Stimme verschiedene Befehle geben . Nun war ich allein , ich fühlte mich frei , wie in den Tagen vor meiner Verheirathung und beschloß eine Morgenpromenade zu machen . Ich schellte nach Rosalinde , der neue Kellner kam mir zu melden , sie sei in der Nacht erkrankt und der Arzt geholt , der ihr befohlen habe im Bette zu bleiben . Das desappointirte mich , indessen machte ich selbst meine Toilette und ging aus , mit dem Befehle , den Lord zum Frühstück zu mir einzuladen . Ich war noch nicht tausend Schritte von unserm Hotel entfernt , als der Fürst erschien , mir seinen Arm und seine Dienste anzubieten . So anerkennenswerth diese ewig wache , unermüdliche Fürsorge auch sein mochte , so war es mir in dieser Stunde fatal , daß ich keinen Moment ohne ihn sein konnte , sobald ich mein Zimmer verließ , und in ziemlich übler Laune , sagte ich : » Aber um Gottes Willen , lieber Fürst ! sind Sie denn wirklich mein Schatten ? Kann ich denn nie sicher vor Ihrer Begleitung sein ? Nie einen Augenblick allein der Natur genießen ? « » O ! meine Gräfin ! « sagte er , » thun Sie als existirte ich nicht . Sie sind allein , wenn Sie es sein wollen und ich bin da , wenn Sie es begehren . « » Aber werden Sie es denn nicht müde , mir ohne Lohn , ohne Hoffnung zu folgen , Nichts zu thun , Nichts zu denken , als « - - » O , meine Gräfin ! ich that und dachte niemals Etwas , auch ehe ich Sie sah , und jetzt denke ich an Sie . « » Und das befriedigt Sie ? « » Vollkommen ! « » Und Sie fragen sich nie , ob - - « » Ich frage mich Nichts . Ich sehe Sie an , Sie sind schön , und ich folge Ihnen , um Sie anzusehen . Der Graf , der Vicomte berauben sich freiwillig dieses Glückes , so genieße ich es dreifach . Und nun gehen Sie allein spazieren , ich folge Ihnen in einiger Entfernung , aber nur so fern , daß mein Blick Sie erreichen kann , denn Sie sind schön , meine Gräfin ! « » Unbegreiflich ! « sagte ich zu mir selbst . » Ich gehe aus , die Liebe zu suchen und finde die Treue - aber das ist bleiches Silber für strahlendes Gold ! « Ich versank in schwermüthige Träumereien und wanderte fort weit über Lichtenthal hinaus , dem kleinen Wasserfalle zu , und wieder zurück nach Baden , ohne daß der Fürst sich mir genähert oder ein Wort mit mir gesprochen hätte . Als ich die Treppe vor meinem Hotel erreicht hatte , sah ich , wie er , eine starke , schwerfällige Gestalt , sich mit dem Battisttuche die Stirn trocknete und erschöpft auf einer Bank Platz nahm , von der aus er meine Fenster und die Thüre des Hotels beobachten konnte . Ich erkannte mein Zimmer nicht wieder , als ich es betrat . Es war auf das Eleganteste mit Blumen decorirt und ein superbes Album mit meinem Namen lag auf meinem Schreibtische . Ich schellte dem Kellner und fragte , wer die Sachen hierhergebracht hätte ? Er behauptete , sie wären ihm von einem Gärtner gebracht worden , mit dem Bemerken , ich hätte sie gekauft . Gleich darauf kam der Lord . Da er gar nicht frappirt schien durch die Blumenflora , die am Tage vorher nicht vorhanden gewesen war , drängte sich mir natürlich der Gedanke auf , daß es eine Galanterie von ihm sei und ich beeilte mich , ihm dafür zu danken . Er hatte sich in eine Couchette geworfen und sah mich mit seinem gewohnten kalten Blicke an . » Wovon sprechen Sie , theure Gräfin ! « fragte er , » ich verstehe Sie nicht . « » Von der liebenswürdigen Attention , welche Sie für mich an diesem Morgen gehabt haben , von den Blumen , welche ich Ihrer Güte verdanke und von dem superben Album . « » Haben Sie Blumen erhalten ? « » Aber mein Gott , Mylord , sehen Sie denn nicht , daß mein Zimmer in ein kleines Indien verwandelt ist ? « » Ich habe mich nicht umgesehen und bin