seine männliche Entwickelung . Zuweilen hoffte sie stark , von seiner freundschaftlichen Redlichkeit und von jener heroischen Schwermut bestochen , die ihr sonst aus keiner Ferne und Nähe zu erklären war . Dieses ihr ungewohnte Auf- und Niedersteigen auf ihren Wellen erschütterte ihre Gesundheit und ihren Charakter , und sie wurde wider Willen der Liane ähnlicher , mit deren Taubengefieder sie sich anfangs nur weiß schmücken wollen - der glänzende Sonnenregenbogen wurde ein Mondregenbogen - sie warf mit ihren starken Kräften die Hälfte ihres vorigen Selbstes weg , die Putz- , Kunst- und Gefallsucht und sie wurde heftig getroffen , wenn eine Römerin mit südlicher Lebhaftigkeit oft hinter dem vorbeigehenden Grafen ausrief : » Wie schön er ist ! « - Schwer wurde sie für ihr früheres mutwilliges Lustspiel mit fremden Herzen und Leiden gezüchtigt durch das eigne ; aber in solchen dunkeln Tagen wurzelt eben die Liebe mehr , wie man Bäume am besten an wolkigen impft . Albano merkte ihre Veränderung ; die reizende Schwermut ihres sonst kräftigen Gesichts , dieser Widerschein ihres stillen Nebels , bewegte ihn zur teilnehmenden Frage über ihr Glück . Sie antwortete immer so verworren und verwirrend - zuweilen sogar bei Albanos Scharfsinn mit dem Glauben an dessen Verstellung und Bosheit - , daß sie ihn in den sonderbarsten Irrtum führte . Nämlich bei so großer Gewißheit , daß ein Erdschatte durch ihr ganzes jetziges Leben gehe und nicht rücke , mußt ' er den Weltkörper dazu suchen ; - dieser ward ihm Gaspard , den sie , wie er glaubte , noch liebe . Er führte diese Vermutung leicht durch alle ihre frühern Gespräche und Blicke hindurch ; - es war so natürlich , daß die früher durch einen Thron Getrennten sich jetzt im schönen Lande der freien Verhältnisse wieder zusammensehnten ; - noch dazu hatte der Ritter nach seiner unerbittlichen Ironie ihren Schein , ihn zu suchen , auch mit Schein , nämlich mit Ernst aufgenommen und sich daher immer zu ihrem Genusse des Sohnes als Zukost gesetzt und einen Nachwinter in den Frühling verlegt ; - diesen doppelten Schein rief Albano zurück als doppelte Wahrheit . - Da trat das Schicksal plötzlich unter seine neuen Schlüsse - sein Vater wurde bedenklich krank an einem entnervenden Frühlingsfieber unter dem Scirocco -Wind . » Nimm keinen besondern Teil « ( sagte Gaspard zu ihm ) » weder an meinen Leiden noch Äußerungen ; ich habe in solchem Zustande eine Erweichung , deren ich mich nachher schäme und doch nicht erwehre . « Albano wurde von manchen unerwarteten Herzens-Ausbrüchen des kranken Mannes bis zur wärmsten Liebe bewegt . Wenn die Ruinen eines Tempels wehmütig begeistern , dacht ' er , warum sollen es mich nicht noch mehr die Ruinen einer großen Seele ? Es gibt Menschen voll kolossalischer Überreste , gleich der Erde selber ; in ihrem tiefen , schon erkalteten Herzen liegen versteinerte Blumenbilder einer schönern Zeit ; sie gleichen nordischen Steinen , auf welchen Abdrücke indischer Blumen stehen . Die Krankheit grub unter sich . Gaspard blieb ohne Teilnahme an sich selber ; nur seine Geschäfte , nicht sein Ende bekümmerten ihn . Mit seinem Schwiegervater Lauria hielt er geheime Unterredungen , um auf sein Leben das schwarze Gerichtssiegel schließend zu drücken . Ein Eilbote mußte fertig stehen , um nach seinem Todesaugenblick mit einem Brief zu Linda zu fliegen , sein Sohn sollte einen selber erbrechen und einen versiegelten an die Fürstin übergeben . Sehr hart und gebietend benahm er sich gegen diesen , als er von ihm den Eid begehrte , sogleich nach seinem Tode nach Pestitz abzureisen . Denn