waren , und ihre Wuth versuchte einen allgemeinen heftigen Angriff . Der junge Offizier war an das Fenster zur Rechten gesprungen . Durch die zerbrochenen Scheiben langte eben ein Arm nach dem Riegel , um ihn aus den Haspen zu heben . » Sparen Sie den . Schuß . Den Säbel , den Säbel ! « Der Offizier hatte bereits die Pistole fallen lassen und die eindringende Faust gefaßt . Aber die Kraft derselben , die ihn zugleich packte , war stärker als die seine , sie zog seinen linken Arm aus dem Fenster fast bis an die Schulter hinaus und zwei , drei Hände faßten draußen an den Arm . Er war in einer völlig wehrlosen Lage . In dem Augenblick entriß eine Hand der seinen den blanken Säbel und die Klinge fuhr dicht an seinem Kopf vorbei durch das Fenster auf die Gegner . Der Stoß , den der alte Graf geführt hatte , mußte getroffen haben , denn ein wilder Aufschrei erscholl , der Arm des Offiziers wurde losgelassen und schnell zog er ihn zurück . Zugleich knallte aus dem andern Fenster ein zweiter Pistolenschuß und die Vorsicht und Ruhe des Jägers war Bürge , daß er ihn nicht ohne sicheres Ziel abgefeuert hatte . Die wilden Verwünschungen , das Schmerzensgestöhn draußen bewiesen , daß der Angriff blutig empfangen worden , - die Tobenden zogen sich eilig zurück aus dem Bereich der Schußwaffen . Jetzt erst gewann der Diener Bogislaw Zeit , seinen Herrn näher von den Vorgängen zu unterrichten . Die Männer fühlten , daß sie eilig ihre weiteren Vorbereitungen zu treffen hatten , da offenbar der Angriff wiederholt werden würde . Bogislaw sprang nach der Kammer , um aus dem Gepäck seines Herrn die Pulverflasche zu holen und neu zu laden . » Przeklecie ! ich kann sie nirgends finden , die Weiber müssen sie gestohlen haben , als sie in der Kammer handthierten . Doch haben wir noch Ihre Flinte und Pistolen , Herr Graf , sie sind geladen . Wer nimmt den Posten in der Kammer ein , um zu verhindern , daß die Schurken hier durch das Fenster brechen ? « Es war die wenigst gefährdete Stelle ; Aller Augen wandten sich auf die Gräfin , die in stillem Gebet noch immer an der vorigen Stelle knieete . Das Gebet galt einem Todten . Der kräftige , jugendliche Körper des Verwundeten hatte wild gegen den Tod gekämpft , den die innerliche Verblutung rasch herbeiführte , denn die Kugel hatte quer durch die obere Brust geschlagen , und während des Kampfes an den Fenstern streckte sich zuckend der Leib und lag dann still und starr . Der Oheim hob das Mädchen empor und führte sie halb tragend zu der Kammer . Es war keine Zeit zu Erörterungen und zur Schonung der Gefühle . Er konnte sie nur kurz bedeuten , daß sie auf das geschlossene Fenster achten und , wenn es erbrochen würde , um Hilfe rufen solle . Dann trugen Bogislaw und der Offizier den von dem Kampf aus seinem Fieberschlaf erwachten Soldaten an die Wand gegenüber der Bodenluke und befahlen ihm , fest diese im Auge zu behalten . Der Jäger stand schon wieder auf seinem Posten und recognoscirte durch eines der zerbrochenen Fenster . Die Räuber hatten sich zurückgezogen und waren unsichtbar . Die Nacht lag noch immer finster um das Haus , nur durch die weiße Fläche des Schnees gemildert . Auf ihr nahe dein zweiten Fenster erkannte man eine dunkle Gestalt regungslos ausgestreckt : die Vertheidigung hatte bereits ein zweites Menschenleben gekostet . So verging eine längere Zeit , während der nur wenige Worte gewechselt wurden . Es schien fast , als ob die Banditen das Grauen des Morgens abwarten