Tropf und dem andern Tropf . Laßt eine Leidenschaft überhaupt im Herzen eines Menschen sich ansetzen , so wird sie euch gleich einem losgebundenen Element , das alles verzehrt , was in sein Bereich kömmt , und erst in sich zusammensinkt , wenn alles verzehrt ist , wenn es keine Nahrung mehr findet . Laßt Eheleute dauernd grollen , so nimmt nicht nur das ganze Haus diese Färbung an , wird unheimlich , sondern alle Interessen gehen in diesem Grolle auf , alle Gefühle verlieren mehr und mehr ihre Kraft , und wie die Gedanken an diesem Grolle unausgesetzt nagen , so verlieren sie ihre Schärfe für alles andere , ja es ist fast , als ob sie auch die Augen schwächte , daß sie das Notwendigste nicht mehr sehen , für das Liebste keinen Sinn mehr haben . Diese Zustande wachsen so allmählich , man weiß nicht wie , denn wie gesagt , der Teufel geht nicht immer umher wie ein brüllender Löwe , sondern sehr oft auch als ein schleichender , und die Hölle hat viel Ähnlichkeit mit einem Ofen , sie wird nicht auf einmal glühend , sondern zuerst nur lieblich warm . So ging es auch dem armen Ehepaar . Wohlverwahrt trugen sie ihren Groll in ihren Herzen , ließen ihn anfangs nicht unter die Leute , blieben bei ihren angeerbten Sitten , und anständig ging es zu wie vorhin . Aber expreß verkaufte nun Christen seine Kühe nicht , expreß hielt er nicht weniger Leute , förderte die Arbeit nicht rascher , sondern alles eher das Gegenteil , und Änneli , weil sie dieses sah , so ward sie nur um so freigebiger und hieß manche Frau vor Christens Ohren bald wieder kommen . So trotzte eins dem Andern , während Keines die fünftausend Pfund vergaß und jedes meinte , sie sollten wieder erhuset werden ; aber jedes meinte , auf anderem Wege , und je weniger das Husen vorwärts wollte auf diese Weise , um so mehr wuchs die innere Mißstimmung . Diese wurde zuerst fühlbar den Kindern . An allen ihren Angelegenheiten nahmen die Eltern immer weniger teil , achteten sich derselben kaum , die Kinder konnten gehen und kommen , weder Vater noch Mutter fragten : woher , wohin ? Schlechten Kindern ist das recht , guten Kindern aber hat es etwas unbeschreiblich Unheimliches . Wenn Annelisi sonst heimkam von irgend einer Lustbarkeit , so hörte die Mutter gerne erzählen , wie es zugegangen , wer zugegen gewesen , und lockte wohl durch Fragen hervor , was Annelisi gerne sagte . Dann ließ sie Worte fallen über diesen Burschen und jenen Burschen , daß die Tochter wohl merken konnte , wer als Schwiegersohn willkommen wäre und wer nicht . Solche Gespräche waren auch die beste Gelegenheit , über Nebenbuhlerinnen sich zu beschweren und der Mutter zu sagen : » Nein aber , Mutter , einen neuen Kittel muß ich notwendig haben . Es sind Meitschi dagewesen , wo sie daheim mit den Zinsen noch genug zu tun haben , aber einen so schlechten Kittel , wie ich einen habe , hat keins angehabt . Und Göllerketteli habe ich nur die , welche ich erhalten , als mir der Herr erlaubt hat , und die sind so leicht und altmodisch , es trüge leicht eine hoffärtige Magd sie nicht . « In solchem Zusammenhang hatte die Mutter wider neue Anschaffungen am wenigsten , und wenn die Mutter einmal Ja gesagt hatte , so sagte der Vater seinem Annelisi nie Nein . Das ward auf einmal anders . Es gab allemal saure Augen , wenn es irgendwohin wollte . Kam es heim und wollte mit einem Bericht des Erlebten wieder gut Wetter machen , so schwieg die Mutter oder sagte , sie möge des Gstürms nicht , und ehemals seien die Mädchen daheim geblieben und hätten den Eltern etwas abgenommen , statt in der Welt jeder Lustbarkeit nachzufahren wie die