, weil er den Tretter , der ihn hatte fangen wollen , so schön an der Angel hielt . Auf seinen Vorschlag kehrten sie in jedem Wirtshaus unterwegs ein , und er freute sich an dem schönen Eheglück , das ihm der eifervolle Schmuser ausmalte , und auch daran , daß sich dieser Mensch so ganz umsonst plagte . Eine halbe Stunde vor Kollbach und an einem Kreuzwege mußte er Abschied nehmen von ihm , und er tat ihm auch da den Schmerz nicht an , seine wahre Meinung zu sagen , sondern ließ alles im Ungewissen und Aussichtsreichen . » Also , Schormoar , « sagte der Tretter , indem er mit gläsernen Augen seinen Weggenossen anschaute , » also , es bleibt dabei : mir gengan no amal umi auf Weichs . « » Dös hoaßt , bal i ... « » Nix da ! Mir gengan umi , und du packst de Kaltnerin z ' samm , sag i dir ! Herrgottsaggerament ! « » Is scho recht . Und du gehst jetzt hoam und schlafst dein Rausch aus ! « » Wos Rausch ? I hon koan Rausch ! Und dös muaß sei Richtigkeit hamm , daß mir auf Nikolo ... öha ! Jetzt hätt ' s mi bald g ' riss ' n ... also daß du und de Kaltnerin ... vastehst ? Daß de Kaltnerin und du ... gel ? Alta Spezi ! Und ... und ... woaßt , i bi dei Freund , und i moan da ' s guat , laß da sag ' n ... öha ! und auf deina Hozet ... da muaß i no tanz ' n , und grad luschti muaß wer ' n , gel ? Da hau hera ! « Der Tretter spuckte saftig in die Hand und hielt sie zum Treugelöbnis hin , aber der Schormayer war schon weitergegangen und in der Dunkelheit seinen Blicken beinahe entschwunden . Da schrie er ihm mit heiserer Stimme nach : » Schormoar ! Paß auf ! Auf Nikolo gilt ' s scho ! Mir gengan umi ! Herrgottsaggerament ... « Er schlug den Weg nach Pettenbach ein und schlug einen Haken nach rechts , wenn er links zu nahe an den Graben gekommen war . Einmal blieb er noch stehen und horchte , denn es war ihm , als hätte ihm der Freund gerufen ; und indem er die Hände vor den Mund hielt , schrie er in die Nacht hinein : » Wos willst ? Hoscht d ' was g ' sagt ? « Es kam keine Antwort , und der Tretter ging weiter . Der Schormayer hatte nichts mehr von ihm gewollt , aber er hatte laut gelacht und mit sich selber geredet . » Schaugt ' s no grad den b ' suffan ' Spitzbuam o ! Hätt er schmusen mög ' n ! Ha ... ha ... und mit dera Beißzanga ! « Und indem er im Gehen nach dem lärmenden Tretter hinhorchte , schickte er ihm die allerfreundlichste Einladung nach . Sechstes Kapitel Ganz nüchtern war der Schormayer selbst nicht mehr , wie er nun am Waldrande dahinging und mit dem Stecken fröhlich an die Baumstämme schlug . Alles , was er an diesem Tage erlebt hatte , war ihm ein rechtes Gaudium gewesen , und seine Fröhlichkeit war nicht trocken gelegt . Wie das schieche Weibsbild einmal grantig und einmal zutulich gewesen war , und sich gleich gar schon ausrechnete , was sie mit ihren Kindern tun werde ! » Für den Fall , daß ' s eppas wurd ' mit ins zwoa . « Freilich . Her und am Baum nauf ! Das hätte er sich ja so gedacht ! Ein zuwideres Frauenzimmer aus dem Hause hinaus , und noch das grimmigere dafür herein , und schlechte Tage , einen für den anderen , bis zum letzten . Was sie dem Tretter versprochen haben mußte , daß der gar so bärig auf die Heirat wurde ? Und wie schnell sich