die Massaban bei Ahriman Mirza angekommen seien . Und bald darauf stellte sich ein zweiter mit der Nachricht ein , der Mirza habe sich an ihre Spitze gestellt und komme mit ihnen anmarschiert , doch leise , ohne Pferde , wie es seine Absicht ja erfordere . Der Ustad wiederholte seine für diesen Fall schon vorher gegebene Weisung , sich so weit zurückzuziehen , daß man nicht bemerkt werden könne , und den Heranschleichenden den Weg nach den Ruinen vollständig freizugeben . Es dauerte nicht lange , so kamen sie , von den Nebel gedeckt , die aber auch uns ihnen verbargen . Sie glaubten den Duar im friedlichen Schlafe und zogen vorüber , ohne daß Etwas geschah , was ihnen diesen Glauben benahm . Wir kehrten also in unsere vorherige Stellung zurück . Einige Zeit später erklang in den Ruinen über uns ein lauter , aber kurzer , abgerissener Schrei . Hierauf war es , als ob Jemand mit unterdrückter Stimme irgend Etwas kommandiere . Dann war es wieder still . So ungefähr eine Stunde nach Mitternacht erfuhren wir , daß die Vorhut der Schatten von den Pässen her nahe und draußen in der Ebene halte , um die ganze Horde herankommen zu lassen ; die Unteranführer des Mirza seien ihnen entgegengeritten , um sie dann nach dem See zu führen . Und nach einer längeren Pause meldete man uns von der andern Seite des Berges , daß die Ultra-Taki in das Garn gegangen seien und nun in dem Gange stäcken , ohne rück- oder vorwärts zu können ; Ibn el Idrak aber habe die ganze Vollzahl der verständigen Taki zu dem Entschlusse gebracht , sich dem Scheik von Schohrd anzuschließen und gegen Morgen bei uns einzutreffen . Dieser Bote hatte sich eben entfernt , so kam Jemand , an den wir jetzt am allerwenigsten gedacht hätten , nämlich der - - - Aschyk . Er war oben im Hause gewesen , um uns zu sprechen , und hatte erfahren , wo wir uns befanden . Was er uns mitteilte , war noch interessanter als sein völlig unerwartetes Erscheinen . » Ich bin öfters bei Euch gewesen , als Ihr denkt , « sagte er , » und von Allem sehr gut unterrichtet . Der Scheik ul Islam hat mich bis heut als seinen Spion betrachtet , der sich in Euer Vertrauen geschlichen habe , um Euch an ihn zu verraten . Darum erntet er aber nun selbst das Unkraut , welches er für Euch säete ! Ich war oben auf dem Berge und habe mich überzeugt , daß die Lawine nicht mehr zu halten ist . Ich hielt es für meine Menschenpflicht , es ihm zu sagen , damit er sich entfernen möge . Da lachte er mich aus . Ja , er wurde sogar mißtrauisch , von mir dieselbe Warnung zu hören , wie von Euch , doch durfte ich bei ihm bleiben . Er wanderte unruhig zwischen seinem Zelte und dem Allerheiligsten hin und her , um nachzusehen , ob seine Taki durch den Gang angekommen seien . Sie stellten sich aber nicht ein . Auch seine Bedienung habe ich gewarnt . Sie steht auf dem Sprunge , sich zu retten . « » Und sein Gefolge ? « fragte ich . » Der Heilige , der Selige , der Imam und die Generale ? « » Die sind bei den Taki geblieben und bleiben auch dort , bis der Kampf vorüber ist . « » Das ist ja höchst bezeichnend ! « sagte der Pedehr , der bei uns stand . » Früchte auflesen , aber ja nicht mit schütteln ! Wie leicht könnte eine treffen , vielleicht gar eine faule ! Sprich weiter ! Hast du die Khanum Gul gesehen ? « » Nicht nur gesehen , sondern sogar mit ihr gesprochen . Diese beiden Personen verkehren notgedrungen