sechzehnjährigen Sohne errichtet wurde . Sandsteinstufen tragen einen Granitwürfel ; auf diesem ruht ein halbkreisförmiger Marmor mit den Hautrelieffiguren der Hingeschiedenen . Der dargestellte Moment ist der des Wiedersehens ; beide reichen sich die Hand , und eine hohe Freude verklärt ihre Züge . Die Inschrift am Granitwürfel lautet : Vater und Sohn Conrad und Anton v. Romberg . geboren zu Hamm geboren zu Brunn den 25. April 1783. den 23. Juni 1819 . Als preußischer Oberst In seiner Blüthe gestorben zu Groß-Camin gestorben zu Dresden den 20. April 1833. den 8. Mai 1835 . Getreu bis in den Tod und reinen Herzens sind sie eingegangen und heißen sich willkommen , wo die Treue ihre Kronen empfängt und die Reinheit Gott von Angesicht schaut . – Dem Gedächtniß der Verklärten gewidmet von der Wittwe und Mutter : Amalie v. Romberg , geb . Gräfin v. Dönhoff , 1844 . 77 Dies » vier Frauen nehmen « , war im vorigen Jahrhundert , wenn es die Verhältnisse gestatteten , an der Tagesordnung . Selbst die Unbequemlichkeit , daß – wenigstens seitens des Adels und Militärs – ein Konsens beim Könige eingeholt werden mußte , hielt nicht davon ab . Herr von Hagen auf Nakel bat sogar zum fünften Mal um die Erlaubnis und erhielt als Antwort weder Zustimmung noch Ablehnung , sondern die echt altenfritzige Replik : » Er braucht künftig nicht mehr einzukommen . « 78 Bei Gelegenheit seiner vierten Verlobung hatte Georg Moritz von Rohr ( ähnlich wie Herr von Hagen auf Nakel , über den ich in der vorstehenden Anmerkung berichtet ) allerdings auch eine Kränkung zu bestehen , die nur den einen Vorzug aufwies , daß sie nicht von dem gefürchteten Könige ausging . Der Kränkende war der eigne Bruder auf Tramnitz , allwo sich das Erbbegräbnis befand , in dem auch die Trieplatzer Rohrs beigesetzt wurden . Als Georg Moritz von Rohr seinem Bruder anzeigte , daß er sich zum vierten Mal verlobt habe , schrieb ihm der Tramnitzer zurück : » er wünsche ihm Glück , müsse ihm aber von vornherein erklären , daß für diese vierte Frau kein Platz mehr im Erbbegräbnis sei « . Dies war denn doch zuviel und Georg Moritz erschien schon am nächsten Tage mit drei Wagen in Tramnitz , um die Särge seiner drei Frauen aus dem ungastlichen Erbbegräbnis abzuholen . Er begrub sie nunmehr auf dem Trieplatzer Kirchhof . 79 Einzelne Stellen dieser Grabschrift sind völlig unverständlich . Am bemerkenswertesten ist wohl der Passus , wo Mars , in seines Nichts durchbohrendem Gefühle , Bedenken trägt , dem alten Rohr unter die Augen zu treten . Alle diese Inschriften , in denen der Lebensberuf des Hingeschiedenen zu allerhand Wortspielen benutzt wird ( hier also » Landrath « ) , haben ihr unerreichtes Vorbild in der berühmten Postmeister-Grabschrift zu Salzwedel . Sie lautet » Eile nicht , Wandersmann ! als ( wie ) auf der Post ; auch die geschwindeste Post erfordert Verzug im Posthause . Hier ruhen die Gebeine Herrn Matthias Schulzen , Königl . Preußischen 25 jährigen , unterthänigst treu gewesenen Postmeisters zu Salzwedel . Er kam allhier 1655 als ein Fremdling an . Durch die heilige Taufe ward er in die Postcharte zum himmlischen Canaan eingeschrieben . Darauf reisete er in der Lebens-Wallfahrt durch Schulen und Akademieen mit löblichem Verzug . Hernach bei angetretenem Postamte und anderen Berufssorgen richtete er sich nach dem göttlichen Trostbriefe . Endlich bei seiner Leibes-Schwachheit , dem gegebenen Zeichen der ankommenden Todespost , machte er sich fertig . Die Seele reisete den 2. Junius 1711 hinauf in ' s Paradies , der Leib hernachmalen in dieses Grab . Gedenke Leser bei Deiner Wallfahrt beständig an die Prophetische Todespost Jes . 