Waldes über die Gipfel der Bäume empor ragte . Witiko kletterte über die Treppe empor , Wolf folgte ihm . Oben war ebener Stand und drei hohe Lehnen , über die man hinausblicken konnte . Witiko sah in das Land Baiern . Zu seinen Füßen sah er die großen Wälder , er sah dann den Inn die Isar und die Donau , und an dem Rande sah er die Berge der Alpen . Er wendete sich dann um , und sah gegen Mitternacht und Morgen auf die dunkeln Häupter der nahen Wälder , welche sich da erhoben . Nach einer Weile sagte Wolf : » Wenn Ihr immer nach dem Lande Böhmen schaut , so wäre es besser , wenn wir auf den Hohenstein oder gar auf den Blöckenstein gingen , wo wir viel größere Stücke dieses Landes sehen können . Der Blöckenstein ist höher als die Felsen hier , und das meiste , was man vom Böhmenlande erblicken kann , erblickt man von ihm . « Witiko schaute noch eine Zeit nach seiner Richtung , und sagte dann : » Gehen wir auf den Hohenstein . « Sie stiegen von dem Fels hinab , und gingen eine kleine Strecke nach Mitternacht . Dort stand ein ähnlicher Fels . Es war der Hohenstein . Sie kletterten über eine gleiche Holztreppe hinauf . Von ihm sah Witiko die Berge des böhmischen Landes höher und breiter als von den Sesseln , auch sah er neue Waldlehnen emporstehen , aber weiter nichts von dem inneren Lande . » Gehen wir auf den Blöckenstein « , sagte er . Sie kletterten herab , und gingen nun in der Richtung gegen Morgen . Es war Tannengebüsch , es waren Wurzeln Moore Steine und Knieholz , durch das sie gingen . Nach zwei Stunden Wanderung war eine Höhe vor ihnen , die sie erklommen . Als sie auf der Schneide standen , sagte Wolf : » Wir stehen auf dem Blöckensteine . « Hier sahen sie weite und breite Gelände gegen Morgen und Mitternacht ; aber es war lauter Wald . Die Moldau war an manchen Stellen zu sehen , und glänzte matt in dem Lichte des Himmels . Witiko blieb stehen , und sah auf die Moldau hinab . Wolf wies mit der Hand gegen links , und sagte : » Dort oben , wo der krumm gewölbte Wald steht , würden wir den Berg des reichen Gesteines sehen , wenn der Wald nicht wäre . Es sind Steine , in denen man Gold findet . Es wird das Gold auch in die Moldau abgeschwemmt , daß es unter dem Sande ist , und aus ihm heraus gewaschen werden kann . Sie haben an dem Berge jetzt Hütten gemacht , und wollen die reichen Steine heraus graben . Weiter unten wäre der Winterberg , wenn der gezackte Waldkamm nicht vorstände . Gerade hier hinab ist das Tal der Hirschberge , in welches der See seinen Bach abläßt . Und dann geht es gegen das Land hinaus , wir können es aber vor lauter Wald gar nicht sehen . Dorthin , gerade aus , ist der obere Plan . Dann würden wir , wenn der Wald nicht vorstände , den Wald des heiligen Thomas sehen , und dann ist nichts mehr als der Himmel . « Während der Rede des Führers war Witiko gestanden , und hatte auf das Land vor ihm hinunter geschaut . Jetzt aber wendete er sich zum Gehen . » Hier ist gleich noch der schwarze See « , sagte Wolf . Die Männer gingen nun von der Stelle , auf der sie gestanden waren , noch ein wenig gegen Morgen und zugleich abwärts . Nach einer Weile standen sie an dem oberen Rande einer Felswand , welche in fallrechter Richtung nieder ging , und zu ihren Füßen einen finstern See hatte , der zwischen Felsen und Wäldern wie in einer Höhle unten lag . Der Wald faßte ihn ein , und seine Oberfläche zeigte nichts Lebendiges . Die Ufer an der Wand waren von herabgestürzten Bäumen gesäumt . Der junge Reiter trat auf eine Steinplatte , welche von der Wand weg gleichsam über den See vorragte , und schaute eine geraume Zeit hinunter . Nachdem er seinem Schauen ein