Kochen und Gärtnen , das Nähen und Flicken versteht , und unentgeltlich die Bauerntöchter unterrichtet . Das würde viel Geld und Wohlstand im Dorfe behalten , und viele frohe , glückselige Ehen machen . Elsbeth , geh ' , verdiene dir einen großen Gotteslohn . « So sprach Oswald . Und alsbald ließ Elsbeth freudig ihre zwei Freundinnen kommen , und zeigte ihnen alle Tage in einer Feierabendstunde die Kunst , beim Nähen des Weißzeuges feine , gleichmäßige Stiche zu machen , abgeriebene oder schadhafte Stellen der Kleider , oder Risse in denselben so säuberlich zu vernähen , daß man den Schaden kaum sah . Sie lehrte sie , Hemden für Männer , Weiber und Kinder zuschneiden , mit möglichster Benutzung der Länge und Breite der Leinwand , daß es nicht viel Abfall gab ; eben so Strümpfe aus Wolle und Baumwolle stricken , mit zierlichen Zwickeln , oder die Löcher darin unsichtbar machen . Sie führte sie im Haus umher ; da war beständig aufgeräumt , denn Alles hatte seinen Platz , und wer etwas gebrauchte , legte es sogleich wieder an den Platz , wohin es gehörte . Und sie führte sie in den Stall und Keller ; da war es reinlich und trocken , und weil man immer gern säuberte , war nie darin auf einmal viel zu thun . Und sie führte sie in den Garten , und lehrte sie allerlei Küchenkräuter säen und setzen , und wenn sie reif waren , wie man sie bewahren und benutzen könne zu schmackhafter Nahrung . Und sie führte sie in die Küche , und lehrte sie die Speisen sauber und reinlich bereiten , und kochen mit wenigem Fett und einfacher Zuthat , daß dennoch alles sehr angenehm , nahrhaft und gesund ward . Zuweilen wurde sogar ein Braten gemacht und kostete wenig . Elsbeth hatte von der Mutter gelernt , in der Geschwindigkeit allerlei Suppen zuzubereiten und das Fleisch auf allerlei Weise zuzurichten , und für den Winter Bohnen , Sauerkraut , Kohl , Gurken und anderes Gewächs einzumachen . Die beiden Mädchen wunderten sich sehr , denn sie hatten dergleichen bei ihren Müttern nie gesehen , und freuten sich , wenn sie Hochzeit gehabt hätten , wie sie ihren Männern gütlich thun wollten , ohne daß es mehr kostete , als sonst . Da sie nun andern Mädchen sagten , was sie bei der Schulmeisterin alles erfuhren und lernten , und wie sie ganz wie die Elsbeth werden wollten , kam von den andern Mädchen eins um das andere zur Elsbeth und bat , ebenfalls ein wenig unterrichtet zu werden . Zuletzt ward es bei der Elsbeth wie eine wahre Schule . Denn weil Elsbeth allen jungen Männern gefiel , wollten alle Mädchen wie Elsbeth werden . Oswalds Frau hatte wohl Anfangs etwas Mühe , hintennach aber befand sie sich gar wohl dabei . Denn nun hatte sie viel Hülfe im Garten und im Stall , und Andere mußten für sie zuweilen kochen , und Andere für sie feines Zeug nähen , wenn es sonst nichts zu thun gab . Und man sah es schon folgendes Jahr vielen Gärten bei den Häusern im Dorfe an , daß da neue Ordnung hineingekommen sei . Und eine Nachbarin schaute der andern über den Hag , und sah , was sie pflanze oder säe , und wie sie es mache , und bettelte um Setzlinge oder Samen . Danach , wie der Sommer und Herbst kam , trugen viele Bauernweiber vom Ueberfluß ihres schönen Gemüses zum Verkauf in die Stadt , und brachten schönes Geld wieder nach Hause . Das machte allen große Freude , nur denen nicht , die es nicht so hatten . Die gingen dann auch zur Elsbeth und fragten um dies und das . Und Elsbeth gab guten Rath , und Alles , was sie wußte und , seitdem sie unterrichtete , noch selber gelernt hatte . Sie that das sehr gern , denn sie war herzgut , und Worte sind ja nicht kostbar , zumal jungen Weibern . Das erwarb der Schulmeistern viele Liebe und angenehmen Ruf , und Jedermann lebte ihr zu Gefallen . Und alle Welt im Dorfe hatte rechtes Mitleiden mit der hübschen guten Frau , daß sie den Oswald zum Manne habe , weil er doch in die Hölle müsse . Denn man wußte wohl , er sei ein Hexenmeister , der böse Künste treibe und mit Leib und Seele verloren gehe . 