38,1 . « 80 Obiger Inschrift füge ich hier noch folgende biographische Notizen hinzu : Alexander Georg Ludwig Moritz Konstantin Maximilian von Wahlen-Jürgaß , am 5. Juni ( auf dem Monumente steht » am 15. « ) 1758 zu Ganzer geboren , ward er auf der école militaire zum Kriege gebildet , und trat im Jahre 1775 in das damalige Regiment Gendarmes , darin er 1803 zum Major avancierte . Im unglücklichen Feldzuge von 1806 von einer Masse feindlicher Reiterei umzingelt , griff er den Feind , mit etwa 350 Mann , nichtsdestoweniger an und kämpfte auf einem sehr ungünstigen Terrain gegen die französische Division Beaumont . Obgleich der Major von Jürgaß im nächtlichen Getümmel einen Hieb über den Kopf erhielt , so sammelte er dennoch brave Kameraden , schirmte die Standarte und schlug sich mutig durch . Er stieß später zu dem Korps des Prinzen von Hohenlohe , welches eben im Begriff war , das Gewehr zu strecken . Von Jürgaß entzog sich dieser Schmach und entkam noch einmal glücklich , indem er zu dem Korps des Generals von Bila stieß , mit dem er dann leider doch bei Anklam gefangen wurde . Nach dem Tilsiter Frieden lebte er bei seinem Bruder in Ganzer . Bei der neuen Formation erhielt er 1809 wieder eine Anstellung im brandenburgischen Kürassierregiment , zwei Monate darauf war er Kommandeur des brandenburger Dragonerregiments , 1812 aber Oberstleutnant , in welcher Eigenschaft er dem Korps des Generals von Grawert in Kurland zugeteilt wurde . Er befehligte meistenteils die Vorposten , wozu seine ungemein Tätigkeit und Wachsamkeit ihn vorzüglich eigneten . Im Jahre 1813 kommandierte er als Oberst eine Brigade in dem Korps seines vertrauten Freundes , des damaligen Generals von Blücher . Er focht tapfer bei Groß-Görschen und Bautzen , und erhielt bei Hainau , als er in die feindlichen Vierecke einbrach , einen Schuß in den Schenkel . Später trug er in dem furchtbaren Kampfe bei Möckern zu dem glücklichen Erfolge dieses entscheidenden Tages wesentlich mit bei , und wurde dafür zum Generalmajor erhoben . In Frankreich ward er mit der Reservereiterei an die Befehle des Prinzen Wilhelm gewiesen , der den Vortrab des Heeres führte . Bei Lachaussée traf er auf die französische Reiterei vom Korps des Marschalls Macdonald , warf sie über den Haufen und eroberte eine Standarte , 5 Kanonen und die dazugehörigen Pulverwagen . In der Schlacht von Laon entriß er dem Feinde 15 Kanonen und 35 Artilleriewagen . Im Jahre 1815 in der Schlacht von Ligny leitete der Generalmajor von Jürgaß die Angriffe auf das Dorf St. Amand la Haye . In der Nacht erhielt er in dem Getümmel einen Schuß unter der linken Schulter , nahe am Herzen . Er empfing darauf im Jahre 1816 den ehrenvollsten Abschied als Generalleutnant . Von da an lebte er abwechselnd in Berlin und bei seinem Bruder zu Ganzer , woselbst er am 8. November 1833 nach langen , höchst bittern körperlichen Leiden starb . 81 In der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober war Blücher mit seinen Korps , das später , nach tapferem Widerstand , in Lübeck kapitulieren mußte , hier in Ganzer . 