Ende gemacht hatte , kehrte er wieder um , und schickte sich zum Gehen an . Die Männer gingen nun gegen Mittag von der Seewand gerade in der Richtung hinunter , in der das Haus sein mußte , in welches sie wollten . Nach einer Stunde kamen sie auf einen breiteren Pfad , und in kurzem an den Rand der Felder , auf dem Heinrichs Haus stand . Da sie über diese Felder dem Hause zugingen , wollte Witiko seinem Führer eine Belohnung geben . Dieser schlug sie aus , und sagte : » Von Euch nehme ich nichts . « » Wenn du alles Geld ausschlägst , dann bekommst du nie ein Pferd « , sagte Witiko . » Denkt nur einmal daran , daß wir heute mit einander gegangen sind « , entgegnete Wolf , » dann ist es schon recht . « » Ich werde daran denken « , sagte Witiko , » und auch daran , daß du ein sehr guter Führer bist . « » Und ich , daß Ihr so gut im Walde geht , wie sehr wenige « , antwortete Wolf . » Ich habe es wohl gelernt « , sagte Witiko . Indessen waren sie bei dem Hause angekommen , Witiko reichte dem Führer seinen Stock , und sagte : » So danke ich dir recht schön , Wolf , und ich werde nicht vergessen , wie getreulich du heute gegen mich gewesen bist . « » Das wird das Schönste sein « , sagte Wolf . Mit diesen Worten nahm er den Stock , und ging um die Ecke des Hauses . Witiko trat bei der Eisentür ein , und ging in den Saal . Dort war Heinrich mit seiner Gattin und Bertha , und es war jetzt auch das Mädchen mit den lichtgelben Zöpfen da , welche die Singgespanin Berthas war . Man bot Witiko einen Stuhl . Er setzte sich . Eine Magd brachte Wein und Brod . » Ich hoffe , daß Ihr einen guten Weg gemacht habt , und daß sich mein Führer bewährt hat « , sagte Heinrich . » Ich habe einen guten Weg gemacht , und Euer Führer ist sehr trefflich « , antwortete Witiko . » Jetzt nehmt etwas zu Eurer Erholung , und ruht ein wenig aus « , sagte Wiulfhilt . » Ich will etwas nehmen , geehrte Frau « , entgegnete Witiko , » aber mit dem Ausruhen kann ich nicht einstimmen . Der zurückgelegte Weg ist nicht so arg , daß er eine Ruhe nötig machte , und die Zeit drängt mich , daß ich zur Pflege meines Pferdes in meine Herberge gehe . « Er brach hierauf ein weniges von dem Brote und aß es , dann tat er einen Trunk des Weines . Da dieses geschehen war , erhob er sich , und sagte zu Heinrich : » Ich danke Euch nun für die gute Aufnahme , und ich werde an Euch ein Gleiches tun , wenn es einmal geschehen kann . « » Ich werde Euch noch ein Stück geleiten « , sagte Heinrich . » Und Euch , vielwerte Frau « , sprach Witiko zu Wiulfhilt , » sage ich Dank für jede Sorge und Mühe . « » Gesegn ' Euch Gott den Aufenthalt bei uns , Witiko , und möge er Euch Glück und Ehre verleihen « , sagte die Frau . Dann wendete sich Witiko zu Bertha , und sagte : » Lebet wohl , Bertha , und bleibet heiter und fröhlich . « » Ihr auch , Witiko « , sagte das Mädchen , » und reitet mit Glück . « » Vielleicht höre ich Euch doch wieder einmal singen , wenn ich wieder einmal komme « , sagte Witiko . » Kann sein , wenn Ihr denkt , und singt wie der Wald « , entgegnete sie . » Ich habe gejauchzt « , sagte er , » singen kann ich nicht aber denken wie der Wald . « Dann neigte er sich gegen Trude , und sagte : » Lebet wohl , und habt Dank für den Gesang , den ich auch gegen Euren Willen gehört habe . « » Lebet wohl « , sagte das Mädchen , und errötete . Nach diesen Worten schickte sich Witiko an , den Saal zu verlassen . Er sah noch auf Berthas Kranz . Heinrich ging mit ihm auf die Gasse , und von da weiter bis zur roten Kapelle . Dort sagte er : » Jetzt trennen wir uns . Wandert wohl , und wenn Ihr wieder einmal in diese Gründe kommt und das weiße