er gefunden , läßt er erleiden , das Glück , an das er nicht mehr glaubt , versagt er um so leichter Andern ; und menschliche Mittel als unwirksam erfahren zu haben am eignen Schicksal , vertritt der Menschenachtung den letzten Zugang , und ein eigenwilliges , stolzes Selbstvertrauen bleibt der Vertraute solcher gefährlichen Seeleneinsamkeit . - Alter ! Alter ! unterbrach ihn hier sein Zuhörer mit einem lebhaften Ausdruck der Theilnahme , der eben sowol der Sache selbst , als der schlauen Beobachtung dessen galt , der so gern als unbedeutend erscheinen wollte und doch nur zu häufige Proben der tiefer gehenden Menschenbeobachtung gab , die ihn zu dem Werkzeuge jener umsichtigen Machthaber gestempelt hatte , welche kein Talent in ihrem Bereich verkannten oder unbenutzt ließen . Sprich , fuhr er fort , sind dies Wahrnehmungen , die Du mit Deiner Schlauheit kombinirst ? Stützen sie sich auf Thatsachen ? Gehören die Winke und Andeutungen dazu , die über die Folgen der Krankheit des Prinzen von Dir schon öfter gegeben wurden , die sogar unter dem Volke sich verbreitet finden ? Wäre es mehr , als dies launische Uebelbefinden eines Genesenden ? Oder sind es nur von Dir herbeigeführte Schlüsse , die Deiner Lieblingsidee dienen sollen ? Der Alte zog die Decke über seine hagern Schultern und sagte so gleichgültig , wie er vermochte : Legt meine Worte aus , wie Ihr wollt , was hülfen mir weitere Betheurungen ; seid Ihr doch einmal darauf gestellt , mich zu kränken und mir zu mißtrauen ! Lieblingsideen verlernt der am ersten zu hegen , dem kein freier Wille blieb , den kleinsten Wunsch zu fördern ; es ist lange her , daß ich von Lieblingswünschen träumte , ich weiß nichts mehr davon . Du täuschest mich nicht , fuhr der Unerbittliche fort , ich weiß sehr wohl , wie Du uns überreden möchtest , dies Unglückskind könne der Welt und seinem Vater erhalten werden , ohne unsere größern Absichten zu durchkreuzen . Läugne , wenn Du kannst , daß sich alle Deine Beobachtungen bequemen müssen , um dieser Idee unschädlich zu werden ; läugne diese Schwäche , diese Thorheit für ein junges unbedeutendes Mädchen , für die Schwäche eines väterlichen Herzens , welches doch , zu dem reichsten Ersatze bestimmt , nur diese leichte Krisis von Schmerz zu überstehen haben wird , um dann die endlosen Sorgen , die an diesem Wesen ihm gegeben wären , in rechtmäßige Freuden verwandelt zu sehn . Wer könnte wagen wollen , Euch zu täuschen , Hochwürdiger , erwiederte der Alte unterwürfig , die Hauptsachen können Euerm scharfen Blicke nimmer entgehn , nur traut Ihr meiner Aufrichtigkeit zu wenig . Was ich Euch über eine große , sehr ernst scheinende Karakterumwälzung des gnädigen Herrn gesagt , verwerft es nicht ! Denn der Todesschweiß auf König Jakobs Stirn prophezeihet , daß Alles bald zu Tage kommen wird , was in diesem armen Herrn glüht und gährt . Gedenket daran ! Er hat die Ungeduld des Unglücklichen ; er wird handeln , um sich zu zerstreun . Gebt Acht , wie seine ersten Schritte sein werden ; denn was Ihr hofft , wird vorerst Euch täuschen . Ein Weib legt ihm so bald , nach dieser , keine Zügel an ; Henriette von Frankreich wahrscheinlich nimmer , wenn irgend Eine , so wäre es vielleicht das gefangene Mädchen , das sich mit vollem Rechte Maria Stuart nennt , und das Ihr vielleicht zu Euerm eignen Nachtheil zurückhaltet . Nachdenkend schob der Mönch die Kappe von der breiten Stirn und zeigte damit für einen Augenblick das Antlitz des Pater Johannes , des Beichtigers