, in welchem Ihr ausruhen könnt . « Als er dies gesagt und ich ihm Folge geleistet hatte , trat er zu einer breiten Strohmatte und zu Fußbürsten , die sich am Ausgange des Zimmers befanden , reinigte sich an beiden sehr sorgsam seine Fußbekleidung , und lud mich ein , dasselbe zu tun . Ich tat es , und da ich fertig war , öffnete er die Ausgangstür , die ebenfalls braun und getäfelt war , und führte mich durch ein Vorgemach in ein Ausruhezimmer , welches an der Seite des Vorgemaches lag . » Dieses Vorgemach « , sagte er , » ist der eigentliche Eingang in das Speisezimmer , und man kommt von der andern Tür in dasselbe . « Das Ausruhezimmer war ein freundliches Gemach , und schien recht eigens zum Sitzen und Ruhehalten bestimmt . Es befaßte nichts als lauter Tische und Sitze . Auf den Tischen lagen aber nicht , wie es häufig in unsern Besuchzimmern vorkömmt , Bücher oder Zeichnungen und dergleichen Dinge , sondern die Tafeln derselben waren unbedeckt , und waren ausnehmend gut geglättet und gereinigt . Sie waren von dunklem Mahagoniholze , das in der Zeit noch mehr nachgedunkelt war . Ein einziges Geräte war da , welches kein Tisch und kein Sitz war , ein Gestelle mit mehreren Fächern , welches Bücher enthielt . An den Wänden hingen Kupferstiche . » Hier könnt Ihr ausruhen , wenn Ihr vom Gehen müde seid , oder überhaupt ruhen wollt , « sagte der Mann , » ich werde gehen und sorgen , daß man Euch etwas zu essen bereitet . Ihr müßt wohl eine Weile allein bleiben . Auf dem Gestelle liegen Bücher , wenn Ihr etwa ein wenig in dieselben blicken wollet . « Nach diesen Worten entfernte er sich . Ich war in der Tat müde und setzte mich nieder . Als ich saß , konnte ich den Grund einsehen , weshalb der Mann vor dem Eintritte in dieses Zimmer so sehr seine Fußbekleidung gereinigt und mir den Wunsch zu gleicher Reinigung ausgedrückt hatte . Das Zimmer enthielt nämlich einen schön getäfelten Fußboden , wie ich nie einen gleichen gesehen hatte . Es war beinahe ein Teppich aus Holz . Ich konnte das Ding nicht genug bewundern . Man hatte lauter Holzgattungen in ihren natürlichen Farben zusammengesetzt und sie in ein Ganzes von Zeichnungen gebracht . Da ich von den Geräten meines Vaters her an solche Dinge gewohnt war und sie etwas zu beurteilen verstand , sah ich ein , daß man alles nach einem in Farben ausgeführten Plane gemacht haben mußte , welcher Plan mir selber wie ein Meisterstück erschien . Ich dachte , da dürfe ich ja gar nicht aufstehen und auf der Sache herum gehen , besonders wenn ich die Nägel in Anschlag brachte , mit denen meine Gebirgsstiefel beschlagen waren . Auch hatte ich keine Veranlassung zum Aufstehen , da mir die Ruhe nach einem ziemlich langen Gange sehr angenehm war . Da saß ich nun in dem weißen Hause , zu welchem ich hinauf gestiegen war , um in ihm das Gewitter abzuwarten . Es schien noch immer die Sonne auf das Haus , blickte durch die Fenster dieses Zimmers schief herein , und legte lichte Tafeln auf den schönen Fußboden desselben . Als ich eine Weile gesessen war , bemächtigte sich meiner eine seltsame Empfindung , welche ich mir anfangs nicht zu erklären vermochte . Es war mir nämlich , als sitze ich nicht in einem Zimmer , sondern im Freien , und zwar in einem stillen Walde . Ich blickte gegen die Fenster , um mir das Ding zu erklären ; aber die Fenster erteilten die Erklärung nicht : ich sah durch sie ein Stück Himmel , teils rein , teils etwas bewölkt , und unter