Haus sehet , so besuchet es . « » Wenn es der Himmel fügt , so werde ich nicht vorüber gehen « , antwortete Witiko . » Und wir werden Euch freundlich aufnehmen , wenn wir hier sind « , sagte Heinrich . » Noch einmal Dank « , entgegnete Witiko . » Mit Gott « , antwortete Heinrich . Sie trennten sich , Heinrich ging mitternachtwärts , Witiko mittagwärts . Der breite Weg hörte mit der Wiese auf , und Witiko ging auf dem schmalen Pfade , der folgte , zur Mihel hinab . Da er in dem Köhlerhause ankam , sah er sogleich nach seinem Pferde . Dann war ein Abendessen wie am Tage zuvor , und dann ruhte Witiko in demselben Bette . Am andern Morgen , ehe die Sonne aufging , saß er in seinen Unterkleidern am Tische im Zimmer der Köhlerhütte . Der Köhler reinigte seine Kleider . Er aber ging zuweilen mit den hölzernen Schuhen des Köhlers in den Stall , um an der Pflege seines Pferdes zu sein , dann kleidete er sich an , und hierauf aßen alle eine aus Milch und Mehl bereitete Suppe . » Und nun habet Dank , ihr lieben Leute , für eure freundliche Aufnahme « , sagte Witiko . » Wenn Eure Mutter meinen Vater wieder einmal an Euch sendet « , sagte der Köhler , » so eröffnet ihm , daß wir Euch hier aufgenommen haben . « » Ich werde es tun « , sagte Witiko . » An der Mihel geht der Saumpfad fort « , sprach der Köhler . » In vier Stunden langsamen Reitens seid Ihr im Aigen . Am ersten Hause mit den roten Balken wird Euch der Ohm Florian erwarten . Er wird für Euch und Euer Pferd sorgen , und Euch nach dem Friedberge führen . « » Es ist gut « , sagte Witiko . Dann streichelte er den Kindern die Wangen , und gab jedem einen glänzenden Pfennig . Dann verlangte er sein Pferd . Der Köhler führte es vor die Tür . » Erlebet recht große Dinge « , sagte die Frau . » Wie Gott will « , entgegnete Witiko , und gab ihr die Hand . Er reichte auch dem Manne die Hand . Dann prüfte er die Rüstung des Pferdes , sagte : » Ich danke euch noch einmal « , und schwang sich hinauf . » Reitet mit Gott « , riefen die Leute . Witiko ritt an die Mihel , durchritt die Furt , und ritt auf dem Saumpfade gegen Morgen weiter . Wenn er rechts blickte , sah er das lange waldige Dach des breiten Berges , links den Wald der drei Sessel , des Blöckensteines und die ferneren gegen Morgen . Die Mihel rauschte neben ihm , bald war er an ihrer Seite , bald war er weiter von ihr entfernt . Es kamen auch Anhöhen , über welche er sein Pferd hinüber schreiten lassen mußte . Er ritt an einem spitzigen bewachsenen Berge vorbei , welcher den Namen des schwarzen Berges führte , über einen Hügel , welchen man den Berg des heiligen Huldrik nannte , und er hatte dann links den großen Wald neben sich , welchen sie Hochficht hießen . Ehe noch der Mittag gekommen war , ging das Tal am Walde auseinander , es wurden Wiesen und Felder , und er kam zu einem Hause , das an dem Pfade stand . Das Haus war aus Holz , und hatte stark hervorragende Dachbalken , welche rot bemalt waren . Er hielt ein wenig an . Da kam ein Mann mit grauem Gewande und weißem Barte aus dem Hause . » Heißt es hier in dem Aigen ? « fragte Witiko . » Ja , und ich bin Florian , der Ohm Margarethens , des Weibes des Köhlers Mathias « , antwortete der andere . » Und ich bin der , den du erwartest « , sagte Witiko , stieg von dem Pferde , und brachte es auf die Weisung des alten Mannes in einen Schoppen . Dort erhielt es sein Mittagfutter , so wie Witiko auf einem Brettertische vor dem Hause von dem Besitzer sein Mittagmahl erhielt . Er blieb zwei Stunden hier , dann zäumte er sein Pferd , zahlte seine Bewirtung , und ritt in Begleitung des alten Mannes weiter , der in einer Lederhaube , groben Beinkleidern und großen Waldschuhen mit einem langen Stabe vor ihm herging . Sie trafen von dem Hause ihrer Herberger weg noch einige andere kleine Häuser mit Wiesen und Feld , sämtlich von Holz . Dann führte ihr Weg sie wieder in den Wald . Ihre Wanderung ging zwei Stunden noch an der Mihel fort . Da war zuweilen eine Hütte mit gereutetem Lande , oder eine Köhlerstätte , oder ein Holzschlag mit den Holzschlägerhütten , oder gar ein Haus mit einer Säge zu Brettern . Als sie aber zu einem Berge gekommen waren , welcher der Berg des heiligen Oswald geheißen wurde , und als dort der Begleiter Witikos gegen den großen Wald , welcher immer zur Linken war , einbog , traten sie in dichten Wald , der nicht durch ein einziges kleines freies Plätzchen unterbrochen war . Ihre Wanderung dauerte in diesem Walde über zwei Stunden , und ihr Weg führte sie in der Richtung zwischen Mitternacht und Morgen immer sachte aufwärts . Es standen sehr dicke Stämme von Tannen in dem Boden , welcher feucht war , wenig Licht erhielt , und teils Steine teils Untergestrüppe teils grüne Schattenpflanzen trug . Von diesen Stämmen war noch nie einer durch Menschenhände geschlagen worden , weil noch nicht die Not um Holz dazu getrieben hatte , mancher war aus Alter gefallen , oder vom Blitze zerstört worden , eine andere Beschädigung war nicht sichtbar , weil auch Winde in die Tiefe dieses Waldes nicht eindringen konnten . Als die Sonne gegen Abend neigte , kamen sie auf der Schneide des Waldes an , und hier war eine freie Stelle . Auf derselben war kein Stäudlein , sondern nur kurzes Gras und große Ganitsteine . Witiko ritt das Pfadlein zwischen den Steinen hinan , bis er auf die Höhe und auf einen Bühel gelangte , der über die Wipfel aller tiefer stehenden Bäume empor ragte . Hier hielt er plötzlich an , und seine Augen konnten weit und breit herum schauen . Er sah mittagwärts auf das Bayerland , das blau mit Wäldern Fluren und offenen Stellen dahin lag bis zu den noch blaueren Alpenbergen , in denen manche Matte mit Schnee glänzte . Gegen Morgen davon sah er auf die Ostmark mit den blauen Fluren und Wäldern und Feldern , in der der junge Leopold herrschte . Es war ein weites Gebiet , das er betrachtete , und zu seinen Füßen lag der Wald , durch den sie herauf gekommen waren , und andere Wälder . Und als Witiko sich gegen Mitternacht wendete , ging der Wald , auf dessen Schneide er stand , so dicht und breit hinab , wie der gewesen war , durch den er herauf geritten war . Und unten floß die Moldau , nicht wie gestern in kurzen Stücken sichtbar , sondern in langen Schlangen von dem oberen Waldlande niederwärts wandelnd . Und jenseits des Wassers lag das Land Böhmen in schönen Wäldern und dann wieder in Wäldern und dann in Gefilden , die mit Gehölz , wechselnd mit nahrungtragenden Fluren , bedeckt waren . Den Wald sah er , auf dem er gestern gestanden war , den Wald , in welchem sich der schwarze See befand , und dann noch weiterhin stark dämmerige Wälder . Auch gegen Morgen war Forst an Forst dahin . » Da sollte eine Königsburg stehen « , sagte Witiko . » Ja , da könnte ein hoher Herr hausen « , sagte Florian . » Der Wald ist weit größer , weit dichter und weit undurchdringlicher « , sagte Witiko , » als der um Heinrichs Wohnung unter den drei Sesseln , und es ist hier weit und frei und herrlich . « » Es ist schon einmal etwas da gewesen « , sagte Florian , » nicht eine Wohnung , sondern ein heiliges Ding , eine Betstelle . Es stand da auf dem höchsten Platze das Bild des heiligen Apostels Thomas in einem Häuschen von Tannenholz zur Verehrung aufgerichtet . Es war dies in alten Zeiten , da noch mehr