nicht genug ist , bis auf Noah zurückverlegen will . Ich bin für Noah ; er weckt mir angenehmere Vorstellungen : Arche , Taube , Regenbogen und vor allem Weinstock . Lassen Sie mich in einer Zeile wissen oder am besten in einem Telegramm , wann wir Sie erwarten dürfen . Tout à vous . Ihr Ebenezer Pentz . « Holk , als er den Brief gelesen , verfiel in eine herzliche Heiterkeit , in die die Gräfin nicht einstimmen mochte . » Nun , was sagst du , Christine ? Pentz from top to toe . Voll guter Laune , voll Medisance , zum Glück auch voll Selbstironie . Das Hofleben bildet sich doch wunderbare Gestalten aus . « » Gewiß . Und besonders drüben in unserem lieben Kopenhagen . Es kann auch in seinem Hofleben von seiner ursprünglichen Natur nicht lassen . « » Und was ist diese Natur ? « » Tanzsaal , Musik , Feuerwerk . Es ist eine Stadt für Schiffskapitäne , die sechs Monate lang umhergeschwommen und nun beflissen sind , alles Ersparte zu vertun und alles Versäumte nachzuholen . Alles in Kopenhagen ist Taverne , Vergnügungslokal . « Holk lachte . » Thorwaldsen-Museum , nordische Altertümer und Olafkreuz und dazu die Frauenkirche mit Christus und zwölf Aposteln ... Auch das ? « » Ach , Holk , welche Frage ! Da ließe sich noch viel andres aufzählen , und ich bin nicht blind für all das Schöne , was da drüben zu finden ist . Es ist eigentlich ein feines Volk , sehr klug und sehr begabt und ausgerüstet mit vielen Talenten . Aber so gewiß sie die Tugenden haben , die der Verkehr mit der Welt gibt , so gewiß auch die Schattenseiten davon . Es sind lauter Lebeleute ; sie haben sich nie recht quälen und mühen müssen , und das Glück und der Reichtum sind ihnen in den Schoß gefallen . Die Zuchtrute hat gefehlt , und das gibt ihnen nun diesen Ton und diesen Hang zum Vergnügen , und der Hof schwimmt nicht nur bloß mit , er schwimmt voran , anstatt ein Einsehen zu haben und sich zu sagen , daß der , der herrschen will , mit der Beherrschung seiner selbst beginnen muß . Aber das kennt man in Kopenhagen nicht , und das hat auch deine Prinzessin nicht , und am wenigsten hat es dieser gute Baron Pentz , der , glaub ich , das Tivoli-Theater für einen Eckpfeiler der Gesellschaft hält . Und in dem Sinne schreibt er auch . Ich kann diesen Ton nicht recht leiden und muß dir sagen , es ist der Ton , der nach meinem Gefühl und fast auch nach meiner Erfahrung immer einer Katastrophe vorausgeht . « Holk war andrer Meinung . » Glaube mir , Christine , soviel königliche und nicht königliche Gasterei drüben sein mag , das Gastmahl des seligen Belsazar ist noch nicht da , und der Untergang wird meinen lieben Kopenhagnern noch lange nicht an die Wand geschrieben ... Aber was tue ich dieser Zitation meiner Prinzessin gegenüber ? « » Natürlich ihr gehorchen . Du bist im Dienst , und solange du ' s für richtig hältst , darin zu verbleiben , so lange hast du bestimmte Pflichten und mußt sie erfüllen . Und in dem vorliegenden Falle , je eher je lieber . Wenigstens nach meinem Dafürhalten . Das mit dem Urlaub oder mit der Versicherung , es habe keine Eile , das würd ich nicht glauben und jedenfalls nicht annehmen . Ich bin allem Höfischen aus dem Wege gegangen und habe einen Horror vor alten und jungen Prinzessinnen , aber soviel weiß ich doch auch vom Hofleben und seinen Gesetzen , daß man an Huldigungen nicht leicht genug tun kann und daß die ruhige Hinnahme bewilligter Freiheiten immer etwas Mißliches ist . Und dann , Holk , wenn du auch noch bleiben wolltest , es wären doch unruhige Tage für dich und mich , für uns alle . Kann ich dir also raten , so reise morgen . « » Du hast recht ; es ist das beste so , nicht lange besinnen . Aber du