Bedeutung haben ; Sie besitzen Schwestern und kümmern sich wenig darum , ob Sie eine Cousine haben ; ich jedoch hatte niemand ; und jetzt sind plötzlich drei Verwandte – oder nur zwei , wenn Ihnen nichts daran liegt , mitgerechnet zu werden – in Lebensgröße in mein Dasein getreten . O , ich sage es noch einmal , ich bin so glücklich ! « Ich ging schnell durch das Zimmer . Dann hielt ich inne . Die Gedanken , welche schneller kamen , als ich sie erfassen , begreifen , ordnen konnte , erstickten mich fast , – Gedanken über das , was über kurz oder lang sein konnte , mußte und sollte . Ich starrte die kahle Wand an ; sie erschien mir wie ein Himmel , der dicht mit leuchtenden Sternen übersäet war – und jeder einzelne derselben bedeutete mir ein Glück , eine Wonne , eine That ! Jetzt konnte ich jenen Wohlthaten erweisen , die mir das Leben gerettet und die ich bis zu diesem Augenblick nur unthätig hatte wieder lieben können . Sie lebten in einem Joche , ich konnte sie befreien , sie waren in der Welt zerstreut , ich konnte sie wieder vereinigen , – die Unabhängigkeit , der Überfluß , dessen ich mich erfreute , konnte auch ihnen zu teil werden . Waren wir nicht unserer vier ? Zwanzigtausend Pfund in gleiche Teile geteilt , würde für jeden fünftausend geben – reichlich genug ; der Gerechtigkeit sollte Genüge geschehen , – unser aller Glück gesichert werden . Jetzt lastete der Reichtum nicht schwer auf mir , jetzt war es nicht nur ein Erbteil an Geld und Geldeswert – nein , es war ein Legat an Leben , Hoffnung und Genuß ! Ich kann nicht sagen , wie ich aussah , während diese Gedanken auf meine Seele einstürmten ; aber bald bemerkte ich , daß Mr. Rivers einen Stuhl hinter mich gestellt hatte und sanft versuchte , mich auf denselben nieder zu drücken . Er riet mir auch , gefaßt zu sein ; mich aber empörte seine Anspielung auf meine Hilflosigkeit und Erregtheit ; ich schüttelte seine Hand von meiner Achsel und begann von neuem auf und ab zu wandern . » Schreiben Sie schon morgen an Diana und Mary und sagen Sie ihnen , daß sie sofort nach Hause kommen , « sagte ich , » Diana hat mir oft gesagt , daß sie sich für reich halten würden , wenn sie tausend Pfund hätten , folglich werden sie mit fünftausend Pfund sehr gut leben können . « » Sagen Sie mir , wo ich Ihnen ein Glas Wasser holen kann , « sagte St. John , » Sie müssen sich wirklich beruhigen und Ihre Gefühle zu beherrschen suchen . « » Unsinn ! und welche Folgen wird diese Erbschaft für Sie haben ? Wird sie Sie in England zurückhalten und Sie bewegen , Miß Olliver zu heiraten ? Werden Sie sich in Ruhe niederlassen , wie ein gewöhnlicher Sterblicher ? « » Sie phantasieren . Ihre Gedanken verwirren sich ; ich habe Ihnen diese Nachricht zu plötzlich mitgeteilt ; es war zuviel für Ihre Kräfte . « » Mr. Rivers ! Sie machen mich wirklich ungeduldig ; ich bin vollkommen vernünftig ; Sie sind es , welcher mich mißversteht , oder welcher vielmehr vorgiebt , mich mißzuverstehen . « » Vielleicht würde ich Sie besser verstehen , wenn Sie sich klarer ausdrückten . « » Klarer ausdrücken ! Was ist denn hier noch klarer auszudrücken . Sie müssen doch einsehen , daß zwanzigtausend Pfund , die in Frage stehende Summe , zu gleichen Teilen zwischen dem Neffen und den drei Nichten meines Onkels verteilt , fünftausend Pfund für jeden ergeben ? Was ich will , ist , daß Sie an Ihre Schwestern schreiben und ihnen Mitteilung von dem