christliche Herren in dem Walde herrschten . Es ist ein großes Geschlecht da gewesen . Dann sind sie aber zu den Tryznen gegangen , die in Böhmen noch abgehalten wurden , das heilige Haus ist weggetragen worden , oder hat es das Feuer verzehrt , oder ist es sonst zu nichte geworden , und der Ort heißt nur mehr der Thomasgipfel . « » Wessen ist der Grund , auf dem wir hier stehen ? « fragte Witiko . » Des Herzogs Sobeslaw von Böhmen « , antwortete Florian , » er kann ihn gebrauchen , oder verschenken , wie er will . « » Und in wessen Land wohnest du ? « fragte Witiko . » Ich bin ein Mann des Herzogs Sobeslaw « , antwortete Florian , » in der reichen Aue da unten gegen den Oswaldberg steht meine Waldhütte mit Wiese und Vieh . Wir haben weithin keine Nachbarn , und müssen lange gehen , um zur Mihel zu kommen . Wir sind aber keines Herrn Gefolge als des Herzogs , und wir gehören zur Zupe Daudleb , die wohl sieben Stunden von hier an der Malsch in der Richtung ist , in welcher Ihr immer hinschaut . « » Ja , ich schaue in dieser Richtung « , sagte Witiko , » aber laß uns weiter gehen . « Er lenkte sein Pferd auf das Pfadlein jenseits des Bühels abwärts . Sie kamen wieder in einen Wald , der so schön und dicht war , wie der , durch den sie herauf gekommen waren . Als eine Stunde vergangen war , und die Dämmerung schon anfing , gelangten sie an das Wasser der Moldau hinab . » Das ist die Moldau « , sagte Florian . » Sei mir gegrüßt , du dunkles Wasser , das ich so lange nicht gesehen habe « , sagte Witiko . Sie überschritten die Moldau auf einer schmalen Brücke , und stießen jenseits auf einen niederen langen Hügel . » Das ist der Friedberg « , sagte Florian , » und hier werden wir die Nachtruhe halten . « Sie stiegen den Hügel , welcher Wiesen und kleine Feldei trug , hinan , und trafen oben mehrere Häuser . Sie waren alle von Holz mit breiten Dächern . Eines aber war von Stein , und hatte einen sehr starken runden steinernen Torbogen . Zu diesem Hause leitete Florian den Reiter , der Herr des Hauses kam heraus , und geleitete sie in das Innere . In dem Hause mit dem runden Steintorbogen hielten Witiko , der Alte und das Pferd die Nachtruhe . Als die Sonne aufgegangen war , rüsteten sie sich zur Weiterreise . Witiko hatte Florian gebeten , ihn bis an das Ende des Waldes zu führen , und dieser hatte eingewilligt . Da Witiko sagte , daß er an der Moldau reiten wolle , gingen sie wieder über die Brücke , und schlugen einen Saumweg an dem Wasser gegen Morgen ein . Sie zogen zwei Stunden lang durch dichten nassen niederen Wald . Dann kamen sie zu einer Stelle , an welcher steile Felsen neben dem Wasser emporragten . Die Moldau floß rauschend und tosend durch das Gestein . Florian und der Reiter kletterten durch die Blöcke , dann kamen sie wieder in ebneren Wald . Nach einer Stunde gelangten sie an den Platz , an welchem die Moldau ihren Lauf nach Morgen abbricht , und ihn nach Mitternacht wendet . Und wieder nach einer Stunde trafen sie an dem Orte ihrer Mittagsruhe ein . Es standen mehrere Häuser an der Moldau . Eines nahm sie auf . Witiko sah , daß hier die Moldau einen Kreis mache , und gleich hinter ihm eine lange Schleife zog . An dem Kreise standen gegen Mitternacht Steinhöhen , und zogen sich in die Schleife . Witiko sagte , daß man auf den Steinen eine Burg bauen könnte , welche durch das Wasser wohl gesichert wäre . Er betrachtete den Platz mit Aufmerksamkeit . Als sie zwei Stunden geruht hatten , zogen sie mitternachtwärts an der Moldau weiter . Die Waldberge wurden kleiner und geteilter , und mancher Rücken ging mitternachtwärts hinaus . Nach vier Stunden erreichten sie die