die verstanden hatten ! Han ? Ein paar Minuten war er draußen geblieben , und da waren sie schon einig . Die Limmerischen auch . Für die hätte wohl auch geschwind was abfallen sollen ; und der Zahler wäre er , der Schormayer , gewesen . Jetzt hockten sie gewiß noch beieinander und rechneten dem schiechen Weibsbild vor , was es für ein Glück machen könne auf dem größten Hof von Kollbach mit gutding hundert Tagwerk Grund , sechs Roß und an die vierzig Stück Vieh . Da könnte die Kaltnerin den Hintern gar stolz drehen , wenn sie als Bäuerin in dem allerschönsten Sach herumginge und alles kommandierte und ihre scharfe Stimme ertönen ließe . Was die sich bloß einbilden ! Braucht gar nix , als nur gerade wollen , und das Weibsbild hockte sich mit seinen fünfzehntausend Mark - oder nein , bloß mit der Hälfte ! - als Schormayerin nach Kollbach hinein . Aber das war hernach lustig gewesen , wie er sie alle miteinander zwei Stunden lang an der Nase herumgeführt hatte , und den ganz gescheiten Tretter erst recht . » Du muaßt it glaab ' n , daß i was davo hab ! Vo mir aus derfst du gnua ledi bleib ' n , und zweg ' n dem bin i um koan Pfenning net ärmer . « Hat sie dir nichts versprochen hinter der Tür , und meinst du , andere Leute sind dümmer wie du ? Du Tröpferl ! - Hopp auf ! Ein vorspringender Ast streifte dem Schormayer den Hut vom Kopfe , und da war er auch schon am Walde vorbei und stand auf der Höhe oberhalb Kollbach . Er strengte die Augen an und schaute nach der Richtung , wo sein Haus lag . Kein Licht schimmerte darin . War die Ursula noch nicht daheim , oder lag sie schon im Bett ? Und wenn sie daheim war und nicht ihn und nicht die Zollbrechtin gefunden hatte , dann mußt sie die Augen aufgerissen haben . Herrgott , sie hätte ihn heute sehen sollen beim Limmer in Weichs , wie sich vier Leute die schönste Mühe mit ihm gaben und ihm wie einem jungen Hochzeiter um den Bart gingen . Bist doch nicht ganz und gar der alte Dadädl und Austragler , der für nichts mehr gut ist auf der Welt ! Muß doch noch was sein an dir , wann die Weibsbilder liebreich werden , daß sie dir gefallen ! Wer weiß , ob der Prückl Kaspar heute drüben in Arnbach der Ursula so schön getan hatte wie ihm die Kaltnerin , der die Augen glanzig wurden vor hoffnungsvoller Erwartung ! Jawohl , du Schneegans , das hättest du dir nicht einfallen lassen , daß der Vater die Zollbrechtin hinauswürfe und auf die Brautschau ginge und beim erstenmal ein Weibsbild an der Angel hätte ! - Die Vorstellung , wie er heute aber schon auch alle Mitmenschen , und seine Tochter am allermeisten , hinters Licht geführt hatte , machte den Schormayer immer noch fröhlicher , und er stolperte seelenvergnügt in seinen Hof . Der Hund schlug an . » Sei staad , Russel ! Kennst d ' mi net ? « Da schloff der Schnauzl in seine Hütte zurück , und der Bauer holte unter einem Steine den Schlüssel heraus und sperrte auf . Er tappte schwer in das Hausflötz und tastete etwas unsicher nach der Stubentüre . Jetzt knarrte oben im Gang ein Brett , und ein Licht blitzte auf . » Hö ! Urschula , bischt as du ? « » Na , i bin ' s. « » Ah , d ' Zenzi ! Bischt du no auf ? « » I bi scho g ' leg ' n , aba i bin aufg ' stanna , wia ' r i di g ' hört ho . « » Is na d ' Urschula no it dahoam ? « » Na . Sie is no it kemma . « Zenzi war bis zur Stiege vorgegangen , und da sah sie der Schormayer im Unterrock und Hemd oben stehen ; sie hielt ein Kerzenlicht , das sie mit der Hand gegen den Zug schützte , und der Schein fiel auf ihr Gesicht und die bloßen Schultern . Irgend etwas trieb den Schormayer dazu , daß er die Stufen hinauf ging und nun auf einmal neben der Dirne stand und sie an der Schulter faßte . » Herrgott , du bischt aba g ' stellt ! « » Jessas , dös wenn d ' Ursula wisset ! « » Was paß denn i auf de auf ? « » Du paßt scho auf ! Host d ' mi ja de ganz Zeit nimma o ' schaug ' n derfa ! « » A was ! Dös is grad a so g ' wen ! « » Laß ' s guat sei ! Hör auf ! « » Teufi no a nei ! Aba du bischt sauber g ' wachs ' n ! « » Hör auf , sag i ! « » Sei g ' scheit , Madl ! « Dem Schormayer ging der Atem schwer , und die heiße Gier stieg ihm zu Kopf , und er kam ins Ringen mit dem üppigen Frauenzimmer . Da losch das Licht aus . » Jessas na ! Jetz is d ' Kirz ' n aa no ausganga ! « » Was braucha denn mir a Liacht ? « » Geh abi in dei Stub ' n ! « » I mag it , und i bleib amal bei dir ! « » Na , dös derfst it ! « » Jo , sag i ! Herrgott , wo bischt denn ? « Die Zenzi war ihm entwischt , und er hörte sie auf dem Gange , und da schnappte eine Türklinke ins Schloß , und ein Riegel wurde vorgeschoben . Der Schormayer tappte im Dunkeln vorwärts . Er stieß mit dem Fuße an seinen Stock , den er hatte fallen lassen , und dann suchte er an der Wand , bis er die Magdkammer fand . Die Türe war verschlossen . » Zenzi , mach auf ! « Er horchte und hielt den Atem an , weil er vor seinem eigenen Schnaufen nichts hörte . Drinnen kicherte es . » Geh , Madl , sei g ' scheit und laß mi eini ! Es reut di g ' wiß it ! « Wieder war es still . » Du , paß auf ! Wann ' s d ' mi eini laßt , is dei Schad ' n net . « Da antwortete die Zenzi endlich . » Na , dös sell derf it sei ! « » Warum it ? Auf wen hamm denn mir aufz ' pass ' n ? « » Was tat ' n denn deine Leut ' sag ' n ? « » Dös is mir wurscht . Jetz ' mach amal auf ! « » Geh abi ! D ' Urschula ko all ' Aug ' nblick kemma ! « » Vo mir aus kimmt s ' , wann s ' mag . Und bals d ' jetzt net aufmachst , tritt i d ' Tür ei ! « » Jessas na ! Gib do an Ruah ! « » Himmisaggerament ! « Der Schormayer rannte wütend gegen die Türe . Da raschelte es in der Kammer , der Riegel wurde leise zurückgeschoben , und der Bauer fiel beinahe über die Schwelle der sich öffnenden Türe . » Du bischt aba wild ! « sagte Zenzi vorwurfsvoll . » Und jetzt gehst abi ! « » Jetz wer i geh ! - Freili ! « Mit festen Griffen hielt er die Dirne . » Loß do aus ! I muaß ja d ' Tür zuasperr ' n ! « Er hielt sie am Arme , indessen sie die Kammer verriegelte , und dann umfaßte er sie und drängte sie vor . » Na , du bischt oana ! Aba na ! Aba na ! « Eine Stunde später rumpelte ein Fuhrwerk in den Hof . Zenzi fuhr auf und stieß den Bauern , der angekleidet neben ihr lag , unsanft an . » D ' Urschula is kemma ! « Der Schormayer brummte unwillig und wachte nicht auf . » Jessas na ! Jetz flackt a do , und de ander muaß scho glei herob ' n sei ! « Sie schrie ihm halblaut ins Ohr : » Du , d ' Urschula is do ! « Er gab keine