dem Himmel sah ich ein Stück Gartengrün von emporragenden Bäumen , ein Anblick , den ich wohl schon sehr oft gehabt hatte . Ich spürte eine reine , freie Luft mich umgeben . Die Ursache davon war , daß die Fenster des Zimmers in ihren oberen Teilen offen waren . Diese oberen Teile konnten nicht nach innen geöffnet werden , wie das gewöhnlich der Fall ist , sondern waren nur zu verschieben , und zwar so , daß einmal Glas in dem Rahmen vorgeschoben werden konnte , ein anderes Mal ein zarter Flor von weiß-grauer Seide . Da ich in dem Zimmer saß , war das letztere der Fall . Die Luft konnte frei herein strömen , Fliegen und Staub waren aber ausgeschlossen . Wenn nun gleich die reine Luft eine Mahnung des Freien gab , sah ich doch hierin nicht die völlige Erklärung allein . Ich bemerkte noch etwas anderes . In dem Zimmer , in welchem ich mich befand , hörte man nicht den geringsten Laut eines bewohnten Hauses , den man doch sonst , es mag im Hause noch so ruhig sein , mehr oder weniger in Zwischenräumen vernimmt . Diese Art Abwesenheit häuslichen Geräusches verbarg allerdings die Nachbarschaft bewohnter Räume , konnte aber eben so wenig als die freie Luft die Waldempfindung geben . Endlich glaubte ich auf den Grund gekommen zu sein . Ich hörte nämlich fast ununterbrochen bald näher bald ferner , bald leiser bald lauter vermischten Vogelgesang . Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf diese Wahrnehmung , und erkannte bald , daß der Gesang nicht bloß von Vögeln herrühre , die in der Nähe menschlicher Wohnungen hausen , sondern auch von solchen , deren Stimme und Zwitschern mir nur aus den Wäldern und abgelegenen Bebuschungen bekannt war . Dieses wenig auffallende , mir aus meinem Gebirgsaufenthalte bekannte und von mir in der Tat nicht gleich beachtete Getön mochte wohl die Hauptursache meiner Täuschung gewesen sein , obwohl die Stille des Raumes und die reine Luft auch mitgewirkt haben konnten . Da ich nun genauer auf dieses gelegentliche Vogelzwitschern achtete , fand ich wirklich , daß Töne sehr einsamer und immer in tiefen Wäldern wohnender Vögel vorkamen . Es nahm sich dies wunderlich in einem bewohnten und wohleingerichteten Zimmer aus . Da ich aber nun den Grund meiner Empfindung aufgefunden hatte , oder aufgefunden zu haben glaubte , war auch ein großer Teil ihrer Dunkelheit und mithin Annehmlichkeit verschwunden . Wie ich nun so fortwährend auf den Vogelgesang merkte , fiel mir sogleich auch etwas anderes ein . Wenn ein Gewitter im Anzuge ist und schwüle Lüfte in dem Himmelsraume stocken , schweigen gewöhnlich die Waldvögel . Ich erinnerte mich , daß ich in solchen Augenblicken oft in den schönsten , dichtesten , entlegensten Wäldern nicht den geringsten Laut gehört habe , etwa ein einmaliges oder zweimaliges Hämmern des Spechtes ausgenommen oder den kurzen Schrei jenes Geiers , den die Landleute Gießvogel nennen . Aber selbst er schweigt , wenn das Gewitter in unmittelbarer Annäherung ist . Nur bei den Menschen wohnende Vögel , die das Gewitter fürchten wie er , oder solche , die im weiten Freien hausen und vielleicht dessen majestätische Annäherung bewundern , zeigen sein Bevorstehen an . So habe ich Schwalben vor den dicken Wolken eines heraufsteigenden Gewitters mit ihrem weißen Bauchgefieder kreuzen gesehen und selbst schreien gehört , und so habe ich Lerchen singend gegen die dunkeln Gewitterwolken aufsteigen gesehen . Das Singen der Waldvögel erschien mir nun