sehr höflich miteinander , hassen sich aber grimmig . Sie glaubt ebenso wie der Prinz , daß ich der Schatten des Scheik ul Islam sei , und schmeichelt mir , um Gefährliches über ihn zu erfahren . Das zwingt sie , auch ihrerseits mitteilsam gegen mich zu sein , und so werde ich von beiden Seiten unterrichtet , ohne diesen Unterricht selbst bezahlen zu müssen . Mit heut ist aber hierin eine Aenderung eingetreten . Die Khanum Gul hat mir nämlich den Antrag gestellt , in ihren Dienst zu treten . Sie sagte , es gehe mit dem Scheik ul Islam zu Ende und sie werde mir die beste Garantie für meine Zukunft geben , falls ich geneigt sei , Alles zu sagen , was ich über ihn wisse . Das war gegen Mitternacht , denn sie hatte mich für diese Zeit zu sich bestellt , weil sie da Ahriman bei sich erwarte . Er kam , aber nicht allein , sondern mit den Massaban . Als er hörte , worüber wir verhandelt hatten , forderte er mich auf , sofort mit ihm zu gehen , um bewiesen zu sehen , daß es besser für mich sei , zu ihm und zur Khanum Gul , als zu dem Scheik ul Islam zu stehen , der sich grad eben in seinem Zelt befand . Er ließ dieses von den Massaban umzingeln und trat mit den Anführern hinein . Ich durfte mit . Da ich die Unterredung dieser beiden Männer im Allerheiligsten mit belauscht hatte , ahnte ich , was es nun für eine Szene geben werde , und wie ich dachte , so geschah es auch : Der Fürst der Schatten nahm den Scheik ul Islam beim Genick , nicht nur bildlich , sondern auch wörtlich , und schüttelte ihn so lange ab , bis auch der letzte Rest von Hochmut herausgeschlottert war . Dann warf er ihn hin und befahl , ihn auf das Strengste hier zu bewachen , bis der Kampf vorüber sei , und ihn dann zur weiteren Bestimmung vorzuführen . Natürlich trat er während alles Dessen , was ich erzähle , nur als Ahriman Mirza , nicht aber als der Fürst der Schatten auf und gab kluger Weise zu ahnen , daß dieser Letztere sich bei den heranziehenden Sillan befinde . Er ließ hierauf das Allerheiligste besetzen , um die Taki nicht in die Ruinen zu lassen , und kehrte dann nach dem Zelte zurück . Ich hatte vor demselben zu bleiben , bei der Dienerschaft , der ich dann half , Decken und Kissen nach der Vorderkante des Stockwerks zu schaffen , wohin der Mirza und die Gul sich beim ersten Grauen des Morgens setzen wollen , um von diesem allerbesten Platze aus dem Abschlachten der Dschamikun zuzusehen . Das gab mir Gelegenheit , mich zu entfernen . Ich eilte nach Eurem Hause hinüber und wurde da zu Euch hierhergeschickt . « » Und was tust du nun ? « fragte der Ustad . » Das weiß ich nicht . Gib mir einen Platz , damit ich für Euch kämpfe ! « » Wir haben Krieger genug . Bist du ein guter Reiter ? « » Ja . « » So eile nach dem Hause zurück , und sag Kara Ben Halef , daß schnell gesattelt werden soll . Der Barkh für ihn , der Ghalib für dich und der Assil für mich . Dem Syrr mag Schakara den Sitz auflegen ; er ist für den Effendi , doch nur mit Halfter . Dann kommt Ihr herab ! « » Wohin soll es gehen ? « fragte ich , indem sich der über diesen Auftrag erfreute Aschyk entfernte . » Hinauf nach dem Beit-y-Chodeh . Dieser Gedanke kam mir erst soeben . Es gibt kein edles Waffenspiel , keinen Kampf zwischen gleichwertigen Männern , sondern nur ein völlig gefahrloses Kesseltreiben auf niedriges Gezücht . Der Kessel ist gestellt , und Jedermann kennt