mit dem Wenigen widerlegen . Der Mächtige , der Reiche , Gräfin , herrscht überall , auf den Höhen des Kuban , wie in den Steppen Ihres eigenen Vaterlandes , wo - wie uns die Geschichte lehrt , - der Bauer der unterdrückte Sclave des Edelmannes war . Der Fanatismus schwingt in meiner Heimath seine Geißel blutiger als irgendwo und verfolgt seine Gegner . Dort giebt es Edle und Knechte , wie hier , und die Kluft zwischen Beiden ist noch schärfer . Halten Sie das Volk für frei , das seine eigenen Töchter und Söhne an seine sogenannten Oberherren in Stambul als Sclaven verkauft , ihren Lüsten zu dienen und ihren Befehlen zu gehorchen ? Glauben Sie wirklich türkische Despotie leichter als die Herrschaft des russischen Kaisers ? sollten wir wirklich für die Eine kämpfen , gegen den Anderen ? « » Spricht Das der Fürstensohn eines freien Volkes ? « » Er spricht es , Gräfin - sein Vater gab ihn fort , und sechszehn lange Jahre hat er keine Heimath gehabt , als das Haus des Kaisers , kein Eigenthum , als das Kleid des Czaren . « » Und wenn Schamyl , Ihr Vater , Sie wieder forderte , wenn er Sie riefe zum Kampfe an seine Seite ? « Der junge Mann sah sie finster an . » Er that es - jene Männer , die uns Beide gerettet , waren seine Boten ! « » Und darf ich wissen , was Schamyl ' s Sohn dem Ruf eines freien Volkes erwiedert hat ? « » Der Offizier antwortete , was seine Pflicht war , - der Fürstensohn , was seine Ehre gebot . Herz und Seele würden ja dennoch zurückbleiben . « » Dann ist mir eine große Freude versagt , « lächelte Wanda , » ich träumte mir ' s so schön , Sie auf jenen Felsenhöhen mir gegenüber zu wissen , wie der Adler horstend und herabstoßend auf silberumpanzertem Roß . Wie stolz wäre ich gewesen , Ihren Namen täglich zu hören , als den gefürchtetsten Helden des Gebirges . « » Sie , Gräfin - wie meinen Sie Das ? « » Ei , nun , daß ich vergeblich harren werde , daß Djemala-Din , der kühne Führer der Mürditen , in einer wolken-umdüsterten Nacht hervorbricht über den Kuban nach unserm armen Schloß und Wanda davonführt aus der Gewalt der schmuzigen Kosaken . « » Sie spotten meiner , Gräfin ! « » Wie , wissen Sie wirklich nicht , daß ich nach dem Kaukasus gehe ? Sie können mir Empfehlungsbriefe geben an Ihre Vettern und Onkels , da Sie mich doch einmal nicht selbst beschützen wollen . « » Gräfin Wanda nach dem Kaukasus ? Ich beschwöre Sie , enden Sie den Scherz ! « » Ich scherze nicht und glaubte , mein Oheim hätte Sie davon unterrichtet . Eine so gute Polin , wie ich bin , besitze ich doch noch eine ältere Stiefschwester , die es nicht ist . Sie ist die Gattin des Obersten , Fürsten Tscheftsawadse , und wohnt mit ihm im russischen Gränzgebiet am Kuban , wo er kommandirt . Ich bin auf dem Wege dahin , da meine bisherigen Verhältnisse sich geändert ; - mein Oheim begleitet mich bis Odessa , von wo mein Schwager mich abholen läßt . Begreifen Sie nun , daß ich hoffte , von Ihnen dort zu hören ? « Der junge Tschetschenze war bleich wie der Tod geworden , - seine gesunde Hand zuckte krampfhaft nach dem Herzen - sein großes dunkles Auge rollte wie irr über das Mädchen , während er sich auf dem Sopha emporgerichtet hatte . » Sie nach dem Kaukasus - und ich hier ? - Großer Gott , ich glaubte , Sie kehrten nach Warschau zurück ! « » Was ist Ihnen , mein Freund ? - fassen Sie sich - man wird auf uns achten . « Er blickte wild um sich . » Was kümmert mich Ihr Oheim - was der Fürst ! Ich Thor , der ich war - fort , ihnen nach , daß sie meinem Vater sagen : sein Sohn ist bereit ! - Und meine Ehre - mein Eid - - « » Sie sind außer sich - was kümmert Sie ein elternloses Mädchen , das in Ihrer fernen Heimath , die Sie nicht mehr lieben , eine Zufluchtsstätte finden soll ? « » Ich , Djemala-Din , mein Vaterland nicht lieben , wo Sie sind , - ich Sie nicht wiedersehen - Sie , Wanda ? « er preßte krampfhaft die Hände in einander und gegen die Brust , daß der Verband des Armes sich löste und ein purpurner Strom herausschoß - » beim Blute Schamyl ' s weigerte ich meinem Vater den Gehorsam ! Beim Blute Schamyl ' s ! Wanda , am Elbrus sehen wir uns wieder ! « und ohnmächtig sank er zurück auf das Ruhebett . - - Fußnoten 1 Benennung der niederen polnischen Schänken . 