auf dem Schlosse der Lady Howard . Er bemerkte die lauernden Augen des alten Porters nicht , der die Wirkung seiner Worte auf dem enthüllten Antlitz suchte , und erkannte , daß sie mit großer Sorgfalt geprüft wurden . Ja , hob der Pater dann nachdenkend an , wenn dies Mädchen , die Du so gern Maria Stuart nennst , den glaubensvollen Eifer ihrer großen Ahnfrau hätte , diese unbesiegbare Liebe zu unserer heiligen Kirche , die ihr Haupt fallen ließ und selbst ihren gemordeten Schatten noch zu einem drohenden Panier gegen diese Afterkirche machte , was denkst Du , daß wir Deines Rathes bedürften , ihr einen bedeutenden Platz anzuweisen und eben sie der Welt zu erhalten ? Aber ketzerisches Blut von beiden Eltern in den Adern , ketzerisch genährt und erzogen , ist sie starr geblieben gegen die Segnungen meines Unterrichts , meiner Belehrungen , gegen die überzeugenden Beispiele täglicher kirchlicher Feier , gegen Alles , was ein Gemüth sonst empfänglich macht , wie strengste Einsamkeit , Entziehung von Luft und Bewegung und jener eiteln weltlichen Geistesbeschäftigung , durch deren Angewöhnung ihre lasterhafte Erziehung aus diesem Kinde an Jahren , einen Mann an Festigkeit in ihren Irrthümern gemacht hat . O , o ! sprach hier mit vieler Theilnahme der Kranke , steht es so schlimm mit dem armen Kinde ? Ja , so schlimm steht es , erwiederte recht innerlich entrüstet der Andere , und so , fürchte ich , wird es bleiben und damit ihre Zukunft von ihr selbst herbei geführt sein . Glücklich müssen wir uns preisen , daß uns darüber die Verfügung gestellt ist , denn in Buckinghams Händen , mit der Zuthat höfischer Weltklugheit , die er nicht ermangelt haben würde ihr zu geben , hätte die erhabene katholische Fürstin , die sich hierher begiebt und als eine wahre Gesandtin des Herrn dies Ketzerland betritt , die Märtyrer-Krone früh genug um ihre Schläfe fühlen können . Und unser so spärlich gedeihender Einfluß ? - Er hielt inne , als fehle ihm die Ergebung , um den Gedanken zu vollenden , der sich ihm nur wider Willen aufgedrängt hatte . Auch Porter schien von ernster Unruhe bei diesen Worten ergriffen , denn zu tief hatten ihn die zu verpflichten gewußt , die sein Gewissen und seine Stellung mißbrauchten , als daß er sein Interesse von dem ihrigen hätte ganz abwenden können . Die Liebe zu seinem Prinzen , die vielleicht das einzige warme Gefühl dieses abgetödteten Herzens war , trat doch immer wieder verschüchtert zurück , wenn dieses mächtige Interesse aufkam . Der geheime Wunsch , den Prinzen endlich seiner Kirche zuzuwenden , verdeckte ihm dabei die bösen Wege , die er ging , und die Treulosigkeit , die er in jeder andern Beziehung sich gegen ihn weder erlaubt , noch verziehen hätte , erschien ihm durch solchen Zweck geheiligt . Es ist freilich dabei Manches zu bedenken , fuhr der Mönch fort , und nicht unwichtig ist die Hartnäckigkeit des Sinnes , den Du , eben daher abgeleitet , bei dem Prinzen wahrzunehmen vorgiebst . Aber es dürfte dies Alles eher zu bestätigen sein , als dies Mädchen , so wie sie jetzt ist , hervortreten zu lassen und Buckinghams Einflusse , der gebrochen werden soll , damit eine neue Verstärkung zu geben . Hochwürdigster , hob hier der Alte an , wie von einem frischen Gedankenstrome belebt , sagt mir doch , beabsichtigten nicht frühere Pläne , das Fräulein der gnädigsten Prinzessin zu übergeben , als ein Geschenk für den Vater , sein Herz damit ganz der großmüthigen Gemahlin zuzuwenden . Man hat auch dies bedacht , allerdings , erwiederte Pater Johann , doch blieb es nur damals erwünscht , als ihr Besitz noch nicht entschieden war . Seit sie unser gesichertes Eigenthum geworden , ist der Plan wenigstens nicht weiter in Anregung gewesen , und selbst unter dem Einflusse der Prinzessin bleibt ihr Hervortreten gefährlich ; denn Buckingham hat unbestreitbare Rechte über sie , und wird sie sich ihm nicht leichter zuwenden , als der katholischen Fürstin ? Der Alte schwieg und vertiefte sich in seine Gedanken , bis er endlich an einer neuen Frage , die sich ihm aufdrängte , angelangt war , die er sich jedoch hütete , als solche zu stellen . Der Einfluß und die Geschäftigkeit einer großen Anzahl von Personen , die ihm aus Furcht und Gewinnsucht dienen , setzten den Herrn Herzog oft auf eine sehr überraschende Weise von Dingen in Kenntniß , die man weislich verborgen hält . Ich habe eine schmerzliche Sorge für das heilige Schloß und seine Bewohner . Seit lange , glaube ich , gehen über dasselbe , bis jetzt freilich mehr verlachte und gering geachtete Gerüchte ; käme aber der Herr Herzog bei vergeblicher Nachforschung auf den Gedanken , von welcher Hand diese ihm wichtige Person ihm entzogen worden und verborgen werde , sollte er da nicht im Weiterschließen diesen Ort finden können und denselben dann der brutalsten Nachsuchung aussetzen ? Alter , erwiederte der Angeredete , Du schießest an Deinem Ziel vorüber . Alles zu übersehn , ist Dir nicht verliehn , und Deine Vorsorge macht Dich hier kurzsichtig und einfältig , als ständen Dir keine Erfahrungen zur Seite . Wer hat denn bisher spielend diese Verhältnisse geleitet , wer diese Verbindung , dies Kind gehütet , und stets sie bereit gehalten zum beliebigsten Gebrauche , zur Hintertreibung oder Erreichung nöthiger Zwecke , und zwar mit so fester und doch ungeahneter Hand , daß sie sich in völliger Freiheit und Sicherheit träumte ? Hm , erwiederte der Alte mit dem boshaftesten Lächeln , welches er in seiner ganzen Schärfe vortreten ließ , ich weiß , Sir , daß es dieselben ehrwürdigen und weisen Herren waren , die endlich die Lady , ohne Ahnung ihres Todes , von ihrem eignen Bruder , der blos zufällig nicht der Herr Herzog selbst war , begraben , und den lang bewachten und festgehaltenen Schatz entwischen ließen , in ziemlicher Ungewißheit , wo er eine Zuflucht gefunden , oder ob ihm überhaupt noch eine Zuflucht auf dieser Erde nöthig sei . Ein Fehler , unläugbar ein Fehler , stotterte verwirrt Pater Johann , aber sehr verzeihlich und durch die Umstände entschuldigt . Der höchst weise Hilarius , der diese Aufsicht übernommen hatte , ward abgefordert nach des Höchsten Rathschluß . Pater Clemens , der uns allgemein würdig schien , das große Geheimniß zu theilen , noch in Frankreich , der Prinz und der Herzog in Spanien , das Kind in Schottland - es schien wenig Gefahr vorhanden . Gewiß war es ein merkwürdiges Beispiel , wie das kleinste Versäumniß oft zur Zerstörung der klügsten Unternehmungen führen kann . Indessen fehlen dem Klugen selten die Mittel , eine solche blos menschliche Befährniß wieder abzuwenden , wie der Erfolg gelehrt . Wohl , sagte trocken Porter , aber es war freilich eine eigne Befährniß , Sir , daß das Fräulein , wie durch Instinkt getrieben , zu diesen Nottinghams , ihrem alten Schutze , flüchten mußte und es endlich der Kabalen des Herrn Herzogs bedurfte , sie aus dieser strengen Obhut zu locken . Ja , rief der Andere kurz auflachend , es war ein Meisterstück , diesen eiteln Lord , diesen Membrocke , so blos als Handlanger unserer Pläne handeln zu sehen , und Beide , Buckingham wie ihn , Einen um den Andern , anzuführen . Denkt Ihr , rief warnend Porter , der Herr Herzog habe dies nicht erkannt ? Denkt Ihr , er werde es ruhen lassen ? Wie Viele haben jetzt schon den Verrath seiner Chiffern büßen müssen ; er stürmt in Wuth gegen alle Verdächtige an , nur immer an dem Einen vorüber , der ihm zu nah steht , um ihm verdächtig zu sein ; aber darum ist doch die Entdeckung nicht unmöglich , und Maxwell würde sich durch nichts retten , als indem er uns alle verriethe , daran zweifelt nicht . Kann sein , erwiederte gleichgültig Pater Johann , fürs Erste hat er Alles vergessen , und das Spielzeug , das wir ihm gegeben , der Glanz und die Ehre dieser Brautsendung , die seiner Thorheit eben so viel Nahrung als Gefahren giebt , wird ihn , denke ich , auch nach seiner Rückkehr hinreichend beschäftigen . Die Gewitter , die über ihm stehen , und die er für blauen Himmel hält , werden den Wind aus Frankreich haben und hinter ihm herziehen , bis sie sich in England über ihm entladen . Die Scene , die der Prinz durch Buckinghams Unverschämtheit in Whitehall , in Gegenwart des französischen Gesandten , bei Bristols Zusammenkunft erlebte , hat ihn über Vieles nachdenkend gemacht , und er forscht in der Stille , ob wohl an Bristols sogenanntem Verrathe wirklich etwas sein möge . Abwesenheit ist immer Verlust für solche Günstlinge ; Buckingham wird , denke ich , die Verhältnisse verändert wieder finden . - Um so mehr , sprach der Alte bedächtig , wird er das Mittel wieder zu erlangen suchen , was ihm ein großes Gewicht sichert und sein Ansehen wieder herstellen , wenn nicht erhöhen muß . Denkt , Sir , daß zur Zeit , als Ihr Mutter und Kind in der selbst gewählten Lage nur bewachen durftet , der Herzog von ihrer Wichtigkeit , ja , theils von ihrer Existenz keine Ahnung hatte ; jetzt ist es anders , und selbst der Groll , so lange darüber getäuscht worden zu sein , schärft das Interesse . Es war eine schwarze Stunde und folgenreich in allen Beziehungen , als mein gnädigster Herr ungewarnt und gerade durch den Herzog die Nachricht des Todes derjenigen erhalten mußte , um derentwillen er eben so große Opfer gebracht , so große politische Pläne hatte scheitern lassen , selbst eine Verbindung mit dem früher so gehaßten Herzog eingegangen war . Von da an schreibt sich Alles , was die hochwichtigen früheren Pläne verwirrt und gefährdet hat , und der Herzog hat , wohl erkennend , welchen ungeahneten Vortheil er verloren , schnell übersehn , wie wir anerkennen müssen , was ihm nun zu thun oblag . So haben wir ihn sehr richtig würdigen sehn , daß jetzt ihm vorläufig nur Schaden daraus erwachsen und seinem hochmüthigen Plane , sich zum Schöpfer einer eben so glänzenden Verbindung zu machen , als der , wegen welcher Graf Bristol unterhandelt hatte , diese Entdeckung jetzt keineswegs wünschenswerth sein könnte . Darum mußte das Wesen , dessen Werth für die Zukunft er wohl fühlte , für den Augenblick , da der zärtliche Schmerz des Vaters ihr eine gefährliche , Frankreich beleidigende Legitimität geschenkt hätte , zurück gehalten werden , aber glaubt mir , er wird es , wenn nur erst die Vermählung vollzogen , nicht vergessen , daß sie ihm entwandt ist , um seine späteren Pläne zu vereiteln . Wer weiß , ob er nicht schon jetzt ihren Aufenthalt kennt und Euch blos eine Aufsicht über sie läßt , welche selber zu führen , ihm beschwerlich sein