82 Prediger Schinkel zu Barsikow , der den » Dreißigjährigen Krieg « , soweit er die Grafschaft berührte , zum Gegenstand eingehender Studien gemacht hat , schreibt über das Elend jener Tage sehr richtig : » Die Verwüstungen waren nicht so sehr eine Folge der blutigen Schlachten , die geschlagen wurden , als vielmehr das Resultat einerseits der Pest , andrerseits der Armeeverpflegungsweise , die Wallenstein eingeführt hatte . Von diesem rührt bekanntlich der Grundsatz her , daß der Krieg den Krieg ernähren müsse . Wallenstein selbst war klug genug , um in Anwendung dieses Satzes nicht weiter zu gehen als nötig ; er trug viel mehr Sorge , daß der Baum nicht abgehauen würde , von dessen Früchten seine Heere leben sollten ; nur das Notwendige wurde genommen . So wenigstens war sein Wille . War es aber schon ihm schwer , diesen Willen durchzusetzen , so scheiterten seine Nachfolger vollends damit , Personen , die zum Teil zu wenig einsichtig waren , um auch nur diesen Willen ernstlich hegen zu können . Wo ein Heer sich lagerte , fiel es nieder wie ein Heuschreckenschwarm , und ob Freund oder Feind war gleichgültig . 83 Von diesen alten Grabsteinen ist einer der Kirche erhalten geblieben . Er wurde seinerzeit dem » hochedlen und mannhaften Herrn Gottfried Lehnmann , churf . brandenburgischen Capitain-Lieutenant zu Roß und Erbherrn auf Krentzlin errichtet , der 1628 geboren war und 1689 starb . Dieser Stein bietet nichts Besonderes , außer daß er , wie so vieles andre , darauf hinweist , daß unter dem Großen Kurfürsten viele Bürgerliche in die Rittergüter und in die Armee einrückten . Diese Tatsache ist längst bekannt , aber sie ist , soviel ich weiß , auf ihre Ursache hin noch nicht befragt worden . War es lediglich eine Folge des dreißigjährigen Krieges , der die Rittergüter entvölkert hatte , oder lagen dem allen auch Anschauungen und Prinzipien zugrunde ? Wir standen , wie später unter dem Einfluß des Französischen , so damals entschieden unter dem Einfluß des republikanisch Holländischen . Vielleicht liegt hierin eine teilweise Erklärung . 84 Mir persönlich will es , all diesen Auslegungen gegenüber , doch um vieles wahrscheinlicher erscheinen , daß die neuen Tore lediglich gebaut wurden , um etwas Beßres , Schöneres , auch der Befestigung Dienenderes , an die Stelle des Alten zu setzen . Ganz in derselben weise , wie man die Wölbungen der alten romanischen Kirchen abbrach und die Rundbögen durch den allgemeinwerdenden Spitzbogen ersetzte , ganz so machte man es mit den Torbauten . Ihre Modernisierung wurde Sache fortschrittlicher städtischer Repräsentation und des Wunsches » nicht zurückzubleiben « . – ( Im übrigen finden sich solche » zugemauerten Tore « , die stets gradlinig auf die Hauptstraße stehen , vielfach in unsrer Mark , so beispielsweise in Kyritz , Wittstock und Wusterhausen , ferner in Soldin , Friedeberg , Mohrin , Berlinchen , Königsberg , Landsberg a. W. und endlich in Bernau , Fürstenwalde und Mittenwalde . ) 85 Dieser sehr anfechtbare Name » Gentzrode « war das Resultat langen Suchens , was man ihm leider auch anmerkt . Alexander Gentz hatte » Helenenhof « vorgeschlagen , in Huldigung gegen seine Frau Helene , was , wenn angenommen , durchschnittsmäßig , aber wenigstens richtig gewesen wäre . Man war jedoch mit dem Einfachen und Natürlichen nicht zufrieden und forschte nach etwas Besserem . Unter denen , die befragt wurden , war natürlich auch Wilhelm Gentz , damals in Paris , der nicht säumte , bei seinen Freunden und Kunstgenossen eine Art Preisausschreiben zu veranstalten . Henneberg , dem in seiner Eigenschaft als Braunschweiger die » rodes « nahe lagen , verfiel auf » Gentzrode « , was sofort jubelnd begrüßt und auch in Ruppin vom alten Gentz angenommen wurde . Meinem Ermessen nach jedoch ist es , um es zu wiederholen , ein so schlecht gewählter Name wie nur irgend möglich , weil in zwiefacher Beziehung verwirrend . Erstlich gab es auf den Kahlenbergen überhaupt nichts zu » roden « , gerodet kann immer nur da werden , wo Wald ist und nicht auf einer Sanddüne . Was aber fast noch schlimmer ist , ist das , daß jeder , der den Namen hört , Gentzrode da suchen wird , wo die » rodes « zu Hause sind , also im Harz , nicht aber im Ruppinschen . Eine solche willkürliche Namensgebung ist , auf geographische Orientierung angesehen , nicht viel besser als ein falscher Wegweiser . 