Vermögen machen , welches ihnen zugefallen ist . « » Ihnen selbst , wollen Sie sagen . « » Ich habe Ihnen deutlich meine Ansicht über die Sache erklärt . Eine andere vermag ich nicht zu fassen . Ich bin nicht brutal selbstsüchtig , nicht blindlings ungerecht , nicht teuflisch undankbar . Außerdem bin ich entschlossen , mein Heim zu gründen , mir Verwandte zu schaffen . Ich liebe Moor-House , und in Moor-House will ich wohnen . Ich liebe Diana und Mary , und bei Diana und Mary will ich mein Lebelang bleiben . Es wird mir ein Segen und eine Freude sein , fünftausend Pfund zu besitzen ; aber es würde mich quälen und bedrücken , zwanzigtausend mein eigen zu nennen ; und außerdem könnten sie mir niemals von Rechtswegen gehören , wenn auch das Gesetz sie mir zuspricht . So überlasse ich Ihnen nur das , was für mich absolut überflüßig wäre . Opposition und Diskussion in dieser Sache sind durchaus nutzlos . Einigen wir uns lieber über den Gegenstand und ordnen alles nötige sofort . « » Dies heißt nach der ersten Eingebung handeln ; Sie bedürfen mehrerer Tage , um die Sache zu überlegen , bevor ich Ihr Wort als giltig annehmen kann . « » O ! Wenn es nur die Aufrichtigkeit und Dauer meines Willens ist , die Sie bezweifeln , so bin ich ruhig . Sehen Sie denn wenigstens die Gerechtigkeit der Sache ein ? « » Ja ; eine gewisse Gerechtigkeit erkenne ich an ; doch läuft sie jedem hergebrachten Brauch entgegen . Außerdem haben Sie Anspruch an das ganze Vermögen ; mein Onkel erwarb es durch seine eigenen Anstrengungen ; es stand ihm frei , es zu hinterlassen , wem er wollte : er hinterließ es Ihnen . Und schließlich erlaubt das Gesetz Ihnen , es zu behalten . Mit reinem Gewissen können Sie es als Ihnen gehörig betrachten . « » Bei mir ist es ebensogut eine Sache des Gewissens wie des Gefühls , « sagte ich . » Und ich muß nach meinem Gefühl handeln . Ich habe bis jetzt so selten Gelegenheit gehabt , das zu thun . Und wenn Sie während der Dauer eines ganzen Jahres mit mir stritten , mich ärgerten und mir widersprächen , so würde ich mir die selige Freude nicht versagen , die sich mir in dieser Stunde flüchtig offenbart hat – nämlich , zum Teil eine schwerwiegende Verbindlichkeit abzuzahlen und mir Freunde für das ganze Leben zu erringen . « » So denken Sie jetzt , « begann St. John wiederum , » weil Sie nicht wissen , was es heißt , Reichtum zu besitzen und folglich sich desselben zu erfreuen ; Sie haben keinen Begriff von der Wichtigkeit , welche der Besitz von zwanzigtausend Pfund Ihnen verleihen würde ; von der Stellung , welche sie Ihnen in der Gesellschaft geben würden ; von den Aussichten , welche sich Ihnen dadurch eröffnen würden ; Sie können nicht – – – « » Und Sie , « unterbrach ich ihn , » können sich keinen Begriff machen von der Sehnsucht , welche ich nach schwesterlicher und brüderlicher Liebe empfinde . Ich hatte niemals eine Heimat , niemals Brüder oder Schwestern , Ich will und muß sie jetzt haben . Widerstrebt es Ihnen denn , mich aufzunehmen und anzuerkennen ? « » Jane , ich will Ihnen ein Bruder sein – meine Schwestern werden Ihre Schwestern sein – ohne daß Sie uns das Opfer Ihrer gerechten Ansprüche bringen . « » Bruder ? Ja , In der Entfernung von einigen tausend Meilen ! Schwestern ? Ja ! Die ein Sklavenleben zwischen Fremden führen ! Und ich reich ! Überschüttet mit Gold , das ich mir nicht erworben und das ich nicht verdiene ! Und Ihr arm ! Großartige Gleichberechtigung und Brüderlichkeit ! Enge , innige Vereinigung ! Herzliche Liebe und Anhänglichkeit ! « » Aber Jane , Ihre Sehnsucht nach Familienbanden und häuslichem Glück könnte doch in anderer Weise gestillt werden , als in jener , welche Sie im Sinne haben ! Sie könnten sich doch verheiraten ! « » Noch einmal Unsinn ! Heiraten ! Ich will nicht heiraten und werde niemals heiraten ! « » Das ist zuviel gesagt . Solche gewagte Behauptungen sind ein Beweis von der Erregung , in welcher Sie sich befinden . « » Es ist nicht zuviel gesagt . Ich weiß , was ich empfinde und wie all mein Denken dem bloßen Gedanken einer Heirat widerstrebt . Niemand würde mich aus Liebe heiraten , und ich wünsche nicht in dem Licht einer einfachen Geldspekulation dazustehen . Überdies will ich keinen fremden , mir unsympathischen Menschen , der ganz von mir verschieden ist . Ich will meine Anverwandten , mit denen ich jedes Gefühl gemeinsam habe . Sagen Sie noch einmal , daß Sie mein Bruder sein wollen . Als Sie jene Worte aussprachen , war ich zufrieden und glücklich ; wiederholen Sie sie , wenn Sie können ; wiederholen Sie sie aufrichtig ! « » Ich glaube , daß ich es kann . Ich weiß , daß ich meine eigenen Schwestern stets geliebt habe ; und ich weiß , auf was meine Liebe für sie gegründet ist – auf die Achtung vor ihrem Wert , auf die Bewunderung ihrer Eigenschaften und Talente . Auch Sie besitzen Gemüt , Herz und Grundsätze ; Ihre Geschmacksrichtung und Ihre Gewohnheiten gleichen denen Marys und Dianas ; Ihre Gesellschaft ist mir stets angenehm ; in der Unterhaltung mit Ihnen habe ich schon seit langer Zeit einen wohlthuenden Trost gefunden . Ich fühle , daß ich Ihnen leicht und gern einen Platz in meinem Herzen einräumen kann ; Sie sind meine dritte und jüngste Schwester . « » Ich danke Ihnen ! Für heute abend bin ich damit zufrieden . Jetzt sollten Sie aber gehen ; denn wenn Sie noch länger blieben , regten Sie mich vielleicht von neuem durch Ihre mißtrauischen Gewissensbisse auf . « » Und die Schule , Miß Eyre ? Die wird jetzt doch vermutlich geschlossen werden müssen ? « » Nein ; ich werde den Platz einer Lehrerin behalten und ausfüllen , bis Sie einen Ersatz für mich gefunden haben . « Er lächelte zustimmend . Dann drückten wir uns die Hände und er ging . Ich brauche wohl nicht bis in alle Einzelheiten der weiteren Kämpfe , welche ich zu bestehen hatte , der vielen Argumente , derer ich mich bedienen mußte , zu erwähnen , bis ich endlich die Angelegenheit der Erbschaft so geordnet hatte , wie ich es wünschte . Meine Aufgabe war eine sehr schwierige ; da ich aber fest entschlossen war – da meine Verwandten endlich einsahen , daß es unwiderruflich fest bei mir stand , eine gerechte und gleichmäßige Teilung des Vermögens vorzunehmen , – da sie endlich in ihrem innersten Herzen wohl die Billigkeit dieser Absicht anerkannt und außerdem sich wohl klar bewußt waren , daß sie an meiner Stelle gerade so gehandelt haben würden , wie ich zu handeln wünschte – so gaben sie schließlich insoweit nach , daß sie einwilligten , die Sache einem Schiedsgericht zu unterbreiten . Die erwählten Richter waren Mr. Olliver und ein tüchtiger Rechtsanwalt ; beide stimmten mit meiner Ansicht überein . Ich trug den Sieg davon . Die Akte der Übertragung wurden ausgefertigt . St. John , Diana , Mary und ich bekamen alle ein hinreichendes Auskommen . Vierzehntes Kapitel . Das Weihnachtsfest