Antwort und schnarchte weiter . » Dös werd it schlecht ! « seufzte die Magd und horchte hinaus . Indem war aber die Ursula schon ums Haus herumgegangen und zur Küche hereingekommen . Sie machte Licht und schaute nach der Wanduhr . » Elfi vorbei ! « Da hatte sie sich doch ein wenig lang verhalten beim Ratschen mit der Base und dem Prückl Kaspar , der ihr nicht übel gefallen hatte . Und er war auch gar nicht dagegen , die Schormayertochter zu nehmen ; denn so fünfzehntausend Mark auf die Hand kriegte nicht eine jede mit . Ihr Sonstiges an Vorzügen hatte die Base auch redlich herausgestrichen , so daß der Kaspar sie frischweg eingeladen hatte , mit der Base auf Hirtlbach hinüberzufahren und sein Anwesen anzuschauen . Bis man alles gesehen hatte , war es Abend geworden , und hernach zog sich in Arnbach bei der Base wiederum der Diskurs in die Länge , denn es mußte alles beredet werden , bis sie dann endlich der Vetter heimfuhr . » Schon elfi durch ! « Der Vater schlief wohl längst und hörte sie nicht . Ursula schaute sich in der Küche um und bemerkte mit Wohlgefallen , daß die Zollbrechtin sauber aufgeräumt hätte . Es war alles an seinem Platze , wie sie es verlassen hatte . Sie nahm nun das Licht und ging die Stiege hinauf . Was war nun das ? Vor ihrer Türe lag ein Stock ; und wie sie ihn aufhob , sah sie , daß es dem Vater der seinige war . Wie kam jetzt der herauf ? Sogleich war ihr Verdacht geweckt , und sie überlegte , wie sie den Alten zur Rede stellen werde . Da kam ein leises Geräusch aus der Nebenkammer . Leise schlich sie vorwärts und horchte . Es war wie Schnarchen und hörte plötzlich auf . Ursula blieb auf ihrem Posten und drückte das Ohr an die Türe . Und wirklich , es war wieder ein tiefes Schnarchen , das schnell erstickte und in ein Brummen überging . Denn drinnen hielt Zenzi ihre Hand dem Schormayer auf Maul und Nase , und er wehrte sich dagegen . Jetzt klopfte Ursula . » Zenzi ! « - Keine Antwort . » Zenzi , hoscht g ' hört ! « Eine schlaftrunkene Weiberstimme gab an . » Wos is denn ? « » Mach auf ! « » Han ? « » Aufmacha sollst ! « » Zu wos denn ? I schlof ja scho ! « » Dös sell sag i dir nacha , z ' weg ' n was . Jetz mach amal auf , und g ' schwind ! « » Loß mi do schlafa ! Wann mi an ganz ' n Tag arbet , derf mi do aa ' r amal sein Ruah hamm ! « » Stehst d ' it auf ? « » Na ! I mag it ; i möcht schlafa . « » So ? Dös ander werst na morg ' n hör ' n ! « Zenzi gab keine Antwort . Da schrie Ursula zornig . » I woaß , wer bei dir drin is ! « » Wo herin ? Bei mir is durchaus gar neamd ! « » Ja , lüag no ! Du Loas , du abscheilige ! Aba morg ' n schmeiß i di naus , daß d ' draußd lieg ' n bleibst , du schlecht ' s Mensch , du ! « » Mei Ruah laß mi ! Derf mi net amal in da Nacht sei Ruah hamm ? « » De kriagst na morg ' n ! Und der sell soll si schama ! Pfui Deifi ! Pfui Deifi ! « Von ihrem Schreien wachte der Schormayer doch auf . Er rumpelte auf . » Was is denn ? Wo bin i denn ? « » Bscht ! « machte Zenzi und flüsterte ihm ins Ohr : » D ' Urschula is drausd und hot wos g ' spannt . « Aber Ursula war schon in ihre Kammer gegangen , und auf dem Bettrande sitzend fing sie zu heulen an . » Da hört sie do allssammete auf ! A so a Schand ! « Derweilen