als ein schlimmes Zeichen für meine Voraussagung eines Gewitters . Auch fiel mir auf , daß sich noch immer keine Merkmale des Ausbruches zeigten , welchen ich nicht für so ferne gehalten hatte , als ich die Landstraße verließ . Die Sonne schien noch immer auf das Haus , und ihre glänzenden Lichttafeln lagen noch immer auf dem schönen Fußboden des Zimmers . Mein Beherberger schien es darauf angelegt zu haben , mich lange allein zu lassen , wahrscheinlich , um mir Raum zur Ruhe und Bequemlichkeit zu geben ; denn er kam nicht so bald zurück , als ich nach seiner Äußerung erwartet hatte . Als ich eine geraume Weile gesessen war , und das Sitzen anfing , mir nicht mehr jene Annehmlichkeit zu gewähren wie anfangs , stand ich auf und ging auf den Fußspitzen , um den Boden zu schonen , zu dem Büchergestelle , um die Bücher anzusehen . Es waren aber bloß beinahe lauter Dichter . Ich fand Bände von Herder , Lessing , Goethe , Schiller , Übersetzungen Shakespeares von Schlegel und Tieck , einen griechischen Odysseus , dann aber auch etwas aus Ritters Erdbeschreibung , aus Johannes Müllers Geschichte der Menschheit und aus Alexander und Wilhelm Humboldt . Ich tat die Dichter bei Seite , und nahm Alexander Humboldts Reise in die Äquinoktialländer , die ich zwar schon kannte , in der ich aber immer gerne las . Ich begab mich mit meinem Buche wieder zu meinem Sitze zurück . Als ich nicht gar kurze Zeit gelesen hatte , trat mein Beherberger herein . Ich hatte , weil er so lange abwesend war , gedacht , er werde sich etwa auch umgekleidet haben , weil er doch nun einmal einen Gast habe , und weil sein Anzug so gar unbedeutend war . Aber er kam in den nämlichen Kleidern zurück , in welchen er vor mir an dem Gittertore gestanden war . Er entschuldigte sein Außenbleiben nicht , sondern sagte , ich möchte , wenn ich ausgeruht hätte und es mir genehm wäre zu speisen , ihm in das Speisezimmer folgen , es würde dort für mich aufgetragen werden . Ich sagte , ausgeruht hätte ich schon ; aber ich sei nur gekommen , um um Unterstand zu bitten , nicht aber auch in anderer Weise , besonders in Hinsicht von Speise und Trank lästig zu fallen . » Ihr fallt nicht lästig , « antwortete der Mann , » Ihr müßt etwas zu essen bekommen , besonders da Ihr so lange da bleiben müßt , bis sich die Sache wegen des Gewitters entschieden hat . Da schon Mittag vorüber ist , wir aber genau mit der Mittagstunde des Tages zu Mittag essen , und von da bis zu dem Abendessen nichts mehr aufgetragen wird , so muß für Euch , wenn Ihr nicht bis abends warten sollet , besonders aufgetragen werden . Solltet Ihr aber schon zu Mittag gegessen haben und bis abends warten wollen , so fodert es doch die Ehre des Hauses , daß Euch etwas geboten werde , Ihr möget es dann annehmen oder nicht . Folgt mir daher in das Speisezimmer . « Ich legte das Buch neben mich auf den Sitz , und schickte mich an zu gehen . Er aber nahm das Buch , und legte es auf seinen Platz in dem Büchergestelle . » Verzeiht , « sagte er , » es ist bei uns Sitte , daß die Bücher , die auf dem Gestelle sind , damit jemand , der in dem Zimmer wartet oder sich sonst aufhält , bei Gelegenheit und nach Wohlgefallen etwas lesen kann , nach dem Gebrauche wieder auf das Gestelle gelegt werden , damit das Zimmer die ihm zugehörige Gestalt behalte . « Hierauf öffnete er die Tür und lud mich ein , in das mir bekannte Speisezimmer voraus zu gehen . Als wir in demselben angelangt waren , sah