gezieret . Nimm , was du willst . Doch eilen sollst du , daß du wieder hinausgelangest , sintemalen die Schatzkammer nur über Mitternacht offen ; um ein Uhr tut sie sich zu , unter großem Krachen . Sei auch dessen wohlbedacht , daß beim Kochen der Zaubersuppen kein einzig Wörtlein werde geredet . Sonsten ist sie unmächtig , und der Herr der Berge möchte ergrimmen . Einem Tölpel ist er bei der Abendpurg erschienen als langbärtiger Riese , so auf einer Harfen gespielet hat , daß die Erde bebete , hat alsdann die Harfe wie einen Donnerkeil nach dem Tölpel geworfen . Der ist umgesunken und wäre nicht wieder erwacht , hätte ihn nicht seine Sippe heim geholet , wobei ein grausamer Hagelsturm tobete . Dies habe ich obgemeldeter Handelsmann von Regenspurg von dem Italiener vernommen , habe auch das Mülderlein gefunden , so der Pilgramstab aufweiset , und daselbst Goldkörner die schwere Menge . Doch in die Abendpurg einzudringen , habe ich nicht das Herz gehabt . Zu Schreibers Hau aber wohnet ein Mann , mit Namen Krebs , seines Zeichens ein Laborant , dem ist manch Geheimnis bewußt . Da frage nach , so der Alte oder sein Sohn Christoph noch am Leben . « » Genung ! « unterbrach mich der Oheim ; » laß uns nun zur Abendburg gehen . « Nahm aus meiner Hand das Walenbüchel und verwahrte es im Ranzen , worauf wir aufbrachen und quer durch den Wald immer bergan stiegen , um dann gen Mitternacht abzubiegen und den Kamm des Berges zu verfolgen . Hier ging der Pfad durch hohes Preißelbeergestäud , und ich merkte , daß wir auf dem beschriebenen Wege zur Abendburg waren . Oft mußten wir von Felsblock zu Felsblock hüpfen und Obacht geben , daß nicht der Fuß in einen Spalt gleite . Die Tannen griffen mit ihren unteren Ästen , kahl und hart wie Gerippe , zu mehreren Malen nach unserm Gewande , es zerfetzend . Unheimlich pfiff der Wind durch die Wipfel , und lauschend glaubte ich eines Waldgeistes Geheul zu vernehmen . Vor uns erhuben sich schroffe Felsen , und der Oheim sprach : » Siehe , das ist die Abendburg ! « Ich war etwas enttäuscht , da meine Phantasei mir die Abendburg gewaltiger und mehr einer Burg ähnlich ausgemalt hatte , und nun eine Steinmasse da lag , nicht größer , denn eine Scheuer . Wie ich aber das Düstere , Wüste , Einsame des Ortes empfand und dem wogenden Raunen des Windes lauschte , wandelte mich ein Staunen und Schaudern an . Ich spürete nun wohl , daß hier die Stätte von Abenteuern und Wundern sein könne . Wir kletterten um den Felsen herum und dann auf seinen Scheitel . So schaurig es unten bei der Abendburg war , hier oben lachte die Welt im Sonnenlichte . Trunken schweifte mein Aug über die Täler von Schreiberhau hinüber zum Breiten Berge und weiter links zum Kynast . Am Fuße dieses festen Bergschlosses dehnten sich lichtgrüne Felder , freundliche Haine , friedliche Dörfer . Aus dem Dufte der Ferne grüßten die Kirchtürme meiner guten Stadt Hirschberg . Ganz hinten waren ein paar blaue Maulwurfshügel ; so sahen die Falkenberge aus . Nach rechts mich wendend , sah ich das Reifträgergebirge und die ganze Kette der Riesenberge bis zur Schneekoppe und dem Landeshuter Kamme . Auch gen Sonnenuntergang schauten wir , und dort öffnete sich das waldige Tal des Queißflusses mit den Flinsberger Bauden . Nachdem wir unser Auge gesättigt , stiegen wir wieder vom Felsen . Der Oheim winkte mich zu sich und sprach : » Dies ist die Stätte , wo wir den Zauberkreis machen werden . Nun schau ! Siehest du den weißen Stein ? Das ist die Pforte ! « Er deutete auf ein Stück Flins , das verwachsen mit der schwärzlichen Granitwand , allerdings einer Pforte aus weißem Marmel ähnlich war . Ich starrte hin und sah im Geiste allbereits diese Pforte aufspringen , sahe den wüsten Felsen sich verwandeln in das strahlende Schloß und innerlich funkeln von Gold und bunten Steinen . Der Oheim säuberte die Stätte von Gestrüpp . Auf sein Geheiß sammelte ich derweilen den Vorrat dürren Holzes für das künftige Feuer des Zauberkreises . Nicht ohne Grauen betrachtete ich das weiße Gestein und überlegte , wie es nur geschehen könne , daß dieser harte Felsen von einer bloßen Zaubersuppen eröffnet werde . » Aber Oheim « , sagte ich , » ist dir denn auch bekannt , woraus man die Zaubersuppe bereitet ? « Unsicher schaute mich der Oheim an und hüstelte dumpf . Dann loderte sein Aug , als er entgegnete : » O , das werde ich schon herausbringen ! Ohne Sorge Johannes ! Ich weiß einen Mann hochgelahrt in geheimen Wissenschaften . Ist ein echter Italiener , Herr Doktor Giacomini mit Namen . Wohnet seit Wochen hier zu Schreiberhau in Preislers Glashütte . Hat den Vorwand , er wolle die Kunst der Glasmacherei studieren . Was er aber will , weiß ich besser . Nach Golde schnüffelt er im Gebirg umher . Hat beim roten Flosse etliche Körnlein Markasit ausgewaschen . « » Und du meinest , der Italiener verstehe sich auf die Zaubersuppe ? Wird er denn sein Geheimnis nicht für sich behalten wollen ? « » Närrchen ! « sagte der Oheim . » Ich werde ihm halt proponieren , er solle mir sein Geheimnis enthüllen und dafür das meinige nehmen . Gemeinsam mit ihm werden wir dann den Schatz heben und teilen . « Schweigsam traten wir den Heimweg an . Oft war mir , als webe in den Tiefen des Waldes ein Spuk . Zwischen den mächtigen Tannen stund der Rübenzagel , ein riesenhafter Köhler , dann plötzlich verwandelt in einen knorrigen Baumstumpf mit langem Moosbarte . Wenn ich so in den Wald starrte , ward Wächter unruhig und hub an zu knurren , was dann wiederum mein Zagen steigerte . Zwischen den Steinen und Baumwurzeln wisperte es manchmal , und die Unterirdischen kicherten : » Hihi ! König Salomo ! « Das schlimme Jahr sechzehnhundert achtzehn ging zu Ende , und es war im Novembermond , als ich abermals nach Schreiberhau zum Oheim gereiset war . Bei dem milden Wetter saß ich auf einem Kirschenbaum zwischen kahlen Zweigen , dran rostrot noch etliche Blättlein hingen , und pflückte mir verschrumpfete Kirschen . Da kam auf Oheims Haus zugeschritten ein kleiner , hagerer Mann in schwarzem Mantel , tief in das gelbe verkniffene Gesicht einen breiten Filz gestülpet , unter dem die schwarzen Äuglein wie aus einem Hinterhalte herfürstachen . Unter meinem Baume blieb er stehen und blinzelte nach mir , die Oberlippe mit den dünnen schwarzen Härlein schief in die Höhe gezogen . » Eh ! Der Famulusse ? « - sprach er hastig mit harter Stimme » Ist Er nit Famulusse von Signore Kräutertobiasse ? « Ich verstund die Frage nicht , sprang vom Baume und sagte : » Kommet nur ins Stübel , ich rufe den Oheim . « Führte also den Herrn in die Balkenstube und holte den Oheim aus dem Laboratorio . » Das ist der Giacomini , « raunte der Oheim erwartungsvoll ; » komm mit herein , Johannes ! « Ich ging also