wollten , um ihre Gegner besser zu sehen . Die Weiber in der Kammer , die mehrfach versucht hatten , die Thür zu öffnen , waren seit einiger Zeit ganz still geworden . Dagegen vernahm das scharfe Ohr des Jägers ein Geräusch , gleich dem eines vorsichtigen Arbeitens an einer Wand , und traf danach seine Vorbereitungen . Plötzlich donnerten wüthende Artschläge an die Eingangspforte und zugleich suchten ähnliche aus dem Innern der Kammer die Thür derselben zu sprengen ; in wenigen Augenblicken flog sie in Stücke . Aber Bogislaw hatte Aehnliches erwartet , die Thür splitterte , aber öffnete sich nicht , denn vor ihr bis zu Manneshöhe lagen jetzt eine Masse schwerer Gegenstände aufgehäuft , die aller Anstrengung des Fortdrängens spotteten . Durch die Zwischenräume der Verschanzung streckte mit der ganzen Kaltblütigkeit eines alten Soldaten der Graf sein Jagdgewehr und zielte auf die beiden dunklen Gestalten , die hier den Eingang zu erzwingen suchten , aber der Hahn fuhr nieder auf das Piston , ohne daß ein Schuß erfolgte . Er warf die Flinte zu Boden und drückte eine der Pistolen durch die Oeffnung ab , - der Erfolg war derselbe . Dem Stoß eines durch die Oeffnung funkelnden langen Messers entging er nur durch eine rasche Seitenbewegung . Ein Schrei der Dame verkündete auch auf ihrem Posten Gefahr - der Offizier war mit einem Sprunge an ihrer Seite und sah die Gestalt eines Mannes , bemüht , durch die enge Fensteröffnung einzubrechen . Einige Stöße des Säbels trieben ihn zurück , - fast gleichzeitig knallte der Schuß des Jägers durch ein Fenster und wiederum brach einer der Banditen zusammen und schleppte sich stöhnend zur Seite . Zum zweiten Male wichen die Räuber , doch dies Mal nur aus dem Bereich der Fenster und eine kurze heftige Berathung wurde gepflogen . » Wir müssen zu Ende kommen , « sagte der Krugwirth unter gräulichen Verwünschungen , » der Tag graut und es darf Keiner leben von ihnen , sonst sind wir verloren . Mein Michael ist erschossen , Stephanowitsch todt , Boris verwundet , wir müssen Rache haben , und sollte es unser letztes Blut kosten . D ' rauf , Kameraden ! « Er wollte auf ' s Neue an die Thür , doch Boris , der Verwundete , riß ihn zurück . » Zum Boden ! Die Garben hinunter und dann über sie her , ich und Sarko halten die Thür . « Die Mörder begriffen , sie eilten nach dein Aufgang , der in den Ställen zum Boden führte . » Es sind ihrer noch immer sechs mit dem Kerl , den ich gezeichnet , « sagte ärgerlich der Jäger . » Der Bursche wandte sich gerade um und bekam die Kugel nur in ' s Fleisch . - Doch , Herr , jetzt , glaub ' ich , wird es Ernst und gilt es , für ' s Leben zu fechten ! « Graf Lubomirski hatte das Gewehr und die Pistolen untersucht . Eine aus den Läufen tropfende Feuchtigkeit belehrte ihn , daß die Weiber die Gelegenheit benutzt haben mußten , bei dem Aufschlagen des Nachtlagers in der Kammer Wasser in die Läufe zu gießen , wobei sie zugleich die Pulverflasche stahlen . Er bewaffnete sich mit dem Säbel des armen Ulanen , der machtlos dem Kampfe zusehen mußte . » Das Tageslicht dämmert herauf , « sagte der Offizier ; » wenn wir uns noch eine Stunde zu halten vermögen , kann ein Zufall uns Rettung bringen . Sie werden es nicht wagen , den vollen Tag abzuwarten - « Der Ruf des Soldaten unterbrach ihn - er zeigte nach der Bodenluke . Sie war gefüllt mit einem großen Bunde von Schilf und Schobenstreu , von denen der Boden voll lag ; während , das Bund von unsichtbarer Hand