ich , daß in ausgezeichnet schönen weißen Linnen gedeckt sei , und zwar nur ein Gedecke , daß sich eingemachte Früchte , Wein , Wasser und Brod auf dem Tische befanden , und in einem Gefäße verkleinertes Eis war , es in den Wein zu tun . Mein Ränzlein und meinen Schwarzdornstock sah ich nicht mehr , mein Hut aber lag noch auf seinem Platze . Mein Begleiter tat aus einer der Taschen seines Kleides ein , wie ich vermutete , silbernes Glöcklein hervor und läutete . Sofort erschien eine Magd und brachte ein gebratenes Huhn und schönen rotgesprenkelten Kopfsalat . Mein Gastherr lud mich ein , mich zu setzen und zu essen . Da es so freundlich geboten war , nahm ich es an . Obwohl ich wirklich schon einmal gegessen hatte , so war das vor dem Mittag gewesen , und ich war durch das Wandern wieder hungrig geworden . Ich genoß daher von dem Aufgesetzten . Mein Beherberger setzte sich zu mir , leistete mir Gesellschaft , aß und trank aber nichts . Da ich fertig war und die Eßgeräte hingelegt hatte , bot er mir an , wenn ich nicht zu müde sei , mich in den Garten zu fahren . Ich nahm es an . Er läutete wieder mit dem Glöcklein , um den Befehl zu geben , daß man abräume , und führte mich nun nicht durch den Gang , durch welchen wir herein gekommen waren , sondern durch einen mit gewöhnlichen Steinen gepflasterten in den Garten . Er hatte jetzt ein kleines Häubchen von durchbrochener Arbeit auf seinen weißen Haaren , wie man sie gerne Kindern aufsetzt , um ihre Locken gleichsam wie in einem Netze einzufangen . Als wir in das Freie kamen , sah ich , daß , während ich aß , die Sonne auf das Haus zu scheinen aufgehört hatte , sie war von der Gewitterwand überholt worden . Auf dem Garten so wie auf der Gegend lag der warme , trockene Schatten , wie er bei solchen Gelegenheiten immer erscheint . Aber die Gewitterwand hatte sich während meines Aufenthaltes in dem Hause wenig verändert , und gab nicht die Aussicht auf baldigen Ausbruch des Regens . Ein Umblick überzeugte mich sogleich , daß der Garten hinter dem Hause sehr groß sei . Er war aber kein Garten , wie man sie gerne hinter und neben den Landhäusern der Städter anlegt , nämlich , daß man unfruchtbare oder höchstens Zierfrüchte tragende Gebüsche und Bäume pflegt und zwischen ihnen Rasen und Sandwege oder einige Blumenhügel oder Blumenkreise herrichtet , sondern es war ein Garten , der mich an den meiner Eltern bei dem Vorstadthause erinnerte . Es war da eine weitläufige Anlage von Obstbäumen , die aber hinlänglich Raum ließen , daß fruchtbare oder auch nur zum Blühen bestimmte Gesträuche dazwischen stehen konnten , und daß Gemüse und Blumen vollständig zu gedeihen vermochten . Die Blumen standen teils in eigenen Beeten , teils liefen sie als Einfriedigung hin , teils befanden sie sich auf eigenen Plätzen , wo sie sich schön darstellten . Mich empfingen von je her solche Gärten mit dem Gefühle der Häuslichkeit und Nützlichkeit , während die anderen einerseits mit keiner Frucht auf das Haus denken , und andererseits wahrhaftig auch kein Wald sind . Was zur Rosenzeit blühen konnte , blühte und duftete , und weil eben die schweren Wolken am Himmel standen , so war aller Duft viel eindringender und stärker . Dies deutete doch wieder auf ein Gewitter hin . Nahe bei dem Hause befand sich ein Gewächshaus . Es zeigte uns aber gegen den Weg , auf dem wir gingen , nicht seine Länge , sondern seine Breite hin . Auch diese Breite , welche teilweise Gebüsche