, aber ich könnt ' s zufrieden sein . Dann müßt ' s der Alte trotz ' m Sternsteinhof billiger geben , und um den nähm ich auch ' n blinden Toni . « » Pfui , wie du auch nur so grauslich daherreden magst , wo du doch schon für dein Teil ein Bubn hast , auf den d ' stolz sein kannst ! Der Toni vom Sternsteinhof , wie reich er is , stellt sein Tag nix vor als ein Bauern , gegn den is wohl der Kleebinder Muckerl ein ganz anderer . Dazu is der hochmütige Sternsteinler - wann d ' dir ihn je von der Näh betracht hast , mußt mir recht geben - weitaus nit der Schönste und Stärkste , und er kann doch wahrlich nit , wie der Muckerl , was ihm an Kräftigkeit und Hübschheit fehlt , ausgleichen durch sein Künstlichkeit und sein Bravheit und sein Gutheit . « » Schau , was du alls über ihn weißt « , lachte Helen , » schier werd ich mit dir eifern müssen , es hat völlig ' n Anschein , als ob d ' in mein Muckerl verliebt wärst . « Sepherl wandte ihr errötendes Gesicht ab . » Geh zu , sei nit törig . « » Brauchst ja nit rot z ' werden , wenn es nit wahr is « , neckte Helene . Es machte ihr Spaß , da sie sich den unbestreitbaren Besitz des Burschen von Sepherl geneidet dachte , diese durch lose Reden zu ärgern . Sie schlug ihr derb auf die Achsel . » Na , trutz nit ! Wann dir gar so um ihn is , kannst ihn ja habn . Gib mir ein gut Wort , so laß ich ' n dir . « » Hast du auch nur ein Laut von mir ghört , der dir das Recht gibt , ein solche Red wider mich z ' führn ? « zürnte Sepherl . » Daß der Muckerl kein andere will wie dich und , selbst wenn er eine möchten tat , mich schon af d ' allerletzt , das weißt , und weil du ' s weißt , so laß dir auch sagen , daß dich solch unbsinnt Schwätzen nur selber verunehrt und ich mich für dein Gspött noch allweil z ' gut halt ! « » Bist du aber empfindlich « , sagte Helene , über die Achsel nach ihr blickend . » Wann der Bub mein is , so werd ich mir doch über das Meine ein Spaß erlauben dürfen ? Und sag ich scherzweis , ich tät dir ' n gönnen , so darf das doch dich nit beleidigen , die ' n für so ein Ausbund halt ! Das im Gspaß , im Ernst aber - is er , wie er is , ich bin auch , wie ich bin - , vermöcht ihn ein andere nur an klein Finger z ' fassen , kannst mir glauben , daß ich ' n ihr schon nit mehr streitig machet . « Ja , so durfte die Zinshofer Helen wohl reden . Sepherl nickte zustimmend . » Wär auch ein Einfall , sich mit dir z ' messen , der Muckerl tät dazu nur lachen . Aber schau , da is er und steht noch allweil geduldsam auf der Brucken . « Er stand wirklich noch da . Viel Wasser war , während er hier wartete , den Bach hinabgeflossen , und er fragte sich , wieviel wohl noch da unter der Brücke werde hinweglaufen müssen , bis sich schicken wird , was er wünscht und hofft ? Er stand , daß der Bach gegen ihn floß , sah nur das währende Zudrängen und Herankommen und achtete nicht auf das gischende , wallende , rastlose Gerinne , das hinter seinem Rücken , was es gebracht hatte , Scheit oder Halm , auch mit sich fortführte . Früh am nächsten Morgen fand sich Helene auf dem Sternsteinhof ein . » Je , was machst du da ? « fragte die alte Schaffnerin , als sie ihrer ansichtig wurde . » Denk « , sagte die Dirne , indem sie nach ihrem rechten Ohrläppchen wies , » ein Ohrring is mir verlorengegangen . Hab ich ihn nit da heroben bei euch verstreut ? « » Hab nix gsehn . « » Sollt er dir gleichwohl unterkommen - « » Will schon darauf achten . « Über den Hof kam ein untersetzter , stämmiger Bursch