Indien sehr gewohnt ! « antwortete er ruhig , während er sich sein Toast mit Butter bestrich , da man indessen das Dejeuner servirt hatte . » So waren Sie es nicht , dem ich die angenehme Ueberraschung verdanke ? « » Unmöglich , theure Gräfin ! Ich habe bis jetzt geschlafen . « » Bis jetzt ? in diesem wundervollen Wetter ? « » Wundervolles Wetter ist mir sehr indifferent , nur schlechtes Wetter ist mir horrid . Zudem sind die Tage so lang ! « » Aber die Welt ist auch groß und schön ! « sagte ich . » O , theure Gräfin ! Ich kenne die Welt schon , ich habe sie schon zweimal umschifft , habe Alles gesehen , nun kann ich doch nicht immer von Neuem anfangen . Das ist langweilig für mich und darum verschlafe ich gern einen Theil des Tages ! Das ist bequem ! « » Und Sie sehnen sich nach keiner andern Existenz ? « fragte ich ihn , förmlich erschüttert durch seine Ruhe . » Wie kann ich mich nach Etwas sehnen , das ich für unmöglich halte ? Aber lassen Sie den Thee nicht zu lange brühen , theure Gräfin ! das macht ihn ungenießbar . « » Ah ! « rief ich , erfreut davon , daß dieser Mann doch wenigstens in dieser Kleinigkeit die Spur eines Wollens oder Nichtwollens verrieth , » so ist Ihnen doch nicht Alles gleichgültig , Mylord ! « » Alles bis auf den Comfort ! « sagte er , behaglich den Thee schlürfend , den ich ihm präsentirt hatte . Es entstand eine lange Pause , er trank mit großem Genusse und ich betrachtete ihn mit Staunen . Ich fand die Resignation adorable , mit der er ein so trostloses Dasein wie das seine ertrug . Ich fing an , ihn zu achten , ihn zu beklagen ; plötzlich fiel mir ein Gedanke sternenhell in die Seele und schnell sagte ich : » Beantworten Sie mir eine Frage . Wenn Ihnen Alles indifferent ist , wenn Nichts Sie fesselt , welches Interesse haben Sie , mir zu folgen ? » Die Neugier , theuerste Gräfin ! « » Die Neugier ? « wiederholte ich . » Ja ! die Neugier zu wissen , wie Sie ein gleiches Schicksal wie meines , dem Sie entgegengehen , ertragen werden . Es ist langweilig , blasirt zu sein und doch zu leben , es erfordert Kraft , Heroismus und ich möchte wissen , ob Sie die haben . « » Und was werden Sie thun , Mylord ? « fragte ich . » Leben ! « antwortete er , und tranchirte ein Cotelett . Mir schauderte und der Lord imponirte mir . Ich gestand ihm das freimüthig . » Das wundert mich nicht , « entgegnete er , » das ist mir schon oft begegnet , aber es freut mich von Ihnen , dabei empfinden Sie doch Etwas und das gönne ich Ihnen . « » Und Sie empfinden Nichts ? gar Nichts , Mylord ? Sie haben keinen Wunsch ? « » O doch ! Ich möchte mit Ihnen zusammen sterben . Ich dachte mir es gestern , als ich Sie Abends so schön dastehen sah , in der Lampenbeleuchtung , welche aus Ihrem Zimmer auf den Balcon fiel . Sie sind die schönste Frau , die ich seit lange erblickte . Ich möchte wissen , wie dieses schöne Antlitz in der Agonie des Todes aussieht ; ich möchte wissen , was ich empfände , hätte ich das schönste Weib umgebracht , um deren Besitz andere Männer alle Thorheiten der Welt begehen würden - und wüßte ich das , dann , glaube ich , möchte ich selbst sterben wollen , weil ich dann Nichts mehr finden möchte , was meine Neugier reizte . « » O ! Du bist entsetzlich , Mann ! « rief ich zitternd vor nie gefühlter Emotion , » aber Du bist ein Mann ! Warum fanden wir uns nicht früher ? Warum lernte ich Dich nicht kennen , als Dein Männerherz noch nicht alle seine Pulsschläge des Wollens , des Wünschens und Begehrens verlernt hatte , als noch die Liebe Dir das Leben zur Lust machen konnte ? O , das Fatum ist unerbittlich in diesem entsetzlichen Zuspät ! Eine Gigantenseele eristirte hienieden und ich fand sie zu spät ! Aber