mit in die Balkenstube . Mit einer grinsenden Freundlichkeit grüßte Giacomini den Oheim , erkundigte sich dann nach mir und hub unter verlegenem Räuspern an : » Was ik wollte fragen , caro mio - wo iste weiße Stein bei Schreiberhau ? weiß unde glatte wie Marmo ? « » Ihr meinet wohl den Flins ? « gab der Oheim zur Antwort . » Etliche Blöcke davon liegen am Böheimischen Furt . « Der Italiener nahm aus seines Rockes Tasche ein Stück Flins und fragte : » Diese Stein ? Ah bene ! Aber diese Stein soll sein auf Gebirge eingefuget in swarze Granite als eine Porta von Marmo . Wo iste die Orte ? Sag Er mir , caro mio ! « » Dergleichen Orte hat es viele im Gebirg « , antwortete der Oheim ausweichend . » Viele Orte ? « sagte Giacomini lauernd ; » no no , Signore , ik will nit viele Orte , will diese eine Orte - gelegen auf Bergesrucken , wie swarze Burge mit weiße Porta . « Da nickte der Oheim mit spöttischem Lächeln und blickte scharf den Italiener an : » Freilich kenne ich diesen Ort - weise ihn aber Euch mitnichten - denn allda ist verborgen ein Schatz - ja ein Schatz ! « Wie vor einer Natter prallte der Italiener zurück und starrte den Oheim an . Dann verzog er sein Gesicht zu einem Grinsen und suchte zu beschwichtigen : » Eine Schatze ? Ah Possen ! Keine Rede von Schatze ! Possen ! Weiße Stein iste gut für Glasse . Sage mir , Signore , wo iste weiße Stein ? Sage mir Orte , ik bitte . « » Der Herr Doktor täuschet mich nicht . So Er den weißen Stein nur zur Glasbereitung brauchet , ei warum lässet Er sich alsdann nicht genügen an den Flinsblöcken , so in Menge bei Schreiberhau liegen ? Aber der Herr hat selber bekennet , daß Er nur nach der einen Stelle trachtet , wo der weiße Stein gleichwie eine Pforte eingefüget ist in schwarzen Granitfelsen . Die Stelle ist mir wohlbekannt , und dorten lieget ein Schatz - ja ein Schatz ! Den soll aber nicht der Herr heben , sondern ein anderer - ja ein anderer ! So ist und bleibt mein Wille , und darum verrate ich den Ort mitnichten . « Zornig funkelten des Italieners Augen , dann griff er mit zitternder Hand in seine Tasche und warf einen Beutel mit klirrender Münze auf den Tisch : » Prenda denaro ! Hier nimm Gelde ! Weiset mir die Orte ! « » Ich brauche Euer Geld nicht ! « entgegnete der Oheim kalt , » dieweil ich den Goldschatz selber heben werde . « » Ihr ? Ihr ? « kreischte der Italiener und focht mit den Händen vor Oheims Angesichte . » Schatze hebene ? Nix hebene ! « » Mein Famulus hier wird ihn heben , « antwortete der Oheim ; » diesem Knaben ist von einer Prophetin geweissaget , daß er solle einen großen Schatz heben und wie König Salomo werden . Zudem ist er ein Johanniskind . « Mich funkelte nun Giacomini mit seinen schwarzen Augen an und meinte verächtlich : » Ah bah ! Wie soll dumme Ragazzo bringen Schatze in seine Hand ? Was weiß er von Magia ? Eine Propheta weissagete ? Soll er werdene Salomo ? Ah bah , Possen , nix ! Nimm Gelde unde weise den Orte ! prenda denaro , prenda , caro mio ! « Und er suchte dem Oheim seinen Geldbeutel in die Hand zu drücken . Da aber der Oheim im Verschmähen standhaft blieb , lief der Italiener wie ein gefangener Fuchs in der Stube umher , irren Auges und keuchenden Odems . Manchmal blieb er stehen , die Hände ringend , und über sein Angesicht ging ein Zucken . Endlich sank er wie gebrochen in den Lehnstuhl , stöhnete und sprach mit