da Albano , der so gern Neapel sah und dem alle diese den väterlichen Tod voraussetzenden Bedingungen schwer ankamen , zögernd weigerte , so sagte Gaspard : » das sei so recht menschlich und üblich , fremde Schmerzen ungemein zu beklagen und redlich mitzufühlen , sie aber ohne Anstand zu schärfen , sobald das Geringste getan werden solle . « Albano gab das Wort und den Eid ; und zeigt ' es ihm nie mehr , wenn er weinte aus Kindesliebe . Unerwartet erschien vor diesem Krankenbette Gaspards nächster und frühester Anverwandter , sein Bruder . Albano stand dabei , als das seltsame Wesen ankam und den Todkranken ansprach und zwei starre gläserne Augen , als wären sie eingesetzte , weit von dem wegdrehte , womit es redete - so phantastisch und doch voll kalter Welt gegen den sterbenden Bruder - mit hängender Gesichtshaut auf bedeutenden Gesichtsknochen - ein aufgerichteter falber Werwolf , erst aus der tierischen Haut in die menschliche getrieben - gleich dem Würgengel , ein Würgmensch und doch ohne Leidenschaft . - Es streckte nach Albano die lange Hand aus , aber dieser , von etwas Unnennbarem abgestoßen , konnte sie nicht anfassen . Dieser Bruder sagte , er komme von Pestitz - übergab zwei Briefe daraus , einen an Gaspard , einen für die Fürstin - und fing an , einiges über seine Reisen zu sagen , was ungemein scharfsinnig , phantastisch , gelehrt , unglaublich und oft recht unverständig schien . Einmal sagte Albano » Das ist geradezu unmöglich . « Er fing die Erzählung wieder an , machte sie noch unglaublicher und beteuerte , es sei so in der Tat . Darauf ging er fort , wie er sagte , nach Griechenland , und nahm vom sterbenden Bruder den kühlsten Abschied . Gaspard sagte jetzt zu Albano : » er möge nach seinem Tod diesen Sonderling , wenn er ihm nahe komme , recht wägen oder lieber meiden , da er nie ein wahres Wort sage , bloß aus reiner Freude an reiner Lüge ohne Eigennutz ; noch mehr « ( fuhr er fort ) » weiche dem tiefen tödlichen Skorpionstachel Bouverots aus , so wie seinem betrügerischen Spiel . « Albano wunderte sich über die Ansicht dieser Anrede ( freudig über die moralische Schärfe ) , da er bisher ganz andere Gesinnungen für Bouverot im Vater anzutreffen geglaubt . Am Tage darauf fand er den Vater schon wieder auf der Treppe aus der Gruft . Der Eilbote wurde abgedankt - alle Briefe zurückgefodert - der Fürst Lauria stand heiter da - : » Bloß eine fremde Krankheit hat meine geheilt « , sagte der Vater . Der Brief , den ihm der Bruder aus Pestitz gebracht , hatte die Nachricht enthalten , daß sein alter Freund , der dasige Fürst , der letzten Stunde schnell zueile , weil man seine Wassersucht bloß für Embonpoint gehalten und ihn versäumet habe . - » Ich hoffe , « ( sagte Gaspard ) » durch meinen Anteil so heilsam erschüttert zu sein , daß ich noch früh genug die Reise zur letzten Stunde der Freundschaft zu machen vermag . « Er setzte dazu , daß dann diese Reise wieder Bahn zu Albanos seiner nach Neapel mache . Da kam die Fürstin in der Bestürzung über den Brief , der ihres Gemahls Gefahr und ihre Abreise ansagte . - Gaspard antwortete mit einem verlangenden Winke zur Einsamkeit , den er dem Sohne gab . Sie blieben lange allein . Endlich kam die Fürstin verändert wieder und bat ihn fast stotternd , heute sie in die Opera seria zu begleiten . Sie war bewegt und verlegen , ihre Augen schimmernd , ihre Züge begeistert ; - auch den Vater fand er aufgeregt , aber wie gestärkt . Hier schoß ihm ein langer Mittagsstrahl durch den ganzen bisherigen Irrwald , nämlich die bestätigte Vermutung der Liebe seines Vaters , die jetzt