ruhig , und in den frommen Worten , die sie sprachen , glühte eine Inbrunst , die so fröhlich wie gläubig war . Während der junge Priester nach dem Amen rasch den Saal verließ , rief eine weiße Maske den anderen heiter zu : » Ihr lieben Knospen ! Nur wieder her zu mir ! Jetzt haben wir sauber gebürstete Seelen , da können wir desto lustiger sein . Wir leben noch allweil , gelt ? Das Leben ist wie ein fester , gesunder Stier , der an eisernen Strängen zieht . Die reißen nit leicht . Mich hat der Tod schon beim Ohrläppel erwuschen , ich weiß nit , wie oft . Und an den Fingern kann ich ' s nit auszählen , wie oft schon der Hänfene das Zäpfl gekitzelt hat . Und jedsmal bin ich wieder gesund ins Leben gesprungen . Ui , ihr lieben Gnoten , wenn ich das alles erzählen möcht , da tätet ihr lachen müssen . « Ein heiteres Gedräng , man witterte abenteuerliche Schwänke , setzte sich um den Lustigen her , und hundert Stimmen bettelten : » Erzähl ! Erzähl ! « Auf dem Boden in der Sonne hockend , die beiden Arme um die aufgezogenen Knie geschlungen , fing die weiße Maske zu erzählen an : vom Birnbaum im Ungerland , von der Blitzeiche im Clevischen , vom Schragen der gescheiten Ulmer , von den Landshuter Wölfen und von der Schlittenfahrt auf dünnem Hosenboden , vom schlechten Reusenstrick des Fischbauern , vom genügsamen Rappenholz , das mehr als ein Dutzend nicht tragen wollte - von Herzog Heinrichs ängstlichem Profosen , der seit dem Tag von Dachau immer hinauf schauen muß zum Himmel , ob da nicht ein gefährliches Ding herunterfällt auf seine irdische Gerechtigkeit , und vom lieben Lendenschnürlein einer schönen Frau , die gerne reich geworden wäre und das unzufriedene Weiblein des Ärmsten unter allen Deutschen hatte werden müssen . Was das Leben an Ernst und Schmerz in die Wahrheit dieser Geschichten hineingesponnen hatte , verwandelte sich im Saal der harten Geduld zu einer gaukelnden Heiterkeit . Und als das bedrohliche Lendenschnürlein der schönen Frau von Irgendwo entzweigerissen war und die freudige Runde der Lauschenden wieder und wieder was Lustiges hören wollte , begann die unermüdliche weiße Maske immer neue Galgengeschichten zu ersinnen , eine drolliger als die andere . Immer wundersamer stellten sich die Rettungen ein . Beim dreiundzwanzigsten Hänfenen wurde ein Übermütiger , der die für den König gebratenen Würstlein verspeisen wollte , zum unzerreißbaren Strang verdammt ; und als er baumelte , kam ein feiner zierlicher Engel vom Himmel heruntergeflogen und brannte mit einem Sonnenstrahl den stählernen Strick entzwei . Der Engel hatte kupferfarbene Löcklein um das zarte Gesicht , hatte Wangen wie rote Äpfel , hatte einen rosenfarbenen Mund und Kinderaugen wie dunkle Kirschen . Und weil die große , vom Baum gefallene Birne sehr lange brauchte , um wieder ein lebendiger Mensch zu werden , beugte sich der liebliche Engel zu dem halb Entseelten hin , der im Gesicht eine große Narbe hatte . Und mit silbrigem Fingerlein strich der Engel ganz leis über die Narbe herunter . Da fing die auferweckte Menschenseele zu niesen an und sagte lachend : » Hör auf , liebs Engelein , das kitzelt so schauderhaft , ich halt ' s nit aus ! « Während die weiße Maske diese aus Sehnsucht , Spott und seltsamer Verzückung gewobene Auferstehungsgeschichte erzählte , ging ein vermummter Arzt im Saal der leicht gewordenen Geduld umher , zog von den heiter Lauschenden einen nach dem anderen auf die Seite , guckte