seinen Posten und das , was man von ihm erwartet . Der Hauptmann mag an meine Stelle treten ; er weiß Bescheid für alles Mögliche . Wir aber reiten dort hinauf , weil wir vom Beit den besten Ausblick haben . Sehen wir , daß man uns braucht , so können wir in zwei Minuten wieder unten sein . Nötigenfalls dienen Kara oder der Aschyk uns als Boten . « Das hatte meinen Beifall , besonders deshalb , weil der zu erwartende Bergsturz , falls er nicht später kam , von dem Säulentempel aus viel besser als an jeder andern Stelle beobachtet werden konnte . Der Hauptmann bekam also seine Weisung , und wir gingen nach dem Bergwege , wo Kara mit dem Aschyk und unsern Pferden sehr bald eintraf . Der Himmel hatte noch die stumpfe , bleierne Farbe , und auch die Nebel zogen noch dicht über den See und das Tal . Sie waren jetzt so kompakt , daß man nur wenige Schritte weit sehen konnte . Dann aber hörten sie plötzlich auf . Wir waren ihrer Grenze entstiegen und befanden uns in freier , durchsichtiger Morgenluft . Es war zwar noch nicht Tagesanbruch , aber im Osten dämmerte es schon leise , und die Linien unserer Bergesspitzen wurden - - - Bergspitzen ? Ah ! Auf der dort im Westen flammten hochlodernde Feuer . Waren sie erst jetzt angebrannt worden , oder hatten wir sie wegen des Nebels vom Tale aus nicht sehen können ? Das waren die Warnungszeichen auf der Höhe des Alabasterzeltes . Die Lawine holte zum schrecklichen Sturze aus ! Am Beit-y-Chodeh angekommen , stiegen wir ab . Der Aschyk blieb bei den Pferden ; wir andern Drei betraten das Innere und gingen nach vorn , wo wir uns niedersetzten . Da sagte der Ustad : » Hier war es , hier an diesem Orte , wo der Feind uns herausforderte , so soll es nun auch hier sein , von wo aus wir sehen , was er vermag . Der frechste von ihnen damals , der Henker , ist schon dahin , beseitigt durch sich selbst , durch seine eigene Waffe . Du , auf dessen Person er die Blutrache warf , brauchtest gar nicht einzugreifen . So nun auch ich ; ich lasse es dem Verhängnis über ! « Wir waren nicht etwa allein hier oben . Ich habe bereits gesagt , daß sich die ganze , große Menge der heut bewaffneten Festgäste auf die ringsum liegenden Höhen zurückgezogen hatte . Sie waren auch hier am Beit . Sie füllten den ganzen , freien Platz . Ihre Linie lief nach beiden Seiten in den Busch , in den Wald hinein . Und als es nun nach und nach heller zu werden begann und unser Blick über den See hinüberreichte , sahen wir sie auch drüben stehen , fast Kopf an Kopf , den ganzen See entlang - - - auch eine Lawine , welche bereit war , hernieder zu fahren , in den ethischen Abgrund , in das Heer der Sillan hinein . Diese Gefahr für die Feinde war zwar von hier oben , aber noch nicht von unten aus zu sehen . Denn die Nebel rückten enger und enger zusammen und immer neue und neue kamen dazu . Sie machten für die Tiefe den Blick nach oben unmöglich . Es war , als ob sich die heranziehenden Schatten in dieses dunstige Geschwader verwandelt hätten , um ihren Angriff vom Lande auf das Wasser zu verlegen . Denn der erste Hauch des Morgens war gekommen , von Osten her , wo die Kalhuran mit den nördlichen Dschamikun nun standen , und schob die Nebel , zunächst langsam zwar , doch unwiderstehlich vor sich her , der Ruinenseite zu . Dort wirrten und wühlten sie sich an den alten Mauern empor , wickelten und wirbelten zu den