durch die annahende Lösung der Ehekette der Fürstin und in der kränklichen Erweichung stärker ausgebrochen sei ; daher Gaspards Brief an die Fürstin , daher ihr Beisammenbleiben in Rom und auf dem Wege dahin u.s.w. Nie liebte Albano seinen starken Vater mehr als nach dieser Entdeckung einer zärtern Gesinnung ; und gegen die Fürstin wurde nun sein Herz aus einem Freunde auf einmal ein Sohn . Da er ohnehin von den fünf Treffern der menschlichen Erb-Liebe nur einen , den Vater , ( keine Mutter , keinen Bruder , keine Schwester und kein Kind ) gewonnen : so war er so neu entzückt über den Gewinn einer Mutter . Was die Achtung tun , die Wärme sprechen und die Hoffnung verraten durfte , das ließ er zu . Es war eine Nacht , wo in Rom schon wieder der Frühling Blumen durch die Wolken des Winters warf . Im Schauspielhause gab man Mozarts Tito . Wie nimmt den Menschen auf fremdem Boden das vaterländische Lied dahin , das ihm nachgezogen ! Die Lerche , die über römischen Ruinen gerade so singt wie über deutschen Feldern , ist die Taube , die uns mit ihrem bekannten Gesang den Ölzweig aus dem Vaterland bringt . - Bis hieher hatte Albano auf dem Alpenwege über Ruinen das Auge straff nur durch die künftige Kriegs-Laufhahn blicken lassen und es selten gen Himmel gehoben , wo die verklärte Liane war , und hatte gewaltsam jede Träne darin zerstäubt . Aber jetzt hatte der kranke Vater den Vorhang des unterirdischen Bettes aufgezogen , wo ihre Hülle schlief . Nun drang auf einmal der helle Strom der Töne , der durch seine Jugendländer , in seinen Paradiesen gegangen war , über die Gebürge herüber und rauschte mit den alten Wellen herab so nahe an ihm . Anfangs wehrte sich sein Geist gegen die alte eingeschlafne Zeit , die im Schlummer sprach ; aber als endlich die Töne , die Liane selber einst vor ihm gespielet und gesungen hatte , über die Bahre der Gebürge herüberkamen und sich herunterhingen als glänzende Teppiche der goldnen Tage ; als er daran dachte , welche Stunden er und Liane hier gefunden hätten , aber nicht fanden : da lief der schwarze Gram wie ein böser ausplündernder Genius die Tonleiter hinauf , und Albano sah seinen entsetzlichen Verlust hell im Himmel stehen . Da kehrt ' er das Auge nicht gegen die Fürstin , aber in der Weihe der Töne drückt ' er die Hand , an der einst die Verklärte hatte in diese Gefilde kommen sollen . Spät sagte er : » Ich werde mich im reichen Neapel immer sehnen nach meiner einzigen Freundin und den Glücklichen beneiden , der sie begleiten darf . « Sie kam in große Bewegung über diese neue Nachricht von seinem trennenden Abweg , und in eine noch größere über seine leidenschaftliche Veränderung , die sie mit der reichsten Aussteuer für ihre zartesten Hoffnungen aus ihrer Abreise und sogar aus ihres Gemahls bevorstehender herzuleiten wußte . Aber sie verbarg die größere Bewegung hinter die kleinere . Beide schieden mit gegenseitigen Freuden und Irrtümern auseinander . Albano wurde immer seliger durch den genesenden Vater ; die Fürstin wurd ' es durch den wärmern Sohn , und ihr Leben stieg aus dem Kriegsschiff in ein fliegendes Friedensschiff über . So kamen beide immer dichter an den Vorhang , dessen Gemälde sie für die Bühne selber hielten , um desto mehr zu staunen , wenn er aufging . 