Wetter sein mußten ; aber weißt du , womit sie die meisten Kleider verderben ? Mit ihrem Herumfahren des Nachts bei allem Wetter durch Dick und Dünn und mit allem dem , was dabei vorgeht . Wenn man die Kleider vierundzwanzig Stunden am Leibe hat , so verderbt man sie offenbar mehr , als wenn es nur vierzehn Stunden geschieht . Zu Kilt läuft man nicht in den Holzboden , und wann sprengt man mehr Schuhnägel aus , des Tages oder des Nachts , wo man keinen Stein sieht , kein Loch , keinen Graben ? Und sag mir : wie sehen die Sonntagskleider aus , wenn man voll herumghürschet ist , einander herumgerissen , im Kot herumgedröhlt hat ? Wie manche Sonntagskutte ist so in Stücke gegangen , wie manches Paar Hosen unbrauchbar , wie manche Kappe verloren worden ! Es brauchte gewiß manch Knechtlein dsHalb weniger für seine Kleider , wenn es daheim bliebe ; von den Mädchen will ich nur nicht reden . Und denk daran , Uli , wenn du jetzt schon zehn Kronen für solche unnütze Gewohnheit brauchst , so brauchst du in zehn Jahren zwanzig und in zwanzig Jahren vierzig , wenn du sie hast ; denn so eine Gewohnheit steht nicht stille , sie wächst , und führt das nicht schnurstracks dem alten Hudel zu ? » Endlich , Uli , hast du nicht bloß dreißig Kronen , sondern auch noch manchen Batzen Trinkgeld , wenn eine Kuh , ein Roß usw. verkauft wird . Die brauche , wenn du wohin laufen mußt und das Einkehren nicht vermeiden kannst . Daraus kannst du meinethalb an einer Musterung einen Schoppen trinken , kannst etwas zusammentun , wenn du in Garnison mußt ; das reicht vollkommen hin dazu . Du hast schon viel Lohn eingezogen , aber wenn du mir glauben und folgen willst , so kommst du schon dieses Jahr aus den Schulden ; das andere Jahr kannst du ans Vorschlagen gehen . Und wenn du mir glaubst , so ist dann nicht gesagt , daß ich nur dreißig Kronen Lohn geben könne . Wenn ein Knecht so recht bei der Sache ist und mit seinem Sinn nicht nur beim Narrenwerk , wenn man ihm etwas anvertrauen kann und es gleich geht , sei ich dabei oder nicht , und ich nicht allemal mit Kummer heim muß , es sei etwas Ungrads gegangen , so , Uli , kommts mir auf ein paar Kronen nicht an . Denk daran , Uli : je besser die Gewohnheit , je besser der Name , desto besser auch der Lohn . « Dem Uli gingen ob diesen Reden Maul und Nase auf , und endlich sagte er : Das wäre wohl schön , aber es werde es kaum geben , er glaube nicht , daß er das usgstang . » He , probiere einmal einen Monat und siehe , wie es kommt , und sinn nicht an Laufen , Schoppen und das Wirtshausgehen , so wird es sich schon machen . « Fünftes Kapitel Nun kommt der Teufel und säet Unkraut in den guten Samen Und es ging recht ordentlich manchen Sonntag lang . Der Uli ging wieder zKilchen und dachte daran , daß er ein Mensch sei und daß er auch selig werden möchte . Er fing auch an zu glauben , daß der Meister doch etwas recht haben möchte ; denn wenigstens zwei Neutaler hätte er früher in dieser Zeit für nichts ausgegeben , die er jetzt noch im Sack hatte . Er war auch ein Anderer bei der Arbeit , es ging ihm alles noch ein , mal so rasch von der Hand , und weil er wirklich des Nachts schlief , des Sonntags ruhte , den Körper nicht durch Ausschweifungen schwächte , so schien ihm keine Arbeit mehr schwer ; es war ihm fast , als ob er nicht mehr müde werden könnte . Der Meister sah mit Freuden , daß es so