auf die beiden zugeschritten . » Da kommt unser Bauerssohn « , flüsterte die Alte , die Dirne mit dem Ellbogen anstoßend . Helene betrachtete den Herantretenden . Er hatte krauses , schwarzes Haar , eine gerade , ziemlich fleischige Nase und braune , hell leuchtende Augen . Sie erwartete nach dem , was Sepherl über ihn gesagt hatte , keinen Gruß , aber sie grüßte auch nicht . » Wen hast denn da bei dir , Kathel ? « fragte er . » ' s is die Zinshoferische von da unten « , sagte die Alte mit einer beiläufigen Handbewegung nach dem Fuße des Hügels , welche dartun sollte , wie wenig für hier oben das da unten zu bedeuten habe . » Die Matzner-Sepherl hat s ' gestern mit heraufgebracht , und da hab ich ihr große Augen machen gelehrt . Über lauter Aufschaun hat s ' gar ein Ohrring verloren , ohne daß sie es gemerkt hätte . Gelt ja , du ? « Sie legte ihre knöchernen Finger auf die runde Schulter der Dirne . » Wahr ist ' s « , sagte Helene , » schön habt ihr ' s da heroben . « Sie sagte das aber in einem Tone gleichmütiger Anerkennung , wie wenn sie gestern gerade nicht gar zu Ungewöhnliches gesehen hätte und als ob sie etwa mehr absonderlichkeitshalber als aus sonst irgendeinem Grunde in der armseligsten Hütte da unten wohne . » Na , wenn dir ' s gefallen hat « , sagte der Bursche , » kannst ja öfter kommen . « » Bist gutmütig « , lachte die Dirne , » denkst , mit den Augen tragt euch keins was hinweg und gönnst einm ' s Anschaun . « » Bist du so interessiert ? « schmunzelte der Bursche . » Wer weiß , ' s eine oder ' s andere könntst du einm leicht wohl abbetteln . « » Meinst ? « entgegnete sie , ihm voll in die Augen sehend . » Wenn ich ' s drauf antragen möcht , könnt ' s ja sein ; aber aufs Betteln verleg ich mich eben nit , ich bsinn mich noch oft , ob ich nimm , was mer mir antragt . « Sie wandte sich an die Schaffnerin . » Also sei so gut , wegen ' m Ohrringel . Solltst ' s zufällig doch finden , so leg mir ' s af d ' Seit . Es wär mir leid , fand sich ' s nit , ' s eine nützt mir nix ohne ' s andere , und obendrein is ' s ein Geschenk . Schau , so sehen s ' aus . « Sie bog den Hals und reckte den Kopf hinüber , daß die Alte im linken Ohrläppchen den Ring betrachten konnte , dann kehrte sie sich ab . » Bhüt Gott miteinander ! « Der Bursche tat einen leisen Pfiff . » Die ist bissel hoffartig , scheint mir . « » Mir schon auch « , meinte die alte Kathel . » Aber gleichwohl sauber , das muß ich schon sagn . « » Sie ist ' m Kleebinder-Muckerl sein Schatz . « » ' m Holzmandelmacher ? « » ' mselbn . « » So . « Als Helene in der Hütte unten anlangte , keifte die alte Zinshofer : » Wo streichst du schon herum in aller Früh ? « » Afm Hof oben war ich . Ich muß gestern dort ein Ohrringel verstreut habn - « » Pah , du Gans , schau ein andermal doch lieber vorerst ordentlich im Haus nach , eh d ' nach allen Enden auslaufst . Dein Ohrring liegt in der Tischlad , grad vorhin hab ich ' s gsehn . « » Jesses , nein , was ich für ein verlorenes Ding bin ! Freilich , da ist ' s. Na , da bin ich recht froh . Hätt mir ' n Gang und die Angst darum ersparen können . « Sie tat einen scheuen Blick nach der Mutter und lächelte , als diese ihr den Rücken kehrte , vor sich hin . Es war nach dem Mittagessen , als der Toni vom Sternsteinhof , nachdem er in der Küche seine Pfeife in Brand gesetzt , ins Freie trat und langsam quer über die große Wiese hinabzugehen begann ; einem anderen hätte es übel bekommen können , das liebe Gras so in den Boden