warum kamst Du nicht früher , warum fanden wir uns nicht ? « Der Lord sah mich mit starrem , festem Blicke an , setzte die Theetasse nieder und sagte nach einer Pause innerlicher Meditation : » Man hat mir in Kairo von Saaten erzählt , die Jahrtausende hindurch in den Pyramiden gelegen hatten und zu blühen anfingen in Frühlingsfrische , als sie dem Lichte der Sonne wieder exponirt wurden . Bist Du die Sonne , Diogena , daß Du in meinem Herzen ein neues Blühen hervorrufst ? Es wäre remarquabel wie jenes ! « Indolent wie immer , blieb er in seiner Couchette liegen , die er bis zu meinem Sopha heranrollte , dann ergriff er meine Händchen und zog mich empor , so daß ich vor ihm stand . » Ich glaube , wir lieben uns ! « sagte ich , ohne recht zu wissen , was ich sprach . » So scheint es mir , « entgegnete der Lord , indem er meine Hände und Arme mit seinen Küssen bedeckte . In diesem Momente erscholl im Nebenzimmer ein heftiges Geklapper , ich fuhr erschrocken empor und der Lord sagte mismuthig : » Aber , theure Gräfin ! wie uncomfortable ist Ihr Arrangement , daß man durch Geräusch beleidigt wird in Stunden , in denen die Seele der Ruhe bedarf ! Aendern Sie das für die Zukunft . « Es war der neue Kellner gewesen , der eine Tablette mit verschiedenen Geräthschaften zur Erde geworfen hatte . Als ich ihm Vorwürfe deshalb machte , trat er dicht an mich heran und sagte so leise , daß es nur für mich vernehmbar war : » Madonna ! noch ein Wort mehr und Ermanby und ich sind Beide verloren ! « Ich bebte zusammen ! Es war der Vicomte , der in dieser mysteriösen Verkleidung sich wieder in meine Nähe introducirt hatte . Ich war wie vernichtet , ich wußte mir nicht zu helfen , keinen Ausweg zu finden . Eine innere Stimme sagte mir , opfre den Mann , den Du nicht liebst , für den , den Du liebst ! Aber das war eben die Verzweiflung , ich liebte sie Beide nicht , ich sah es mit erschreckender Deutlichkeit in diesem Momente . Und doch rührte mich die Devotion des Vicomte , doch interessirte mich Ermanby ' s Apathie , doch lag ein belebendes Element in der Gefahr meiner Position , das mich anregte wie der Schall der Kriegsdrommete den jungen Krieger , der sich thatendurstig nach Schlachten und Kämpfen sehnt . » Liebe ist Gehorsam ! Liebe ist Glaube ! « sagte ich leise zu Servillier . » Verlassen Sie mich , Anatole , wenn ich an Ihre Liebe glauben soll . « Er that , wie ich es verlangte . Ich athmete auf , soulagirt von der Angst dieses Momentes , und entzückt über die schöne Hingebung des Vicomte . Der Lord hatte nicht einmal den Kopf gewendet , er sah ruhig auf seine Fußspitzen nieder , plötzlich fragte er mich : » Wann wollen wir reisen , Diogena ? « » Reisen ? « wiederholte ich verwundert , » und wohin ? « » Gleichviel ! « » Aber wozu denn ? « » Um mit einander zu sein , so lange es uns Freude macht , so lange wir uns lieben . « » Und dann ? Und wenn wir uns nicht mehr lieben ? « » Dann trennen wir uns oder versuchen , ob es uns tentirt zusammen zu sterben ! « sagte er mit einem Gleichmuth , vor dem ich schauderte . Wie konnte ein so junger Mann bereits alle Quellen des Lebens erschöpft haben ! Bot denn das Leben so wenig oder war er einer der Titanen , die den schäumenden Becher schnell bis auf seine Hefe leeren , um ihn dann mit Degout von sich zu schlendern ? Was für trostlose Erfahrungen , was für Deceptionen mußte er erlitten haben , um nicht mehr an Liebe , an Freude zu glauben , um nur im Tode einen neuen Reiz für seinen Geist zu finden ! Ich dachte an mein eigenes unverstandenes Dasein , ich fragte mich , wie , wenn wir Beide berufen wären , die trostlose Leere zu füllen , die wir fühlen ? Er fesselte doch wenigstens mein Interesse , er gab meinen Gedanken eine Richtung , er machte mir Furcht . Ich setzte mich an seine Seite und sagte , indem ich zu lächeln versuchte : » Sie erwarten schwerlich , daß ich Ihren Reiseplanen beistimme , Mylord ! Ich bin Graf Bonaventura ' s Frau - « » Das eben reizt mich , « meinte Ermanby . » Ich möchte wissen , wie er sich dabei betragen würde , wenn sein Freund ihm seine Frau entführte ; die Deutschen sind so troublesome in diesen Angelegenheiten . « » Und wenn ich nun dennoch fest erklärte , nicht reisen zu wollen ? « » So würde ich nicht weiter darauf bestehen . « » Und Sie behaupten , daß Sie mich lieben ? « » Ja , Diogena ! ich liebe Dich ! - O ! « rief er plötzlich und ein Feuer , wie ich es nie in ihm gesehen hatte , flammte über sein ganzes Wesen empor , » o , Diogena ! laß den Funken unter der Asche schlummern , die sich über mein Herz gelegt hat . « Er stand auf , seine Bewegungen waren ganz Nerv und voller Energie . Er ging heftig im Zimmer auf und ab . Plötzlich blieb er vor mir stehen und sagte : » Es war eine Zeit , in der ich an das Leben glaubte , in der ich die Liebe erstrebte und die Treue erwartete , weil ich selbst treu war . Damals hatte ich eine Braut , so rein , so hold , wie das erste Weib , das hervorging aus den Händen des Schöpfers . Sie war mir verlobt und entfloh mit meinem Bruder , den ich geliebt hatte mit allen Fibern meines Herzens . Ich gab den Beiden ein Rendez vous auf der Insel Chios , mein Bruder - - doch wozu dies ? « rief er und ging wieder mit großen Schritten auf und nieder . Eine dunkle Wolke hatte sich über seine Stirne gelagert , es war etwas Dämonisches in ihm , ich konnte meine Blicke nicht von ihm wenden . Bebend vor angstvoller Erwartung fragte ich leise : » Und wo ist Ihr Bruder ? « » Er starb auf Chios « antwortete er kalt und tonlos . » Und das Mädchen ? « » Ueberlebte ihn nicht lange ! « Eine dumpfe Pause trat ein , während welcher der Lord seine heftige Wanderung in meinem Zimmer fortsetzte . Ich wagte nicht zu sprechen , ich war dominirt von der miraculösen Empfindung , welche die Vögel zwingt , der Anakonda in den Rachen zu fliegen , die ihnen todbringend ist . Nach einer Weile setzte sich der Lord so ruhig neben mich nieder , als wäre nie eine Emotion durch seine Seele gegangen . Er nahm meine Hand und sagte mit seiner gewohnten , glacialen Kälte : » Diogena ! höre mich recht an ; es ist Ernst , was ich Dir sage . Du bist so schön , daß Deine Schönheit wie die Sonne alle Nebel , alle Gewitterwolken zerstreut , die sich über mein Leben gelagert haben . Mir ist , als liebte ich Dich , als wäre mir Deine Liebe wirklich noch ein Besitz , welcher der Mühe , ihn zu empfinden , werth wäre . So will ich Dich denn besitzen . - Verstehst Du mich nicht , Diogena ? Willst Du mein sein im Leben ? Oder wollen wir sterben zusammen , noch heute , noch in dieser Stunde ? « Mir war , als öffne sich eine neue Welt meinen Augen . Aber dies war ja ein Mann , wie ich ihn gesucht hatte ; ein Mann , der Nichts verlangte vom Leben , als Liebe . Ich fragte mein Herz , was es für ihn empfände . Es schwieg wie immer . Meine Phantasie war occupirt durch ihn ; ich fühlte , daß ich die Seine werden könne , mit jener horribeln Indifferenz , mit der ich des Grafen Frau geworden war ; aber das war es nicht , was er verlangte , nicht , was ich erstrebte . Ich war außer mir über die Kälte meines Herzens , ich wollte ja lieben , dies war eine Natur , weit über die Grenzen des Gewöhnlichen erhaben , warum konnte ich ihn nicht lieben ? Warum fühlte ich keinen Impuls für ihn zu leben , ihm den Glauben an Glück wiederzugeben , ohne Egard , ob ich selbst es fände oder nicht ? Ich war innerlich