Schnitt der Gewänder entstellte nicht , wie sonst verjährte oder unkluge Moden , sondern es schmückte auf das höchste und berauschte den Blick durch Eigentümlichkeit und Phantasie . Diese Trachten waren allerdings den klassischen einfachen Gewandmassen griechischer Welt gerade entgegengesetzt ; aber nichtsdestominder verkündeten sie eine kecke Freude am Leben und am Leiblichen , nur daß der persönliche Sinn , der im Christentume liegt , sich in den wunderlich ausgedachten Umspannungen und Angehängseln des schönen Körpers zeigte . Überhaupt machte der ganze Festzug durch die bloße Tracht , welche auf das genaueste wiedergegeben war , einen ganz andern Eindruck , als unsere neuesten frömmelnden Romantiker in ihren unkundigen und siechen Schilderungen des Mittelalters beabsichtigen . Inmitten diesen glänzenden Reihen gingen einige venezianische Patrizier und Maler , als Gäste gedacht , poetisch in ihre welschen , purpurnen und schwarzen Mäntel gehüllt um Haupt und Schultern . Diese Gestalten lenkten trefflich die Vorstellungskraft auf die Lagunenstadt und von da ins ungemessene Weite an die Küsten der Alten und Neuen Welt , um von da wieder zurückzukehren zur spitzbogigen Wunderstadt mitten im Festlande . Trompeter und Pauker , gefolgt von drei Zugführern in Gold und Schwarz mit dem Reichsadler , eröffneten jetzt den Zug des Kaisers und Reiches , mit allem , was dieses an Tapferkeit und Glanz um jenen geschart hatte . Ein Haufen Landsknechte mit seinem robusten Hauptmann gab sogleich ein lebendiges Bild jener Kriegszeit und ihres unruhigen , auf Abenteuer gehenden , wilden und doch sanglustigen kindlichen Volkstumes . Diese frommen Landsknechte , einen Wald von achtzehn Schuh langen Spießen tragend , sahen sehr unfromm aus in ihrer bunten , aus aller Herren Ländern zusammengeraubten Tracht . Die rechte und linke Seite an demselben Mann war nicht nur ungleichfarbig , sondern auch ungleich geschnitten ; das rechte Bein , der linke Arm steckten in ungeheuer aufgebauschten , fabelhaft zerschlitzten und bebänderten Gewandstücken , während der rechte Arm und das linke Bein in knappester Umhüllung sich formten . Der eine trug Hals und Schultern nackt und sonnenverbrannt , der andere mit einem erbeuteten Panzerstück bedeckt ; diesem saß das leichtfertig gekerbte Barett schief auf dem Kopfe , indessen die langen angehäuften Federn ihm unten an die Kniekehle schlugen ; jener hatte es auf dem Rücken hängen und schleifte die gestohlenen Federn gar am Boden . Sonst nannten sie nichts ihr als den sichern Tod im Felde , und auf dies schlimme Gut , auf Wein und Weibsbilder und etwa noch auf ihren geliebten Führer Frundsberg dichteten sie die artigsten Liedchen . In diesen weithinziehenden Fußknechten sah der innere Blick Berg und Tal , Wälder , Burgen und Festen , deutsches und welsches Land sich ausbreiten , nachdem die schöngebaute , mauergeschützte und maßvolle Stadt sich vorhin kundgetan . Vier Edelknaben mit den Wappenschildern von Burgund , von Holland , von Flandern und von Österreich , dann vier Ritter mit den Bannern von Steier , Tirol , Habsburg und mit dem kaiserlichen Paniere folgten ; dann ein Schwertträger und zwei Herolde mit dem schwarzen Doppeladler auf dem goldenen Brust-und Rückenteil ihrer Röcke . Auf die Flamberge tragende Leibwache des Kaisers kam eine zarte Schar Edelknaben in kurzen goldstoffenen Wämsern , goldene Pokale tragend , dem kaiserlichen Mundschenk vorauf . Ebenso gingen grüne Jäger und Falkoniere dem Oberjägermeister voran , und wiederum Edelknaben dem Kaiser selbst . Fackelträger mit vergittertem Gesicht umgaben diesen . Rock und Hermelinmantel von schwarzdurchwirktem Goldstoff , einen goldenen Brustharnisch tragend , nebst goldenem Schwert in roter Sammetscheide , und auf dem Barett den königlichen Zackenreif , ging Maximilian I. heroisch daher , das edle Angesicht auf das Heldenmütige , Ritterhafte , Gemüt-und Sinnreiche gerichtet . So konnte man sagen selbst bei diesem lebenden Konterfei . Denn es hatte sich für das Bild des Kaisers ein junger Mann aus den fernsten Gauen des ehemaligen Reiches eingefunden , der , ein merkwürdiges Naturspiel , von edler Haltung und edlem Angesicht , wie dazu geschaffen war , ganz dasselbe offene , mannhafte und angenehme Gesicht , die starke gebogene Nase , die bei den besseren Habsburgern immer angenehm hervortretende Unterlippe und das kräftige schlichte , rund um den Kopf gleichgeschnittene Haar . Unmittelbar hinter dem Kaiser ging sein lustiger Rat Kunz von der Rosen , aber nicht gleich einem Narren , sondern wie ein kluger und wehrbarer Held launiger Weisheit . Er war ganz in rosenroten Sammet gekleidet , knapp am Leibe , aber mit weiten ausgezackten hängenden Oberärmeln . Auf dem Kopfe trug er ein arzurblaues Barett mit einem Kranze von je einer Rose und einer goldenen Schelle ; an der Hüfte aber hing an rosenfarbenem Gehänge ein breites langes Schlachtschwert von gutem Stahl . Wie sein Held und Kaiser war er nicht sowohl ein Dichter als , was schöner ist , selbst ein Gedicht . Der Erbschenk von Kärnten und Statthalter der innerösterreichischen Lande , Siegmund von Dietrichstein , der als vertrautester und treuester Rat Maximilians zu dessen Seite begraben liegt , und der zum tüchtigen Feldherrn gediehene gelahrte Doktor der Rechte , Ulrich von Schellenberg , eröffneten nun die lange Reihe dessen , was die Tafelrunde Maxens an glänzenden Ritter- und Fürstengestalten aufzuweisen hatte . Da schritt in Stahl gehüllt und waffenklirrend einher , was von der Lüneburger Heide bis zur alten Stadt Rom , von den Pyrenäen bis zur türkischen Donau gefochten , geblutet und gesiegt hatte . Schlachten und harte Belagerungen , Schießen , Mauerbrechen , Hängen und Köpfen , ritterlich treues Leben und ruhmreiche Taten knüpften sich an die Namen aller dieser Kämpen , welche alle jedoch von den rastlosen wunderbaren Abenteuern und Taten des einzigen Kaisers übertroffen wurden . Den Feldherrnstab auf die Hüfte gestützt , trat zuerst auf Georg von Frundsberg , allein schon eine ganze Kriegszeit und Historie . Das Schwert Franz I. von Frankreich wurde ihm auf goldenem Kissen vorangetragen mit der Inschrift : Pavia 1525 . Ein bärtiger Landsknecht trug seine Hellebarde ; denn er liebte es , mit gutem Wertzeug in der Schlacht hie und da selbst mit einigen Streichen nachzuhelfen und auszubessern , wie ein guter Handwerksmeister , und man sah ihn dann dergestalt hantieren , daß er mit jedem Schlage einen Mann niederschlug und dazu hauchte wie ein Holzhacker . Ein Bergschütz aus seinem Stammland Tirol , mit Armbrust , Köcher , Panzerhemd und Schwert , trug seinen Wappenschild . Ihm folgte ein hoher gewaltiger Ritter , Herzog Erich von Braunschweig ; seinen Stahlhelm zierte die Herzogskrone , aus welcher ein schillernder Busch von Pfauenfedern emporschwankte , und über diesem schwebte hoch ein goldener Stern . Voraus ging ein Edelknabe mit einer böhmischen Fahne , auf welcher geschrieben stand Regensburg 1504 . Die wilde Böhmenschlacht , in welcher er dem Kaiser das Leben gerettet , trat hiemit vor das geistige Auge . Schwer an Erinnerung und Bedeutsamkeit folgte Franz von Sickingen , in Eisen gehüllt , mit seinem langen , gerechten und freiheitliebenden Schwert , seinem langen Arm . Ein Edelknabe trug die Fahne der Picardie voran mit der Inschrift : Bouillon 1518 . Zwei geharnischte Reiterknechte gingen hinter ihm mit Waffen und Schild , der seinen Wahlspruch glänzen ließ : Gottes Freund , aller Welt Feind . Er selbst aber sah wohl aus wie der , welcher in der Not eines blutigen wilden Belagerungstodes im Harnischkasten begraben wurde . Wilhelm von Roggendorf und Graf Niklas Salm , jener von maurischen Siegeszeichen und der Inschrift : Berg Spadan 1522 , dieser mit