rieb sich ihr Vater den Schlaf aus den Augen und wollte aufstehen . Zenzi hielt ihn zurück . » Bleib no a wengl do , bis sie schlaft ; net daß s ' di no ' mal hört ! « » I will in mei Bett « , brummte er . » Na ziahg aba d ' Stiefeln aus , wann ' s d ' scho abi gehst ! « Das vertrauliche Getu war ihm so zuwider , daß er darüber nüchtern wurde ; und ein heftiger Zorn stieg in ihm auf , über sich und über das Weibsbild , und am meisten über die Ursula . » Dös Luda hat ihra Nas ' n überall ' n drin , und ' s Mäu kunnt s ' net halt ' n , de ! « fluchte er vor sich hin . » Ja , die übersiecht nix « , sagte Zenzi . Ihre Zustimmung erinnerte ihn , daß er mit der Person da , mit seiner eigenen Magd , Heimlichkeiten hatte , und er wurde erst recht unwirsch . » Laß mi naus ! « befahl er grob . » Aba d ' Stiefln ziahg aus ! « bat sie . » Dös geht di nix o ! I schliaf in mein Haus net umanand wia ' r a Diab . « Er war schon bei der Türe und öffnete sie . » Tua mir a paar Zündhölzeln her ! « Sie gab ihm eine Schachtel und sagte schmeichelnd : » Sagst d ' mir na koa pfüad Good ? « » Guat Nacht jetz , und laß mi geh ' ! « Er strich ein Zündholz an und ging laut durch den Gang und fest über die Stiege , daß jede Stufe knarrte . Eine helle Wut war in ihm . Das sollte die Ursula erst noch sehen , ob er sündhaft und demütig wegschliche ! Er schlug seine Tür zu und zog sich aus und schmiß sich ins Bett . Wenn es eine Dummheit war , dann war es eine Dummheit , und fertig ! Die Ursula hörte ihn gut , und sie mochte es seinen Schritten anmerken , daß er nicht reumütig und sanft gestimmt war . Sie unterdrückte ihren Wunsch , ihm etwas nachzurufen , und hörte vor Staunen auf zu weinen . » Da schaug her ! « brummte sie . » Der schamt si gar it amal ! « Siebentes Kapitel Und wenn der Schormayer noch nie gemerkt hatte , wie dick eines Menschen Kopf sein kann , dann wußte er es an diesem Morgen , der seinem abenteuerreichen Tage folgte . Er legte sich das Erlebnis mit der Creszentia Gneidl zurecht und fragte sich , was nun geschehen müsse . Und eigentlich erschien ihm die Lösung einfach und selbstverständlich . Das Mensch mußte weg vom Hofe . Kein zärtlicher Nachgeschmack zwang ihn , das Mädchen in Gedanken höflicher zu benennen oder um sein ferneres Wohlergehen besorgt zu sein ; und sein tüchtiger Verstand verhielt sich durchaus ablehnend gegen die Vorstellung , daß ihn an der Verfehlung gegen die Reinlichkeit des Hauses auch ein Teil von Schuld treffe . Wieso auch ? Wenn die Zenzi nicht gewollt hätte , wäre ihr nichts geschehen . Und man konnte die Sache anschauen , wie man wollte : jedenfalls ging es nicht , daß er eine Manklerei mit einem Dienstboten hatte , von der seine Kinder wußten , und die auch bald genug in der Gemeinde bekannt würde . Denn seine Tochter könnte schon das Maul nicht halten und müßte ihren Verdruß bei der ersten Gelegenheit einer Nachbarin anvertrauen . So viel weiß zuletzt jeder von den Weibsbildern . Und war die Geschichte einmal aus dem Hause , dann kroch sie durch alle Schlüssellöcher . Wenn dahingegen die Zenzi im Frieden abzog , dann konnte er seiner Ursula kräftig vorstellen , daß über geschehene Dummheiten nicht gut reden sei . » So wer i ' s