107 . Zykel Im Ritter war das vertrocknete Bette des Lebens wieder reichlich angequollen durch die Erschütterungen seines Herzens ; - eben weil er in gesunden Tagen sich gleich Bergen durch Eis und Moos zusammenhielt , so stellte in kranken , schien es , eine rechte innere Bewegung leichter die alte Kraft und Ruhe wieder her . Er rüstete sich zum Reisen , das am besten seinen eigensinnigen Körper auf- und nachbauete . Die Fürstin verschob das ihrige von Tag zu Tag , bloß in der festen , feurigen Erwartung , Albano werde ihr das schönste Endwort ihres ganzen Lebens mitgeben auf den Weg . In Albano war die Sehnsucht nach - Spanien aufgewacht im blühenden Land , und Neapel , hofft ' er , werde sie stillen . Der Frühling dämmerte schon in Rom und ging auf in Neapel - die Nächte durchsang die Nachtigall und der Mensch und die Mandelbäume blühten überall . Aber es schien , als ob die drei Menschen mit dem Reisen aufeinander warteten . Konnte die Fürstin von dem Herzen eilen , auf welchem ihr Dasein blühte und wurzelte , gleich einem abgerissenen Rosmarinzweige , dessen Wurzeln zugleich mit denen eines keimenden Weizenkorns doppelt in die Erde greifen ? - Auch Albano wollte nicht die Stunde beschleunigen , die ihn zugleich von dem Vater und der Freundin in ferne Erd-Ecken warf , jene in den Nachwinter , ihn in den Vor- und Nachfrühling ; - gerade jetzt am wenigsten ; sein Geist hatte sich durch den Entschluß zum Kriege befriedigt und versöhnt mit sich , sein Portici war glänzend aufgebauet auf dem verschütteten Herkulanum seiner Vergangenheit . Ein Brief von Pestitz entschied - der todkranke Fürst schrieb an die Fürstin und bat um das Wiedersehen - der Brief war ein Feuer , das den gemeinschaftlichen Boden , und wer darauf stand , auseinandersprengte - die drei Verbündeten faßten den Schluß , an einem Tage abzureisen , an einem Morgen , so daß eine Morgenröte ihr Gold zugleich in drei Reisewagen würfe . Noch etwas begehrte die Fürstin am Abend vor der Abreise : am Morgen Albanos Begleitung auf die Peterskuppel ; sie wollte Rom noch einmal in die scheidende Seele fassen , wenn es Morgenrot und Morgenglanz bedeckten . Auch Albano wollte gern den Most einer feurigen Stunde trinken , der sich zu einem ewigen Wein für das ganze Leben aufhellt ; denn er wußte nicht , daß die lebhafte Fürstin - noch lebhafter durch Italien - , nach langem Harren auf das schönste Wort von ihm , endlich zornig sich in eine Abschiedsstunde wagte , in der es ihm entfahren sollte . Früh vor Sonnenaufgang , wo in Rom noch mehrere einschlafen als aufstehen , holte er sie ab ; nur ihre treue Haltermann begleitete sie . Von der durchwachten Nacht glühte sie noch und schien sehr bewegt . Rom schlief noch ; zuweilen begegneten ihnen Wagen und Familien , die eben ihre Nacht beschließen wollten . Der Himmel stand kühl und blau über dem dämmernden Morgen , dem frischen Sohn der schönen Nacht . Der weite Zirkus vor der Peterskirche war einsam und stumm , wie die Heiligen auf den Säulen ; die Fontänen sprachen ; noch ein Sternbild erlosch über dem Obeliskus . - Sie gingen die Wendeltreppe von anderthalb hundert Stufen auf das Dach der Kirche und kamen aus einer Gasse von Häusern , Säulen , kleinen Kuppeln und Türmen durch vier Türen in die ungeheuere Kuppel in eine gewölbte Nacht - unten in der Tiefe ruhte der Tempel wie ein weites finsteres einsames Tal mit Häusern und Bäumen , ein heiliger Abgrund , und sie gingen nahe vor den musivischen Riesen , den farbigen breiten Wolken am Himmel des Doms vorbei . Während sie in der hohen Wölbung stiegen , blinkte immer röter Aurorens Goldschaum an den Fenstern , und Feuer und Nacht schwammen im Gewölb ' ineinander . Sie eilten höher und blickten hinaus , da schon ein einziger Lebensstrahl wie aus einem Auge hinter dem Gebürg in die Welt zückte - um den alten Albaner rauchten hundert glühende Wolken , als gebäre sein kalter Krater wieder einen Flammentag , und die Adler flogen mit goldnen , in die Sonne getauchten Flügeln langsam über die Wolken . - Plötzlich stand der Sonnengott auf dem schönen Gebürg , er richtete sich auf im Himmel und riß das Netz der Nacht von der bedeckten Erde weg ; da brannten die Obelisken und das Coliseum und Rom von Hügel zu Hügel , und auf der einsamen Campagna funkelte in vielfachen Windungen die gelbe Riesenschlange der Welt , die Tiber - alle Wolken zerliefen in die Tiefen des Himmels , und goldnes Licht rann von Tuskulum und von Tivoli und von Rebenhügeln in die vielfarbige Ebene , an die zerstreueten Villen und Hütten , in die Zitronen- und Eichenwälder - im tiefen Westen wurde wieder das Meer wie am Abend , wenn es der heiße Gott besucht , voll Glanz , immer von ihm entzündet und sein ewiger Tau . In der Morgenwelt lag unten das große stille Rom ausgebreitet , keine lebendige Stadt , ein einsamer ungeheuerer Zaubergarten der alten verborgnen Heldengeister , auf zwölf Hügel gelegt . - Der menschenlose Lustgarten der Geister sagte sich durch die grünen Wiesen und Zypressen zwischen den Palästen an und durch die breiten offnen Treppen und Säulen und Brücken , durch die Ruinen und hohen Springbrunnen und den Adonisgarten und die grünen Berge und Götter-Tempel ; die breiten Gänge waren ausgestorben ; die Fenster waren vergittert ; auf den Dächern blickten sich die steinernen Toten fest an - nur die glänzenden Springwasser waren rege , und eine einzige Nachtigall seufzete , als sterbe sie zuletzt . » Das ist groß , « ( sagte endlich Albano » daß unten alles einsam ist und man keine Gegenwart sieht . Die alten Heldengeister können in der Leere ihr Wesen treiben und durch ihre alten Bogen und Tempel ziehen und oben an den Säulen mit dem Efeu spielen . « » Nichts « ( versetzte die Fürstin ) » mangelt der Pracht als diese Kuppel , die wir auf dem Kapitolium gar dazu sähen . Aber nie werd ' ich diese Stelle vergessen . « » Was wär ' es sonst mit allem ! « ( sagt ' er ) » Ohnehin gehen die flachen Gegenden des Lebens ohne Merkmal vorüber , aus mancher langen Vergangenheit schlägt kein Echo zurück , weil kein Berg die breite Fläche stört ! - Aber Rom und diese Stunde neben Ihnen leben ewig in uns . « » Albano , « ( sagte sie ) » warum muß man sich so spät finden , und so früh trennen ? Dort geht Ihr Weg neben der Tiber her , Gott gebe in kein verschlingendes Meer ! « » Und dort geht Ihrer über die hellen Berge « , sagt ' er . Sie nahm seine Hand , denn sein Ton war so bewegt und bewegend . Göttlich leuchtete die Welt von den dunkeln Frühlingsblumen bis zum hellen Kapitol empor , und die Horen-Glocken tönten herauf - die Freudenfeuer des Tags loderten auf allen Höhen - das Leben wurde weit und hoch wie die Aussicht - sein Auge stand unter der Träne , aber keiner trüben , sondern unter jener , wo es wie das Weltauge unter dem Wasser sonnig glänzt und höhere Farben hat , welche die trockne Welt verzehrt . - Er drückte ihre Hand , sie seine . - » Fürstin , Freundin , « ( sagt ' er ) » wie acht ' ich Sie ! - Nach dieser heiligen Stunde trennen wir uns - ich möchte ihr ein unvergängliches Zeichen geben und meinem Vater ein kühnes Wort sagen , das mich und meine Achtung ausspräche und das wohl manche Rätsel lösete . « Sie schlug das Auge nieder und sagte bloß : » Dürfen Sie wagen ? « - » O verbieten Sie es nicht ! « ( sagte er ) » So manches Götterglück ging durch eine zaghafte Stunde verloren . Wenn soll denn der Mensch ungewöhnlich handeln als in ungewöhnlichen Lagen ? « Sie schwieg , den Morgenlaut seiner Liebe erwartend , und beide gingen im fortgesetzten