zu treten , wer aber wollte es ihm wehren , dem künftigen Eigner ? Nicht einmal der gegenwärtige , sein Vater , hätte ihn darüber vor den Leuten grob anlassen mögen , und einen » Rüppler « hinterher unter vier Augen scheute der Bursche um so weniger , als es dabei bisher noch immer - und um ganz anderer Streiche willen - ganz glimpflich abgelaufen war . Der Alte tat sich allerdings auf seine Strenge etwas zugute , aber wenn ihm im Tun und Lassen seines » Einzigen « , auf den er stolz war , etwas mißfiel , so begnügte er sich , seine Überlegenheit dadurch zu zeigen , daß er mit lautem Geschrei und Poltern das Unvernünftige , Unschicksame oder Unwirtschaftliche des Geplanten , Geschehenen oder Unterbliebenen aufwies , bis ihm der Atem oder der Faden der Rede ausging ; der Junge hatte dabei nur demütig zuzuhören , und das war er gern zufrieden . Toni hatte etwa zwei Dritteile des Weges , hinab zum Rande des Baches , zurückgelegt , als er die Türe der letzten Hütte da unten sich öffnen und Helene heraustreten sah . Die Dirne schwenkte ein Wäschstück in der Hand und setzte vorsichtig Fuß vor Fuß in die Tapfen früherer Tritte , welche wie Stufen an das Wasser hinabführten , dort bückte sie sich , senkte den vollen Arm in das Gerinne und wusch das Leinenzeug . Bei dem Erscheinen des Mädchens kniff der Bursche die Augen zusammen und zog den Mund breit . Er setzte langsam seinen Weg fort , bis er am Rande des Baches , zwischen zwei verkrüppelten Weiden , der Wäscherin gerade gegenüberstand . » Pst ! Pst ! « machte er . Die Dirne fuhr mit einem Schrei empor , und da sie beide Hände mit ausgespreiteten Fingern , etwas unter dem Halse , gegen ihre volle Brust drückte , so entglitt ihr das Wäschstück , sie fand eben noch Zeit , mit einer Fußspitze darauf zu treten , damit es nicht fortschwimmen könne . » Jesses , was du mich aber erschreckt hast « , sagte sie leise . Wieder spielte um den Mund des Burschen ein spöttisches Lächeln , verflog aber schnell , und er sagte , ebenfalls leise , im Tone neckender Vertraulichkeit : » Geh zu , wo du da d ' Wiesen , wie breit sie liegt , vorn Augen hast , siehst mich wohl schon a Weil da heruntersteign . « Die Dirne zog die Brauen zusammen und biß auf die Unterlippe , während sie sich rasch zum Wasser niederbeugte . Nach einer Weile sagte er : » Du , ich hätt mit dir wohl was z ' reden . « Sie schwenkte hastig das Linnen , dann faßte sie es mit beiden Händen , drehte es zusammen und rang es aus ; dabei hatte sie sich erhoben , aber erst als sie damit fertig war , kehrte sie ihr hoch gerötetes Gesicht dem Burschen zu und sagte hart und rauh : » Ich wüßt nit , was du mir zu sagen hättest , und ich bin auch gar nit neugierig . « Sie wandte sich zum Gehen . » Laß ' s bleiben « , murrte der oben und schwenkte um , und unter dieser Bewegung glaubte er wahrzunehmen , daß die Dirne an der Türe der Hütte , über ihre Achsel weg , ihm lachend nachblickte , das bewog ihn , auch den Kopf zu drehen , aber er begegnete nur ihren großen , herausfordernd abgünstigen Augen und stieg verdrossen , den Hut im Nacken , die Hände in den Hosentaschen , spreitbeinig den Weg hinan , den er herabgekommen war . Wenn auf dem langen Tische in der Gesindestube des Sternsteinhofes die Schüsseln dampften , so trat der Bauer hinzu und sprach mit lauter Stimme das Tischgebet , Knechte und Mägde murmelten es nach , dann setzte er sich , langte paarmal mit dem Löffel , Verkostens halber , nach dem Aufgetragenen , was den andern