86 » Daß ich « , so schreibt A. Gentz an anderer Stelle , » den Versuch mit diesen holländischen Eichen machen konnte , verdanke ich dem Grafen v. Königsmarck auf Netzeband und Plaue , vordem preußischem Gesandten im Haag . Als ich ihn auf seinem Schloß Plaue besuchte , zeigte er mir auf schlechtem Boden Eichenpflanzungen , die mit vortrefflichem Erfolg ge macht waren , und ich erfuhr nun , daß es aus Holland bezogene Pflänzlinge seien . Mit großer Liebenswürdigkeit übernahm er es mir dergleichen in Holland zu bestellen , sogar die Zahlung dafür zu leisten , so daß ich die bald danach eintreffenden Pflänzlinge nur vom Neustädter Bahnhof abzuholen hatte und zwar in drei Transporten , erst 20000 , dann 40000 , dann 50000 Stück . Alles gedieh vortrefflich . « 87 Von anderer Seite her wird mir über eben diesen Park geschrieben : » Überraschend schön und kühn ist die westlich vom Gutshofe sich hinziehende Parkanlage . Die Verteilung von Rasenflächen und Busch innerhalb derselben , die Gruppierungen von Nadel- und Laubhölzern , endlich die Auswahl der letzteren in bezug auf Wechsel in der Farbe des Laubes je nach der Jahreszeit – all das ist das Resultat eines geläuterten Geschmacks . Entworfen wurde das Ganze von dem verstorbenen Gartendirektor Meyer aus Berlin , ausgeführt aber von Alexander Gentz selbst , der im einzelnen auch zu kleinen Änderungen schritt . Ob zum Vorteil , stehe dahin . Der Park schließt ab mit einer Felsengrotte , zu der mächtige , bis zu 50 Fuß hohe Felsblöcke verwandt wurden , um deren Wände sich dichter Efeu rankt . « 88 Ob das ursprüngliche , von Alexander Gentz selbst herrührende Manuskript wirklich in den Turmknopf hineingelegt worden ist , weiß ich nicht . Was mir für diese meine Arbeit vorgelegen hat , war eine beglaubigte Abschrift . 89 Wir lieben nur das Individuelle « , schreibt der in allem rechtbehaltende Goethe . » Daher ( so fährt er fort ) unsere große Freude an Bekenntnissen , Memoiren , Briefen und Anekdoten abgeschiedener , selbst unbedeutender Menschen . « Und er hätte hinzusetzen können , auch solcher » of a quaestionable shape « . Das Oderland Vorwort zur dritten Auflage Entstanden 1860 / 63. Erstdruck : Berlin ( W. Hertz ) 1863 . Der Text folgt der » Wohlfeilen Ausgabe « von 1892 . Vorwort zur dritten Auflage Die neue ( dritte ) Auflage von » Oderland « hat mir erwünschte Gelegenheit geboten , auch diesem Bande , wie Band 1 , eine seinem Titel in größerer Genauigkeit entsprechende Gestalt zu geben . Es wurden alle Kapitel – bis auf eins : Schloß Kossenblatt 1 – die sich aus benachbarten Landesteilen hier eingedrängt hatten , ausgeschieden und durch andere , die dem Oderlande , bzw. dem Lande Barnim-Lebus , ihrem Stoffe nach angehören , ersetzt . Es sind dies namentlich die Kapitel : Gusow , Küstrin , Prenden . Und auch diesmal wieder hat diese strenger durchgeführte lokale Begrenzung einige Vorteile mit sich gebracht oder wenigstens nicht ausgeschlossen und wie Band I es mir gestattete , die Tage des Großen Königs in einer gewissen , wenn auch selbstverständlich der ganzen Anlage des Werkes nach , vielfach eingeschränkten und lückenhaften Ausführlichkeit zu schildern , so hat Band II es mir ermöglicht , die Tage des Großen Kurfürsten in einer ähnlich bedingten Vollständigkeit zu geben . In Prenden , Friedersdorf , Gusow , Tamsel , Möglin und Prädikow steckten , lokaliter