herabgestoßen wurde , drängten sich von der Seite bereits ein zweites und drittes schützend vor die Oeffnung . Rasch fuhr die Pistole des Offiziers in die Höhe , der Schuß krachte und man hörte die Kugel klatschen , aber ein wildes Hohngelächter belehrte sie , daß die Räuber das Mittel gefunden , den Schuß unschädlich zu machen , und daß die Kugel nicht durch den dicken elastischen Schirm der Garbe zu dringen vermocht hatte . Wiederum , rasch hintereinander , fielen zwei Bunde herunter und andere drängten sich oben . Die Gefahr war dringend , Alle begriffen den Plan der Elenden und dessen sicheres Gelingen . Noch einige Bunde und die Räuber konnten sich unbesorgt herabstürzen und , während sie selbst ihre Aufmerksamkeit theilen mußten , sie im Handgemenge angreifen . Da , während der junge Soldat wie schützend vor die halb ohnmächtig in der Thür der Kammer knieende Dame trat , die Faust fester um den Säbelgriff gespannt , durchfuhr ein glücklicher Gedanke des Jägers Seele . Im Nu war er zum Heerde gesprungen , sein Fuß stieß die noch glühende Asche auseinander und seine Hand suchte einen halb verkohlten Brand . Im nächsten Augenblick war ein Busch der trockenen Schoben darum gewunden , ein Schwung , durch die Luft setzte die improvisirte Fackel in vollen Brand , und noch ehe die nächste Garbe den Boden erreichte , flog sie in die geöffnete Luke . Rascher , als das Wort es zu erzählen vermag , folgte ein zweiter , gleicher Brand , und der wilde Fluch ihrer Feinde verkündete , daß das unerwartete Auskunftsmittel seinen Zweck erreicht hatte . Flammen knisterten in der Luke auf , ehe eine halbe Minute verging , schlug schon die volle Lohe empor , - das Feuer hatte die Schoben und das Gestreu , das die Banditen gerade um die Luke gehäuft , erfaßt , und vergeblich waren alle Anstrengungen , die Flamme zu ersticken , die wie eine züngelnde Schlange durch die trockenen Vorräthe des Bodens hin lohete . Kaum daß sie Zeit hatten , sich eilig über denselben zurückzuflüchten bis zu dem Ausgang , der in die Ställe führte , so füllte schon Qualm und Dampf den langen Raum und hatte die Flamme an vielen Stellen ihren Weg zum Schobendach gefunden , dessen feuchte Schneedecke vor der überflüssige Nahrung findenden Gluth von Unten her schmolz . Während die Mörder noch flohen , war Bogislaw , die Andern zu Hilfe rufend , schon beschäftigt , die heruntergeworfenen , Streugarben fortzuräumen , damit die aus der Luke sprühenden Funken diese nicht entzünden möchten . Es gelang , sie rasch bei Seite zu schaffen . Der frische Morgenwind hatte unterdeß das Feuer immer weiter verbreitet und nach kaum einer Viertelstunde stand fast das ganze Dach des langen Gebäudes trotz der Nässe in offenen Flammen . Die Verwirrung und der Lärmen waren groß , denn die Pferde und das Vieh , die in den Ställen untergebracht waren , rissen sich bei dem herabfallenden Feuerregen los und stürzten durch die von den Räubern offen gelassenen Thüren in ' s Freie . Sie sprangen im Gehöft , vor dem lodernden Brande scheuend , wild umher , oder durchbrachen die Einhegung und flohen in den Wald . Die Wuth und Verzweiflung der betrogenen Mörder , die sich jetzt verloren achten konnten , da der Brand Aufmerksamkeit erregen mußte und ihnen zugleich die Beute entriß , war groß . Bei dem immer mehr sich verbreitenden Morgenlicht konnten die Belagerten schauen , wie sie umhertobten zwischen den stampfenden Pferden , nicht an Rettung denkend , rathlos und nur herüber