war beinahe herangekommen , ehe alles geordnet war ; die Zeit des Festes der ganzen Christenheit war nahe . Jetzt schloß ich die Schule von Morton und trug Sorge dafür , daß die Trennung meinerseits nicht ohne äußeres Zeichen vorüberging . Das Glück öffnet doch Hand und Herz gar wundersam ; und in geringem Maße zu geben , wenn wir reichlich empfangen haben , ist nur ein Abfluß , den wir der ungewohnten Aufwallung unserer Gefühle verschaffen . Schon lange hatte ich voll Freude empfunden , daß manche meiner ländlichen Schülerinnen mich liebten , und als wir voneinander Abschied nahmen , wurde diese Empfindung vollauf bestätigt ; sie legten ihre Anhänglichkeit für mich deutlich und ehrlich an den Tag . Wie groß war meine Dankbarkeit , als ich sah , daß ich wirklich einen Platz in ihren unverdorbenen Herzen inne gehabt ; so versprach ich ihnen denn , daß niemals eine Woche vergehen solle , ohne daß ich sie aufsuchen und ihnen eine Unterrichtsstunde in ihrer Schule geben würde . Mr. Rivers kam , um die Thür zu verschließen , nachdem die Klassen , welche jetzt sechzig Mädchen zählten , an mir vorüber defiliert waren ; ich stand mit dem Schlüssel in der Hand da und wechselte noch einige besondere Abschiedsworte mit einem halben Dutzend meiner besten Schülerinnen ; diese waren so anständige , achtbare , bescheidene und gut unterrichtete junge Geschöpfe , wie sie nur irgend in der brittischen Bauernschaft zu finden waren . Und das ist viel gesagt ; denn schließlich , nachdem ich viele » paysannes « und deutsche Bäuerinnen gesehen habe , muß ich behaupten , daß der brittische Bauernstand der am besten unterrichtete , anständigste und achtbarste in ganz Europa ist . » Betrachten Sie sich als wohl belohnt nach vielen Monaten der Mühsal und Anstrengung ? « fragte Mr. Rivers , als sie alle fort waren . » Gewährt das Bewußtsein Ihrer Zeit und Ihrer Generation etwas wirklich Gutes geleistet zu haben Ihnen nicht wahre Freude ? « » Ohne Zweifel . « » Und Sie haben doch nur wenige Monate harte Arbeit gethan ! Wäre nicht ein ganzes Leben , welches der Aufgabe gewidmet , das Menschengeschlecht zu bessern , ein gut angewandtes Leben ? « » Ja , « sagte ich . » Aber ich hätte nicht für alle Zeit in dieser Weise leben können . Ich will mich ebenso gern an meinen eigenen Talenten und Fähigkeiten erfreuen , wie ich jene meiner Nebenmenschen heranbilde . Und zwar muß ich mich ihrer jetzt freuen ; führen Sie weder meine Seele noch meinen Leib in die Schule zurück ; jetzt liegt sie hinter mir und ich muß einen ganzen Feiertag haben . « Er sah sehr ernst aus . » Was bedeutet das ? Welche krankhafte Sucht nach Zerstreuung legen Sie jetzt an den Tag ? Was haben Sie vor ? « » Ich will thätig sein , so thätig wie möglich . Und vor allen Dingen muss ich Sie bitten , Hannah in Freiheit zu setzen und jemand zu suchen , die Sie an ihrer Stelle bedient . « » Brauchen Sie sie ? « » Ja . Um mit mir nach Moor-House zu gehen . In einer Woche werden Diana und Mary zu Hause sein , und bei ihrer Ankunft sollen sie alles in der schönsten Ordnung finden . « » Ich verstehe . Ich glaubte schon , Sie beabsichtigten , irgend einen Ausflug zu machen . Es ist besser so . Hannah soll Sie begleiten . « » Sagen Sie ihr also , daß sie sich morgen bereit hält . Und hier ist der Schlüssel zum Schulzimmer . Morgen früh werde ich Ihnen den Schlüssel zu meinem Häuschen geben . « Er nahm ihn . » Sie liefern