2 Polnisch : Der Teufel mag Dich holen ! 3 Hundssohn . 4 Mögen die Teufel Deine Mutter quälen ! - ein gebräuchlicher polnischer Fluch . 5 Möge der Teufel Dich holen ! 6 Stadt in Kleinasien , 15 Meilen von Brussa . Bem trat bekanntlich in Widdin zum Islam über ; sein treuer Begleiter und Diener , der Artillerie-Sergeant Janek , der Wächter seines Grabes , erzählt den Reisenden , daß er als guter Katholik gestorben . Der Aufruhr . Während der Schlachtendonner bereits an der Donau und an den Küsten Klein-Asiens tobte , trieb die europäische Diplomatie noch immer ihr listiges Spiel , gleich als gälte es , nicht nur die Völker , sondern sich selbst zu täuschen . Jeder Einsichtsvolle in ganz Europa fühlte und wußte , daß der Krieg zwischen den Westmächten und Rußland unvermeidlich sei , daß er das Ziel aller Einmischung und aller Intriguen , der Zweck aller Vorbereitungen war , und dennoch flogen täglich die Couriere nach allen Richtungen , dennoch wurde Project auf Project , Vorschlag auf Vorschlag gehäuft für Ausgleichung und Frieden , und die Höfe von Berlin und Wien schwelgten in Vermittelungen . Zwei Männer allein in Europa wußten , was sie wollten : der Kaiser Louis Napoleon in Paris und Lord Palmerston in London ; denn auch dem Giganten des Nordens , dem Czaren Nicolaus , begannen die Ereignisse über das hochgetragene Haupt zu wachsen , sein Glück , sein Stolz und seine Diplomatie hatten ihn getäuscht . Nur das Vertrauen auf sich selbst und sein Volk und der ungebeugte Muth wankten nicht . Wir haben den Gang der politischen Verhandlungen am Schlusse unsers ersten Bandes bis zum Ende des Monats October geführt , und nehmen sie dort zu kurzem Ueberblick wieder auf . Noch immer tagte die wiener Conferenz . - Die englische Regierung hatte am 1. und 2. November das österreichische und preußische Cabinet aufgefordert , daß unter Beseitigung der andern Vorschläge die Großmächte sich über einen von Lord Stratford am 21. October mit den andern Gesandten in Constantinopel aufgestellten und abgesandten Notenentwurf vereinigen möchten , da man annehmen könne , daß dieser der Pforte annehmbar erscheinen werde . In der Conferenz der vier Gesandten in Wien am 3. wurde dieser Entwurf vorgelegt , der österreichische , preußische und französische Bevollmächtigte erklärten jedoch diese Vorschläge bei der veränderten Sachlage nicht mehr für geeignet und Rußland hielt nach der Kriegserklärung und Eröffnung der Feindseligkeiten zur Beendigung des Streits einen feierlichen Friedensvertrag für nöthig . Dagegen lehnte die französische Regierung einen vom Grafen Buol am 25. October gemachten Vorschlag ab , welcher eine Verständigung zwischen Rußland und der Pforte über Wien intendirte . Graf Buol schlug nun unterm 6. vor , daß die Conferenz eine Note entwerfen möge auf Grund der olmützer Verhandlungen . Diese Note würde die Pforte auffordern , zu verhandeln und selbst anzugeben , unter welchen Formen und Bedingungen . Zugleich müsse Waffenstillstand verlangt werden . Die englische und französische Regierung ertheilten auch bis zum 11. November ihre Genehmigung zur Abfassung einer solchen Note . Ehe es aber zu derselben kam , hatte das österreichische Cabinet die auf ein