solltest mich begleiten , Christine . Die Hansen drüben hat das ganze Haus , also Überfluß an Raum , und ist eine Wirtin , wie sie nicht besser gedacht werden kann . Und was die Bekanntschaften angeht , so findest du die Schimmelmann und die Schwägerin unserer guten Brockdorff und Helene Moltke . Ich nenne diese drei , weil ich weiß , daß du sie magst . Und dann gibt es doch auch Kirchen in Kopenhagen , und Melbye ist dein Lieblingsmaler , und vor dem alten Grundtvig hast du zeitlebens Respekt gehabt . « Die Gräfin lächelte . Dann sagte sie : » Ja , Helmuth , da bist du nun wieder ganz du . Noch keine Stunde , daß wir von den Kindern und ihrer Unterbringung gesprochen haben , und schon hast du alles wieder vergessen . Einer muß doch hier sein und das , was zu tun ist , in die rechten Wege leiten . Ich möchte wissen , was dich eigentlich beschäftigt . Alle Körner fallen aus deinem Gedächtnis heraus , und nur die Spreu bleibt zurück . Verzeih , aber ich kann dir diese bittren Worte nicht ersparen . Ich glaube , wenn mein Bruder Alfred stirbt oder vielleicht auch wer , der dir noch nähersteht , und du hast gerad eine Hühnerjagd angesagt , so vergißt du , zum Begräbnis zu fahren . « Holk biß sich auf die Lippen . » Es glückt mir nicht , dich freundlich zu stimmen und dich aus deinem ewigen Brüten und Ernstnehmen herauszureißen . Ich frage mich , ist es meine Schuld oder ist es deine ? « Diese Worte blieben doch nicht ohne Wirkung auf Christine . Sie nahm seine Hand und sagte : » Schuld ist überall , und vielleicht ist meine die größere . Du bist leichtlebig und schwankend und wandelbar , und ich habe den melancholischen Zug und nehme das Leben schwer . Auch da , wo Leichtnehmen das Bessere wäre . Du hast es nicht gut mit mir getroffen , und ich wünschte dir wohl eine Frau , die mehr zu lachen verstände . Dann und wann versuch ich ' s , berühme mich auch wohl , daß ich ' s versucht , aber es glückt nicht recht . Ernst bin ich gewiß und vielleicht auch sentimental . Vergiß , was ich dir vorhin gesagt habe ; es war hart und unrecht , und ich habe mich hinreißen lassen . Gewiß , ich klage dich oft an und will es nicht leugnen , aber ich darf auch sagen , ich verklage mich vor mir selber . « In diesem Augenblicke trat Asta vom Salon her wieder unter die Halle , einen Helgoländerhut über dem linken Arm . » Wo willst du hin ? « » Zu Elisabeth . Ich will ihr die Notenmappe zurückbringen , die sie gestern hiergelassen . « » Ah , das trifft sich gut « , sagte Holk , » da begleit ich dich ein Stück Wegs . « Und Asta , die wohl sah , daß ein ernsthaftes Gespräch stattgefunden hatte , grüßte zunächst die Dobschütz und küßte dann der Mutter die Stirn . Und gleich danach nahm sie des Vaters Hand und ging mit ihm die Halle hinunter , auf die Gartenfront des Hauses zu . Als sie fort waren , sagte die Dobschütz : » Ich möchte beinah glauben , Christine , du hättest die Notenmappe noch gern ein paar Tage hierbehalten ? Ich sah gestern abend , welchen Eindruck das Lied auf dich machte . « » Nicht die Komposition , bloß der Text . Und den hab ich mir im ersten Eifer gleich gestern abgeschrieben . Bitte , liebe Julie , hol ihn mir von meinem Schreibtisch . Ich möchte wohl , du läsest mir das Ganze noch einmal vor oder doch wenigstens die erste Strophe . « » Die gerade kann ich auswendig « , sagte die Dobschütz . » Ich vielleicht auch . Aber trotzdem möcht ich sie hören ; sage sie mir , und recht langsam . « Und nun sprach die Dobschütz langsam und leise vor sich hin : » Die Ruh ist wohl das Beste Von allem Glück der Welt , Was bleibt vom Erdenfeste , Was bleibt uns unvergällt ? Die Rose welkt in Schauern , Die uns der Frühling