gut komme , und wenn er ihm etwas zuhalten konnte , so tat er es , märtete ein größeres Trinkgeld ein , wenn es ihn dünkte , der Metzger vermöge es und es sei ihm angst um die Sache , nahm Uli mit auf einen Märit oder schickte ihn hier oder dort aus , wenn et - was zu verrichten war , damit Uli doch auch sein Pläsier hätte , und wenn Uli einen Schoppen trank auf diesen Wegen , so zahlte ihn der Meister . Natürlich fiel Ulis Betragen auch Andern auf , zuerst seinen Mitdiensten , dann den Nachbaren . Es geht unter den Diensten gerne wie unter Jakobs Söhnen . Wenn Eines besser ist als die Andern und daher auch den Meisterleuten lieber , so verfolgen es die Schlechtern , führen es aus und ruhen nicht , bis sie es vertrieben haben oder so schlecht gemacht , als sie selbst sind . Sie wollen nicht , daß Meisterleute es erfahren , was ein guter Knecht , eine gute Magd ausrichten könne ; sie fürchten , es möchte dann allzu sichtbar werden , wie schlecht sie seien , und ihnen auch mehr angemutet werden , ein anderes Betragen , ein rührigeres Schaffen . Das wollen sie nicht , es soll der Meister keinen Vorteil an ihnen haben ; sie wollen nicht Göhle , Narren , Tröpfe , Kühe sein und sich zTod werchen , wo sie nichts davon hätten ; sie machten , wie sie es gewohnt seien , und wenn es so nicht anständig sei , so gingen sie weiters . Es ist daher sehr oft die Dienerschaft eine gegen die Meisterleute verschworne Bande . Das Komplott besteht darin , so viel Lohn , so viel Freiheit , ein so gut Leben zu erzwingen als möglich , und wenn es nicht nach den Köpfen geht , die Meisterleute so zornig als möglich zu machen . Es braucht viel Kraft und viel Klugheit , solche Komplotte zu zerstören , und viel Liebe und viel aufrichtige Wohlmeinenheit , sie nicht aufkommen zu lassen . Es gibt jedoch Diensten , deren feindseliger Sinn auf keine Weise zu brechen oder zu versöhnen ist und die daher gegen jeden Meister feindselig verfahren und allenthalben den Frieden stören , wohin sie auch kommen . Die Nebendiensten fingen daher bald an , auf Uli zu sticheln , zu sagen : Sie wollten einmal Narren sein , so auf den Meister zu sehen , sie begehren nicht die Liebsten zu sein , oder aber , wenn sie eine Viertelstunde an ihren Hauenstielen gedampet hatten , zu trümpfen , sie müßten sich zur Arbeit halten , der Meister wüßte am Abend , wie manchmal eins geleuet hätte . Das machte Uli böse , denn er machte nicht den Ohrenträger , und mehr als einmal ließ er sich verführen , mit der Bande zu räsonieren und zu schlumpen . Wenn er aber darüber dachte , so dünkte es ihn doch , es sei dumm von ihm . Sobald er mitmachte und miträsonierte , war er unzufrieden und mißmutig ; sobald er nicht von Herzen arbeitete , hatte er Langeweile , und er wurde noch einmal so müde dabei . Er tat sich selbst also ebenso viel zuleid als dem Meister , und wenn er so fortfahre , so sah er wohl , daß er einen mißmutigen , unzufriedenen Menschen abgebe , dem die Arbeit eine Plage sei . Er sah doch , daß auf des Meisters Seite die größere Gutmeinenheit sei und daß wenn er diesem gehorche , es ihm besser gehe , und wenn auch der Meister Nutzen hätte von seiner guten Aufführung , so hätte er selbst doch noch den größern und bleibenderen davon . Es kam ihm vor , als ob da zwei Mächte sich um seine Seele stritten , fast gleichsam ein guter und ein böser Engel , und jeder ihn haben