ihm unter die Gugel hinauf und fühlte nach Puls und Herzschlag . Zu jedem Verhüllten sagte er die gleichen Worte : » Sei ohne Sorg ! Morgen wirst du heimgehen dürfen ! « Dann stellte er sich hinter den Kreis der Lauschenden , die unter den letzten , dünnen Streifen der roten Abendsonne auf dem Boden des Saales hockten . Und prüfend sah er immer die eine Maske an , die mit einer wunderlich sprunghaften Lustigkeit , fast in der taumeligen Art eines Betrunkenen und unter wiegenden Kopfbewegungen erzählte , wie die vom dreiundzwanzigsten Tod erweckte Menschenseele und das wundertätige Engelein miteinander schwatzten . Der Engel wollte die geplagte Seele von der bösen Erde fortlocken und in den Himmel führen . Aber die Menschenseele hatte gegen die ewige Seligkeit allerlei witzige Bedenken . » Ja , Leut ! Und derweil die zwei so plauschen , kommt der Teufel des Wegs , als wär ' s der Kaplan von Reichenhall . Jöia , Leut , was für ein schiecher Kerl ist das gewesen ! Hat einen Schweif gehabt als wie zusammengenäht von siebzehn Ochsen . Nit der Kaplan . Der Teufel ! Und hockt sich her zu mir und nimmt das Schweifquästl über den Arm und erzählt mir von der Höll so viel schöne Sachen , daß ich hab denken müssen : Teufel , da geht ' s ja zu wie beim Königsmahl im Regensburger Stadthaus ! Aber den Teufel kennt man doch . Nit , Leut ? Der ; lügt als wie ein Burghausener Doppelsöldner , den der Herzog lieb hat . Geh , sagt meine schlaue Seel , fahr ab , du Stinker ! In deiner Näh , da schmeckt ' s , als wie vor dem Regensburger Jakobstor ! Und der Teufel schaut mich an voller Wut und sagt : Du Feinschmecker , was willst denn du ? Mag nit in den Himmel und mag nit in die Höll ? Was will denn der ? Und da schreit meine lustige Seel : " Lebendig bleiben ! Wahr ist ' s , Leut ! Und der Seppi Ruechsam tät sagen : Was denn sonst ? « Die Maske hatte das so trunken und drollig herausgesprudelt , daß ihre hundert weißen Brüder lange lachen mußten , ohne recht zu wissen , warum . Nur einer lachte nicht : der vermummte Medikus . Der legte der weißen Maske , die beim Wort des Seppi Ruechsam mit dem Kopf einen wunderlichen Tunker gegen das Knie gemacht hatte , seine von Leder umhüllte Hand auf die Schulter und sprach : » Du bist gesund . Dich können wir gleich entlassen . Komm ! « » Gelt , ja ? « Ein langsames Aufrichten mit schweren Gliedern . Auch das war komisch . » Hab mir eh schon gedacht , daß ich bis morgen nimmer warten muß . « Nun gab ' s ein klagendes und doch so lustiges Durcheinanderschwatzen , als würde von einer vergnügten Tafelrunde ein Überfröhlicher verfrüht nach Hause geholt . Nur daß man das Küssen und Händedrücken unterließ . Das galt unter dem Dache des heiligen Lazarus als üble Sitte . Bei der Türe rief die weiße Maske noch lachend über die Schulter : » Auf Wiedersehen , ihr lieben Gesellen ! Seid ihr genesen , so treffen wir uns im Bratwursthäusl . Da laß ich allweil ein Dutzend über der Glut halten , daß keiner warten muß , wenn er kommt ! « Hundert heitere Stimmen . Eine Tür fiel ins Schloß . Und während der Scheidende durch die dämmerige Halle taumelte , konnte er vom Saal der Geduld noch immer das Lachen und das heitere Schwatzen der Zurückbleibenden hören . Ruhig fragte er den vermummten Arzt : » Wo steht mein Bett ? « » Nicht weit ! Komm , du Tapferer ! « Als man in der Bettstube aus der weißen Gugel den kranken Malimmes herausschälte , hatte der Duselnde schon einen so dichten