Jäger seinen Hund , der aus Mitleid einen Hasen laufen ließ , und schlägt ihn mit scharfen Dornen , so zerschlug ihn der Teufel unsichtbar und er wand sich fürchterlich , seine Lippen wurden blau , sein Gesicht weiß , seine Kleider zerriß er , seine Hände zerrang er . So tobte er schon lange - als ein armer Einsiedler aus dem Walde geholt wurde , der in solchen Dingen erfahren war ; der kräftige Fromme kniete neben ihn , packte ihn fest und schrie ihm die kräftigsten Gebete in die Ohren , besprengte auch seine Schläfe mit Weihwasser und brachte ihn dadurch allmählich zu einem tiefen Schlafe , währenddessen ihm der Einsiedler eine Tonsur schor und eine Kutte überzog . Als Niklas nun wieder erwachte , wollte der Teufel in ihm lostoben , als er aber das Kleid betrachtete , erschrak er und auf des Einsiedlers Gebet ging nun wie eine Flamme aus seinem Rachen , in welcher ein schwarzer Geist sich bewegte . » Amen « , sagte der Einsiedler , » Amen « , rief Niklas ihm weinend nach , so sprach er ihm jetzt auch willig alle Gebete nach . Niklas wollte jetzt alle jämmerlichen Ereignisse seines Lebens in frommer Gesinnung beichten , der Einsiedler erlaubte es ihm aber nicht , es möchte den Teufel wieder locken , er müsse jetzt in strenge Aufsicht genommen werden . Die Neugierde Antons entschied , ihn , den Einsiedler , der sich Rautenstrauch nannte , mit dem armen Sünder nach der Einsiedelei zu begleiten , um das Leben eines Einsiedlers näher kennen zu lernen . Der Aufbruch aus dem wüsten Schlosse wurde durch die Trompeten verkündigt , die Reisigen stiegen zu Pferde , die stolze Katharina ritt an Antons Seite , so kamen sie vor den Bauern vorbei gezogen , die sie gnädig begrüßte , endlich zu der Herde , die sie einem jungen Hirten übergab , der ihr oft behülflich gewesen war , die verlaufnen Ziegen zusammen zu treiben . » Liebe Katharina « , sagte der schöne Schäfer , » sonst gibst du mir nichts zum Abschiede , dachte ich doch einmal deine Hand mir zu gewinnen . « » Einfältiger Bauerkerl « , antwortete Katharina , » wie hat Er sich so etwas einbilden können ; erst wenn dein Holzschuh mit einem güldnen Sporne geziert ist , will ich dich als meinen Herrn anerkennen . « » Geb Er sich zufrieden « , rief ihm Güldenkamm , » wer das Glück hat , führet die Braut nach Hause . « » Vergeßt nicht die Bedingung « , sagte Katharina ernsthaft zu Güldenkamm . Eine andre wunderliche Unterredung zog aber in diesem Augenblicke alle Aufmerksamkeit zu dem Einsiedler , der einen alten Bauer heftig ausschimpfte , daß er ihm keine Vögel gebracht , da er doch wisse , daß dies sein Vögelmonat sei . Der Bauer entschuldigte sich , er sei krank gewesen , aber der Einsiedler nannte ihn einen eselhaften Knollfinken , ohne Andacht , den er bis ins dritte Glied verfluchen wolle , die Vögel sollten ihm nicht nur die Saat auf dem Felde , sondern auch alle Haare aus dem Haupte ausraufen , der Geier seine Lämmer wegtragen und seine Kinder dazu . Anton wollte ihm Einhalt tun , aber Rautenstrauch versicherte , daß er längst wisse , wie man mit solchen Ochsenpantoffeln und Sauschwänzen umgehen müsse . Güldenkamm hatte noch ein schönes Bild vom Einsiedlerleben in tiefster Seele , er hatte auch diese Unterredung nicht gehört , er brachte den Einsiedler darauf , was er denn Abends in seiner Einsamkeit tue , wenn die frommen Pilger weggezogen wären und der Schlaf seine schwarzen Flügel noch nicht über die