wollte . Der Pfarrer hatte nämlich einmal in einer Predigt gesagt : Zu den ersten Eltern im Paradies hätte Gott geredet und die Schlange . Gott hatte ihnen etwas zu ihrem Besten verboten , und die Schlange hätte aufgewiesen , Gott und sein Gebot verdächtigt , als ob er dasselbe nur zu seinem eigenen Nutzen gegeben hätte , hätte auch den Menschen geschmeichelt , und so hätten die ersten Eltern der Schlange , der Aufweisung mit ihrer verführerischen , schmeichlerischen Rede Gehör gegeben und seien darob unglücklich geworden und hätten ihre Nachkommen mit ins Unglück gezogen . Nun sei das sehr wunderbar , daß die beiden Stimmen alle Menschen durchs Leben begleiteten und aus Menschenmund zu ihnen kämen . Es sei selten ein Mensch , den nicht gute Menschen zum Guten mahnen mit Liebe und Ernst , den hin , wiederum nicht böse Menschen aufreisen und zum Bösen antreiben , indem sie sich mit süßer Rede als Freunde stellen oder mit Spott seine Eitelkeit erregen . Und etwas sei in uns , das mahne , den guten Menschen zu gehorchen ; aber noch ein Anderes sei in uns , das lieber den bösen Menschen höre , das sich durch Schmeichelei gerne verführen lasse , das größern Glauben habe zu denen , welche zum Bösen antreiben , als zu denen , welche zum Guten mahnen . Daher geschehe es zumeist , daß die Bösen die Gewalt bekämen und die Menschen ins Unglück führen könnten ; hintendrein lachten sie dann und hätten ihr Gespött mit dem Unglücklichen , der es zu spät einsehe , wer es eigentlich gut mit ihm gemeint hätte . So kam es Uli manchmal in Sinn , es gehe ihm jetzt gerade so , und doch war er so oft nicht Meister über sich , und die bösen Stimmen erhielten Gewalt über ihn . Besonders als nun auch Nachbaren auf Uli aufmerksam wurden und ihr Maul hineinhängten und den Uli aufzureisen suchten . Einer war Ulis Meister feindlich und verstund es meisterlich , fremde Dienste anzulocken und sie , wenn er sie hatte , auszunutzen auf eine unglaubliche Weise . Der tadelte selten einen Knecht , er rühmte sie , daß die Schwarten krachten , und trieb sie damit zu übermäßigen Anstengungen und lachte den Buckel voll , wenn sie so recht bysteten und berzeten . Der hatte nicht ungern , wenn sie hudelten , und sie hatten in seinem Hause auch Freiheit zu allem Wüsten : Mägde und Knechte konnten miteinander umgehen wie Eheleute ; das behielt Viele trotz des schlechten Lohns bei ihm . Er streckte ihnen gerne Geld vor , denn wenn sie seine Schuldner waren , so waren sie auch mehr oder weniger seine Sklaven ; die Schulden waren das Seil , an dem er sie festhielt . Diesem Meister hatte Uli schon lange in die Augen geschienen , ganz wie gemacht für ihn : ein hübscher Lockvogel für Mägde , die nicht ungern in ein Haus dingen , wo Freiheit ist und ein hübscher Knecht dazu ; ein guter Bastesel , der die Arbeit verstund , aber liederlich war und etwas einfältig , schien eben recht zum Brauchen und Ausnutzen . Dieser Meister spottete erst , wenn er Uli des Sonntags daheim sah : Er werde wollen geistlich werden oder in die Versammlungen gehen ! Es gehe auch kurzweilig zu dort , und das auf die Füße Trappen sei noch nicht abgestellt bei ihnen . Das guselte Uli , daß man ihn für einen Geistlichen ansehen wollte , und es juckte ihn , recht wüst zu tun , damit man ja nicht glaube , er sei besser als ein Anderer . Es ist gar merkwürdig , für was alles die Jugend sich