türkischen und der Inschrift : Wien 1529 begleitet , gaben das Bild einer schönen Heldenfreundschaft . Denn der eine , welcher als Jüngling in die Waffenlehre des andern gegeben ward , wurde in seltsam leidenschaftlicher Umkehrung des Weltlaufes der jugendliche Schwiegervater des Heldengreises , der seine Tochter liebte und auch vor ihm in heißer Türkenschlacht in seinen Armen starb . Beide aber ruhen in derselben Gruft . Dem Grafen Andreas von Sonnenburg ward die französische Fahne mit der Inschrift : Guinegaste 1479 vorgetragen . Ein Bergschütz aus seiner tirolischen Grafschaft , in Panzerhemd und Jägerhut , mit breitem Gürtel , langem Bogen und Köcher folgte und trug den Schild mit dem alten schwäbischen Wappen , zu Ehren seines Ahnherrn , der dem letzten Hohenstaufen im Tode beistand . Dem Fürsten Rudolf von Anhalt ging eine Fahne mit der Inschrift : Stuhlweißenburg 1490 voran , und seine Knappen trugen Lanze und Schild mit den Worten : Anhalt das treue Blut . Und endlich trug dem in blauer Rüstung und schwarzem Helmbusch schreitenden Marx Sittich von Hohenems ein Edelknabe die venezianische Fahne mit der Inschrift : Verona 1516 voran . Jetzt erschienen die gelehrten Räte des Kaisers ; allein gleich der erste derselben , der berühmte Willibald Pirckheimer war wieder ein Stück Krieg , und nicht nur Schriftsteller , Altertumskenner und Beschützer aller Gelehrten und Künstler , sondern auch zuweilen Feldherr ; der edle und treue Freund Dürers führte eine Kriegsschar seiner Vaterstadt Nürnberg , ein zweiter Xenophon , gegen die Schweizer im Schwabenkriege ; und der gelehrte Mann mußte sich freilich mit noch bewährteren Kriegsfürsten trösten , wenn er in dieser schlimmen Gegend nicht die Lorbeeren holte wie auf den ruhigen Gefilden der Wissenschaft . Melchior Pfinzing , Verfasser des Teuerdank , und Marx Treitzsauerwein , der Geheimschreiber des Kaisers und Ordner des Weißkuniges , erschienen als die Zeugen der sinnreichen und fabelweisen Gemütsrichtung des römischen Königs . Ein reicher Hof von Rittern und Edelfrauen und endlich ein einsamer fahrender Ritter , geharnischt und die Zither über der Schulter , schlossen das Gefolge des Kaisers , welches ein zweiter Haufen Landsknechte von dem folgenden Zuge trennte . Auch diese Ritter- und Kriegswelt , von friedlichen Künstlern dargestellt , zeigte sich dessenungeachtet wahr und wesentlich , getragen von stattlich körperlicher Befähigung . Hier waren vorzugsweise die in männlicher Reife , Kunst und bürgerlicher Stellung vorgerückten Mitglieder vertreten , deren durch rüstiges und gelungenes Schaffen erreichter Wohlstand die kostbaren Gewänder möglich machte . Sie trugen mit kriegerischem Anstand die reichgeschmiedeten Rüstungen aus dem Zeughause , und die kecken , mannigfach geschnittenen Bärte schienen weniger die Zeichen malerischen Behabens als die Zierden wirklich tatenreicher Kämpen zu sein . Da nun aber jeder einzelne Mann nicht etwa ein schöngewachsenes Schema , ein bloßer Statist , sondern eine bedeutende Persönlichkeit , ein rechter Schmied seines Glückes war , der aus diesem , der aus jenem Winkel deutschen Volkstumes hervorgekommen , so mußte man beim Anblick so vieler unwillkürlich die Hoffnung fassen , daß ein solches Volk doch noch zu was anderm fähig sei als zur Darstellung der Vergangenheit und daß diese körperliche Wohlgestalt , welche so ähnliche Bilder toter Helden und Kaiser zeigte , unausbleiblich einst die wahren Kaiser , die rechten Schmiede und Herrscher des eigenen Geschickes , die selbständigen Männer der Zukunft hervorbringen werde . Während die Scharen aller bisher Vorübergeschrittenen weithin dem Blicke entschwanden und im weiten Rundgange sich kreuzten , rauschte und tanzte jetzt die Mummerei heran , in welcher alles , was die Künstlerschaft an übermütigen Sonderlingen , Witzbolden , seltsamen Lückenbüßern und Kometennaturen in sich