hütete , in mädchenhafter Träumerei den Gesang der Waldvögel belauschen sah . Sie gehört dem Eurybates , auf dessen Gute sie geboren ist , an , und schien mir von der Natur mit besonderm Wohlgefallen zur Mutter eines kleines Hercules gebildet zu seyn . - Es war wirklich hohe Zeit daß ich sie fand : denn ich kann nicht sagen , wie lange ich es noch gegen die Circe dieser Insel ausgehalten hätte , welcher , wenn sie ihre ganze Zaubermacht gebrauchen will , ohne eine solche Gegenanstalt , in die Länge schwerlich zu widerstehen ist . Ich vertraue dir hier etwas , das ich sogar vor Aristipp verberge , wiewohl nur so lange als es vor Lais ein Geheimniß bleiben muß . Du begreifst nun , daß ich unter diesen Umständen keiner außerordentlichen Weisheit noch Festigkeit des Willens nöthig habe , um meine Hippolytus-Rolle , während der kurzen Zeit , da wir noch zu Aegina verweilen werden , glücklich fortzuspielen : aber ich will auch in Aristipps Augen , so wenig als in den deinigen , kein größerer Held scheinen als ich wirklich bin . Der Allherrscherin Lais kann diese kleine Demüthigung nicht schaden . Sie ist von einer so großen Menge von Sklaven und Anbetern aller Art umgeben , daß es für die Ehre unsers Geschlechts allerdings nöthig scheint , daß wenigstens Einer sie fühlen lasse , es sey nicht unmöglich die Berührung ihres Zauberstabs unverwandelt auszuhalten . So eben ist Eurybates auf etliche wenige Tage herüber gekommen . Da er mir sehr gewogen ist , werde ich ihm mein kleines Abenteuer mit der ländlichen Deianira vertrauen , und wegen der Folgen das Nöthige mit ihm verabreden . Aristipp scheint an dem allzugroßen und täglich zunehmenden Gedränge von Fremden , die unsre schöne Wirthin nach Aegina lockt , so wenig Gefallen zu haben , daß er mit Eurybates nach Athen zurückzukehren entschlossen ist . Daß ich ihn begleiten werde , versteht sich von selbst ; ich habe die Freuden der Natur , der Jugend , und des geselligen Lebens diesen Frühling über lange und rein genug genossen , um mit freier Seele , und sogar mit einiger Ungeduld , zu meinen gewohnten Beschäftigungen zurückzukehren . 35. Lais an Aristipp . Veränderung ist die Seele des Lebens , lieber Aristipp . Ich habe mich entschlossen , nach deinem Beispiel ein wenig in der Welt herumzuschwärmen , und für den Anfang unter dem Geleit und Schutz eines mächtigen Thessalischen Zauberers eine Lustreise durch die nördlichen Theile von Griechenland zu machen . Mein Führer nennt sich Dioxippus , und könnte seiner Jugend und Schönheit wegen vielleicht sogar einer trotzigern Tugend , als die meinige ist , gefährlich scheinen , wenn mich nicht der Umstand beruhigte , daß er sein Geschlecht bis in die Zeiten von Deukalion und Pyrrha zurückführt , und da er also ohne Zweifel einen der menschgewordenen Steine , durch welche Thessalien nach der großen Fluth wieder bevölkert wurde , zum Stammvater hat , wahrscheinlich noch genug von der ursprünglichen Härte und Unempfindlichkeit desselben geerbt haben wird , um mir mit keiner übermäßigen Zärtlichkeit beschwerlich zu fallen . Uebrigens besitzt er , wie man sagt , große Güter in der Gegend von Larissa , und es wäre nicht unmöglich , daß es mir wohl genug dort gefiele , um mich zu einem längern Aufenthalt bei ihm zu entschließen ; wär ' es auch nur , um zu sehen , was ich von den berühmten Zauberkünstlerinnen dieses Landes in ihrem Fache etwa noch lernen könnte . Mein Hauswesen zu Korinth und Aegina ist bestellt . Eine von meinen Korinthischen Pflegetöchtern hat Euphranor von