das Zeichen gab , sich , wie sie dem Rang nach in der Reihe saßen , die Teller voll zu schöpfen oder zu häufeln . Während die Dienstleute aßen , spielte der Bauer mit dem Löffel , beobachtete , ob nicht etwa einer oder eine ein » heikliches « Gesicht mache , und richtete an einzelne kurze Fragen und Reden , zum Schlusse sprach er die Danksagung und ging mit Toni in die reiche Stube hinauf , wo sich ' s beide an einem sorgfältiger bestellten Tische wohl sein ließen , wie ihnen zukam , da sie es ja doch nach unseres lieben Herrgotts unstreitigem Willen besser auf der Welt haben sollten wie andere Leute . Abends nach der Mahlzeit , wenn die alte Kathel das Tischgeräte weggetragen hatte , blieben Vater und Sohn ungestört . Der Sternsteinhofbauer war , trotz er mit etwas vorgebeugten Schultern ging und saß , einen halben Kopf größer wie sein Bub , auch hatte er einen beträchtlichen Leibesumfang , und auf einem Stiernacken trug er den großen Kopf mit der niederen , breiten Stirne . Über den Hängebacken blinzten kleine , graue , bewegliche Augen , beschattet von dichten Brauen , braun wie das kurz geschorene Haar und der Backenbart , welcher vom oberen Rande der Ohren bis zu deren Läppchen reichte , eine knollige Nase ragte über einen Mund mit dicken , wulstigen Lippen , zwischen denen er den Atem schnaufend einsog und die Laute dröhnend hervorstieß . Den Toni beschäftigte die Frage , ob wohl der Alte um seinen Wiesenfrevel wisse ? Er sollte darüber nicht lange im unklaren bleiben . Der Bauer beugte sich bis zur Tischkante vor , sah seinen » Einzigen « mit emporgezogenen Augenbrauen an und begann mit dem Kopfe wie eine Pagode zu nicken . » Bist mir a rarer Vogel , du ! « summte er . » Warum , Vater ? « » Warum ? Warum ? Wirst ' s wohl wissen , warum , und daß ich das duckmäuserische Gefrag nit leiden kann , weißt auch ! Bist heut leicht nit d ' ganze Wiesen querhnunter und querauffi gelatscht ? Was denkst denn eigentlich dabei , wem du da sein Gut in Grund und Boden hneintrittst , ' s meine oder ' s deine ? Ich mein schier , ' s wird ' s meine sein , noch lang nit ' s deine , verstehst , und daß du mir ' s meine schädigst , dagegn tu ich Einspruch ! Komm du mir nur nit etwa mit der dalketen Red , daß ' s ja doch mal ' s deine sein wurd , da hat ' s , wie gsagt , noch lang hin , und wann du dich gleichwohl in dein Gedanken als künftigen Eigner aufspielst , so ist dieselbe Urassigkeit nur noch dümmer , und ich seh wohl , es is a reine Gnad vom Himmel , je länger er mich da af der Wirtschaft sitzen laßt , und so lang ich mich noch bissel rühren kann , denk du auch nit ans Verheiraten und daß ich dir in d ' Ausnahm geh ! Noch lang nit ! Denn kaum wärst du da Herr davon , rennest mer wohl mit lustige Brüderln gleich rudelweis über Felder und Wiesen und tretest ' n Gottessegen in d ' Erd ; das is aber der Anfang vom Verwirtschaften , und da könnt ich ' s wohl bald erleben , daß mein Ausnahmstübel mit einmal kein Dach und keine Mauern mehr hätt ! Ach nein , ich hab wohl mein findigen Notarjus ; wann ich mal geh - noch denk ich nit dran - aber dann muß der mir d ' Sach so verklausulieren , wann gleich kein Stein vom Haus und kein Fußbreit vom Boden mehr dein bleibt , daß doch ich da mein Verbleiben und Auskommen hab , und für den Fall löffel du aus , was d ' dir einbrockt hast , von mir darfst nit ' s gringste erwarten ; als Ausnehmer kann ich kein Einleger brauchen . Verstehst ? Ja , da sitzt er , der Lalli , und laßt in sich