widersetzten , wurden gebunden , zumal Innocentius , und Totila ausgeliefert . Der Turm und die Brücke ist in der Goten Hand . « » Es wird hübsch werden ! Hast du eine Ahnung , wie stark der Feind ? « - » Keine Ahnung . Herr : ich weiß es so genau wie König Witichis selbst . Hier die Liste ihrer Truppen . Sie schickt dir Mataswintha , seine Königin . « Cethegus sah ihn forschend an . » Geschehen Wunder , die Barbaren zu verderben ? « » Ja Herr , Wunder geschehen ! Dies sonnenschöne Weib will ihres Volkes Untergang um des Einen willen . Und dieser Eine ist ihr Gatte . « » Du irrst : « sagte Cethegus , » sie liebte ihn schon als Mädchen und kaufte seine Büste . « » Ja , sie liebt ihn . Aber er nicht sie . Und die Marsbüste ward zerschlagen in der Brautnacht . « » Das hat sie dir doch schwerlich selbst gesagt . « » Aber Aspa , die Tochter meines Landes , ihre Sklavin . Sie sagt mir alles . Sie liebt mich . Und sie liebt ihre Herrin , fast wie ich dich . Und Mataswintha will mit dir das Gotenreich verderben . Und sie wird durch Aspa alles schreiben in den Zauberzeichen unsres Stammes . Und ich würde diese Sonnenkönigin zu meinem Weibe nehmen , wenn ich Cethegus wäre . « » Ich auch , wenn ich Syphax wäre . Aber deine Botschaft ist eine Krone wert ! Ein listig , rachedürstend Weib wiegt Legionen auf ! Jetzt Trotz euch , Belisar , Witichis und Justinian ! Erbitte dir eine Gnade , jede , nur nicht deine Freiheit : - ich brauche dich noch . « » Meine Freiheit ist - dir dienen . Eine Gunst : laß mich morgen neben dir fechten . « » Nein , mein hübscher Panther , deine Klauen kann ich noch nicht brauchen : - nur deinen Leisegang . Du schweigst gegen jedermann von der Goten Nähe und Stärke . Lege mir die Rüstung an und gib den Plan der salarischen Straße dort aus der Kapsel . Jetzt rufe mir Marcus Licinius und den Führer meiner Isaurier , Snadil . « Syphax verschwand . Cethegus warf einen Blick auf den Plan . » Also dorther , von Nordwesten , kommen sie , die Hügel herab . Wehe dem , der sie dort aufhalten will . Darauf folgt der tiefe Talgrund , in dem wir lagern . Hier wird die Schlacht geschlagen und verloren . Hinter uns , südöstlich , zieht sich unsre Stellung entlang dem tiefen Bach ; in diesen werden wir unfehlbar geworfen : die Brücken werden nicht zu halten sein . Darauf eine Strecke flachen Landes - welch ' schönes Feld für die gotischen Reiter , uns zu verfolgen ! - Noch weiter rückwärts endlich ein dichter Wald und eine enge Schlucht mit dem zerfallnen Kastell Hadrians ... - Marcus , « rief er dem Eintretenden entgegen , » meine Scharen brechen auf . Wir ziehn hinab den Bach in den Wald und jeden , der dich fragt , dem sagst du : wir ziehn zurück nach Rom . « » Nach Hause ? ohne Kampf ? « fragte Marcus erstaunt , » du weißt doch : es steht der Kampf bevor ? « » Eben deswegen ! « Damit schritt er hinaus , Belisar in seinem Zelt zu wecken . Aber er fand ihn schon wach : Prokop stand bei ihm . » Weißt du ' s schon , Präfekt ? flüchtendes Landvolk meldet , ein Häuflein gotischer Reiter naht : die Tollkühnen retten in ihr Verderben : sie wähnen die Straße frei bis Rom . « Und er fuhr fort sich zu rüsten . » Aber die Bauern melden , die Reiter seien nur die Vorhut . Es folge ein furchtbares Heer von Barbaren , « warnte Prokop . » Eitle