gibt es garnicht . Wirklich ! Wir kennen nur Augenblicksgenüsse . Darum darf man sich nicht darauf beschränken , bloß große noch erhabene Gefühle zu suchen und zu pflegen - die kann man doch nicht immer haben . Man muß auch an allem , was klein ist , sich ergötzen . Sonst wird man sehr oft unbefriedigt und unglücklich sein . Da drüben die blanken Messingkessel und die bunten irdenen Tiegel - die sind mir auch allmählich lieb und wert geworden . Ich suche an jeder Kleinigkeit etwas zu finden . Deshalb esse ich auch so bedächtig - mit Verstand , wie Du zu sagen pflegst . Man muß sich an den Augenblicksgenüssen festklammern , als wären sie alles , was wir jemals erreichen könnten . Die großen erhabenen Stimmungen sind eigentlich auch nur für den Augenblick da . Ja - immer kann man sich nicht für große Dinge und für große Empfindungen - für das stark und heftig Erregende - begeistern - oder man lügt sich was vor - oder das Große ist nicht mehr groß . « » Ich möchte noch viel öfter « , bemerkt zaghaft die kleine Tarub , » mit Dir zusammen sein . Du mußt mir noch Vieles erklären . Ich verstehe Dich zuweilen nicht so rasch . Willst Du noch Wein , Safur ? « » Gutes Kind ! « entgegnet er freundlich , » ach ja ! ein wenig ! « Safur sitzt da in seinem braun und blau gestreiften Beduinengewande - wie ein hockendes Zebra . Er stützt den Kopf in die Hand . Das feine schmale Gesicht mit dem ganz schmalen feinen Nasenrücken sieht nachdenklich auf die schimmernde große Muschel , in der noch wie eine große grüne Perle eine Olive ruht . Aus Saids Garten weht ein starker Blumenduft in die Küche . Vom Feuer her riecht man jetzt das kochende Fleisch - ganz schön ist das . Im rußigen Schornstein hängen geräucherte Lammrippen . Der rote Ziegelboden ist sauber gescheuert . Neben dem Herde steht noch der schmutzige Scheuereimer . Und die Tarub in ihrem grünen Wollrock wirtschaftet in ihrer Küche so eifrig herum , daß Safur ganz erstaunt ist - der versteht niemals , wie man das Wirtschaften so wichtig nehmen kann . Wieder bringt sie Wein - aber sie hat ihn diesmal gewürzt mit alten getrockneten Kräutern , die sie aus alten Büchsen und Dosen hervorkramte . Der Wein duftet nun noch schöner als das Fleisch im Kochtopf - fast schöner als Saids Blumen . Safur und Tarub trinken . Der Wein macht den Dichter ganz tiefsinnig . » Der Mensch « , flüstert er - so als wenn er allein wäre , » kann nicht in einem fort lachen , kann auch nicht fortwährend weinen , kann nicht immer traurig sein und auch nicht ewig sich selig fühlen . Dieses glaube ich . Daher muß man die einzelnen Augenblicke des Lebens gesondert genießen und vor allem nicht immer geneigt sein , jeden Augenblick zu verlängern . Jede Lust währt ihre Zeit - wenn sie vorbei ist - dann ist sie vorbei . Daran muß man sich gewöhnen . An jedem Tage - in jeder Stunde sieht unser Wohlbehagen und unsre Erregung ganz anders aus . Oft ist uns auch die Unruhe und das Unbehagen nötig . Die schmerzlichen Empfindungen sind auch von manchen Genüssen garnicht zu trennen ... « Das alles ist nun nichts für die Tarub - die will ihn daher auf andre Gedanken bringen , er soll nicht soviel denken - sie erzählt ihm : » Du , Dichter ! Hör bloß ! Die Abla steht jetzt den ganzen Tag vor ihrem neuen Spiegel . Schrecklich ! Nicht ? « » Das verleidet ihr « , entgegnet der Dichter , » den Genuß . An einer und derselben Sache kann man nicht stets das nämliche Wohlgefallen