früheres Project ( vom 6. October ) von Rußland gemachten , von den Westmächten aber nicht genehmigten Gegenvorschläge an seinen Gesandten nach Constantinopel gesandt , mit der Instruction , sie bei der Pforte zu unterstützen . Unterdeß that der englische Gesandte das Gleiche mit einem ihm unterm 24. October übersandten Plan seines Cabinets , dem auch Frankreich zugestimmt hatte . Reschid Pascha erklärte , daß er vor zwei Monaten noch annehmbar gewesen , jetzt aber nicht mehr . Man sieht hieraus , daß nicht weniger als vier Ausgleichungsprojecte in demselben Augenblick sich kreuzten : Die russischen Vorschläge vom 17. October von Oesterreich in Constantinopel abgesondert unterstützt ; der Vorschlag des österreichischen Cabinets vom 6. November ; der ältere von Lord Stratford ( unterm 28. September und - 1. October ) vorgeschlagene , von den Westmächten unter ' m 24. October genehmigte Plan ; der neue Entwurf von Lord Stratford bei der mißglückten Verschiebung der Feindseligkeiten unterm 21. October von Constantinopel aus gemacht . Sie alle ergingen sich hauptsächlich über die Art und Form der Ausgleichung und schadeten natürlich einer dem andern , wie viele Köche immer den Brei verderben . Unterdeß waren die Flotten in den Bosporus eingelaufen und die Schlachten bei Oltenitza und Gümri geschlagen und ungünstig für die Türken ausgefallen . Frankreich stimmte möglichst Allem und Keinem zu und wartete ruhig des Augenblicks . An Stelle des französischen Gesandten in Constantinopel , de Lacour , war General Graf Baraguay d ' Hilliers seit dem 12. November gekommen . Die englische Regierung trat nunmehr mit einem fünften Project vom 16. November auf , dem die andern Großmächte beistimmten . Die wiener Conferenz adoptirte dasselbe und die Gesandten in Constantinopel legten die neue Erfindung vor , welche die wichtige Mittheilung machte : daß der Bestand der Türkei innerhalb der ihr von den Verträgen bezeichneten Gränzen eine der nothwendigsten Bedingungen des europäischen Gleichgewichts sei ! Reschid-Pascha - in Angst gesetzt durch den Schrecken von Sinope - hatte nichts Eiligeres zu thun , als unter der Hand seine Zustimmung zu geben . Aber gerade das Unglück von Sinope war der Wendepunkt , auf welchen man lauerte , um in den Augen Europa ' s mit einigem Anstand und Gewissen den thätigen Protector der Türkei spielen zu können . Gleich am Tage nach dem Eintreffen der Schreckenskunde - während Haufen der griechischen Bevölkerung durch die Straßen von Pera und Galata ras ' ten mit dem Rufe : » Es lebe unser Kaiser Nicolaus ! « - am 3. , sandten die Vertreter Englands und Frankreichs zwei Schiffe des vereinigten Geschwaders , die » Retribution « und den » Mogador « nach Sinope ab , um weitere Kunde zu bringen . Sie kehrten mit der Nachricht der völligen Niederlage und etwa 150 Verwundeten - dem Rest von fast 5000 Mann , zurück . Das türkische Ministerium hatte bereits am 4. die Gesandten ersucht , die alliirte Flotte in ' s Schwarze Meer einlaufen zu lassen . Während dieselben auf der einen Seite sich dazu bereit erklärten , sprachen sie auf der andern wieder ihre Ansicht dahin aus , daß die Türkei das Unglück durch ihr Vorgehen selbst verschuldet habe . Man wußte ja noch nicht , wie man in Paris die Sache aufnehmen werde ! Hier aber glaubte man die Zeit gekommen und eine energische Aufforderung an die englische Regierung ( v. 15. ) verlangte , daß die Admirale dem Kommandanten von Sebastopol erklären sollten , daß jedes russische Kriegsfahrzeug durch die Flotten nach den russischen Häfen zurückzufahren genöthigt , und jeder Angriff auf türkisches Gebiet oder Truppen mit Gewalt zurückgewiesen werden würde . Wir werden später sehen , welche wichtige Klausel