deprimirt , ich verzweifelte an mir selbst , am Leben . Ich fühlte , es würde niemals anders werden und mir immer lästiger ; und doch hatte ich die Apprehension vor dem Tode , die allem Lebenden so tief inne wohnt . Ich war mir incomprehensible . Aber die innere Wahrheit meiner Natur trug den Sieg auch diesmal gloriös davon . Ich gestand dem Lord , daß er mir Staunen , aber keine Liebe abgewinne . Er sah mich mit einem furchtbaren Blicke an . » Und wozu das elende Spiel in dieser Stunde , Diogena ? « fragte er . » Wozu das Verbrechen , noch einmal Leben zu erwecken in einem Herzen , das aufgehört hat zu vibriren ? « fragte er . » O ! « rief ich , » vergib , vergib ! Ich wollte ja versuchen , ob ich Dich lieben könne ? « » Und Du glaubst , ein Mann sei der Spielball Deines thörichten Willens ? Du glaubst , ein Mann sei da , Deine müßigen eiteln Capricen zu befriedigen , weil Du schön bist ? Denn schön bist Du ! « Ich schwieg . Er hielt mich am Handgelenk fest , das er mit einer Vehemenz preßte , welche mir Thränen in die Augen trieb . » Liebst Du mich ? « fragte er . Mein Stolz war auf das Empfindlichste verwundet ; Ermanby imponirte mir , aber er sollte es nicht wissen , weil ich ihn nicht liebte , und mit vollkommner Ruhe sagte ich , während ich zu lächeln versuchte , ein deutliches » Nein ! « Da schleuderte der Lord meine Hand von sich und sagte mit einem eisigen Hohne : » So soll doch der Moment , in dem ich das lästige Leben von mir werfe , wenigstens dazu dienen , das kälteste , hochmüthigste Weib zittern zu lehren , so soll doch das herzloseste Weib mich niemals vergessen . « » Um Gottes Willen , Ermanby ! was willst Du thun ? « rief ich schaudernd . » Mann , um der Liebe willen , die ich suche , suche , ohne sie zu finden , was ersinnst Du ? « Ich hatte noch nicht die letzten Worte vollendet , als ein kleines Terzerol in des Lords Hand aufblitzte , ein Knall - und Ermanby sank lautlos in die Couchette zurück . Mit einem Schrei des furchtbarsten Entsetzens brach ich zusammen . Als ich erwachte , lag ich auf meinem Lager . Rosalinde saß an meiner Seite , durch die geöffnete Thüre entdeckte ich den Fürsten Callenberg , aufgestützt an einem mit Arzneigläsern besetzten Tische . Es war Nacht , eine Lampe erhellte das Zimmer , der Fürst schien zu schlummern . Ich hatte keine distincten Vorstellungen , nur die Ahnung eines terriblen Evenements schwebte mir vague vor der Seele . Ich mochte meinen Erinnerungen nicht durch meine Kammerfrau zu Hilfe kommen lassen , ich befahl ihr , den Fürsten zu rufen . » Wo ist Ermanby ? « fragte ich ihn , als er an meinem Lager stand . » Beerdigt gestern Morgen . « Eine eisige Hand legte sich über meine Stirn und mir war , als wolle mein Bewußtsein aufs Neue schwinden , aber ich raffte die ganze Energie meines Wollens zusammen und fragte , wie man von einem Gestern sprechen könne , da Ermanby ja noch am Morgen bei mir dejeunirt hätte . » Pardon ! meine Gräfin ! « sagte der Fürst , » Sie haben mehr als zwei Tage in tiefem Todesschlummer gelegen . Sonst würden Sie ja die Vorgänge von gestern und heute wissen ! « » Die Vorgänge ? Und was ist denn vorgegangen ? « » Sie meinen nach der Ankunft Ihres Mannes ? « » Ist der Graf von seiner Excursion retournirt ? « » Mein Gott ! auch das wissen Sie nicht einmal ? « fragte der Fürst . » Sie wissen nicht , daß , als Sie aufschrieen im Moment von Ermanby ' s Tode , Servillier hineinstürzte , und Sie in seinen Armen hielt , in dem Moment , in dem Ihr Mann heimkehrte ? « Er hatte Servillier gleich am ersten Abende in seiner Verkleidung erkannt , die Excursion mit den Elslebens war nur fingirt , er wollte Sie überraschen , weil er sicher wußte , den Vicomte