Schleier vor den Augen , daß er die anderen Betten nimmer sah . Er fragte in seinem Taumel : » Nächtet ' s schon ? « Wie aus weiter Ferne antwortete eine müde Stimme : » Nach aller Nacht kommt wieder ein Morgen . « » So so ? « Malimmes schmunzelte . Nun lag er ausgestreckt auf den feuchten Kissen , dehnte die Glieder , die zu schmerzen begannen , und plauderte ganz leise vor sich hin : » Jetzt , Frau Königin ! Wo ist das wundertätige Fingerlein ? « Tief atmend schloß er die Augen . Man wollte ihn aus diesem Dusel noch einmal ermuntern , um die heilige Zehrung auf seine Zunge zu legen . Er tat die Augen auf , tastete mit den Händen ins Leere und lallte schwer : » Der Bub - wo ist denn der Bub - « Dann sprach er nimmer . Irgendwo läutete eine kleine , dünne Glocke . Die läutete immer , die ganze Nacht hindurch , den ganzen Tag . Manchmal schwieg sie so lange , daß man halb ein Vaterunser hätte beten können . Bis zum Amen wäre man nicht gekommen . So hurtig und ohne Geduld fing ihr leichter , zappliger Schwengel wieder zu tingeln an . Sie läutete , läutete , läutete - Diese Friedensglocke ! Der die Ärzte prophezeiten , daß sie bis in den Winter tönen würde . - Am dritten Tage bekam der heilige Lazarus schon zahlreiche Gäste aus der Stadt , neben Verdächtigen auch solche , über die kein Zweifel herrschte . Doch der Zuzug von der Holzlände und von den Wiesen außerhalb der Mauer versiegte langsam . Vor dem Ostentor war es still und öd geworden . In den leeren Zehrbuden wurde der Freiwein des gütigen Königs in den halbverzapften Fässern sauer . Und auf dem Anger , obwohl da kein Schwertstreich gefallen war , sah es aus wie nach einer grimmigen Schlacht - nur mit dem Unterschied , daß kein Mensch die grauen Beutestücke haben wollte , die in schrecklicher Menge umherlagen . Und wenn die Schweine , die hungrig von den Dörfern gelaufen kamen , in dieser herrenlosen Erbschaft wühlten , geschah es manchmal , daß eins von den Tieren umfiel , wie vom Blitz erschlagen . Die vierzigtausend , die den geliebten König und ersehnten Retter nur auf der Steinernen Brücke gesehen hatten , waren vor dem großen Sieger , dem auch der König wich , in alle Windrichtungen davongelaufen , vermindert um einige Hunderte . Und sie ließen noch auf allen Straßen , am Wegrain und in den Gräben viele Müdgewordene zurück , die über Nacht des Wanderns völlig vergaßen . Auf den Reisestrecken der Fürsten mußten die Wegmacher vorausreiten , um die Straßen von aller Gefahr zu säubern , die man sehen konnte . Die unsichtbare blieb . Sie lief mit den Laufenden , ritt mit den Reitenden und ließ sich mit den Bequemen in der Sänfte tragen . Am vierten Tage nach dem Friedensfeste war von allen Fürsten nur Herzog Heinrich noch in der Stadt . Er blieb , weil er nicht reisen konnte . Sein Arzt glaubte , das wäre wieder das alte Fieber mit neuen Erscheinungen . Aber es war nur die Wirkung der abergläubischen Todesangst , die den Herzog in der Stunde befallen hatte , als er aus dem Sondersiechenhaus die Nachricht erhielt , daß sein Hofstaat um den Galgenvogel Malimmes vermindert wäre . Herr Heinrich wand sich in Qualen , die mehr seelischer als körperlicher Art waren und sich durch ein ruheloses Nervenzucken in der Magengrube äußerten . Doch als er von Burghausen die Kunde empfing , daß in seinen Bergwäldern die Hirsche gut zu röhren begännen und daß besonders auf den abgebrannten Waldflächen bei Plaien die Brunft eine selten lebendige wäre , machte seine niedergedrückte Seele einen gewaltsamen Ruck nach aufwärts : » Da muß man genesen ! Gott soll ' s wollen ! « Aber er wurde schwächer und elender mit jeder Stunde . Schließlich begehrte er von seinem Leibarzt : » Hilf mir , wie der selige Malimmes geholfen hat ! « Der Medikus war ratlos . Herr Heinrich erklärte ihm die Sache sehr umständlich und genau . Doch als der Leibarzt mit der Handschneide kräftig zuschlug , ging ' s daneben . Der Herzog purzelte stöhnend über das Bett hin , raffte sich wütend auf und verabreichte dem Medikus eine fürchterliche Maulschelle . Diese Aufwallung des Geblütes erwies sich als segensreich . Wie ein neues Wunder des Malimmes war ' s. Herr Heinrich konnte am folgenden Morgen zu seinen schreienden Hirschen reisen . Er reiste mit solcher Hast , daß er an einem schwülen , wolkenschweren Morgen bei Mühldorf den kleinen Reiterzug der Berchtesgadnischen und den Reiseschwarm der Salzburger überholte , die zwei Tage früher von Regensburg aufgebrochen waren . Gegen Abend drohte vom schwarzgewordenen Himmel ein schweres Oktobergewitter herunterzufallen . Man mußte einen Wolkenbruch besorgen . Fürst Pienzenauer , der weit hinter den Salzburgischen zurückgeblieben war , beschleunigte die gemächliche Reise , um vor dem drohenden Wasserguß das Städtchen Laufen noch zu erreichen . Als durch eine Waldgasse schon die Türme und Mauern der kleinen festen Stadt zu erblicken waren , hörte man über die Straße her ein wildes , zorniges Geschrei . Lampert Someiner jagte voraus und brachte seinem Fürsten die Nachricht , zu Laufen wüßte man schon , daß von Regensburg der schwarze Tod in die Welt liefe ; jetzt hätte der Rat von Laufen das Tor gesperrt , gedächte keinen Reisenden in die Stadt zu lassen und hielte mit einem Häuflein von Spießknechten und bewehrten Bürgern die Straße verriegelt ; darüber wäre ein Zank zwischen den Salzburgischen und denen von Laufen ausgebrochen und die Streithähne wären schon nahe daran , mit dem Eisen aufeinander loszuschlagen . » Ein Jammer , Lampert ! « klagte Herr Pienzenauer . » Die Menschen mögen nicht lernen . Komm ! Da müssen wir Frieden stiften . « Die beiden spornten ihre Gäule . Ehe sie die Stelle erreichen konnten , von der das wüste Geschrei zu hören war , wurde zwischen denen von Salzburg und Laufen schon mit dem Eisen geredet . In der Abenddämmerung gab es Funken . Doch die kleine Straßenschlacht , die da begonnen hatte , war noch zu keinem Toten , nicht einmal zu einem leicht Verwundeten gediehen und nahm mit verblüffender Schnelligkeit ein Ende . Aus dem Himmel fuhr ein Blitz in den Wald herunter , wie ein brennender Baum so dick ; ein Donner rasselte , daß die Erde beben mußte ; und plötzlich wurde die dunkle Höhe der Lüfte weiß , so weiß wie Schnee . Ein grauenvolles Sausen und Geknatter . Und mit Körnern , die größer als eine Nuß und nicht viel kleiner als ein Hühnerei waren , prasselte der Hagel in dicker Masse auf die erschrockene Welt herunter . Das klang auf den Kürassen und Eisenhüten derer von Salzburg und Laufen , als würde mit tausend harten Löffeln auf tausend blecherne Pfannen getrommelt . Die Gäule wurden scheu , die Knechte zu Fuß begannen wie Narren zu rennen , und immer hörte man die flinkversöhnten Helden schreien : » Au ! Au ! Au ! « Propst Pienzenauer und Lampert hatten sich mit ihren Rossen in einen Heuschuppen geflüchtet . Durch den weißen Schnürchenvorhang der Hagelkörner sahen sie ein komisches