ihn sehr freudig ab , « sagte er . » Ihr Leichtsinn erscheint mir ein wenig unbegreiflich , weil ich nicht weiß , welche Beschäftigung Sie in Aussicht nehmen an Stelle derjenigen , welche Sie aufgeben , welches Ziel , welchen Zweck , welchen Ehrgeiz Sie jetzt für Ihr Leben haben ? « » Mein erstes Ziel ist , Moor-Hause vom Boden bis zum Keller einer gründlichen Reinigung zu unterziehen ; ( begreifen Sie die ganze Wucht dieses Ausdrucks ? ) Das nächste , es mit Bienenwachs , Öl und einer unbestimmten Anzahl von Tüchern zu reiben , bis es blitzt ; das dritte , jeden Tisch , jeden Stuhl , jedes Bett , jeden Teppich mit mathematischer Präcision zu arrangieren ; darauf werde ich Sie beinahe zu Grunde richten durch ungezählte Massen von Torf und Holz , um in jedem Zimmer ein hellloderndes Feuer zu unterhalten ; und endlich und zuletzt werden die beiden letzten Tage , welche der Ankunft Ihrer Schwestern vorausgehen , von Hannah und mir dem Schlagen von Eiern , Auslesen von Rosinen , Rösten von Gewürzen , Backen von Weihnachtskuchen , Schneiden von Fleisch und anderem culinarischem Ritus gewidmet sein , von welchem Uneingeweihte wie Sie doch keinen Begriff haben . Kurz und gut , mein Zweck ist es , vor nächstem Donnerstag alles in einem Zustande der vollkommensten Bereitschaft zu Dianas und Marys Empfang zu haben ; mein Ehrgeiz besteht darin , ihnen das beau-ideal eines Willkommens zu bieten , wenn sie kommen . « St. John lächelte fast unmerklich . Aber er war noch immer nicht ganz zufrieden . » Das alles ist sehr schön für den Augenblick , « sagte er , » aber im Ernst gesprochen , ich hoffe und vertraue , daß Sie Ihren Blick ein wenig höher richten werden , als auf häusliche Freuden und Verschönerungen , wenn die erste Freude und Erregung vorüber sein werden . « » O , das sind die besten Dinge , die das Leben uns bietet ! « unterbrach ich ihn . » Nein Jane , nein ! Diese Welt ist nicht die Stätte des Genusses ; versuchen Sie nicht , sie dazu zu machen ; auch nicht eine Stätte der Ruhe : werden Sie nicht träge . « » Im Gegenteil ! Ich beabsichtige sehr thätig und arbeitsam zu sein ! « » Jane , für den Augenblick verzeihe ich Ihnen noch ; ich gebe Ihnen zwei Monate zu dem vollen Genuß Ihrer neuen Lebenslage ; zwei Monate dürfen Sie den Reiz dieser neu aufgefundenen Verwandtschaft auskosten ; aber dann hoffe ich , werden Sie Ihren Blick über Moor-House und Morton hinaus erheben ; Sie werden mehr anstreben als die Gesellschaft der Schwestern , mehr als die selbstsüchtige Ruhe und das sinnliche Behagen des Überflusses unserer Civilisation , Ich hoffe , daß die Kraft Ihrer Energie Ihnen dann wiederum keine Ruhe lassen wird . « Ich sah ihn erstaunt an . » St. John , « sagte ich endlich , » es ist beinahe gottlos , daß Sie so reden ! Ich habe mir vorgenommen , so glücklich und zufrieden wie eine Königin zu sein , und da kommen Sie und versuchen von neuem die Ruhelosigkeit in mir wachzurufen ! Zu welchem Zweck ? « » Zu dem Zwecke , die Talente und Fähigkeiten , welche Gott Ihnen gegeben , in seinem Sinne zu verwerten . Denn eines Tages wird er dafür strenge Rechenschaft von Ihnen verlangen . Jane , ich werde getreulich und unablässig über Ihnen wachen – das kündige ich Ihnen an . Und bemühen Sie sich , den ungerechtfertigten Eifer zu unterdrücken , mit dem Sie sich den einfachen , gewöhnlichen häuslichen Freuden hingeben . Hängen Sie sich nicht zu fest an die Bande