würde . - Eine ungeduldige Bewegung des Pater Johannes unterbrach die schnellen fieberisch gesprochenen Worte des Alten . Ich bin nicht gekommen , Deine Weisheit zu hören , rief er ziemlich übellaunig , und mich Schwätzereien hinzugeben , die von zu ungleichen Personen geführt werden , um irgend zu einer Ausgleichung führen zu können . Mein Auftrag an Dich geht diesen Brixton an , der jedenfalls jetzt entfernt und um jeden Preis von dem Prinzen zurückgehalten werden muß . Dies habe ich , antwortete mit völlig gesenkter Stimme der Kranke , so lange gethan , als es mir möglich war , den Prinzen allein zu beobachten . Es ist ihm nicht gelungen . Seine Briefe sind in meine Hände gekommen , seine täglichen Besuche an allen Zugängen zu den Gemächern des Prinzen vereitelt worden , zwei Mal , kurz vorher , ehe der gnädigste Herr sich aus denselben begeben , ist er auf meinen Befehl von den Wachen weggetrieben und hiernach von allen Bewohnern des Schlosses verjagt worden , wo er sich zeigte . Von meinem Lager aus habe ich noch Warnungen und Befehle gegen ihn ergehen lassen , und er zeigt sich jetzt nicht mehr ; doch , daß er aus seiner Herberge verschwunden , war mir neu . Seine Wichtigkeit ist nicht zu übersehn , sprach der Pater ; wir würden ihm zwar seinen so wohl unterrichteten Zögling zu entziehn wissen , wie einem Jeden , doch ist es besser , wenn sie dort unter strenger Aufsicht ihr Leben beschließt , als daß wir zu dem äußersten Beschluß schreiten müßten . Uebrigens sichert die nahe Küste von Frankreich ihre schnelle , und dann unerreichbare Entfernung und Trennung von allen Verbindungen mit ihrem Vaterlande . Brixton würde indessen durch die Spuren , die er selbst von ihrer Flucht und ihrem Aufenthalte bei den Nottinghams entdeckt hat , dem Prinzen ein willkommener Bote sein und wenigstens die Gedanken ihres Todes , die ihm nach und nach einzuflößen sind , von ihm entfernen ; auch ist es nicht rathsam , setzte er flüchtig hinzu , einen Mann zu ihm zu lassen , der , einer der gefährlichsten Feinde unserer Kirche , eben jetzt sich nachtheilig zeigen könnte . Wohl , wohl , bekräftigte der Alte ; er darf nicht in Verbindung treten mit dem gnädigsten Herrn , dies sehe ich selbst ein , und überhaupt alle müssen entfernt bleiben , die ihn daran erinnern , was er verloren ; weshalb auch Gersey und Hanna mit allen ihren Gesuchen abgewiesen sind . Diese Beiden , sprach der Pater , hat der Herzog selbst für gut befunden , unschädlich zu machen . Zur Ruhe gebracht , in der vortheilhaften Stellung , das leere Schloß zu hüten , worin sie ein langes Leben der nun zerronnenen Hoffnung widmeten , einst mit diesem gehegten Kinde selbst einen hoch vermögenden Platz einzunehmen , hat Alter und überstandene Gefahr sie fügsam gemacht , und sie werden Dich nicht mehr belästigen . Du hast fürs Erste den Prinzen fortwährend auf den Tod der Gesuchten vorzubereiten . Unsere ersten Berichte über die Hoffnungen , die sie zu geben schien , sind durch Pater Clemens nach Frankreich gegangen ; doch konnte ich seine Ansichten von Anfang an nicht theilen , denn der gute Herr sieht die Dinge selten in ihrer natürlichen Gestalt . Meine folgenden Berichte sind daher ganz anders ausgefallen , und ich denke die Antwort wird so sein , daß sie es einst bereuen wird , meinen hohen und anerkannten Ruf in Bekehrung ketzerischer Gemüther durch ihren Widerstand angegriffen zu haben . Wenn ' s nach mir geht , verläßt sie nie wieder die Mauern dieses guten , festen Schlosses ! - Die Glut des Zornes war am Ende dieser Rede auf die breite Stirn und die düster funkelnden Augen des hochmüthigen Paters getreten , und Porter erkannte genau , was das Fräulein zu erwarten hatte , vertrauten nämlich die höheren Lenker dieses Gewebes den Berichten des in seinem geistlichen Hochmuth verletzten Priesters . Aber Brixton , unterbrach der alte Mann den Gang des Gesprächs , was denket Ihr mit ihm zu thun ? Vielleicht hat er , abgeschreckt durch die vergeblichen Versuche , bereits seine Rückreise angetreten . - Damit wirst Du uns wenigstens nicht rathen wollen , die Versuche zu seiner Wiederauffindung einzustellen . Ich werde seine Spur finden , verlaß Dich darauf und gehabe Dich bis dahin wohl ! Offenbar in der übelsten Laune , die er sich erregt , theils durch die Erinnerung an die Verletzung seines Hochmuths , theils durch den stets wieder auflebenden Verdacht , Porter möchte sie nicht redlich bedienen , erhob sich der Pater . Stolz grüßend verließ er das Krankenlager des Vertrauten , dem er in einer durch Alter und Einsamkeit genährten Geschwätzigkeit wohl mehr mitgetheilt hatte , als er bei einer ruhigen Berathung mit seinem Verstande und den Gründen des Verdachts gegen ihn für rathsam gehalten haben würde . Porter blickte dem Abgehenden mit einem Ausdrucke nach , der an das boshafte Spiel der Katzen erinnerte , welche , in ruhiger Stellung ihrem schon getroffenen Feinde gegenüber , blos mit der Schärfe ihres Blickes ihn hüten , sicher , daß ihnen der beliebige Augenblick zu Gebote steht , wo das Ausstrecken der bekrallten Pfote seiner Freiheit Grenzen setzt . Dessen ungeachtet sehen wir diesen Ausdruck gemäßigt durch die Betrachtungen , die dem Alleingelassenen sich aufnöthigen , und nicht undeutlich zog mancher schwere Seelenkampf über dies gefurchte Gesicht , und konvulsivisch sehen wir ihn seine Decken drücken , und sich selbst zusammen ziehen und strecken , so daß es schwer wurde , an die Wirksamkeit des Umschlages zu glauben , den der ruhig schlummernde Jüngling so vertrauungsvoll ihm umgelegt . Doch wir wissen , daß die Seele des Menschen in eine Zerrüttung verfallen kann , die Konvulsionen zu erregen vermag , unzugänglich den Linderungen von Außen und in uns selbst den Arzt fordernd , der mitleidend oft lange die nöthige Hilfe versagt . Der innere Streit , den wir hier zu schildern suchen , ging , wie immer , dahin , ob die Liebe zu dem von seiner Jugend auf ihm anvertrauten Prinzen , dem er die einzige warme Regung seines Herzens verdankte , und der ihm eben darum vielleicht in der Stille als sein Wohlthäter erschien , siegen sollte . Eben so mächtig war der Einfluß dieser Priester , durch Erziehung , Gewohnheit , Religion und den fanatischen Eifer der Kirche , ein so mächtiges Werkzeug des Ruhmes zu gewinnen , in seinem tiefsten Leben gewurzelt . Es findet sich in der innern Geschichte aller Menschen mehr oder weniger ein Streit zwischen den Eindrücken der Erziehung und den späteren Ueberzeugungen , und es möchte nicht schwer sein , die Macht der ersteren in jedem Individuum wieder zu erkennen , wie sehr sie auch oft in dem entwickelten Geiste verarbeitet erscheint . Eben so häufig aber tritt uns die Erscheinung entgegen , eine gänzlich ihr hingegebene Natur zu finden , die , tyrannisch beherrscht von den ersten Eindrücken , jede freiere Entwickelung sogar von sich stößt und wie ein Sklave im selbst gewählten Joche durchs Leben keucht . Beschränkt und der edlen Bestimmung entgegen , das durch