Schrecken ! Sie fürchten sich , diese Goten . - Witichis wagt gar nicht , mich aufzusuchen . Endlich habe ich ja , vierzehn Stadien vor Rom , die Aniobrücke durch einen Turm geschützt : Martinus hat ihn gebaut nach meinem Gedanken : - der allein hält der Barbaren Fußvolk mehr als eine Woche auf - mögen auch ein paar Gäule durch den Fluß geschwommen sein . « » Du irrst , Belisarius ! ich weiß es gewiß : das ganze Heer der Goten naht , « sprach Cethegus . » So geh nach Hause , wenn du es fürchtest . « - » Ich mache Gebrauch von dieser deiner Erlaubnis . Ich habe mir in diesen Tagen das Fieber geholt . Auch meine Isaurier leiden daran : - ich ziehe mit deiner Gunst nach Rom zurück . « » Ich kenne dieses Fieber , « sagte Belisar - » das heißt : - an andern . Es vergeht , sowie man Graben und Wall zwischen sich und dem Feinde hat . Zieh ' ab , wir brauchen dich so wenig wie deine Isaurier . « Cethegus verneigte sich und ging . » Auf Wiedersehen , « sprach er , » o Belisarius . Gib das Zeichen zum Aufbruch meinen Isauriern , « sprach er im Lager laut zu Marcus . » Und meinen Byzantinern auch , « setzte er leiser bei . » Aber Belisar hat ... « - » Ich bin ihr Belisar . Syphax , mein Pferd . « Während er aufstieg , sprengte ein Zug römischer Reiter heran : Fackeln leuchteten dem Anführer vorauf . » Wer da ? Ah du , Cethegus ? wie , du reitest ab ? Deine Leute ziehn sich nach dem Fluß ? Du wirst uns doch nicht verlassen , jetzt , in dieser höchsten Gefahr ? « Cethegus beugte sich vor . » Sieh , du , Calpurnius ! ich erkannte dich nicht : du siehst so bleich . Was bringst du von den Vorposten ? « » Flüchtige Bauern sagen , « sprach Calpurnius ängstlich , » es sei gewiß mehr als eine Streifschar . Es sei der König der Barbaren , Witichis selbst , im raschen Anzug durch die Sabina : sie seien schon auf dem linken Tiberufer : Widerstand ist dann ... - Wahnsinn - Verderben . Ich folge dir , ich schließe mich dir an . « » Nein , « sagte Cethegus herb , » du weißt , ich bin abergläubisch : ich reite nicht gern mit den Furien verfallnen Männern . Dich wird die Strafe für deinen feigen Knabenmord sicher bald ereilen . Ich habe nicht Lust , sie mit dir zu teilen . « » Doch flüstern Stimmen in Rom , auch Cethegus verschmähe manchmal einen bequemen Mord nicht , « sprach Calpurnius grimmig . » Calpurnius ist nicht Cethegus , « sprach der Präfekt , stolz davonsprengend . » Grüße mir einstweilen den Hades ! « rief er . Fußnoten 1 Prokop Gotenkrieg I. 17. 18. setzt hier aus Verwechslung den Tiber statt des Anio . Siebentes Kapitel . » Verfluchtes Omen ! « knirschte Calpurnius . Und er eilte zu Belisar : » Befiehl den Rückzug , rasch , Magister Militum . « - » Warum , Vortrefflicher ? « - » Es ist der Gotenkönig selbst . « - » Und ich bin Belisar selbst , « sagte dieser , den prachtvollen Helm mit dem weißen Roßschweif aufsetzend . » Wie konntest du deinen Posten im Vordertreffen verlassen ? « - » Herr , um dir das zu melden . « - » Das konnte wohl kein Bote ? Höre , Römer , ihr seid nicht wert , daß man euch befreit . Du zitterst ja , Mann des Schreckens . Zurück mit dir ins Vordertreffen . Du führst unsre Reiter zum ersten Angriff : ihr , meine Leibwächter Antallas und Kuturgur , nehmt ihn in die Mitte : Er muß tapfer sein , hört ihr ? Weicht er - nieder mit