deckten , war mit Rosen bekleidet , und sah aus wie ein Rosenhäuschen im kleinen . Wir gingen einen geräumigen Gang , der mitten durch den Garten lief , entlang . Er war anfangs eben , zog sich aber dann sachte aufwärts . Auch im Garten waren die Rosen beinahe herrschend . Entweder stand hie und da auf einem geeigneten Platze ein einzelnes Bäumchen , oder es waren Hecken nach gewissen Richtungen angelegt , oder es zeigten sich Abteilungen , wo sie gute Verhältnisse zum Gedeihen fanden und sich dem Auge angenehm darstellen konnten . Eine Gruppe von sehr dunkeln , fast violetten Rosen war mit einem eigenen zierlichen Gitter umgeben , um sie auszuzeichnen oder zu schützen . Alle Blumen waren wie die vor dem Hause besonders rein und klar entwickelt , sogar die verblühenden erschienen in ihren Blättern noch kraftvoll und gesund . Ich machte in Hinsicht des letzten Umstandes eine Bemerkung . » Habt Ihr denn nie eine jener alten Frauen gesehen , « sagte mein Begleiter , » die in ihrer Jugend sehr schön gewesen waren und sich lange kräftig erhalten haben . Sie gleichen diesen Rosen . Wenn sie selbst schon unzählige kleine Falten in ihrem Angesichte haben , so ist doch noch zwischen den Falten die Anmut herrschend und eine sehr schöne , liebe Farbe . « Ich antwortete , daß ich das noch nie beobachtet hätte , und wir gingen weiter . Es waren außer den Rosen noch andere Blumen im Garten . Ganze Beete von Aurikeln standen an schattigen Orten . Sie waren wohl längst verblüht , aber ihre starken grünen Blätter zeigten , daß sie in guter Pflege waren . Hie und da stand eine Lilie an einer einsamen Stelle , und wohl entwickelte Nelken prangten in Töpfen auf einem eigenen Schragen , an dem Vorrichtungen angebracht waren , die Blumen vor Sonne zu bewahren . Sie waren noch nicht aufgeblüht , aber die Knospen waren weit vorgerückt und ließen treffliche Blumen ahnen . Es mochten nur die auserwählten auf dem Schragen stehen ; denn ich sah die Schule dieser Pflanzen , als wir etwas weiter kamen , in langen , weithingehenden Beeten angelegt . Sonst waren die gewöhnlichen Gartenblumen da , teils in Beeten , teils auf kleinen abgesonderten Plätzen , teils als Einfassungen . Besonders schien sich auch die Levkoje einer Vorliebe zu erfreuen , denn sie stand in großer Anzahl und Schönheit , so wie in vielen Arten da . Ihr Duft ging wohltuend durch die Lüfte . Selbst in Töpfen sah ich diese Blume gepflegt und an zuträgliche Orte gestellt . Was an Zwiebelgewächsen , Hyazinthen , Tulpen und dergleichen , vorhanden gewesen sein mochte , konnte ich nicht ermessen , da die Zeit dieser Blumen längst vorüber war . Auch die Zeit der Blütengesträuche war vorüber , und sie standen nur mit ihren grünen Blättern am Wege oder an ihren Stellen . Die Gemüse nahmen die weiten und größeren Räume ein . Zwischen ihnen und an ihren Seiten liefen Anpflanzungen von Erdbeeren . Sie schienen besonders gehegt , waren häufig aufgebunden , und hatten Blechtäfelchen zwischen sich , auf denen die Namen standen . Die Obstbäume waren durch den ganzen Garten verteilt , wir gingen an vielen vorüber . Auch an ihnen , besonders aber an den zahlreichen Zwergbäumen sah ich weiße Täfelchen mit Namen . An manchen Bäumen erblickte ich kleine Kästchen von Holz , bald an dem Stamme , bald in den Zweigen . In unserem Oberlande gibt man den Staren gerne solche Behälter , damit sie ihr Nest in dieselben bauen . Die hier befindlichen Behältnisse waren aber