mir erschlichen ; die stille freundliche Chariklea schwatzte mir ein begüterter Landmann von Epidaurus ab , der schon lang ' ein Aug ' auf sie geworfen hatte ; die rüstige Melantho wird mein Haus zu Korinth regieren , und die kleine Eudora , die sich erklärt hat , daß nur der Tod sie von mir trennen könne , begleitet mich nach Thessalien . Lebe indessen wohl , Aristipp , und sey versichert , wie unveränderlich auch meine Liebe zur Veränderung seyn mag , daß meine Freundschaft für dich noch unveränderlicher ist , und daß Lais dich nicht eher vergessen wird , als bis sie sich auf sich selbst nicht mehr besinnen kann . 36. Learchus von Korinth an Aristipp . Geschäfte , welche meine eigene Gegenwart forderten , lieber Aristipp , haben mich nach Aegina geführt , wo ich dich noch anzutreffen hoffte , aber erfahren mußte , daß du schon seit einiger Zeit nach Athen zurückgekehrt seyest . Unsre Freundin Lais , bei welcher ich so viele Abende zubrachte als ich in meiner Gewalt behielt , eilt beinahe zu sehr , die Beute , die sie unsern Erbfeinden abgenommen hat , unter die gesammten Griechen wieder zu vertheilen und in Umlauf zu setzen . Man wird es gewohnt , sich unter ihren eigenen Bedingungen bei ihr wohl zu befinden ; aber man wird auch endlich ihrer Reizungen gewohnt , und da sie selbst keinen Werth auf sie zu setzen scheint als insofern sie ihr zu Befriedigung ihrer Eitelkeit dienlich sind , so läuft sie Gefahr , endlich auch den zu verlieren , welchen andere darauf zu setzen bereit waren . So sprechen wenigstens diejenigen von ihren Liebhabern , die mit dem , was sie unentgeltlich gibt , nicht zufrieden sind ; und das mögen leicht so viel als alle seyn , die , seitdem sie zu Aegina lebt , einen ziemlich glänzenden Hof um sie her gemacht haben . Ich meines Orts bin ziemlich geneigt zu glauben , daß sie , bei allem Anschein von Sorglosigkeit , ihren Stolz sehr gut mit ihrem Vortheil , so wie ihr Vergnügen mit ihrem Stolz zu vereinigen , und die Augenblicke , wo das Glück ihr irgend einen Fisch , der des Fangens werth ist , ins Garn treibt , mit aller möglichen Gewandtheit zu benutzen weiß . Wenigstens ist dieß dermalen der Fall mit einem der reichsten Thessalier , der vor kurzem in Aegina erschien , und in wenig Tagen schon Mittel fand , alle seine Mitwerber weit zurück zu drängen . Wirklich hat mir dieser Dioxippus ( wie er sich nennt ) die Miene , im Nothfall alle seine Güter , welche keinen unbeträchtlichen Theil der reichsten Gegenden Thessaliens einnehmen , daran zu setzen , um die schönste und stolzeste Hetäre , welche Griechenland je gesehen hat , auf seine Bedingungen zu haben . Ich zweifle nicht , daß sie ihm den Sieg schwer genug machen wird ; aber ich zweifle eben so wenig , daß sie schon entschlossen ist sich besiegen zu lassen . Beide scheinen einander bereits auf den Wink zu verstehen . Dioxippus hat ihr den Einfall eine Reise nach Delphi , Larissa , Tempe u.s.f. zu machen , so fein beizubringen gewußt , daß sie sich mit guter Art gegen ihn stellen konnte , als ob es ihr eigener Gedanke wäre . Die Reise ist also beschlossen , und die Anstalten dazu werden mit der größten Lebhaftigkeit betrieben . Dioxippus wird sie begleiten , und schmeichelt sich ( wie er sich sehr bescheiden ausdrückt ) sie werde ihm vielleicht die Gnade erweisen , eines seiner Güter in diesen Gegenden mit ihrer Gegenwart zu beglückseligen . Die getäuschten Raben sind indessen mit leeren Schnäbeln wieder aus einander geflogen , und in drei oder vier Tagen wird die Göttin , mit