sich das Cabinet der Tuillerieen dabei bewahrte . Unterdeß , da die Beschlüsse von Paris und London in Constantinopel noch nicht bekannt sein konnten , hatten die Gesandten dort nicht umhin gekonnt , auf Oesterreichs und Preußens Drängen die Verhandlungen über den letzten Vermittelungsvorschlag fortzusetzen , und der große Rath der Pforte beschloß ganz unerwarteter Weise , daß auf Grundlage der von den Gesandten proponirten Bedingungen die Friedensunterhandlungen eröffnet werden sollten . Dies geschah , wie wir später sehen werden , am 18. und 19. Werfen wir , ehe wir weiter gehen , noch einen kurzen Blick auf die augenblickliche Stellung auf dem Kriegsschauplatze an der Donau . Während der Czar die allgemeine Mobilmachung der Armee befohlen , war die Türkei bereits zur Aushebung des zweiten Aufgebots in Rumelien genöthigt . Der Sultan hatte erklärt , im Frühjahr selbst in ' s Feld ziehen zu wollen , und es wurden Anstalten für ein großes Lager bei Adrianopel getroffen . Aus Egypten und Syrien , aus Albanien und Bosnien strömten fortwährend Zuzüge irregulärer Truppen , die sogenannten Baschi-Bozuks , herbei und bildeten in babylonischer Verwirrung Elemente der türkischen Armee , die kaum durch die eifrigsten Bemühungen der unteren Führer , fast sämtlich polnische , ungarische und andere Renegaten und Flüchtlinge , zu einiger Ordnung und Verwendung gebracht werden konnten . Von Disciplin war natürlich fast gar nicht die Rede und man sah sich genöthigt , die regulairen Truppen möglichst von diesen Freischaaren zu sondern . Um die Mitte des December begann sich das Corps des General Dannenberg der kleinen Walachei zu nähern , und es zeigte sich deutlich , daß ein Angriff aus Kalafat beabsichtigt war . Von Bukarest waren zwei Scharfschützen-Bataillone und die Brücken-Equipagen gegen Braila abgegangen , um die dort zwischen beiden Ufern befindlichen Donauinseln zu besetzen . Gegen Matschin hatte am 13. ein verunglückter Angriff der Russen mit Kanonenböten unter General Lüders stattgefunden . Desgleichen waren zwischen dem 15. , 16. und 17. auch bei , Silistria bereits wiederholt kleine Vorpostengefechte vorgekommen , indem das russische Feuer die türkischen Transportschiffe an der Truppenbeförderung nach den Häfen verhinderte . Die Kosakenpikets setzten wiederholt über die Donau und streiften bis in die Nähe der Festung . Die Stellung der beiden Armeen an der Donau war demnach gegen Ende December folgende : Das Hauptquartier des türkischen Generalissimus befand sich in Rustschuck , das fleißig verschanzt wurde . Hier concentrirte sich das Centrum des Heeres . Die Festung selbst , unter Befehl von Said-Pascha , hatte 3400 Mann Besatzung . An ihrer Südseite , noch im Bereich der Kanonen , befand sich ein befestigtes Lager mit 5000 Mann Nizam unter Mahmud-Pascha und 2000 Mann Redifs . Unmittelbar an diesem Lager campirten 4000 Arnauten unter Selim-Pascha , die Kavallerie auf der Straße von Rustschuck nach Hesargrad , wo die 29,000 starken Reserven des Centrums standen . - Den äußersten linken Flügel bei Kalafat bildeten circa 50,000 Mann , von denen 20,000 in Kalafat selbst unter Achmet-Pascha , 10,000 auf der Donauinsel Smurda postirt waren . Selim-Pascha1 befehligte in Widdin . Die Communication der Insel mit dieser Festung war längere Zeit durch das Treibeis behindert . Die Verbindung zwischen Rustschuk und Widdin bildeten 18,000 Mann in Lom , Rahova und Nicopolis . - Den rechten Flügel kommandirte Halil-Pascha , von Silistria bis Matschin circa 45,000 Mann . Den Trajanswall von der Donau bis in ' s Schwarze Meer vertheidigte Ismael-Pascha . Die Stärke der Türken auf der weit ausgedehnten Donaulinie betrug somit circa 123,000 Mann ohne die bei