des Fleisches , Bewahren Sie Ihre Energie und Ausdauer für eine vollkommenere Sache auf ; unterlassen Sie es , sie an gewöhnliche , wertlose Dinge zu verzetteln . Hören Sie mich , Jane ? « » Ja . Gerade so als ob Sie Griechisch sprächen . Ich fühle nur , daß ich vollkommene Ursache habe , froh und glücklich zu sein , und glücklich sein will ich . Adieu ! « Glücklich war ich in Moor-House , und angestrengt arbeitete ich . Desgleichen Hannah . Sie war entzückt zu sehen , wie fröhlich ich sein konnte inmitten der Unruhe eines Hauses , in welchem das unterste zu oberst gekehrt war – wie gut ich bürsten , abstäuben , reinigen und kochen konnte . Und wirklich nach zwei Tagen der heillosesten Verwirrung war es reizend mit anzusehen , wie wir nach und nach Ordnung in das Chaos brachten , das wir selbst hervorgerufen hatten . Kurz vorher hatte ich noch eine Reise nach S. unternommen , um einige neue Möbelstücke zu kaufen , nachdem meine Cousinen mir carte blanche und eine bestimmte Summe zu dem Zwecke gegeben hatten , alle mich gut dünkenden Änderungen zu treffen . Das gewöhnliche Wohnzimmer und die Schlafzimmer ließ ich ganz so , wie sie gewesen , denn ich wußte , daß Diana und Mary mehr Freude an dem Wiedersehen der häßlichen , alten Stühle und Tische haben würden , als an dem Anblick der prächtigsten Neuerungen . Und doch war einiges Neue notwendig , um ihrer Heimkehr das prickelnd Ungewöhnliche zu verleihen , womit ich es gern umkleiden wollte . Diesem Zweck entsprachen nun neue , schöne , dunkle Teppiche und Vorhänge , eine Zusammenstellung sorgsam ausgewählter , antiker Ornamente in Porzellan und Bronze , neuer Möbelbezüge , Spiegel und Toilette-Necessaire für die Ankleidezimmer : alles dies sah frisch aus ohne störend zu wirken . Ein Fremdenwohn- und Schlafzimmer möblierte ich ganz neu mit Mahagony und roten Polstermöbeln ; in den Korridor und auf die Treppe legte ich Teppiche . Als alles fertig war , erschien das Innere von Moor-House mir ebenso freundlich und sauber und gemütlich , wie es draußen um diese Jahreszeit winterlich einsam und öde und traurig war . Endlich kam der ereignisreiche Donnerstag . Sie wurden um die Dämmerstunde erwartet , und lange vorher wurden schon oben und unten die Kaminfeuer angezündet . Die Küche war in vollkommenster Ordnung , Hannah und ich waren angekleidet . Alles war bereit . Zuerst kam St. John . Ich hatte ihn innig gebeten , das Haus nicht eher zu betreten , als bis alles arrangiert sei ; und in der That hatte der bloße Gedanke an die triviale , niedrige Unruhe und Verwirrung , welche innerhalb unserer vier Wände vor sich ging , hingereicht , ihn uns völlig zu entfremden . Er fand mich in der Küche mit dem Backen einiger Kuchen für unseren ersten Theeabend beschäftigt . Indem er sich dem Herde näherte , fragte er , ob ich nun endlich mit der Arbeit eines Hausmädchens zufrieden sei . Ich antwortete ihm , indem ich ihn einlud , mich auf einer Generalinspektionsreise durch das Haus zu begleiten , um das Resultat meiner Anstrengungen zu begutachten . Mit einiger Mühe gelang es mir , ihn zu diesem Rundgang zu überreden . Er blickte kaum in die Thüren hinein , wenn ich sie öffnete ; und nachdem er oben und unten gewesen , meinte er , ich müsse unendlich viel Mühe und Arbeit gehabt haben , um in so kurzer Zeit so beträchtliche Veränderungen bewerkstelligt zu haben . Aber nicht mit einer einzigen Silbe verriet er , daß er