eingekapselt , die Lebensgeschichten der Sparrs , Görtzkes , Derfflingers , Schönings und Barfus und in diesen Lebensgeschichten wiederum lebte die Geschichte der ganzen Zeit . Auch in Zukunft werde ich ähnliche Zusammenfassungen , die Darstellung ganzer Epochen innerhalb eines engen Rahmens , als wünschenswertes Ziel im Auge behalten . Für heute beschränke ich mich auf den Wunsch , diesem zweiten Bande der Wanderungen auch in seiner neuen Gestalt die Zustimmung alter Freunde gewahrt zu sehen . Berlin , 18. Oktober 1879 Th . F. Das Oderbruch und seine Umgebungen Von Frankfurt bis Schwedt Von Frankfurt bis Schwedt Saßen all auf dem Verdecke , Glocken klangen , alte Zeit , Und der Himmel wurde blauer Und die Seele wurde weit . Zwischen Frankfurt und Stettin ist während der Sommermonate ein ziemlich reger Dampfschiff-Verkehr . Schleppschiffe und Passagierboote gehen auf und ab und die Rauchsäulen der Schlote ziehen ihren Schattenstrich über die Segel der Oderkähne hin , die oft in ganzen Geschwadern diese Fahrt machen . Von besonderer Wichtigkeit sind die Schleppdampfer . Handelt es sich darum , eine wertvolle Ladung in kürzester Frist stromauf zu schaffen , so wird ein Schleppschiff als Vorspann genommen und in vierundzwanzig Stunden ist erreicht , was sonst vielleicht vierzehn Tage gedauert hätte . Ihre eigentlichen Triumphe aber feiern diese Schleppschiffe , wenn sie , wie von ungefähr , plötzlich inmitten einer kritisch gewordenen Situation erscheinen und durch ihre bloße Erscheinung die Herzen der geängstigten Schiffer wieder mit Hoffnung erfüllen . Sie sind dann , was der Führer für den Verirrten , was der Zuzug für die Geschlagenen ist , und beherrschen natürlich die Situation . Diese Situation ist fast immer dieselbe : entweder hat der Rettung erwartende Kahn sich festgefahren und müht umsonst sich ab , wieder flott zu werden , oder aber , er ist in ein mit Flößen verfahrenes Defilee geraten , so daß jeden Augenblick ein Zusammenstoß zu gewärtigen steht . Im ersteren Falle handelt es sich um Kraft , im anderen Falle um Geschick und Schnelligkeit , um das Bedenkliche der Lage zu überwinden , und der Schleppdampfer ist in der glücklichen Verfassung , beides , je nach Bedürfnis , bieten zu können . Aber freilich – gegen Zahlung . Nun beginnen die tragikomischsten Unterhaltungen , die man sich denken kann . Sie werden vom Kajütendach des Oderkahns einerseits , andererseits vom Radkasten des Dampfers aus geführt . Der geängstigte Schiffer hebt zunächst einfach seine Hand in die Höh ' , alle fünf Finger deutungsreich ausspreizend . Der Mann auf dem Radkasten schlägt eine verächtliche Lache auf und donnert seinen Befehl zu größerer Eile in den Maschinenraum hinunter , bis das bittende » Hallo « des Schiffers ihn wieder zu einem » stop « bestimmt . Der Schiffer hebt jetzt seine Hand mit den gespreizten Fingern zweimal in die Luft . Dasselbe Lachen als Antwort . So geht es weiter , bis der Kahnführer , der namentlich , wenn er zwischen Holzflößen steckt , seinen Ruin vor Augen sieht , die Summe bewilligt , die der Kapitän des Dampfers zu fordern für gut befindet . Diese Forderungen wechseln , da der letztere , mit scharfem Auge , je nach dem Grad der Gefahr , auch die Taxe bestimmt . Es kommt vor , daß der geängstigte Schiffer seine fünf Finger zehnmal erheben , d.h. also seine Befreiung aus dem verfahrenen Defilee mit 50 Taler preußisch bezahlen muß . Die Schleppdampfer , wie hieraus genugsam erhellen wird , spielen also auf der Oderstrecke , die sie befahren , die Doppelrolle des Retters und des Tyrannen , und im Einklang mit dieser Doppelrolle ist auch