empfinden . Der Genuß läßt sich nicht wie ein Gummiband verlängern . Wir müssen immer wieder neue Reize suchen - sonst stumpfen wir ab . Selbst gebratenen Windfisch kann man nicht alle Tage essen . « Der Dichter , der sich jetzt sehr weise vorkommt , erhebt sich , bewundert die Sauberkeit der Küche , vergleicht Tarubs Küche mit einigen andren , sehr schmutzigen Küchen und schaut dann nachdenklich in eine tiefe Holzwanne , in der sich ein paar dicke Aale wild herumtummeln ; sie winden sich durcheinander und hauen sich mit den Schwanzspitzen ... Tarub rührt Teig - aus dem dunkle Kronenklöße gemacht werden sollen - hurtig zurecht . Alles geht sehr flink ... Und beim Teigrühren erzählt die Tarub , daß sie des Morgens jene schöne gelbe Schüssel , aus der Safur zum ersten Male in ihrer Küche gegessen - und zwar junge Hühner in altmekkanischer Brühe - fallen gelassen habe und daß die schöne gelbe Schüssel zerschlagen sei . Diese Nachricht stimmt den Dichter sehr sehr traurig , er umarmt seinen Bären und wird ganz gerührt . Und die Tarub beginnt nun , in alten Erinnerungen zu kramen ; das Kramen mag sie für ihr Leben gern . » Safur « , hebt sie an , » weißt Du auch , daß Du mir damals noch die schöne Zuckerbüchse mit Deinem alten Säbelknauf verbeultest ? « » Ich weiß « , sagt der Dichter . Er berührt gleichzeitig mit den Fingerspitzen ein paar dicke blutige Rindskeulen , die an kräftigen Eisenhaken vor der weißen Kalkwand hängen . » Oh ! « fährt aber der Bär fort , » weißt Du auch noch , wie Du da drüben an der Wand auf den weißen Mehlsäcken saßest , mit den Füßen strampeltest und mir Dein erstes Gedicht an Deine Tarub vorlasest ? Weißt Du noch ? Mir waren gerade die Speckstücke ins Feuer gefallen . « » Ich weiß « , ruft lachend der Dichter . Er schiebt einen leeren Weinschlauch mit dem rechten Fuße an die Wand , nimmt das Beil vom Nagel und hackt seiner braunen Köchin ein bißchen Holz klein . Das Kochgeschirr aus blankem Messing , das neben dem Herde hängt , blitzt und funkelt . Die grün und blau gesprenkelten Honiggläser glitzern hinter dem Pumpenschwengel . Die große Stahlschaufel lehnt am Türpfosten . Die blau und rot gestickten Leinentücher baumeln - etwas schmutzig sind sie - über dem Kehrichteimer . In den Eiseimern taut das Eis . Es ist so schrecklich ruhig in der großen Küche des reichen Said . Eier quirlen soll der Dichter schließlich . Er tut es und denkt daran , wie er die kleine Öllampe mit dem langen Docht an der Schnauze zum ersten Mal in einer dunklen Nacht hier in der Küche brennen sah - er half da der Tarub noch die vielen Löffel putzen . Als er mit dem Quirlen fertig ist , will er die kleine Öllampe , die zwischen kleinen lila gefärbten Näpfchen steht , anstecken . Aber da kommt er schön an . » Bist Du verrückt ? « schreit die Tarub , » jetzt am hellen Tage willst Du die Lamp anstecken ? Du fängst ja wieder gut an . Solche Dummheiten kann ich nicht leiden . « » Sei doch nicht gleich so ! « spricht milde der Dichter , dem die rauhen Worte wie Faustschläge vorkamen , » diese Heftigkeit ist mir schrecklich - mir wird gleich ganz heiß , wenn Du in so roher grober Weise redest . « Doch die Tarub geht an den hölzernen Pumpenschwengel und pumpt , daß das Wasser überschäumt und den blank gescheuerten Ziegelboden naß macht ... sie lacht darüber aus vollem Halse ; ihr Lachen schallt in den Garten hinaus . » Da hättest Du bald das Wasser in die Milch gespritzt - die großen