von Kindheit an das Ideal dieses Mannes hoch zu den Sternen erhöht . Ihr Stolz , ihre Hoffnung , ihre Liebe , war einzig an dieser Gestalt gehangen und sicher , wie den Aufgang der Sonne , hatte sie die Erfüllung ihrer Sehnsucht durch diesen Mann erwartet . Und nun mußte sie sich gestehen , daß er ihre Liebe hatte ans Licht gebracht und nicht erwidert : daß sie , obwohl seine Königin , mit dieser Liebe wie eine Verbrecherin dem verstoßenen und doch ewig allein in seinem Herzen wohnenden Weibe gegenüberstehe . Und er , auf den sie als Retter und Befreier von unwürdigem Zwang gehofft , er hatte ihr die höchste Schmach angetan : eine Ehe ohne Liebe . Er hatte ihr die Freiheit genommen und kein Herz dafür gegeben . Und warum ? was war der letzte Grund dieses Frevels ? Das Gotenreich , die Gotenkrone ! Sie zu erhalten , hatte er sich nicht besonnen , einer Mataswintha Leben zu verderben . » Hätte er meine Liebe nicht erwidert - ich wäre zu stolz , ihn darum zu hassen . Aber er zieht mich an sich , behängt mich , wie zum Hohne , mit dem Namen seines Weibes , führt diese Liebe bis hart an den Gipfel der Erfüllung und stößt mich dann achtlos hinunter in die Nacht unaussprechlicher Beschämung . Und warum ? warum das alles . Um einen eiteln , leeren Schall : Gotenreich ! Um einen toten Reif von Gold . Weh ihm , und wehe seinem Götzen , dem er dies Herz geschlachtet . Er soll es büßen . An seinem Götzenbilde soll er ' s büßen . Hat er mir ohne Schonung mein Idol , sein eigen Bild , meine schöne Liebe mit Füßen getreten , - wohlan , Götze gegen Götze ! Er soll leben , dieses Reich zernichtet zu sehen , diese Krone zerstückt . Zerschlagen will ich ihm seinen Lieblingswahn , um den er die Blüte meiner Seele geknickt , zerschlagen dieses Reich wie seine Büste . Und wenn er verzweifelnd , händeringend vor den Trümmern steht , will ich ihm zurufen : sieh , so sehn die zerschlagenen Götzen aus . « So , in der widerstandlosen Sophistik der Leidenschaft , beschuldigte und verfolgte Mataswintha den unseligen Mann , der mehr als sie gelitten , der nicht nur sie , der sein und des geliebten Weibes Glück dem Vaterland geopfert . Vaterland , Gotenreich : - der Name schlug ohne Klang an das Ohr des Weibes , das von Kindheit auf unter diesem Namen nur zu leiden , nur dagegen für ihre Freiheit zu ringen gehabt hatte . Sie hatte nur der Selbstsucht ihres Einen Gefühls , der Poesie dieser Leidenschaft gelebt , und zur Rache , Rache für die Hinopferung ihrer Seele , dies Gotenreich zu verderben , war ihre höchste , grimmige Lust . O hätte sie , wie jene Marmorbüste , mit Einem Streich , dies Reich zerschmettern können ! Mit diesem Wahnsinn der Leidenschaft empfing sie aber deren ganze dämonische Klugheit . Sie wußte ihren tödlichen Haß und ihre geheimen Rachegedanken so tief vor dem König zu verbergen , - so tief wie sie sich selbst die geheime Liebe verbarg , die sie noch immer für den grimmig Verfolgten im tiefsten Busen trug . Auch wußte sie dem König ein Interesse an der gotischen Sache zu zeigen , welches das einzige Band zwischen ihnen zu bilden schien und das , wenn auch in feindlichem Sinne , wirklich in ihr bestand . Denn wohl begriff sie , daß sie dem gehaßten König nur dann schaden , seine Sache nur dann verderben konnte , wenn sie in alle Geheimnisse derselben genau eingeweiht , mit ihren Stärken wie mit ihren Blößen genau