die Empfindung , mit der sie seitens der Schiffer betrachtet werden . Man liebt sie oder haßt sie . Alles , je nachdem die Gefahr im Anzuge oder glücklich überwunden ist . Die am Horizont heraufdämmernde oder wieder verschwindende Rauchsäule wird erst als Hoffnungsbanner begrüßt , dann als abziehende Piratenflagge verwünscht . Dazwischen liegt die Rettung . Nichts ist kürzer als Dank . Die Kapitäne wissen das ; aber als praktische Männer kennen sie keine Empfindelei und halten sich schadlos beim nächsten Fall . Sie haben zudem die ruhige Überlegenheit der herrschenden Kaste . Die Schiffer blicken , wie wir gesehen haben , mit geteilter Empfindung auf den Schleppdampfer ; nicht so die Floßführer . Diese geben sich ungeschwächt einer einzigen Empfindung , und zwar ihrem polnischen , oder böhmisch-oberschlesischen Hasse hin . Sie können es wagen . Das Floß , das an manchen Stellen die halbe Breite der Oder deckt , kann wohl den Schleppschiffen , aber das Schleppschiff kann nie und nimmer dem Floße gefährlich werden . Wenigstens nicht ernstlich . Es liegt also kein Grund vor , weshalb sie mit ihrer Abneigung hinter dem Berge halten sollten . Und zu dieser Abneigung ermangelt es nicht an triftigen Gründen . Die Schleppdampfer nämlich , weil sie den Flößen in Wahrheit weder nützen noch schaden können , begnügen sich damit , die reizbare slawische Natur zu nörgeln und zu ärgern . Wie Reiter , die lustig durch einen Tümpel jagen , alles , was in der Nähe ist , nach rechts und links hin mit Wasser und Schlamm bespritzen , so jagen hier die Dampfer an dem schwerfällig zur Seite liegenden Floß vorüber und unterhalten sich damit , das Floß unter Wasser zu setzen . Die zur Seite gedrückte Welle eilt , immer höher werdend , auf das Floß zu ; jetzt trifft sie den ersten Balken und spritzt hoch auf . Aber nicht genug damit ; die Hälfte der Welle gleitet unter dem Floß hin fort und überall da , wo eine Lücke sich bietet , nach oben tretend , setzt sie , an sechs , acht Stellen zugleich , das Floß unter Wasser . Nun sollte man glauben , die Flößer müßten gleichgültig sein gegen ein solches Fußbad ; aber , als wär ' es Feuer , sieht man jetzt die Besatzung des Floßes auf den Bäumen und Querbalken hin und her springen , als gält ' es vor ihrem bittersten Feinde zu fliehen . Diese Zickzacksprünge nehmen sich ebenso komisch wie malerisch aus . Mit vielem Geschick wissen sie immer eine Stelle zu treffen , wo ein Querbalken , ein Holzblock , oder am liebsten einer jener Erd- und Rasenhügel sich vorfindet , deren viele sich nicht nur über das Floß hin ausbreiten , sondern auch einen wesentlichen Teil der häuslichen Einrichtung desselben bilden . Bei dieser häuslichen oder wirtschaftlichen Einrichtung des Floßes hab ' ich noch einen Augenblick zu verweilen . Die Gesamtökonomie eines solchen Floßes besteht aus zwei gleich wichtigen Teilen , aus einem Kochplatz und einem Aufbewahrungsplatz , oder aus Küche und Kammer . Beide sind von gleich einfacher Konstruktion . Der Kochplatz , der Herd , besteht aus dem einen oder andern jener eben erwähnten Erdhügel , d.h. aus ein paar Dutzend Rasenstücken , die morgens am Ufer frisch abgestochen und wie Mauersteine neben- und aufeinander gelegt wurden . An jedem Morgen entsteht ein neuer Herd . Den alten Herdstellen aber gönnt man ihren alten Platz , und benutzt sie entweder als Inseln , wenn die Wellen kommen , oder nimmt sie auch wohl , nach einigen Tagen , als Herdstelle wieder auf . Auf diesem improvisierten Herde wird nun gekocht , was sich malerisch genug ausnimmt , besonders um die Abendstunde , wenn die Feuer wie Irrlichter auf dem