12. Wie der Löwenwirth auf die Nase fällt , und was sich weiter begeben hat . Oswald mochte es anstellen , wie er wollte , man legte ihm alles übel aus . Wenn er die Kinder lehrte , daß es keine Gespenster gäbe , sondern daß das nur Einbildung furchtsamer und abergläubiger Leute wäre : so sagte man im Dorfe , er glaube weder einen Gott noch einen Teufel . Oder wenn er den Kindern in der Schule die giftigen Pflanzen in den Feldern und Wäldern zeigte , damit sie solche kennen und sich vor dem Genuß der Beeren und Wurzeln hüten lernten : so sagte man im Dorfe , er wolle die Kinder Giftmischerei lehren . Besonders lauerte ihm der Löwenwirth Brenzel auf , und sammelte sorgfältig alle bösen Reden über Oswald . Als er endlich genug wußte , sprach er : » Ich weiß genug , um ihm den Hals zu brechen . Er muß vor Gericht , und seine eigene Schwiegermutter , die Müllerin , soll wider ihn zeugen und vor Gericht bekennen , was sie von ihm weiß . Als Vorsteher ist es meine Pflicht , zu reden . Ich kann das nicht länger dulden , ohne verantwortlich zu werden . « Also machte er sich eines Sonntags auf und legte seine Staatskleider an , setzte den dreieckigen Hut recht majestätisch auf , nahm das spanische Rohr mit dem silbernen Knopf , und ging mit breiten Schritten zum Dorf hinaus nach der Stadt . Er sagte aber keinem Menschen ein Wort davon , daß er im Sinn habe , dem Oswald bei der hohen Obrigkeit böses Spiel zu machen . Denn er fürchtete , wenn der Hexenmeister Wind davon bekäme , der könne ihm Schaden zufügen , ehe er noch zur Stadt gelangt wäre . Und wie er auf der Landstraße allein ging , sprach er im Eifer laut mit sich selber , als wenn er schon vor einem Herrn Rathsherrn stände ; und er lief dabei immer schneller , und fuhr im Zorn bald mit der rechten , bald mit der linken Hand in der Luft herum , wie ein Pfarrer auf der Kanzel . Bei diesem Eifer kam im Laufen der lange Stock zwischen die Beine , also daß er stolperte , und über den Stock auf den Erdboden fiel . Der Hut flog weit hinweg , die Nase schlug sich platt , und seine Beine stiegen hoch aufwärts , als wolle er gar auf den Kopf stehen . Er stand ächzend und fluchend auf , und nahm seinen Hut aus dem Staube . An seiner Stirn aber schwoll eine Beule , als wollte ein Horn heranwachsen , und seine blutende Nase war blau , wie eine dicke Pflaume . » Das hat mir gewiß der Oswald angethan ! « dachte er , und fürchtete sich , weiter zu gehen , damit ihm nichts Schlimmeres begegne . Indem er noch mit dem Schnupftuch das Blut von der Nase wischte , kam die Straße daher in vollem Galopp ein Herr zu Pferde , Hut und Rock mit goldenen Tressen besetzt . Der hielt vor dem Löwenwirth still und fragte hastig : » Wohnt dort im Dorfe ein gewisser Herr Oswald , und ist er zu Hause ? « Der Löwenwirth sprach : » Ja , warum denn ? « Der Fremde rief : » Der Erbprinz will ihn besuchen . « So sprach der Fremde und jagte davon nach Goldenthal . Der Löwenwirth sperrte vor Verwunderung Maul und Nase auf und sagte : » Wa - wa - was ? Der Erbprinz ? Ein Prinz zu dem Oswald ? « Wie er dies sagte , fuhr im Galopp ein prächtiger Wagen mit sechs Pferden daher , schöne Bediente vorn und hinten auf . Darin saß ein junger Herr im blauen Oberrock , der hatte auf der Brust einen silbernen Stern . Der Wagen fuhr vorbei nach Goldenthal . » Der Blitz und der Hagel ! « schrie Brenzel : » Der Prinz will gewiß bei mir einkehren . Ich bin nicht zu Hause , und nun fährt er zum Adler ! « Brenzel