einem zahlreichen Gefolge von Nymphen , und , sobald sie zu Megara angelangt seyn wird von einem Schwarm Thessalischer Reiter umflogen , die Reise nach der heiligen Stadt Delphi antreten . Ich will lieber gleich freiwillig gestehen , was ich dir doch nur halb verbergen konnte - daß ich etwas ungehalten auf unsre männerbeherrschende Schöne bin , wiewohl mein Aufenthalt zu Aegina dießmal keine absichtliche Beziehung auf sie hatte . Damit ich dir aber die Mühe erspare mich deßwegen auszuschalten , bekenne ich auch sogleich , daß mein Mißmuth ungerecht ist . Oder was für ein Recht könnten wir ( ich meine mich und meinesgleichen ) haben , Ansprüche an sie zu machen ? Ist sie nicht Herr über ihre eigene Person ? Und wenn ihr auch alle die herrlichen und seltnen Gaben , womit die Natur sie ausgestattet , bloß zur Mittheilung verliehen worden wären , wer ist berechtigt ihr vorzuschreiben , wen und wann und in welchem Maße sie durch diese Mittheilung zu begünstigen schuldig sey ? Ist nicht das , was sie , durch Gestattung eines freien Zutritts zu ihr , für das gesellschaftliche Leben thut , schon allein unsers größten Dankes werth ? Macht sie nicht einen schönen , edeln und bis zum Uebermaß freigebigen Gebrauch von den Reichthümern , die ihr das Glück , das eben so verschwenderisch gegen sie war als die Natur , zugeworfen hat ? Welche Vortheile zieht nicht Korinth , das durch sie gewissermaßen zur Hauptstadt von Griechenland wird , bloß davon , daß die schöne Lais es zu ihrem gewöhnlichsten Sitz erwählt hat ? Und wie viel hat sie nur allein dadurch , daß sie sich Malern und Bildnern mit so vieler Gefälligkeit als Modell darstellt , zu Vervollkommnung der Kunst und zur Verschönerung unsrer Tempel und Galerien beigetragen ? - Du siehst , Aristipp , daß meine selbstsüchtige üble Laune mich wenigstens nicht ungerecht und undankbar gegen ihre mannichfaltigen Verdienste macht , und du wirst die Großmuth , womit ich sie gegen mich selbst zu rechtfertigen suche , hoffentlich auch mir für ein kleines Verdienst gelten lassen . Meine Verrichtungen führen mich von hier nach Salamin , von wo ich dir und der Akademie einen fliegenden Besuch zu machen gedenke . Im Vorübergehen hoff ' ich auch den Sonderling Diogenes zu sehen , von welchem mir die hier anwesenden Athener so viel Seltsames erzählt haben , daß ich große Lust hätte , ihn den Korinthiern als ein neues Wunderthier aus Libyen zu zeigen , wenn ich ihn überreden könnte mich zu begleiten . Lebe wohl ! 37. Kleonidas an Aristipp . Ich danke dir für die Mittheilung deines Antiplatonischen Symposions , worin du ungefähr alles Gute und alles Böse , was sich von dem Meisterstück des Attischen Philosophen sagen läßt , mit nicht geringerer Beobachtung des Schicklichen als er selbst in Vertheilung der Rollen bewiesen hat , der damaligen Tischgesellschaft unserer Freundin in den Mund legst . Was du in deinem Brief an Eurybates bescheidener Weise für einen Nachtheil deines Gastmahls in Vergleichung mit dem Platonischen ausgibst , daß es nämlich durchaus das Ansehen eines freien , unvorbereiteten , kunst- und anspruchlosen Tischgespräches hat , scheint mir eher ein Vorzug zu seyn , auf welchen du , insofern die Kunst ( wie ich nicht zweifle ) auch an dem deinigen Antheil hat , dir vielmehr etwas zu gute thun könntest . Ausführliche methodische Behandlung und Erschöpfung des Stoffes der Unterredung schickt sich auf keine Weise für ein Gespräch dieser Art ; aber desto lobenswürdiger ist es , wenn die redenden Personen , indem sie nur