Milchschalen könnten auch mal bedeckt werden . « Also der Dichter . Doch seine dralle Köchin sagt rauh : » Wasch Dir doch die Hände ! « » Nein - sei nicht so rücksichtslos ! « sagt er . Doch gleich darauf wäscht er sich wirklich die Hände ; sie waren ja tatsächlich sehr sauber nicht . Wie die Hände sauber sind , ist Safur wieder ruhiger - er lächelt sogar , lächelt über seinen protten Bären , der ihn immer wieder verletzt - immer wieder . Die Erinnerungen an alte Zeiten machen den Dichter wieder friedlich - er freut sich über die vielen Kiepen mit Pfirsichen , Birnen , Gurken , Waldbeeren und Kirschen . Am Fenster in einer Ecke liegen auch ein paar Dutzend Tauben - in einer Reihe - ihre toten Köpfchen hängen trübselig auf der Seite . Tarub geht hinaus , sie muß nach der eitlen Abla sehen , ob die auch mit ihrer Zuckerbäckerei fertig wird - Saids Abendessen soll fürstlich werden . » Sollst doch nicht so die Stirn krausen ! « ruft sie noch , als sie schon beinahe draußen ist , ihrem Dichter freundlich zu . Der Safur nickt und befühlt mit seinen reinen Händen die fein getriebene Arbeit des großen kupfernen Eiskübels , in dem künstlich Eis erzeugt wird . Er denkt - spricht dabei zuweilen ganz laut : » Wie seltsam alle diese Küchengeräte auf mich einwirken . Ich erinnere mich heute fast an meine halbe Vergangenheit . Als Tarub Kopfschmerzen hatte und ich ihr Eisumschläge machte , da war sie so dankbar - so weich und zärtlich . Dieses Aufbrausen berührt mich so entsetzlich roh . - - - Aber die Erinnerung verschärft doch die Genüsse . Wenn ich aus einem alten , mir vertrauten Kochtopf esse - so empfinde ich die früher genossenen Speisen noch einmal auf der Zunge - nur so halb - aber sie würzen doch das neue Gericht . Mit solcher Wiederholung eines Genusses kann man wohl eine sehr verfeinerte , verschärfte Empfindung erzielen ... Wenn man nur alle Arten der Genußverschärfung genauer kennen würde ! ... Verschärfen läßt sich ein Genuß , aber nicht verlängern - das ist wichtig ... Zum Beispiel : eine Liebesstimmung soll man auch nicht länger machen wollen - als sie ist - sie ist auch kein Gummiband ... Jedenfalls ist mir nun das Eine klar : man muß in jedem Augenblick einen neuen Genuß oder einen verschärften Genuß zu empfinden trachten - man darf nicht kleben bleiben an der einzelnen Lustempfindung . Der verschärfte Genuß ist nur eine besondre Art von den neuen Genüssen ... die Erinnerung spielt hier die Rolle eines feinen Gewürzes . - - - Und dann darf man nie vergessen , daß man einen andauernden Glückszustand nicht in sich erzeugen kann . Man muß immer im Auge behalten , daß der einzelne Genuß nicht allzu lange genießbar ist - man darf sich daher nicht bloß einer besondren Gattung von Genüssen zuwenden - man muß alle - alle - alle Genüsse durchkosten wollen - immer wieder andre - immer wieder neue feine vergeistigte Gefühle - aus dem trockenen Brot muß man ebensoviel Genußerreger rausziehen können - wie aus der rasendsten tollsten glühendsten Liebesleidenschaft . Das höchste Lebensglück besteht in dem Leben , das da aufweisen kann : die größte Zahl von glücklichen Augenblicken - die man nicht verlängern soll - die man auch nicht verlängern kann - die man nur zuweilen durch Erinnerungen und lustige Verse verschärfen darf . Verlieben darf man sich nicht in die einzelnen Genüsse - kleben bleiben darf man nicht an den einzelnen Augenblicken . Man muß ohne Schmerz weiterspringen - wenn die eine Wiese ein bißchen abgegrast ist . Nur nicht traurig werden ! Mit geballten Fäusten oder anders will ich unermüdlich danach streben , die größte Zahl fein verzückter Augenblicke zu durchkosten . Ich will der glücklichste Mensch sein . Nichts soll mir zu klein und nichts zu groß sein . Genießen will ich - genießen ! « Ein durchdringender Blütenwind strömt aus dem Garten kühl in die Küche . Safur fröstelt . Er dreht sich um . Die Küchentür steht splarweit offen . Und Tarub , Bagdads berühmte Köchin , kniet dort auf der Schwelle - faltet die Hände - tut so , als ob sie ihren Dichter anbetet ... Fünftes Kapitel Piepsend schießen Schwalben vorüber - vorüber an dem reichen Said ibn Selm , der unter seinem kostbaren Zeltdache steht und eine lange Küchenrechnung liest . Und er murmelt in seinen rechteckigen Bart : » Die Gewürze werden zu teuer - viel zu teuer ; die Tarub verbraucht zu viel - viel zuviel . Alles viel zu teuer - viel zuviel ! « Saids ältester Sklave , der Hausmeister , wagt es , mit dem Kopfe zu schütteln . Said fragt erstaunt : » Oh , mein Hausmeister , warum schüttelst Du mit dem Kopf ? « » Oh , Herr ! « antwortet der alte Sklave treuherzig , » die Tarub ist die sparsamste Köchin , die ich jemals sah . « » Das glaubst Du selbst nicht ! « ruft zornig der Herr des Hauses - er wendet sich und geht ab . Der Hausmeister steht einen Augenblick allein und denkt nach . Dann klatscht er in die Hände , und es erscheinen hübsche junge Knaben mit Räuchergefäßen und kupfernen Waschbecken , mit prachtvollen Teppichen und großen gurkenförmigen Papierampeln , die ganz dunkelrot sind . Unter dem kostbaren Zeltdache , das schräg von der Hauswand in den Garten hinuntergeht - wie ein schlaffes Segeltuch - auf Saids berühmter Estrade - soll gleich das üppige Abendessen eingenommen werden , zu dem Battany und seine Freunde feierlich geladen wurden . Die viereckige sehr geräumige Estrade ist vorn offen und führt da in den Garten - rechts , links und hinten wird sie durch Teppiche abgeschlossen , die man zurückziehen oder leicht an die Seite schlagen kann , wenn Jemand durch will ... Die Knaben hängen flink vorn am Zelttuch die Ampeln auf , stellen die Räucher- und Waschgeräte in die Ecken , breiten die Teppiche , die sie mitbrachten , auf den Boden und verschwinden dann wieder - fast geräuschlos . Der Hausmeister ist abermals allein . Der Springbrunnen im Garten plätschert sehr laut und sehr lustig . Es wird allmählich dunkler . Und wies nun so dämmerig ist , schiebt sich vorsichtig rechts durch die Teppiche ein reizendes weißes Gesicht durch - mit feuerroten Haaren , in denen weiße Rosen stecken - das ist die eitle Abla . Und links erscheint ein gelbes Gesicht mit großen braunen Augen und schwarzen Haaren , in denen blaue Veilchen stecken - das ist die Sailóndula - ein Mädchen aus dem fernen Indien . » St ! « macht das Mädchen rechts . » St ! « macht das Mädchen links . Und dann kommen sie Beide vor und umarmen den Hausmeister . Der schaut erstaunt erst die Abla an - die so reizend aussieht in ihren Beinkleidern aus hellblauer Seide - ihr Oberkörper ist nur mit einem zarten , ganz dünnen , weißen Spitzenhemd umhüllt . Dann schaut er ebenso erstaunt die Sailóndula an , die einen weingrünen Seidenrock trägt , der nur bis zum Knie reicht . Die schlanken Beine des gelben Mädchens sind vom Knie ab unverhüllt . » Kinder ! « bemerkt dann bedächtig der Hausmeister , » wo