Handdruck von der hohen Stelle herab . Albans Wesen war eine bebende Flamme . Die Fürstin begriff nicht , warum er noch diesen Frühlingston verschiebe ; er erriet sie ebensowenig , ungeübt , die Weiber und deren halbe abgeteilte Wörter zu lesen , diese Bildergedichte , halb Gestalt und nur halb Wort . - Gleichsam als wäre ein Adler aus seinem Morgenglanz herabgeflogen und hätte als ein Raub-Genius die Flügel über seine Augen geschlagen : so hatt ' ihn der leuchtende Morgen so sehr verblendet , daß er wagen wollte , jetzt in der Abschiedsstunde zwischen seinem Vater und der Fürstin der Mittler durch ein Wort zu werden , das beiden die Scheidewand zwischen ihrer Liebe wegzöge . Vieles wandt ' ihm seine Zartheit dagegen ein , aber gegenüber einem wichtigen Ziele verabscheute er nichts so sehr als zagende Vorsicht ; und Wagen hielt er für einen Mann so viel wert als Gewinnen . Die Fürstin , mißverstehend , doch nicht mißtrauend , folgte ihm in des Vaters Haus , mit einer Erwartung - kühner als seine - , er bekenne vielleicht gar dem Ritter die Liebe gegen sie . Sie fanden den Vater allein und sehr ernst . Albano fiel ihm , wiewohl er dessen Abneigung gegen körperliche Herzenszeichen kannte , um den Hals mit den halb erstickten Worten des Wunsches : » Vater ! Eine Mutter ! « - Zu diesem kindlichen Verhältnis hatte sich sein bisheriges gehoben und gereinigt . » Gott , Graf ! « rief die Fürstin , über Albano bestürzt und entrüstet . - Der zornfunkelnde Ritter ergriff voll Entsetzen eine Pistole , sagte : » Unglückliches - « , aber ehe man nur wußte , auf wen von drei Menschen er sie abdrücken wolle , faßte ihn seine Starrsucht und hielt wie eine umwindende Schlange ihn in der mörderischen Lage gefangen . » Graf , verstand ich Euch ? « sagte die Fürstin wegwerfend gegen ihn , gleichgültig gegen den versteinerten Feind . - » O Gott , « ( sagte Albano , von der väterlichen Gestalt bewegt ) » ich verstand wohl niemand . « - » Das konnte « ( sagte sie ) » nur ein Unwürdiger . Lebt wohl . Mög ' ich niemals Euch mehr begegnen ! « - Dann ging sie . Albano blieb , unbekümmert , ob er nicht selber mit der Pistole gemeint sei , bei dem Kranken , der einer vornehmen Männer-Leiche gegenüber entgegenstarrte , die man eben zu schminken beschäftigt war . Allmählich rang sich das Leben wieder aus dem Winter auf , und der Ritter setzte , wie Starrsüchtige müssen , die mit dem Worte » unglückliches « angefangne Anrede so fort : » Weib , von wem bist du Mutter ? « - Er kam zu sich und sah wach umher ; aber schnell rann wieder die Lava des Zorns durch seinen Schnee : » Unglücklicher , wovon war die Rede ? « Albano entdeckte ihm mit gerader unschuldiger Seele , daß er bei dem wahrscheinlichen Tode des Fürsten auf eine Vereinigung zwischen beiden und auf das Glück , eine Mutter zu erhalten , sich die Hoffnung gemacht . » Ihr junges Volk bildet euch immer ein , man könne keine echte Liebe haben , ohne sie nach außen zu treiben und auf jemand zu richten « , versetzte Gaspard und fing an , hart zu lachen und das » sentimentalische Mißverständnis « sehr komisch zu finden ; aber Albano fragte ihn nun sehr ernst nach dem Ursprunge des seinigen . Gaspard gab ihm diesen . Neulich in seiner Krankheit hatt ' er bei der ersten Nachricht von des Fürsten naher Abblüte einen erbitterten Kampf mit der Fürstin , welche in dessen Todesfalle eine Regentschaft - oder Vormundschaft - begehrte , schon wegen der Möglichkeit eines Fürstenhut-Erben . Der Ritter sagt ' ihr geradezu , diese Möglichkeit sei eine Unmöglichkeit und er werde mit neuen , ihr unbekannten Beweisen sie