ihm ! So lehrt man Römer Mut . Der Lagerrufer sagte eben die letzte Stunde der Nacht an . In einer Stunde geht die Sonne auf . Sie muß unser ganzes Heer auf jenen Hügeln finden . Auf ! Ambazuch , Bessas , Constantinus , Demetrius , das ganze Lager bricht auf , dem Feind entgegen . « » Feldherr , es ist wie sie sagen , « meldete Maxentius , der treueste der Leibwächter , » zahllose Goten rücken an . « » Sie sind zwei Heere gegen uns , « meldete Salomo , Belisars Hypaspistenführer . » Ich rechne Belisar ein ganzes Heer . « » Und der Schlachtplan ? « fragte Bessas . » Im Angesicht des Feindes entwerf ' ich ihn , während des Calpurnius Reiter ihn aufhalten . Vorwärts , gebt die Zeichen , führt Phalion vor . « Und er schritt aus dem Zelte ; nach allen Seiten stoben die Heerführer , die Hypaspisten , Prätorianer , Protektoren und Doryphoren auseinander , Befehle gebend , verteilend , empfangend . In einer Viertelstunde war alles in Bewegung gegen die Hügel ! Man nahm sich nicht Zeit , das Lager abzubrechen . Aber der plötzliche Aufbruch brachte vielfache Verwirrung . Fußvolk und Reiter gerieten in der dunkeln , mondlosen Nacht untereinander . Auch hatte die Kunde von der Übermacht der vordringenden Barbaren Mutlosigkeit verbreitet . Es waren nur zwei nicht sehr breite Straßen , die gegen die Hügel führten : so gab es manche Stockung und Hemmung . Viel später als Belisar gerechnet , langte das Heer im Angesicht der Hügel an : und als die ersten Sonnenstrahlen sie beleuchteten , sah Calpurnius , der den Vortrab führte , von allen Höhen gotische Waffen blitzen . Die Barbaren waren Belisar zuvorgekommen . Erschrocken machte Calpurnius Halt und sandte Belisar Nachricht . Dieser sah ein , daß Calpurnius mit seinen Reitern nicht die Berge stürmen könne . Er schickte Ambazuch und Bessas mit dem Kern des armenischen Fußvolks ab , um auf der breitern Straße zu stürmen . Den linken und den rechten Flügel führten Constantinus und Demetrius , er selbst brachte im Mitteltreffen seine Leibwachen als Rückhalt heran . Calpurnius , froh des Wechsels im Plan , stellte seine Reiter unter den steilsten Abfall der Hügel , links seitab der Straße , von wo kein Angriff zu befürchten schien , den Erfolg von Ambazuchs und Bessas Sturm abzuwarten und die fliehenden Goten zu verfolgen oder die weichenden Armenier aufzunehmen . Oben auf den Höhen aber stellten sich die Goten in langer Ausdehnung in Schlachtordnung . Totilas Reiter waren zuerst eingetroffen : ihm hatte sich Teja , zu Pferd , vor Kampfbegier fiebernd , angeschlossen : - sein beiltragendes Fußvolk war noch weit zurück : - er hatte sich ausgebeten , ohne Befehlführung , überall , wo es ihn reizte , ins Handgemenge zu greifen . Darauf war Hildebrand eingetroffen und hierauf der König mit der Hauptmacht gefolgt . Herzog Guntharis mit seinen und Tejas Leuten wurden noch erwartet . Pfeilschnell war Teja zu Witichis zurückgeflogen . » König , « sagte er , » unter jenen Hügeln steht Belisar . Er ist verloren , beim Gott der Rache ! Er hat den Wahnsinn gehabt , vorzurücken . Dulde nicht die Schmach , daß er uns zuvorkommt im Angriff . « » Vorwärts ! « rief König Witichis , » gotische Männer vor ! « In wenigen Minuten hatte er den Rand der Hügel erreicht und übersah das Talgefild vor ihm . » Hildebad - den