Schumla aufgestellten Reserven . Die Russische Donauarmee war zur Zeit unbedeutend schwächer , dagegen Herr der Situation und zur Offensive bereit . Dem rechten Flügel der Türken stand jetzt General-Lieutenant Lüders in Braila mit 23,000 Mann gegenüber und bedrohete Heu Uebergang bei Matschin . Das Centrum mit 45,000 Mann stand unter dem Oberbefehlshaber Fürsten Gortschakoff , der noch immer sein Hauptquartier in Bukarest hatte , und den linken Flügel , etwa 34,000 Mann , kommandirte jetzt mit den Divisionen der Generale Fischbach und Dannenberg von Krajowa aus General-Lieutenant Anrep , der Kommandant der russischen Avantgarde beim Einrücken in die Fürstenthümer . Somit betrug die russische Macht etwa 112,000 Mann . Das Einrücken des dritten Osten-Sackenschen Corps , um die Positionen in der Moldau und der großen Walachei einzunehmen , hatte bereits begonnen . Diese beiderseitige Situation und Machtentwickelung war offenbar nur die eines Vorspiels und konnte zu keiner wirklichen Entscheidung führen . Die russische Armee war , - wenn ihr das Meer versperrt wurde , - viel zu schwach , um über den Balkan gegen Constantinopel vorzudringen , denn die Erfahrungen von 1828 belehrten sie , daß ein solcher Sieg zu theuer erkauft werde , und das türkische Heer befand sich offenbar in einem Zustande , daß es auf einer so ausgedehnten Linie auch die Defensive nur durch die große Terrainbegünstigung halten , an eine Offensive aber nicht denken konnte . Der türkische Soldat der Neuzeit ist trefflich zur Vertheidigung , - schlecht und unbeholfen zum Angriff . Wir haben bereits erwähnt , daß der große Rath der Pforte sich für die Vorlage der Gesandten ausgesprochen . Derselbe - der Divan oder die Staatskanzlei ( Menacybie-divaniie ) steht außerhalb des Ministerraths , der Regierung und des Reichsconseils , und umfaßt diejenigen obern und untern Beamten , die man Kalamice ( von der Feder ) nennt . Die im Divan sitzenden Beamten zerfallen in fünf Rangklassen , deren oberste mit dem Ferik ( Divisionsgeneral ) rangirt . Am Divan nehmen auch die Exminister und Würdenträger und die gerade in Constantinopel anwesenden Pascha ' s Theil . Er entscheidet nicht , sondern theilt blos seine Nachschläge mit . - Der Divan hatte im October die Kriegserklärung berathen , jetzt nach dem Unglück von Sinope und den Nachrichten aus Klein-Asien war er von Reschid-Pascha berufen , um über die Friedensunterhandlungen seine Meinung abzugeben . Als Grundlagen derselben wurde von der Note der Gesandten aufgestellt : 1. Möglichst schnelle Räumung der Donau-Fürstenthümer . 2. Erneuerung der alten Verträge . 3. Neue Garantieen für die erlassenen Firmane in Betreff der christlichen Bevölkerung an die Gesamtmächte . 4. Sicherung der Arrangements über die heiligen Orte in Jerusalem . 5. Waffenstillstand und Ernennung eines türkischen Bevollmächtigen zur Unterhandlung mit Rußland unter Mitwirkung der Mächte und in einer von diesen zu bestimmenden neutralen Stadt . 6. Wiederholung der Zusicherungen der Mächte bei dem Vertrage vom 13. Juli 1841 über die Integrität der Türkei . 7. Versprechen der Pforte , ihre innere Verwaltung den Zeitverhältnissen und den Rechten ihrer Unterthanen angemessen zu ändern . Diese Punkte entsprachen zwar keineswegs den ursprünglichen Forderungen Rußlands , enthielten aber auch Nichts , was der Aufnahme von neuen Verhandlungen entgegengestanden hätte . Das schärfere Auge konnte darin nur die Absicht der Diplomaten , zu laviren , erblicken . Dies Mittel galt natürlich blos den Augen der Menge , es war ein Schauspiel , was man Anstands halber aufführte , um die schwache schwankende Regierung des Sultans über die wirklichen Absichten zu täuschen . Die Rollen in dem Drama