in Ihrer Nähe zu finden . » Und dann ? « fragte ich indignirt über diese Perfidie meines Mannes . » Nun ! Dann hat er den Vicomte gefordert , sie haben sich geschossen und noch am Abende ist Ihr Mann nach England gegangen , « berichtete der Fürst phlegmatisch . » Aber Servillier ? « » Ist vierzehn Stunden nachher gestorben ; in meinen Armen gestorben . Ihr Name , meine Gräfin , war sein letztes Wort . « Ich schwieg . Eine Welt von Emotionen drang auf mich ein ; Geister der Verstorbenen , blutige Leichen hielten ihren wahnsinnigen Reigen vor meinem innern Auge . Mein Hirn schwindelte , meine Seele erbebte , mein Herz war kalt . Ich sehnte mich nicht nach meinem Gatten , ich dachte ohne Liebe an die beiden Männer , welche für mich und durch mich gestorben waren . Ja , selbst ein Gefühl des Hasses mischte sich in die Erinnerung an sie . Sie waren mir durch ihren Tod Gegenstände des Entsetzens , und weshalb ? - Hatte ich Einem von ihnen ein Glück zu danken ? Warum hatten sie sich in die verzehrende Gluth meiner Nähe gewagt , diese erbärmlichen Eintagsfliegen ? Warum hatten sie versucht , diese schwachen Naturen , in den Kreis einer Diogena zu treten , deren Kometenlauf sie fortreißen mußte aus der bescheidenen Bahn , welche solch kleinen Seelen prädestinirt ist . Ich richtete mich empor , groß und frei , wie Marius auf den Ruinen von Karthago . » Rosalinde ! « sagte ich , » legen Sie mir ein elegantes Reisenegligee zurecht und lassen Sie packen . Sobald es Tag wird , gehen wir nach Paris . « » Darf ich Ihnen folgen ? « fragte der Fürst . » Fürchten Sie nicht das Schicksal der Andern ? « » O nein , meine Gräfin , wie sollte ich , da ich nicht die Prätensionen habe , wie Jene . Ich kann ja weder hier allein zurückbleiben , noch Sie allein reisen lassen , so folge ich Ihnen nach Paris . « Ich reichte dem Fürsten die Hand . » O ! « rief ich , » Sie sind sublime in Ihrer Treue . Das ist die wahre instinctive Treue des Hundes , der liebt und folgt , ohne zu wissen weshalb , ohne Dank , ohne Anspruch , ohne Verlangen . O , die Thiere sind unegoistischer als wir und glücklicher obenein , denn sie kennen nicht das ewig wache , ewig ungestillte Sehnen in unserer Brust , das vom Himmel stammend , hier rastlos und vergebens nach Befriedigung sucht . « » Schlafen Sie noch eine Stunde , meine Gräfin , « sagte der Fürst , » ich will es auch thun - und dann lassen Sie uns reisen , es freut mich , daß ich doch nun weiß , wohin ich von Baden gehen soll . Ich konnte zu keinem Entschlusse kommen bis jetzt . Gute Nacht , meine Gräfin ! « Und innerlich sagte er sich : Welch ein Thor ist doch der Graf , sich von dieser Frau zu entfernen , deren prächtige Capricen alle Tage neu sind , so daß man vollauf beschäftigt ist und gar keine Langeweile hat , wenn man nur all das thut , was sie verlangt . Solch eine Frau , wenn sie jung und reich und schön ist wie diese Gräfin , ist ja ein veritabler Tresor . Zweites Buch Ich hatte das ganze südliche Frankreich nach allen Richtungen durchstrichen , war über die Pyrenäen gegangen , hatte in Alhambra einsam schöne Stunden , in süßen Erinnerungen an die goldene Zeit der Abenceragen verträumt und auf den Kalkfelsen Gibraltars die blonden , rothgeröckten Söhne Albions ihre Parademärsche halten sehen . Wie Lord Byron hatte ich in Cintra geseufzt und wie er war ich ohne Befriedigung geblieben . Wohin ich kam , umgaben mich die Huldigungen der Männer , alt und jung waren überwältigt von meinem Zauber . Fürsten knieeten zu meinen Füßen , schwarzlockige Hidalgos sangen zur Nachtzeit unter meinen Fenstern die glühenden Serenaden ihres Landes , und selbst der wilde Matador verdoppelte im Stiergefechte seine