Stelle ihrer Nachtherberge . » Das ist die krumme Au « , sagte Florian , » und da wäre eine Burg noch schöner als auf dem Berge der Rosen , den Ihr so lange angeschaut habt . Die Moldau macht einen Ring , dann macht sie außerhalb desselben einen zweiten verkehrten , und dann noch einen größeren , der wieder verkehrt ist , und an ihm stehen gerade Felsen empor . « Er leitete den Reiter in eines der Häuser , die in der krummen Au standen . Ehe am andern Morgen die Sonne aufging , stieg Witiko auf den Felsen , und sah alles an . Dann stieg er wieder nieder , rüstete sein Pferd , und sie zogen weiter . Die Waldberge wurden wieder niederer , die Moldau machte noch manche Schleife , und da sie drei Stunden an ihr gewandert waren , ging sie in die waldlose Ebene hinaus . Witiko wendete sein Pferd , und blickte auf den Wald zurück . Dann dankte er dem Führer und lohnte ihn . Der Führer ging mittagwärts in den Wald zurück , und Witiko ritt mitternachtwärts weiter . 2 Sie waren sorglos und fröhlich . Nach drei Tagen ritt Witiko von dem alten Zupenorte Chynow mitternachtwärts . Da hörte er hinter sich Lachen und Pferdetraben . Er blickte um , und sah eine Anzahl schöner Reiter hinter sich herkommen . Er lenkte sein Pferd an den Rand des Weges , und ritt in seiner Art langsam weiter , um sie vorüber zu lassen . Da war der erste , der heran kam , ein Jüngling in scharlachrotem Gewande auf einem weißen Zelter . Statt an Witiko vorüber zu reiten , hielt er sein Pferd an , und sagte : » Du einzelner Mann , du reitest aus , das Herzogtum Böhmen zu erobern . « Witiko brachte sein Pferd nun vollends zum Stehen , stellte es quer an den Weg , und sah den Mann an . Dieser blieb auch stehen , und hielt die Betrachtung aus . Er war ein junger schöner Mann mit blonden Haaren und blauen Augen . Auf seinem Haupte hatte er eine schwarze Haube , von der eine Adlerfeder gerade empor stand . In den Bügeln hielt er starke lederne Stiefel , und um die Schultern hatte er an einer roten Schnur ein Hüfthorn . Seine Kleider waren in Unordnung . Sie waren bestaubt und von einem nassen Boden , auf dem er geritten sein mochte , bespritzt . Da Witiko schaute , kamen die andern heran . Sie waren alle jung und in schöne Farben gekleidet . Die meisten waren rötlich oder rotbraun , die andern grün . Sie hatten gleichfalls Federn auf den Hauben ; Reigerfedern , Hahnenfedern und dergleichen . Manche hatten ein Hüfthorn , alle hatten ein Schwert , und einige trugen ein oder gar mehrere Jagdlanzen . Ihre Kleider waren auch in Unordnung wie die des scharlachroten Mannes . Sie mochten zehn oder zwölf Männer sein . » Was die Eroberung Böhmens angeht « , sagte Witiko , » so wird sie dir weit eher gelingen als mir , da du ein solches Geleite hast , und ich allein bin . « » Unsere Rosse sind gebrechliche leichte Dinge , die dahin rennen « , sagte der Mann , » und unsere Gewänder sind Flitter , die ein Stab zerreißt , während dein grauer Zelter , auf dem du im Schritte reitest , breit und fest ist , und deine Gewänder undurchdringlich sind , daß man meinen sollte , du könntest Hostas Burg , die der Herzog jetzt so eilig neu baut , gemach niederreiten . « » Und wenn ich die Burg des Hosta und den reichen Wysehrad und das ganze Böhmen niederreiten könnte « , entgegnete Witiko , » so würde ich es nicht tun , so lange Sobeslaw besteht , um dessen langes Leben ihr Gott bitten solltet ; aber deines Herzens Gelüsten wäre es , hier zu schalten , weil du die Worte zu mir gesagt hast , die der Schalk dir eingab . « » Höre , Sohn des weisen Nacerat « , erwiderte der Scharlachreiter , indem er sich zu einem der Angekommenen wendete , » dieser