Augen breite . » Herr « , sagte er , » da hab ich erst noch genug mit meinem Fressen zu tun , denn was einem die albernen Bauern bringen , ist immer entweder versalzen oder verschmolzen , und habe ich gefressen , da muß ich mich lausen , wer tut mir das , wenn ich es nicht selbst tue , es kriecht einem immer so etwas an von den Bauernpudeln ; die Knochen muß man sich doch auch waschen , ja Herr , es ist ein hart Leben , was ich so im Walde führe und nun ich alt werde , kommen die Leute nicht mehr wie sonst zum Besuche . « Güldenkamm fuhr entsetzt vor ihm zurück und ergoß gegen Anton sein Mißbehagen über die verfluchte Natur dieses Teufelbeschwörers ; dagegen hatte sich Rautenstrauch das volle Zutrauen des armen Konrad erworben , der sein Pferd an Katharina hatte abtreten müssen und sich als Fußwanderer leicht zu ihm gesellen konnte . Konrad machte ihm eine ungeheure Beschreibung von allen seinen Geschicklichkeiten , wie er kochen , backen , fischen , schießen , alles aus dem Grunde verstehe und seinem Pfarrer häufig bei der Messe gedient habe , so daß sie zusammen einen großen Gottesdienst anstellen könnten . Der Einsiedler sah den rüstigen Kerl an , der schien ihm vortrefflich , er wollte ihn zu allem brauchen , wozu er sich selbst nicht mehr recht tüchtig fühlte , er machte schnell alles richtig und Konrad mußte noch unterwegs von Anton seinen Abschied begehren , der ihm auch ohne Umstände bewilligt wurde . Jetzt näherten sie sich der Einsiedelei , die wie in einer Wolfsgrube erbauet war , man sah sie nur , wenn man dicht davor stand ; damit aber kein Wasser sich an dem Boden sammelte , so hatte der Regen einen Ausfluß nach dem tieferen Tale aus der gemauerten Zisterne an der Seite des Hauses . Konrad gab sich das Ansehen , als wisse er vollkommen schon mit der Einsiedelei Bescheid , er ging mutig darauf los und fiel plötzlich durch Strauchwerk , daß er vor allen Augen wie ein Schatten verschwand . Rautenstrauch sagte ernsthaft : » So wollte ich doch , daß ihm alle Gebeine verdürrten , wenn er mir heiligem alten Manne , mein bißchen Vorrat von Lagerbier zerbricht . « » Nicht so übereilt geflucht « , sagte Anton . RAUTENSTRAUCH : » Herr , warum soll ich nicht fluchen , ich weiß es doch , daß Gott solch einen Lümmel mit Strafen heimsucht , wenn er mich gottseligen Mann in seinem bißchen Armut stört . Vermaledeiter Schlingel , Konradus , Laienbruder , hast du mir mein Lagerbier in den Krügen zerbrochen ? « KONRAD : » Herr , ich koste eben , ob es zerbrochen ist , es scheint mir aber alles noch gut , ich bin jetzt beim dritten Krug . « Kaum hatte der Einsiedler das Wort mit den Ohren gekostet , so sprang er in unwiderstehlicher Wut dem armen Konrad in den Keller nach , da gab ' s ein Schreien , ein Fluchen in der Tiefe , als wäre ein Dutzend Dachshunde eben in einen Dachstau gelassen , und die versammelten lustigen Seelen stimmten ein frohes Jagdlied an : Hatz , hatz , hatz , Ein jeder auf seinem Platz , Ein jeder auf der Lauer , Den fetten Dachs , den Einsiedler , Den treibet jetzt der Bauer , Den treibet jetzt der Bierfiedler In seinem Bau herum : Fluchet ihn lahm und krumm , Prügelt ihn taub und stumm , Haltet das Loch nur zu , Sonst kriegt er Ruh . Nachdem sie beide in ihrer Grube Frieden versprochen hatten , wurden sie herausgelassen , der alte Niklas äußerte aber jetzt seine Bedenklichkeit , wie er bei so wüsten Händeln sein Leben bessern könne , seine Frau brauche nur hinzuzukommen , so wäre der Teufel ganz los . Anton fand diese Bedenklichkeiten gegründet und gab ihm vorläufig die Aufsicht über seinen eignen Teufelsbeschwörer , worauf ihm dieser in aller Heiligkeit die Schwerenot anfluchte . Die Gesellschaft fing schon an , ihren Ritt in diese wüste Waldgegend zu mißbilligen , der Einsiedler kam vor lauter Ärger gar nicht dazu ihnen die Bequemlichkeiten seines Hauses zu zeigen , die sich endlich elend genug fanden . Es war sein Vögelmonat und er hatte durchaus nichts vorzusetzen , als ein Faß mit kleinen und großen Vögeln , die eigentlich schon zu lange seinen totenrichtenden Augen zur Besichtigung vorgelegt waren , er befahl Konrad die Vögel am Spieße zu braten , während er einigen Bauerweibern , die sich in der kleinen Kapelle eingefunden , die Beichte abnehmen mußte . Konrad hatte eben kein Arges dabei , daß er die Vögel nicht rupfte , es war ihm nur zu langweilig , er steckte sie mit den krausen Federn lustig an den Spieß und dachte , es könne sich jeder schon selbst den Gefallen tun , die Federn abzunehmen beim Essen . Mitten in der Beichte kriegte aber Rautenstrauch ein Gelüsten , so einen Vogel , wenn er recht frisch gebraten , zu verzehren , er gebot also den Frauen ein paar Dutzend Paternoster zu beten und ging indessen zu seinem Vögelkameraden , der eben , als er die Butter mit dem schönsten Geknister darüber gegossen , neugierig geworden war , wie die Bauerweiber dort in der Beichte wohl aussehen möchten , denn seit er von seiner Grete fort in den Krieg gezogen , hatte er kein Bauerweib in der Nähe gesehen und die Stadtjungfern waren ihm allzu schnippisch . Der Einsiedler zog sich einen großen Dompfaffen vom Spieß und freute sich recht , wie knusprig er anzufühlen , biß auch mutig hinein , aber die Zähne blieben ihm zwischen den rauhen Federn stecken , die sich wieder aus einander taten . » Daß dir doch alle Zähne ausfallen mögen , Bruder Konradus « , seufzte er vor sich , » daß dir ein Reiher im Hals niste und ein Wiedehopf dazu ! - mich heiligen Mann so in der Andacht zu stören , o das ist jämmerlich , ach daß du doch eine Katze mit Haut und Haar und allen ihren Jungen aus Hunger fressen müßtest , ach Gott , du bist ungerecht gegen deinen treuen Diener ! « Bei diesen Worten ging er in wildem Ekel sich den Konrad aufzusuchen , den er aber in der Kapelle schon unter viel schärferen Klauen fand , als alle seine gebratenen Vögel aufweisen konnten . Eine der beichtenden Frauen war Grete , das Eheweib des armen Konrad , die eben ihr Bekenntnis abgelegt hatte , daß ihr Mann aus Ärger über ihr Hausregiment den Krieg möchte angestiftet haben ; nun kam der unschuldige Kerl , der eine fremde Frau zu necken meinte , indem er den Weihkessel über sie ausschüttete , mit einem Eimer Wassers frisch gefüllt , jetzt in ihre gewaltigen Arme fiel und die Nägelmale sehr bald aufweisen konnte . » Gnädiger Gott « , rief der Einsiedler bei diesem Anblicke , » du bist allwissend , du bist die Hand deiner Getreuen , du schlägst , wem wir fluchen , darnieder , schlage noch recht tüchtig , auf daß dieser ungeratene Diener deines Wortes zum Nachdenken und zur Buße gelange . Nur sechs Nasenstüber und drei Ohrfeigen fluche ich auf dich - da hast du sie - noch drei , noch vier . « Anton , durch Konrads Geschrei herbeigelockt , mußte bei diesem Verfluchen mit einem reuigen Gefühle jenes Fluchs gegen seine Frau