hneinreden wie ein Stock ! « Er schlug mit der Hand in den Tisch . » Sag mir nur , ' s eine möcht ich doch wissen , was hast denn eigentlich af der Wiesen z ' suchen ghabt ? « » Aber gar nix nit , Vater . Frei gstanden , es war halt ein unbsinnts Stückl . « » Ein unbsinnts Stückl ? Na ja , hab mir ' s eh denkt , dös is allweil dein letzte Red . Bis zum Hals hnauf hab ich s ' schon , deine unbsinnten Stückeln ! Komm mir nit wieder damit ! « » Es wird nix mehr vorkommen . « Der Alte erhob sich . » Sagst auch allweil , aber wann du glaubst , mit mir spaßen zu können , werd ich dir doch nächst ein Ernst zeigen . « » Wird nit notwendig sein . « Der Bauer duckte den Kopf zwischen die emporgezogenen Achseln und ging murrend nach der Türe . » Gute Nacht , Vater « , rief Toni und sah ihm verstohlen schmunzelnd nach . Der Alte ging nach seiner Schlafkammer , die nichts enthielt als ein Nachtkästchen , zwei Stühle und ein Bett mit eisernem Gestelle ; da hält sich kein Ungeziefer , und auf Strohsack , Roßhaarpolster und unter rauher Kotze schläft sich ' s am gesündesten , das hatte dem Sternsteinhofbauer einer versichert , der bei den Soldaten gewesen und trotz ausgestandener Strapazen hundert Jahre alt geworden war , und so weit hoffte er es auch zu bringen . Er dachte , daß er noch lange nicht ins Ausgeding müsse und an den » unbsinnten Stückeln « seines Sohnes immer eine gute Ausrede haben werde , wenn er vor der Zeit und zu dessen Gunsten auch nicht wolle . Das hätte der Toni wissen sollen ; ihm würde über seinen nachsichtigen Vater das Lachen vergangen sein . VI Am Morgen des zweiten Tages darnach lehnte der Toni vom Sternsteinhof an der Bretterwand einer Scheuer und schmauchte sein Pfeifchen . Er sah hinab nach dem Häuschen des Kleebinder-Muckerl , der sich im Vereine mit dem alten Tagwerker Gregori mühte , eine große Kiste heraus und auf einen Schiebkarren zu schaffen ; nachdem sie das fertiggebracht , bückte sich der Alte , um das Scheibband , das ihm von den Achseln herabbaumelte , an die Handhaben zu legen , dann spuckte er in die Fäuste , griff zu und fuhr des Weges . Die Helen , die unter ihrer Türe gestanden hatte , kam jetzt herzu , Muckerl faßte sie an der Hand , und beide schritten plaudernd langsam hinterher . Die alte Kleebinderin lief in das Vorgärtel , nickte und sah ihnen lange nach . Die Dirne ging mit bloßem Kopfe , sie wird also den Holzschnitzer nur eine Strecke und nicht allzuweit begleiten . Toni paffte in kurzen , hastigen Stößen Rauchwölkchen aus seiner Morgenpfeife , während er den beiden da unten wandelnden , immer kleiner werdenden Gestalten mit den Augen folgte , bis er sie ganz am oberen Ende des Ortes , nicht größer wie Krähen im Schnee , hinter der Wegkrümmung verschwinden sah . Er blickte um sich , und da er niemand in der Nähe merkte , machte er sich eilig davon , legte , fast laufend , die Strecke bis zur Brücke zurück , dort lehnte er sich ans Geländer , verschnaufte ein wenig und ging dann langsam zum Dorfe hinaus . Er schritt bedächtig immerzu , bis er auf Helene traf , die gerade unter dem Busche stand , wo sie sich damal verstohlenerweis mit Muckerl zusammengefunden . » Grüß dich Gott , Dirn « , sagte der Toni . » Auch soviel « , entgegnete Helen . » Wohin ' s Wegs ? « » ' n Muckerl hab ich begleit , jetzt geh ich wieder heim . « » So , ' n Muckerl ? Is das dein Schatz ? « » Ich wüßt nit , warum ich dich in dem Glauben irrmachen sollt ; er wird schier so was sein . « » Wundert mich . « » Daß ich ein Schatz hab ? « » Dös nit . Eine wie du kann zehn für ein habn , wann s ' will . « » Na , jetzt weißt , ebn wenn ' s afs Wollen ankommt , da taugn mir die zehne für ein schon gar nit ; da wär mir schon einer wie zehne lieber . « » Ja , aber so einer wie zehne is doch der Muckerl nit ! « » Das sag ich auch nit , aber laß mir ' n in Fried . Daß er mir mehr gilt wie ein anderer , mag dir völlig gnügen , um wie viel mehr , kann dir gleich sein . « » Nein , das is mir ebn nit gleich , das möcht ich wissen , du , als d ' Schönst « - - » Schwätz du nit von der Schönsten ! Lang bevor ihr anghoben habt , mich als dieselbe auszschreien , hab ich ihm schon dafür golten . Vielleicht verstehst , daß er dadurch schon gegn andere voraushat ; vielleicht auch nit , jednfalls erspar ich ' s Erklären . « » Verstünd ' s eh , wann er nur wie unsereiner und kein so Halbmandl wär , oder du eine , die sich mit jedem zfriedengebn müßt , das is aber nit , und zu dir paßt ein Säuberer . « » Ah , mein , dem frag ich grad nach ! Säubrigkeit hab ich für mich selber gnug , und von einm andern seiner laßt sich nichts hrunterbeißen . « » Freilich nit , aber es könnt sich ja einer finden , der mehr hat wie der Muckerl , wovon mer hrunterbeißen kann , und da wurd doch nit schaden , wenn der nämliche ein wengerl leidlicher zun anschaun wär ? « Die Dirne sah den Burschen mit zugekniffenen Augen von der Seite an . » Natürlich , weißt du mir auch gleich ein solchen ? « » Könnt sein « , schmunzelte Toni , » und am End is er gar nit weit von da . « » Wann d ' ihm begegnest , so sag : ich ließ ihn schön grüßen und meinthalbn möcht er nur bleiben , wo er is . « » Ich werd ihm ' s sagen , glaub aber nit , daß er sich daran kehrt . « » Das is sein Sach . Und jetzt , bhüt Gott ! « » No , eil nit , ich ging gern noch mit dir - « » Kannst ja , wann mer ein Weg haben . « » Daß mer sich ausreden , aber da durchs Ort - « » Dir zlieb werd ich doch kein Umweg machen ? ! Ich wüßt nit , warum und wozu . Was ich von dir anhörn mag , das kannst schon auf offener Straßen vorbringen , wenn auch Leut untern Türen stehen oder ausn Fenstern schauen . « » Eben der Leut wegen is mir um dich . « » Um mich ? Was brauch ich die Leut z ' scheuen , wo ich ihnen untern Augen herumgeh ? Aber du fürchtst wohl , daß deinm Vater zu Ohren kommt , du wärst da herunten mit einer von uns gsehn wordn ? « » Oh , hoho ! « lachte der Bursche . » Da kennst du mein Vadern schlecht ; der schreit wohl bei jedem Anlaß rechtschaffen herum , aber schließlich , wie groß er is , steck ich ' n doch in Sack . « » Da gib nur Obacht , daß d ' dir nit doch einmal die Taschen dabei zerreißt . « » Kein Sorg ! Bei meinm Vadern richt ich alls , was ich will . « » Alles ? « » Alles ! « » Na , ' s wird wohl auch bei allm Bisherigen um nix Bsonders ghandelt habn . « Toni begann mit großem Eifer von seinen unbsinnten Stückeln zu erzählen , aber er verstummte , als sie an den ersten Hütten des Dorfes vorbeischritten . » Da hast ' s « , flüsterte er , » da stehen schon welche und gaffen . « » Laß s ' doch , wenn s ' Zeit und Lust dazu habn « , sagte die Dirne und begann sofort mit lauter Stimme von dem Wetter , den Ernteaussichten , ihrem Haushalt und ihrer Wirtschaft zu reden , bis zur Brücke , wo sie dem Burschen » gute Mahlzeit « bot . » Nur eins noch « , sagte der . » Was ? « » Willst mir wirklich kein Glegenheit gebn , daß ich mich einmal mit dir ausreden könnt ? « » Nein , wirklich nit . « » Warum ? « » Warum , willst wissen ? Weil mir der Spatz , den ich da herunten samt sein Nest in Händen hab , lieber is wie du stolzer Tauber da drobn afm Dach vom Sternsteinhof . « Der Bursche stieß ein paar kurze , höhnende Lachlaute aus , dann sah er der Wegschreitenden eine gute Weile nach , plötzlich ward er es müde , stemmte die Ellbogen auf dem Brückengeländer auf , schob alle zehn Finger unter den Hut , dessen Krempe ihm dabei tief in die Stirne fiel , und kraute sich in den Haaren . So sah ihn Helene noch lange dort stehen , als sie mit der alten Kleebinderin an der Vorgärteltüre plauderte . Auf dem Sternsteinhofe wurden Knechte und Mägde zum fleißigen Kirchenbesuche angehalten , aber der Bauer und sein Sohn nahmen es damit nicht so genau ; war es ihnen vormittags nicht gelegen , Gott die Ehre zu geben , so ließen sie sich , wenn nichts dazwischenkam , nachmittags beim Segen sehen ; öfter fuhren sie auch nach dem nahen Marktflecken , wo sie mit Bauern , die ebenfalls reich , also mehr ihresgleichen waren , verkehren konnten , und da schickte es sich häufig , daß sie erst inmitten oder zu Ende des Gottesdienstes hintrafen und ihnen just Zeit blieb , ein paar andächtige Vaterunser zu beten , ehe es zu dem Wirtshaustisch ging . Aber seit seiner Begegnung mit Helene im Busch versäumte Toni keine Frühmesse , blieb die Predigt über und besuchte nachmittags den Segen . Er ließ den Bauer allein auf dem Hofe sitzen , auch allein nach dem Marktflecken fahren und sprach sich dem Alten gegenüber sehr verständig dahin aus , daß derselbe als Herr in allem seinen freien Willen haben müsse , wie gut es aber auch sei , wenn einer an seiner Statt , den Dienstleuten zum erbaulichen Beispiele , sich gehörigerweis in der Dorfkirche sehen lasse . Zweimal noch unter der Zeit war er Helenen über den Weg gelaufen . Er sah sie unten der Straße entlangkommen und eilte nach der Brücke , um sie zu überholen , aber sie war stets flinker gewesen , und ihm blieb nichts über , als ihr in einiger Entfernung zu folgen , und da kehrte sie sich das eine wie das andere Mal an der Hütte der alten Matzner-Resl gegen ihn , sah ihn mit großen Augen befremdet , ihm kam vor , auch ein wenig spöttisch an und verschwand unter der Türe , um nach einer Weile mit Sepherl herauszutreten und eifrig plaudernd , ohne einen Blick zur Seite zu tun , mit der Kameradin vom oberen Ende des Dorfes zum unteren zurückzukehren . Nun geschah es oft , daß der Toni mitten unterm Essen Gabel und Messer aus der Hand legte , statt der Arbeit nachzugehen , in irgendeinem Winkel stand , saß oder lehnte und in das Narrenkastel guckte , das heißt , ausdruckslos vor sich hinstarrte ; das alles mochte er mehr als vier Wochen getrieben haben , als ihm der Bauer eines Mittags vom Tische weg ins Freie nachfolgte . » Nun , Bub « , sagte er , » an dir kann wohl der Herr Pfarrer sein Freud habn . « » Warum , Vater ? « » Weil d ' dich so nachdrucksam afs Fasten und Beten verlegst . « » Ich ? Mich ? « » Ja , du dich ! Und laß dir sagen , wenn d ' dich kastein willst , so hätt ich so weit nix dagegn , aber das beschauliche Wesen - tu mir d ' Freundschaft - leg ab ! Der Sternsteinhof is kein Kloster , und es bringt da kein Verdienst , sondern nur Schaden , wann du dein Arbeit so ganz beiseite setzst . « » Das tu ich doch nit , das bildst d ' dir ein « , sagte der Bursche , indem er sein errötendes Gesicht wegwandte . » Ja , ' s is a wahre Einbildung , gelt ? « lachte der Alte und entfernte sich ,