Vögel dem Hirs . Und wenn es etwas vom Anschaffen sagte , eine Kappe gerne gehabt hätte oder ein Gloschli , so seufzte die Mutter und schwieg oder sagte : Wenn es einmal fehle , so komme gerne alles zusammen und helfe einander , um einen zu Boden zu machen , und sie hätte geglaubt , es hätte mehr Verstand als so . Wenn es dann weinte , weil es der Mutter nichts mehr treffen könnte , und der Vater fragte ihns zufällig : » Was plärest aber ? « und es antwortete , es mache es niemand mehr recht und Freude sollte es keine mehr haben , es erleide ihm , so dabei zu sein , und zuletzt nehme es den Ersten den Besten , nur um fortzukommen , so antwortete ihm der Vater : » He nun so denn , so nimm , und komme dann , mir brav Ehesteuer zu fordern , es geht in einem zu . Es ist besser , man mache gleich hintereinander fertig , so weiß man doch auch , woran man ist . « Das tat dann Annelisi grusam weh . Es war ein gutes Kind und liebte seine Eltern , aber daß es das Unglück allein entgelten und nur für andere Menschen auf der Welt sein sollte , das meinte es doch auch nicht . Wie der Bauernsohn gerne ein Bauer wird , warum sollte die Bauerntochter nicht auch gerne eine Bäuerin werden ? Es ist nicht nur wegen dem Manne selbst , der doch auch allerdings nicht zu verachten ist , sondern wegen dem unabhängigen Regiment , das eine rechte Bäuerin führt , und der Achtung , in der sie steht ; denn eine rechte Bäuerin , deren es im Kanton Bern viele gibt und welche die Sonnseite des Bauernlebens sind , ist die Mittlerin des Hauses zwischen Gott und Menschen , ist die sichtbare Vorsehung in allen leiblichen Dingen . Und jetzt sollte Annelisi keine werden , weil der Vater fünftausend Pfund verloren und eine Ehesteuer ihm zu hart ankam ! Das tat ihr weh . Der älteste Sohn war empfindlicher Natur , und hatte er schon vorhin hie und da geglaubt , man hätte nicht genug Rücksichten für ihn , so geschah das jetzt noch viel öfters und nicht immer mit Unrecht . Früher sah der Mutter Auge jede Veränderung in jedem Gesichte , und wo sie eine bemerkte , da traf sie Vorsorge . » Christeli , ich habe dir heute Trank angerichtet , du gehst nicht aufs Feld « , so sagte sie , und im halben Tag rief sie ihn ins Stübli , wo sie ihm etwas Meisterlosiges zweg hatte , damit er nicht an der harten Speise der Arbeitenden sich noch mehr verderben müßte . Und wollte es nicht bald bessern , so sagte sie : » Man wird zum Doktor müssen « , und manchmal sagte sie sogar : » Es wäre gut , er käme selbst , er könnte dann selbst sehen , wo es dir fehlt ; so mit dem Brichten breicht man es nicht allemale recht . « Nun ging diese Aufmerksamkeit verloren ; die Mutter frug ihn viel seltener , ob ihm etwas fehle , und wenn er es manchmal zu merken gab mit Nichtessen oder Berzen , so war sie imstande zu sagen : » Du mußt nicht so nötlich tun , es wird schon bessern ; je mehr man sich achtet , um so mehr tut einem weh . « Und wenn er liegen mußte und meinte , er sei recht übel zweg , und vom Doktor redete , so war der Vater imstande zu sagen : Man könne nicht das ganze Jahr durch einen für ihn auf der Straße haben ; des Dokterns hätte er doch bald satt , er hätte jetzt sein Geld für andere Sachen zu brauchen , aber je nötiger er es hätte , um so mehr begehrten die Andern zu brauchen . Solche Reden gingen Christen tief ins Herz . Es dünkte ihn , nicht länger als er noch leben werde , sollten sie es ihm gönnen ; aber es gehe ihnen noch zu lange und sie möchten nicht warten , bis er weg wäre . Es kam ihn manchmal an , wenn er nur heute sterben könnte , damit sie sich so recht ein Gewissen machen müßten . Es würde sie doch wohl z ' plären tun , wenn sie mit ihm zChilchen müßten und denken , sie hätten besser zu ihm sehen können , er lebte noch , wenn sie das Geld für den Doktor nicht gereut hätte . Und wiederum kam ihn das Weiben an , damit er jemand hätte , der zu ihm sehen würde und für ihn tun , was er mangelte . Dann strich er umher , besuchte Orte , deren er sich eigentlich hätte schämen sollen , ließ Geld aufgehen in den Wirtshäusern , daß männiglich meinte , er werde bald verkünden lassen ; aber plötzlich verleidete es ihm wieder , er sah kein Mädchen mehr an , rührte keinen Wein mehr an , wollte wiederum sterben . Weitaus am meisten litt darunter der jüngste Sohn , Resli . Die Mutter hatte ihm früher oft gesagt : » Resli , je früher du mir ein Söhnisweib bringst , um so lieber ist es mit , aber drei Sachen achte dich wohl : nimm eins , das sich wäscht , aber nicht nur oberhalb des Göllers , sondern auch unterhalb , eins , das alles anrühren darf und die Saumelchtern nicht scheut , und eins , dem man nicht zweimal die Zeit wünschen muß , ehe es einmal danket . Ich bin froh , an die Ruhe zu stellen , und wenn du mir so eine bringst , so soll sie nicht über mich zu klagen haben . « Freilich sagte Resli : » Mutter , es pressiert mir nicht . « Aber er redete doch gerne mit der Mutter über die Meitscheni und hörte , was sie für einen Trumpf hatte für dieses oder jenes und was sie von dessen Familie wußte bis zur Großmutter hinauf . Denn Resli hielt gar viel auf dem guten Namen und wollte nur eine Frau » von braver Familie nache « . Er wollte nicht , daß man den Kindern die Eltern vorhalten könne und hielt ebenso viel auf ehrlichem Gut , und eine mit ungerechtem Gut hätte er nicht mögen , und wenn sie einen ganzen Kässpycher voll Dublonen gehabt hätte und dazu es Myneli , wie wenn man es aparti tangglet hätte . So ein junger Kerli weiß aber , wenn die Mutter es ihm nicht sagt , nicht , was in einer Familie vorgegangen und was ihr anhanget ; er sieht bloß , wie das Meitschi tut , und sehr oft sieht er auch dieses Tun durch eine Brille . Und wenn er auch einsieht , wie dumm es tut , so meint er noch sehr oft , aus einem Meitschi , das dumm tut , gehe es eine Frau , die gescheit tue - aber ohä ! Es ist daher einer glücklich , wenn er eine Mutter hat , mit welcher er vernünftig über die Meitscheni reden kann und die nicht meint , das Himmelreich bestehe in einem Geldsack und wenn ihr Sohn schon eine dumme Frau kriege , so mache es nichts , weil er gescheit für Zwei sei . Mehrere Jahre hatte Resli bereits in der Welt gelebt und hatte schon an viele Mädchen gedacht , hatte schon manchmal gwerweiset : Will ich dies oder will ich jenes , das wäre reicher , das wäre schöner , das wäre lustiger und jenes e Werchadere vom Tüfel , aber noch keines hatte er angetroffen , bei dem er in sich selber dachte : Das will ich und kein anderes , und wenn ich das nicht haben kann , so will ich gar keins , und wer weiß , vielleicht hänge ich mich noch . Da war einmal ein schöner Sonntag , und es dünkte Resli , er möchte auch einmal baden . Er machte sich zweg , steckte eine schöne Rose auf den Hut , legte das schönste Halstuch um und sagte , man solle abends zum Essen und Füttern nicht auf ihn warten , man wisse nie , was es gebe , und säume sich manchmal ungsinnet . Gleich nach dem Mittagessen ging er alleine , denn sein Bruder hatte gerade seine kranke Laune , und einen Knecht so gleichsam als Sicherheitswache mit sich nehmen , wie es oft geschieht , der dann mit des Meisters Sohn ißt und trinkt , sich aber auch für ihn schlägt und prügeln läßt , das mochte