hegte , Platz gewählt hatte . Der Mummereimeister Peter von Altenhaus eröffnete auf einem launischen Esel den träumerischen Zug , und hinter ihm kollerten die altdeutschen Narrengestalten , die zierlichen bunten Narren Gylyme , Pöck und Guggerillis und die verwachsenen Schälke Metterschi und Duweindel daher nebst vielen anderen Narren , welche aber nie beisammenblieben , sondern unaufhörlich zwischen den Gruppen des Zuges herumfuhren . Dann kam der bekränzte Thyrsusträger , welcher die behaarte , gehörnte und geschwänzte Musikbande führte . In ihren Bockshäuten nach der eigenen Musik hüpfend und hopsend , brachten diese Gesellen eine uralte , seltsam schreiende und brummende Musik hervor , bald in der Oktave , bald in lauter Quinten pfeifend und schnarrend , jetzt in schwindelnder Höhe , dann in der tiefsten Tiefe . Mit goldenem umlaubtem Thyrsusstabe schritt der Anführer des Bacchuszuges vor . Ein Kranz blauer Trauben umschattete tief seine glühende Stirn ; von den Schultern flatterte und wallte eine festliche Last buntgestreifter Seidenbänder bis auf die Füße und verhüllte wehend den unbekleideten Körper . Nur die Füße waren mit goldenen Sandalen versehen . In biblischer Erinnerung trugen hierauf , umtanzt von halb mittelalterlich , halb antik geschürzten Winzern mit Krügen , Traubenbutten , die zwei Kundschafter aus dem Gelobten Lande an schwer gebogener Stange die große Traube . Vier noch kernhaftere Männer trugen an vier aufrechten Fichten eine noch viel größere Traube . Auch der dicke Silen , welcher unbehilflich und ängstlich zu Fuß ging , und die tobende Schar von Schenken , Faunen und Winzern , welche den Wagen des Bacchus zogen , schoben und umschwärmten , Schalen , Becken und Stäbe zusammenschlagend , waren halb modern , halb mythologisch gekleidet . Selbst der junge , efeubekränzte Bacchus , sonst ganz nackt , trug , mittelalterlich gedacht , ein zierliches Küferschürzchen um die runden Hüften . Eine Rebenlaube wölbte sich , und die dichten Trauben bildeten einen dunkelblauen Himmel über ihm , in den er sehnsüchtig hineinlächelte . Es war ein schöner rosiger Jüngling mit schwarzgelocktem Haar . Könige mit Krone und Zepter , zerlumpte Bettler mit dem Schnappsack , Pfaffen und Juden , Türken und Mohren , Knaben und weiße Greise zogen nun den Triumphwagen der Venus herbei . Diese war niemand anders als die schöne Rosalie in aller Anmut ihres rosig lachenden Wesens . Sie ruhete auf einem Rosenlager unter durchsichtiger Blumenlaube , in ein seidenes antikes Purpurkleid gehüllt , mit bloßen Armen und Füßen . Über der Stirn strahlte ein goldener Stern aus den dunklen Locken , in der Hand hielt sie eine goldene Weltkugel , auf welcher zwei silberne Täubchen saßen , die , mit den Flügeln schlagend , sich schnäbelten . Zwei Kreuzfahrer gingen unter den Gefangenen der Venus zu beiden Seiten des Wagens und gereichten ihr mit aufmerksamer Haltung zu besonderm Schutzgeleit . Sie aber sah sich dann und wann begierig und lächelnd um , da gleich hinter ihrem Wagen der biedere Erikson , welcher den Zug der Diana anführte , als wilder Mann einherschritt , seinen kraftvollen schönen Körper nur um Lenden und Stirn mit dichtem Eichenlaub geziert , er überragte um einen Kopf seine Umgebung , obgleich noch manche stattliche Gestalt dabei war . Viele Jäger folgten ihm mit grünen Zweigen auf Hüten und Kappen , die großen Hifthörner mit Laubwerk umwunden , das Jagdkleid aber mit Iltisfellen , Luchsköpfen , Rehpfoten und Eberzähnen besetzt . Einige führten Rüden und Windspiele , einige , mit Gebirgsschuhen und Steigeisen am Gürtel , trugen Gemsböcke auf dem Rücken , andere Auerhähne und Bündel von Fasanen und wieder andere auf Bahren Schwarzwild und Hirsche mit versilberten Hauern , Geweihen und Pfoten . Dann trug eine Schar trotziger wilder Männer einen wandernden Wald belaubter Bäume aller Gattung , in welchen