macha « , sagte der Schormayer und war zufrieden mit sich und dem gehabten Vergnügen . Denn ein teufelsmäßig sauberer Brocken war das Weibsbild , ein ordentliches Trumm und recht nach seinem Gusto . Er schmunzelte und wollte gerade die Füße aus dem warmen Bett stecken , um aufzustehen , als er durch die Wand den Lärm von kreischenden Stimmen und klapperndem Geschirr hörte . » Oha ! San s ' scho überanand , de zwoa ? De Lall ' n hätt ja net wart ' n kinna ! « Er meinte seine Tochter und zog die Füße zurück . Denn mitten ins Gewitter hinein wollte er nicht geraden , und seine kluge Meinung war am Ende besser an die Frauenzimmer zu bringen , wenn sie sich ausgeplärrt hätten . Und dazu hatte es gute Aussicht ; die Töne gingen schneidig in die Höhe und klangen messerscharf in der Fistel . Dann schepperte aber ein irdener Topf , der in tausend Scherben zerschmissen sein mußte , und ein gellender Schrei folgte nach . » Dös werd ja guat ! « sagte der Schormayer , und da lärmte die Ursula schon in die Stube und klopfte mit ungestümer Faust an seine Türe . » Bal ' s d ' net auf da Stell außakimmst , Vata , geh ' n i auf und davo ! « » Was machst d ' denn für an Krach , du Herrgottsaggerament ? « » I bleib nimma in dem Schandhaus herin , und koa Minut ' n bleib ' i mehr ... « » Du gehst in dei Kuch ' l und wartst , bis i kimm ... « - » Aba glei ! « » Dei Mäu halt , sag i ! Und dös Schandhaus zoag i dir na scho , du Moll ' n , du ! « Da er mit der Lederhose im Bett gelegen war , mußte der Schormayer nur in die Pantoffel schliefen und war schnell in der Küche . Hinterm Herde stand unordentlich gekämmt die Ursula ; ihre Stirne war in viele Falten gezogen , und ihre Augen flackerten ; auf dem Boden lagen die Scherben einiger Töpfe , und der blecherne Milchkübel zeigte eine große Dulle , und daneben war reichlich Milch verschüttet . » Was is ? « fragte der Bauer . » Ja , was is ? I tat no frag ' n , wann i du waar ! De Loas , de miserablige , kimmt da ganz frech eina , und wia ' r i ihr sag , daß s ' auf da Stell packa soll , lacht s ' no ganz frech ; und du bischt da it Herr , sagt sie , und dös müass ' n mi erst sehg ' n , was da Baua tuat , hat sie g ' sagt . Und was ? sag i ; sehg ' n willst du was , sag i , dös sell ko ' st d ' sehg ' n , hab i g ' sagt , daß i dir oane nei ' hau , hab i g ' sagt , du Hadern , du Schlampen , du ausg ' schamta , sag i , du ... « » Laß di no net gar a so aus ! « unterbrach sie der Schormayer . » Ja , da soll mi vielleicht noch staad sei , bal mi so was sicht , und der Hadern derfat si gar no aufmanndeln ! Aba i hon ihr ' s zoagt , ob sie frech sei derf . « » Daß du grob bischt , dös woaß mi so « , sagte ihr Vater und schaute die Scherben an . » Mit dera geh i no ganz anderst um bal s ' no amal eina kimmt . « » So ? Bischt du Herr da herin ? « » Dös is mir wurscht . I leid ' s amal it . « » Net ? « » Na ! Und koa Stund bleib i mehr mit dem Schlampen in oan Haus . « » Du , laß da ' s g ' sagt sei : wann ' s d ' mit mir redst , nacha plärrst it a so ! « » Und i schrei amal ! Und vo mir aus hört ' s de ganz Nachbarschaft , und des ganz Dorf derf ' s hör ' n , wia ' s bei ins zuageht ! « » Sei staad , sag i dir ! « » Net bin i staad ; und von