gibt , Wer haßt , ist zu bedauern , Und mehr noch fast , wer liebt . « Die Gräfin ließ von ihrer Arbeit ab , und eine Träne fiel auf ihre Hand . Dann sagte sie : » Eine wunderbare Strophe . Und ich weiß nicht , was schöner ist , die zwei Zeilen , womit sie beginnt , oder die zwei Zeilen , womit sie schließt . « » Ich glaube , sie gehören zusammen « , sagte die Freundin , » und jedes Zeilenpaar wird schöner durch das andre . Wer haßt , ist zu bedauern , und mehr noch fast , wer liebt . Ja , Christine , es ist so . Aber gerade , weil es so wahr ist ... « » Ist das andre , womit die Strophe beginnt , noch wahrer : Die Ruh ist wohl das Beste . « Siebentes Kapitel Holk und Asta schritten , während Christine dies Gespräch mit der Dobschütz führte , die Säulenhalle hinunter , und erst als sie hundert Schritte weiter abwärts das mit Rasen überwachsene Rondel erreicht hatten , wo man , wenn Besuch war , Kricket zu spielen pflegte , trennten sie sich , Holk , um sich einem vor einem Treibhause beschäftigten Gärtner zuzuwenden , Asta , um ihren Weg auf der wohlgepflegten Parkchaussee fortzusetzen . Diese senkte sich allmählich und bog schließlich scharf links in eine breite , schon in der Ebene laufende Kastanienallee ein , die sich bis Dorf Holkeby hinzog . Überall lagen Kastanien am Boden oder platzten aus der Schale , wenn sie vor Asta niederfielen . Diese bückte sich nach jeder einzelnen , als aber das Pfarrhaus , das in die Kirchhofsmauer eingebaut war , in Sicht kam , warf sie alles wieder fort und ging in rascherem Schritt auf das Haus zu . Die Tür hatte noch von alter Zeit her einen Klopfer , er schien aber seinen Dienst versagen zu wollen , denn niemand kam . Erst als sie das Klopfen mehrmals wiederholt hatte , wurde geöffnet , und zwar von Pastor Petersen selbst , der augenscheinlich gestört worden war . Als er aber Asta erkannte , verschwand rasch die Mißmutswolke von seiner Stirn , und er nahm ihre Hand und zog sie mit sich in seine Studierstube , deren Tür er offengelassen hatte . Die Fenster gingen auf den ein wenig ansteigenden Kirchhof hinaus , so daß die Grabsteine einander wie über die Schulter sahen . Dazwischen standen Eschen und Trauerweiden , und der Duft von Reseda , trotzdem es schon spät im Jahre war , drang von außen her ein . » Nimm Platz , Asta « , sagte Petersen . » Ich war eben eingeschlafen . In meinen Jahren geht der Schlaf nicht mehr nach der Uhr ; in der Nacht will er nicht kommen , und da kommt er denn bei Tag und überfällt einen . Elisabeth ist bei Schünemanns drüben und bringt der armen Frau , die ' s , glaub ich , nicht lange mehr machen wird , ein paar Weintrauben , die wir heute früh geschnitten haben . Aber sie muß gleich wieder da sein ; Hanna hilft mit draußen auf dem Feld . Und nun trinkst du mit mir ein Glas Malvasier . Das ist Damenwein . « Und dabei schob er die aufgeschlagene Bibel nach rechts , einen Kasten mit Altertümern aber ( denn er war ein Altertümler wie die meisten schleswigschen Pastoren ) weit nach links hin und stellte zwei Weingläser auf seinen Arbeitstisch . » Laß uns anstoßen . Ja , worauf ? Nun , auf ein frohes Weihnachten . « » Ach , das ist noch so lange . « » Ja dir . Aber ich rechne anders ... Und daß das Christkind dir alles erfüllt , was du auf dem Herzen hast . « Ihre Gläser klangen zusammen , und im selben Augenblicke trat auch Elisabeth ein und sagte : » Da muß ich doch mit anstoßen , wenn ich auch nicht weiß , wem es gilt . « Und nun erst begrüßten sich die jungen Mädchen , und Asta gab an Elisabeth die Notenmappe zurück und sprach ihr dabei den Dank ihrer Mutter für das schöne Lied aus , das sie gestern abend gesungen . Dies wurde