er nicht . Es war ein heißer Tag , der Staub lag handhoch auf der Straße , und als Resli aus dem Bade kam , dünkte es ihn , er sei ein ganz neuer Mensch , er hätte Flügel und könnte fliegen über Berg und Tal . Zwei lustige Geiger riefen zum Tanze , und rasch hörte er die genagelten Schuhe den gygampfenden Boden stampfen . In langsamer Ruhe stieg er die Treppe auf , trat unter die Türe , sah im öden Saal ein halbes Dutzend Paare dampfen und stampfen und ein Dutzend Mädchen an den Wänden stehen , welche auch gerne gezeigt hätten , wie sie ihre Kittel schwingen könnten und wie sie das Stampfen erleiden möchten , auch wenn es auf ihren eigenen Fußen ( Füßchen kann man nicht wohl sagen ) stattfinden sollte . Resli gehörte nicht zu den weichen Herzen , die sich aller verlassenen Mädchen erbarmen , die meinen , wenn ein Mädchen tanzen möchte oder sonst etwas , so hätte sie der Herrgott apart dazu geschaffen , des Mädchens Wunsch zu erfüllen . Zudem ist es bei uns zulande nicht so mit einem Tanze abgetan , so daß wenn der Geiger den letzen Strich tut , man das Mädchen flädern lassen kann , unbekümmert , in welche Ecke oder an welche Wand es gerät , wie es unter den heutigen Zierbengeln Mode wird . Reicht ein Bursche einem Mädchen zum Tanz die Hand , so steigen in demselben gleich ein Fuder Hoffnungen auf . Zuvorderst steht eine Halbe Wein , welche der Tänzer kommen läßt , hintendrein kommt Essen , ein schönes Schnäfeli Bratis , dann eine schöne Heimfahrt und endlich ein lustiger Hochzeittag . Das steigt alles auf , sobald ein Mädchen eine Hand zum Tanzen kriegt , und so eine Hand ist gleichsam der Schlüssel zu einem Schranke , der voll Herrlichkeit ist und der einem aufgeht , sobald man mit dem Schlüssel recht umgeht . Wenn aber nach ein oder zwei Tänzen sonder Komplimente ein Bursche seine Tänzerin fahren läßt , so versinken auf einmal alle diese Hoffnungen , und aschgrau wird es dem Mädchen im Herzen , wie es uns allen würde , wenn wir das Morgenrot gesehen hätten und nach dem Morgenrot käme keine Sonne , sondern wiederum die Nacht . So täuschte nun Resli nicht gerne , und für etwas mehr als höchstens einen Tanz war ihm keines der Mädchen anständig . Er forderte daher einen Schoppen für sich alleine und setzte sich an den Schenktisch , unbekümmert um die ärgerlichen Augen , die wie Fliegen und Wespen seine Ruhe gern gestört hätten . Aber Resli trank kaltblütig seinen . Schoppen und dachte : Wenn nichts Besseres kömmt , so trink ich aus und gehe . Und wie der Böse kommen soll , wenn man an ihn denkt , so kömmt in guten Stunden uns auch der Engel vor die Augen , an den gerade unsere Seele dachte . Wie Resli aufsah , sah er ein Mädchen am Eingange stehen von ganz anderem Schlage als die Mädchen drinnen an der Wand . Es war nicht reich gekleidet , nicht so handgreiflich schön , wie man es auf dem Lande liebt , aber auf den ersten Blick sah man , daß da etwas Rechtes sei und aus einem berühmten Hause ; der Glanz der Züchtigkeit und Reinlichkeit , in welchem das Mädchen so gleichsam gebadet war , gab ihm fast etwas Stolzes , daß keiner der Bursche , die da waren , sich an ihns wagte . Resli fühlte sich auch etwas und glaubte nicht , daß für ihn leicht eine zu vornehm sei , und wenn ihm auch das Mädchen fremd war , so dachte er doch , Fragen werde nicht z ' töten gehen . Darum stand er auf und frug das Mädchen , ob sie einen mit einander haben wollten ? Und das Mädchen sagte , es sei ihm recht . Mehrere Tänze tanzten sie im weiten Saale , so gleichsam der König und die Königin unterm gemeinen Volk , und sie hatten je länger je größern Gefallen an