gedenken , seit welchem ihm die zärtliche Gestalt so überlästige Besuche machte , doch drängte das Mitleid gegen den armen Geschlagenen , dem die andere Frau Greten zur Gesellschaft diente ; ihre Schwester , die Frau Niklassen , hatte sich nicht minder über den armen Teufel mit Faustschlägen erbarmt . Anton schmiß sie auseinander , das Weib aber so heftig gegen den Beichtstuhl , daß dieser alte baufällige Sessel umfiel und das Ansehen eines zweischläfrigen Ehebettes gewann . Der Einsiedler war dabei nicht müßig im Fluche , er rief alle Engel Gottes , daß sie Anton alles Inwendige auswärts sollten kehren , doch blieb Anton unversehrt , vielmehr setzte er sich auf die alte Bundeslade und ließ sich den Fall ordentlich vortragen . Da fand es sich , daß Frau Grete ihren Mann gerichtlich hatte vorladen lassen , wegen der Gläubiger , die er ihr als Nachlaß vermacht hatte , er war nicht erschienen , sie war von ihm gerichtlich geschieden , der Hof war verkauft und sie hatte ihr weniges Eingebrachte bei sich , um nach Dünkelspiel zu ihrem Bruder , dem Schleifer zu gehen . Nachdem Anton vernommen , daß sie geschieden , da schalt er heftig , was sie sich noch für eheliche Erziehungsrechte gegen ihren Mann anmaße , oder ob sie ihn etwa dadurch bewegen wolle , sich ihr wieder anzutrauen . Frau Grete verschwor sich hoch und teuer , das Schlagen sei nur eine alte Angewohnheit , sie hätte in der ersten Hitze vergessen , daß der nicht mehr ihr Mann sei , Gott sei ihr Zeuge , daß sie ihn nimmermehr wieder verlange . Ein evangelischer Geistlicher aus Pforzheim , der sich auch in der Gesellschaft befand , die Anton begleitete , ein stiller Mann , der bloß um zu heiraten die neue Lehre angenommen hatte , sprach sehr erbaulich zu ihr aus den Worten der Bibel : » Besser heiraten als Brunst leiden . « Er geriet darüber in so augenscheinliche Begeisterung , daß der alte Rautenstrauch heute an der funfzigjährigen Jubelfeier seines Einsiedlerlebens zugleich den neuen Glauben und Grete zur Frau annehmen wollte . Konrad saß ganz bestürzt unter einem Bilde des heiligen Hubertus , von welchem die Geweihe und das Kreuz ihm über den Kopf sahen , Anton sah mitleidig zu ihm , er wußte nicht , was er unter den Umständen raten solle , zwar war er der neuen Lehre nicht mehr wie sonst abgeneigt , aber sie war doch nicht die seine ; dem verruchten Leben des Einsiedlers machte sie freilich ein Ende und das mußte er loben . Der Geistliche , wie es denn überhaupt damals während der Bauernkriege in ganz Schwaben etwas ungleich zuging , examinierte den Einsiedler in größter Kürze über die Hauptlehren des neuen Glaubens und nahm ihn mit einem Handschlage darin auf , Frau Grete sprach dem Einsiedler alles nach und so wurden mit ihr auch weiter keine Umstände gemacht . Jetzt hatten sich allmählich alle versammelt , der Einsiedler stellte sich in die Mitte der kleinen Kapelle und beichtete seinen ganzen sträflichen Lebenslauf ; der sei ihm , von dem vorigen Einsiedler in aller Frömmigkeit auferzogen , so in den funfzig Jahren , die er nach dessen Tode die Einsiedelei verwaltet , zu einer unschuldigen Angewohnheit geworden , mit Rührung sähe er die große Ähnlichkeit und Anhänglichkeit aller Kinder zu ihm , doch habe er keine lieber gehabt , wie Konrads Kinder , die er auch künftig ganz als die seinen anerkennen wolle , er schloß mit einem Fluche , wer da meine , daß er nicht die Wahrheit gesprochen . Alle waren verwundert über seine Rede , nur Niklas konnte sich nicht enthalten , über sein Schicksal zu weinen , das ihn aus der Gewalt eines Teufels in die Gewalt eines viel ärgern übergeben habe ; » seht da meine verhexte Frau « , rief er , » es ist das Weib , Gretens Schwester , die sich hinter dem Beichtstuhle verbirgt , wie kann ich hier meinem Seelenheile leben ? « Die Frau Niklassen kam ganz schmeichelnd hervor und gab zuckersüße Worte , sie sagte ihrem Manne , daß sie mit ihm weiter nichts zu schaffen haben wollte , denn wenn der Rautenstrauch sich vereheliche mit ihrer Schwester , so könne er es auch mit ihr tun . Der evangelische Geistliche entsetzte sich über diese Schlangenbrut und verweigerte seinerseits alle Einsegnung diesem höllischen Bunde , der Einsiedler verlachte ihn und sprach in großer Freude die Trauungsworte über sich und seine beiden Weiber , keiner mochte ihnen Glück wünschen , als aber ein kleiner gelber hinkender Hirte in rotem Mantel erschien , man wußte nicht , zu welcher Türe er eingegangen , und auf seinem Dudelsack ein sehr schrecklich Gerumpel begann , da zogen sich alle aus dieser Teufelsgrube von Einsiedelei zurück . Da kam der Einsiedler mit beiden Frauen auf den geräumigen Platz vor der Kapelle , der Rotmantel spielte in der Kapelle so schnell , so schnell , und sie tanzten so wild , so wild , daß ihnen die Kleider stückweise vom Leibe fielen , dabei fluchten sie auf alle , die den Ehrentanz nicht mit ihnen machen wollten , aber jedermann hütete sich wohl bei dieser teuflischen Musik . Lange sahen ihnen die Reisenden zu , was das werden solle , sie hatten sich schon drei Schuhe tief in die Erde getanzt , waren ganz nackt und zermagert , ein schändlicher Anblick , sie mochten es nicht mehr sehen , wendeten sich weg gegen den Wiesenplan , der im Mondschein schimmerte und wo ein Fest begangen wurde von lauter zarten Gestalten , die schwebten auf Schmetterlingsflügeln , in ewigem Wechsel vor einem Kinde , das da im Grünen ruhete , bald näherten sie den Mund es zu küssen , bald wiegten sie es in den Händen , als ob es schlafend fliege , bald hoben sie es , als regierte es ein ritterlich Roß , bald machte sich eine ganz klein , wie das Kind , kreuzte die Hände auf der Brust , indem sie ein Veilchen im Munde ihm bot ; es gab kein seligeres Kind , keiner mochte es stören , keiner kannte es , bis am Morgen der Wilhelm , Katharinens Schäfer und seine Eltern gelaufen kamen , als aber die Gestalten in Tau zerrannen und das Kind nach ihnen schrie , es mit tausend Tränen begrüßten weil sie es von einem Wolfe fortgetragen glaubten . Das Kind erzählte , wie es so neugierig gewesen , ob im Walde keine Pflaumen wüchsen , und da wäre es hierher gerannt , wo es von lauter schönen Fräulein geliebkost und eingeschläfert sei . Diese zierlichen Bilder , diese rührenden Ereignisse hatten allen die Teufelsgrube fast aus dem Gedächtnisse verschlagen , als sie die Musik wieder leise vernahmen , sie blickten hin und konnten von den drei verteufelten Seelen nicht mehr sehen , als eine Bewegung in der Erde , in die sie sich hinein getanzt hatten , die über ihren Köpfen sich bewegte , als wenn ein Maulwurf eben aus der Erde sich herausgraben will . Als sie die Teufelskinder also in des Teufels Macht selbst vernichtet sahen , da warf Anton die erste Handvoll Erde in die Grube , alles folgte ihm , und in wenigen Stunden war diese Lasterhöhle , die