vertraut war . Ihre hohe Stellung machte ihr leicht möglich , alles , was sie wissen wollte , zu erfahren : schon aus Rücksicht auf ihren großen Anhang konnte man der Amalungentochter , der Königin , Kenntnis der Lage ihres Reiches , ihres Heeres nicht vorenthalten . Der alte Graf Grippa versah sie mit allen Nachrichten , die er selbst erfuhr . In wichtigeren Fällen wohnte sie selbst den Beratungen bei , die in den Gemächern des Königs gehalten wurden . So war Mataswintha über die Stärke , Beschaffenheit und Einteilung des Heeres , die nächsten Angriffspläne der Feldherren und alle Hoffnungen und Befürchtungen der Goten so gut wie der König selbst unterrichtet . Und sehnlich wünschte sie eine Gelegenheit herbei , dies ihr Wissen sobald und so verderblich wie möglich zu verwerten . Mit Belisar selbst in Verkehr zu treten , durfte sie nicht hoffen . Naturgemäß richteten sich ihre Augen auf die aus Furcht vor den Goten neutralen , im Herzen aber ausnahmslos byzantinisch-gesinnten Italier ihrer Umgebung , mit denen sie leichten und unverdächtigen Verkehr pflegen konnte . Aber so oft sie diese Namen im Geiste musterte , - da war keiner , dessen Tatkraft und Klugheit sie das tödliche Geheimnis hätte vertrauen mögen , daß die Königin der Goten selbst am Verderben ihres Reiches arbeiten wolle . Diese feigen und unbedeutenden Menschen - die Tüchtigeren waren längst zu Cethegus oder Belisar gegangen - waren ihr weder des Vertrauens würdig , noch schienen sie Witichis und seinen Freunden gewachsen . Wohl suchte sie auf schlauen Umwegen durch den König und die Goten selbst zu erkunden , welchen unter allen Römern sie für ihren gefährlichsten , bedeutendsten Feind hielten . Aber auf solche Anfragen und Erkundigungen hörte sie immer nur Einen Mann nennen , immer und immer wieder einen einzigen . Und der saß ihr unerreichbar fern im Kapitol von Rom : Cethegus , der Präfekt . Es war ihr unmöglich , sich in Verbindung mit ihm zu setzen . Keinem ihrer römischen Sklaven wagte sie einen so verhängnisvollen Auftrag , als ein Brief nach Rom war , anzuvertrauen . Die kluge und mutige Numiderin , die den Haß ihrer angebeteten Herrin gegen den rohen Barbaren , der diese verschmäht , vollauf teilte , ungeschwächt bei ihr durch heimliche Liebe , hatte sich zwar eifrig erboten , ihren Weg zu Cethegus zu finden . Aber Mataswintha wollte das Mädchen nicht den Gefahren einer Wanderung durch Italien , mitten durch den Krieg , aussetzen . Und schon gewöhnte sie sich an den Gedanken , ihre Rache bis zu dem Zug auf Rom zu verschieben , ohne inzwischen in ihrem Eifer in Erforschung der gotischen Pläne und Rüstungen zu erkalten . So wandelte sie eines Tages nach der Stadt zurück von dem Kriegsrat , der draußen im Lager , im Zelt des Königs , war gehalten worden . Denn seit die Rüstungen ihrer Vollendung nah und die Goten jeden Tag des Aufbruchs gewärtig waren , hatte Witichis , wohl auch um Mataswintha aus dem Wege zu sein , seine Gemächer im Palatium verlassen und seine schlichte Wohnung mitten unter seinen Kriegern aufgeschlagen . Langsam , das Vernommene ihrem Gedächtnis einprägend und über die Verwertung nachsinnend , wandelte die Königin , nur von Aspa begleitet , durch die äußersten Reihen der Zelte , einen sumpfigen Arm des Padus zur Linken , die weißen Zelte zur Rechten . Sie mied das Gedränge und den Lärm der innern Gassen des Lagers . Während