Affen , wilde Katzen und Eichhörnchen kletterten und Vögel nisteten . Durch die Stämme dieses Waldes aber sah man bereits die silberne Gestalt der schmalen Diana schimmern , der lieblichen Agnes , wie sie von Ferdinand geschmückt worden war . Ihr Wagen war von allem möglichen Wilde bedeckt , und dessen Köpfe umkränzten ihn mit vergoldetem Gehörn und bunten Federn . Sie selbst saß mit Bogen und Pfeil auf einem bemoosten Fels , aus welchem ein lebendiger Quell in ein natürliches Becken von Tropfsteinen sprang , an welches die wilden Männer und Jäger sich manchmal durstig niederbeugten und aus der Hand tranken . Agnes war in ein Gewand von Silberstoff gekleidet , welches bis tief auf die Hüften ganz anliegend war und alle ihre geschmeidigen Formen wie in Silber gegossen erscheinen ließ . Die kleine klare Brust war wie von einem Silberschmied zierlich getrieben . Vom Schoße abwärts aber , der von einem grünen Gürtel mehrfach umwunden war , floß das Gewand weit und faltig , mehrfach geschürzt , doch bis auf die Füßchen , welche mit silbernen Sandalen keusch hervorguckten . Im schwarzen , griechisch geknüpften Haare machte sich mit Mühe die strahlende Mondsichel sichtbar , und wenn sich Agnes nur ein bißchen regte , so wurde sie von den dunklen Locken zeitweise ganz bedeckt . Ihr Gesicht war weiß wie Mondschein und noch bleicher als gewöhnlich ; ihr Auge flammte dunkel und suchte den Geliebten , während in dem silberglänzenden Busen der kühne Anschlag , den sie gefaßt , pochte und rumorte . Ferdinand aber , welcher das Gewand eines jagdliebenden Königs gewählt hatte , um der Diana nahe zu sein , hatte sich längst unter den Triumphzug der Venus gemischt , betrachtete sie wie ein Träumender unverwandt und wich keinen Schritt von ihrem Wagen , ohne sich dessen innezuwerden ; denn kaum hatte er Rosalien beim Beginne des Festes gesehen , so ließ er Agnes , die er geschmückt und soeben auf den Wagen gehoben , wie sie war , und folgte jener gleich einem Nachtwandler . Heinrich hatte sich in ein laubgrünes Narrenkleid gehüllt und trug einen Jagdspieß statt des Kolbens ; um die Schellenkappe hatte er ein Geflecht von Stachelpflanzen und Stechpalme mit ihren roten Beeren geschlungen als eine grünende Dornenkrone . Was er damit wollte , wußte er selbst kaum zu sagen ; es war eine mehr unwillkürliche Geschmacksäußerung , welche der innersten Seelenstimmung entsprang . Er ging , nur hie und da sich umsehend und durch den wandelnden Wald huschend , immer der Diana zur Seite , da sonst kein Befreundeter um sie war ; denn Erikson , der wilde Mann , hielt sein Auge auf Rosalien und Ferdinand gerichtet , ohne indessen stark aus seiner Gemütsruhe zu geraten . Als nordisches Märchen folgte diesen südlichen Bildern der Zug des Bergkönigs . Ein ansehnliches Gebirge von glänzenden Erzstufen und Kristallen war auf seinem Wagen errichtet , und darauf thronte die riesige Gestalt in grauem Pelztalar , den schneeweißen Bart wie das Haar bis auf die Hüften gebreitet und diese davon umwallt . Das Haupt trug eine hohe goldene Zackenkrone . Um ihn her schlüpften und gruben kleine Gnomen in den Höhlen und Gängen ; dieses waren wirkliche kleine Bübchen ; aber der kleine Berggeist , welcher vorn auf dem Wagen stand , ein strahlendes Grubenlicht auf dem Köpfchen , den Hammer in der Hand , war ein kaum drei Spannen hoher , ausgewachsener Künstler , aber dennoch ebenmäßig fein gebaut , mit männlich schönem Gesichtchen , wundervollen blauen Augen und blondem Zwickelbart ; das kleine Wesen , einem Zaubermärchen gleichend , war nichts weniger als eine bloße Seltsamkeit , vielmehr ein wohlbewußter und rühmlicher Maler . Hinter dem Bergkönig auf demselben Wagen schlug der Prägemeister aus Silber und blankem Kupfer ( statt des Goldes ) kleine Denkmünzen auf das Fest ; ein Drache speiete sie in ein klingendes Becken , und sie diesem entnehmend , warfen