Ermutigung sich den nachdringenden Goten wieder entgegenwandten . An dieser Stelle wenigstens war die Flucht zu Ende . Da schritt ein gewaltiger Gote heran , leicht sich Bahn brechend . » Heia , das ist fein , daß ihr einmal des Laufens müde seid , ihr flinken Griechlein . Ich konnt ' euch nicht mehr nach vor Schnaufen . In den Beinen seid ihr uns überlegen . Laßt sehn , ob auch in den Armen . Ha , was weicht ihr , Burschen ! Vor dem , auf dem Braunscheck ? Was ist ' s mit dem ? « » Herr , das muß ein König sein unter den Welschen , kaum kann man sein zornig Auge tragen . « » Das wäre ! Ah - das muß Belisarius sein ! Freut mich , « schrie er ihm hinüber , » daß wir uns treffen , du kühner Held . Nun spring vom Roß und laß uns die Kraft der Arme messen . Wisse , ich bin Hildebad , des Tota Sohn . Sieh , auch ich bin ja zu Fuß . Du willst nicht ? « rief er zornig . » Muß man dich vom Gaule holen ? « Und dabei schwang er in der Rechten wiegend den ungeheuren Speer . » Wende , Herr , weich aus , « rief Aigan , » der Riese wirft ja junge Mastbäume . « - » Wende , Herr , « wiederholten seine Hypaspisten ängstlich . Aber Belisar ritt , das kurze Schwert gezückt , ruhig dem Goten um eine Pferdelänge näher . Sausend flog der balkengleiche Speer heran , grad ' gegen Belisars Brust . Aber grad ' , ehe er traf , - ein kräftiger Hieb von Belisars kurzem Römerschwert und drei Schritte seitwärts fiel der Speer harmlos nieder . » Heil Belisarius ! Heil , « schrien die Byzantiner ermutigt und drangen auf die Goten ein . » Ein guter Hieb , « lachte Hildebad grimmig . » Laß sehen , ob dir deine Fechtkunst auch gegen den hilft . « Und sich bückend hob er aus dem Ackerfeld einen alten , zackigen Grenzstein , schwang ihn mit zwei Armen erst langsam hin und her , hob ihn dann über den Kopf mit beiden Händen und schleuderte ihn mit aller Kraft auf den heransprengenden Helden : - ein Schrei des Gefolges : - rücklings stürzte Belisar vom Pferd . Da war es aus . » Belisarius tot ! wehe ! Alles verloren , wehe ! « schrien sie , als die hochragende Gestalt verschwunden , und jagten besinnungslos nach dem Lager zu . Einzelne flohen unaufhaltsam bis an und in die Tore Roms . Umsonst war ' s , daß sich die Lanzen- und Schildträger todesmutig den Goten entgegenwarfen : sie konnten nur ihren Herrn , nicht die Schlacht mehr retten . Den ersten tödlichen Schwerthieb Hildebads , der herangestürmt war , fing der treue Maxentius auf mit der eignen Brust . Aber hier sank auch ein gotischer Reiter endlich vom Roß , der erst nach Hildebad Belisar erreicht und sieben Leibwächter erschlagen hatte , um bis zum Magister Militum durchzudringen . Mit dreizehn Wunden fanden ihn die Seinen . Aber er blieb am Leben . Und er war einer der wenigen , welche den ganzen Krieg durchkämpften und überlebten - , Wisand , der Bandalarius . Belisar , von Aigan und Valentinus , seinem Hippokomos ( Roßwart ) , wieder auf den Rotschecken gehoben und rasch von der Betäubung erholt , erhob umsonst den Feldherrnstab und Feldherrnruf : sie hörten nicht mehr und wollten nicht hören . Umsonst hieb er nach allen Seiten unter die Flüchtigen : er wurde fortgerissen von ihren Wogen bis ans Lager . Hier gelang es ihm noch einmal , an einem festen Tor , die nachdringenden Goten aufzuhalten . » Die Ehre ist hin , « sagte er unwillig , » laßt uns das Leben wahren . « Mit diesen Worten ließ er die Lagertore schließen , ohne Rücksicht