schämen zu müssen glaubt : nicht nur , minder Geld zu haben , minder hübsch zu sein , minder stark , minder schon gekleidet , sondern es schämen sich gar Viele auch , minder wüst zu tun als Andere . Doch hielt Uli noch an sich . Als der Nachbar mit Spötteln nichts abbrachte , so versuchte derselbe es mit einem andern Ton . Er begann Uli zu rühmen , wie er afe einer sei und wie ihm schon lange Keiner unter die Augen gekommen sei , der ihm die Schuhriemen auflöse . Gerade so einen hätte er schon lange gewünscht , allein er hätte das Gfell nicht . Es sei nur schade , daß ihn sein Meister hätte ; der wüßte nicht , was er an ihm habe . So machte er Uli den Kopf groß und fing allgemach an , den Dienst ihm zu erleiden . Er deutete ihm darauf hin , wie man alles an ihn lasse , ihm immer mehr auf bürde , ihm Sachen anmute wie sonst nirgend einem Knecht , und wie sein Meister den Faulhund mache und ihn allenthalben am schwereren Orte nehmen lasse . Der Meister hatte nämlich im Herbst den Uli einen Acker säen lassen , während er selbst geeggt , hatte ihn Pflug halten lassen , während er den Ackerbub machte . Er hatte Uli gesagt , er müsse das auch lernen , wenn er ein Hauptknecht werden wolle . Es gebe gar manchen Platz , und das seien gewöhnlich die besten , wo ein Knecht alle Arbeit müsse machen können , und es sei doch nichts Traurigers als so ein Baurenknechtlein , das nicht die halbe Landarbeit verstehe ; und deren gäbte es ganze Hutten voll , die nichts anderes könnten als so geradehin hacken , holzen und heuen . So hatte der Meister gesagt und den Uli an den Pflug gestellt , was hundert Väter an den eigenen Söhnen nicht tun , solange sie ein Bein machen können , ihnen Pflughalten und Säen nie anvertrauen aus Furcht , es könne eine Handvoll Korn mehr gebraucht oder sonst irgend ein Fehler gemacht werden . Und gerade seine Wohlmeinenheit wurde ihm nun so übel ausgelegt und dem Uli alle Tage der Kopf größer gemacht , wie der Meister alles an ihn lasse und wie der Meister es nicht mehr machen könnte , wenn Uli einmal fort sei . » Es nimmt mih nume ds Tüfels wunder , wie es denn einist gah soll , wenn du nicht mehr da bist ; sie werden es dann erfahren , « das ist ein Spruch , mir welchem man schon viele hundert Dienste von ihren Plätzen weggesprengt hat . Es reitet sie der Teufel immer mehr durch den Gwunder , wie es dann gehe , wenn sie nicht mehr da seien . Es steigt immer mehr die Lust zu Kopfe , einmal seine Unentbehrlichkeit zu zeigen , zu erfahren , ob man es könne ohne sie , zu erfahren , daß ein Meister oder eine Meisterfrau bittend komme mit dem Bekenntnis : Sie könnten es durchaus nicht mehr machen ohne Lisi , ohne Benz . Es träumen tausend halbbatzige Knechtlein und Mägdlein ganze Jahre durch von dieser Unentbehrlichkeit und wenn Weihnacht kommt und sie ihren Bündel weitertragen , so will niemand ihnen nachlaufen und sagen : » Benz , Lisi , bleib doch da dr tusig Gottswille « ; gäb wie sie zurück , schauen , es kömmt niemand . Da treibt sie vielleicht schon die nächste Woche der Gwunder , wie man es ohne sie mache , in ein Nachbarhaus , wo sie etwas sehen und etwas vernehmen können über die neuen Diensten und den Stand der Dinge . Und siehe da , es geht , und die neuen Diensten sind ungefähr wie die alten , und wie sie sich auch mit der Hoffnung trösten , das bleibe nicht vierzehn Tage beieinander , so geht