an der Verschönerung seines väterlichen Hauses auch nur die geringste Freude empfände . Sein Schweigen dämpfte meine Freude . Ich glaubte , daß die Veränderungen vielleicht einige alte Erinnerungen gestört hätten , welche ihm wert und lieb gewesen . Ich fragte , ob dies der Fall sei . Vielleicht in sehr niedergeschlagenem Ton . » Durchaus nicht . Er bemerke im Gegenteil , daß ich mit der größten Gewissenhaftigkeit alles , was ihm wert sei , geschont habe ; er fürchte in der That , daß ich der Sache mehr Wichtigkeit beigelegt , als sie wert sei . Wieviel Minuten hätte ich zum Beispiel damit zugebracht , über das Arrangement dieses Zimmers nachzudenken ? – Übrigens , könne ich ihm denn nicht sagen , wo dies und jenes Buch sei ? « Ich zeigte ihm den Band auf dem Bücherbrett . Er nahm ihn herunter und indem er sich in seine gewöhnliche Fenstervertiefung zurückzog , begann er zu lesen . Nun , mein lieber Leser , dies gefiel mir nicht , St. John war ein guter Mann ; aber jetzt begann ich zu empfinden , daß er die Wahrheit über sich selbst gesprochen , als er gesagt , daß er hart und kalt sei . Das Menschliche und das Angenehme des Lebens hatte keine Anziehungskraft für ihn – seine friedlichen Genüsse keinen Reiz . In der That , er lebte nur um zu streben – zu streben nach dem , was gut und groß war , gewiß ! Aber er kannte keine Ruhe , er wollte keine ; und er billigte es auch nicht , wenn die , welche um ihn waren , ruhten . Als ich auf seine hohe Stirn blickte , die still und bleich wie ein Leichenstein war , – auf seine schönen Züge , die durch das Studium fest und strenge geworden – da begriff ich plötzlich , daß er niemals ein guter Gatte sein könne , daß es eine schwere Aufgabe sein müsse , sein Weib zu sein . Wie durch eine plötzliche Eingebung verstand ich das Wesen seiner Liebe zu Miß Oliver ; ich stimmte ihm bei , daß es nur eine Liebe der Sinne sein könne . Ich begriff , wie sehr er sich selbst verachten mußte um des fieberhaften Einflusses willen , welchen sie auf ihn ausübte , wie er wünschen mußte , diese Liebe zu ersticken und zu zerstören , wie er daran zweifeln mußte , daß sie jemals zu seinem und ihrem dauernden Glücke führen könne . Ich sah ein , daß er aus dem Stoffe sei , aus welchem die Natur ihre Heroen macht – christliche wie heidnische – ihre Gesetzgeber , ihre Staatsmänner , ihre Eroberer ; ein festes Bollwerk , auf das man in großen Zeiten um großer Interessen willen bauen konnte ! Aber am häuslichen Herd nur zu oft eine schwere , kalte Säule , die düster und nicht an ihrem Platze ! » Dieses Wohnzimmer ist nicht seine Sphäre , « reflektierte ich , » das Himalayagebirge , der Kaffern Busch , sogar die verpestete , verwünschte Küste von Guinea würden besser für ihn passen . Wohl mag er sich vor der Ruhe des Familienlebens scheuen ; es ist nicht sein Element ; hier stagnieren seine große Fähigkeiten ; sie können sich nicht entwickeln , sich nicht zu ihrem Vorteil zeigen . In Kampf und Gefahr , wenn Mut gezeigt , Willensstärke geübt , Kraft gestählt werden kann – da wird er reden und handeln , als Anführer , als Erster ! An diesem Herde jedoch wird ein frohsinniges Kind den Sieg über ihn davon tragen . Er hat recht , wenn er den Beruf eines Missionärs erwählt – jetzt sehe ich es ein ! « » Sie kommen ! sie kommen ! « rief Hannah indem sie die Thür des Wohnzimmers weit aufriß . In demselben Augenblick hob auch der alte Carlo an freudig