Anstrengungen , wenn mein Auge auf ihm ruhte und ihn inspirirte . Alle diese Huldigungen nahm ich an . Ich war unermüdlich in der Recherche nach dem Rechten , ich empfand süße , elegische Rührung am Herzen eines Abkömmlings der Abenceragen , dessen orientalische Phantasie mich einwiegte mit wundersamen Träumen ; ich fand die aufgethaute Wärme eines jungen Irländers von der Garnison zu Gibraltar pikant ; ich amüsirte mich mit den Liebesextravaganzen eines Portugiesen - ich lernte spanisch und portugiesisch , ich copirte sämmtliche Murillo ' s der spanischen Schlösser in wenig Monaten , und als ich nach Neujahr in Paris anlangte , war ich todt müde und trotz dieser ernsten Anstrengung , glücklich zu werden , ebenso unbefriedigt als je . Der Ruf meiner Schönheit war mir vorausgegangen . Alle books of beauty und keep sakes brachten mein Portrait ; ich war der Gegenstand der stupendesten Erwartung . Ich hatte bei den ersten Putzhändlerinnen so enorme Bestellungen gemacht , daß man sie selbst in Paris surprenirend fand und gespannt war , mich , diese vielgepriesene Frau , zu sehen . Der Fürst , mein treuer Cavalier auf der ganzen Reise , war nach Paris vorausgeeilt , um mir ein Hotel einrichten zu lassen und empfing mich mit der Nachricht , wie sehr man mir entgegenharre . Das ennuyirte mich und ich beschloß ein ganz neues Regime zu beginnen . Ich machte keine Visiten , sah nur einmal meinen Onkel , welcher Gesandter war und mir die Scheidungsakte zwischen mir und meinem Manne zu unterzeichnen brachte , und verließ mein Haus gar nicht . Die Folge davon war , daß alle Fenster der gegenüberstehenden Häuser von den fashionabelsten jungen Männern zu ganz enormen Preisen gemiethet waren . Man macht Pari ' s darauf , wer der Erste sein werde , die miraculose Gräfin zu erblicken ; der Fürst , selbst in Verzweiflung über mein wiederholtes Refusiren ihn zu empfangen , ward sehr recherchirt , weil man von ihm Auskunft über mich zu erhalten erwartete . Ich erfuhr durch Rosalinde all diese Extravaganzen und war degoutirt davon . Eine finstere , lugubre Melancholie kam über mich , ich fing an die Welt und die Menschen zu hassen , dem Schicksal zu zürnen . Ich wollte versuchen , mir die Thüren des Jenseit zu eröffnen . Es schien mir picant , grade in Paris , wo alle Welt die Genüsse der Erde sucht , diese gänzlich zu verschmähen und , umgeben von einem wahrhaft eblouirenden Luxus , das Leben eines Anachoreten zu führen . Ich ließ neben meinem pompösen , comfortablen Boudoir ein kleines , schlechtes Zimmer seiner Tapeten berauben , alle Möbel daraus entfernen , den Kamin vermauern und das Fenster verhängen . Aus einem Kloster schaffte ich mir das abgelegte Gewand einer verstorbenen Nonne . Als ich es angelegt hatte , sah ich mich zum letzten Male im Spiegel . Strahlender als je , erschien meine fascinirende Schönheit in dieser Verhüllung . Dann zog ich mich in meine Zelle zurück und beschloß , den Pater Benoit holen zu lassen , der berühmt war durch seine strenge Ascese , seine große Schönheit und sehr en vogue in der beau monde , um mich mit ihm über den Zustand meiner Seele und meines Herzens zu berathen . Als er die Prachtsäle meines Hotels durchwandert hatte , vermuthete er sicher , in eines jener eleganten Betzimmer geführt zu werden , in denen die vornehmen Damen , kokett vor ihren prie-dieu hingegossen , die Sünden des vorigen Tages bereuen . Wie sehr war er erstaunt , eine Zelle , eine von allem eitlen Tande entblößte Frau , in voller Schönheit der Jugend , vor sich zu sehen . Aber nicht minder frappirt war ich selbst . Der Pater war ein Mann von kaum dreißig Jahren . Zehn Jahre lang Missionair in dem Innern von Afrika , war von der Sonne