da meint , daß wir alle , die hier sind , ihn ausgenommen , den Wunsch haben , die Plage der Regierung in Bürglitz zu sitzen , oder Reichsversammlungen in Sadska zu diesen Ländern zu übernehmen , auf dem Wysehrad oder auf halten , und die Meinungen der erfahrnen Jahrträger und Räte zu hören , und ihnen untertänig zu sein , statt in freier Luft zu leben , die nachdenkenden Köpfe herrschen zu lassen , und uns um die Freuden zu bekümmern , die uns Gott in der Welt gegeben hat : um das fröhliche Reiten , um die Jagd , um den Becher , um die Mädchen , und wäre es selber die schöne österreichische Gertrude , die Schwester des ehrbegierigen jungen Markgrafen Leopold , dem jetzt unser ruhmreicher Herzog , welchem wir ein ewiges Leben hienieden wünschen , die böhmische Maria , seine Tochter , zur Gemahlin geben will . Und du , Odolen , Sohn des Striz , und Welislaw , sind wir nicht besser und jünger , uns die schönsten Mädchen zu wählen , als jener Balg , der Wratislaw von Brünn , der sich vor fünf oder sechs Jahren eine Prinzessin aus Rußland geholt hat , die alle sterblichen Leute an Schönheit übertrifft ? « » Und wie du auch scherzest « , sagte Witiko , » so möchtest du doch da der Erste sein , nur daß du es nicht kannst . « » Und du wirst den Herzog Sobeslaw strenge gegen mich verteidigen ? « sagte der Scharlachreiter . » Es ist ganz umsonst , über nichtige Dinge zu streiten « , entgegnete Witiko , » aber ich würde ihn mit dem letzten Blutstropfen verteidigen , weil er zu Recht eingesetzt ist , ein guter Mann ist , und recht regiert . « » Also einen schlechten Herzog würdest du absetzen ? « sagte der Scharlachreiter . » Wenn ich einen schlimmen Herzog absetzen könnte , und nur ich allein « , antwortete Witiko , » so würde ich es nicht tun , wenn er mit Recht besteht , weil ein schlimmerer unrechter kommen könnte ; aber dienen würde ich ihm nicht . « » Wenn du ein Steinschleifer oder ein gelehrter Mann bist , der langsam nach Prag reitet « , sagte der Scharlachreiter , » so könnte der Herzog deine guten Dienste wohl brauchen ; denn er ist daran , das hölzerne Prag in ein steinernes zu verwandeln , die Gassen nach der Schnur zu richten , die Menge von Steinen , daraus er einen Fußboden im Wysehrad machen will , wie Täfelchen eines Kirchenfensters zu schleifen , und Bücher anzusammeln . « Nach diesen Worten schob Witiko sein Pferd schnell zurück , bis er außer der Versammlung war . Dann hielt er , und rief : » Wenn ihr gekommen seid , einen Mann und sein Pferd zu höhnen , die euch nie beleidigten , so ist das eine schmachvolle Tat von euch , da ihr zwölf oder dreizehn gegen einen seid ; wenn ihr aber die Ehre zu achten wißt , daß ein einzelner von euch eure Worte gegen einen einzelnen vertritt , so bin ich da , sendet einen , daß ich ihm stehe . Wollt ihr mich aber beschimpfen oder verwunden oder töten , so tut es ; ich will lieber als ein Unbekannter mein Blut hier vergossen sehen , als Schmach annehmen , und erfahren , daß slawische Gastfreundschaft einen Fremden , der im Lande reitet , nicht ehrt . « Hierauf zog er sein Schwert , senkte es , und blieb mit seinem Pferde stehen . » Wie hat er denn das Tier so schnell zurückgebracht ? « sagte der Scharlachreiter . » Ich bin Odolen , der Sohn des Striz « , rief einer in grüner Kleidung aus dem Haufen , und wendete den Kopf seines Pferdes gegen Witiko , » und leide von keinem Menschen in dieser Welt eine Auflehnung . « » Ich bin Welislaw « , rief ein brauner Mann , indem er sich gleichfalls gegen Witiko wendete , » und nehme keine Drohung an . « » Und ich bin Casta , ich bin Ben , ich bin der Sohn des Nacerat « , riefen drei Stimmen