nur so hingesprochen , denn während Asta die Bestellung ausrichtete , beschäftigte sich ihr Auge schon mit den zahlreichen numerierten Dingen , kleinen und großen , die den archäologischen Kasten füllten . Das eine , was sie sah , schien Golddraht zu sein , Golddraht in einer großen Spirale . » Warum ist es von Gold ? « fragte Asta . » Es sieht ja aus wie eine Sofa-Sprungfeder . « Der Alte vergnügte sich darüber und sagte ihr dann , es sei was Besseres , ein Schmuckstück , eine Art Armband , das vor zweitausend Jahren eine damalige Comtesse Asta getragen habe . Asta freute sich und nickte , und Elisabeth , die von diesen Dingen mehr kannte , als ihr lieb war , denn sie war wie der Kustos der Sammlung , setzte ihrerseits hinzu : » Und wenn nach wieder zweitausend Jahren deine kleine Hufeisen-Broche gefunden wird , dann , das kann ich dir versichern , wird es auch Vermutungen und Feststellungen geben ... Aber nun komm , Asta , wir wollen den Großpapa und seine Studierstube nicht länger stören . « Und damit nahm sie Astas Arm und ging mit ihr über den Flur auf eine Pforte zu , die direkt nach dem Kirchhof hinausführte . Nur wenige Schritte noch , dann kamen sie bis an einen breiten Querweg , der zwischen Gräbern hin auf die alte Feldsteinkirche zulief , einen frühgotischen Bau ohne Turm , der für eine Scheune hätte gelten können , wenn nicht die hohen Spitzbogenfenster gewesen wären mit ihrem dichten kleinblättrigen Efeu , der sich bis unter das Dach hinaufrankte . Die Glocke hing unter ein paar Schutzbrettern an der einen Giebelseite der Kirche , während an der andern ein niedriges Backsteinhaus angebaut war , mit kleinen Fenstern und jedes Fenster mit zwei Eisenstäben . Einige der Grabsteine , die hier in Nähe der Kirche besonders zahlreich waren , reichten mit ihrem Kopfende bis dicht an die Gruft heran , denn eine solche war der Anbau , und auf einen dieser Grabsteine stieg nun Asta und sah neugierig durch die kleinen eisenvergitterten Fenster . Dabei lehnte sie sich mit der Hand gegen einen losen Mauerstein , der sich dadurch nach hinten schob und einen anderen Halbstein , der auch schon lose war , zum Umkippen brachte , so daß er mit Gepolter in die Gruft hinabstürzte . Asta fuhr zurück und sprang von dem Grabstein herab , auf dem sie gestanden . Elisabeth war mit erschrocken , und erst als sie beide den unheimlichen Platz und gleich darnach auch den Kirchhof selbst verlassen hatten , erholten sie sich und fanden ihre Sprache wieder . Draußen , an der Kirchhofsmauer hin , lagen große Massen geschnittener Bretter und Balken , was nicht wundernehmen konnte , denn parallel mit der Kirchhofsmauer , und nur durch einen breiten Fahrweg von ihr getrennt , zog sich ein langer , mit kurzem Gras überwachsener Holz- und Zimmerplatz hin , auf dem beständig norwegische Hölzer geschnitten wurden . Auch in diesem Augenblicke wieder lag ein roh mit der Axt behauener Baumstamm auf zwei hohen Holzböcken , und ein paar Zimmerleute , von denen der eine oben , der andre unten stand , sägten mit einer großen , in ihrer Arbeit immer blanker werdenden Holzsäge den Stamm entlang . Beide Mädchen sahen emsig hinüber , und die Nähe der Menschen , dazu der lebendige Ton der Arbeit , tat ihnen wohl nach dem Grauen , von dem sie sich angesichts der zerbröckelnden Gruft soeben noch berührt gefühlt hatten . Es war ein sehr anheimelnder Platz ; die Brennesseln , die sonst hier wucherten , waren niedergetreten , und so saßen die beiden Freundinnen bequem und behaglich auf den hochaufgeschichteten Brettern und hatten die Balken als Fußbank und die Kirchhofsmauer als Rücklehne . » Weißt du « , sagte Asta , » die Mama hat doch