drohend zu den Verwegenen , die ihrer Ueberzahl so glücklich getrotzt . Aber deren eigene Lage wurde jetzt auch immer gefährdeter und verzweifelter . Obschon der mit Streu gefüllte Boden , wie wir bereits bemerkt haben , nicht über den Küchenflur weglief , sondern mit einer Wand abschloß , so war doch diese zu schwach und selbst brennbar , um lange das Feuer aufzuhalten , und auch der Dachstuhl über der Küche gerieth bereits in Flammen , so daß nur wenige Augenblicke noch ohne Lebensgefahr in dem Raume zu verweilen war . Unter diesen Umständen gab es nur einen Entschluß , den : mit gewaffneter Hand sich Bahn durch die Gegner zu brechen . Die Ausführung war natürlich um so schwieriger , als die drei Männer , wenn auch kühn und tapfer , doch jetzt ohne Feuerwaffen , einer doppelten Anzahl zur Wuth gebrachter Feinde gegenüber standen und noch die Dame und den armen Kranken zu schützen hatten . Der Augenblicke der Ueberlegung waren nur wenige gewährt , aber jetzt bei hellem Tageslicht übersah der Ablerblick des jungen Soldaten die Gefahr und erkannte rasch den einzigen Ausweg , der Hoffnung ließ . Gerade über dem Hause , nahe am Eingange des Gehöfts , lag ein halb offenes Schuppengebäude , in dem auch der Schlitten der Reisenden untergebracht war . Konnte man dieses erreichen , so vermochte man wenigstens , sich mit größerer Sicherheit weiter zu vertheidigen . Der Plan war bald gemacht , wenige Worte genügten zur Verständigung . Der Offizier und das junge Mädchen erklärten mit Festigkeit , daß sie den armen Soldaten den Flammen nicht zur Beute lassen wollten . So wurde dieser denn aufgerichtet und die junge zarte Gräfin schlang selbst seinen Arm um ihren Nacken und stützte ihn , daß er auf dem gesunden Fuß und einem improvisirten Stock sich langsam fortbewegen konnte . Zur Linken des Paars trat der alte Graf , mit dem Säbel des Soldaten bewaffnet , zur Rechten der Dame der Offizier , - sein ernster , entschlossener Blick sagte , daß nur der Tod die Bahn zu ihr öffnen werde . Der Jäger Bogislaw stand an der Thür , die Hand am schirmenden Holzriegel , die Büchse des Grafen zur Seite , das Messer , das die Kehle des Wolfes durchschnitten , im Gürtel . Ein donnerndes Krachen beschleunigte ihren Entschluß , - hinter ihnen brach bereits ein Theil des Daches zusammen und die Trümmer begruben die Leiche des jungen Räubers . Wilder Jubel der Männer und Weiber erscholl draußen , sie glaubten die Reisenden verloren - - Bogislaw riß den Riegel hinweg , die Thür flog auf , über die Schwelle sprangen der alte und der junge Soldat , von gleicher Energie beseelt , - hinter ihnen d ' rein schwankte das Mädchen mit dem Kranken und der Jäger mit hochgeschwungener Büchse deckte ihnen den Rücken . Das offene Gebäude , das sie zu ihrer Zuflucht ersehen , war kaum vierzig Schritt von dem brennenden Hause entfernt , - dennoch aber war der kurze Weg ein wilder Kampf für das Leben . Einen Augenblick lang blieben die Räuber bestürzt über den kühnen Streich , dann , auf Slenko ' s , des Wirthes , gellenden Ruf stürzten sie von allen Seiten herbei und machten einen wüthenden Angriff auf die kleine Schaar . Der Wirth selbst sprang auf den Offizier los und führte einen furchtbaren Schlag mit der Axt nach ihm , der den Säbel , mit dem dieser parirte , mitten durchbrach , während ein Anderer sich zwischen den Offfzier und seine Schutzbefohlene stürzte und diese von ihrem Begleiter riß , der vergebens einen Schlag mit dem Stock nach ihm führte