auf die großen Massen der noch Ausgeschlossenen . Ein Versuch des ungestümen Hildebad , ohne weiteres einzudringen , scheiterte an dem starken Eichenholz des Pfahlwerks , das dem Speerwurf und den Schleudersteinen trotzte . Unmutig auf seinen Speer gelehnt kühlte er sich einen Augenblick von der Hitze . Da bog Teja , der längst , wie der König und Totila , abgesessen , prüfend und das Pfahlwerk messend , um die Ecke des Walls . » Die verfluchte Holzburg , « rief ihm Hildebad entgegen . » Da hilft nicht Stein , nicht Eisen . « » Nein , « sagte Teja , » aber Feuer ! « Er stieß mit dem Fuß in einen Aschenhaufen , der neben ihm lag . » Das sind die Wachtfeuer , samt dem Reisig , von heute nacht . Hier glimmen noch Gluten ! Hierher , ihr Männer , steckt die Schwerter ein , entzündet das Reisig ! werft Feuer in das Lager ! « » Prachtjunge , « jubelte Hildebad , » flugs , ihr Bursche , brennt sie aus , wie den Fuchs aus dem Bau ! der frische Nordwind hilft . « Rasch waren die Wachtfeuer wieder entfacht , Hunderte von Bränden flogen in das trockne Sparrenwerk der Schanze . Und bald schlugen die Flammen lodernd gen Himmel . Der dichte Qualm , vom Wind ins Lager getragen , schlug den Byzantinern ins Gesicht und machte die Verteidigung der Wälle unmöglich . Sie wichen in das Innere des Lagers . » Wer jetzt sterben dürfte ! « seufzte Belisar . - » Räumt das Lager ! Hinaus zur Porta decumana . In gut geschlossener Ordnung zu den Brücken hinter uns ! « Aber der Befehl , das Lager zu räumen , zerriß das letzte Band der Zucht , der Ordnung und des Mutes . Während unter Tejas dröhnenden Axthieben die verkohlten Torbalken niederkrachten und mitten durch Flammen und Qualm der schwarze Held , wie ein Feuerdämon , der erste , durch das prätorische Tor ins Lager sprang , rissen die Flüchtenden alle Tore , auch die seitwärts aus dem Lager nach Rom zu führten , die Portä prinzipalis rechts und links , auf einmal auf und strömten in wirren Massen nach dem Fluß . Die ersten erreichten noch sicher und unverfolgt die beiden Brücken ; sie hatten großen Vorsprung , bis Hildebad und Teja Belisar aus dem brennenden Lager herausgedrängt . Aber plötzlich - neues Entsetzen ! - schmetterten die gotischen Reiterhörner ganz nahe . Witichis und Totila hatten sich , sowie sie das Lager genommen wußten , sogleich wieder zu Pferd geworfen und führten nun ihre Reiter von beiden Seiten , links und rechts vom Lager her , den Flüchtenden in die Flanken . Eben war Belisar aus dem decumanischen Lagertor gesprengt und eilte nach der einen Brücke zu , als er von links und rechts die verderblichen Reitermassen heransausen sah . Noch immer verlor der gewaltige Kriegsmann die Fassung nicht . » Vorwärts im Galopp an die Brücken ! « befahl er seinen Sarazenen , » deckt sie ! « - Es war zu spät : ein dumpfer Krach , gleich darauf ein zweiter , - die beiden schmalen Brücken waren unter der Last der Flüchtenden eingebrochen und zu Hunderten stürzten die hunnischen Reiter und die illyrischen Lanzenträger , Justinians Stolz , in das sumpfige Gewässer . Ohne Bedenken spornte Belisar , an dem steilen Ufer angelangt , sein Pferd in die schäumende und blutig gefärbte Flut . Schwimmend erreichte er das andere Ufer . » Salomo , Dagisthäos « , sagte er , sowie er drüben gelandet , zu seinen raschesten Prätorianern , » auf , nehmt hundert aus meinen Reiterwachen und jagt was ihr könnt nach dem Engpaß . Überreitet alle