recht , daß sie von der Gruft nichts wissen will und eine Scheu hat , sie zu betreten . Es ist ja , als wäre jeder Stein lose und als warte alles nur darauf , daß es zusammenstürze . Und zweimal im Jahre geht sie doch hin und legt ihren Kranz auf den Sarg , an seinem Geburtstag und an seinem Sterbetage . « » Kannst du dich denn deines Bruders Estrid noch erinnern ? « » Oh , gewiß kann ich . Ich war schon sieben Jahr . « » Und ist es wahr , daß er nicht bloß Estrid hieß , sondern auch noch Adam ? « » Ja . Die Mama wollte freilich , daß er als zweiten Namen den Namen Helmuth führen sollte wie der Vater , Estrid Helmuth - Tante Dobschütz hat es mir oft erzählt ; der Papa aber bestand auf Adam , weil er gehört hatte , daß Kinder , die so heißen , nicht sterben , und da habe denn die Mama gesagt ( ich weiß das alles von Tante Julie ) , das sei Heidentum und Aberglauben und es werde sich strafen , denn der liebe Gott lasse sich nichts vorschreiben , und es sei lästerlich und verwerflich , ihm die Hände binden zu wollen . « » Ich kann mir denken , daß deine Mutter so gesprochen hat . Und es hat sich ja auch gestraft . Aber ich finde doch , Asta , daß deine Mutter in all dem zu streng ist , und der Großpapa , der sie doch so sehr liebt und sie getraut hat - was übrigens der Arnewieker Pastor damals sehr übelgenommen haben soll - und der nichts Besseres kennt als seine liebe Christine , wie er sie noch immer nennt , und deinen Papa nennt er ja auch noch du von alten Zeiten her ... der sagt doch auch , sie sei zu sicher auf ihrem Wege und zu streng gegen andre ... « » Ja , das sagen alle , dein Großpapa sagt es , und Direktor Schwarzkoppen sagt es , und Onkel Arne sagt es . Und wenn Axel und ich es auch nicht hören sollen , wir hören es doch und machen so unsre Betrachtungen drüber ... « » Und wem kommen denn eure Betrachtungen zugute ? « » Immer der Mama . « » Das wundert mich eigentlich . Ich dachte , du wärest deines Vaters Verzug und Liebling . Und liebtest ihn am meisten . « » Oh , gewiß hab ich ihn lieb ; er ist so gut und erfüllt uns jeden Wunsch . Aber die Mama meint es doch viel besser mit uns , und deshalb ist sie strenger . Alles bloß aus Liebe . « » Ich habe dich nicht immer so sprechen hören , Asta . Es ist noch keine Woche , daß du voller Klagen und fast voll Bitterkeit warst und daß du sagtest , es sei mit der Mama kaum noch zu leben und alles schlüge sie dir ab und alles sei so wichtig , als ob Leben und Seligkeit daran hinge ... « » Ja , das werd ich wohl gesagt haben . Aber wer klagte nicht mal ! Und dann ist es oft so still hier , und dabei wird man traurig und will es anders haben ... Sieh , ich denk es mir so , die Mama bedrückt uns oft , aber sie sorgt doch auch für uns , und der Papa erfreut uns jeden Augenblick , aber im ganzen kümmert er sich nicht recht um uns . Er ist mit seinen Gedanken immer woanders und die Mama immer bei uns . Wenn es nach dem Papa ginge , so ginge alles so ruhig weiter , bis jemand käme und mich haben wollte . Comtesse Holk , rotblond und gerade gewachsen und etwas Vermögen - ich glaube , das ist alles , was ihm vorschwebt , und davon verspricht er sich das Beste . Daß ich auch eine Seele habe , daran denkt er nicht , vielleicht glaubt er nicht mal daran . « » Wie du nur sprichst . Er wird doch glauben , daß du eine Seele hast ? « » Vielleicht . Ich weiß es nicht . Und das ist der Unterschied von der Mama . Die glaubt bestimmt daran und will , daß ich etwas lernen und einen festen Glauben gewinnen soll , einen Anker für die Stürme des Lebens , wie sie sagt , und ich wäre glücklich darüber , wenn ich nicht von dir fortmüßte . Solche Freundin wie du , die find