mit leichtem Fuß über den Gegenstand hinzuglitschen scheinen , dennoch alles sagen , was den Zuhörer auf den Grund der Sache blicken läßt , und in den Stand setzt , sich jede Frage , die noch zu thun seyn könnte , selbst zu beantworten . Das Mährchen von Amor und Psyche , womit Lais die Unterredung so sinnig und anmuthig schließt , ist eines von den wenigen , wo die dichterische Darstellung mit der malerischen in Einem Punkte zusammentrifft , und beide Künste , so zu sagen , herausgefordert werden , welche die andere zu Boden ringen könne . Ich habe der Versuchung nicht widerstehen wollen , die zwei auf einander folgenden Augenblicke , von welchen dieß vorzüglich gilt , in den zwei Gemälden darzustellen , die du zugleich mit diesem Brief erhalten wirst . Ich habe ihnen noch zwei andere beigelegt , wovon die Scene in meinem eigenen Hause liegt , und die , wie ich gewiß bin , eben dadurch desto mehr Anmuthendes für dich haben werden . Jene kannst du , deines Gefallens , entweder für deine kleine Galerie behalten , oder an Learchen abgeben , der ( wie ich höre ) etwas von mir zu haben wünschet . In dem kleinen Familienstück ist die Figur , die mich selbst vorstellt , von der Hand meiner Schwester Kleone . Das Mädchen zeigte , nachdem sie einige Zeit in meinem Hause gelebt hatte , so viele Lust und Anlage zu meiner Lieblingskunst , daß ich nicht umhin konnte ihr einige Anleitung zu geben . Sie hat bereits ziemliche Fortschritte gemacht , und ist , wie du siehest , auf gutem Wege , ihrem Lehrmeister gerade darin , worin er sich etwas geleistet zu haben schmeichelt , den Rang abzugewinnen . Sie war eben in Musarions Kinderstube mit einer kleinen Arbeit beschäftigt , als mich der Zufall mit dem süßen Anblick begünstigte , den ich in diesem Gemälde , wenigstens so lange die Farben aushalten , zu verewigen gesucht habe . Als ich mit der Mutter und den Kindern fertig war , fand die kleine Hexe Gelegenheit sich in mein Arbeitszimmer zu schleichen , und , während ich auf ein paar Tage abwesend war , mich selbst der holdseligen Gruppe als einen sehr warmen Antheil nehmenden Zuschauer beizufügen . Aber der Kreter kam an einen Aegineten139 , wie das Sprüchwort sagt . Ich überschlich sie dafür wieder , da sie in einer Laube unsers Gartens , allein zu seyn meinend , ein Bild , woran sie eben gearbeitet hatte , mit einem Ausdruck , den ich nicht beschreiben kann , den ich aber mit dem Pinsel zu erhaschen suchte , betrachtete . Sie weiß nichts von dem kleinen Streiche , den ich ihr gespielt habe . Ich gestehe dir meine Schwachheit , Aristipp ; ich liebe das Mädchen so sehr , daß ich nicht ruhig bin , bis alle meine Freunde wissen , wie liebenswürdig sie ist . 38. Aristipp an Learchus . Antipater kann dir ' s noch nicht vergessen , daß du ihm seinen Freund Diogenes entführt hast . Er besorgt , die Korinther möchten noch leichtfertiger seyn als die Athener , und das Schätzbare dieses genialischen Sonderlings vor dem Lächerlichen nicht gewahr werden . Ich hätte sagen sollen er wünscht es heimlich , weil er hofft , ihn desto eher nach Athen zurückkehren zu sehen . Ich glaube das Gegentheil . Die Einwohner großer Handelsplätze wie Korinth , sind so sehr gewohnt , Menschen von allen möglichen Gesichtern , Gestalten und Farben , Trachten , Sitten , Sprachen und Mundarten um sich zu sehen , daß auch der übertriebenste Sonderling ihnen weniger auffallen muß als den Athenern , die alles , was nicht Attisch ist , schon aus diesem Grund allein lächerlich und verächtlich finden . Du