Flüchtigen . Ihr müßt ihn vor den Goten erreichen , hört ihr ? ihr müßt ! Er ist unser letzter Strohhalm . « Beide gehorchten , und sprengten blitzschnell davon . Belisar sammelte , was er von den zerstreuten Massen erreichen konnte . Die Goten waren wie die Byzantiner durch den Fluß eine Weile aufgehalten . Aber plötzlich rief Aigan : » Da sprengt Salomo zurück ! « - » Herr , « rief dieser heranjagend : » alles ist verloren ! Waffen blitzen im Engpaß . Er ist schon besetzt von den Goten . « Da , zum ersten Male an diesem Tage des Unglücks , zuckte Belisar zusammen . » Der Engpaß verloren ? - Dann entkommt kein Mann vom Heere meines Kaisers . Dann fahrt wohl : Ruhm , Antonina und Leben . Komm , Aigan , zieh ' das Schwert - laß mich nicht lebend fallen in Barbarenhand . « » Herr , « sagte Aigan , » so hört ' ich Euch nie reden . « » So war ' s auch noch nie . Laß uns absteigen und sterben . « Und schon hob er den rechten Fuß aus dem Bügel , vom Roß zu springen , da sprengte Dagisthäos heran - : » Getrost , mein Feldherr ! « - » Nun ? « - » Der Engpaß ist unser - römische Waffen sind ' s , die wir dort sahen . Es ist Cethegus , der Präfekt ! Er hielt ihn geheim besetzt . « » Cethegus ? « rief Belisar . » Ist ' s möglich ? Ist ' s gewiß ? « » Ja , mein Feldherr . Und seht , es war hoch an der Zeit . « Das war es . Denn eine Schar gotischer Reiter , von König Witichis gesendet , den Flüchtenden am Engpaß vorauszukommen , hatte durch eine Furt den Fluß durchschritten , den Reitern Belisars den Weg abgeschnitten und vor ihnen den verhängnisvollen Paß erreicht . Aber eben als sie dort einmünden wollten , brach Cethegus an der Spitze seiner Isaurier aus dem Versteck der Schlucht hervor und warf die überraschten Goten nach kurzem Gefecht in die Flucht . » Der erste Glanz des Sieges an diesem schwarzen Tag ! « rief Belisar . » Auf , nach dem Engpaß ! « Und mit besserer Ordnung und Ruhe führte der Feldherr seine gesammelten Scharen an die Waldhügel . » Willkommen in Sicherheit , Belisarius , « rief ihm Cethegus zu , seine Schwertklinge säubernd . » Ich warte hier auf dich seit Tagesanbruch . Ich wußte wohl , daß du mir kommen würdest . « » Präfekt von Rom , « sprach Belisar , ihm vom Pferd herunter die Hand reichend : » du hast des Kaisers Heer gerettet , das ich verloren hatte : ich danke dir . « Die frischen Truppen des Präfekten hielten , eine undurchdringliche Mauer , den Paß besetzt , die zerstreut heranflüchtenden Byzantiner durchlassend und Angriffe der ersten ermüdeten Verfolger , die über den Fluß gedrungen , - sie hatten einen vollen Tag des Kampfes hinter sich - in der günstigen Stellung ohne Mühe abwehrend . Vor Einbruch der Dunkelheit nahm König Witichis seine Scharen zurück , auf dem Schlachtfeld ihres Sieges zu übernachten , während Belisar mit seinen Feldherren einstweilen im Rücken des Passes , so gut es gehen wollte , die aufgelösten Heeresmassen , wie sie zerstreut und vereinzelt eintrafen , ordneten . Als Belisar wieder einige tausend Mann beisammen hatte , ritt er zu Cethegus heran und sprach : » Was meinst du , Präfekt von Rom ? Deine Truppen sind noch frisch . Und die Unsern müssen ihre Scharte auswetzen . Laß uns hervorbrechen noch einmal - die Sonne geht noch nicht gleich unter - und das Los des Tages wenden . « Mit Staunen sah ihn Cethegus an und sprach die Worte Homers : » Wahrlich , ein schreckliches Wort , du Gewaltiger , hast du gesprochen . Unersättlicher ! So schwer erträgst du ' s , ohne Sieg aus einer Schlacht zu gehn ? Nein , Belisarius ! dort winken die Zinnen Roms : dahin führe deine todesmatten Völker . Ich halte diesen Paß , bis ihr die Stadt erreicht . Und froh will ich sein , wenn mir das gelingt . « Und so war ' s geschehn . Belisar vermochte unter den dermaligen Umständen weniger als je den Präfekten gegen dessen Willen zu bewegen . So gab er nach und führte sein Heer nach Rom zurück , das er mit dem Einbruch der Nacht erreichte . Lange wollte man ihn nicht einlassen . Den von Staub und Blut Bedeckten erkannte man nur schwer . Auch hatten Versprengte die Nachricht aus der Schlacht in die Stadt getragen , der Feldherr sei gefallen und alles verloren . Endlich erkannte ihn Antonina , die ängstlich auf den Wällen seiner harrte . Durch das pincianische Tor ließ man ihn ein ; es hieß seitdem Porta belisaria . Feuerzeichen auf den Wällen zwischen dem flaminischen und dem pincianischen Tor verkündeten die Erreichung Roms dem Präfekten , der nun , in guter Ordnung und von den ermüdeten Siegern kaum verfolgt , im Schutze der Nacht seinen Rückzug bewerkstelligte . Nur Teja drängte nach mit einigen seiner Reiter bis an das Hügelland , wo heute Villa Borghese liegt , und bis zur Aqua Acetosa . Achtes Kapitel . Am Tage darauf erschien das ganze zahlreiche Heer der Goten vor der ewigen Stadt , die es in sieben Lagern umschloß . Und nun begann jene denkwürdige Belagerung , die nicht minder das Feldherrntalent und die Erfindungsgabe Belisars als den Mut der Belagerer entfalten sollte . Mit Schrecken hatten die Bürger Roms von ihren Mauern herab mit angesehen , wie die Scharen der Goten nicht enden wollten . » Sieh ' hin , o Präfekt , sie überflügeln alle deine Mauern . « - » Ja ! in die Breite ! laß sehen , ob sie sie in der Höhe überflügeln . Ohne Flügel kommen sie nicht herüber . « Nur zwei Tausendschaften hatte Witichis in Ravenna zurückgelassen , acht hatte er unter den Grafen Uligis von Urbssalvia und Ansa von Asculum nach Dalmatien entsendet , diese Provinz und Liburnien den Byzantinern zu entreißen und zumal das wichtige Salona wiederzugewinnen ; durch Söldner , in Savien geworben , sollten sie sich verstärken . Auch die gotische Flotte sollte - gegen Tejas Rat ! - dort , nicht gegen den Hafen von Rom , Portus , wirken . Den Umkreis der Stadt Rom aber , und ihre weit hinausgestreckten Wälle , die Mauern Aurelians und des Präfekten , umgürtete nun der König mit einhundertundfünfzig Tausendschaften . Rom hatte damals fünfzehn Haupttore und einige kleinere . Von diesen umschlossen die Goten den schwächeren Teil der Umwallung , den Raum , der von dem flaminischen Tor im Norden ( östlich von der jetzigen Porta del Popolo ) bis zum pränestinischen Tor reicht , vollständig mit sechs Heerlagern ; nämlich die Wälle vom flaminischen Tor gegen Osten bis ans pincianische und salarische , dann bis an das nomentanische Tor ( südöstlich von Porta pia ) , ferner bis gegen das » geschlossene Tor « , die Porta clausa , endlich südlich von da das tiburtinische Tor ( heute Porta San Lorenzo ) und das asinarische , metronische , latinische ( an der Via latina ) , das appische ( an der Via appia ) und das Sankt-Pauls-Tor , das zunächst dem Tiberufer lag . Alle diese sechs Lager waren auf dem linken Ufer des Flusses . Um aber zu verhüten , daß die Belagerten durch Zerstörung der milvischen Brücke den