ich in der Welt nicht wieder . « » Aber du wirst doch nicht fortwollen , Asta ? Und um was denn ? Ist denn nicht die Dobschütz eine kluge Dame und lieb und gut dazu ? Und du kannst ja französisch parlieren , daß es eine Lust ist , und Strehlke hat ja zwei Preise gewonnen , einen in Kopenhagen über die Strandvegetation in Nordschleswig und einen in Kiel über Quallen und Seesterne . Und daß er Geographie weiß , das weiß ich , er wußte ja neulich das Lustschloß vom König von Neapel , so daß ihm selbst dein Onkel Arne gratulierte . Was willst du denn noch mehr lernen ? Das nehm ich dir übel , wenn du soviel mehr lernen willst als ich , und wenn du dann wiederkommst , ist kein Verkehr mehr mit mir . Und ich will doch mit dir verkehren , denn ich liebe dich ja so sehr . Und deine Mama , wenn sie dich fortgibt , wird dich gewiß in eine große Schweizerpension geben wollen . « » Nein , in eine kleine Herrnhuterpension . « » Nun , darüber läßt sich reden , Asta . Herrnhuter kenn ich , das sind gute Leute . « » Das mein ich . Die Mama war ja auch in einer Herrnhuterpension . « » Ist es denn schon gewiß ? « » So gut wie gewiß . Der Papa hat nachgegeben . Und außerdem reist er morgen nach Kopenhagen zur Prinzessin , worauf gar nicht gerechnet war , und das wird Mama wohl benutzen , um alles schnell ins rechte Geleise zu bringen . Ich denke mir , in vierzehn Tagen oder noch früher ... « » Ach , Asta , wäre nicht der Großpapa , ich bäte deine Mama , daß sie mich mitgäbe . Was soll ich hier anfangen , wenn du fort bist ? « » Es muß schon so gehen , Elisabeth , und wird auch . Schwer wird es mir auch . Und meine Mama wird auch allein sein und niemanden um sich haben als die Dobschütz , und sie schickt uns doch fort . Denn Axel geht auch . Es ist doch recht , was sie mir gestern abend sagte : Man lebt nicht um Vergnügen und Freude willen , sondern man lebt , um seine Pflicht zu tun . Und sie beschwor mich , dessen stets eingedenk zu sein , denn daran hinge Glück und Seligkeit . « » Das ist schon alles ganz wahr , aber es hilft mir nichts . « Und in Elisabeths Auge war ein Flimmern , als sie das sagte . » Ich kann doch nicht immer am Strand spazierengehen und Bernstein suchen und Kataloge machen und die Nummern umschreiben . Und denke , Winterszeit , wenn alles in Schnee liegt und die Krähen auf den Kreuzen sitzen , und dann um Mittag die zwölf Schläge ... « Und in diesem Augenblicke schlug die Mittagsglocke , von der Elisabeth eben gesprochen hatte . Beide Mädchen fuhren zusammen . Dann aber lachten sie wieder und erhoben sich , denn es war hohe Zeit . » Wann kommst du wieder ? « » Morgen . « Damit trennten sie sich , und als Asta gleich danach bei der Stelle vorüberkam , wo die Glocke hing , tat diese gerade den zwölften Schlag , und der Küstersjunge , der geläutet hatte , zog seine Kappe und verschwand dann hinter den Gräbern . Achtes Kapitel Holk , als er sich an dem Kricketplatz von Asta getrennt hatte , hatte sich nach dem nächstgelegenen Treibhause begeben , in dessen Front er seinen Gärtner emsig bei der Arbeit sah . Und hier , nach kurzer Begrüßung , riß er zwei Blätter aus seinem Notizbuch und schrieb ein paar Telegrammzeilen an Pentz und die Witwe Hansen , in denen er beiden sein Eintreffen in Kopenhagen für den andern Abend anzeigte . » Diese Telegramme , lieber Ohlsen , müssen nach Glücksburg oder meinetwegen auch nach Arnewiek ; es gilt mir gleich , wo Sie ' s aufgeben wollen . Nehmen Sie den Jagdwagen . « Der Gärtner , ein Muffel , wie die meisten seines Zeichens , war augenscheinlich verdrießlich , weshalb Holk hinzusetzte : » Tut mir übrigens leid , Ohlsen , Sie bei der Arbeit stören zu müssen ; aber