linken Flügel ! Du , Totila , brichst mit deinen Reitern hier im Mitteltreffen , die Straße herunter , vor . Ich halte rechts seitab der Straße , bereit , dir zu folgen oder dich zu decken . « » Das wird ' s nicht brauchen , « sagte Totila , sein Schwert ziehend . » Ich bürge dir , sie halten meinen Ritt diesen Hügel herab nicht auf . « » Wir werfen die Feinde in ihr Lager zurück , « fuhr der König fort , » nehmen das Lager , werfen sie in den Bach , der dicht hinter dem Lager glänzt : was übrig ist , können eure Reiter , Totila und Teja , über die Ebene jagen bis Rom . « » Ja , wenn wir erst den Paß gewonnen haben , dort in den Waldhügeln , hinter dem Fluß , « sagte Teja , mit dem Schwert hinüberdeutend . » Er ist noch unbesetzt , scheint ' s : ihr müßt ihn mit den Flüchtigen zugleich erreichen . « Da tritt der Bannerträger , Graf Wisand von Vulsinii , der Bandalarius des Heeres , an den König heran . » Herr König , Ihr habt mir eine Bitte zu erfüllen zugesagt . « - » Ja , weil du bei Salona den Magister Militum für Illyrien , Mundus , und seinen Sohn vom Roß gestochen . « » Ich habe es nun einmal auf die Magistri Militum . Ich möchte denselben Speer auch an Belisar erproben . Nimm mir , nur für heute , das Banner ab und laß mich den Magister Belisar aufsuchen . Sein Roß , der Rotscheck Phalion oder Balian , wird so sehr gerühmt : und mein Hengst wird steif . Und du kennst das alte gotische Reiterrecht : wirf den Reiter und nimm sein Roß . « » Gut gotisch Recht ! « raunte der alte Hildebrand . » Ich muß die Bitte gewähren , « sprach Witichis , das Banner aus der Hand Wisands nehmend . Dieser sprengte eilig hinweg . » Guntharis ist nicht zur Stelle , so trage du es heute , Totila . « » Herr König , « entgegnete dieser , » ich kann ' s nicht tragen , wenn ich meinen Reitern den Weg in die Feinde zeigen soll . « Witichis winkte Teja . » Vergib , « sagte dieser : » heut ' denk ' ich beide Arme sehr zu brauchen . « - » Nun , Hildebad . « - » Danke für die Ehre : ich hab ' s nicht schlechter vor als die andern ! « - » Wie , « sagte Witichis , fast zürnend , » muß ich mein eigner Bannerträger sein , will keiner meiner Freunde mein Vertrauen ehren ? « » So gib mir die Fahne Theoderichs , « sprach der alte Hildebrand , den mächtigen Schaft ergreifend . » Mich lüstet weitern Kampfes nicht so sehr . Aber mich freut ' s , wie die Jungen nach Ruhme dürsten . Gib mir das Banner , ich will ' s heute wahren wie vor vierzig Sommern . « Und er ritt sofort an des Königs rechte Seite . » Der Feinde Fußvolk rückt den Berg hinan , « sprach Witichis , sich im Sattel hebend . » Es sind Hunnen und Armenier , « sagte Teja , mit seinem Falkenauge spähend , » ich erkenne die hohen Schilde ! « Und den Rappen vorwärts spornend rief er : » Ambazuch führte sie , der eidbrüchige Brandmörder von Petra . « » Vorwärts , Totila , « sprach der König , » und aus diesen Scharen - - keine Gefangnen . « Rasch sprengte Totila zu seinen Reitern , die hart an der Mündung der aufsteigenden Straße auf der Höhe aufgestellt waren . Mit scharfem Blick musterte er die Bewaffnung der Armenier , die in tiefen Kolonnen langsam bergauf rückten . Sie trugen schwere , mannshohe Schilde und kurze Speere zu Stoß und Wurf . » Sie dürfen nicht zum Werfen kommen , « rief er seinen Reitern zu . Er ließ sie die leichten Schilde auf den Rücken binden und befahl , im Augenblick des Anpralls die langen Lanzen , statt , wie üblich , in der Rechten , in der Linken , der Zügelhand , zu führen , den Zügel einfach um das Handgelenk geschlungen und über die Mähne weg die Lanze aus der rechten in die linke Faust werfend . Dadurch trafen sie auf die rechte , vom Schild nicht gedeckte Seite der Feinde . » Sowie der Stoß angeprallt - sie werden ihm nicht stehen ! - werft die Lanze im Armriem zurück , zieht das Schwert und haut nieder , was noch steht . « Er stellte sie nun , die Kolonne der Feinde rechts und links überflügelnd , auf beiden Seiten neben der Straße auf . Er selbst führte den Keil auf der Straße . Er beschloß , den Feind die Hälfte des Hügels herankommen zu lassen . Mit atemloser Spannung sahen beide Heere dem Zusammenstoß entgegen . Ruhig rückte Ambazuch , ein erprobter Soldat , vorwärts . » Laßt sie nur dicht heran , Leute , « sagte er , » bis ihr das Schnauben der Rosse im Gesicht spürt . Dann , - und nicht eher , - werft : und zielt mir tief , auf die Brust der Pferde , und zieht das Schwert . So hab ' ich noch alle Reiter geschlagen . « Aber es kam anders . Denn als Totila , voransprengend , das Zeichen zum Angriff gab , schien eine donnernde Lawine vom Berg herab über die erschrocknen Feinde einzubrechen . Wie der Sturmwind jagte die blitzende , klirrende , schnaubende , dröhnende Masse heran : und eh ' die erste Reihe der Armenier Zeit gefunden , die Wurfspeere nur zu heben , lag sie schon , von den langen Lanzen auf der schildlosen Seite durchbohrt , niedergestreckt . Sie waren weggefegt , als wären sie nie gestanden . Blitzschnell war das geschehen : und während noch Ambazuch seiner zweiten Reihe , in der er selber stand , Befehl geben wollte , zu knieen und die Speere einzustemmen , sah er schon auch seine zweite Reihe überritten , die dritte auseinandergesprengt und die vierte unter Bessas kaum noch Widerstand leistend gegen die furchtbaren Reiter , die jetzt erst dazu kamen , die Schwerter zu ziehen . Er wollte das Gefecht stellen : er flog zurück und rief seinen wankenden Scharen Mut zu . Da erreichte ihn Totilas Schwert : ein Hieb zerschlug ihm den Helm . Er stürzte in die Kniee und streckte den Griff seines Schwertes dem Goten entgegen . » Nimm Lösegeld , « rief er , » ich bin dein . « Und schon streckte Totila die Hand aus , ihm die Waffe abzunehmen , da rief Tejas Stimme : » Denk ' an Burg Petra . « Ein Schwert blitzte und zerspaltnen Haupts sank Ambazuch . Da stob die letzte Reihe der Armenier , Bessas mit fortreißend , entsetzt auseinander , - das Vordertreffen Belisars war vernichtet . Mit lautem Freuderuf hatten König Witichis und die Seinen den Sieg Totilas mit angesehn . » Sieh ' , jetzt schwenken die hunnischen Reiter , die hier gerade unter uns stehen , gegen Totila , « sagte der König zu dem alten Bannerträger . » Totila wendet sich gegen sie . Sie sind viel zahlreicher . Auf ! Hildebad , eile die Straße hinunter , ihm zu Hilfe . « » Ah , « rief der Alte , sich vorbeugend im Sattel , und über den Felsrand spähend , » wer ist der Reitertribun da unten zwischen den zwei Leibwächtern Belisars ? « Witichis beugte sich vor . » Calpurnius ! « rief er mit gellendem Schrei . Und siehe , urplötzlich sprengte