lief , was er konnte , ins Dorf zurück . Da gerieth ihm abermals im vollen Sprung der lange Stock zwischen die langen Beine , daß er wiederum zu Boden fiel , wie ein Baum . Alle Rippen krachten ihm im Leibe , und seine Staatskleider waren gräßlich gesalbt . Er hinkte fluchend und langsam zum Dorfe . Da er vor seinem Hause keinen Wagen sah , ward er voll Gift und Galle , denn er dachte , der Prinz sei beim Adlerwirth Kreidemann eingekehrt . Er hinkte also weiter , aber er sah auch keinen Wagen beim Adler . So ging er in sein Haus zurück , und keine Seele war darin . Er legte andere Kleider an und wusch sein Gesicht , und erschrak , wie er sich mit der faustdicken Nase und gehörnten Stirn im Spiegel erblickte , wiewohl man im Spiegel wegen des Fliegenkothes nicht viel sah . Nun wetterte er , wie ein grimmiger Löwe , auf seine Leute , die alle davon gelaufen waren . Da kam die Magd ganz odemlos und rief : » Herr , beim Schulmeister ist ein lebendiger Kaiser angekommen , oder wohl gar ein König ! Das ganze Dorf ist vor Schulmeisters Haus zusammengelaufen . « Brenzel wußte nicht , was thun ; ging endlich aber doch hinaus vor Schulmeisters Haus zu den Leuten . Nach einer halben Stunde kam der Erbprinz aus der Hausthür , und hatte Oswalden an der einen und Elsbethen an der andern Hand , und war gar freundlich mit ihnen . Und wie er in den Wagen gestiegen war , reichte er ihnen Beiden noch einmal die Hand zum Abschiede , und dann fuhr er im sausenden Galopp davon , Reiter voraus . Alle Bauern hatten die Hüte ab und vor Erstaunen das Maul auf . Nun war ' s im ganzen Dorfe ausgemacht , der Schulmeister könne mehr als Brod essen . Der Prinz komme zu keinem Dorfschulmeister , bloß um ihn zu besuchen , und sei um nichts und wieder nichts so freundlich mit ihm gewesen . Große Herren brauchen viel Geld , und dazu brauchen sie Schatzgräber und Goldmacher und desgleichen . Große Herren seien nicht immer die frömmsten , das wisse man wohl , und machen sich nichts daraus , wenn sie schlimm aus der Welt gehen , sobald sie nur gut in der Welt leben können . Diese und andere Reden gingen von der Zeit an im Dorfe , und vielen verlumpten und verarmten Bauern im Kopfe herum . Und Viele wurden vertraulicher und sprachen Einer zum Andern : » Wüßte ich nur , wie es anfangen , ich machte mir nichts daraus . Ich verschriebe mich heute noch dem Teufel , wenn ' s sein müßte , und wäre ich nur meine Schulden los und hätte Geld genug und vollauf . Ich wollte es ganz anders machen , wie der Schulmeister . Der Schulmeister ist ein dummer Teufel , daß er hier wohnt und lebt , wie unsereins . Ich führe , wie der Erbprinz , mit sechs Pferden , Bedienten und Sternen , und hätte die Küche voll Braten , den Keller voll Wein . Ja , noch heute gäb ' ich meine arme Seele drum . « Solche ruchlose Reden führten die Leute ohne Scheu . Reichthum verdirbt das Herz ; aber die Armuth verdirbt es nicht weniger . Und wenn Armuth und Dummheit und böse Lüste beisammen sind , ist des Teufels Kleeblatt fertig . So ist es in manche Dorfe , und so war es leider auch in Goldenthal . 13. Der Goldmacher-Bund . Oswald wunderte sich nicht wenig , wie von nun an bald Dieser , bald Jener zu ihm kam , heimlich mit ihm reden wollte , und dann mit der gottlosen Sprache herausrückte und sagte : » Oswald , du kannst Gold machen , das ganze Dorf weiß es . Lehre mich es auch . Du verstehst die schwarze Kunst . Wenn der Teufel erscheint , ich will mich gar nicht fürchten . Wenn er die Unterschrift mit meinem Blute verlangt , ich will mich ihm mit Leib und Seele zuschreiben . Siehst du , es thut mir Noth , sonst thät ich ' s nicht . « Lange wußte Oswald nicht , was er zu der Verderbtheit dieser Menschen sagen sollte . Da ihrer