Wasser zu tanzen scheinen . Ebenso wichtig wie der Kochplatz ist der Aufbewahrungsplatz . Seine Konstruktion ist von noch größerer Einfachheit und besteht aus einem halbausgebreiteten Bündel Heu . Auf dieser Heuschicht liegen die Röcke , Jacken , Stiefel der Floßleute , und ausgerüstet mit diesen primitivsten Formen einer Küche und Kammer , machen die Flößer ihre oft wochenlange Reise . Nach dieser Beschreibung wird es jedem klar sein , was eine solche Dampfschiffsneckerei für die Floßleute zu bedeuten hat . Jede aus den Lücken des Floßes hervorbrodelnde Welle spült nicht bloß über die Füße der Betroffenen hin , sondern schädigt sie auch wirklich an ihrem Hab und Gut , als handele es sich um eine Überschwemmung im kleinen . Hier fährt das Wasser zischend in das Herdfeuer und löscht es aus , dort hebt es das Heubündel , mit samt seinen Garderobestücken , von unten her in die Höhe und tränkt es entweder mit Wasser oder schwemmt es gar hinweg . Das weckt dann freilich Stimmungen , die der Vorstellung von einer wachsenden » Fraternität « des Menschengeschlechts völlig Hohn sprechen und zu Unterhaltungen führen , von denen es das Beste ist , daß sie im Winde verklingen . So viel von den Schleppschiffen . Von geringerer Bedeutung sind die Passagierboote , die übrigens , wie sich von selbst versteht , gelegentlich die Rolle tauschen und auch ihrerseits als » Retter « und » Tyrannen « ganz in der oben geschilderten Weise debütieren . Die Passagierboote gehen von Frankfurt aus zweimal wöchentlich , Mittwoch und Sonnabend , und machen die Fahrt nach Küstrin in zwei , nach Schwedt in acht , nach Stettin in zehn Stunden . Die Benutzung erfolgt mehr stationsweise und auf kleineren Strecken , als für die ganze Tour . Schon deshalb , weil die Eisenbahnverbindung die Reisenden eher und sicherer ans Ziel führt . Eher unter allen Umständen , und zwar um so mehr , als es bei niedrigem Wasserstande vorkommt , daß die Fahrt auf Stunden unterbrochen oder gar wohl ganz eingestellt werden muß . Die Regulierung des Oderbetts , ein in den Zeitungen stehend gewordener Artikel , würde diesem Übelstande vielleicht abhelfen und eine Konkurrenz der Dampfschiffe mit der Eisenbahn möglich machen . Damit hat es aber noch gute Wege , Flußregulierungen sind nicht unsre starke Seite , und so werden sich die beiden Passagierboote , die jetzt das Bedürfnis decken , noch längere Zeit mit dem Publikum behelfen müssen , das jetzt zu ihnen hält . Das Publikum , wenn auch nicht zahlreich , ist immerhin mannigfach genug . Tagelöhner , die auf die Güter , Handwerker , die zu Markte ziehen , dazu Kaufleute und Gutsbesitzer , auch gelegentlich Badereisende , besonders solche , die in den schlesischen Bädern waren . Nur eine Klasse fehlt , der man sonst wohl auf den Flußdampfern unserer Heimat , besonders im Westen und Süden , zu begegnen pflegt : der Tourist von Fach , der eigentliche Reisende , der keinen andern Zweck verfolgt , als Land und Leute kennenzulernen . Dieser » Eigentliche « fehlt noch , aber er wird nicht immer fehlen ; denn ohne das unfruchtbare und mißliche Gebiet der Vergleiche betreten zu wollen , so sei doch das eine hier versichert , daß an den Ufern der Oder hin allerlei Städte und reiche Dörfer liegen , die wohl zum Besuche einladen können , und daß , wenn Sage und Legende auch schweigen , die Geschichte um so lauter und vernehmbarer an dieser Stelle spricht . Sehen wir selbst . Es ist Sonnabend um fünf Uhr morgens . An dem breiten Kai der alten Stadt Frankfurt , hohe Häuser und Kirchen zur Seite – das Ganze mehr oder weniger an den Kölner Kai zwischen der Schiffbrücke und der