bezeugtest , als du vor einiger Zeit die Gemälde meiner kleinen Halle besahst , großes Verlangen ein paar Stücke von meinem Freunde Kleonidas ( dem Maler des sterbenden Sokrates ) um jeden Preis , den er darauf setzen wollte , zu besitzen . Ich übersende dir hier zwei , die ich so eben von ihm erhalten habe , und lege ihnen , zu besserm Verständniß ihres Sinnes , die Abschrift eines Milesischen Mährchens bei , welches die schöne Lais verwichnen Frühling einer kleinen bei ihr versammelten Gesellschaft , aus Gelegenheit eines Gesprächs über die Liebe , zu erzählen die Gefälligkeit hatte . Wenn du es gelesen hast , wirst du , in dem einen dieser Bilder , die von der Furie des Vorwitzes von der Seite ihres noch unbekannten Gemahls weggerissene Psyche - in dem Augenblick , da sie über ihn hergebückt den Gott der Liebe in ihm entdeckt , und vor Entzücken und Schrecken zitternd einen Oeltropfen aus der Lampe in ihrer Hand auf seinen Busen fallen läßt - so wahr und schön dargestellt finden , daß ihm nur das Seitenstück dazu - wo Amor , einen zugleich mitleidigen und zürnenden Blick auf die bestürzte und die Arme vergebens nach ihm ausstreckende Psyche werfend , davon fliegt - an Schönheit und Stärke der Wirkung zu vergleichen ist . Wenn diese Bilder dir nur halb so wohl gefallen wie mir ( sonst hat sie noch niemand hier gesehen ) , so sind sie um jeden mäßigen Preis , den du selbst bestimmen willst , dein . Uebrigens gesteh ' ich dir unverhohlen , daß ich mich so leicht nicht von ihnen trennen könnte , wenn ich nicht noch zwei andere Stücke erhalten hätte , die als Kunstwerke jenen nicht nachstehen , aber noch außerdem einen Werth für mich haben , den sie für keinen andern haben können . Das eine stellt meinen Kleonidas in einem schönen Augenblicke seines häuslichen Glückes vor ; das andere ist das Bildniß seiner Schwester , eines lieblichen talentvollen Mädchens von siebzehn Jahren . Sie sitzt unter einer Rosenlaube , mit einer Tafel auf den Knieen , worauf sie das Bild einer Person , an welcher sie warmen Antheil nimmt ( vermuthlich ihres Bruders ) zu zeichnen begriffen ist ; wiewohl es eben so wohl eine geliebte Freundin seyn könnte ; denn was es vorstellen soll , ist nur angedeutet als ob es in einem Nebel zerfließe . Ich habe nie etwas so sanft Anziehendes gesehen als dieses Mädchen ; es ist eben so schwer die Augen wieder von ihr abzuwenden , als nicht zu wünschen , daß man derjenige seyn möchte , dessen Züge sie nach einem ihrer Seele vorschwebenden Bilde mit Liebe zu copiren scheint . Wenn du Nachrichten von unsrer wandernden Freundin hast , so wirst du mich durch ihre Mittheilung verbinden . Ich müßte mich sehr irren , wenn sie es bei ihrem Thessalischen Zauberer so lange ausdauerte , als bei dem fürstlichen Perser , der so große Vorzüge in sich vereinigte , und sie doch nicht länger als zwei Jahre fest halten konnte . Ihr andern edeln Söhne von Korinth werdet ja auch noch an den Reihen kommen ; wenigstens hat sie euch lange genug umsonst dienen lassen , oder doch nur mit Phasianischen Hühnern und Kopaischen Aalen140 abgespeist , woran ihr ohnehin keinen Mangel habt . 