einander ; das ging zusammen so rund und sittig , so rasch und richtig , daß es jedes von ihnen dünkte , so wohl hätte das Tanzen ihm noch nie gefallen und noch mit Keinem hätte es so fortkommen können wie pfiffen . Nach einigen Tänzen sagte er , er möchte eine Halbe zahlen , wenn es kommen wollte . Das Meitschi sagte zuerst , es sei nicht nötig , es sei nicht durstig ; indessen wehrte es sich doch nicht halb so wie manches Stüdi , das , wenn es von weitem Wein riecht , schon die Finger zu schlecken anfängt bis an den Ellbogen , sich aber doch , wenn jemand es zum Wein fuhren will , erst reißen läßt , bis ihm irgend ein Bein im Leibe kracht . Man sah dem Mädchen an , daß Resli ihm wohl gefiel , und eben weil es hier fremd war und es wohl sah , daß Resli es auch nicht kannte , so ließ es sich um so unbeachteter gehen und verschanzte sich nicht hinter die übliche zähe , einsilbige Sprödigkeit . Als sie am Wein saßen und die Stubenmagd fragte , ob sie noch etwas zu essen bringen solle , da befahl Resli gleich vom Besten , was sie hätten . Aber da redete das Mädchen auf und sagte , ein Glas Wein zu trinken sei ihm recht gewesen , aber essen möge es nicht , sein Vater werde bald kommen und es abholen , sie hätten weit heim . Resli gebärdete sich aber auch als einer , der wußte , wer er war , und sagte der Stubenmagd , sie hätte gehört , was er befohlen , und dem Meitschi sagte er , es soll sich doch nicht eigelich machen , auf ein paar Batzen mehr oder weniger komme es ihm nicht an , und wenn der Vater käme , so sei immer jemand , der esse , was gekochet sei . Wenn es ihm aber recht sei , so wollten sie noch ein paar mit einander haben , bis das Essen komme ; er hätte noch kein Meitschi angetroffen , mit dem sich ihm das Tanzen besser geschickt . Das Meitschi sagte nicht ab , und nun tanzten sie wieder , daß man ihnen die Herzenslust von weitem ansah und Die Kunde bis in die Küche drang , es tanzten Zwei oben ganz bsunderbar , man hätte noch nie so was gesehen , und ein Kuchimutz nach dem andern streckte mit zurückgehaltenem Kuchischurz seine schwarz angeloffene Nase neben dem Türpfosten durch in den Saal . Noch zwei Tänze tanzten sie , nachdem das Stubenmeitli das Essen auf den Tisch gestellt und ihnen immer gewunken , von wegen weil es kalte . Aber es war Resli , als könne er das Meitschi nicht aus dem Arm lassen , und wenn er es lasse so entschwinde es ihm und er sehe es nie wieder . Endlich führte er es doch zum Tische , und das Meitschi ließ sich führen ; freilich sagte es , es sei unverschämt und es wolle seinen Teil bezahlen , es täte es nicht anders . Es sei nicht da hinaufgekommen , um zu schmarotzen , aber der Vater hätte eine Verrichtung gehabt und es unten Langeweile , darum habe es dem Tanz zusehen wollen , damit die Zeit fürgehe . Daß es selbst hätte tanzen können , sei ihm viel zu gut gegangen , und darum wolle es ihn jetzt nicht noch in Kösten bringen . Vom Geiger wolle es nichts sagen , aber an der Ürti zahle es seinen Teil ; wenn er das Geld nicht zu scheuen brauche , so sei es denn nicht , daß andere Leute nicht auch welches hätten und es brauchen dürften . Es nahm Resli wunder , wer das Meitschi sei , und das Meitschi , wer Resli sei , und sie schlugen Beide auf den Stauden herum ; aber ein jedes wollte erst hören , wer das Andere sei und ob die Bekanntschaft zulässig sei , ehe es herausrücke aus seinem Inkognito . So gelang Keinem sein Vorhaben . Es dünkte Resli wunderlich , daß das Meitschi nicht war wie andere Meitschi . Er hatte nach der Verrichtung des Vaters gefragt und hatte vernommen , er suche Holz um etwas zu