Erziehung überliefert Erhaltene blos als Basis höherer Entwickelung zu benutzen , scheint uns ein solches Wesen verächtlich und unbeachtenswerth ; wie oft aber würden wir von diesem zuversichtlichen Verwerfungsurtheile abstehen müssen , wäre uns ein freier Blick in das Innere erlaubt . Es wächst unter der Last befestigter alter Gewohnheiten und Vorurtheile oft dem Allen entgegen , immer zum geheimen Widerspruche geneigt , ein kleiner zarter Keim freierer Ueberzeugung empor , die vor der schweren Erde , die hoch darüber lastet , nicht bis zur Entwickelung an das äußere Leben gedeiht ; aber wenn das nahe Ende den Hochbejahrten aus dem irdischen Sein , worin seine Fesseln haften , hinausgeführt , dann erblicken wir zuweilen eine plötzliche Veränderung , von der wir uns angewöhnt haben zu sagen : Er ist so sanft , er wird bald sterben . Es sind aber nicht die letzten Tage , die erst dies höhere Leben erzeugen , es sind die verhüllten schwachen Versuche der ganzen unfruchtbaren Vergangenheit , die in den letzten Tagen an dem ferner gerückten Leben keinen Widerstand mehr finden , und nun den kleinen Keim gedeihen lassen , den Gott alsobald zum Verpflanzen hinwegnimmt . Von dieser Betrachtung aus finden wir uns vielleicht in den Zustand des Greises zurecht , dessen zuckendes Gesicht zuletzt von einer diesen Zügen sonst so fremden Rührung zeugt . Bald ist es überwunden ; er schaut über den Rand des Bettes nach dem Schläfer , und endlich , nachdem er die Nothwendigkeit , ihn zu wecken , erkannt , streckt er die dürre Hand über das blühende Gesicht . Tief in die Süßigkeit des Schlafes versenkt , wehrt der Jüngling die Störung ab , sich anders wendend , um im Schlummer fortzufahren , und bald auch dahin verfolgt , kehrt er aus dem Taumel seiner unschuldigen Träume zurück und strengt sich an , zu erwachen . Er richtet sich endlich empor und sieht und hört nicht viel , und muß immer wieder von der kalten , dürren Hand gereizt werden , ehe er Alles zusammen findet , was zum Erwachen nöthig . Armer Schelm , ruft der Alte ihm mitleidig zu , hast noch lange nicht ausgeschlafen , wie ich sehe , und wirst böse genug sein , daß ich Dich wecke ! Setze Dich auf mein Bett und erhole Dich ; sieh , da sind schöne gesottene Früchte , erquicke Dich erst , ich habe einen Auftrag für Dich . Gern , gern , rief der wieder ermunterte Knabe freundlich ! ach , sage mir doch , wie geht es Dir , Ohm , bist Du gesund , hat der Brei geholfen ? Helfen thut Alles , so lange es an der Zeit ist , lächelte trübe der Alte : der Tod aber hilft sich auch , wenn er die Arbeit in Empfang nehmen will . Doch laß das , guter Lanci , und nimm Deine Sinne recht zusammen , denn Du mußt zeigen , daß Du ein kluger und verschwiegener Junge bist . Verschwiegen bin ich , rief Lanci zuversichtlich , das hat meine gute Mutter oft gerühmt , und klug könnt Ihr mich ja machen , Ohm , denn Ihr habt ' s in Fülle , wie ich weiß . Wir wollen sehn , mein Kind , sprach Porter , doch sag ' mir ein Mal , möchtest Du wohl Margarith wiedersehen ? O Ohm , sprach der Jüngling verschämt , wie kannst Du davon sprechen , Du weißt , daß ich hier bin , Dich zu pflegen ; Du selbst hast es gewollt , einen von Deinen Verwandten wolltest Du um Dich haben , und ich bin gern gekommen , denn ins Schloß durft ' ich mich so nicht mehr wagen , und da hab ' ich Dich gern gepflegt , bleibe auch bei Dir , bis Du umherläufst , wie sonst , aber dann redest Du mit dem alten Miklas über die Margarith und mich , denn zu