39. Learchus an Aristipp . Die Gemälde sind glücklich angelangt , und bereits in meinem großen Sahl mitten unter den Werken der berühmtesten Meister aufgestellt . Ich danke dir sehr , lieber Aristipp , daß du mir vor andern Liebhabern den Vorzug hast geben wollen ; und auch das ist mir lieb , daß die Athener diese Juwelen der Kunst nur bei mir zu sehen bekommen können . Ich übermache dir eine in Cyrene zahlbare Anweisung auf dreitausend Drachmen ; wär ' ich ein König , so sollten ' s dreißigtausend seyn , und ich würde diese Bilder doch noch lange nicht nach ihrem wahren Werth bezahlt zu haben glauben . Unsre reichsten Kunstsammler erkundigen sich , nicht ohne Neid , nach dem Meister und dem Preise : ich sage ihnen , daß der Meister nicht genannt seyn wolle , und nicht auf den Kauf arbeite . Euphranor , der die Kunst zu sehr liebt , um einer andern Eifersucht als der edeln , schon von dem alten Hesiodus angerühmten141 , fähig zu seyn , findet , daß an beiden Stücken vieles höchlich zu loben , und wenig oder nichts zu tadeln sey ; denn über das , was allenfalls getadelt werden könnte , lasse sich , sagt ' er , noch lange streiten . So tadelte z.B. Jemand , daß von dem Entzücken über den unverhofften Anblick des Liebesgottes und der Angst vor seinem Erwachen , wovon das Mährchen spricht , nur das erste in Psychens Gesicht ausgedrückt sey ; aber Euphranor behauptet , es wäre unmöglich gewesen beides in eben demselben Augenblick ohne Verzerrung auszudrücken , und der Maler sey der Natur und dem Gesetz der Kunst gefolgt , indem er jenen Ausdruck vorgezogen habe ; zumal da das Zittern der Hand , wovon der fallende Oeltropfen die Folge war , eben so gut von einer frohen Ueberraschung als einer Anwandelung von Furcht habe bewirkt werden können . Mehr zu verlangen , sagte er , wäre eben so viel als wenn man fordern wollte , der Maler hätte ihre Hand zittern lassen sollen . Vorzüglich bewundert Euphranor an dem zweiten Stücke den Gedanken , das Ganze bloß von dem Aufflackern der Lampe , die der Psyche ( indem sie die Arme nach dem fliehenden Amor ausstreckt ) aus der Hand fiel , und eben verlöschen wird , von unten auf beleuchtet werden zu lassen , welches eine eben so neue und auffallende Wirkung thut , als es schwer auszuführen war . Er hat nicht von mir abgelassen , bis ich ihm erlaubt habe , von beiden Gemälden eine Kopey in eingebrannten Wachsfarben zu machen ; einer noch nicht lang ' erfundenen Kunst , worin er es bereits zu einer großen Nettigkeit der Ausführung gebracht hat . Lais ( die mir vor ihrer Abreise die Oberaufsicht über ihre häuslichen Angelegenheiten auftrug ) meldet mir von Larissa aus , wo sie den Winter sehr angenehm zugebracht zu haben versichert , daß sie im Begriff sey , nach Farsalia abzugehen , und sich in diesem dichterischen Lande , der Scene so vieler alter Wundersagen und heroischen Abenteuer , dem Lande wo Deukalion und Pyrrha das Menschengeschlecht wieder herstellten , und Apollo die Herden des Admet hütete , so wohl gefalle , daß sie noch nicht ans Wiederkehren denken könne . Sie scheint sehr wohl mit den edeln Thessaliern , aber desto schlechter mit dem weiblichen Theile der Nation zufrieden zu seyn ; sie findet die Weiber dieses Landes weder schön noch geistreich und gebildet genug , um ihre ausschließlichen Ansprüche an die Zauberkunst der Liebe behaupten zu können . Das Wahre ist , daß eine so gefährliche Fremde wie Lais , die in keiner andern Absicht gekommen scheint , als ihnen die reichsten und freigebigsten Männer des Landes vor ihren Augen wegzuangeln , eine allgemeine Empörung der Weiber gegen sich erregt , deren Folgen zu entgehen sie diesen Sommer unter dem Schutze des mächtigen Dioxippus auf einem seiner Güter in der Gegend von Pharsalia zuzubringen gedenkt . Ich zweifle nicht daß dieß das rechte Mittel ist , sie vor Anfang des Winters wieder in Korinth zu haben . Ich wünsch ' es , bloß weil ich sehen möchte