es doch wie das vorige Jahr von einer Weihnacht zur andern . Und mit jeder Weihnacht zügeln sie weiter , und niemand will sie zurückrufen , und allenthalben geht es ohne sie . Ach , es möchten die Menschen so gerne unentbehrlich sein und verstehen doch so selten , sich unentbehrlich zu machen . So stieg die Aufweisung dem Uli nach und nach ins Haupt . Es verstehen gar selten Menschen und selbst nicht bloß Hochgestellte ( die am allerwenigsten ) , sondern auch Hochgebildete , der Aufweisung zu widerstehen ; es ist also Uli nicht zu verargen , wenn er die Laus nicht hinunterwarf , welche ihm hinter den Ohren krabbelte . Was ihn der Meister aus Gutmeinenheit machen ließ , das schien ihm eine ungerecht und mutwillig aufgebürdete Last . Er dachte selten mehr an die guten und bösen Stimmen , und sein Kopf schwoll immer mehr an , und immer unwirscher ward es inwendig , und der Nachbar sah mit mächtiger Schadenfreude die Wirkung des eingespritzten Giftes und wie Uli näher und näher dem aufgespannten Garne kam . Der Meister dagegen merkte mit Bedauern , daß etwas wie eine finstere Wolke zwischen ihr Vertrauen getreten . Er wußte nicht was , und mit angestammter Kaltblütigkeit überließ er das Aufdecken dieses Unbekannten der Zeit ; denn besondere Gelegenheit , mit Uli zu reden , bot sein Betragen nicht dar , es war äußerlich noch geregelt , und eine Gelegenheit machen war nicht Sache von Johannes . Sechstes Kapitel Wie das Hurnussen dem Uli vom Unkraut hilft Es war schon lange die Rede davon gewesen , daß die Bursche aus Ulis Gemeinde , die Erdöpfelkofer , mit den Brönzwylerern einen Wetthurnußet abhalten sollten . Das Hurnußen ist nämlich eine Art Ballspiel , welches im Frühjahr und Herbst im Kanton Bern auf Wiesen und Äckern , wo nichts zu verderben ist , gespielt wird , an dem Knaben und Greise teilnehmen . Es ist wohl nicht bald ein Spiel , welches Kraft und Gelenkigkeit , Hand , Aug und Fuß so sehr in Anspruch nimmt als das Hurnußen . Die Spielenden teilen sich in zwei Partien , die eine hat den Hurnuß zu schlagen , die andere ihn aufzufangen . Der Hurnuß ist eine kleine Scheibe von nicht zwei Zoll im Durchmesser , in der Mitte etwas dicker als an den Rändern , welche abgerundet und zwei Linien dick sind . Derselbe wird mit schlanken Stecken von einem Sparren , der hinten auf dem Boden , vornen auf zirka zwei bis drei Fuß hohen Schwirren liegt , geschlagen , auf den er aufrecht mit Lehm angeklebt wird . Etwa zwanzig Schritte weit vor dem Sparren wird die Fronte des Raumes bezeichnet , innerhalb welchem der Hurnuß fallen oder abgetan werden muß . Dieser Raum oder dieses Ziel ist an der Fronte auch ungefähr zwanzig Schritte breit , erweitert sich nach und nach auf beiden Seiten , hat aber keine Rückseite , sondern ist in seiner Längenausdehnung unbegrenzt ; so weit die Kraft reicht , kann der Hurnuß geschlagen werden . Innerhalb dieses Zieles muß nun der sehr rasch fliegende Hurnuß aufgefaßt , abgetan werden , welches mit großen hölzernen Schaufeln mit kurzen Handhaben geschieht . Fällt derselbe unabgetan innerhalb des Zieles zu Boden , so ist das ein guter Punkt . Wird er aber aufgefaßt oder fallt er dreimal hintereinander außerhalb der Grenzen zu Boden , so muß der Schlagende zu schlagen aufhören . Die zwei Partien bestehen aus gleich viel Gliedern und schlagen und tun wechselseitig den Hurnuß ab . Haben alle