der König , keinen Pfad suchend , gerade wo er stand , hinab die Felshöhe auf den Verhaßten . Die Furcht , er möchte ihm entrinnen , ließ ihn alles vergessen . Und als hätte er Flügel , als hätte der Gott der Rache ihn herabgeführt über Gebüsch und spitze Felsspalten und Schroffen und Gräben sauste der König hinunter . Einen Augenblick faßte den alten Waffenmeister Entsetzen : solchen Ritt hatte er noch nie geschaut . Aber im nächsten Moment schwang er die blaue Fahne und rief : » Nach ! nach eurem König ! « Und das berittene Gefolge voran , das Fußvolk , springend und auf den Schilden rutschend , hinterher , brach das Mitteltreffen der Goten plötzlich steil von oben auf die hunnischen Reiter . Calpurnius hatte aufgesehn . Ihm war , als ob sein Name , gellend gerufen , an sein Ohr schlüge . Ihm klang der Ruf wie die Posaune des Weltgerichts . Wie blitzgetroffen wandte er sich und wollte auf und davon . Aber der maurische Leibwächter zur Rechten fiel ihm in den Zügel : » Halt , Tribun ! « sagte Antallas , auf Totilas Reiter deutend - » dort ist der Feind ! « Ein Schmerzenschrei riß ihn und Calpurnius zur Linken herum . Denn da stürzte der zweite der Leibwächter , der Hunne Kuturgur , zu seiner Linken klirrend vom Pferd , unter dem Schwerthieb eines Goten , der plötzlich wie vom Himmel gefallen schien . Und hinter diesem Goten drein sprang und kletterte und wogte es den steilen Felshang hinab , der doch pfadlos schien : und die Reiter waren von diesem plötzlich von oben gekommenen Feind in der Flanke umfaßt , während sie gleichzeitig in der Stirnseite mit den Geschwadern Totilas zusammenstießen . Calpurnius erkannte den Goten . » Witichis ! « rief er entsetzt und ließ den Arm sinken . Aber sein Pferd rettete ihn ; verwundet und scheu geworden durch den Fall des hunnischen Leibwächters zur Linken , setzte es in wilden Sprüngen davon . Der maurische Leibwächter zu seiner Rechten warf sich wütend auf den König der Goten , der ganz allein den Seinigen weit vorausgeeilt war . » Nieder , Tollkühner ! « schrie er . Aber im nächsten Augenblick hatte ihn das Schwert des Witichis getroffen , der unaufhaltsam alles vor sich niederzuwerfen schien , was ihn von Calpurnius jetzt noch fern hielt . Rasend setzte ihm Witichis nach . Mitten durch die Reihen der hunnischen Reiter , die , entsetzt vor diesem Anblick , auseinanderstoben . Calpurnius hatte sein Pferd wieder bemeistert und suchte jetzt Schutz hinter den stärksten Geschwadern seiner Reiter . Umsonst . Witichis verlor ihn nicht aus dem Auge und ließ nicht von ihm ab . Wie dicht er sich unter seinen Reitern barg , wie rasch er floh , - er entging nicht dem Blicke des Königs , der alles erschlug , was sich zwischen ihn und den Mörder seines Sohnes drängte . Knäuel auf Knäuel , Gruppe auf Gruppe löste sich vor dem furchtbaren Schwert des rächenden Vaters : die ganze Masse der Hunnen war quer geteilt von dem Flüchtenden und seinem Verfolger . Sie vermochte nicht , sich wieder zu schließen . Denn ehe noch Totila ganz heran war , hatte der alte Bannerträger mit Reitern und Fußvolk ihre rechte Flanke durchbrochen , in zwei Teile gespalten . Als Totila ansprengte , hatte er nur noch Flüchtlinge zu verfolgen . Der Teil zur Rechten wurde alsbald von Totila und Hildebrand in die Mitte genommen und