was sie mit meinem verrückten Sokrates anfangen wird , und ob sie sich des Versuchs wird enthalten können , auch ihn vor oder hinter ihren Siegeswagen spannen zu wollen . Dein Antipater wird sich in seiner Meinung von den Korinthern betrogen finden . Diogenes lebt hier noch freier und ungeneckter als zu Athen , und es gefällt ihm so wohl bei uns , daß er von der allgemeinen Einladung , die er von einigen unsrer besten Häuser erhalten hat , schon zwei oder dreimal Gebrauch gemacht , und wenn ihm die Laune dazu ankam , von freien Stücken bei großen Gastmählern erschienen ist ; wo er zwar von seiner gewöhnlichen Diät so wenig als möglich abweicht , aber durch die Gewandtheit seines Witzes , die Freiheit seiner Zunge , und die seltsamen Einfälle , wovon er einen unerschöpflichen Vorrath zu haben scheint , sich so angenehm macht , daß seine Erscheinung eine desto lebhaftere Freude unter den Gästen verursacht , je karger er mit dieser Gefälligkeit ist . Denn so weit hab ' ich selbst ( wiewohl er mich mehr als andere begünstigt ) es nicht bei ihm bringen können , daß ich meine Freunde auf ihn zu Gaste bitten dürfte . Antipater wird hieraus ersehen , daß er sich so bald keine Hoffnung zu einer Schwimmpartie nach Psyttalia mit unserm neuen Schutzverwandten zu machen hat , und daß er selbst zu uns wird herüber schwimmen müssen , wenn er sehen will , wie gut die Isthmische Luft seinem Freunde zuschlägt . 40. Aristipp an Kleonidas . Wenn deine Absicht war , mich mit den Gemälden , die ich durch den Schiffer Xanthus erhielt , wie mit unwiderstehlichen Zauberketten nach Cyrene zurück zu ziehen , so schwör ' ich dir zu , daß du sie völlig erreicht hast . Sie haben die Erinnerungen an dich und deine Musarion so lebendig in mir aufgefrischt , daß alle meine andern Gedanken vor ihnen verlöschen , und alles , was ich um mich her sehe , mir schal und ungenießbar wird . Oft möcht ' ich auf deine Kunst zürnen , daß die Zaubrerin , die dem bloßen gefärbten Schatten so viel Lebenähnliches geben konnte , ihnen nicht auch das , was zum Leben noch fehlt , zu geben vermochte ; daß ich die Rede , die auf den Lippen deines Bildes zu schweben scheint , nicht mit meinen Ohren höre , und der Freund , den ich an meine Brust drücken will , ein bloßes Blendwerk ist . Unwillig reiß ' ich mich dann von diesen Bildern los , bei denen ich oft Stunden lang verweile , und kehre doch immer wieder zurück , als ob ich hoffte sie nun lebendiger zu finden . Kurz , lieber Kleonidas , dein Geschenk hat meine Weisheit aus dem Gleichgewicht , worauf ich sonst immer ein wenig groß zu thun pflegte , herausgehoben , und ich sehe wohl , mir ist nicht anders zu helfen , als daß ich meine hiesigen Geschäfte so schleunig als möglich zu Ende bringe , ein eigenes Jachtschiff miethe , und mit dem ersten besten Nordwestwind nach dem Lande zurückfliege , das meine Liebe zu euch , weit mehr als das Ungefähr der Geburt , zu meinem wahren Vaterlande macht . Das holde Familienbild und die liebliche junge Malerin haben mich zwar nicht blind gegen die Reize deiner Psyche gemacht , aber doch so viel bewirkt , daß ich mich zu Gunsten meines Korinthischen Freundes Learchus leichter von ihr trennen konnte , der sie zu besitzen verdient , und ganz glücklich dadurch ist . Die dreitausend Drachmen , die du gegen seine Anweisung ausgezahlt erhalten wirst , sind der Preis , den er selbst dafür bestimmt hat . Da er die Bilder als Geschenk nie angenommen haben würde , so hielt ich für das schicklichste , ihm die Schätzung derselben