anderer Art. Ich wollte fragen , aber in der Folge des Gespräches vergaß ich wieder darauf . Da wir in dem Garten so fortgingen , hörte ich besonders aus seinem bebuschten Teile wieder die Vogelstimmen , die ich in dem Wartezimmer gehört hatte , nur hier deutlicher und heller . Auch ein anderer Umstand fiel mir auf , da wir schon einen großen Teil des Gartens durchwandert hatten ; ich bemerkte nämlich gar keinen Raupenfraß . Während meines Ganges durch das Land hatte ich ihn aber doch gesehen , obwohl er mir , da er nicht außerordentlich war und keinen Obstmißwachs befürchten ließ , nicht besonders aufgefallen war . Bei der Frische der Belaubung dieses Gartens fiel er mir wieder ein . Ich sah das Laub deshalb näher an , und glaubte zu bemerken , daß es auch vollkommener sei als anderwärts , das grüne Blatt war größer und dunkler , es war immer ganz , und die grünen Kirschen und die kleinen Äpfelchen und Birnchen sahen recht gesund daraus hervor . Ich betrachtete , durch diese Tatsache aufmerksam gemacht , nun auch den Kohl genauer , der nicht weit von unserm Wege stand . An ihm zeigte keine kahle Rippe , daß die Raupe des Weißlings genagt habe . Die Blätter waren ganz und schön . Ich nahm mir vor , diese Beobachtung gegen meinen Begleiter gelegentlich zur Sprache zu bringen . Wir waren mittlerweile bis an das Ende der Pflanzungen gelangt , und es begann Rasengrund , der steiler anstieg , anfangs mit Bäumen besetzt war , weiter oben aber kahl fortlief . Wir stiegen auf ihm empor . Da wir auf eine ziemliche Höhe gelangt waren und Bäume die Aussicht nicht mehr hinderten , blieb ich ein wenig stehen , um den Himmel zu betrachten . Mein Begleiter hielt ebenfalls an . Das Gewitter stand nicht mehr gegen Sonnenuntergang allein , sondern jetzt überall . Wir hörten auch entfernten Donner , der sich öfter wiederholte . Wir hörten ihn bald gegen Sonnenuntergang , bald gegen Mittag , bald an Orten , die wir nicht angeben konnten . Mein Mann mußte seiner Sache sehr sicher sein ; denn ich sah , daß in dem Garten Arbeiter sehr eitrig an den mehreren Ziehbrunnen zogen , um das Wasser in die durch den Garten laufenden Rinnen zu leiten , und aus diesen in die Wasserbehälter . Ich sah auch bereits Arbeiter gehen , ihre Gießkannen in den Wasserbehältern füllen und ihren Inhalt auf die Pflanzenbeete ausstreuen . Ich war sehr begierig auf den Verlauf der Dinge , sagte aber gar nichts , und mein Begleiter schwieg auch . Wir gingen nach kurzem Stillstande auf dem Rasengrunde wieder weiter aufwärts , und zuletzt ziemlich steil . Endlich hatten wir die höchste Stelle erreicht , und mit ihr auch das Ende des Gartens . Jenseits senkte sich der Boden wieder sanft abwärts . Auf diesem Platze stand ein sehr großer Kirschbaum , der größte Baum des Gartens , vielleicht der größte Obstbaum der Gegend . Um den Stamm des Baumes lief eine Holzbank , die vier Tischchen nach den vier Weltgegenden vor sich hatte , daß man hier ausruhen , die Gegend besehen , oder lesen und schreiben konnte . Man sah an dieser Stelle fast nach allen Richtungen des Himmels . Ich erinnerte mich nun ganz genau , daß ich diesen Baum wohl früher bei meinen Wanderungen von der Straße oder von anderen Stellen aus gesehen hatte . Er war wie ein dunkler , ausgezeichneter Punkt erschienen , der die höchste Stelle der Gegend krönte . Man mußte an heiteren Tagen von hier aus die ganze Gebirgskette im Süden sehen , jetzt aber war nichts davon zu erblicken ; denn alles floß in eine einzige Gewittermasse zusammen . Gegen Mitternacht erschien ein freundlicher Höhenzug , hinter welchem nach meiner Schätzung das Städtchen Landegg liegen mußte . Wir setzten uns ein wenig auf das Banklein . Es schien , daß man an diesem Plätzchen niemals vorüber gehen konnte , ohne sich zu setzen und eine kleine Umschau zu halten ; denn das Gras war um den Baum herum abgetreten , daß der kahle Boden hervorsah , wie wenn ein Weg um den Baum ginge . Man mußte sich daher gerne an diesem Platze versammeln . Als wir kaum ein Weilchen ausgeruht hatten , sah ich eine Gestalt aus den nicht sehr entfernten Büschen und Bäumen hervortreten und gegen uns empor gehen . Da sie etwas näher gekommen war , erkannte ich , daß es ein Gemische von Knabe und Jüngling war . Zuweilen hätte man meinen können , der Ankommende sei ganz ein Jüngling , und zuweilen , er sei noch ganz ein Knabe . Er trug ein blau- und weißgestreiftes Leinenzeug als Bekleidung , um den Hals hatte er nichts , und auf dem Haupte auch nichts als eine dichte Menge brauner Locken . Da er herzugekommen war , sagte er : » Ich sehe , daß du mit einem fremden Manne beschäftigt bist , ich werde dich also nicht stören und wieder in den Garten hinab gehen . « » Tue das « , sagte mein Begleiter . Der Knabe machte eine schnelle und leichte Verbeugung gegen mich , wendete sich um , und ging in derselben Richtung wieder zurück , in der er gekommen war . Wir blieben noch sitzen . Am Himmel änderte sich indessen wenig . Dieselbe Wolkendecke stand da , und wir hörten denselben Donner . Nur da die Decke dunkler geworden zu sein schien , so wurde jetzt zuweilen auch ein Blitz sichtbar . Nach einer Zeit sagte mein Begleiter : » Eure Reise hat wohl nicht einen Zweck , der durch den Aufenthalt von einigen Stunden oder von einem Tage oder von einigen Tagen gestört würde . « » Es ist so , wie Ihr gesagt habt , « antwortete ich , » mein Zweck ist , soweit meine Kräfte reichen , wissenschaftliche Bestrebungen zu verfolgen , und nebenbei , was ich auch nicht für unwichtig halte , das Leben in der freien Natur zu genießen . « » Dieses Letzte ist in der Tat auch nicht unwichtig , « versetzte mein Nachbar , » und da Ihr Euren Reisezweck bezeichnet habt , so werdet Ihr gewiß einwilligen , wenn ich Euch einlade , heute nicht mehr weiter zu reisen , sondern die Nacht in meinem Hause zuzubringen . Wünschet Ihr dann am morgigen Tage und an mehreren darauf folgenden noch bei mir zu verweilen , so steht es nur bei Euch , so zu tun . « » Ich wollte , wenn das Gewitter auch lange angedauert hätte , doch heute noch nach Rohrberg gehen « , sagte ich . » Da Ihr aber auf eine so freundliche Weise gegen einen unbekannten Reisenden verfahrt , so sage ich gerne zu , die heutige Nacht in Eurem Hause zuzubringen , und bin Euch dafür dankbar . Was morgen sein wird , darüber kann ich noch nicht entscheiden , weil das Morgen noch nicht da ist . « » So haben wir also für die kommende Nacht abgeschlossen , wie ich gleich gedacht habe , « sagte mein Begleiter , » Ihr werdet wohl bemerkt haben , daß Euer Ränzlein und Euer Wanderstock nicht mehr in dem Speisezimmer waren , als Ihr zum Essen dahin kamet . « » Ich habe es wirklich bemerkt « , antwortete ich . » Ich habe beides in Euer Zimmer bringen lassen , « sagte er , » weil ich schon vermutete , daß Ihr diese Nacht in unserm Hause zubringen würdet . « 4. Die Beherbergung Nach einer Weile sagte mein Gastfreund : » Da Ihr nun meine Nachtherberge angenommen habt , so könnten wir von diesem Baume auch ein wenig in das Freie gehen , daß Ihr die Gegend besser kennen lernet . Wenn das Gewitter zum Ausbruche kommen sollte , so kennen wir wohl beide die Anzeichen genug , daß wir rechtzeitig umkehren , um ungefährdet das Haus zu erreichen . « » So kann es geschehen « , sagte ich , und wir standen von dem Bänkchen auf . Einige Schritte hinter dem Kirschbaume war der Garten durch eine starke Planke von der Umgebung getrennt . Als wir zu dieser Planke gekommen waren , zog mein Begleiter einen Schlüssel aus der Tasche , öffnete ein Pförtchen , wir traten hinaus , und er schloß hinter uns das Pförtchen wieder zu . Hinter dem Garten fingen Felder an , auf denen die verschiedensten Getreide standen . Die Getreide , welche sonst wohl bei dem geringsten Luftzuge zu wanken beginnen mochten , standen ganz stille und pfeilrecht empor , das feine Haar der Ähren , über welches unsere Augen streiften , war gleichsam in einem unbeweglichen goldgrünen Schimmer . Zwischen dem Getreide lief ein Fußpfad durch . Derselbe war breit und ziemlich ausgetreten . Er ging den Hügel entlang , nicht steigend und nicht sinkend , so daß er immer auf dem höchsten Teile der Anhöhe blieb . Auf diesem Pfade gingen wir dahin . Zu beiden Seiten des Weges stand glühroter Mohn in dem Getreide , und auch erregte die leichten Blätter nicht . Es war überall ein Zirpen der Grillen ; aber dieses war gleichsam eine andere Stille , und erhöhte die Erwartung , die aller Orten war . Durch die über den ganzen Himmel liegende Wolkendecke ging zuweilen ein tiefes Donnern , und ein blasser Blitz lüftete zeitweilig ihr Dunkel . Mein Begleiter ging ruhig neben mir , und strich manchmal sachte mit der Hand an den grünen Ähren des Getreides hin . Er hatte sein Netz von den weißen Haaren abgenommen , hatte es in die Tasche gesteckt , und trug sein Haupt unbedeckt in der milden Luft . Unser Weg führte uns zu einer Stelle , auf welcher kein Getreide stand . Es war ein ziemlich großer Platz , der nur mit sehr kurzem Grase bedeckt war . Auf diesem Platze befand sich wieder eine hölzerne Bank , und eine mittelgroße Esche . » Ich habe diesen Fleck freigelassen , wie ich ihn von meinen Vorfahren überkommen hatte , « sagte mein Begleiter , » obwohl er , wenn man ihn urbar machte und den Baum ausgrübe , in einer Reihe von Jahren eine nicht unbedeutende Menge von Getreide gäbe . Die Arbeiter halten hier ihre Mittagsruhe , und verzehren hier ihr Mittagsmahl , wenn es ihnen auf das Feld nachgebracht wird . Ich habe die Bank machen lassen , weil ich auch gerne da sitze , wäre es auch nur , um den Schnittern zuzuschauen und die Feierlichkeit der Feldarbeiten zu betrachten . Alte Gewohnheiten haben etwas Beruhigendes , sei es auch nur das des Bestehenden und immer Gesehenen . Hier dürfte es aber mehr sein , weshalb die Stelle unbebaut blieb und der Baum auf derselben steht . Der Schatten dieser Esche ist wohl ein sparsamer , aber da er der einzige dieser Gegend ist , wird er gesucht , und die Leute , obwohl sie roh sind , achten gewiß auch auf die Aussicht , die man hier genießt . Setzt Euch nur zu mir nieder , und betrachtet das Wenige , was uns heute der verschleierte Himmel gönnt . « Wir setzten uns auf die Bank unter der Esche , so daß wir gegen Mittag schauten . Ich sah den Garten wie einen grünen Schoß schräg unter mir liegen . An seinem Ende sah ich die weiße