vernichtet . Der größere Teil zur Linken floh zurück auf Belisar . Calpurnius jagte indessen , wie von Furien gehetzt , über das Schlachtfeld . Er hatte einen großen Vorsprung , da sich Witichis siebenmal erst hatte Bahn hauen müssen . Aber ein Dämon schien Boreas , des Goten Roß , zu treiben ; näher und näher kam er seinem Opfer . Schon vernahm der Flüchtling den Ruf , zu stehen und zu fechten . Noch hastiger spornte er sein Pferd . Da brach es unter ihm zusammen . Noch bevor er sich aufgerafft , stand Witichis vor ihm , der vom Sattel gesprungen war . Er stieß ihm , ohne ein Wort , mit dem Fuß das Schwert hin , das ihm entfallen . Da faßte sich Calpurnius mit dem Mut der Verzweiflung . Er hob das Schwert auf und warf sich mit einem Tigersprung auf den Goten . Aber mitten im Sprung stürzte er rücklings nieder . Witichis hatte ihm die Stirn mitten entzwei gehauen . Der König setzte den Fuß auf die Brust der Leiche und sah in das verzerrte Gesicht . Dann seufzte er tief auf : » Jetzt hab ' ich die Rache . O hätt ' ich mein Kind . « Mit Ingrimm hatte Belisar die so ungünstige Eröffnung des Kampfes mit angesehen . Aber seine Ruhe , seine Zuversicht verließ ihn nicht , als er Ambazuchs und Bessas ' Armenier weggefegt , als er des Calpurnius Reiter durchbrochen und geworfen sah . Er erkannte jetzt die Übermacht und Überlegenheit des Feindes . Allein er beschloß , auf der ganzen Linie vorzurücken , eine Lücke lassend , um den Rest der fliehenden Reiter aufzunehmen . Jedoch scharf bemerkten dies die Goten und drängten , Witichis voran , Totila und Hildebrand , welche die Umzingelten vernichtet hatten , folgend , den Flüchtlingen jetzt so ungestüm nach , daß sie mit ihnen zugleich die Linie Belisars zu erreichen und zu durchdringen drohten . Das durfte nicht sein . Belisar füllte diese Lücke selbst durch seine Leibwache zu Fuß und schrie den fliehenden Reitern entgegen , zu halten und zu wenden . Aber es war , als ob die Todesfurcht ihres gefallnen Führers sie alle ergriffen hätte . Sie scheuten das Schwert des Gotenkönigs hinter sich mehr als den drohenden Feldherrn vor sich : und ohne Halt und Fassung rasten sie , als wollten sie ihr eignes Fußvolk niederreiten , im vollen Galopp heran . Einen Augenblick - ein furchtbarer Stoß : - ein tausendstimmiger Schrei der Angst und Wut , - ein wirrer Knäuel von Reitern und Fußvolk minutenlang : - darunter einhauende Goten : - und plötzlich ein Auseinanderleben nach allen Seiten unter gellendem Siegesruf der Feinde . - Belisars Leibwache war niedergeritten , seine Hauptschlachtlinie durchbrochen . - Er befahl den Rückzug ins Lager . Aber es war kein Rückzug mehr : es war eine Flucht . Hildebads , Guntharis und Tejas Fußvolk waren jetzt auf dem Schlachtfeld eingetroffen : die Byzantiner sahen ihre Stellung im ganzen geworfen : sie verzweifelten am Widerstand , und mit großer Unordnung eilten sie nach dem Lager zurück . Gleichwohl hätten sie dasselbe noch in guter Zeit vor den Verfolgern erreicht , hätte nicht ein unerwartetes Hindernis alle Wege gesperrt . So siegesgewiß war Belisar ausgezogen , daß er das ganze Fuhrwerk , die Wagen und das Gepäck des Heeres , ja selbst die Herden , die ihm nachgetrieben wurden nach der Sitte jener Zeit , den Truppen auf allen Straßen zu folgen befohlen hatte . Auf