waren bereits vertheilt und die bewegenden großen Factoren : die revolutionaire Propaganda , die persönlichen Pläne des Kaisers der Franzosen , und die englische Eifersucht auf Rußland , reichten einander die Hände zum Bündniß . Der türkische Fanatismus wurde vorläufig zum Mittel bestimmt , die geheimen Zwecke zu verfolgen und den Sultan gefügig zu machen . Es war dringend nothwendig geworden , zu einem solchen Eclat zu greifen . Der Leser hat am Schluß des ersten Bandes und in den ersten Kapiteln des gegenwärtigen einen Einblick gethan in die Intriguen des Harems und deren Wirkung auf den Gang der türkischen Politik . Der Sultan , von Anfang an ein Gegner , des Krieges und eben nur durch die Einwirkungen des englischen und französischen Gesandten hin und wieder zu einem entscheidenden Entschluß gezwungen , neigte sich offenbar im Geheimen zur Verständigung mit Rußland . Unter seinen Vertrauten war der alte Chosrew-Pascha , dieser in seinem Mannesalter einst so berühmte Intriguant . Um ihn schloß sich daher jetzt auch fester die Friedenspartei . Reschid-Pascha , dieser Mann aller Fractionen , der französirte Türke und das gefügige Werkzeug der Machthaber im entscheidenden Augenblick , zugänglich allen Eindrücken und von keinem bestimmten Entschluß und Plan geleitet , hatte auf das energische Drängen des österreichischen Internuntius , Freiherrn von Bruck , nicht vermeiden können , den großen Rath zu versammeln , um über die mehrerwähnte Vorlage der Gesandten zu verhandeln . Es war dies am 17. geschehen , und die Kriegspartei , den Seraskier und den ältesten Schwager des Sultans , Mehemed Ali , an der Spitze , rechnete mit Sicherheit auf einen Beschluß , ähnlich dem am 26. September , welcher sich für die Kriegserklärung , entschied . Baron von Oelsner hatte jedoch seine Zeit nicht verloren . Die Sitzung am 18. war stürmisch , und der Seraskier fand einen unerwarteten Widerstand in Chosrew und seinem Anhang . » Man wirst mir vor , daß ich ein Russenfreund sei , « rief der alte Veteran des Kabinets und der Schlachten . » Wohl , ich bin für den Frieden . Aber wenn mein Bart nach russischem Pulver riecht , so duftet der Eure nach französischen Salben ! « Der Divan ging auseinander , ohne zu einem Entschluß gekommen zu sein . An diesem Abend warteten die Sultana und Nausika , die Odaliske des Sultans , die Tochter des Janos , vergebens auf das Erscheinen des Großherrn . Es war bereits zehn Uhr Abends , also etwa vier Uhr nach türkischer Zeitrechnung , als vom goldnen Horn her ein großes Kaik seinen Weg nach Tschiragan nahm und eine ziemliche Strecke weit über den Palast hinaus anlegte . Drei in kurdische Mäntel gehüllte Personen stiegen aus und schienen von einem Offizier der schwarzen Eunuchen des Sultans am Ufer erwartet zu sein , denn - ein solcher verbeugte sich alsbald tief vor ihnen und schritt dann vor ihnen her , nach den Höhen zu , die sich hinter dem Palais erheben und die Gärten desselben bilden , den einzelnen Wachen ein Loosungswort zuflüsternd , das sie ungehindert passiren ließ . Der Weg führt hinter Tschiragan auf Arnaudkoi zu terrassenartig steil in die Höhe , oft geht man zwischen Felswänden , oft zwischen 30 Fuß hohen Mauern , welche die Gärten des Sultans vor jedem fremden Blick schützen . Erst auf der Höhe kann der Blick sich frei und weit entfalten und umfaßt den untern Bosporus bis rechts nach Skutari hin und links zum Thurm von Anatoli Hissar , dem asiatischen Schloß . Auf der Höhe dieses Berggipfels steht ein in italienischem Styl gebautes , ziemlich großes elegantes Haus . Die Stürme des Pontus und die linden Zephyre des Südens umspielen seine Mauern , und die feurige Sonne des Orients brennt in seine Jalousieen und auf seine