Türmen hinauf und wagten sich sogar über diese hinüber , wo sie an der Kühle und Ruhe des Felsens erstarben . So wurde es da draußen gegen Aufgang von ihnen frei und zugleich am Himmel immer heller und heller . Schon wurde die Ebene klar , die nach den Pässen führte . Da sahen wir sie reiten , die Schatten . Sie hatten sich am Zelte des Mirza geteilt , um an beiden Ufern gleichzeitig vorzudringen . Ihre Spitzen steckten schon tief in den Nebeln , aber ihre Zahl war so groß und ihre Kolonne so lang , daß nur ein sehr scharfes Auge den hinterherziehenden Troß zu erkennen vermochte . Wehe ihnen , wenn Ahrimann den Befehl gegeben hatte , daß diese ganze Menge den See besetzen solle ! Sie konnte sich ja nicht rühren ! Sie war genau so eingestopft wie die Ultra-Taki im geheimen Gange , nur daß hier die Flucht nach rückwärts offen stand ! Aber was für eine Flucht ! Während wir da hinausschauten , um sie heranziehen zu sehen , kam er hinter ihnen her - - - der Tag ! Er folgte ihnen ; er hing die Vorhut seines Lichtheeres an ihre Fersen und sandte uns , hoch über ihnen , den Odem seines Grußes zu . Dieser kraftvolle Atemstrom brach sich am Berge der Ruinen und wühlte dort die Nebel auseinander , um das Gemäuer , wenn auch nur vorübergehend , unsern Blicken preiszugeben . Da lagen die beiden Zelte . Das eine war von den Massaban umzingelt . Bei dem andern sahen wir Niemand . Aber vorn , auf der Mauerkante , saß Ahriman Mirza neben der Khanum Gul , und hinter ihnen standen die Diener . Die Stelle , welche sie sich gewählt hatten , lag so weit zurück , daß es ihnen selbst auch ohne die Nebel nicht möglich gewesen wäre , unsere Aufstellung unten im Duar zu bemerken . Sie befanden sich also noch immer in dem Glauben , daß die Dschamikun in tiefem Schlafe lägen . Da wieherte bei den Schatten ein Pferd . Ein anderes antwortete - - noch eines und noch eines . Das war in der Stille des Morgens weithin zu hören und für Ahriman ein Zeichen , daß seine Schatten angekommen seien . Er hatte sie schon des Nachts erwartet und war ungeduldig geworden . Warum den Duar erst leise und schleichend besetzen , wenn es nur einiger weniger Augenblicke bedurfte , ihn in schnellem Ansturm zu überrumpeln ? Der Morgenhauch war zum Winde geworden , welcher die Dünste zur rascheren Bewegung zwang . Er begann , sie zu drängen , zu zerreißen , zu peitschen . Sie flatterten auseinander . Sie stoben nach allen Seiten . Sie flohen in alle Lüfte , um dort zerrissen zu werden . Der lichte Morgen war am See erschienen und räumte mit ihnen auf . Von den Ruinen verschwanden sie zuerst , weil der von der Felsenwand zurückkehrende Luftstrom dort doppelt wirkte . Da sahen wir Ahriman stehen . Er hatte sich hoch und gebieterisch aufgerichtet und eine Pistole in der Hand , um das verabredete Zeichen zu geben . Er schaute hinaus , über den See . Er sah nur Schatten , nichts als Schatten , welche nun alle herangekommen waren und in dichtgedrängter Menge das Tal besetzt hielten . Er sah nicht die Dschamikun auf den Höhen , weil sie sich hinter Felsen , hinter Bäume und Sträucher verbargen . Und er sah , wie bereits erwähnt , auch nicht unsere kanonenstarrende Aufstellung unten an der vordersten Ruinenmauer . Darum gab er sein Signal ; die Pistole krachte . Nun war er selbstverständlich überzeugt , daß die Schatten sofort von beiden Seiten in das Dorf dringen würden . Das geschah aber nicht , jedenfalls zu seinem größten Erstaunen . Ihre Spitzen waren nahe genug herangekommen , um zu sehen , was vor ihnen lag . Sie hatten beim Anblicke der ihnen entgegengähnenden Geschütze ihre Bewegung eingestellt , und die Führer schienen sich zu beraten . Da schoß Ahriman den zweiten Lauf ab und winkte mit beiden Armen , indem er laute Befehle rief . Man sah seinen Bewegungen an , daß er zornig geworden war . Jedenfalls hatte er befohlen gehabt , sein Zeichen zu erwidern , denn die Päderan gaben nun auch ihre Schüsse ab , je einen auf beiden Seiten . Weiter vorzurücken aber unterließen sie , indem sie wiederwinkten und nach dem Dorfe zeigten . Ihre Schüsse schienen ein vielstimmiges und nicht enden wollendes Echo erweckt zu haben , und Aller Augen richteten sich nach oben , von wo es herunterklang . Da brannten die Warnungsfeuer zwar noch , aber blaß und fahl im Tageslichte . Die Wächter hatten sich auf dem sichern Felsen am Alabasterzelte zusammengezogen und sagten uns durch die Stimmen der mit hinaufgenommenen Gewehre , daß die Moräne zum Sturze auszuholen beginne . Und zu gleicher Zeit griff nun der Hauptmann in die Szene ein . Seine kommandierende Stimme erscholl . Auf seinen beiden Flanken donnerte je ein Geschütz , für dieses eine Mal nicht scharf geladen , und die acht rund um den See verteilten Kanonen fielen augenblicklich ein . Und nun sprangen auf allen Höhen die Dschamikun hinter ihren Verstecken hervor und ließen ihre Stimmen erschallen und ihre Gewehre ertönen . Das war wie ein einziger Schrei und wie ein einziger Krach , unter dem das ganze Tal und der See in ihm erbebte . Dann trat jene tiefe , den Atem an sich haltende Stille ein , welche nur entscheidenden oder gar fürchterlichen Ereignissen voranzugehen pflegt . Kein Mensch , so weit man sah , schien sich bewegen zu können , mit Ausnahme von nur einem . Das war der Chodj-y-Dschuna . Er ging nach dem Landeplatze , stieg in das Boot und ruderte es so weit vom Lande ab , daß er von Ahriman gesehen werden konnte . Dieser stand , noch immer hoch aufgerichtet , aber wie zu Stein erstarrt , auf seinem Platze . Begriff er das , was vor ihm lag ? Oder konnte er überhaupt nichts mehr begreifen ? Da erhob sich der brave Lehrer der Dschamikun von der Ruderbank und rief mit weithin hörbarer Stimme zu ihm hinauf : » Ahriman ! Die Sterbestunde deines Reiches naht . Die Mauern unter dir beginnen schon , zu wanken , und über dir will die Lawine stürzen ; man gab von dort das Zeichen , daß sie kommt . Du willst dem Schah-in-Schah die Herrschaft stehlen und - - - « Ein schmetterndes Gelächter schnitt ihm die Rede ab . Aber nicht der Mirza lachte , der sich immer noch nicht regen zu können schien , sondern die Gul war aufgesprungen , um in dieser Weise zu zeigen , daß das Weib in den Augenblicken der Gefahr oft hoch über dem Manne stehe . Sie riß dem vollständig Ratlosen den Säbel aus der Scheide , trat bis ganz an den Rand der hohen Mauer vor und schrie herab : » Erzähle keine Fabeln , sondern schau dich nach der Wahrheit um ! Die Lawine will nicht erst kommen , sondern sie ist schon da . Sie wird Euch packen , sofort , sofort ! Heran , Ihr Leibscharen des neuen Schah- heran ! Hier blitzt der Stahl ; ich rufe Euch zum Siege ! Yallah103 - yallah - - yallah ! « Sie schwang den Säbel hoch empor , indem sie diesen Ruf ebenso hinausschmetterte , wie vorher das Gelächter und - - - war das tollkühne Absicht oder die Folge des unvorsichtigen , zu weiten Vortretens ? Sprang sie , oder stürzte sie ? Ließ sie die Klinge fallen , oder hielt sie sie fest ? Man konnte das nicht unterscheiden , aber - - - bei dem dritten Yallah flog sie von der Mauer herunter . Das sah genau so aus , als tue sie das , um durch diesen verwogenen Sprung in die Feinde herunter die zögernden Schatten zum Angriff zu begeistern . Und es wirkte ! » Yallah , yallah ! « riefen die Päderan , indem sie vorwärts stürmten . » Yallah , yallah ! « schrien die ihnen nachdrängenden Schatten . » Yallah - yallah - - yallah ! « brüllte es , weiterlaufend , rund um den ganzen See . Die beiden Kolonnen drängten nach vorn . Da winkte der Chodj-y-Dschuna vom Boote aus dem Hauptmanne zu . Dieser gab das Zeichen . Es wurde zu beiden Seiten gesehen , und die Geschütze begannen , den Tod in die Feinde zu sprühen , nicht nur die zwölf im Duar , sondern auch die übrigen acht . Der Donner der Kanonen riß den Mirza aus seiner Erstarrung . Er fuhr sich mit beiden Händen nach dem Kopfe und trat , so wie vorher die Khanum , ganz an den Rand der Mauer vor , um ihr nachzublicken . Aber unsere Augen wurden durch etwas Anderes von ihm und von der Wirkung der Schüsse ab- und in die Höhe gezogen . Wir konnten vom Beit-y-Chodeh aus das ganze abschüssige Terrain am Alabasterzelte übersehen . Die Moräne hatte das lockere Geröll erreicht und schob es vor sich her . Sie wuchtete selbst die größten Blöcke aus , welche infolge ihrer Schwere ins Rollen kamen und der eigentlichen Lawine vorausstürzten . Das geschah gerade in der Pause nach dem ersten Krachen unserer Kanonen . Die Massaban schauten von der Kampfesszene weg , hinauf nach der Bergeskuppe . Sie wußten von dem Aschyk , daß ein Bergsturz erfolgen werde , und als sie nun Stein auf Stein herniederfallen sahen , ergriffen sie schleunigst die Flucht . Der Duar lag zu nahe am Berge ; von ihm aus konnte der Eintritt der Katastrophe noch nicht bemerkt werden . Aber den Schatten draußen am Wasser mußte er unbedingt in die Augen fallen . Sie hielten im Vordrängen wieder inne . Sie schrieen nicht mehr » yallah « , sondern ganz anders . Sie richteten ihre Blicke nicht nach vorn , obgleich da unsere Geschütze weiterdonnerten , sondern nach oben , wo die Moräne sich am Felsen des Zeltes in zwei breite , wirbelnde Ströme geteilt hatte und nun herniederschoß . Noch ehe sie unten auftraf , erscholl von allen Punkten des Tales ein vieltausendstimmiger Schrei , dann - - Das war kein Krach , den es gab , kein Schlag , kein Knattern und Prasseln , kein Dröhnen und Rasseln , kein Knirschen und Tosen , kein Brausen und Sausen , kein Zerbersten , Zerspringen und Zerplatzen , kein Knallen , kein Beben , kein Zittern , kein Rollen , und doch aber war es dieses Alles , Alles , Alles , aber in so entsetzlicher und betäubender Weise vereint , daß es ganz unmöglich beschrieben werden kann . Die Wucht des Sturzes dieser schweren Massen erregte einen Luftdruck , der uns hier hüben wie ein unsichtbarer Schlag an die Köpfe traf , drüben aber Alles , was da stand , zu Boden warf . Ahriman Mirza wurde von der Mauer hinweg und weit in die Luft hinausgeblasen . Wohin er fiel , das sahen wir nicht , weil aus der höllischen Verwirrung eine Staubwolke aufstieg , welche zunächst die ganze