bauen . Er hatte gefragt , ob das Haus ihnen zu klein sei . Jetzt hätte das Mädchen Gelegenheit gehabt , aufzuzählen , wieviel Jucharten Land sie hätten und wieviel Garben sie machten und wieviel Klafter Heu sie alle Jahre dem Küher gäben . Aber von diesem allem vernahm er nichts , sondern bloß , daß das Haus ihnen gar unkommod sei und der Stall sehr bös . Es wollte ihm nichts rühmen , wie er es auch darauf anlegte , nicht einmal wieviel Schweine sie hätten , vernahm er . Darum vernahm das Mädchen auch nichts . Er rühmte sonst gerne ihre schönen Rosse , wie manches sie hätten und wieviel sie für jedes hätten lösen können , aber jetzt hätte er es bei Leib und Leben nicht sagen können , wie oft das Meitschi ihm auch Gelegenheit dazu gab . Es kam ihm vor , als ob das Rühmen ihn in den Augen des Meitschis heruntersetzen würde und daß der am meisten sich rühme , der den Ruhm am meisten nötig hätte . Während sie so mit einander worteten und Keines sich verraten wollte , kam das Stubenmeitli mit der Nachricht , der Vater sei unten und lasse befehlen , daß es alsobald hinunterkomme . » Sage ihm , ich komme gleich « , sagte das Meitschi , stund aber nicht auf , machte mit Resli Gesundheit , wortete wieder , und bald wars , als ob des Vaters Bescheid vergessen wäre . Da kam das Stubenmeitli noch einmal und sagte : Der Vater lasse befehlen , daß seine Tochter auf der Stelle kommen solle , sonst fahre er alleine , man könne die Rosse nicht einen ganzen halben Tag an den Bäumen stehen lassen . » Laß du ihn fahren « , sagte Resli , » ich begleite dich dann heim , wenn du nichts darwider hast . « Da ward das Mädchen rot und sagte : » Nein , das will ich jetzt nicht , aber dankeigist , und behüte dich Gott « , und somit gab es Resli die Hand . Resli nahm sie und wollte noch etwas sagen , und das Meitschi wartete darauf . Aber das rechte Wort kam Resli nicht . Da stürzte die Magd hinein und rief : » Gschwind , gschwind , dr Alt ist scho ufghocket ! « » Adie wohl « , rief das Mädchen und riß sich los . » Wart doch , los doch « , rief Resli , aber das Mädchen war schon auf der Treppe und frug auf derselben im Fluge das Stubenmeitli : » Was ist das für e Bursch ? « » Ich weiß es nicht « , sagte dasselbe , » ich kenne ihn nicht , er ist noch nie dagewesen . « Da ging stille das Mädchen aufs Wägeli , stille hörte es die Vorwürfe des Vaters , stille fuhr es mit ihm dahin ; es war ihm , als fahre derselbe mit ihm ins weite , öde Meer , wo keine Freude , keine Lust mehr sei , nichts als Herzeleid und lange , lange Zeit , bis man sterben könne . Resli war ganz verdutzt gestanden , und als er zum Fenster trat , um nach Wägeli und Vater zu sehen , ob er sie vielleicht kenne , sah er nur noch die hinter ihnen aufwirbelnde Staubwolke . Da tat es ihm im Herzen weh , und er konnte nicht aufhören , in den Staub zu sehen , hoffend , der Wind möchte kommen und den Staub verjagen , noch einmal könne er das Meitschi sehen ; und lange war Staub und Wägeli verschwunden , und immer noch sah Resli ins Weite , und immer wirser tat es ihm im Herzen . Es dünkte ihn da , wie wenn ein Mühlstein darauf läge , und der Staub biß ihn in den Augen wie noch nie . Tausend Pfund reuten mich nicht , dachte er , wenn ich wüßte , wer die wären . Als er dieses dachte , merkte er hinter sich das Stubenmeitli . » Mach mir die Ürti « , sagte er rasch , als ob er fürchtete , dasselbe lese an seinem Rücken die Gedanken in seinem Herzen . » He , es ist fünfundzwanzig Batzen « , sagte dasselbe . Während es das dargelegte Geld nachzählte , dünkte es Resli , er möchte doch noch etwas wagen , und sagte : » Was sind das für Leute gewesen ? « » Das ist der Dorngrütbauer , er wohnt da in den Dörfern unten , exakt in welcher Gemeinde , weiß ich nicht , aber es soll ein gar grusam Reicher sein . Du hast dich aber überzählt , es sind zwei Batzen zu viel , fünfundzwanzig Batzen habe ich gesagt und nicht siebenundzwanzig . « » So behalte sie « , sagte Resli , » ich begehre sie nicht wieder . « » Du bist ein seltsamer Bursch « , sagte das Stubenmeitli , » die Meisten wollen mir zu wenig gehen , und du gibst mir zu viel . Aber ich will es nehmen , ich mangle es übler als du , und du sollest Dank haben z ' tausend Malen . Aber weißt du , was ich noch lieber möchte als die zwei Batzen ? « » Nein « , sagte Resli . » Einen mit dir haben möchte ich , du kannst es bsunderbar wohl . Willst ? « » He , meinetwegen , öppe einen « , sagte Resli . » He nu so de , Gyger , so mach denn fry e lustige , aber gschwind ! Sonst , wenn die Wirtin merkt , daß ich tanze , so kommt sie und nimmt mich bei den Züpfen ; sie ist heute aber gar eine böse , und ich will lieber , sie komme nicht dazu . « Nun ging sTanzen los , und das Meitschi ward selig , tat Sprünge wie ein junges Böcklein , vergaß aber doch nicht , trotz seines Glückes in einer Pause zu fragen : » Woher kömmst du ? « Da dünkte es Resli erst , wenn seine erste Tänzerin nicht wisse , woher er komme , so brauche es die gegenwärtige auch nicht zu wissen , aber bald besann er sich eines Bessern und gab seinen Stammsitz an ; denn wäre es nicht möglich , daß man hier ebenfalls nach ihm fragen würde ? » So , bist du der « , sagte das Stubenmeitli ; » ich habe viel von Liebiwyl gehört , bin aber noch nie dort gewesen . Des Dorngrüter Bauern Tochter hat gefragt , woher du kämest , aber was man nicht weiß , kann man nicht sagen « . ( Man frägt im Emmental meist » Woher bist « statt » Wer bist « , da nach alt-adelicher Sitte die Menschen bekannter sind unter den Namen ihrer Höfe als denen ihres Geschlechts ) . » Soll ich dir noch eine Halbe holen , Du wirst doch nicht schon fort wollen , du kämest ja Tags heim ! « » Nein , ich mag nicht mehr trinken « , sagte Resli . » So mußt du noch einen mit mir haben « , sagte das Stubenmeitschi , und nach dem einen wollte es noch einen und noch einen , gäb was Resli sagen mochte , und wer weiß , wie manchen Resli noch hätte haben müssen , wenn nicht die Wirtin unter der Türe erschienen wäre , um das arme , in seine Privatgeschäfte vertiefte Meitschi zu suchen . » So , bist du da , du Donnstigs Bubennarr , was du bist , wohl , dir will ich ! « rief sie mit klebriger Stimme in den weiten Saal durch Geigen und Stampfen mitten hindurch , daß das arme Mädchen zusammenfuhr wie von einem großen Dorn gestochen , sich umsah und mit einem Satz zur Stube aus fuhr , als wenn es schrittlings auf dem Bysluft führe . » Bist du noch da , du Donnstigs Tanzgöhl ? « fuhr die Wirtin fort und richtete ihre Kanone auf den armen Resli . » Es dünkt mich , du solltest genug haben , und das andere Mal lasse mir meine Meitli in Ruhe oder bring eine mit , wenn du tanzen willst , für solche Schmöckeni habe ich meine Meitleni nicht . Oder wenn du es zwingen willst , zu tanzen , so frag mich , ob ich Zeit habe . Ists denn wahr , daß du es so wohl könnest ? Seh , laß mal probieren ; Gyger , mach fry e styfe ! « Und sonder weitere Umstände mußte Resli mit der dicken Wirtin , welche dampfte wie eine siedende Fleischsuppe , die über einem anderthalbzentnerigen Mocken strudelt , an den Tanz . Er begann zu glauben , er sei verhexet , und ihm war , wenn er nur da weg wäre ; wenn nach der Wirtin noch die Köchin käme