Balkone . Es liegt auf einer der schönsten Stellen von Gottes schöner Erde und ist die Wohnung zweier Deutschen , des Obergartendirektors des Sultans und seines Substituten , beides geborene Baiern . Auch die Posten der Gehilfen und Untergärtner sind meist von jungen Deutschen bekleidet . Das Haus steht in einem gleichfalls von einer hohen Mauer umgebenen , aber möglichst nach europäischer Art eingerichteten Garten , der unmittelbar an den des Großherrn stößt . Eine gleiche Mauer , durch welche ein einziges schmales Pförtchen führt , zu welchem nur der Obergärtner und sein Stellvertreter den Schlüssel haben , trennt sie . In dem Augenblick , wo wir die Vier hier hinauf begleiten , lag freilich nicht der Glanz hellen Sonnenscheins , des Frühlings oder Herbstes über jener herrlichen Aussicht , aber deshalb war sie nicht minder reizend im bleichen Lichtstrahl des Mondes , der ohnehin die Eigenschaft hat , die Farben aufzuzehren , und desto großartiger die Formation und Plastik in Licht und Schatten hervortreten zu lassen . Ein weißer Reif , auf den Felsenplateau ' s selbst eine dünne Schneedecke , lag über dem ganzen Bilde , und der schmale Wasserspiegel , nach Stambul hin sich öffnend , glänzte - wo er aus dem Schatten der Bergwände trat - gleich einem Silberband . Doch war es nur Einer von der Gesellschaft , der diesem herrlichen Anblick einige Augenblicke widmete , der bereits mehrfach erwähnte deutsch-französische Baron , der sich auf der Höhe des Plateau ' s umwandte und , seine Gefährten weiter gehen lassend , die Augen über dies Eden der Nacht schweifen ließ . Dann folgte er ihnen rasch , denn die egoistischen Gedanken des Ehrgeizes , des Interesses und der Sorge in der eigenen Brust machen den Menschen gleichgültig für die Herrlichkeiten des Allmächtigen um ihn her . Der beste Beweis in der schneidend bittern Weise Larochefaucaulds , daß der Mensch alles Erschaffene für sich erschaffen glaubt . - Das Haus mit seinen Umgebungen war still und öde , am Zugang hatte ihnen der Obergärtner selbst das Thor geöffnet , wieder geschlossen und war dort zurückgeblieben . Der Eunuch führte sie quer über den Platz zu dem Pförtchen , das sich in die Gärten des Großherrn öffnete und klopfte in eigenthümlicher Weise an dasselbe . Sogleich wurde es geöffnet , sie traten ein und fanden sich dem Tschannador-Aga gegenüber , der sie mit einer schweigenden Verbeugung empfing und vor ihnen herschritt . Die Pforte wurde von dem Eunuchen wieder geschlossen und er lehnte sich , den Säbel ziehend , außen an dieselbe , um jede Annäherung zu verhindern . Der Aga ging vor der schweigenden Gesellschaft durch die seltsamen gewundenen Gänge des Gartens her , und sie stiegen mehrere Terrassen hinab . Obschon der Winter die Vegetation erstarrt , die Bäume entblättert hatte , konnte man im hellen Lichte des Mondes doch die eigenthümliche Ausstattung und Einrichtung des Ortes um so mehr ersehen , als das sonst so belebende Grün in den türkischen Gärten eben nur Nebensache ist , und der Baron - der zum ersten Mal diesen sonst unzugänglichen Ort betrat - benutzte die Gelegenheit zum Umschauen . Auf dem natürlichen Felsen der Bergwand waren vielfach künstliche Felsgruppen in seltsamen phantastischen Formen angebracht , große Marmorbecken fingen in der bessern Jahreszeit Cascaden von Wasser auf , oder bildeten die bei den Türken so beliebten Springbrunnen . Pagoden und wunderliche in Arabesken und Schnörkel verlaufende Thiergruppen , bunt bemalt , standen überall . Wo der Wind den Reif und Schnee von den Gängen und Rabatten hinweggefegt , sah man diese mit bunten Steinen , Muscheln und Porzellan eingefaßt ; zahlreiche Grotten , Kiosks , Tempel , chinesische Dächer und Pavillons