Glieder einer Partie das Schlagrecht verloren , indem der Hurnuß entweder abgefaßt worden oder außer das Ziel gefallen , so zählen sie die guten Punkte und gehen nun ins Ziel , um den Hurnuß aufzulassen , den nun die andere Partie schlägt , bis auch alle Glieder das Schlagrecht verloren . Welcher Partie es gelungen ist , mehr Punkte zu machen , den Hurnuß ins Ziel zu schlagen , ohne daß er abgetan wird , die hat gewonnen . Nun muß man wissen , daß dieser Hurnuß fünfzig bis siebzig Fuß hoch und vielleicht sechs- bis achthundert Fuß weit geschlagen wird , und doch gelingt es bei geübten Spielern den Partien oft nicht , einen einzigen Punkt zu machen , höchstens zwei bis drei . Es ist bewunderungswürdig , mit welcher Sicherheit gewandte Spieler dem haushoch über sie hinfliegenden Hurnuß ihre Schaufel entgegenrädern , wie man zu sagen pflegt , und ihn abtun mit weithin tönendem , hellem Klang , mit welcher Schnelligkeit man dem Hurnuß entgegenläuft oder rückwärts springt , um ihn in seinen Bereich zu kriegen . Denn je gewandter ein Spieler ist , ein desto größerer Raum wird ihm zur Bewachung anvertraut . Je gewaltiger einer den Hurnuß zu schlagen vermag , um so mehr müssen die Auflassenden im Ziel sich verteilen , so daß große Zwischenräume zwischen ihnen entstehen und auf den geflügelten Hurnuß eine eigentliche Jagd gemacht werden muß . Dieses Spiel ist ein echt nationales und verdient als eins der schönsten mehr Betrachtung , als es bisher gefunden hat . Daß es ein nationales ist , beweist das am besten , daß ein ausgezeichneter Spieler durch eine ganze Landschaft berühmt wird und die Spieler verschiedener Dörfer ordentliche Wettkämpfe miteinander eingehen , wo die verlierende Partie der gewinnenden eine Ürti zahlen muß , das heißt ein Nachtessen mit der nötigen Portion Wein usw. Zur Zeit , als die Erdöpfelkofer und die Brönzwylerer mit einander hurnußen wollten , war noch der Dorfhaß in vollem Leben . Es war nämlich eine Zeit im Kanton Bern , wo jedes Dorf das andere haßte , jedes Dorf seinen Spottnamen hatte , wo dieser Haß bei jedem Tanz , an jedem Markte und zwischendurch im Jahr noch sehr oft mit Blut neu besiegelt wurde , daher nie veraltete , sondern in seiner gleichen Schärfe von einem Geschlecht zum andern überging . Damals schlug man sich mehr als jetzt , es floß mehr Blut als jetzt ; aber damals war es ein nationales Schlagen mit Scheitern , Stuhlbeinen , Zaunstecken , und die harten Bernergrinden wurden wohl sturm davon , aber brachen nicht ein . Jetzt aber ist es mehr ein banditenmäßiges Morden , ein unnationales Messerbrauchen , und je stumpfer das Schwert der Gerechtigkeit wird , desto schärfer werden die Messer , und je feiger die Richter sind , desto frecher wird das Pack . Ach Gott , wenn doch so ein Richter durch seine vermeintliche Popularität hindurch sehen könnte , wie geehrt und beliebt er sich durch seine Feigheit macht , wie hoch ihn die Mit- und Nachwelt schätzt , wenn er jedem Spitzbuben , jedem Vieh herauszuhelfen sucht , ja dadurch so recht eigentlich zu ihrem Helfershelfer sich macht , er würde zittern und schlottern vor Angst und Scham und doch vielleicht nicht anders können , von wegen seinen natürlichen Anlagen . Schon lange hatten sie sich gegenseitig ausgeboten und verhöhnt , schon manches Loch in die Köpfe war geschlagen worden , ehe man dazu kam , einen Tag zum Wettkampf an , zusetzen . Nun entstund in beiden Dörfern ein reges Leben , jede Abendstunde wurde zur Vorübung benutzt . Die Alten brummten über viele Zeitversäumnis , sagten voraus , das wer - de eine schöne Geschichte absetzen , und doch nahmen sie eifrig teil an allem , nahmen selbst noch die Schaufeln zur Hand und probierten die Schlagstecken , wie sie sich in die Hand schickten und was für einen Zug sie hätten , bis sie sich nicht enthalten konnten , den Hurnuß auch zu schlagen . Zugleich führten sie die Jungen aus , wie sie gar nichts mehr könnten und wie die Andern ihnen den Marsch machen werden , und doch ließen sich noch einige alte Berühmtheiten mit fast weißen Haaren erbitten , am eigentlichen Kampfe teilzunehmen . Die Auswahl der Spielenden geschah mit der größten Sorgfalt und nach langem Prüfen und Wägen , denn die Ehre des Dorfes stund auf dem Spiele , und es war lustig anzusehen , wie die Auserwählten sich ordentlich in die Brust warfen , die Nichterwählten aber sich klein machten und demütig zu den Andern aufschauten . Unter den Auserwählten sollte auch Uli sein , denn für so ein Junger war er ein Meister , und wenn ihm schon im Schlagen noch hie und da ein Streich fehlte , so war er doch im Abtun , wo es Springen und Werfen galt , einer der Tüchtigsten . Sein Meister riet ihm ab , die Wahl anzunehmen . Das sei nichts für ihn , sagte derselbe . Verliere seine Partie , so komme er unter fünfundzwanzig bis dreißig Batzen nicht daraus . Das sei noch das Wenigste . Am Abend gebe es Streit , und was dann das kosten werde , das wisse man nicht voraus . Wenn es bös gehe , so könne es zu Leistungen kommen , und man habe Beispiele , daß so ein Streit viele hundert Kronen gekostet habe . Das sei für reiche Bauernsöhne , welche gerne ihre Neutaler sonneten und denen ihre Alten nichts darauf hätten , wenn sie nicht alle halben Jahre eine Ausmacheten hätten , wenn sie nicht während ihrer ledigen Zeit einige hundert Neutaler an Schmerzengeld und Bußen zahlen müßten . Ob solchem sei schon mancher Bauer arm geworden , ein Knechtlein vermöge es vollends nicht . Er solle daher zurückbleiben , meinte der Meister , es könnte ihn sonst um manches Jahr zurückschlagen , ja machen , daß er nie mehr ins Geleise käme . Den Uli dünkte , was der Meister sagte , gar vernünftig , ob , gleich es ihn hart hielt , nicht an der Ehre teilzunehmen , an jenem Sonntag vor der großen Zuschauerschaft als ein bewährter Hurnußer aufziehen zu können . Er ging den nächsten Abend hin , um abzusagen . Natürlich nahm man sein Wort nicht gerne an , und unglücklicherweise war gerade jener oben genannte Nachbar auch dabei . Nachdem man lange umsonst in Uli gedrungen war , nahm jener Nachbar ihn nebenaus und stellte die Sache nun anders dar . Der sagte nun dem Uli , wie es seinem Meister nur darum zu tun sei , daß er ihm nicht etwas versäume und daß er nicht etwa einen Abend für ihn füttern müsse . Er kenne den Bodenbauer von Jugend auf , sagte er . Das sei ihm der größte Fuchs und scheinheiligste Ketzer unter der Sonne , und so wie er wisse Keiner die Diensten auszunutzen . Da gebe er ihnen alles Mögliche an und stelle sich lauter gutmeinend , nur um sie zu Hause zu behalten , damit keiner einen Augenblick versäume und er sie brauchen könne Tag und Nacht . Auch wolle er nicht , daß sie mit andern Leuten Gemeinschaft hätten und Bekanntschaft machten , damit sie