matter Stimme : » So swöre Er , swöre auf sein Evangelio , daß Er wolle weisen mir den Orte , wo Schatze liegen und helfene mir mit Famulusse . Avanti ! Bilden wir eine Societa , zu hebene Schatze , unde ik gebene Euch Beutel mit Golde . « » Einen Beutel mit Golde ? Nein ! Halbpart will ich ! « sagte der Oheim fest . Gehässigen Blickes antwortete der Italiener kleinlaut : » Also gute ! « Hierauf ließ er sich Papier , Feder und Tinte reichen und schrieb den Contractum auf . Alle drei unterzeichneten wir und beschwuren ihn über der aufgeschlagenen Bibel . Den Abend wollte der Oheim mit Giacomini allein sein , und da sagte die alte Beate munter zu mir : » Kumm ock ; wir wollen zu Maiwalds spilla gihn . « Maiwalds wohnten im Nachbarhause , hatten drei mannbare Töchter und sammelten gern Gäste zum Spinnabend . Als wir in die Balkenstube traten , wo der qualmende Kienspan leuchtete , entschuldigte uns Beate mit dem Scherzworte : » Wir mechten amol sahn , ob ' s Weibsvulk keene Schürzaschüttler brauchet . « » Ju , ju ! « rief der Chorus der Jungfern und Burschen fröhlich . » Kumm har , Beate , kumm ock , Johannes ! « Nun setzeten wir uns auf eine Bank , und ich bekam ein Messer , Kienspäne zu schnitzeln . Munter schnurrten die Spulen , und noch eifriger gingen die Mäuler . Männiglich plauderte oder sang , kauete Schnitzäpfel und getrocknete Rüben , sprach auch dem Bierkruge zu . Die Junggesellen trieben mit den Madeln allerlei Kurzweil . Maiwalds Kathrine ward verurteilt , das Kreuz anzubeten . Dies Kreuz aber war Hollmanns Gottlieb , so kerzengrad inmitten der Stube stund , die Arme ausgebreitet . Vor ihm kniete Kathrine nieder und sprach : » Heilig Kreuz , ich bet dich an , Du brauchest eine Frau , ich einen Mann . Bist du gesonnen als wie ich , So kumm herab und küsse mich . « Nun umfing der Gesell kosend das Madel , und die Leute lachten dazu . Plötzlich ward die Stubentür aufgerissen und ein Topf hereingeschleudert , der zerschellend allerlei eingefüllt Gerümpel über den Boden verstreute . Dazu rief eine Madelstimme : » Do breng ich euch an Aschentopp , Seid gebeta , on wascht mern Kopp . « Das gab ein Lärmen , und hurtig sprangen die jungen Gesellen auf , das flüchtende Madel mit Wasser zu begießen . Wie nach solcher Kurzweil die Räder wieder schnurreten , erzählte Maiwalds Pauline von einem seltsamen Knaben ; der sei vorzeiten in die Schreiberhauer Spinnstube gekommen , schön von Angesicht , aber mit richtigen Pferdehufen statt der Füße . » Ju ju , « hieß es ; » der stammet aus dem Breiten Berge , dorten hauset das Volk der Pferdehufer . Es hat aber auch ein seltsam Weibesvulk , das watschelt auf Gansfüßen ... « » Hu ! « schrie ein Weibsbild auf , weil draußen vor dem Fenster ein Totenkopf mit glühenden Augenhöhlen erschien . Bald erkannte man aber , daß es nur ein hohler Kürbis , von einem innern Lichtlein erhellet . Nun kam das Gespräch auf den Berggeist . Ein Bursche berichtete , wie er sich am Hohen Rad als ein Laborant gezeigt habe und plötzlich als ein Truthahn hinweggeflogen sei . Die alte Beate , aus einer Baude beim Mittagstein gebürtig , wollte den Rübenzagel am Großen Teiche gesehen haben . Ein Mönch habe auf einem Felsen gekauert und sich alsdann aufgelöset in quirlenden Nebel . Ja , droben hausete der Herr des Gebirges ! Hatte ja auch vorzeiten die drei hausgroßen Steine , neben den Teichen