sie bedächtig und ihrer Umgebung nicht achtend dahinschritt , musterten Aspas scharfe Augen die Gruppe von Goten und Italiern , die sich hier um den Tisch eines Gauklers geschart hatte , der unerhörte und nie gesehene Künste zum besten zu geben schien , nach dem Staunen und Lachen der Zuschauer zu schließen . Aspa zögerte etwas in ihrem Gang , diese Wunder mit anzusehen . Es war ein junger , schlanker Bursch : nach der blendend weißen Haut des Gesichts und der bloßen Arme wie nach dem langen gelben Haar gallischen Zuschnitts ein Kelte , wozu die kohlschwarzen Augen nicht stimmen wollten . Er verrichtete wirklich Wunderdinge auf seiner einfachen Bühne . Bald sprang er in die Höhe , überschlug sich in der Luft und kam doch senkrecht , bald wieder auf die Füße , bald auf die Hände , zu stehen . Dann schien er brennende Kohlen mit sichtlichem Behagen zu verspeisen und dafür Münzen auszuspeien : dann verschluckte er einen fußlangen Dolch und zog ihn später wieder aus seinen Haaren hervor , um ihn mit drei , vier andern scharfgeschliffenen Messern in die Luft zu werfen und eins nach dem andern mit nie fehlender Behendigkeit am Griff aufzufangen , wofür ihn Gelächter und Rufe der Bewunderung von Seiten seiner Zuschauer belohnten . Aber schon zu lange hatte sich die Sklavin verweilt . Sie sah nach der Herrin und bemerkte , daß ihr Weg gesperrt war von einer Schar italischer Lastträger und Troßknechte , welche die Gotenkönigin offenbar nicht kannten und gerade an ihr vorbei , über den Weg hin , nach dem Wasser zu , lärmende Kurzweil trieben . Sie schienen sich einen Gegenstand , den Aspa nicht wahrnahm , zu zeigen und ihn mit Steinen zu werfen . Eben wollte sie ihrer Herrin nacheilen , als der Gaukler neben ihr auf dem Tisch einen gellenden Schrei ausstieß ; Aspa wandte sich erschrocken und sah den Gallier in ungeheurem Satz über die Köpfe der Zuschauer weg wie einen Pfeil durch die Luft auf die Italier losschießen . Schon stand er mitten in dem Haufen und schien , sich bückend , einen Augenblick unter ihnen verschwunden . Aber plötzlich ward er sichtbar . Denn einer und gleich darauf ein zweiter der Italier stürzte von seinen Faustschlägen nieder . Im Augenblick war Aspa an der Königin Seite , die sich schnell aus der Nähe der Schlägerei entfernt hatte , aber , zu der Sklavin Befremden , stehen blieb , mit dem Finger auf die Gruppe weisend . Und seltsam in der Tat war das Schauspiel . Mit unglaublicher Kraft und noch größerer Gewandtheit wußte der Gaukler das Dutzend der Angreifer sich vom Leibe zu halten . Die Gegner anspringend , sich wendend und duckend , weichend , dann wieder plötzlich vorspringend und den nächsten am Fuß niederreißend oder mit kräftigem Faustschlag vor Brust oder Gesicht niederstreckend , wehrte er sich . Und das alles ohne Waffe : und nur mit der rechten Hand : denn die linke hielt er , wie etwas bergend und schützend , dicht an die Brust . So währte der ungleiche Kampf minutenlang . Der Gaukler ward näher und näher von der wütenden , lärmenden Menge dem Wasser zugedrängt . Da blitzte eine Klinge . Einer der Troßknechte , zornig über einen schweren Schlag , zuckte ein Messer und sprang den Gaukler von hinten an . Mit einem Schrei stürzte dieser zusammen : die Feinde über ihn her . » Auf ! reißt sie auseinander ! helft dem Armen , « rief Mataswintha den Kriegern zu , die jetzt von dem