habt Ihr denn die schönen Kleider her ? « » Die hat uns Said « , erwidert die weiße Abla , » beim Schneider Dschemil gekauft . Weißt Du auch warum ? « » Ach , wie soll ich das wissen ? « versetzt der Alte . Und nun erklären die beiden Mädchen flüsternd und hastig , daß sie zu den Gästen fürchterlich liebenswürdig sein sollen , damit die Gäste nicht zuviel essen ... Und kichernd erzählen auch die Beiden , daß sie einen Plan ausgeheckt haben : sie wollen dem Said , dem alten Geizhals , beim letzten Gericht einen Schlaftrunk geben ... das heißt : der gute Hausmeister soll dem Said den Schlaftrunk geben . Die Mädchen küssen den Alten - und er weiß sich nicht zu helfen - er verspricht alles zu tun , was man von ihm verlangt ... Jetzt ist es aber ganz dunkel geworden . Die Knaben stecken die Öllämpchen in den gurkenförmigen roten Ampeln an ... Wie die brennen - erscheint die Tarub . Sie hat dunkelrote Rosen im schwarzen Haar , der Zopf liegt ihr auf der Brust . Ein gelbseidener Rock umhüllt ihren braunen breiten Körper bis zum Knie , und schwarzseidene Beinkleider umhüllen bauschig ihre dicken Beine . Die sechs Arme der Mädchen sind ganz unbekleidet , doch die sechs Füße stecken in kleinen roten Lederpantoffeln . Was jedoch tut die Tarub ? Oh - die schimpft gleich wieder . Die muß immer schimpfen , sonst kann sie nicht leben . Sie schimpft , daß das Räucherwerk noch nicht brennt . Na - die Knaben beeilen sich , Myrrhen , Weihrauch , Sandarakholz und andre wohlriechende Stoffe vorsichtig anzuzünden . Die Rauchwolken wirbeln empor . Und die Gäste erscheinen . Es kommen immer zwei zugleich , Arm in Arm - aber schweigend . Abu Maschar kommt mit Abu Hischam . Battany kommt mit Jakuby . Osman naht am Arm des Kodama . Die Mädchen kichern , wie diese beiden Dickbäuche feierlich eintreten . Zuletzt erscheint Safur mit Suleiman . Der Letztere hält eine Rolle in der Hand . Die acht Freunde begrüßen die lachenden Mädchen - die Tarub mit ganz besondrer Hochachtung - die benimmt sich daher auch ganz königlich - die ist so glücklich und so stolz . Die acht Freunde warten alsdann . Said pflegt immer - seine Freunde warten zu lassen . Das ist so Sitte in seinem Hause . Nach einer guten Weile aber kommt der Hausherr endlich zum Vorschein - er trägt einen schwarzen Seidenkaftan und einen schwarzen Seidenturban . Zwei schwarze Knaben fächeln dem Hausherrn mit indischen axtförmigen Fächern Kühlung zu . Die Gäste verbeugen sich . Said lächelt . Dann treten Alle zur Seite , und Suleiman geht dem größten Geizhals von ganz Bagdad - diesem unglaublichen Said ibn Selm - mit einer Ehrfurcht entgegen , mit der man in Bagdad gewöhnlich nur dem verrückten Chalifen zu nahen pflegt . Suleiman hebt dabei seine Rolle hoch empor und spricht : » Said ibn Selm , wir grüßen Feierlich Dein festlich Nahn . Said ibn Selm , wir lächeln Selig , daß Du endlich kamst . Deine Augen , Said , grüßen Alle , die Dich heute sahn , Wie zwei stille Märchenblüten In der Hand des Bräutigams . Immer kann man nicht verliebt sein , Ewig währt kein einz ' ger Wahn , Aber heut muß ich Dich preisen - So wie Du ' s noch nie vernahmst . Said , milder Freund , wir ahnen , Was wir heut von Dir empfahn . Du verbreitest märchentrunken Ach - die Lust des Bräutigams . Wenn im Abenddunkel träumend Deinen Garten wir durchschaut , Konnte nichts uns mehr beglücken Als ein stiller Mondenschein . Said , kannst Du darum zürnen , Wenn ich überseltsam