Gezappel von Gäulen und Menschen , die nach allen Richtungen auseinanderstoben . Das war anzuschauen wie der lustige Hohn und Übermut eines Fastnachtspieles . » Seht nur , Herr « , sagte Lampert Someiner , » der Himmel kann doch das ! Warum macht er ' s nicht immer so , bevor die Menschen zu stoßenden Ochsen werden ? « » Da müßte der Himmel hageln lassen durch Tag und Nacht . « Lächelnd sah der Graubärtige den jungen Gesellen an . » Und der Himmel hat auch Blumen erschaffen . Die wollen Zeit haben , um zu blühen . « Hinter dem Hagel kamen unter Blitz und Donner noch so schwere Regengüsse , daß es die Schindeln des Heuschuppens diesem Wassersturz nicht verwehren konnten , die zwei Philosophen einzuweichen bis auf die Haut . Fürst Peter sagte : » Komm ! Wir wollen reiten . Draußen werden wir auch nicht nässer ! « Sie trabten durch den strömenden Regen . Hinter Laufen fand sich auf dunkler Straße ihr halbes Geleit und ein Trupp der Salzburger mit ihnen zusammen . Erst blieb man stumm . Dann wurde man heiter . Weil alle so lieblich plätscherten , spottete einer über den andern . Drei Stunden nach Mitternacht , als man Salzburg erreichte , begann der Regen zu versiegen . Sterne guckten durch die ziehenden Nebel , und frischbeschneite Bergspitzen sahen aus , als hätten sie Mondschein . » Ich will rasten und mich trocken legen ! « sagte Fürst Pienzenauer in der Herberg . » In dir ist Ungeduld . Dich will ich nicht halten . Reite voraus ! « Lampert fand keinen höflichen Widerspruch . Er leerte einen Becher Glühwein , genoß einen Bissen und sprang in den Sattel . Die rein werdende Frühe dämmerte , während er durch die stillen Gassen der Stadt davontrabte . Draußen auf der freien Straße ließ er den Moorle jagen . Der Pongauer , der bei aller Müdigkeit die nahe Heimat witterte , machte Sprünge , als müßte er einem Sumpf entrinnen und festen Boden finden . Und wurde der Gaul ein bißchen ruhiger , so brauchte der vorgebeugte Reiter , dessen Eisenzeug sich nach dem Regen und bei der frischen Morgenluft in roten Rost zu tauchen begann , nur leise mit der Zunge zu schnalzen . Und der Pongauer stieß mit keuchenden Sprüngen vorwärts . Die Ache rauschte mit so vielem Wasser neben dem Untersberge her , daß man das Röhren der Hirsche von den Wiesen des engen Tales und aus den steilen Wäldern nur wie ein dumpfes Murren vernahm . Immer heller wurde der Morgen , immer blauer der klare Himmel . Um eine dunkle Bergrippe herum , die letzte Wende . Und der weite herrliche Talkessel von Berchtesgaden tat sich auf mit nebeldampfenden Tiefen , mit einem Kranze rot und gelb gewordener Wälder unter den sammetgrünen Fichtengehängen , mit den weißbeschneiten Almen und den silbernen Zinnen , die sich vor der kommenden Sonne schon in glühendes Gold verwandelten . Lampert Someiner mußte schreien wie ein Trunkener . Schmerz und Freude brannten in seiner Seele , in seinem Herzen , in seinem Blut . Tausende von Menschen waren hinuntergesunken , waren zertreten und zerstampft . Kostbare Werte waren vernichtet , stolze Werke des Lebens lagen zerbrochen , zerbröselt , in Staub zerrieben . Das schöne , ewige Antlitz Gottes war unverwüstet . Mit dem Brausen seiner Gewässer , mit dem Rauschen seiner Wälder , mit dem Schrei der brünstigen Hirsche und mit dem Schweigen seiner wundervollen Ferne sprach es in Größe und Herrlichkeit das gleiche mahnende Wort wie die kleine , alte Uhr im Hause des seligen Amtmanns Ruppert Someiner .