Ruinenseite des Tales verhüllte und sich dann in der Weise weiter verbreitete , daß wir nur mit Vorsicht atmen konnten . Die Atmosphäre wurde in solcher Höhe und Weite von diesem Staube erfüllt , daß noch einige Tage später der Bergwald am äußersten Ende des Sees aus Grün in Grau verwandelt lag . Das Auftreffen der Lawine hatte eine Bodenerschütterung zur Folge , die als Zittern weiterlief und von einem Geräusch begleitet wurde , als ob ein Kegeljunge alle seine Kugeln auf der Laufrinne hinunterrollen lasse . Obgleich wir auf dieses Ereignis vorbereitet gewesen waren , konnten wir uns dem Eindrucke seiner elementaren Gewalt doch nicht entziehen . Wie mußte es da erst bei Denen wirken , die es unerwartet traf ! Wir sahen das zwar nicht , aber wir hörten umso mehr . Das war kein Lärm , der zu uns heraufdrang , sondern ein überlaut zeterndes Getöse . Menschliche Stimmen erschallten in jeder Klangfarbe des Entsetzens . Pferde wieherten überall , aber in einer mir bisher ganz fremden Weise . Kamele brüllten ; Hunde heulten . Auch im Walde wurde es laut . Die ganze Tierwelt , die zahme und die wilde , schien sich in der größten Aufregung zu befinden . Wir mußten hin zum Aschyk eilen , weil unsere Pferde durchgehen wollten . Als wir sie beruhigt hatten und wieder an unsern Platz kamen , stieß der Ustad einen Ruf der Ueberraschung aus , indem er dort hinüber deutete , von woher die Lawine gekommen war . Auch wir staunten , Kara und ich . Die Staubwolke hatte nicht bis zur Bergeskuppe steigen können , und hier bei uns begann sie , dünner zu werden . Darum sahen wir zwischen den beiden Wegen , welche die Moräne genommen hatte , einen freien , nackten , starken Felsenarm weit in die Luft hinausragen , in dessen gewaltiger Faust die glänzend weiß blinkende Alabasterkrone ruhte . So , genau so hatte ich es mir gedacht , als ich mich zum ersten Male auf dem See befand104 . Meine damalige Idee war also keine schnell und spurlos zerplatzende Gedankenblase gewesen ! Wie da drüben die eine Lawine niedergegangen war , so schickte sich nun auch die andere , die kriegerische , an , zu Tale zu rollen . Ueberall , wo der Staub es nicht verhüllte , sahen wir , daß die Dschamikun die Höhen verließen , um in die von der Katastrophe unterbrochene Aktion einzugreifen . Es war vorherbestimmt worden , daß sie nach den ersten Kanonensalven sich unter guter Deckung an die Schatten machen sollten , um sie unter ihr Gewehrfeuer zu nehmen , welches bei den hier gegebenen Verhältnissen denselben Erfolg haben mußte wie ein Hagelwetter auf ein schutzlos stehendes Feld . Dann hatte die zu beiden Seiten des Duar versteckte Reiterei hervorzubrechen , um die Uebriggebliebenen niederzurennen oder , einer unheilvoll wirkenden Schaufel gleich , in den See zu werfen . Wir erwarteten , daß das Schnellfeuer dieser tausende von Schützen jetzt beginnen und mit seinem ununterbrochenen Rollen jedes andere Geräusch verschlingen werde , bekamen aber nichts zu hören , als das dumpf herauftönende Stampfen eilig laufender Pferde . Kein Schuß wollte fallen , weder aus einer Kanone noch aus einem Gewehre . Was war das ? Welchen Grund hatte dieses für uns rätselhafte Schweigen ? Unser Freund , der Morgen , beantwortete uns diese Frage . Wie vorher in die Nebel , so fuhr er mit seinem Winde nun auch in die Staubwolke . Er trieb sie vom See hinweg nach dort , woher sie