verlassenen Tisch der Goten herankamen , » ich befehle es ! die Königin ! « Die Goten eilten nach dem Knäuel der Streitenden : aber noch ehe sie herankamen , sprang der Gaukler , der sich für einen Moment von allen Feinden losgemacht , hoch aus dem Gewirr und eilte mit letzter Kraft davon , gerade auf die beiden Frauen zu - verfolgt von den Italiern , welche die wenigen Goten nicht aufzuhalten vermochten . Welch ein Anblick ! Seine gallische Tunika hing ihm in Fetzen vom Leibe : ein Stück seiner gelben Haare schleifte am Rücken , und siehe , unter der gelben Perücke kam schwarzes glänzendes Haar zum Vorschein und der weiße Hals verlief in eine bronzebraune Brust . Mit letzter Kraft erreichte er die Frauen . Da erkannte er Mataswintha . » Schütze mich , rette mich , weiße Göttin ! « schrie er und brach zusammen vor Mataswinthas Füßen . Schon waren die Italier heran , und der vorderste schwang sein Messer . - Aber Mataswintha breitete ihren blauen Mantel über den Gefallenen : » Zurück ! « sprach sie mit Hoheit , » laßt ab von ihm . Er steht im Schutz der Gotenkönigin . « Verblüfft wichen die Troßknechte zurück . » So ? « rief nach einer Pause der mit dem Dolch , » straflos soll er ausgehn , der Hund und Sohn eines Hundes ? und fünf von uns liegen am Boden halbtot ? und ich habe fortan drei Zähne zu wenig ? Und keine Strafe ? « - » Er ist gestraft genug , « sagte Mataswintha , auf die tiefe Dolchwunde am Halse deutend . » Und all das um einen Wurm , « schrie ein zweiter , » um eine Schlange , die aus seinem Ranzen schlüpfte , und die wir mit Steinen warfen . « - » Da seht ! er hat die Natter geborgen , da , an seiner Brust . Nehmt sie ihm . « - » Schlagt ihn tot , « schrien die andern . Aber da kamen zahlreiche Gotenkrieger heran und schafften ihrer Königin Gehorsam , die Italier unsanft zurückstoßend und einen Kreis um den Gefallnen schließend . Aspa blickte scharf zu und plötzlich sank sie mit gekreuzten Armen neben dem Gaukler nieder . » Was ist dir , Aspa ? steh auf ! « sprach Mataswintha staunend . » O Herrin ! « stammelte diese , » der Mann ist kein Gallier ! Er ist ein Sohn meines Volkes . Er betet zu dem Schlangengott ! Sieh ' hier seine braune Haut unter dem Halse . Braun wie Aspa , - und hier - hier , eine Schrift ; Schriftzeichen eingeritzt über seiner Brust : die heilige Gemeinschrift meiner Heimat , « jubelte sie . Und , mit dem Finger deutend , hob sie an zu lesen . » Der Gaukler scheint verdächtig . - Warum diese Verstellung ? « sprach Mataswintha . » Man muß ihn in Haft nehmen . « » Nein , nein , o Herrin , « flüsterte Aspa . » Weißt du , wie die Inschrift lautet ? - Kein Auge als meines kann sie dir deuten . « - » Nun ? « , fragte Mataswintha . » Sie lautet , « flüsterte Aspa leise : » Syphax schuldet ein Leben seinem Herrn , Cethegus , dem Präfekten . « » Ja , ja ich erkenne ihn , das ist Syphax , Hiempsals Sohn , ein Gastfreund meines Stammes : die Götter senden ihn zu uns . « » Aspa , « sprach Mataswintha rasch , » ja , ihn senden die Götter : die Götter der Rache . Auf , ihr Goten , legt diesen wunden Mann auf eine Bahre , und folgt damit meiner Sklavin in den Palast ! Er steht fortan in meinem Dienst . « Fünftes Kapitel . Wenige Tage darauf begab sich Mataswintha wieder ins Lager , diesmal nicht von Aspa begleitet . Denn diese wich Tag und Nacht nicht von dem Bette ihres verwundeten Landsmannes , der unter ihren Händen , ihren Kräutern und Sprüchen sich rasch erholte . König Witichis selbst hatte diesmal die Königin abgeholt mit dem ganzen Geleit seines Hofes . In seinem Zelte sollte der wichtigste Kriegsrat gehalten werden . Das Eintreffen der letzten Verstärkungen war auf heute angekündet : und auch Guntharis und Hildebad wurden zurückerwartet mit der Antwort Belisars auf das Friedensanerbieten . » Ein verhängnisvoller Tag ! « sagte Witichis zu seiner Königin . » Bete zum Himmel um den Frieden . « » Ich bete um den Krieg , « sprach Mataswintha , starr vor sich hinblickend . » Verlangt dein Frauenherz so sehr nach Rache ? « - » Nach Rache nur noch ganz allein und sie wird mir werden . « Damit traten sie in das Zelt , welches schon von gotischen Heerführern erfüllt war . Mataswintha dankte mit stolzem Kopfbeugen dem ehrerbietigen Gruß . » Sind die Gesandten zurück ? « fragte der König , sich setzend , den alten Hildebrand , » so führt sie ein . « Auf ein Zeichen des Alten erhoben sich die Seitenvorhänge und Herzog Guntharis und Hildebad traten ein , sich tief verneigend . » Was bringt ihr ? Frieden oder Krieg ? « fragte Witichis eifrig . » Krieg ! Krieg , König Witichis ! « riefen beide Männer mit Einem Munde . » Wie ? Belisar verwirft die Opfer , die ich ihm biete ? Du hast ihm freundlich , eindringlich , meine Vorschläge mitgeteilt ? « Herzog Guntharis trat vor , und sprach : » Ich traf den Feldherrn im Kapitol als Gast des Präfekten und sprach zu ihm : Der Gotenkönig Witichis entbietet dir seinen Gruß . In dreißig Tagen kann er mit hundertfünfzig Tausendschaften wehrhafter Goten vor diesen Toren stehn . Und ein Schlachten und Ringen um diese ehrwürdige Stadt wird anheben , wie es ihre seit tausend Jahren mit Blut getränkten Gefilde nie geschaut . Der König der Goten liebt den Frieden mehr als selbst den Sieg : und er gelobt , Kaiser Justinian die Insel Sizilien abzutreten und ihm in jedem seiner Kriege mit dreißigtausend Mann Goten beizustehen , wenn ihr sofort Rom und Italien räumt , das uns gehört nach dem Recht der Eroberung wie nach dem Vertrag mit Kaiser Zeno , der es Theoderich überließ , wenn er den Odovaker stürzen könne . So sprach ich , deinem Auftrag gemäß . Belisar aber lachte und rief : Witichis ist sehr gnädig , mir die Insel Sizilien abzutreten , die ich schon habe und er nicht mehr hat . Ich schenke ihm dafür die Insel Thule ! Nein . Der Vertrag Theoderichs mit Zeno war abgezwungen , und das Recht der Eroberung , - nun das spricht jetzt für uns . Kein Friede , als unter der Bedingung : das ganze Gotenheer streckt die Waffen , und das ganze Volk zieht über die Alpen und sendet König und Königin als Geiseln nach Byzanz . « Ein Murren der Entrüstung ging durch das Zelt . » Zornig , ohne Antwort auf solchen Vorschlag , wandten wir ihm den Rücken und schritten hinaus . Auf Wiedersehen in Ravenna , rief er uns nach . Da wandt ' ich mich « , sprach Hildebad , und rief : » Auf Wiedersehen vor Rom ! Auf , König Witichis , jetzt zu den Waffen . Du hast das Äußerste versucht an Friedensliebe und Schmach geerntet . Jetzt auf ! Lang genug hast du gezögert und gerüstet ! Jetzt führ ' uns an , zum Kampf . « Da tönten Trompetenstöße aus dem Lager : man hörte den Hufschlag eilig nahender Rosse . Alsbald hob sich der Vorhang des Zeltes und eintrat Totila in glänzenden Waffen , vom weißen Mantel