in den baroksten Formen mit reicher Vergoldung und Malerei waren überall ziemlich ordnungs- und geschmacklos angebracht . Nach einem der letztern von größerem Umfange wendete die Gesellschaft die Schritte . Zwei Tschannadors hielten die Wache am Eingang , durch welchen jetzt die Fremden das Innere betraten ; ähnliche dunkle Gestalten bewegten sich um das Gebäude . Sie befanden sich hier in einem erleuchteten und von Kohlenpfannen erwärmten Vorgemach , wo sie die Mäntel ablegten und sich der Stiefel entledigten , um nach türkischer Sitte die Füße mit weichen Pantoffeln zu bekleiden . Die beiden Begleiter des Barons zeigten sich jetzt als zwei Moslems , der Eine ein Greis mit langem grauem Bart , listigen Augen und kühn hervorspringender Nase , der Andere als ein stattlicher Mann von einigen dreißig Jahren mit geistreichen und lebendigen Zügen . Nach kurzer Zögerung für die Toilette der Eintretenden verschwand der Aga durch den Vorhang der gegenüber liegenden Thür , erschien dann auf ' s Neue und gab den Harrenden den Wink , sich zu nähern . Er selbst blieb im Vorgemach zurück . Das Gemach , in das sie traten , füllte mit Ausnahme des kleinen Vorzimmers die ganze Rundung des Pavillons . Es war von einer Krystallkrone erleuchtet und gleichfalls von silbernen Kohlenbecken durchwärmt , aus denen zugleich der leichte Duft einer wohlriechenden Essenz durch das Gemach strömte . Die Jalousiefenster waren sorgfältig mit dicken turkomanischen Teppichen verhängt , damit kein Lichtstrahl nach außen dringen konnte . Rings um die Wände liefen Divans und gegenüber der Thür ruhte auf denselben die schlaffe Gestalt des Sultans , zu seinen Füßen ein stummer Mohrenknabe auf dem Boden knieend , der das Nargileh des Großherrn in Brand erhielt und mit seinen großen braunen Augen auf jeden Wink des Gebieters lauschte . Der Sultan und der stumme Knabe waren allein in dem Gemach . Die Hände auf die Brust gekreuzt , nahten sich die beiden Türken dem Herrscher , warfen sich in einiger Entfernung vor ihm nieder und verharrten in dieser Stellung mit zu Boden gehefteten Augen . Der Baron machte eine tiefe Verneigung und blieb in gebeugter Haltung am Eingang stehen , bis der Großherr das erste Wort gesprochen . Dieser hatte sich halb aufgerichtet auf dem Divan , das kostbare Mundstück des Rohres zur Seite gelegt und streckte beide Hände nach dem Jüngsten der Knieenden . » Khosch dscheldin2 , mein Bruder Halil . Ich hoffe , Eure Laune und Eure Gesundheit sind gut und Ihr werdet es dem Großherrn , Eurem Schwager , nicht nachtragen , daß er Euch noch nicht öffentlich empfangen konnte , wie es Einem gebührt , der mit einer Tochter aus dem Hause Omar ' s das Lager theilt . « Halil-Pascha , der jüngere Schwager des Sultans , durch die Intriguen des Seraskiers aus Constantinopel verbannt und von jeder Betheiligung an den Staatsgeschäften entfernt , war erst vor zwei Tagen auf eine Botschaft Chosrew ' s , denn dieser war sein Begleiter , nach Stambul heimlich zurückgekehrt . Er war als Russenfreund bekannt , früher längere Zeit am Hofe von St. Petersburg Gesandter gewesen und hatte dort viele Auszeichnungen genossen . Er gehörte mit Chosrew zu den entschiedensten Gegnern des Krieges , und dessen Beförderer hatten ihn daher auf alle Weise vom Sultan fern gehalten ; dem schlauen alten Großwessir war es aber dennoch gelungen , ihm diese heimliche Audienz zu verschaffen . » Möge Dein Schatten lang sein , o Zuflucht der Welt , und die Sonne Deiner Gunst neu auf den Getreuesten Deiner Diener fallen , « antwortete ehrerbietig der Pascha , indem er , ohne die Hände des Padischah zu berühren , den Zipfel seines Rockes an Stirn und Brust führte . » Meine Gesundheit ist gut und wird noch besser