Angreifern den Übergang über den Fluß und das ganze Gebiet auf dem rechten Tiberufer bis an die See abschnitten , schlugen die Goten ein siebentes Lager auf dem rechten Tiberufer : » auf dem Felde Neros « , vom vatikanischen Hügel bis gegen die milvische Brücke hin ( unter dem » Monte Mario « ) . So war die milvische Brücke durch ein Gotenlager gedeckt und die Brücke Hadrians bedroht , sowie der Weg nach der Stadt durch die » Porta Sancti Petri « , wie man damals schon , nach Prokops Bericht , das innere Tor Aurelians nannte . Es war das nächste an dem Grabmal Hadrians . Aber auch das Tor von Sankt Pankratius rechts des Tibers war von den Goten scharf beobachtet . Dies Lager auf dem neronischen Feld , auf dem rechten Tiberufer , zwischen dem pankratischen und dem Petrus-Tor , überwies Witichis dem Grafen Markja von Mediolanum , der aus den Cottischen Alpen und der Beobachtung der Franken zurückgerufen worden war . Aber der König selbst weilte oft hier , das Grabmal Hadrians mit scharfen Blicken prüfend . Er hatte kein einzelnes Lager übernommen , sich die Gesamtleitung vorbehaltend , vielmehr die sechs übrigen an Hildebrand , Totila , Hildebad , Teja , Guntharis und Grippa verteilt . Jedes der sieben Lager ließ der König mit einem tiefen Graben umziehn , die dadurch ausgehobne Erde zu einem hohen Wall zwischen Graben und Lager aufhäufen und diesen mit Pfahlwerk verstärken , - sich gegen Ausfälle zu sichern . Aber auch Belisar und Cethegus verteilten ihre Feldherren und Mannschaften nach den Toren und Regionen Roms . Belisar übertrug das pränestinische Tor im Osten der Stadt ( heute Porta maggiore ) Bessas , das stark bedrohte flaminische , dem ein gotisches Lager , das Totilas , in gefährlicher Nähe lag , Constantinus , der es durch Marmorquadern , aus römischen Tempeln und Palästen gebrochen , fast ganz zubauen ließ . Belisar selbst schlug sein Standlager auf im Norden der Stadt . Dieser war unter den ihm von Cethegus eingeräumten Teilen der Festung Rom der schwächste . Den Westen und Süden hielt eifersüchtig , unentfernbar und unentbehrlich , der Präfekt . Aber hier im Norden war Belisar Herr : zwischen dem flaminischen und dem pincianischen - oder nun » belisarischen « - Tor , dem schwächsten Teil der Umwallung , ließ er sich nieder , zugleich Ausfälle gegen die Barbaren planend . Die übrigen Tore überwies er den Führern des Fußvolks Peranius Magnus , Ennes , Artabanes , Azarethas und Chilbudius . Der Präfekt hatte alle Tore auf dem rechten Tiberufer , die neue Porta aurelia an der älischen Brücke bei dem Grabmal Hadrians , die Porta septimiana , das alte aurelische Tor , das nun das pankratische hieß , und die Porta portuensis : auf dem linken Ufer aber noch das Tor Sankt Pauls . Erst das nächste Tor weiter östlich , das ardeatinische , stand unter byzantinischer Besatzung : Chilbudius befehligte hier . Gleich unermüdlich und gleich erfinderisch erwiesen sich die Belagerer und die Belagerten in Plänen des Angriffs und der Verteidigung . Lange Zeit handelte es sich nur um Maßregeln , welche die Bedrängung der Römer , ohne Sturm , vor dem Sturm , bezweckten und andrerseits , sie abwehren sollten . Die Goten , Herren und Meister der Campagna , suchten die Belagerten auszubürsten : sie schnitten alle die prachtvollen vierzehn Wasserleitungen ab , welche die Stadt speisten . Belisar ließ vor allem , als er dies wahrnahm , die Mündungen innerhalb der Stadt