und zu Boden geworfen wurde . Der Mann , den seine Genossen Boris genannt hatten und der an der linken Schulter verwundet war , hatte bereits mit einem Gefährten den Grafen angegriffen und Bogislaw , der Jäger , wehrte sich tapfer mit dem Kolben gegen die beiden letzten Feinde . Von allen Dreien vertheidigte sich der Graf mit dem besten Glück , denn ein scharfer Hieb seiner alten einst kampfgewohnten Faust hatte im ersten Augenblick schon den rechten Arm seines zweiten Bedrängers gelähmt und seine scharfen Hiebe und Stöße hielten den riesigen Räuber Boris in Entfernung . » Zum Teufel , « rief der Graf , » das Gesicht kenn ' ich ! - Will ein Pole seinen Obersten morden , unter dem er bei Grochow und Ostrolenka gekämpft hat ? « » Niech cie djabli wezma5 « fluchte der Bandit , einen kräftigen Streich führend . » Ich habe Dich längst erkannt , aber Verderben über Euch Edelleute , die Ihr uns zu unserm Unglück verlockt habt ! Nieder mit Dir , alter Rebell ! « Er unterlief den Greis und umschlang ihn , Beide rangen wüthend gegen einander , der Eine geschwächt durch die Zahl seiner Jahre , der Andere durch die Wunde . Weiter hin schlug sich noch immer Bogislaw mit den beiden Männern . Der Offizier , als seine Waffe zersplitterte , hatte sie von sich geworfen und sich auf seinen Angreifer gestürzt und ihn umfaßt . Auch dieser ließ das Beil fallen und rang mit ihm . Ein Todesschrei hielt die fliehende Gräfin auf - sie sah , wie das Beil des jungen Räubers , welcher sie von dem Soldaten gerissen , den Kopf des Gefallenen spaltete , und sank , die Augen vor dem grauenhaften Anblick mit den Händen verhüllend , in die Knie . Im nächsten Augenblick war der blutige Mensch an ihrer Seite und schwang die noch triefende Axt . Ein Blick zur Seite hatte dem jungen Offizier die Gefahr gezeigt , in der die Dame schwebte . Mit einer wüthenden Anspannung jeder Muskelfaser schleuderte er in gewaltiger Kraft den starken Wirth von sich und war mit einem Sprunge , gleich dem Tiger , der sein Junges vertheidigt , in der Gräfin Nähe . Seine Linke fing den Stiel der Mordaxt auf und hielt sie fest im gewaltigen Griff , indeß die Rechte in die im Kampf aufgerissene Uniform faßte und mit Gewalt einen Gegenstand losriß , der darunter um den Hals geschlungen zu hängen schien . Im nächsten Augenblick flog eine kleine stählerne Scheide auf den Schnee und eine kaum handlange blaugraue Klinge tauchte sich im kräftigen Stoß bis an die haltende Faust in das Herzblut des Räubers , daß dieser lang den Boden maaß . Wie ein Sturmwind hatte der junge Mann die Gräfin erfaßt und sie halb schleifend zu dem Schuppen getragen , vor dessen Eingang er jetzt wie ein Cherub mit seiner kurzen unzureichenden Waffe stand . Es war der zweite Sohn des Wirths gewesen , den sein Dolchmesser von gewundener alterthümlicher Form zu Tode getroffen ; - heulend , wie der grimmige Wolf seiner Wälder , stürzte der Vater auf ihn zu , rücksichtslos gegen das eigene Leben . » Przeklety ! Du hast meine Söhne gemordet , Du mußt sterben ! « Der Stoß des Dolches streifte seine Wange und riß sie blutig , aber er achtete der Wunde nicht , und im nächsten Moment hatte er den jungen Mann gefaßt und zu Boden geworfen . Er kniete auf seiner Brust , bestrebt , die Faust der haltenden Hand zu entreißen , die sich bemühte , das lange Mordmesser , mit dein sie jetzt bewaffnet war , von sich abzuwehren . Alle Furien des Hasses und der Wuth trimuphirten in den flammenden Augen , in den fletschenden