zwei Pagen , » Gold « und » Silber « , die schimmernden Münzen unter das schauende Volk . Ganz zuletzt und einsam schlich der Narr Gülichisch her , traurig und achselzuckend den geleerten Beutel schüttelnd , umkehrend und rings umherzeigend . Es war aber noch nicht ernst gemeint mit diesem Bedauern ; denn dem nachhinkenden Narren auf dem Fuße folgte wieder der glänzende Anfang ; wieder gingen die Zünfte , das alte Nürnberg , Kaiser und Reich und die Fabelwelt vorüber , und so zum dritten Male , bis aller Augen sich an dem Gestaltenwechsel gesättigt hatten . Dann scharte sich die ganze Masse in gedrängte Ordnung ; die sangkundige Menge der Künstler ließ die Festlieder ertönen und brachte dem vergnügten wirklichen Könige , in dessen Machtkreis zuletzt diese ganze Traumwelt hing , ein opferndes Lebehoch . Durch den Logensaal der königlichen Familie , wo diese versammelt war , bewegte sich nun der ganze Zug und auf bedeckten Gängen in die Residenz hinüber , durch deren Säle und Korridore , welche alle von begünstigten Zuschauern angefüllt waren . Als Heinrich in die Nähe des zufriedenen Königs kam , gedachte er jenes wunderlichen Auftrittes , wo dieser ihm die Mütze heruntergeschlagen hatte . Er hatte ihn nie wieder so nahe gesehen bis jetzt und ihm längst verziehen ; denn wenn die Könige nicht beleidigt werden dürfen , so können sie auch nicht beleidigen noch beschimpfen , da ihre einsame Willkür alle gewöhnliche Wirkung aufhebt . Doch mußte er jetzt lachen , als er sich vorstellte , wie schön der König sich nun vergreifen würde , wenn er ihm die stachlichte Schellenkappe abschlagen wollte . Mutwillig bot er ihm sein bestechpalmtes Haupt hin und sagte leise : » He , König ! schlag mir die Kappe runter ! « Der König sah ihn betroffen an , schien sich zu erinnern und sagte kein Wort . Heinrich sah ihn ernsthaft an , klingelte bedeutsam mit den Schellen auf seinem Kopfe und sprang davon . In den Gemächern und Gängen des Palastes wie in den Gartenarkaden gingen die Künstler recht durch ihr eigenes Werk , das in vielfältiger Gestalt , von Säulen , Wänden , Decken und Treppen , in Gold , Farben und Marmor sie umglänzte . Und als sie über den von Pechflammen erleuchteten Platz zogen , durch das Gewoge des Stadtvolkes hin , ragte wieder überall ihr Werk in Erzbildern und hohen Gebäuden . Doch mündete nun der Zug in das benachbarte große Odeon und ergoß sich froh aufatmend in den zu Bankett und Spiel geschmückten mächtigen Saal . Mit Mühe gelang es den Führern und Zeremonienmeistern die Plätze zu ordnen , da die traumhafte Selbsttäuschung auch hier fortdauern und die Teilnehmer nach Rang und Bedeutung bankettieren sollten . Ein erhöhtes Halbrund war mit des Königs kostbaren Teppichen , welche er samt reichem Tischzeug , Silbergeschirr und goldenen Pokalen und Kannen aus seinen Kammern gegeben , bekleidet , um den Kaiser mit seinen Grafen und den Patriziern aufzunehmen . Mit großem Anstande nahmen sie Platz , und noch mehr als der glänzende Kaiser , welcher sich mit wirklich monarchischem Behagen gefiel , wußten sich die schönen Damen in adeligem Tun zu gefallen . Die Mundschenken und Edelknaben aber dienten und warteten auf und fanden hierin , unter Lust und Scherz , ihre volle Zufriedenheit . An langen Tafeln saßen die Zünfte und die Landsknechte ; nur Albrecht Dürer hatte seinen Platz neben dem Kaiser , wo auch der majestätische märchenhafte Bergkönig ragte . Von hohen , mit goldgestickten Teppichen behangenen , blumenüberwölbten Galerien tönten die lauten Musikchöre , bald selbständig , bald die Bankettlieder begleitend ; es war nicht ein Schuh von moderner prosaischer Kleidung im Saale , und selbst in den Nebengemächern , wo noch viele kleinere Kreise tafelten und zechten , sah man nichts als Mittelalter bis auf die Leute des Wirtes , welche alle kostümiert waren . Darum verbreitete sich ein prächtig rauschender