zu bellen . Ich lief hinaus . Jetzt war es dunkel geworden , aber deutlich vernahm man das Rollen der Räder . Hannah hatte schnell eine Laterne angezündet . Der Wagen hatte vor dem Gitterthor angehalten . Der Kutscher öffnete den Wagenschlag ; zuerst stieg eine wohlbekannte Gestalt heraus , dann die zweite . Im nächsten Augenblick war mein Gesicht unter ihren Hüten , zuerst in Kontakt mit Marys weicher Wange , dann mit Dianas reichen Locken . Sie lachten , küßten mich – dann Hannah ; liebkoseten Carlo , der fast wild vor Freude war , fragten eifrig , ob alles wohl und in Ordnung sei , und eilten ins Haus , als wir ihre Frage bejahend beantwortet . Sie waren wie gerädert durch ihre lange Fahrt auf dem schlechten Wege von Whitcroß ; ihre Glieder waren in der eisigen Nachtluft fast erstarrt ; aber ihre schönen Gesichter tauten vor dem lustig flackernden Kaminfeuer zusehends auf . Während der Kutscher und Hannah die Koffer hereinbrachten , fragten sie nach St. John . In diesem Augenblick trat er aus dem Wohnzimmer . Beide umarmten ihn zugleich . Er gab jeder einen ruhigen , leidenschaftslosen Kuß , sprach einige wenige leise Worte des Willkommens , ließ einen kurzen Augenblick mit sich reden und zog sich dann von neuem in das Wohnzimmer wie in einen Zufluchtsort zurück , nachdem er den Schwestern angedeutet , daß sie ihn dort wohl bald aufsuchen würden . Ich hatte die Kerzen angezündet , um beide nach oben zu geleiten , aber Diana hatte vorher noch gastfreundliche Befehle in Bezug auf den Kutscher zu erteilen ; nachdem dies geschehen , folgten beide mir . Sie waren über die Neuerungen und Ausschmückungen ihrer Zimmer entzückt . In reichstem Maße sprachen sie ihre Freude über die neuen Vorhänge , die frischen Teppiche und reich bemalten Porzellanvasen aus . Ich hatte die Genugthuung zu fühlen , daß meine Anordnungen ihren Wünschen vollkommen entsprachen , und daß alles , was ich gethan hatte , ihrer freudigen Heimkehr noch einen großen Reiz verliehen hatte . Es war ein wonniger Abend . Meine Cousinen waren in ihrer freudig erregten Stimmung so beredt in ihren Erzählungen und Fragen , daß St. Johns Schweigsamkeit dadurch vollkommen verdeckt wurde ; er war aufrichtig froh seine Schwestern zu sehen , aber er konnte mit ihrer wortreichen Freude , ihrer glühenden Beredsamkeit nicht sympatisieren . Die Begebenheit des Tages – das war Dianas und Marys Heimkehr – machte ihn froh ; aber das , was diese Begebenheit im Gefolge hatte , der fröhliche Tumult , die wortreiche Freude – verdroß ihn . Ich sah ihm an , wie sehr er den ruhigeren nächsten Morgen herbeiwünschte . Auf dem Höhepunkt der Glückseligkeit dieses Abends , ungefähr eine Stunde nach dem Thee , vernahmen wir plötzlich ein Klopfen an der Thür . Hannah trat mit der Nachricht ein , daß ein armer Junge zu dieser ungewöhnlichen Zeit gekommen sei , um Mr. Rivers zu seiner kranken Mutter zu holen , mit welcher es schnell zu Ende gehe . » Wo wohnt sie denn , Hannah ? « » Ganz oben in Whitcroß , beinahe vier Meilen weit ; und den ganzen Weg nichts als Moor und Moos . « » Sag ihm , daß ich komme . « » Ach Herr , es wäre besser , wenn Sie nicht gingen . Es giebt gar keinen Weg , der bei Nacht schlimmer und gefährlicher wäre ; es führt gar keine Fußspur durch den Schlamm . Und dann ist die Nacht so kalt ; der schärfste Wind , der je geweht hat . Sie sollten doch lieber sagen lassen , Herr , daß Sie zeitig morgen