kühn Dich mit Mondenschein vergleiche ? Ach - ich bin in Dich verliebt ! Said , sieh ! in Deiner Nähe Müssen wir vor Freude glänzen , Denn wir fühlen vor Dir - horch nur ! Einen neuen Mondesglanz . Alle Blumen schließen schamhaft Ihrer Kelche zarte Ohren , Denn die Winde flüstern lüstern Ach - von wilden Liebespaaren . Tolles Jauchzen tönt nun selig Durch des Gartens Blumenpracht - Das sind lustverzückte Verse - Die durchsprühn die Mondesnacht - Und wir stehen träumend stumm , Hör ' n ein himmlisches Gedicht . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Ging der Mond schon auf ? - Oh nein ! Said - wir - gedachten - Dein ! « Leise klagend flötet eine Nachtigall in Saids Blumengarten . Said empfängt gerührt die Rolle , in die das Lobgedicht fein säuberlich hineingeschrieben . Darauf setzt man sich im Halbkreis auf die Teppiche - der Hausherr in der Mitte mit dem Gesicht zum dunklen Sternenhimmel , vor dem die roten Ampeln schaukeln . Links von Said sitzen vier Gäste . Rechts von Said ebenfalls . Feine weiße Tücher mit Fransen breiten flink die Knaben vor den Gästen aus . Die Tarub erteilt leise die Befehle . Alles gehorcht der Tarub . Zuerst gibts Tigriskrebse in buttergelben Porzellanschüsseln . Wie die roten Schalen knacken und knistern , ertönt im Garten in der Ferne wunderbare Flötenmusik - denn ein Gastmahl bei Said ist ohne Flötenspieler nicht denkbar . Und die Nachtigallen schlagen zuweilen ganz verständig dazwischen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der zweite Gang ist saurer Aal in Panthertunke - Al Battanys Leibgericht . Der Springbrunnen plätschert . Die Flöten verstummen . Und die drei Mädchen überreichen jedem Gast einen Becher mit Wein . Feierlich heben alle die Becher empor , und dann wird getrunken . Alten Wein aus Bassora trinkt man . Verständnisinnig trinkt man den alten Wein . Und dann gibts indische Schnecken . Die Gesichter der Gäste glänzen . Das Gespräch beginnt . Battany setzt dem Abu Maschar in wohlgesetzter Rede auseinander , daß eine Fortentwicklung der Welt und der Menschen durchaus nicht zu leugnen sei - das sähe man schon an der großen Stadt Bagdad , die einst ein armseliger Marktflecken gewesen - das sähe man an den indischen Schnecken , die in dieser Zubereitung sicherlich in früheren Zeiten nicht gegessen worden wären ... Said lächelt stolz , daß son gelehrtes Zeug bei ihm geredet wird - er versteht natürlich kein einziges Wort von dem ganzen Gespräch , an dem sich außer Abu Maschar und Al Battany auch Abu Hischam und Jakuby beteiligen . Man erhitzt sich beinah ... deswegen läßt der Hausherr kälteren Wein bringen . Und die Flötenspieler flöten immerfort . Man ißt Antilopenschinken mit gefrorenem Wurzelsalat - und zwar nicht wenig . Die Liebenswürdigkeit der drei Mädchen dringt nicht durch . Als aber Kamelsgehirn gebacken aufgetragen wird auf flachen silbernen Tellern - da kann sich Safur nicht mehr halten . » Freunde « , ruft er laut , » Ihr eßt nicht mit der nötigen Andacht . Oh dieses Kamelsgehirn - entzückend - wir müssen auf Tarubs Wohl trinken - auf Tarubs ... « Alle trinken auf ihr Wohl . Und dann essen Alle Kamelsgehirn und danach - Schildkröten gesotten . Safur vergeht fast vor Seligkeit . Er ißt mit so großem Entzücken , daß Alle lachen müssen . Seine Augen leuchten wie dicke große Glühwürmer . Und der Said sagt schmunzelnd zum Safur : » Junger Freund ! Gib Verse zum Besten ! « Der junge Freund läßt