so oan , als wia du bischt , laß i mir ' s Mäu gar it biat ' n. « » Wos ? « » Ja von so oan ! Pfui Deifi ! « Schier hätte Ursula , die sich in sinnloser Wut heiser schrie , ausgespuckt ; aber da sah sie noch , wie ihr Vater seine Hand aufzog , und sie hielt schützend einen Arm vors Gesicht und duckte den Kopf nieder . Der Schormayer ließ die Hand sinken . » Siehgst , « sagte er ruhig , » wann di du jetzt net a so braucht hättst , nacha hätt i de Zenzi auszahlt , und si waar furt ganga . Aba jetzt bleibt s ' bis Liachtmeß . « » Dös will i seghn . « » Dös siechst scho , du Malafitzkramp ' n , du ; und grad weils d ' du a so plärrt hoscht , bleibt s ' jetzt ! « » Na kost ja heunt nacht wieda aufischliefa dazua ! « » Muaß i di frag ' n , was i toa derf ? « » Jawoi , weil ' s mi aa was o ' geht , und weil ' s a Schand is für ins all mitanand ! « » Kümmer di du um dei Schand ; und dös mirkst da : was du willst , dös g ' schiecht gar nia ! « » Na geh ' n i ! « » Geh zua ! Hab i di vielleicht bettelt , daß d ' bleibscht ? Schaug mir amal so was o ! Machet dös Viech da herin in aller Fruah scho an Krach , daß ma ' s drei Häuser weit hört , und schmeißet mei G ' schirr umanand , und nacha reißt sie ' s Mäu geg ' n ihr ' n Vata auf ! « » Wann du mit Recht ' n umgehst , sagt koa Mensch was ! « » Allssammete , was i tua , is mei ' Sach ! Herr bin i , vastehst ; und dös gang mir grad no o , daß i in mein Haus an Schpion hamm müaßt ! « » Da hat ' s kan Schpion it braucht ; du bischt scho so auftrappt , daß ma di hör ' n hat müass ' n. « » Vo dem werd it g ' redt ! « » So ? Da derfat mi it red ' n davo ! « » Koa Wort werd it g ' redt vo dem ! Und dös sag i dir : bal i was spann , daß du da was aus ' n Haus außi tragst , na schlag i di amal mit ' n Ochsenfiesel her ! Du bischt ma no lang it z ' groß g ' wachs ' n ! « Indem jetzt der Ursula keine richtige Antwort einfiel , setzte sie sich auf einen Hocker und fing hinter der vorgehaltenen Schürze gottesjämmerlich zu weinen an . » So waar ' s nacha , daß mi ' s Kind von Haus waar und hätt koa Recht umadum , und bal mi dös sagt , was amal wahr is , na tat er gar sag ' n , er schlagt oan ' mit ' n Ochsenfiesel ; und d ' Muatta bal no lebat , de schaugat schö ... « Dem Schormayer war es nicht gar zu wohl , und er ging zur Türe . » Gel , « sagte er , » jetz kost rotz ' n ! Z ' erscht werd alls z ' sammgriss ' n vo lauta Wuat , und nacha werd g ' heant . Wia halt de Weibsbilder san , de damischen ! « Und damit ging er . Aber die Ursula war einmal im Zug und mochte nicht aufhören . » Dös wenn d ' Muatta wissat , wia ' s bei ins zuageht , de hätt ' jetzt ja im Grab aa no koan Ruah , und is grad guat , daß s ' nix woaß und nix siecht vo dem Saustall und vo dera Schand ... « Sie merkte erst jetzt , daß der Vater nicht mehr in der Küche war , und trocknete sich mit der Hand ihr nasses Gesicht ab und schnupfte auf , und dann griff sie nach dem Schürhaken und schaute gleich wieder fuchsteufelswild in die Welt . » An Grind schlog i ihr no ei ' , dera ! « sagte sie . Ja , die Weibsbilder ! Der Schormayer hielt die Hände verschränkt hinterm Rücken und ging in der Stube auf und ab . Noch was Dümmeres gibt ' s nicht wie die Ziefern ! Alles