ohne weiteres angreifen . Er gab ihr geradezu zu verstehen , daß er sogar gegen den Fall gerüstet sei , wo ein augenscheinlicher Beweis des Gegenteils ( ein Erbprinz ) ihm entgegengestellet würde . Die Fürstin versetzte erbittert , sie errate nicht , warum er für die haarhaarsche Linie und Erbfolge sich im geringsten mehr bekümmere und sorge als für die Hohenfließer . Er brachte sie bis zu Tränen ; denn er konnte ohne Schonung ihr die grausamsten Worte wie Widerhaken tief ins Herz werfen ; er hatte die vollendete Entschlossenheit eines Staatsmannes , der wie ein großer Raubvogel das Opfertier , das er nicht bezwingen oder schleppen kann , an einen Abgrund treibt und mit den Flügeln hinunterschlägt , um es drunten besiegt zu finden . Ein Leben , das , so wie es fortrückt , gleich den fortrückenden Gletschern , alte Leichen aufdeckt ! So wie der Glückliche seine Liebe eines Individuums wärmend über die Menschheit ausbreitet , so hält der Menschenfeind den stechenden Brenn- oder Frostpunkt seiner weiten Kälte gegen die Menschheit auf einen großen Feind allein , indes vorher jede kleinere Beleidigung dem Einzelnen vergeben und nur der gesamten Menschheit angeschrieben wurde . Das war also jene geheime Unterredung , deren Spuren Albano für schönere Bewegungen genommen hatte als des Hasses . » Als du nun « ( sagte der Ritter jetzt geradeheraus , um mit der schneidenden Frechheit sein Hochgefühl zu strafen ) » die kurz- und dunkelgefaßte Anrede : Eine Mutter ! hieltest , mußt ' ich dich für den Vater nehmen , und daraus magst du leicht das übrige erklärn . « - » Vater , « ( sagt ' er ) » das war schreiend unrecht gegen jeden « ; und schied mit drei heißen Wunden , vom Dreizack des Schicksals gerissen . Beim Abschiede erinnerte ihn Gaspard , sein Wort der monatlichen Zurückkunft zu halten , und fügte noch scherzend bei : » Der Alte , den man drüben schminke , sei ein deutscher Herr , womit er ehedem wohl den Spaß getrieben , ihn eilig zu bekehren . « 181 Noch in dieser Stunde reisete Albano mit seinem Dian aus dem erleuchteten Rom . Auf den Höhen und auf der Peterskuppel wogte herunterschwebend der blaue Himmel , und lange Schatten schliefen noch , mit Tauperlen umkränzt , auf den Blumen ; aber der selige Morgen war weit zurückgeflohen aus dem harten Tage . Beide begegneten vor dem Tore einer Kreis-Menge , die um einen schönen Ermordeten stand und , statt unwillig über den Mörder , freudig über die Gestalt wiederholte » Quanto è bello ! « 182 - und Albano dachte daran , wie oft man hinter ihm gesagt : » Quanto e bello ! « Achtundzwanzigste Jobelperiode Brief aus Pestitz - Mola - die Himmelfahrt eines Mönchs - Neapel - Ischia - die neue Göttergabe 108 . Zykel Ein kleines Licht in unserm Zimmer kann uns gegen das Blenden des ganzen himmelbreiten Blitzes schirmen ; so braucht es in uns eine einzige fortleuchtende Idee und Tendenz , damit uns der schnelle Flammen-und Licht-Wechsel von außen nicht betäube . Hätte Albano nicht ein weit zu sehendes Ziel , einen Obeliskus in seiner Lebensbahn vor seinem Auge behalten : wie lange würde ihn die letzte Szene mit ihren durcheinandergreifenden Schmerzen verwirret haben ! - Jetzt glich er den angezündeten Öl- und Lorbeerblättern um ihn , deren Flammen so gut grünen wie sie selber . Dian , der fremde Schmerzen wegtrieb , weil er leicht beweglich bald aus einem Zuschauer derselben ein Mitspieler wurde , machte Albano und sich durch seine feurige Teilnahme an jeder schönen Gestalt , an jeder Ruine , an jeder kleinen Freude heiter . Er hatte die schöne seltene Gabe , auf Reisen froh zu sein , jede Blume