Zähnen . Die losgerungene Faust holte weit aus zum Todesstoße - - » Main ! Djemala-Din ! Retten Sie Herrn Djemala-Din ! « eine fremde Stimme in jüdischem Dialekt dicht neben den Kämpfenden rief die Worte . - Das Messer des Wirthes fuhr nieder - - - eine rasche Bewegung des jungen Offiziers wendete den Stoß , die spitzige Klinge durchbohrte nur den linken Unterarm - im nächsten Augenblicke spritzte Blut und Gehirn über den Liegenden und mit zerschmettertem Schädel stürzte der Pole über sein Opfer weg . Ein Fußstoß warf die blutige Leiche bei Seite und eine kräftige Hand half dem so unerwartet Geretteten empor . Neben ihm standen zwei fremde Männer im weiten jüdischen Talar , unter dem eine seltsame fremde Tracht hervorschimmerte , Beide lange , mit Silber und Elfenbein eingelegte Pistolen in den Händen , von denen die eine noch von dem eben gethanenen Schuß dampfte . Starke gebogene Nasen unter dunkel blitzenden Augen , schwarze sorgfältig gepflegte Bärte zierten beide Gesichter von fremdartigem , aber majestätischem Schnitt - einige Schritte hinter ihnen stand ein dritter Mann , gleichfalls in jüdischer Tracht , deren Berechtigung jedoch seine Physiognomie und die Angst und Furcht , die sich auf ihr ausprägten , deutlich verkündete . Die Augen der Männer waren fragend , freudig , begeistert auf den jungen Mann gerichtet . » Bist Du wirklich Djemala-Din , des großen Imams Sohn ? « Die Frage ward in einer Sprache an ihn gerichtet , die das Ohr des jungen Mannes seit 16 Jahren nur selten und ausnahmsweise vernommen ; dennoch schlugen diese Klänge , in denen er die ersten Laute gestammelt , die Erinnerungen der Knabenzeit bewahrt hatte , wohlthuend und verständlich an sein Ohr und er antwortete sogleich in ihnen : » Schamyl ist mein Vater ! - aber seht ! - helft ! « - er eilte trotz der Wunde dem treuen Jäger zu , der hart bedrängt war , - im Nu standen die seltsamen Fremden an seiner Seite und stürzten auf die noch kämpfenden Räuber , die bei der unerwarteten Verstärkung zu entrinnen suchten . Aber nur dem kühnen Boris gelang die Flucht , indem er sich auf eines der Pferde warf und in dem Gluthregen des einfallenden Daches auf jenem das Thor und den Wald gewann ; die andern Drei , von denen zwei verwundet waren , wurden nach kurzem Widerstand überwältigt , zu Boden geworfen und gebunden . Die beiden Weiber schienen sich schon während des wilden Kampfes geflüchtet zu haben . - Auch der Graf und der Jäger bluteten aus leichten Wunden und athmeten dankend auf über die unverhoffte Rettung . Während der Graf mit des Offiziers und des Juden Hilfe das von den Schrecken des Abends und der Nacht tief erschütterte Mädchen aus der gefährdenden Nähe des brennenden Gehöfts geleiteten , war Bogislaw mit den beiden Fremden beschäftigt , die von den Flammen wildgewordenen Thiere abzuwehren , und wenigstens den Schlitten der Reisenden aus dem Brande zu retten . Auch das gelang nur mit Mühe , alles Andere war verloren und unter den Trümmern des zusammenstürzenden Hauses begraben . Da bereits auch die Schuppen und dürftigen Nebengebäude von den Flammen ergriffen wurden , mußte man die gefangenen Räuber herausschleppen und an die nächsten Bäume binden . Die Gräfin war zu einem in der Nähe des Gehöfts auf dem vorbeiführenden einsamen Wege angebundenen Gefähr der Fremden gebracht und in den Schlitten gehoben worden . Erst jetzt bemerkte sie , daß ihr Retter verwundet war und das Blut stark aus seinem Arm hervordrang und ihn