gekommen war , nach den Ruinen , und drückte sie derart gegen die Felsenwand , daß sie zu ersticken begann . Das Tal lag infolge dessen vollständig frei vor unsern Augen , und da erkannten wir , daß uns unser so wohlüberlegter Plan auf das Gründlichste verdorben worden war . Wir sahen einander an und wußten nicht , ob wir lachen oder uns ärgern sollten . Wie lächerlich von uns , geglaubt zu haben , daß die Schatten unter dem Schutze des Alles verhüllenden Staubes unsern Kanonen Stand halten würden ! Sie waren nämlich gar nicht mehr da , diese unstäten , schreckhaften Memmen ! Wo Lawinen stürzen , bleiben nur herzhafte Männer stehen , nicht aber feige Gesellen , denen das Rückgrat fehlt ! Wie aber war das gekommen ? Und wie hatte es geschehen können , daß eine so dicht zusammengedrängte Menge sich zu entfernen vermochte , ohne unter sich selbst auch nur eine Spur von Verwirrung anzurichten ? O , sehr einfach und leicht ! So kompakt sich ihre Masse vorerst zusammengeschoben hatte , es war doch schnell , sehr schnell Platz geworden . Die Hintertreffen hatten gleich bei den ersten Kanonenschüssen das Weite gesucht , denn für eine so grobe Behandlung ist kein Schatten zu haben . Dadurch waren ganz naturgemäß neue Hintertreffen entstanden , welche ganz derselben Meinung waren und auch ganz dasselbe taten ; sie machten ebenso Kehrt . So hatte sich ein Hintertreffen nach dem andern gemütvoll abgelöst , um heimlich nach rückwärts zu gehen . Wir sahen diese einzelnen Geschwader schon außerhalb des Tales reiten , um sich dort einträchtig und wohlbehalten wieder zusammenzufinden . Wenn auch nicht ganz , aber doch so ziemlich nahe befanden sich nur noch die beiden lieben Vordertreffen . Sie hatten ganz unerwartet und zu ihrem größten Erstaunen bemerkt , daß sie nun nicht mehr vorn , sondern hinten waren , und sich augenblicklich umgedreht , um wieder nach vorn zu kommen . Ihre Pferde waren es , deren galoppierenden Hufschlag wir gehört hatten . Sie strebten soeben von beiden Seiten dem Zelte Ahriman Mirza ' s zu und jagten , als ob ihnen unsere ganze Macht im Nacken säße . » Schatten ! « sagte der Ustad in einem Tone , als ob es ihn ekele . » Und mit solchem Gesindel will man nicht nur uns , sondern sogar dem Schah-in-Schah imponieren ! Wie töricht von uns , solche Vorbereitungen zu treffen , wo es sich jetzt herausstellt , daß es keines einzigen Mannes von uns bedurfte . Fast schäme ich mich ! « Wir sahen , daß man unten im Duar ebenso erstaunt war , wie wir hier oben , doch zögerte man nicht , sich der neuen Situation sofort anzubequemen . Die Reiterei brach hervor , um die Verfolgung aufzunehmen . Drüben erschien der auf dem Nordwestwege versteckt gewesene Scheik von Schohrd mit seinen Leuten , und ihm folgte Ibn el Idrak mit den Takikurden , die er hatte anmelden lassen . Hüben brachen die südlichen Dschamikun aus dem Wege nach dem Tale des Sackes hervor , hinter ihnen die Dinarun , von ihrem Scheike angeführt . Sie ritten , was ihre Pferde nur laufen konnten , auf der Rennbahn zu beiden Seiten des Wassers hin , um die Schatten den vereinigten Kalhuran und nördlichen Dschamikun entgegen zu treiben . Auch der Hauptmann der Leibgarde warf sich auf sein Pferd ; der Chodj-y-Dschuna ebenso . Dschafar Mirza eilte nach dem Hause hinauf , um sich beritten zu machen . Die Dschamikun alle , welche im Niedersteigen begriffen