Strom der Freude über die Menge , in welchem sie sich froh und aufblühend badete . Kaum konnte der Kaiser mit der schönsten Dame den altertümlichen Fackeltanz eröffnen , bis die Reihen der Handwerksmänner und Landsknechte , welche an den springenden goldenen Weinquellen saßen , allmählich sich zurückdrängen ließen , und sie taten es endlich um so williger , als die prächtigen Damen sich weigerten , mit den Schustergesellen und wilden Fußknechten zu tanzen . Denn die Schönen hatten sich schon so tief in ihre Gewänder hineingelebt , daß sie vergaßen , wie mancher der Verschmähten von gleichem Range mit ihnen war und , obgleich er ein reinliches neues Schurzfell trug und in weißen Hemdsärmeln ging , doch gleich ihnen sich freute , von einem würdigen Kaufmann , Professor oder geheimen Registrator abzustammen . Für den Anblick gewann jedoch durch diese Wunderlichkeit der Tanz an Schönheit , als die Ritterpaare , Raum gewinnend , mit wogenden Federn und wehenden Mänteln in langsamem Walzer oder anderen Tänzen sich feierlich bewegten . Doch wurde der Tanz öfters unterbrochen durch die Schauzüge , welche in immer neuer Gestaltungslust durch den Saal tosten . Bald erschien der Mummenschanz , welcher nicht satt wurde , sich in neue Märchen umzubilden und seine einzelnen Teile fabelhaft zu vermischen , bald stürmten die singenden Landsknechte vorbei , welche es so gut trieben , daß sich von diesem Feste her noch lang eine förmliche Landsknechtskultur erhielt in Bild und Lied , und deren Zechweise und verlorenes Leben als das löblichste Bild deutscher Romantik erschien . Bald gaben die Zünfte eine Schaustellung , bald führten die Narren dem Kaiser ihre Schwänke auf . Die Meistersänger hielten in einem kleinern Saale bei offenen Türen eine Singschule . Es wurde unter den zünftigen Gebräuchen wettgesungen , ein Schulfreund oder Singer zum Meister gesprochen und dergleichen . Die vorgetragenen Gedichte enthielten Lobpreisungen und Danksagungen gegen den kunstsinnigen König , dann aber hauptsächlich Hecheleien der verschiedenen Kunstrichtungen , Verspottung irgendeiner anmaßlichen oder eigensinnigen Gestalt der Künstlerschaft , Klagen über Verwaltung gemeinsamer Anstalten , gesellige Übelstände und solches mehr . Es war sozusagen eine allgemeine Abrechnung , und vorsorglich hatte jede Richtung und jede Größe ihren Vertreter mit fertigem Gedicht unter die Meistersänger gesteckt . Es erklangen öfter ganz scharfe und satirische Verse , aber dieser Inhalt nahm sich höchst seltsam aus in den trockenen und feierlichen Formen , in denen er vorgebracht wurde , und mit dem komischen Wesen dieser Formen . Denn während alle Singenden in demselben eintönigen und schalkhaften Leierton ihr Gedicht sangen und in denselben Knittelversen , so wurde doch bei jedem vorher mit lautem Ausruf eine andere neue Weise angegeben , wie sie ehemals von den wackeren Meistersängern erfunden und getauft wurden . Da wurde angeblich gesungen in der » glatten Seidenweise , der rotbacketen Öpfelinweise , der Strohhalmweise , der Schreibpapierweise , in der Stechpalmweise , süßen Pfirsichweise , blauen Traubenweise , Silberweise , überhohen Bergweise , glitzerigen Thurngockelweise , Rosentonweise , spitzigen Pfeilweise , krummen Zinkenweise , Orpheus ' sehnlicher Klagweise « , in der » gelben Löwenhautweise , stachlichten Igelweise « , in der » schwarzen Agtsteinweise , blauen Kornblümelweise « wie in der » verschlossenen Helmweise « . Das Gelächter war groß , wenn nach diesen pomphaften , malerischen und poetischen Ankündigungen sich immer der alte grämliche Leierton mit den trockenen Witzen hören ließ . Aber nicht alle Gedichte waren dieses satirischen Inhaltes . Einige blutjunge Meistersingerlein wagten es , ihre durch den lauschenden Frauenkranz angeregten Gefühle zu äußern und diese oder jene Gestalt nicht undeutlich zu besingen . Ein blühendes