lange Zeit eine Zuflucht der Frommen geschienen , dem Boden gleich gemacht , auf daß der Same des allgemeinen Weltlebens sie bald mit grünem Grase bedecke , auf welchem unschuldige Lämmer weiden . Die stolze Katharina hatte ihrer Mutter Untergang ohne ein Zeichen des Mitleidens zugeschaut ; ihr Wilhelm stand in weiter Entfernung von ihr und schien es wagen zu wollen , mit ihr zu reden , aber , lange von ihren Blicken zurückgehalten , faßte er sich doch endlich ein Herz , nahete sich ihr , indem er den wiedergefundenen Knaben auf seinen Armen trug und sprach : » Auch Eurem Kinde wollt Ihr keinen Abschiedskuß geben , Katharina , denkt doch , daß es Fleisch von Eurem Fleische ist . « » Aber nicht von einem Geschlechte , dummer Bauer « , antwortete sie kalt , » ich habe für den Knaben gesorgt , so viel ihm nötig , mit mir kann er nie sein , denn es fließt ein gemeines Blut in ihm , auch würde es mir nach den Sitten des neuen Standes , dem ich jetzt angehöre , nachteilig sein , wenn man vernähme , daß ich als Jungfrau schon ein Kind gehabt habe , man würde es eine unanständige Herablassung nennen , mich mit einem Bauern abgegeben zu haben , darum geht nach Hause mit dem Balge , gebt ihm gute Lehre , daß er der Mutter eingedenk , wie eine Sonnenblume das Haupt zur Sonne richte . « Anton war hinzugetreten und erkundigte sich , was beide verhandelten , er war nicht wenig verwundert , die stolze Jungfrau schon als Mutter begrüßen zu können , seine Gutmütigkeit sprach aber gleich drein ; den kleinen Wilhelm wollte er den jetzigen Unruhen im Lande , der Hungersnot und der Pest nicht aussetzen , er selbst nahm das Kind auf sein Pferd , es seiner Frau statt des verstorbenen Oswald zu bringen , beschenkte Wilhelm reichlich und munterte ihn auf , da der Kriegssturm jetzt lustig durch die Welt ziehe , der manchen hoch erhöhe , der klein gewesen , er solle sein Glück suchen und für seinen Kaiser werben , wer könne voraus sagen , wie viel oder wie wenig ihm das Glück bestimme . Wilhelm dankte ihm mit Tränen ; weil er nicht oft weinte , so ließ es ihm gut . Niemand machte bei dieser Veranlassung ein verlegneres Gesicht als Güldenkamm , die Stirne schien ihm zu jucken , er wollte von seiner Braut Auskunft , sie aber fragte ihn , was ihn das angehe ; wenn er wegen dieses kleinen Ereignisses ihre Vereinigung aufgeben wolle , so möge er es ihr im Augenblicke sagen , dann dürfe er ihr aber nicht mehr vor Augen kommen . Güldenkamm mochte das unreine Wasser nicht ausschütten , ehe er frisches hatte , mit Susanna war nun doch alles vorbei . Er nahm den weinenden Wilhelm auf die Seite und suchte ihm zu entlocken , wie er es eigentlich angefangen habe , diese stolze und spröde Schöne zu verführen . Wilhelm versicherte , daß er es aus eignem Willen nimmermehr gewagt haben würde ; immer ferne von ihr , doch nur sie beachtend , habe er sich gehalten , da sei aber eines Tages die schöne Katharina von andern Mädchen der Herzenskälte und der Leibesunfruchtbarkeit beschuldigt worden , was bei allen Gebirgshirtinnen der schimpflichste Vorwurf sei , worauf sie verstummt und , zu bewähren , daß Gott ihr nicht den Segen , den er im ersten Buch Moses den Menschen erteilt hat und wodurch sie fähig werden , über die Vögel in der Luft und über die Fische im Wasser zu herrschen , von ihr zurückgenommen habe ; » dazu schenkte sie mir die nächtliche Zeit , wo ich zu ihr in ihre Sennhütte schlich : Gejagt von allen Sonnenstrahlen , Spring ich wie ' s Eichhorn fessellos , Bis ich am Abend von den Qualen Mich flüchte in der Jungfrau Schoß , Sie könnt mit Spinngeweb mich fangen , Doch ließ sie mich am Morgen los . Ich blieb in Augenwimpern hangen , Doch sie die süßen Augen schloß , Öffnet euch wieder Augen der Nacht , Tauet hernieder Schimmernde Pracht , Kürzere Tage , Längere Nacht , Mindert die Plage , Daß ich erwacht . « Güldenkamm hörte ihm mit Wohlbehagen zu , er konnte es endlich mit Katharinen nicht mehr so genau nehmen , außerordentliche Umwälzungen hatten seine Gedanken von der Liebe so oft erfahren , daß er bald mit Stolz auf die andern Menschen herabsah , die nicht wie er gewürdigt worden , ein Ehrengemahl des stolzesten Mädchens zu werden , das ihre eigne Mutter und ihr eignes Kind verschmäht hatte . Statt Katharinen aufzugeben , sprang er vielmehr in großem Eifer zu ihr , als er in ihrer Nähe einen Streit hörte . Sie hatte sich auf einen Schecken des Zunftmeisters gesetzt , der ihr besser gefiel wegen seiner Höhe als der kleinere , aber viel kostbarere Rappe , den ihr Anton gegeben . Der Zunftmeister konnte nun nicht anders widersprechen , als indem er heftig zankte ; nun wollte er ihr recht sanft beweisen , daß es sein Pferd sei , konnte aber nichts anders herausbringen , als Beispiele von Spitzbuben , die ehrlichen Leuten das Ihre genommen , weswegen ihn Katharina sehr stolz anblickte und , ohne sich stören zu lassen , auf seinem Pferde davon ritt . Der Zunftmeister sprach hinter ihr her allerlei in guter Gesellschaft unzünftige Worte , weswegen ihn Güldenkamm eben angreifen wollte , als Anton dazwischen trat und mit einer Hand voll Gold den Tausch mit seinem Rappen zu Stande brachte , so daß sich endlich der Zug fortbewegte . Anton ritt an Susannens Seite , die durch alle diese Erscheinungen verwirrt und erschöpft , wenig gesprochen hatte . » Hör « , sagte Anton , » wenn ich denke , daß ich nun auch ein Kind der Frau wiederbringe , das viel schöner und herrlicher als der kleine Oswald gebildet ist , den sie verloren hat , da läuft es mir kalt übern Kopf vor lauter Vergnügen , sie soll mich kennen , was ich vermag , sie soll nach mir verlangen , aber ich - ich bin durch tausendfachen Fluch von ihr geschieden . « » Den Fluch nehmen Gottes Engel von Eurem Haupte ! « sprach Susanna . » Wenn er nur in meinem Herzen verlöschen wollte « , sprach Anton , » aber er treibt mich unaufhörlich und gibt mir wunderliche Anschläge . Sieh , es koste mir Leben und Ehre , ich kann es nicht lassen , vor meiner Frau in großer Pracht zu erscheinen , um ihr meinen Verlust recht bitter ins Herz zu graben , um ihre Reue zu schärfen , daß sie mich so spöttisch abgewiesen , als ich in elender Not mit ganzer Seele zu ihr flüchtete . « SUSANNA : » Aber denkt doch daran , daß diese ihre verächtlichen Gaben Euch zu so großer Segnung geworden sind , das Schwert und das Säcklein . Vielleicht wußte sie das voraus . « ANTON : » Meinst du das wirklich , kannst du das ernstlich und treulich behaupten ? « SUSANNA : » Nein , - aber der Himmel hat es doch Euch zum Besten gefügt . « ANTON : » Ich bete zu ihm meinen Dank , - konnte er mir nicht die Zunge lähmen , als ich meine Frau verfluchen wollte . « SUSANNA : » Habe ich Euch nicht den Mund geschlossen ? Was hatte es denn damals geholfen ; Ihr hättet sie auch dafür noch in Gedanken verflucht . « ANTON : » Weh mir , ich