zu entkräften drohte . Während sie ihr Tuch fest um die Wunde schlang und die Blutung zu stillen suchte , kamen auch der Jäger und die Fremden herbei . Die Letzteren stürzten sich sogleich auf den Offizier , küßten den verwundeten Arm und übernahmen das Geschäft des Verbindens der Wunde , in dem sie geschickt und erfahren schienen . Dann auch kamen der Graf und der Jäger an die Reihe . Während dessen fand eine kurze Verathung statt , was man zunächst beginnen wolle . Der Offizier hatte einige Worte mit den Fremden in ihrer unbekannten Sprache gewechselt und führte darauf den Grafen bei Seite . » Mein Herr , « sagte er , » das Schicksal hat uns seltsam zusammengeführt und schwere Gefahren gemeinschaftlich bestehen lassen . Der glückliche Zufall unserer Rettung ist mir selbst noch unklar , aber ich habe eine Bitte an Ihre Ehre , es ist die , wenn Sie das Schloß des Fürsten mit jenem Gespann , das ich zu Ihrer Disposition stelle , erreichen , Sie in der dort versammelten Gesellschaft nicht näher der beiden Männer erwähnen , die unsere Rettung bewirkt haben , und die hier mit mir zurückbleiben werden . « » Sie müssen mit uns gehen , « entgegnete bestimmt der Graf . » Sie bedürfen von uns Allen zuerst besserer Hilfe , und mein Jäger und unsere fremden Retter können hier zurückbleiben , bis wir Beistand senden können , der vielleicht schon auf dem Wege ist , da man sicher den Brand bemerkt hat . « » Es ist unmöglich , Herr ! ich habe mit diesen Männern zu sprechen . « » So sind sie Ihnen bekannt ? ich hörte Sie in fremder Sprache mit ihnen reden und einen Namen , der mir nicht unbekannt ist . Sie sind ... « » Ich bin Djemala-Din , des Imam Schamyl ältester Sohn und russischer Offizier . « » Sie waren noch diesen Sommer im Kadettencorps zu Petersburg ? Verzeihen Sie die Frage . « » So ist es ! « » Dann kennen wir Sie schon lange , nicht bloß durch Ihr unglückliches Schicksal , das Sie in die Hände Ihrer Feinde geliefert , sondern auch durch die Freundlichkeit und den Schutz , den Sie meinem Enkel , dem einzigen Kinde meiner einzigen Tochter , erwiesen haben . Der Knabe - Michael von Lasaroff ist sein Name - war mit Ihnen in dem Corps und hat uns oft von Ihnen geschrieben . « Er reichte ihm mit sichtlicher Freude die Hand . Der junge Mann nahm sie zögernd und mit einem Erröthen an , das sein vom Blutverlust bleiches Gesicht färbte . » Ich kenne den Knaben und liebe ihn , « sagte er , » aber Sie irren , mein Herr , wenn Sie sagen , daß ein unglückliches Schicksal mich in die Hände von Feinden geführt hat . Der Czar ist mir ein Vater gewesen , dem ich mehr verdanke , als meinem Erzeuger in den Schluchten des Elbrus , und nie wird meine Treue und Dankbarkeit für ihn enden . « Er sprach dies mit einer Festigkeit und Energie , die offenbar den bestimmten Entschluß eines kräftigen Herzens zeigen und jede weitere Berührung dieses Gegenstandes zurückweisen sollte . » Mißverstehen Sie mich nicht , Herr Graf , « fuhr er fort , » wenn ich Sie dennoch bitte , von meiner Zusammenkunft mit jenen Männern , von der Sie der Zufall zum Zeugen gemacht , zu schweigen . Ich spreche zu einem Manne von Ehre , und sage Ihnen daher unverhohlen , daß es Leute meines Volkes sind , die mein Vater mit einer Botschaft an mich gesandt zu haben scheint . Das Weitere weiß ich selbst noch nicht , - doch ist es oft geschehen , auch in Petersburg , daß ich auf ähnliche Weise Kunde erhielt von meiner entfernten Familie . Aber es könnte mir und Jenen