ich brauche Philipp beim Packen , und Ihrer Frau Bruder , der sich ja gut anläßt , weiß noch nicht recht Bescheid und ist mir auch nicht zuverlässig genug . « Der Gärtner fand sich nun wieder zurecht und sagte , daß er , wenn ' s dem Grafen recht wäre , lieber nach Glücksburg wolle ; seine Frau habe nämlich wieder solch Jucken über den ganzen Körper , was gewiß von der Galle käme , sie ärgere sich so leicht , und da möcht er denn wohl mit zu Doktor Eschke heran und ein Rezept holen . » Mir recht « , sagte Holk . » Und wenn Sie mal da sind , so sorgen Sie auch gleich dafür , daß das Schiff morgen früh mit Sicherheit hier anlegt ; es ist schon vorgekommen , daß es vorbeifährt , und fragen Sie auch , ob der König schon da ist , ich meine in Glücksburg , und wie lange er wohl bleibt . « Damit ging der Graf wieder auf das Schloß zu , wo Philipp , im Ankleidezimmer seines Herrn , nicht bloß die Koffer bereits zurechtgestellt , sondern auch schon mit dem Packen begonnen hatte . » Das ist recht , Philipp ; ich sehe , die Gräfin hat dir gesagt , daß ich fortmuß . Nun , du weißt ja , was ich brauche ; aber nicht zuviel , je mehr man mitnimmt , je mehr fehlt einem . Nicht wahr ? Ist der Koffer voll , so verlangt man zuletzt alles , als wäre man zu Hause . Nur eines vergiß nicht , die Pelzstiefel und die hohen Gummischuhe . Man tapst drin herum wie ein Elefant , aber das Herz bleibt warm und gesund , und das ist doch immer die Hauptsache . Meinst du nicht auch ? « Philipp bestätigte den Ausspruch , worauf sich der Graf in sichtlichem Behagen an seinen Schreibtisch setzte und einige Briefe schrieb , auch einen an seinen Schwager Arne , während der alte Diener mit dem Packen der Koffer fortfuhr . » Welche Bücher befehlen der Herr Graf ? « » Keine . Was wir hier haben , paßt nicht nach Kopenhagen . Oder nimm ein paar Bände Walter Scott mit ; man kann nicht wissen , und der paßt immer . « In der Mittagsstunde , Asta war noch unten im Dorf , kam Baron Arne von Arnewiek herüber , und Holk , als man plaudernd mit den Damen unter der Halle saß , gab ihm lachend den Brief , den er am Vormittag geschrieben hatte . » Da , Alfred ; aber lies ihn erst zu Haus , es eilt nicht damit , und eigentlich weißt du ja doch , was darin steht . Es ist das alte Lied . Ich empfehle dir Schloß Holkenäs und die Wirtschaft wie schon manch liebes Mal und setze dich für die Tage meiner Abwesenheit zum Majordomus ein . Sei deiner Schwester ein Berater , besprich mit ihr « ( dies sprach er halb leise ) » den Bau einer neuen Kapelle mit Gruft oder was sie sonst will , und lasse Pläne machen wegen der Ställe . Mit dem für die Shorthorns wird angefangen . Zieh den homöopathischen Doktor zu Rate , von dem du mir neulich soviel Wunderdinge erzählt hast , und schicke dann die Zeichnungen hinüber nach Kopenhagen . Pentz versteht auch was davon und Bille , der soviel gereist ist , noch mehr , und seine Masern « ( und damit wandt er sich wieder an die Damen ) » können doch am Ende nicht ewig dauern . Ist er erst abgeschülbert , ich muß lachen , wenn ich ihn mir in der Mauserung denke , so such ich ihn auf und leg ihm die Pläne vor . Kranke sind immer froh , wenn sie was andres hören als den Medizinlöffel oder den Doktorstock . « Holk sprach noch weiter in diesem Tone , was keinen Zweifel darüber ließ , daß er sich eigentlich freute , Holkenäs auf ein Vierteljahr verlassen zu können . Es war fast verletzend für die Gräfin , und sie würde diesem Gefühl auch Ausdruck gegeben haben , wenn sie sich nicht auf einer ganz ähnlichen Empfindung ertappt hätte . Wie bei vielen Eheleuten , so stand es auch bei den Holkschen . Wenn sie getrennt waren , waren sie