endlich aber immer mehr kamen , und nicht mit Bitten nachließen , beschied er sie alle , doch jeden einzeln , auf eine und dieselbe Mitternachtsstunde zu sich . Und alle kamen in der finstern Nacht , die er ihnen angesagt , zu seinem Hause geschlichen , sobald es im Thurm der Dorfkirche eilf Uhr geschlagen . Er führte Jeden , wie er ankam , schweigend in eine finstere Stube . Es waren ihrer zweiunddreißig Hausväter . Jeder erschrak entsetzlich , wenn er in der Dunkelheit an den Andern stieß und etwas Lebendiges neben sich spürte . Denn Keiner wußte von den Uebrigen . Vielen floß der Angstschweiß vom Gesicht , und einige hatten so große Furcht , daß sie wieder davon gelaufen wären . Aber sie zitterten , es könne ihnen dann das Lebenslicht ausgeblasen werden . So standen sie eine Stunde in tiefer Stille und Angst , und wagten kaum , zu athmen . Da schlug ' s im Thurm zwölf Uhr . Und mit dem letzten Glockenschlage ging abermals die Thüre auf . Es trat ein Offizier herein , prächtig gekleidet mit hohem Federbusch und langem Säbel , auf der Brust einen Orden . Der trug in den Händen zwei brennende Kerzen ; die setzte er vor ihnen auf den Tisch . Als nun Alle sich einander erkannten , schämten sie sich erst vor einander ; denn sie merkten , daß sie Alle aus gleicher Absicht gekommen wären . Und sie sahen wieder auf den glänzenden Offizier , den sie für den bösen Geist hielten ; aber sie erkannten in ihm den leibhaftigen Oswald . Oswald hatte ein ernstvolles Gesicht und sprach : » Sehet mich nur an , ihr Unglücklichen ; nun erkennet ihr , wer ich bin . Ich treibe keine schwarze Kunst ; ich halte es mit Gott . Ihr aber seid längst von Gott abgefallen ; ihr habet gesoffen und geschwelgt ; ihr habet betrogen und gelogen ; ihr habet gestohlen und verrathen ; ihr habet gespielt und Weib und Kind vergessen ; ihr habet Teufelei getrieben und Teufelswerk . Darum seid ihr arm und verzweifelt geworden . Ehrlichkeit aber währt am längsten ; Gottesfurcht macht reich . In Gottes Wegen ist Gottes Segen . Ich will nicht reich sein , aber ich bin nicht arm . Wollt ihr ' s nun haben , wie ich , so machet es wie ich . « So sprach Oswald , und zog einen großen Beutel hervor und leerte ihn auf den Tisch aus . Da fielen klingend eitel schöne Goldmünzen auf den Tisch , und rollten umher und verblendeten die Augen . Die Bauern hatten in ihrem Leben so viel Gold nicht beisammen erblickt . Ihre Herzen schlugen gewaltig . Oswald aber that den Mund auf und sprach : » Wahrlich , ich sage euch , das hier macht mich nicht glücklich , aber die Weisheit macht glücklich , mit der man dies Geld erwirbt und benutzt . Ihr seid zu mir gekommen , ich sollte euch die Kunst lehren , Gold zu machen . Ich will euch diese Kunst lehren . Sie ist die beste Weisheit des Lebens , und mehr als das Gold selbst werth . Habet ihr die Weisheit , so werdet ihr das Gold haben und es nicht mehr hochachten . Aber ihr kommet nicht zu dem Glücke , ohne vorher geprüft worden zu sein . Und die Zeit der Prüfung währt sieben Jahre und sieben Wochen . Wer ausharrt bis ans Ende , wird Freuden über Freuden ärnten . Wahrlich , ich sage euch , wenn diese Zeit erfüllt ist , wird Jeder von euch mehr Gold auf seinen Tisch werfen , als eure Augen hier sehen . - Die Prüfung aber ist dem Gottlosen schwer und dem Sünder hart . Denn er muß sein ganzes Herz umkehren und ein neuer Mensch werden . « Die zweiunddreißig Hausväter hörten in banger Stille die Worte Oswalds . Sie betrachteten ihn alle mit starren Augen . » Wer von euch , « sprach Oswald , » die sieben Jahre und sieben Wochen der Prüfung bestehen will , kann bleiben . Wer sich fürchtet oder im Glauben wankt , gehe fort von hier . « Keiner ging . » Wohlan , « rief Oswald , » so müsset ihr mir vor dem allgegenwärtigen Gott sieben Gelübde geloben , und solche während sieben Jahren getreu halten . « Erstens : Ihr müsset sieben Jahre und sieben Wochen lang alle Wirthshäuser meiden , aber desto fleißiger zur Kirche gehen und Gottes Wort hören , und darnach thun . Zweitens : Sieben Jahre und sieben Wochen lang keine Karten , keine Würfel berühren , und nichts , womit man um Geld spielt . Drittens : Sieben Jahre und sieben Wochen darf kein Fluch , kein Scheltwort aus euerm Munde gehen , auch keine Bosheit , Lästerung und unwahre Rede . Viertens : Sieben Jahre und sieben Wochen muß euer Tagwerk Gebet und Arbeit sein . Morgens und Abends sollt ihr feierlich mit Weib und Kindern auf die Knie fallen , zu Gott beten , eure Sünden bereuen . Euere Arbeit sollt ihr mit Fleiß und Treue verrichten , keine Schulden mehr machen . Fünftens : Wer binnen sieben Jahren und sieben Wochen sich mit Wein und Branntwein ein einziges Mal berauscht und vergeht , ist aus unserer Gemeinschaft verstoßen . Sechstens : Auf dem Acker , welchen ihr bauet , soll kein Unkraut wachsen , in euern Wohnungen kein Unflath liegen . Euere Hütten und die Ställe des Viehes und alles Geräthe , was ihr habet , soll von Reinlichkeit glänzen . Daran werde ich euch erkennen . Siebentens : Euer Leib soll sein ein Tempel Gottes , darum keusch , züchtig und ehrbar ; auch von aller Unreinigkeit frei an Haut und Haar und Gewand . So auch bei Kindern . Das soll unser Zeichen sein . » Wer nun diese sieben Gelübde geloben und halten will , der trete hervor und reiche mir die Hand zum Bunde . Dem Schwachen wollen wir helfen . « Als Oswald so gesprochen hatte , traten die Zweiunddreißig einer nach dem andern hervor , jeder reichte dem Oswald die Hand über den Tisch voller Gold , und sprach : » Ich will ! « » So gehet denn heim in Frieden und wendet euch noch vor Schlafengehen im Gebet zu Gott , daß er euch Stärke verleihe , das Gelübde zu halten . Wahrlich , wahrlich , ich sage euch , wenn die Zeit erfüllt ist , wird Jeder mehr Gold auf seinen Tisch werfen , als eure Augen hier sehen ! « So sprach Oswald , und ermahnte die Leute , von Allem , was sie diese Nacht gesehen und gehört hätten , keinem Menschenkinde etwas zu verrathen , ja sogar selbst nie von dem zu reden , noch auf das zu deuten , was diese Nacht angehe . Damit entfernten sich die Zweiunddreißig in großer Stille . Unterwegs sprach Keiner mit dem Andern ein Wort . So voll waren sie von allen dem Wunderbaren , das sie vernommen hatten . Sie hatten ganz andere Dinge erwartet zu erleben , und gerade das Gegentheil erfahren . Mancher , wenn er an die Gelübde dachte , fühlte zwar Bangigkeit , denn sie waren auch gar zu streng . Aber das Geheimnißvolle , und die sieben Jahre und sieben Wochen , und die Reden des Oswald , und der Tisch voll Goldes , und der prächtige Offizier mit dem Orden auf der Brust und die schwarze Mitternachtsstunde , das konnte Keiner wieder vergessen , und es war wie ein seltsamer Traum . 14. Die Leute verwundern sich sehr . » Was gibt ' s denn , Velten ? Kaspar , was gibt ' s denn ? « fragte der alte lahme Wächter , als er am andern Tage durchs Dorf entlang ging : » Was gibt ' s denn ? Kommt wieder ein Prinz oder Kaiser , oder gar ein Bürgermeister aus der Stadt ? Was ist denn los , daß ihr so aufputzet ? « So fragte er , und man lachte . Es fiel aber wirklich vielen Menschen auf , und war in vielen Häusern ein sonderbares Leben . Da wurden Fenster gewaschen , Fußboden gescheuert , Thüren gesäubert , Tische , Schemel und Bänke gefegt . Sogar vor den Häusern wurde Alles in Ordnung gebracht , Schutt und Unflath auf die Seite geschafft , und allem , was herum lag , ein besserer Ort gegeben . Die zweiunddreißig