verschütten und vermauern . » Denn , « hatte ihm Prokop gesagt , » nachdem du , o großer Held Belisarius , durch eine solche Wasserrinne nach Neapolis hineingekrochen bist , könnte es den Barbaren einfallen , - und kaum schimpflich scheinen , - auf dem gleichen Heldenpfad sich nach Rom hinein zu krabbeln . « Den Genuß des geliebten Bades mußten die Belagerten entbehren : kaum reichten die Brunnen in dem vom Fluß entlegenen Stadtteilen für das Trinkwasser aus . Durch das Abschneiden des Wassers hatten aber die Barbaren den Römern auch das Brot abgeschnitten . - Wenigstens schien es so . Denn die sämtlichen Wassermühlen Roms versagten nun . Das aufgespeicherte Getreide , das Cethegus aus Sizilien gekauft , das Belisar aus der Umgegend Roms zwangsweise hatte in die Stadt schaffen lassen , trotz des Murrens der Pächter und Colonen , dieses Getreide konnte nicht mehr gemahlen werden . » Laßt die Mühlen durch Esel und Rinder drehen ! « rief Belisar . » Die meisten Esel waren klug genug und die Rinder , ach Belisarius , « sprach Prokop , » sich nicht mit uns hier einsperren zu lassen . Wir haben nur soviel , als wir brauchen , sie zu schlachten . Sie können unmöglich erst Mühlen drehen und dann noch Fleisch genug haben , das gemahlene Brot selbst zu belegen . « » So rufe mir Martinus . Ich habe gestern an dem Tiber , die Gotenzelte zählend , zugleich einen Gedanken gehabt ... - « » Den Martinus wieder aus dem Belisarischen in das Mögliche übersetzen muß . Armer Mann ! Aber ich gehe , ihn zu holen . « Als aber am Abend des gleichen Tages Belisar und Martinus durch zusammengelegte Boote im Tiber die erste Schiffsmühle herstellten , welche die Welt kannte , da sprach bewundernd Prokopius : » Das Brot der Schiffsmühle wird länger die Menschen erfreuen , als deine größten Taten . Dies so gemahlene Mehl schmeckt nach - Unsterblichkeit . « Und wirklich ersetzten die von Belisar erdachten , von Martinus ausgeführten Schiffsmühlen den Belagerten während der ganzen Dauer der Einschließung die gelähmten Wassermühlen . Hinter der Brücke nämlich , die jetzt Ponte San Sisto heißt , auf der Senkung des Janiculus , befestigte Belisar zwei Schiffe mit Seilen und legte Mühlen über deren flaches Deck , so daß die Mühlenräder durch den Fluß , der aus dem Brückenbogen mit verstärkter Gewalt hervorströmte , von selbst getrieben wurden . Eifrig trachteten alsbald die Belagerer , diese Vorrichtungen , die ihnen Überläufer schilderten , zu zerstören . Balken , Holzflöße , Bäume warfen sie oberhalb der Brücke von dem von ihnen beherrschten Teil aus in den Fluß und zertrümmerten so in Einer Nacht wirklich alle Mühlen . Aber Belisar ließ sie wieder herstellen und nun oberhalb der Brücke starke Ketten gerade über den Fluß ziehen und so auffangen , was , die Mühlen bedrohend herabtrieb . Nicht nur seine Mühlen sollten diese eisernen Stromriegel decken : sie sollten auch verhindern , daß die Goten auf Kähnen und Flößen den Fluß herab und , ohne die Brücke , in die Stadt drängen . Denn Witichis traf nun alle Vorbereitungen zum Sturm . Er ließ hölzerne Türme bauen , höher als die Zinnen der Stadtmauer , die auf vier Rädern von Rindern gezogen werden sollten . Dann ließ er Sturmleitern in großer Zahl beschaffen und vier furchtbare Widder oder Mauerbrecher , die je eine halbe Hundertschaft schob und bediente . Mit unzähligen Bündeln von Reisig und Schilf sollten die tiefen Gräben ausgefüllt werden . Dagegen pflanzten Belisar und Cethegus , jener im Norden und Osten , dieser im Westen und Süden die Verteidigung der Stadt überwachend , Ballisten und Wurfbogen auf die Wälle , die auf große Entfernung balkenähnliche Speergeschosse schleuderten , mit solcher Kraft , daß sie einen gepanzerten Mann völlig durchbohrten . Die Tore schützten sie durch » Wölfe « , d.h. Querbalken , mit eisernen Stacheln besetzt , die man auf die Angreifer niederschmettern ließ , wann sie dicht bis an das Tor gelangt waren . Und endlich streuten sie zahlreiche Fußangeln und Stachelkugeln auf den Vorraum zwischen den Gräben der Stadt und dem Lager der Barbaren . Neuntes Kapitel . Trotz alledem , sagten die Römer , hätten längst die Goten die Mauern erstiegen , wäre nicht des Präfekten Egeria gewesen . Denn es war merkwürdig : so oft die Barbaren einen Sturm vorbereiteten - : Cethegus ging zu Belisar und warnte und bezeichnete im voraus den Tag . So oft Teja oder Hildebad in kühnem Handstreich ein Tor zu überrumpeln , eine Schanze wegzunehmen gedachten : - Cethegus sagte es vorher , und die Angreifer stießen auf das Zweifache der gewöhnlichen Besatzung der Punkte . So oft in mächtigem Überfall die Kette des Tibers gesprengt werden sollte : - Cethegus schien es geahnt zu haben und schickte den Schiffen der Feinde Brander und Feuerkähne entgegen . So ging es viele Monate hin . Die Goten konnten sich nicht verhehlen , daß sie , trotz unablässiger Angriffe , seit Anfang der Belagerung keinerlei Fortschritte gemacht . Lange trugen sie diese Unfälle , die Entdeckung und Vereitelung all ihrer Pläne , mit ungebeugtem Mut . Aber allmählich bemächtigte sich nicht bloß der großen Masse Verdrossenheit , insbesondere da Mangel an Lebensmitteln fühlbar zu werden begann , - auch des Königs klarer Sinn wurde von trüber Schwermut verdüstert , als er all seine Kraft , all seine Ausdauer , all seine Kriegskunst wie von einem bösen Dämon vereitelt sah . Und kam er von einem fehlgeschlagenen Unternehmen , von einem verunglückten Sturm , matt und gebeugt , in sein Königszelt , so ruhten die stolzen Augen seiner schweigsamen Königin mit einem ihm unverständlichen , aber grauenvoll unheimlichen Ausdruck auf ihm , daß er sich schaudernd abwandte . » Es ist nicht anders , « sagte er finster zu Teja , » es ist gekommen , wie ich vorausgesagt . Mit Rauthgundis ist mein Glück von mir gewichen , wie die Freudigkeit meiner Seele . Es ist , als läge ein Fluch auf meiner Krone . Und diese Amalungentochter wandelt um mich her , schweigend und finster , wie mein lebendiges Unglück . « » Du könntest recht haben , « sprach Teja . » Vielleicht lös ' ich diesen Zauberbann . Gib mir Urlaub für heut ' nacht . « Am selben Tage , fast in derselben Stunde , forderte drinnen in Rom Johannes , der Blutige , von Belisar Urlaub für diese Nacht . Belisar schlug es ab . » Jetzt ist nicht Zeit zu nächtlichen Vergnügen , « sagte er . » Wird kein groß Vergnügen sein , in der Nacht zwischen alten feuchten Mauern und gotischen Lanzen einem Fuchs nachspüren , der zehnmal schlauer ist als wir beide . « » Was hast du vor ? « fragte Belisar , aufmerksam werdend . » Was ich vorhabe ? Ein Ende zu machen der verfluchten Stellung , in der wir alle , in der du , o Feldherr , nicht zum mindesten stehst . Es ist schon alles ganz recht . Seit Monaten liegen die Barbaren vor diesen Mauern und haben nichts dabei gewonnen . Wir erschießen sie wie