Schuhmächerlein pries , um Rache zu nehmen für den Stolz , welchen die Damen beim Tanz gezeigt hatten , sein heimliches Glück bei mehr als einer goldenen Gräfin , und sogleich nahm ein lustiger Schneiderlehrling den Kampf mit ihm auf in Festsetzung der Liebes- und Glücksregeln im Frauendienst . Der Schuster behauptete , daß Tiefsinnigkeit , poetisches Wesen und stolze Bescheidenheit die Frauen gewännen ; der Schneider hingegen verlangte zu solchem Glücke Anmaßung , Mutwillen und leichtsinniges Aufgeben der eigenen Person . Hans Rosenplüt , der Schnepperer , aber schlichtete den Streit und erklärte die Frauen für wunderliche Wesen , welche stets die eine Art liebten , wenn die andere gerade nicht zu haben wäre , und daß beide abwechselnd ihres Glückes genössen . In einer schön geschmückten großen Nische war um Rosalien ein ordentlicher Venushof versammelt . Zwei oder drei anmutige Frauen hatten sich ihr zugesellt , weil es hier fröhlich und galant herging und sich der ganze Schwarm der Gefangenen der Schönheit mit großer Geschicklichkeit und Aufrichtigkeit in seine Rolle fand . In einer anderen Nische , welche mit dieser durch eine offene Tür verbunden war , hatten die Jäger ihren Sitz aufgeschlagen und einige lustige junge Mädchen zur Gesellschaft der Diana herbeigelockt . Heinrich saß Agnes zur Seite und beschützte sie insbesondere . Erikson , der wilde Mann , ging ab und zu ; er konnte seiner seltsamen Tracht wegen nicht wohl tanzen noch sich in zu große Nähe der Frauen setzen und beschränkte sich daher , hier und dort einen Becher zu trinken oder an den improvisierten Spielen teilzunehmen . Fast bereute er , diese Rolle gewählt zu haben , und sah ziemlich unbehaglich , wie Ferdinand fort und fort Rosalien den Hof machte ; sie hatte sich mit weißen Atlasschuhen versehen und tanzte zuweilen mit Ferdinand , der in seinem Hubertusgewande sehr wohl aussah und sich mit sicherm Anstande betrug . Er hatte einige kostbare Brillanten , Zeichen seines holländischen Reichtumes , in Ringen und Spangen angelegt , und die reiche Rosalie benahm sich gegen ihn mit der heiteren Ungezwungenheit , welche die gesicherten Reichen gegenseitig zu üben pflegen . Sie lachte , scherzte und strahlte von freundlichem Liebreiz , indem sie gegen alle sich hold und froh zeigte , gegen Ferdinand aber ihre Unwissenheit beklagte und bedauerte , welche sie so lange von den wahrhaft frohen und klugen Kreisen der Künstler ferngehalten habe und sie selbst jetzt nur ihre Freude , nicht aber den Ernst ihrer Arbeit verstehen lasse . Sie drückte sich aber mit so artigen und klugen Worten aus , daß Ferdinand von ihrem naiven , anmutigen Geiste entzückt wurde und immer weniger seine Blicke von ihr wandte oder von ihrer Seite wich . Es wehte ein süßer Hauch der Frauenhaftigkeit ihn an , wenn sie lächelte und sprach , und der Stern in ihren Locken glänzte wirklich wie der Stern der Venus . Er fühlte eine Fesselung aller Sinne , welche ihn alles andere vergessen und alles Trachten auf das reizende Weib richten ließ , von dem sie ausging , als ob sonst kein Heil in Zeit und Ewigkeit zu finden wäre . Bei den meisten Männern ist dies ein vorübergehendes inneres Begehren , eine rasche , allmählich verwehende Aufwallung des Denkens , die hundertmal entsteht und hundertmal verschwindet . Ferdinand war aber einer von denen , welche , in allen anderen Dingen klar und besonnen , in diesem einen Punkte die Verblendung und Aufwallung mit schrankenloser und unverhüllter Selbstsucht kundgeben . Rosalie lieh seiner beredten Aufmerksamkeit ein williges Ohr und blickte ihn dabei mit großem Wohlwollen an , nur zuweilen einen flüchtigen , aber zufriedenen Blick auf die prachtvoll und mächtig geformte Gestalt Eriksons werfend , wenn er vorüberging , so daß dieser mit der Wahl seines Kostümes sich ausgesöhnt , wenn er diese Blicke gesehen hätte . Er ließ aber den Unmut