diesen langsamen , schwer beweglichen und schwer zu entfernenden Körper stießen nun überall die weichenden Truppen , und grenzenlose Hemmung und Verwirrung trat ein . Soldaten und Troßknechte wurden handgemein : die Reihen lösten sich zwischen den Karren , Kisten und Wagen . Bei vielen erwachte die Beutelust und sie fingen an , das Gepäck zu plündern , ehe es in die Hände der Barbaren falle . Überall ein Streiten , Fluchen , Klagen , Drohen : dazwischen das Krachen der Lastwagen , die zerbrochen wurden , und das Blöken und Brüllen der erschrocknen Herden . » Gebt den Troß preis ! Feuer in die Wagen ! schickt die Reiter durch die Herden ! « befahl Belisar , der mit dem Rest seiner Leibwachen in guter Ordnung mit dem Schwert sich Bahn brach . Aber vergebens . Immer unentwirrbarer , immer dichter wurde der Knäuel : - nichts schien ihn mehr lösen zu können . Da zerriß ihn die Verzweiflung . Der Schrei , » die Barbaren über uns ! « erscholl aus den hintersten Reihen . Und es war kein leerer Schreck . Hildebad mit dem Fußvolk war jetzt in die Ebene hinabgestiegen und seine ersten Reihen trafen auf den wehrlosen Knäuel . Da gab es eine furchtbare wogende Bewegung nach vorn : ein tausendstimmiger Schrei der Angst - der Wut - des Schmerzes der Angegriffenen , der Leibwachen , die , alter Tapferkeit gedenk , fechten wollten und nicht konnten : - der Zertretenen und Zerdrückten - und plötzlich stürzte der größte Teil der Wagen , mit ihrer Bespannung , und mit den Tausenden , die darauf und dazwischen zusammengedrängt waren , mit donnerndem Krachen in die Gräben links und rechts neben der Hochstraße . So ward der Weg frei . Und unaufhaltsam , ordnungslos ergoß sich der Strom der Flüchtigen nach dem Lager . - Mit lautem Siegesgeschrei folgte das gotische Fußvolk , ohne Mühe mit den Fernwaffen , mit Pfeilen , Schleudern und Wurfspeeren , in dem dichten Gewühl seine Ziele treffend , während Belisar mit Mühe die unaufhörlichen Angriffe der Reiter Totilas und des Königs abwehrte . » Hilf , Belisar , « rief Aigan , der Führer der massagetischen Söldner , aus dem eben gesprengten Knäuel heranreitend , das Blut aus dem Gesicht wischend : » meine Landsleute haben heut ' den schwarzen Teufel unter den Feinden gesehen . Sie stehn mir nicht . Hilf : dich fürchten sie sonst mehr als den Teufel ! « Mit Knirschen sah Belisar hinüber nach seinem rechten Flügel , der aufgelöst über das Blachfeld jagte , von den Goten gehetzt . » O Justinianus , kaiserlicher Herr , wie erfüll ' ich schlecht mein Wort ! « Und die weitere Deckung des Rückzugs ins Lager dem erprobten Demetrius überlassend - denn das hügelige Terrain , das jetzt erreicht war , schwächte die Kraft der verfolgenden Reiter - , sprengte er mit Aigan und seiner berittenen Garde querfeldein mitten unter die Flüchtenden . » Halt ! « donnerte er ihnen zu , » halt , ihr feigen Hunde . Wer flieht , wo Belisar streitet ? Ich bin mitten unter euch , kehrt und siegt ! « Und aufschlug er das Visier des Helmes und zeigte ihnen das majestätische , das löwengewaltige Antlitz . Und so mächtig war die Macht dieser Heldenpersönlichkeit , so groß das Vertrauen auf sein sieghaftes Glück , daß in der Tat alle , welche die hohe Gestalt des Feldherrn auf seinem Rotscheck erkannten , stutzten , hielten , und mit einem Ruf der