anheimzustellen : und ich finde daß er sich , ohne zu viel zu thun , auf eine edle Art aus der Sache gezogen hat . Er hat wirklich Sinn für ächte Kunst ; und überdieß schmeichelt es seinem Stolze , daß er ( Lais allein ausgenommen ) der einzige in Griechenland ist , der etwas von deiner Hand aufweisen kann . Daß mir die beiden Stücke , die ich für mich behalte , zu heilig sind um in meiner Galerie aufgestellt zu werden , trauest du mir zu ohne daß ich es sage . Antipater ist der einzige , der das Familienbild gesehen hat ; aber ihm auch die Malerin sehen zu lassen , kann ich nicht über mich gewinnen . Sie steht in meinem Schlafzimmer , in einem Schranke verborgen , der , seitdem er dieses Kleinod verwahrt , täglich so oft aufgeschlossen wird , daß du über meine Kinderei lachen würdest , wenn ich dir sagte wie oft . Mich dünkt die Kunst hat noch nichts Vollendeter ' s hervorgebracht als dieses kleine Bild . Vollendet - ja , das ist es - aber ich habe dir doch nicht das rechte Wort gesagt ; nichts Anziehender ' s , wollt ' ich sagen - was hielt mich zurück ? - Ist mein Vorwitz zu wissen , wer der Glückliche ist , mit dessen Zügen die liebenswürdige Kleone sich so theilnehmend beschäftigt , unbescheiden , so laß dein Stillschweigen meine Strafe seyn . Ich lege diesem Brief eine Abschrift dessen bei , den ich von Learchen über die Gemälde erhalten habe ; vornehmlich , weil er uns Nachricht von unsrer reisenden Circe gibt , die den Thessalischen Zaubrerinnen zeigt , daß sie in ihrer eigenen Kunst , gegen eine Meisterin wie sie , nur Pfuscherinnen sind . 41. Kleonidas an Aristipp . Wenn unsre Freunde oder Verwandten in einem lebenssatten Alter ohne Reue , indem sie ins Vergangene , ohne Kummer , wenn sie vorwärts blicken , die Welt verlassen , so sollte der Gedanke , daß wir nie hoffen konnten sie von dem allgemeinen Loose der Menschheit ausgenommen zu sehen , billig zu unsrer Beruhigung hinreichend seyn . Nach dieser kleinen Vorrede , lieber Aristipp , wirst du , wie ich hoffe , die Nachricht , daß dein achtzigjähriger Oheim zu leben aufgehört , und dich nebst deinem Bruder zu einzigen Erben seines ansehnlichen Vermögens eingesetzt hat , bloß als einen Ruf des Schicksals aufnehmen , dein Vorhaben , bald nach Cyrene zurückzukehren , desto bälder auszuführen . Vermöge seines letzten Willens ist dir sein schönes Haus in der Stadt und sein nur wenige Stadien von derselben entferntes Landgut zum voraus vermacht : und dein Bruder , der dich zu gut kennt , um deine Weigerung nicht voraus zu sehen , läßt dir wissen , daß er euerm Oheim sehr ernstlich angelegen habe , dir die ganze Erbschaft zu hinterlassen , und daß er also um so fester über dem Buchstaben des Testaments halten werde , da er durch das große Vermögen seiner Frau ohnehin reicher sey , als es einem Bürger eines kleinen Freistaats zustehe . Nach dieser Erklärung , die dein Bruder bereits öffentlich gethan hat , würde es dir als eine bloße Ziererei aufgenommen werden , wenn du dich nicht mit guter Art fügen wolltest ; zumal da ganz Cyrene das Benehmen deines Bruders höchlich billiget , und sich darauf freut , dich künftig auf immer bei uns festgehalten zu sehen . Das Gut wirft wegen seiner Nähe an der Stadt jährlich über zwei Talente ab , das Haus ist eines der besten in Cyrene , und , wie mir dein Bruder sagt , so kommen von dem übrigen Nachlaß wenigstens vierzig Talente auf deinen Antheil . Du wirst also auf einen hübschen Fuß in deiner Vaterstadt leben , und ( was mir vorzüglich Freude macht ) uns deine