Weihnachten werde ich Jäger , und dann will ich sie auch . Was ich versprochen , werde ich halten , erwiederte der Ohm , sei aber versichert , daß Alles davon abhängt , wie Du Dich jetzt zeigst . Das beste Loos harrt Dein , wenn Du treu und klug meine Befehle erfüllest , und das Gegentheil kann Dein unabwendbares Schicksal sein , zeigst Du Dich hier nicht , wie es nöthig ist . Ach Ohm , Ihr macht mich ängstlich . Wie soll ich so große Gefahr bestehen ? Werde ich das können ? Die arme Margarith , was soll aus ihr werden , wenn ich sie nicht befreie ? Befreie ? wiederholte der Alte streng ; weißt Du denn , ob sie jetzt Dir folgen würde , da die junge Lady , von der Du mir sagst , ihr Herz ganz besitzt und sie nicht von ihr will . Ach , ich kann ' s nicht glauben , rief Lanci betrübt . Gesagt hat sie es freilich , und die arme schöne Dame , sie müßte sich auch todt weinen , wenn Margarith nicht um sie wäre , die sie immer tröstet . Das glaube ich auch , Lanci , sagte Porter , darauf eingehend , und darum sollst Du die junge Dame retten helfen , dann hast Du Margarith obenein und keine Noth weiter . Jesus , Maria , Joseph ! rief der Jüngling und machte einen Freudensprung durch die Stube . Rede , Ohm , sage , was ich thun muß , alles und klug dazu ; verschwiegen obenein will ich sein ; Du sollst Dich sehr freuen über mich ; aber nun sage auch , damit ich darnach thun kann . Porter blickte den Aufgeregten nachdenklich an und schien noch einmal den Entschluß zu prüfen , der ihm darum so bedenklich däuchte , weil er dies junge Wesen , halb Kind , halb Jüngling , darein verwickeln mußte ; und doch blieb ihm keine Wahl . Ihm , der zu jeder Intrigue sonst mehr als eine Hand bereit hatte , ihm fehlte es zum ersten Male an einer solchen , da seine Handlungen abweichen sollten von dem bisher befolgten Systeme ; ihm kostete auch dies noch einen Seufzer , dann zog er den Jüngling näher . Es mußte , was geschehen sollte , schnell geschehen . Du mußt noch heute abreisen , doch ganz im Geheim . Wenn die Dunkelheit einbricht , so nimm Deinen Mantel und schleiche Dich aus dem Schlosse . Nimm die westliche Seite des Schlosses wahr und gehe durch den breiten Weg um Buckinghams-Lodge herum ; einen weiten , unangebauten Platz mußt Du in nördlicher Richtung durchschneiden , dann kommst Du auf den Weg , der Dir bald die großen , weitläuftigen Gebäude zeigen wird , die Dich zu dem Schlosse des Herzogs von Nottingham führen . Hier melde dich beim Thorwart und bitte ihn , daß er Dich zu Lord Richmond führt ; will man nicht , so dringe so lange , bis man nachgiebt ; ist er nicht anwesend , so harre am Thore , bis er erscheint . Sodann verlange , daß er Dich allein spricht , und geschieht dies , wie ich nicht zweifle , denn es ist ein herablassender Herr , so sage ihm , die Reise , die er morgen antreten wolle , führe zu nichts , mit Dir müsse er gehn , wolle er erreichen , was er vorhabe . - Aber was will er denn erreichen ? unterbrach Lanci den Ohm . Schweig , fuhr der Alte fort , Du mußt ohne Unterbrechung hören . Er will eben die Lady im Schlosse Howard befreien , und will durch die Welt , und weiß nicht wohin und wo sie zu finden ist . O , lachte Lanci freudig , dazu bin ich gut , Ohm ! Da soll er nur mit mir kommen . Siehst Du es ein , wozu ich Dich bestimme ? fragte der Alte milder . Ja , so ist ' s. Fragt er Dich nun , so vertraue ihm , wo sie ist , aber was er auch anstellen mag , von wo Du kommst , sage ihm nicht , nie komme mein Name über Deine Lippen