nicht vernähmten , wie viel Lohn man hier oder dort gebe , wie gut man es hätte usw. So mache er es allen seinen Diensten , und wenn er einen recht ausgenutzet habe , ihm alles aufgebürdet und der etwas mehr Lohn wolle , so jage er ihn fort und stelle wieder einen wohlfeilern an . Jetzt wolle er nur nicht , daß Uli gute Kameradschaft mache mit reichen Bauernsöhnen und dadurch vielleicht sein Glück machen könne , man wisse nicht wie . Er , Uli , solle nur dem Meister sagen , man hätte ihn nicht loslassen wollen . Es sei ihm nützlicher , der Meister brumme ein wenig , als wenn die ganze Dorfschaft ihn zHaß ergreifen würde . Uli schwankte , gab nach ; solche Worte fanden noch Glauben bei ihm , zudem gefiel ihm die Kameradschaft mit reichen Bauernsöhnen ; er wußte nicht , daß auch hier das Sprüchwort giltet , es sei bös mit großen Herren Kirschen essen , weil sie einem gerne Steine und Stiele ins Gesicht würfen , das Fleisch aber behielten . Wer mit Höhern ohne eigenen Schaden umgehen will , muß sehr klug sein , sonst wird er mißbraucht , muß die Ehre teuer bezahlen und wird am Ende doch mit Spott und Hohn weggeworfen , wenn man seiner satt hat oder ihn nicht mehr zu brauchen weiß oder wenn er sich einfallen läßt , Ansprüche zu machen . Das ist ganz akkurat gleich zu Erdöpfelkofen wie zu Paris , zu Brönzwyler wie zu Bern . Als Uli dem Meister sagte , er müsse doch mithalten , man wolle ihn nicht loslassen , so erwiderte dieser wenig darauf , nur ermahnte er Uli , daß er sich wohl in acht nehmen möchte ; es wäre ihm leid , wenn er in Ungelegenheit käme und wieder ans alte Ort . Diese Milde rührte Uli fast , und beinahe wäre er jetzt noch zurückgegangen , aber die falsche Scham war stärker in ihm als die gute Regung . Der ersehnte Sonntag brach endlich an , und mit ihm nahm Manchem eine schlaflose Nacht ihr Ende . Wenige hatten Zeit , die Kirche zu besuchen ; alle Teilnehmer mußten sich rüsten , Schaufeln probieren , Stecken fecken , die Andern hatten ihnen zu helfen , und alle Weiber mußten das Mittagsmahl wenigstens eine halbe Stunde früher bereit halten als sonst , was für die einen eine schwere Aufgabe war , welche Fleisch im Hafen hatten , das drei Jahre im Kamin gehangen und von einer Kuh gekommen war , welche , wenn sie eine Frau gewesen , fast gar zur goldenen Hochzeit gekommen wäre . Indessen wenn das Fleisch auch blieb wie mittelmäßiges Sohlleder , heute nahm es niemand übel , und glücklich war man , als endlich nichts mehr zwischen dem Nachmittage war , an dem des Dorfes Ehre für Kind und Kindeskinder neu bewährt werden sollte . Noch lange hatte die bestimmte Stunde nicht geschlagen , als man schon mit dem Rüstzeug auf den Achseln Einzelne dem Sammelplatz zuziehen und dort Stecken und Schaufeln von Hand zu Hand zu sorgfältiger Prüfung wandern sah . Die Knaben drängten sich gar eifrig herbei und schwangen mit Eifer die Stecken und redeten mit gar wichtigen Gesichtern , welche Schaufel am besten in die Hand sich schicke ; die Alten aber stunden scheinbar kaltblütig draußen auf der Straße , die kurzen Pfeifchen trotzig im Munde , die Hände in den Kuttentäschen und Westensäcken , und redeten vom Luft und vom Säen . Endlich wurde aufgebrochen , die jubelnde Jugend voran . Mit glücklichen Gesichtern die , welche eine Schaufel , einen Stecken tragen konnten , branzend und zankend die , welche leer nebenbeiliefen