nur von Gefahr sein , wenn unsere Zusammenkunft argwöhnischen Spähern bekannt würde . « Der Graf reichte ihm nochmals die Hand . » Nehmen Sie mein Wort , Herr Lieutenant , für unser Aller Vorsicht . Bogislaw , mein Diener , ist ein treuer Mann und wird Sie nicht geniren , indem ich ihn hier zu Ihrem Beistande zurücklasse . Nach der Versicherung des Juden , der Ihre Freunde hergeführt , können wir in einer Stunde im Schlosse meines Freundes sein und Ihnen alle Hilfe senden . Dort sprechen wir mehr von Ihnen . « - Die weiteren Anordnungen waren rasch getroffen . Der Jude sollte mit seinem Schlitten , der nur Raum für zwei Personen bot , den Grafen und die Dame zum Schloß des Fürsten bringen , wohin jetzt beim Tageslicht keinerlei Gefahr mehr war , und mit dem Gefähr und weiterer Hilfe zur Abholung des Offiziers und der Gefangenen zurückkehren , Bogislaw aber bis dahin bei den Letzteren bleiben . - Als der Offizier sich dem Schlitten näherte , streckte ihm die Gräfin die zierliche Hand entgegen und ihr Auge ruhte mit Innigkeit auf ihm . » Ich höre von meinem Oheim , mein Herr , « sagte sie , » daß Sie selbst noch andere Ansprüche auf unsere Dankbarkeit haben , als das Blut , das Sie in dieser Nacht für mich vergossen . Kommen Sie ja recht bald uns nach , Herr Djemala-Din , damit ich Ihnen besser sagen kann , als hier , wie tief wir Ihnen verpflichtet sind . « - Der junge Offizier beugte sich erröthend über die Hand und küßte sie ; der Graf empfahl ihm noch besonders , aus seine Wunde Acht zu haben , und dahin flog der Schlitten . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es war eine seltsame Gruppe , die sich jetzt um die dampfenden Trümmer des Hauses versammelt hatte , deren noch fortglimmender Brand Schutz gewährte gegen die Kälte des Wintermorgens . - Auf einem halb verkohlten Balken saß - in den zurückgelassenen Pelz des Juden gehüllt - der junge Offizier , bleich von dem Blutverlust und der Aufregung seines Innern , vor ihm auf dem Boden kauerten die kräftigen Gestalten der beiden Tschetschenzen , der Boten des mächtigen Häuptlings , seines Vaters . In einiger Entfernung hatte sich der Jäger Bogislaw eine warme Stelle gesucht , und bewachte mit finsterm Blick die drei gebundenen Polen , die Flinte für jeden Angriff neu geladen zwischen den Knieen , da er an der Leiche des Wirthes das gestohlene Pulverhorn wiedergefunden hatte . Dicht daneben lagen die Körper der drei im letzten Kampf Erschlagenen , während die beiden Andern unter den Trümmern des Hauses begraben waren . Ueber dem Allen wölbte sich der jetzt ungetrübte blaue Winterhimmel , so heiter und rein , als ahnte er nicht , welche Kunde von Schrecken und Mord der dunkel qualmende Rauch ihm zuführte . » Du hast uns gesagt , o Herr , « begann der Aelteste der Tschetschenzen , » daß Du Djemala-Din , der älteste Sohn und Erbe des heiligen Mannes bist , der das Volk der Mürbiden beherrscht und zum Kampf führt gegen die Feinde seiner Freiheit . Kannst Du uns ein Zeichen geben , an dem wir erkennen mögen , daß Der , welcher das Gewand unserer Feinde trägt , wirklich vom Blute Schamyl ' s stammt ? « Der junge Mann zog ruhig den kleinen Dolch hervor , mit dem er das Herz des Räubers durchbohrt , und zeigte ihn den Beiden . Auf der blaugrauen Klinge war ein Spruch des Korans eingegraben . » Das ist das Einzige , was mein Vater mir gab , ehe er sich von der Felsenwand Achulgo ' s in den Strom warf , der ihn aus der Gewalt seiner Feinde trug . « Die