sich diesmal nicht lange bitten , spricht mit dem Messer drohend : » Glaubt mir ! Den Hund ich töte , Der mir die schöne Kröte Zu rauben wagen sollte . Der Ampeln dunkle Röte Durchglühet meine Kröte , Als wenn sie brennen wollte . Weh dem , der mir verböte , Die wunderbare Kröte Zu speisen und zu preisen ! O Kröte ! Schöne Kröte ! « Und des Dichters Messer funkelt hell . Saids Gäste lachen und trinken . Das Gespräch über die Entwicklungsfähigkeit von Welt und Menschen kommt ganz ins Stocken . Battany kann nur noch dem Abu Hischam versichern , daß der Plan , einen geheimen Gelehrtenbund zu gründen , durchaus nicht übel sei und später wohl zur Ausführung kommen könne . Abu Hischam reibt sich drob vergnügt die Hände . Jetzt wird aber armenische Rübenpastete aufgetragen - und die macht den Philosophen noch vergnügter , denn die Rübenpastete ist sein Leibgericht . » Donnerwetter ! « brüllt er stürmisch , » Said , Du bist ja fürchterlich aufmerksam gewesen . « Den andern Gästen schmeckt allerdings die armenische Rübenpastete ganz und gar nicht . Sie verziehen die Gesichter . Said lächelt . Erst wie die gebratenen Tauben vom Demawand erscheinen , wird die Stimmung wieder gemütlicher . Wie die Knöchlein der Tauben knacken und knistern , wird dem Safur , der schon sehr viel Wein getrunken , so gereizt zu Mute . Die Flötenspieler flöten wieder . Und die drei Mädchen sind so aufdringlich . Allerdings - das rührt die Gäste sehr wenig . Dem Battany ist die Liebenswürdigkeit der Mädchen sehr unangenehm - er ist daran gewöhnt , daß die Frauen bescheiden in der Ecke stehen und kaum zu atmen wagen . Kodama und Osman essen , als wenn sie vierzehn Tage gehungert hätten . Said ärgert sich - ärgert sich , daß er den Mädchen ganz zwecklos die neuen Kleider kaufte . Safur aber sieht auch mit Unwillen auf die beiden Dicken - sie essen ihm wieder zu schnell . » Langsam « , fängt er an , » essen diejenigen Menschen , die das Essen verstehen . « Said wirft dem Dichter einen dankbaren Blick zu , und der Dichter fährt fort : » Unbegreiflich erscheint mir doch Manches . Wir haben eigentlich sämtlich hier in Bagdad die beste Gelegenheit , unsre Gaumen auszubilden - wer aber bildet seinen Gaumen wirklich aus ? Ich glaube - ich tu das nur allein . Wer nicht zu essen versteht , versteht auch nicht zu genießen . Wir müssen doch , wenn wir das Leben genießen wollen , alle unsre Sinne ausbilden - den Geschmackssinn dürfen wir nicht vernachlässigen . Wer . sich immer den Magen überlädt - wie Osman und Kodama - der ist doch eigentlich nur ein ganz gewöhnlicher Tofaily . « Osman und Kodama grinsen . Die Andern schweigen und essen bedächtiger . Said macht ein sehr schlaues Gesicht . Abu Hischam räuspert sich , er will reden . Die chinesischen Fasanen , die ihm die Sailóndula anbietet , weist er barsch zurück und beginnt nun - bedächtiger als sonst : » Lieber Safur ! Du wirst uns bei allen Gelegenheiten umständlich auseinandersetzen wollen , daß Du Deine Sinne ständig verfeinerst - so als wenn darin die einzige Aufgabe Deines Lebens besteht . Du denkst eben , etwas Feineres als verfeinerte Sinne gäbs garnicht . Es gibt aber doch noch feinere Genüsse , die mit der Verfeinerung der Sinne ganz und garnichts zu tun haben . Wenn ich an der Weiterentwicklung der Welt arbeite oder über die wichtigsten philosophischen Fragen nachdenke , so empfinde ich doch mehr als bei Deiner Fresserei . « Alles lacht . Kodama sagt