umwallt . » Heil meinem König , Heil dir Königin , « sprach er huldigend . » Mein Auftrag ist erfüllt : ich bringe dir den Freundesgruß des Frankenkönigs . Er hielt ein Heer bereit im Solde von Byzanz , dich anzugreifen . Es gelang mir , ihn umzustimmen . Sein Heer wird nicht gegen die Goten in Italien einrücken . Graf Markja von Mediolanum , der bisher die Kottischen Alpen gegen die Franken gedeckt , ward dadurch frei mit seinen Tausendschaften : er folgt mir in Eile . Im Rückweg hab ' ich aufgerafft , was ich irgend von waffenfähigen Männern fand und die Besatzungen der Burgen an mich gezogen . Ferner : Wir hatten bisher Mangel an Reiterei . Getrost , mein König : ich führe dir sechstausend Reiter zu , auf herrlichen Rossen . Sie verlangen , sich zu tummeln in den Ebenen von Rom . Nur Ein Wunsch lebt in uns allen : führ ' uns zum Kampf , zum Kampf nach Rom . « » Hab ' Dank , mein Freund , für dich und deine Reiter . Sprich , Hildebrand , wie verteilt sich jetzt unsres Heeres Macht ? Sagt an , ihr Feldherren , wie viele führt ein jeder von euch ? Ihr Notare , zeichnet auf ! « » Ich führe drei Tausendschaften Fußvolk , « rief Hildebad . » Ich vierzig Tausendschaften zu Fuß und zu Roß mit Schild und Speer , « sprach Herzog Guntharis . » Ich vierzig Tausendschaften zu Fuß : Bogenschützen , Schleuderer , Speerträger , « sagte Graf Grippa von Ravenna . » Ich sieben Tausendschaften mit Messer und Keule , « zählte Hildebrand . » Und dazu Totilas sechs Tausendschaften Reiter und vierzehn erlesene Tausendschaften Tejas mit der Streitaxt - wo ist er ? ich vermisse ihn hier ! « - » Und ich habe meine Scharen zu Fuß und zu Roß auf fünfzig Tausendschaften erhöht , « schloß der König . » Das sind zusammen einhundertsechzig Tausendschaften , « schrieb der Protonotar , die Pergamentrolle dem König überreichend . Da flog ein froher Glanz kriegerischen Stolzes über des Königs ernstes Angesicht . » Einhundertsechzig Tausendschaften gotische Männer : Belisar , sollen sie vor dir die Waffen strecken , ohne Kampf ? Wie lang braucht ihr noch Rast , um aufzubrechen ? « Da eilte der schwarze Teja ins Zelt . Er hatte beim Eintreten die letzte Frage vernommen . Sein Auge sprühte Blitze , er bebte vor Zorn . » Rast ? Keine Stunde Rast mehr : auf zur Rache , König Witichis ! Ein ungeheurer Frevel ist geschehn , der laut um Rache gegen Himmel schreit . Führ ' uns sofort zum Kampf ! « » Was ist geschehn ? « » Ein Feldherr Belisars , der Hunne Ambazuch , umschloß , wie du weißt , seit lange mit Hunnen und Armeniern das feste Petra . Kein Entsatz war nah und fern . Der junge Graf Arahad nur - er suchte wohl den Tod - überfiel mit seiner kleinen Gefolgschaft die Übermacht ; er fiel im tapfersten Gefecht . Verzweifelt widerstand das Häuflein gotischer Männer in der Burg . Denn alles wehrlose Volk der Goten : Greise , Kranke , Weiber , Kinder , vom flachen Land in Tuscien , Valeria und Picenum war hierher geflüchtet vor dem Feind , wohl viele Tausend . Endlich zwang sie der Hunger , gegen freien Abzug die Tore zu öffnen . Der Hunne schwor allen Goten in der Stadt , ihr Blut nicht zu vergießen . Er zog ein und befahl den Goten sich in der großen Basilika Sankt Zenos zu versammeln . Das taten sie , über fünftausend Köpfe , Greise , Weiber , Kinder und ein paar hundert Krieger . Und als sie alle beisammen ... - « Teja hielt schaudernd inne . » Nun ? « fragte Mataswintha , erblassend . » Da schloß der Hunne die Türen , umstellte das Haus mit seinem Heer und - verbrannte sie alle fünftausend , samt der Kirche . « » Und der Vertrag ? « rief Witichis . » Ja , so schrien auch die Verzweifelten ihn an durch Qualm und Flammen . Der Vertrag , lachte der Hunne , sei erfüllt : kein Tropfe Blutes sei vergossen . Ausbrennen müsse man die Goten aus Italien wie die Feldmäuse und schlechtes Gewürm . Und so sahen die Byzantiner zu , wie fünftausend Goten , Greise , Weiber , Kranke , Kinder - König Witichis , hörst du ' s ? Kinder ! - elend erstickten und verbrannten . Solches geschieht und du - du sendest Friedensboten ! Auf , König Witichis , « rief der Ergrimmte , das Schwert aus der Scheide reißend , » wenn du ein Mann bist , brich jetzt auf zur Rache . Die Geister der Erwürgten ziehen vorauf : - Führ ' uns zum Kampf ! zur Rache führ ' uns an ! « » Führ ' uns zum Kampf ! zur Rache führ ' uns an ! « widerhallte das Zelt vom Ruf der Goten . Da stand Witichis auf in ruhiger Kraft . » So soll ' s sein . Das Äußerste geschah . Und unsre beste Rüstung ist unser Recht : jetzt auf , zum Kampf . « Und er reichte seiner Königin die Pergamentrolle , die er in der Hand hielt , die über seinem Stuhl hängende Königsfahne , das blaue Bandum , zu ergreifen . » Ihr seht das alte Banner Theoderichs in meiner Hand , das er von Sieg zu Sieg getragen . Wohl ruht es jetzt in schlechtrer Hand , als seine war : - doch zaget nicht . Ihr wisset : übermütige Zuversicht ist meine Sache nicht , doch diesmal sag ' ich euch voraus : in dieser Fahne rauscht ein naher Sieg , ein großer , stolzer , rachefroher Sieg . Folgt mir hinaus . Das Heer bricht auf , sogleich . Ihr Feldherren , ordnet eure Scharen : nach Rom ! « » Nach Rom , « widerhallte das Zelt . » Nach Rom ! « Sechstes Kapitel . Inzwischen schickte sich Belisar an , mit der Hauptmacht seines Heeres die Stadt zu verlassen : Johannes hatte er deren Bewachung übertragen . Er hatte beschlossen , die Goten in Ravenna aufzusuchen . Sein bisher von keinem Unfall gehemmter Siegeslauf und die Erfolge seiner vorausgeschickten Streifscharen , die durch den Übergang der Italier alles flache Land , auch alle Festen und Burgen und Städte , bis nahe bei Ravenna , gewonnen , hatten in ihm die Zuversicht erzeugt , daß der Feldzug bald beendigt und nur das Erdrücken der ratlosen Barbaren in ihrem letzten Schlupfwinkel übrig sei . Denn nachdem Belisar selbst den ganzen Süden der Halbinsel : Bruttien , Lucanien , Calabrien , Apulien , Campanien : dann Rom mit Samnium und die Valeria durchzogen und besetzt hatte , waren seine Unterfeldherren , Bessas und Constantinus , mit der lanzentragenden Leibwache des Feldherrn , die unter Führung des Armeniers Zanter , des Persers Chanaranges und des Massageten Äschman standen , vorausgesetzt worden , Tuscien zu unterwerfen . Bessas rückte vor das sturmfeste Narnia : für die damaligen Belagerungsmittel war die Burgstadt fast uneinnehmbar : - sie thront auf hohem Berge , dessen Fuß der tiefe Nar umspült . Die beiden einzigen Zugänge , vom Osten und vom Westen , sind ein enger Felsenpaß und die hohe , alte , von Kaiser Augustus gebaute , befestigte Brücke . - Aber die römische Bevölkerung überwältigte die halbe gotische Hundertschaft , die hier lag , und öffnete den Thrakiern des Bessas die Tore . Dem Constantinus erschlossen