Knaben die Dohlen vom Hinterhalt und können ihrer lachen . Aber wer ist es eigentlich , der all dies vollbringt ? Nicht , wie es sein sollte , du , des Kaisers Feldherr , noch des Kaisers Heer : sondern dieser eisige Römer , der nur lachen kann , wenn er höhnt . Der sitzt da oben im Kapitol und verlacht den Kaiser und die Goten und uns und , mit Verlaub zu sagen , dich selber am meisten . Woher weiß dieser Odysseus und Ajax in Einer Person alle Gotenpläne so scharf , als säße er mit im Rat des Königs Witichis ? Durch sein Dämonium , sagen die einen . Durch seine Egeria , sagen die andern . Er hat einen Raben , der hören und sprechen kann wie Menschen , meinen wieder andere : den schickt er alle Nacht ins Gotenlager . Das mögen die alten Weiber glauben und die Römer , nicht meiner Mutter Sohn . Ich glaube den Raben zu kennen und das Dämonium . Gewiß ist , er kann die Kunde nur aus dem Gotenlager selbst holen ; laß uns doch sehen , ob wir nicht selbst an seiner Statt aus dieser Quelle schöpfen können . « » Ich habe das längst bedacht , aber ich sah kein Mittel . « » Ich habe von meinen Hunnen alle seine Schritte belauern lassen . Es ist verdammt schwer ; denn dieser braune Maurenteufel folgt ihm wie ein Schatte . Aber tagelang ist Syphax fern : - und dann gelingt es eher . Nun , ich habe erspäht , daß Cethegus so manche Nacht die Stadt verließ , bald aus der Porta portuensis , rechts vom Tiber , bald aus der Porta Sankt Pauls , links vom Tiber im Süden , die er beide besetzt hält . Weiter wagten ihm die Späher nicht zu folgen . Ich aber denke heute nacht - denn heute muß es wieder treffen , - ihm so nicht von den Fersen zu weichen . Doch muß ich ihn vor dem Tore erwarten : seine Isaurier ließen mich nicht durch ; ich werde bei einer Runde vor den Mauern in einem der Gräben zurückbleiben . « » Gut . Es sind aber , wie du sagst , zwei Tore zu beobachten . « - » Deshalb hab ' ich mir Perseus , meinen Bruder , zum Genossen erkoren ; er hütet das paulinische , ich das portuensische Tor ; verlaß dich drauf - bis morgen vor Sonnenaufgang kennt einer von uns das Dämonium des Präfekten . « Und wirklich : einer von ihnen sollte es kennen lernen . Gerade gegenüber dem Sankt-Pauls-Tor , etwa drei Pfeilschüsse von den äußersten Gräben der Stadt , lag ein mächtiges altertümliches Gebäude , die Basilika Sancti Pauli extra muros , die Paulskapelle vor den Mauern , deren letzte Reste erst zur Zeit der Belagerung Roms durch den Connetable von Bourbon völlig verschwanden . Ursprünglich ein Tempel des Jupiter Stator , war der Bau seit zwei Jahrhunderten dem Apostel geweiht worden : aber noch stand die bronzene Kolossalstatue des bärtigen Gottes aufrecht : man hatte ihm nur den flammenden Donnerkeil aus der Rechten genommen und dafür ein Kreuz hineingeschoben : im übrigen paßte die breite und bärtige Gestalt gut zu ihrem neuen Namen . Es war um die sechste Stunde der Nacht . Der Mond stand glanzvoll über der ewigen Stadt und goß sein silbernes Licht über die Mauerzinnen und über die Ebene , zwischen den römischen Schanzen und der Basilika , deren schwarze Schatten nach dem Gotenlager hin fielen . Eben hatte die Wache am Sankt-Pauls-Tor gewechselt . Aber es waren sieben Mann hinausgeschritten , und nur sechs kamen herein . Der siebente wandte der Pforte den Rücken und schritt heraus ins freie Feld . Vorsichtig wählte er seinen Weg : vorsichtig vermied er die zahlreichen Fußangeln