gelegen , hineinwerfen wollen , mit dem überlaufenden Wasser die Welt zu ersäufen . Während also gefabelt ward , erhub sich draußen ein Brausen und Heulen , und man murmelte : » Der Nachtjäger kummet ! Ju ju , er jagt die Moosweibel , und die Bäume läuten aus ! « Ganz angefüllt mit wunderbaren Mären machte ich mich zu später Stunde mit der alten Beate auf den Heimweg . » Bleibet noch dahie ! « hatten Maiwalds gesagt . » Gleich ist Mitternacht , wir schmelzen Blei . « Doch Beate hatte nicht gemocht . Mit flackernder Laterne suchten wir unsern Pfad , gegen den Wind ankämpfend . In Oheims Laboratorio war noch Licht . Da es eben Mitternacht läutete , blieben wir stehen , und Beate sagte : » Lege dich auf die Erde , Johannes , lausche , was die Unterirdischen erzählen . « Ich legte mich und drückte das Ohr an den Grund , hörte aber nur den Wind brausen und die Glocke läuten . Indessen deuchte mich , als könne ich in dunkle Tiefen sehen . Dorten glomm es bläulich , und ich erkannte den unterirdischen Goldbaum , wie er seine Metalläste durch die Lande reckt . Einer der Äste schlich unter dem Laboratorio dahin , ein anderer wuchs machtvoll durch das Isergebirge zur Abendburg und trug eine Frucht , gestaltet als eine Krone . Am Morgen tat der Oheim mit dem Italiener einen Gang auf das Gebirge . Heimgekehrt rief er mich in die Balkenstube und sprach in freudiger Erregung : » Jetzo haben wir das Mittel , den Schatz zu heben . Giacomini weiß , wie die Zaubersuppe bereitet wird . Pferdeblut muß man mit alraunischem Lauche kochen . Wo der wächst , ist mir wohlbekannt - auf der Iserwiese . In den Kessel gehören alsdann eines Maulwurfes Pfoten . Endlich muß ein unschuldig Mägdelein oder ein reiner Junggesell etliche Tropfen seines Blutes aus freien Stücken hineintun . Der Junggesell bist du , Johannes - nicht wahr , du gibst ein wenig Blut her ? Ist ja nur eine Hautschramme vonnöten . Johannes , mein Johannes ! Wie erhoben und riesenstark ist mein Herz ! Möchte schier glauben , so müsse unserm Herrgott zu Mute gewesen sein , da er beschlossen hatte , die Welt zu erschaffen .. « Und der Oheim reckte die Arme und lief umher . Andern Tages begab er sich hinunter ins Hirschberger Tal , das für den Zauber benötigte Pferdeblut zu holen . Da der Abend dunkelte , und die alte Beate in der Balkenstube den Kienspan angezündet hatte , war der Oheim noch immer nicht da - was den Doktor Giacomini , der bei mir saß , unruhig machte , also daß er auf einmal emporsprang und ratlos die Hände erhub : » Wo bleibet Kräuter-Tobiasse ? Weg iste swarze - scheinet nit Luna , nit Stella . « Ich schwieg , mir war nicht heimelig zu Sinne . Unrastig aber wandelte Giacomini durch die Stube , mit seinen geräuschlosen Bewegungen und dem schwarzen Habit ähnlich einer huschenden Fledermaus . Plötzlich blieb er stehen und sahe mich stechenden Blickes an : » Johanniskind , sage mir , was tun Er mit Golde , wenn wir hebene den Schatze ? Möchte wissene , was Er tun - he ? « Ich stutzte und entgegnete nach etlichem Zaudern : » Alsdann werden meine Eltern nicht mehr arm sein . Und der Oheim sagt , alsdann solle ich Studente werden in Prag und ein gelahrter Mann und ... « » Unde - unde - pah ! Possen ! « spottete der Giacomini . » Was brauchen Er Golde für Studente werdene ! « Ich entgegnete : » Aber es ist doch besser , wenn ich kein armer Studente bin ... « » Ah - si si ! Studente à la mode ! studieret nix , stolzieret in Sammete und Seidene , hat Losament in Palazzo , unde bei Pokulieren Moneta rollen wie Wasserfall , addio ! No no , Famulusse ! Er tun nit klug mit Golde , Er werden keine Salomo - denn wie spricht Salomo ? Vanitas vanitatum vanitas ! Eine Schatz darf nit sein , was fortlaufet - eine Schatz soll bleibene getreu bei Salomo - eine Schatz soll nit werdene geringer ! War ein Haufen unde wird eine Berg - ah ! « Scheu starrete ich den Italiener an , der lodernden Auges mit Händen , die vor Gier bebeten , seinen Goldberg zu betasten schien . Wenn doch nur endlich der Oheim käme ! Es war bereits Nacht , und ein Sturm hatte sich erhoben , der am Dach rüttelte . Da ging die Haustür , ich vernahm des Oheims schleppenden Schritt , und nun trat er ein . Nach Odem ringend , bot er guten Abend , stellete den mitgebrachten Krug in die Ecke und warf sich ächzend in den Lehnstuhl : » Ah ! In Petersdorf bekam ich das Pferdeblut nicht - bis Warmbrunn hab ich müssen laufen , ah ! - « Als er sich verschnaufet hatte , machten wir uns zum Aufbruch fertig . Der Oheim nahm auf den Rücken die Hucke , in der sich der Krug mit dem Pferdeblut und eine Axt befand . Seine Linke hielt eine brennende Laterne , die Rechte den Spieß . Giacomini war bewehret mit einem Reiterpistol und einem Degen . Ich trug ebenfalls Hucke und Spieß , außerdem eine brennende Laterne . Voran ging der Oheim , dann kam ich , zuletzt Giacomini . Das am Himmel jagende Gewölk bildete zuweilen eine Lücke , und dann flog die Mondsichel hindurch , in gewissem Abstande verfolgt von einem Funkelstern ; es sah aus , als eile durch Waldesgebüsch ein Jäger nebst seinem Hündlein . Wie rauher Jagdruf und Hundegebell klang es im Sturme , und die Fichten wankten wie läutende Glocken . Stumm schritten wir fürbaß , hätten einander auch schwerlich verstehen können in dem Gebrause . Als wir bei einer Felsengruppe des Schwarzen Berges aus dem Walde traten , fiel uns der heulende Sturm mit so hartem Stoße an , daß ich mit meiner Hucke ins Beerengestäude taumelte , wobei mir die Laterne erlosch . Giacomini rief den Oheim , der half mir auf und zündete aufs neue meine Laterne an . Es ging nun wiederum durch Wald . Höchst mühselig gestaltete sich der Weg in der Nähe der Abendburg . Tastend klommen wir über moosige Blöcke , zuweilen glitt der Fuß in eine Felsenspalte . Die Fichtenäste , hart wie Knochen , faßten unsere Kleider . Oft hörten wir Bäume im Sturme brechen , und ein starker Ast schlug neben uns wuchtig zu Boden . Doch freier von Wolken ward der Himmel und verbreitete mit Mondsichel und Gestirnen einen dämmerhaften Schimmer . Nun sahen wir dicht vor uns düster die Abendburg ragen . Der Oheim zündete sogleich den hergerichteten Holzstoß an , und die prasselnde Flamme belichtete rot die Felsenwand , während des Oheims Schatten wie ein schwarzer Riese verzerrete Gebärden machte . Mir ward des Feuers Obhut anvertrauet , und mit Eifer warf ich von Zeit zu Zeit neues Holz hinein . Inzwischen zogen Giacomini und der Oheim um uns her den Zauberkreis , wobei sie einen Stab mit übergestreiftem Siegelringe anwendeten . Nachdem dies Werk vollführet war , setzten wir uns ums Feuer . Der Oheim holte Brot aus der Tasche und gab uns zu essen , wir tranken auch etliche Schlucke Wein aus einer Flasche . » Merke , Johannes , « - sprach der Oheim - » wenn wir die Zaubersuppe zu kochen beginnen , darf fürder kein Wörtlein gesprochen werden , und du mußt schweigend deine Blutstropfen hergeben . Wenn alsdann die Abendburg sich auftut , dringen alsobald wir beide hinein , der Doktor will draußenbleiben . « » Muß Zaubersuppene rührene , sonstene gehet Porta zu , « entschuldigte sich der Italiener . » Sind wir in der Abendburg , « - fuhr der Oheim fort - » so füllen wir geschwind unsere Hucken mit Gold und Edelgestein , eilen dann ohne Säumen hinaus . « Unter solchen Verabredungen verrann die Zeit , der Doktor verkündete , es sei die eilfte Stunde und an der Zeit , die Zaubersuppe zu kochen . Wir winkten einander zu und legten den Finger auf den Mund , zum Zeichen , daß jetzo beginnen solle das strenge Schweigen . Nun ward das Pferdeblut im Kessel auf das Feuer gesetzet , und der Oheim tat Alraunknoblauch nebst den Pfoten eines Maulwurfes hinein . Der Italiener gab den Liquor einer Phiole hinzu , dessen Bereitung sein Geheimnis war . Ich entblößete meinen Arm , nahm das Messer , so mir vom Oheim schweigend dargereichet ward , und tat die Spitze an meine Haut . Einen Augenblick zauderte ich mit Bangen . Dann zuckte Entschlossenheit in mir , und ich drückte die Messerspitze tiefer in den Arm , als vonnöten . Das herfürquellende Blut ließ ich in den Kessel rinnen . Die Wunde verband mir der Oheim . Allgemach begunnte nun die Suppe zu kochen , und mit einem Holzlöffel rührte der Oheim , während Giacomini manchmal scheu ringsum spähete und sich duckte , sobald die Fichten wanketen und knacketen . Das Feuer glühte , daß mir Angesicht und Hände heiß wurden , der Oheim rührete und rührete , eine Sturmwoge nach der andern wandelte heulend über die Wipfel hin , und ich starrete auf die weiße Pforte der Abendburg , die nun bald aufgehen sollte . Ein schaurig süß Gefühl wandelte mich an , ein heimlich Hoffen und Bangen , ähnlich wie vor einer Weihnachtsbescherung . Heut war ja der erste Advent , und von Haus zu Haus ging das Christkindel . Aus dem Sausen der Wipfel klang mir das fromme Lied , so jetzo drunten in den Hütten erscholl : » Vom Himmel hoch da komm ich her , Ich bring euch gute neue Mär , Der guten Mär bring ich so viel , Davon ich singen und sagen will . « Und zur Tür herein trat das Christkindel , licht und holdselig wie ein Engel , mit einem Tüchel voller Gaben , und sagte seinen Spruch : » Ein schön guten Abend geb euch Gott ! Ich komm herein ohn allen Spott , Befrag die kleinen Kindelein , Ob sie auch fromm gewesen sein . Und wenn sie fromm gewesen sein , Hat ' s draußen einen Wagen stahn , Der ist geschmückt mit schönen Gaben Für Mädelein und junge Knaben . Ei Ruprecht , komm herein ! « Da gab es ein Gepolter , und herein tappete Knecht Ruprecht , angetan mit Pelz , rauher Mütze und Fausthandschuhen . Sein Huckepack rasselte , und in der Rechten schwenkte er einen Besen . Er kicherte und gröhlte : » Plietsch plaatsch Fladerwisch ! Draußa is mers gor zu frisch . War mich ei die Stube packa , War a Kindern vertreiba ' s Lacha . Bin vom Himmel gefolla , Hab mir an Huckepack zerknolla . Ich wünsch euch a langes Leba , Hundertfufzig Ella lang , Hicher als die Wulka schweba , Länger wie a Glockastrang . Ich wünsch euch a Sack vull Dukota Und a tichtiga Schweinebrota . Un wenn noch was zu trinka wär , Su wär schon alles nach Begehr . Draußa is mers gor zu frisch ... Plietsch plaatsch Fladerwisch ... « Hier reckte Knecht Ruprecht auf einmal seine Gestalt , daß sie wie ein schwarzer Riese in den Nachthimmel ragete . Ich sahe , wie er zum Hiebe mit der mächtigen Rute ausholte , und ein Krachen und Prasseln geschah , als ob ein Donnerwetter einschlüge , davon die ganze Welt zusammenstürzte . Ich wähnte zuerst , die Abendburg tue sich auf , und vor meinem Auge gleißete bereits der lichte Eingang . Dann aber kam mir der Gedanke , dies Prasseln komme von stürzenden Bäumen . Gleichzeitig sausete ein Fichtenwipfel auf uns hernieder , in das aufstiebende Feuer und in die Zaubersuppe hinein . Eine Funkengarbe sprühete , es zischte und qualmete . Krachend fuhr ein Feuerstrahl aus Giacominis Pistol . Donnernd rollete der Widerhall drüben den Kamm entlang , und an diesem starken und langen Dröhnen war zu erkennen , wie gewaltig der Baumsturz gewesen . Der Oheim griff nach mir und betastete meinen Kopf , den ich wimmernd in Händen hielt , weil ihn der Baumwipfel gestreifet hatte . Nun schaute ich mich um und sahe , wie eine Fichte , vom Sturme mitsamt der Wurzel ausgerissen , über uns hergestürzt war , und wie eine Menge Bäume in gleicher Weise vom Sturme gefället waren , also daß die Stelle der dunkeln Waldeskrone auf einmal der Sternenhimmel einnahm . » Es ist aus ! « sagte der Oheim ; » die Zaubersuppe ist verschüttet , und wir haben das Schweigen gebrochen . Fort ! Hier ist es ungeheuer . Auf , Herr Doktor Giacomini ! « Der kauerte hinter dem Oheim und klapperte mit den Zähnen . Wir raffeten uns auf , ließen die Werkzeuge liegen , mit Ausnahme der Waffen und der Laterne , und krochen mit vieler Mühe zwischen den Zweigen der quergelegenen Fichten hindurch , bis wir endlich freien Pfad hatten . Ich fühlete , wie mir Hände und Knie zitterten . Mir war , als lache heiser der Riese hinter uns her . Giacomini hielt sich dicht zum Oheim und schwieg . Als wir aber den gefährlichen Wald hinter uns hatten und auf gutem Wege waren , platzte der Italiener los : » Diavolo ! Ihr habete Schulde ! Eure Famulusse tauget nix zu Magia ! Wird keine Salomo ! « » Schweiget ! « herrschte ihn der Oheim an . » Eure Zaubersuppe hat nichts getauget ! Lasset den Knaben aus dem Spiel ! « » Doch ! Eure Famulusse tauget nix - ist keine Junggeselle - keine Johanniskind . « » Halt er das Maul ! « brüllte der Oheim . Auch mich packte Entrüstung über den Italiener . » Ihr leuget , « - rief ich - » ich habe keine Schuld - bin anoch ein Junggesell - ja , das bin ich ! « Dann kamen mir die Tränen . Bestürzt überlegte ich , ob ich vielleicht doch eine Schuld habe . Bedachte , wie mich des Schreiners Magd einmal küssen gewollt . Ich aber stieß sie von mir , mochte die Weibsbilder nicht ... Ja , ich war anoch ein Junggesell , und geboren am Johannistag ! Während des Zwistes stund auf einmal Giacomini still und starrte ins Weite . Seinem Blicke folgend , sahe ich ein furchtbar Phänomenon . Am wolkenlosen Himmel schwebete es , ungeheuer über dunkeln Bergen : eine blutige Rute , ein glühender Krummsäbel , an den Nachthimmel angenagelt . » Ecco Cometa ! « staunete Giacomini . Mit Grauen starreten wir schweigend nach dem unheimlichen Gast des himmlischen Gezeltes . Dann meinte der Oheim : » Oh , nun verstehe ich , warum der Zauber mißlang . Unter solchem Schweifsterne ist kein Glück ,