sich ebenso ohne Schwertstreich Spoletium und Perusia . Auf der östlichen Seite des Ionischen Meerbusens hatte inzwischen ein andrer Unterfeldherr Belisars , der Comes Sacri Stabuli Constantinus , den Tod zweier byzantinischer Heerführer , des Magister Militum für Illyrien , Mundus , und seines Sohnes Mauritius , die gleich im Anfang des Krieges bei Salona in Dalmatien im Gefecht gegen die Goten gefallen waren , gerächt , Salona besetzt und durch ihre große Übermacht die geringen gotischen Scharen zum Rückzug auf Ravenna gezwungen . Ganz Dalmatien und Liburnien war darauf den Byzantinern zugefallen . Von Tuscien aus streiften , wie wir sahen , die Hunnen Justinians schon durch Picenum und bis in die Ämilia . Die Friedensvorschläge des Gotenkönigs hielt Belisar daher für Zeichen der Schwäche . Daß die Barbaren zum Angriff übergehen könnten , fiel ihm nicht ein . Dabei trieb es ihn , Rom zu verlassen , wo es ihn anwiderte , der Gast des Präfekten zu heißen ; im freien Felde mußte sein Übergewicht bald wieder hervortreten . Der Präfekt ließ das Kapitol in der treuen Hut des Lucius Licinius und folgte dem Zuge Belisars . Vergebens warnte er diesen vor allzu großer Zuversicht . » Bleibe du doch hinter den Felsen des Kapitols , wenn du die Barbaren fürchtest , « hatte dieser stolz geantwortet . » Nein , « erwiderte dieser . » Eine Niederlage Belisars ist ein zu seltnes Schauspiel , man darf es nicht versäumen . « In der Tat , Cethegus hätte eine Demütigung des großen Feldherrn , dessen Ruhm die Italier allzusehr anzog , gern gesehen . Belisar hatte sein Heer aus den nördlichen Toren der Stadt geführt und wenige Stadien vor der Stadt in einem Lager versammelt , es hier zu mustern und neu zu ordnen und zu gliedern . Schon der starke Zufluß von Italiern , die zu seinen Fahnen geeilt waren , machte das nötig . Auch Ambazuch , Bessas und Constantinus hatte er mit dem größten Teil ihrer Truppen wieder in dies Lager herangezogen : sie ließen in den von ihnen gewonnenen Städten nur kleine Besatzungen zurück . Dunkle Gerüchte von einem anrückenden Gotenheer hatten sich in das Lager verbreitet . Aber Belisar schenkte ihnen keinen Glauben . » Sie wagen es nicht , « hatte er dem warnenden Prokop entgegnet . » Sie liegen in Ravenna und zittern vor Belisarius . « Spät in der Nacht lag Cethegus schlaflos auf dem Lager in seinem Zelt . Er ließ die Ampel brennen . » Ich kann nicht schlafen , « sagte er : » in den Lüften klirrt es wie Waffen und riecht ' s wie Blut . Die Goten kommen . Sie rücken wohl durch die Sabina , die Via casperia und salara herab . « Da rauschten seine Zeltvorhänge zurück , und Syphax stürzte atemlos an sein Lager . » Ich weiß es schon , « sagte Cethegus aufspringend , » was du meldest : die Goten kommen . « - » Ja Herr , morgen sind sie da . Sie zielen auf das salarische Tor . Ich hatte das beste Roß der Königin , aber dieser Totila , der den Vortrab führt , jagt wie der Wind durch die Wüste . Und hier im Lager ahnt niemand etwas . « » Der große Feldherr , « lächelte Cethegus , » hat keine Vorposten ausgestellt . « - » Er verließ sich ganz auf den festen Turm an der Aniusbrücke1 aber ... - « » Nun ? der Turm ist fest . « - » Ja , aber die Besatzung , römische Bürger aus Neapolis , ging zu den Goten über , als sie der junge Totila , der Führer des Vortrabs , anrief . Die Leibwächter Belisars , welche sich