liebe sie noch und du hast recht . « Sie hätten wohl noch länger gesprochen , aber mit großem Getrappel , ausschlagend nach allen Seiten lief der Scheck , welchen Katharina geritten hatte , vorbei , mit den Vorderfüßen im Zaumzeuge verwickelt , die Reiterin lag am Boden . Der Scheck war bald gefangen , da er wegen des starken Zaumzeuges nicht weit laufen konnte ; schwerer war es aber , die stolze Katharina zu einem Entschlusse zu bringen , sie blieb verächtlich gegen die Pferde und gegen alle Arten des Reisens am Boden liegen ; ihr ganzes Unglück , erklärte sie , sei daher entstanden , daß sie das elende Lederzeug nicht habe so lange in ihren Händen halten mögen . Ihr zu Gefallen mußten sich alle bequemen bis zum Nachtquartier , das sie auf einer Höhe vor Waiblingen einrichten wollten , zu Fuß zu gehen ; sie hatte etwas Bezwingendes in ihrem Wesen und so ging sie mit ihrem Schäferstabe kühnlich voran , während ihr Güldenkamm in großer Bescheidenheit die Wege zeigte . Durch diese Zeichen von Aufmerksamkeit fand sie sich sehr behaglich , daß sie für sich ein hohes Lied sang , während die Sterne über ihr aufgingen : Sterne , die mich krönen , Und der Mond auf meiner Stirn , Strafen alle , die mir höhnen In dem eitlen frechen Hirn : Wer von hohem Stamm entsprossen , Flammt in hohem Weltgeschick , Über alle die Genossen , Die sich heben durch Geschick , Mich erhebt des Himmels Glück . Keine Sterne euch bescheinen , Ordnen eurer Taten Lauf , Denn die Sterne sind die meinen , Meine Ahnherrn stehn darauf , Dort der Ahnen Schwerterblitzen Stärken mich mit Ahnungsblick , Daß ich höher werde sitzen , Daß mir kommt ein hoch Geschick , Mich erhebt des Himmels Glück . Hier unterbrach sie Konrad , warum sie von dem Scheck heruntergefallen sei , wenn sie so vortreffliche Ahnung über ihre Erhebung gehabt habe ? - Statt der Antwort schlug sie ihm so kräftig mit dem Schäferstabe über sein dummes Angesicht , daß er zu Boden fiel . Konrad blutete recht stark , Anton wollte ihr Vorwürfe machen , aber er war es nicht im Stande . Der Konrad sagte ihr aber ungeachtet seiner Schmerzen , sie möge gedenken , wer ihre Mutter , und daß sie doch nur so eine unerlaubte Frucht sei . Ohne ihm anzusehen , doch ohne sich zu erzürnen , sang sie : Kind der Liebe , Kind der Kraft , Kind der höchsten Leidenschaft , Also mag mich jeder nennen , Jeder soll an mir erkennen , Liebe , - Kraft , - Hohe Leidenschaft . Kind des Himmels , Kind der Welt , Bin ich über euch gestellt , Mit dem Himmel zu beraten Daß ich lenke eure Taten , Himmel , - Welt , - Sind in mir gesellt . Sie blieb bei diesem Schlusse stehen und Anton erkannte in den Lichtern , die vor ihnen im Tale leuchteten und bewegten , sein gutes Waiblingen ; es überfiel ihn eine Rührung , was er gewesen , als er ausgegangen , einsam vom Teufel Seger geführt , jetzt durch die Geburt an hohe Geschicke geknüpft , schon durch Taten mächtig und bekannt , reich an Freunden und Geld , mit ihm ein guter Engel und eine wunderbare Schwester , und indem er so im Gedanken einige Schritte vorgetreten war , fühlte er sein Gemüt in einer Erhebung , die ihm sein altes Wesen entfremdete ; da schlug ihn eine Hand auf den Rücken , da grüßte ihn eine bekannte Stimme mit den Worten : » Ha Anton , Lumpenhund , liebster Herzensbube bist du wieder hier ? na was hast du geschossen ? « Es war der Jäger , wo Anton sonst halbe Nächte verspielt hatte , der ihn also