mit wohltönender Stimme , während er drohend ein chinesisches Fasanenbein schwingt : » Oh , Abu Hischam , um die Verfeinerung der Sprache wirst Du Dir auch keine Verdienste erwerben . Redet aber nur ruhig weiter , es ißt sich dabei ganz gut . « Doch nun reden Alle durcheinander . Die Süßigkeiten werden herumgereicht . Abla verteilt ihr Zuckergebäck und eine große ZobaïdaTorte . Sailóndula bietet ihren mit Mandeln und Bananen gefüllten Kataïf , der in Nußöl schwimmt , so zärtlich bittend an , daß ihr Niemand einen Korb gibt . Zwar - Abu Hischam will nur noch altmekkanischen Kirschenpudding essen , den die Knaben auch schon herbeigeschleppt haben . Abla gibt ihm den Pudding , läuft dann aber in den Garten - und singt - sie singt ihr berühmtes Gazellenlied , das sie schon öfters gesungen und das die Gäste schon kennen . Safur wendet sich während des Gesanges flüsternd an den Philosophen und fragt spöttisch : » Ei , Abu Hischam , über welche philosophischen Fragen denkst Du denn so eifrig nach ? « » Aber Safur « , erwidert leise der Philosoph , » Du mußt ja nicht das Eine vergessen : wir leben nur in einer Scheinwelt . Du glaubst immer nur , daß Du Dich an die greifbaren Genüsse halten müßtest - und doch - Du mußt nicht vergessen , daß ich in Indien war und auch einmal ein Buch Der Zweifler schrieb . Es gibt wirklich noch eine andere Welt als die , die wir mit unseren Sinnen begreifen können . « Doch was ist das ? Said fallen die Augen zu , der Kopf fällt ihm auf die Brust und nun - nein - hätte ihn nicht der Hausmeister aufgefangen , der Herr des Hauses wäre mit der Nase in den Kirschenpudding gefallen ... Die Gäste springen erschrocken empor . Aber die Tarub und die Sailóndula kichern - und tanzen vor Vergnügen . » Er hat ja ein Schlafpulver bekommen « , sagt die Sailóndula , » denn wir wollen mit Euch auf der Sternwarte Wein trinken . Beruhigt Euch ! « Battany und seine Freunde müssen nun so laut lachen , daß Said , den der Hausmeister vorsichtig auf die Seite legte , beinahe wieder aufgewacht wäre ... Ablas Gazellenlied verhallt - sie eilt auf die Estrade und wird vom dicken Kodama stürmisch geküßt . Die Gäste waschen sich alsdann in bester Laune die Hände - und wandeln davon - zur nahen Sternwarte - die drei Mädchen - und die Sklaven mit den Weinschläuchen folgen - die Flötenspieler ebenfalls . Auf der Estrade bleibt nur der schlafende Said - der schnarcht . Die roten Papierampeln schaukeln ein bißchen . Der Springbrunnen plätschert . Die Blumen duften stark . Das Räucherwerk duftet noch stärker . Wie verwüstete Dörfer liegen die Überreste der Torte und des Puddings auf den kostbaren Teppichen umher - - - Die sauberen weißen Tücher mit den Fransen sind zerknillt und durcheinandergeworfen . Die Estrade gleicht jetzt einem verlassenen Schlachtfelde . Der Halbmond steht schief über der Gartenmauer . Die Sterne sind wieder sehr hell . Die roten Ampeln verlöschen allmählich . Die Nachtigallen flöten wunderbar . Und Said schnarcht ... Sechstes Kapitel Die Mongolen reiten langsam um die Sternwarte rum und spitzen die Ohren - sie hören was . Sie zügeln ihre schwarzen Rosse und horchen , weit über den Kopf der Pferde gebeugt , in das Dunkel hinein . Dann erkennen sie die Stimmen , reiten rasch an den Turm , der oben den Empfangssaal trägt , und wecken die Schwarzen . Nach ein paar Augenblicken sind die zwölf schwarzen Sklaven mit zwölf Fackeln draußen . Die Sklaven eilen mit