Hausväter wußten es wohl , sagten aber nichts . Denn sie dachten : in sieben Jahren haben wir alle Kisten und Kasten voll Geld . Als Oswald die Geschäftigkeit der armen Leute sah , sprach er zu Elsbeth : » Ich weiß nicht , ob ich darüber traurig werden oder lachen soll . Denn siehe , was die Leute nicht aus eigenem Gefühl , nicht aus Liebe zu Weib und Kind , nicht aus Liebe zu Gott , nicht aus Noth und Ueberzeugung früher gethan haben , das thun sie jetzt aus abergläubischer Furcht und Hoffnung . Wie thöricht sind doch die Menschenkinder ! - Aber sie sollen durch den Aberglauben zur Erkenntniß der Wahrheit , und durch ihre Verderbtheit zur Rechtschaffenheit eingehen . « Die Verwunderung im Dorfe ward aber von Woche zu Woche größer . Denn die Wirthshäuser wurden fast leer . Sonntags hörte man auf der Kegelbahn weder Kegel , noch Flüche , noch Gelächter . Kartenspiel und Würfel rührte fast Keiner mehr an . Den Wirten ward im Keller das Bier sauer , weil es Keiner mehr trank . Von Wein und Branntwein hatten sie nur einen geringen Absatz . Die meisten Leute blieben daheim bei Frau und Kindern , oder gingen auf die Felder und besahen ihre wenigen Aecker und beriethen , was in der Woche daran zu machen und zu bessern sei . Die , welche vormals zu den lustigen Brüdern gehörten , thaten jetzt gar ernsthaft und altklug ; die , welche sonst ein wüstes Leben führten , waren in der Kirche sehr andächtig . Die , welche sonst gern herumlagerten und müßig gingen , waren jetzt vom Morgen bis zum Abend an der Arbeit , im Taglohn oder auf ihren Feldern . Der Adlerwirth , wenn er Sonntags seine leeren Bänke und Tische beschaute , brach vor Wehmuth fast in Thränen aus . » Sind denn die Leute alle verrückt geworden im Kopf ? « schrie er . » Was für ein Kukuk ist ihnen in den Leib gefahren . Das kann so nicht gehen . Dabei kann kein Ehrenmann länger bestehen . Es muß im Dorfe andere Ordnung werden . Das ist schändliche Ordnung ! « Der Gemeindsvorsteher Brenzel sagte : » Wenn das Unwesen so fortgeht , muß ich die Wirtschaft aufgeben . Aber ich merk ' es wohl , das ist ein infames Komplott gegen mich . Man will mich zu Grunde richten . Aber ehe das geschieht , soll das Dorf zu Grunde gehen . Wenn ich nur dahinter kommen könnte , wer diese Teufelei angerichtet hat . « Sogar dem Herrn Pfarrer war die Sache aufgefallen . Er rechnete nach und fand , daß die Aenderung so vieler Menschen angefangen hatte seit dem Sonntag , da er eine sehr lange Predigt über die christliche Wiedergeburt durch den Glauben gehalten hatte . Er meinte , damit habe er Alles ausgerichtet , und sagte es auch . Nun aber verfolgten ihn seit einiger Zeit die Gemeindsvorsteher , wo sie konnten , und die Wirthe spielten ihm allerlei böse Streiche hinterrücks , und gingen fast gar nicht mehr zur Kirche . Der Adlerwirth , um sein saures Bier anzubringen , verkaufte es um halben Preis ; er schwefelte seinen Wein , und machte ihn süß , und bezahlte alle Sonntage Spielleute , die mußten lustig aufspielen . Aber von den zweiunddreißig Hausvätern , ihren Söhnen und Töchtern kam Niemand . Der Löwenwirth suchte gleichfalls seine Kunden wieder an sich zu locken , that freundlich , schenkte Manchem umsonst ein und fragte : » Warum kommst du gar nicht mehr trinken ? « Sie antworteten : » Wir haben kein Geld ! « - Dann rief er : » Ei , Dummheit ! Ihr wisset ja , ich bin nicht so streng , und borge schon . Ihr seid mir lange gut genug . « - Aber die Leute kamen doch nicht . Da gerieth der grimmige Löwe in Wuth und sprach : » Wenn ihr mir ' s so macht , will ich euch die Faust auch zeigen . Ihr sollt an den Löwenwirth Brenzel glauben lernen ! « 15. Die Schuldbücher werden aufgethan . Die Sparkasse und die Garküche . Nun schlich bald der Eine , bald der Andere von den armen Leuten , die zu dem Goldmacherbund gehörten , in das Haus des Schulmeisters , und klagte seine Noth und sprach : » Siehe , Oswald , meine Gelübde , so schwer sie sind , halte ich sie doch pünktlich . Nun ist ' s ein halbes Jahr , ich bete und arbeite . Nun ist ' s ein halbes Jahr , ich spiele , saufe und zanke nicht mehr . Mein Haus ist schön säuberlich , Weib und Kind gehen reinlich . Keiner kann über mich klagen . Aber die Ortsvorsteher plagen mich auf allerlei Weise . Ich bin dem und diesem von ihnen schuldig . Nun drohen sie , mich aus meinem Hause zu treiben , wenn ich ihnen nicht zahle , oder nicht bei ihnen trinke . Hilf mir , Oswald , sonst kann ich das Gelübde nicht halten . In sechs und einem halben Jahre habe ich Geld vollauf ; strecke mir eine Summe vor , ich will sie dir dann wieder zahlen . « Oswald antwortete : » Das vierte Gelübde heißt : Beten , arbeiten , keine Schulden mehr machen . Ich darf dir also kein Geld borgen . Aber laß sehen , wem und wie viel du schuldig bist ; dann wollen wir nachdenken , wie aus der Noth kommen . « So sprach er , nahm eine Schreibfeder und Papier , setzte sich hin und schrieb das auf , was man ihm antwortete , wenn er fragte . Er fragte aber Jeden einzeln : » Wem bist du schuldig ? Wie viel und mit welchem Zins ? Wofür hast du die Schuld gemacht , und hast du Unterpfand gegeben ? « Nachdem er die ganze Schuldsumme des Mannes kannte , fragte er wieder : » Womit willst Du bezahlen ? Wie viel kannst du , oder können Weib und Kind in der Woche mit Taglohn verdienen ? Wie viel Land und Vieh hast du , und was kannst du wohl in mittlern Jahren von dem verkaufen , was du ärntest ? Wie ernährst du dich mit den Deinigen ? Was brauchst du zur Nahrung in einer Woche , in einem Tag ? Wie steht es mit den Kleidern und Wäsche und Geräth ? Was muß angeschafft werden , und wo kann man ohne Schaden sparen ? « Das alles schrieb Oswald von Jedem sorgfältig auf . Nun kam die lüderliche Haushaltungsordnung erst recht ans Tageslicht . Denn Mancher wußte nicht einmal genau , wie viel er schuldig war , und hatte nichts aufgezeichnet . Da mußte man sich erst bei den Gläubigern erkundigen . Mancher war drei , vier , fünf Zinse zu bezahlen rückständig . Da mußte man erst für diese sorgen . Mancher mußte an Gemeindsvorsteher , von denen er in der Noth Geld entliehen hatte , acht , auch zwölf vom Hundert verzinsen . Da mußte Oswald in die Stadt gehen , an drei und vier Prozent Geld aufnehmen , und gut dafür sprechen , damit die Wucherer bezahlt wurden , und nicht mehr durch Wucher einen armen Mann zu Grunde richten konnten . Mancher hatte wohl gar mehr Schulden als Vermögen . Da war schwer helfen . Doch sprach Oswald Allen Muth ein und sagte : » Sparen und arbeiten soll euch mit Gottes Hülfe schuldenfrei machen . Folget nur in allen Dingen meinem Rath ! « Nun erst sah er von diesen Leuten , wie schlecht sie gehauset hatten ; und dies that den Leuten nun selbst in der Seele weh . Nun erst erfuhr Jeder , was er nach Abzug aller Schulden von seinem Vermögen , als wahres Eigenthum , betrachten könne . Das war oft blutwenig , und ihnen schauderte die Haut vor Angst und Entsetzen darüber . Nun wollten Alle sparen , Alle arbeiten . Aber wie sollten sie es anfangen ? Oswald hatte unbeschreiblich viel Mühe . Aber die Mühe machte ihm Freude , weil er ein wahrer Menschenfreund war . Er machte Jedem ein Haus- und Schuldenbüchlein , worin Jeder den Zustand seines Vermögens deutlich sah . Dann ging er wieder in die Stadt , und suchte für Kinder und Erwachsene Arbeit von allerlei Art. Das gelang ihm nach und nach . Und was so mit Taglöhnen verdient wurde , das mußte wöchentlich aufgeschrieben