Eisenbahnbrücke erinnernd – liegt der Dampfer und hustet und prustet . Es ist höchste Zeit . Kaum daß wir an Bord , so wird auch das Brett schon eingezogen und der Dampfer , ohne viel Kommando und Schiffshallo , löst sich leicht vom Ufer ab und schaufelt stromabwärts . Zur Linken verschwindet die Stadt im Morgennebel ; nach rechts hin , zwischen Pappeln und Weiden hindurch , blicken wir in jenes Hügelterrain hinein , dessen Name historischen Klang hat trotz einem , – Kunersdorf . Wir werden noch oft , während unserer Fahrt , an dieses Terrain und diesen Namen erinnert werden . Der Morgen ist frisch ; der Wind , ein leiser aber scharfer Nordost , kommt uns entgegen und wir suchen den Platz am Schornstein auf , der Wärme gewährt und zugleich Deckung gegen den Wind . Es ist nicht leicht mehr , ein gutes Unterkommen zu finden , denn bereits vor uns hat ein Gipsfigurenhändler , mit seinem Brett voll Puppen , an eben dieser Stelle Platz genommen . Er ist aber umgänglich , rückt sein Brett beiseite und wartet auf Unterhaltung . Das Puppenbrett bietet den besten Anknüpfungspunkt . König und Königin ; Amor und Psyche ; Goethe , Schiller , Lessing ; drei » betende Knaben « und zwei Windhunde , außerdem , alle andern überragend , eine Aurora und eine Flora bilden die Besatzung des Brettes . Der Aurora sind ihre beiden Flügel , der Flora das Bukett genommen ; beides , Bukett und Flügel , liegen , wie abgelegter Schmuck , zu Füßen der Figuren . » Was geht denn so am besten ? « eröffne ich die Konversation . » Ja das ist schwer zu sagen , mein Herr « , erwidert der Figurenmann ( der sich durch das hierlands selten gebrauchte » mein Herr « sofort als ein Mann von gewissen » Allüren « einführt ) , » es richtet sich nach der Gegend . « » Ich dachte König und Königin . « » Versteht sich , versteht sich « , unterbricht er mich lebhaft , als sei er mißverstanden , » Königliches Haus und Goethe-Schiller immer voran . Selbstverständlich . « – » Aber außerdem ? « » Ja , das war es eben , mein Herr . Hier herüber « – und dabei deutete er , nach rechts hin , in die Sandgegenden der Neumark hinein , » hier herüber verkauf ich wenig oder nichts , nur dann und wann einen › betenden Knaben ‹ . Ich könnte von meinem Standpunkt aus sagen « – und dabei überflog ein feines Lächeln sein Gesicht – » wo der gute Boden aufhört , da fängt der › betende Knabe ‹ an . « » Nun da gehen diese wohl ins Bruch « , erwiderte ich lachend , indem ich auf Flora und Aurora zeigte . » Aurora und Flora gehen ins Bruch « , wiederholte er mit humoristischer Würde . » Auch Amor und Psyche . « Ich nickte verständnisvoll . Wir standen nun auf und traten an die Schiffswandung . Er sah , daß ich einen Blick in die Landschaft tun wollte und wartete , bis ich die Unterhaltung wieder aufnehmen würde . Das linke Oderufer ist hügelig und malerisch , das rechte flach und reizlos . Der eigentliche Uferrand ist aber auch hier steil und abschüssig und die Wandung mit Weidengebüsch besetzt . Inmitten des gelblichen , um die Sommerzeit ziemlich wasserarmen Stromes schwimmen Inseln , und die Passage erweist sich , selbst bei genauer Kenntnis des Fahrwassers , als sehr schwierig . Vorn am Bugspriet stehen zwei Schiffsknechte mit langen Stangen und nehmen beständig Messungen vor , die um so unerläßlicher sind , als die Sandbänke ihre Stelle wechseln und heute hier und morgen dort sich finden . Fluß , Ufer , Fahrt , alles hat den norddeutschen Charakter . Inzwischen ist es heller geworden , die Nebel haben der Sonne Platz gemacht und mit dem Sonnenschein zugleich dringen , von rechts her , Glockenklänge zu uns herüber . Dorf